Der Inside Day ist eine der einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Chartformationen im Price-Action-Trading. Er zeigt einen Handelstag, an dem der Markt weder das Hoch noch das Tief des Vortages erreicht hat. Genau diese Unentschlossenheit ist die eigentliche Information: Der Markt zieht sich zusammen, bevor er sich entscheidet.
Dieser Artikel erklärt, was ein Inside Day bedeutet, wie er sich von der Inside Bar und vom Harami unterscheidet und wie du ihn konkret handelst. Dazu kommt die ID/NR4-Variante von Toby Crabel, die den Inside Day mit der engsten Kursspanne mehrerer Tage kombiniert. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Inside Day Trading: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Definition: Ein Inside Day ist ein Handelstag, dessen komplette Kursspanne innerhalb der Spanne des Vortages liegt. Tieferes Hoch, höheres Tief.
- Aussage: Der Inside Day zeigt sinkende Volatilität und Konsolidierung, nicht eine Richtung. Die Richtung entscheidet erst der Ausbruch.
- Handel: Stop-Kauforder über dem Hoch, Stop-Verkaufsorder unter dem Tief. Der Stop-Loss liegt am gegenüberliegenden Extrem und ist dadurch eng.
- Kontext schlägt Muster: Im Trend ist der Inside Day brauchbar, im Seitwärtsmarkt produziert er Fehlausbrüche. Ohne Trendfilter kein Trade.
- ID/NR4: Fällt der Inside Day mit der engsten Kursspanne der letzten vier Tage zusammen, ist die Volatilitätskontraktion stärker und der Stop noch enger.
Was ist ein Inside Day?
Der Inside Day ist der Innenstab im Tageschart und damit ein Grundbaustein für Price Action Trader. Du musst ihn nicht handeln, aber du solltest ihn lesen können. Inside Days markieren Weichen im Kursverlauf und zeigen an, wo der Markt kurz die Luft anhält.
Ein Inside Day besteht immer aus zwei Kursstäben. Um ihn zu erkennen, vergleichst du den aktuellen Tag mit dem Vortag. Zwei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein.
Das aktuelle Tageshoch muss tiefer liegen als das Tageshoch des Vortages.
Das aktuelle Tagestief muss höher liegen als das Tagestief des Vortages.
Ein Inside Day ist ein Chartmuster der technischen Analyse, bei dem die gesamte Kursspanne eines Handelstages vollständig innerhalb der Kursspanne des Vortages liegt: Das Tageshoch ist tiefer, das Tagestief höher als am Vortag.
Die Formation sagt nichts über die Richtung der nächsten Bewegung aus. Sie sagt etwas über die Spannweite. Wer daraus ein Kaufsignal oder Verkaufssignal macht, überinterpretiert zwei Kerzen. Auch die VTAD, die Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands, definiert den Inside Day rein über die Lage der Kerze innerhalb der Vortageskerze.
Unterscheide zwischen Inside Day, Inside Bar und Harami

Die Inside Bar (Innenstab oder Innenkerze) ist jeder Kursstab, der vollständig innerhalb der Handelsspanne des vorangegangenen Stabes liegt. Der Inside Day ist damit nichts anderes als eine Inside Bar im Tageschart. Auf dem 5-Minuten-Chart heißt dasselbe Muster nur nicht mehr Inside Day. Mehr dazu im Artikel über die Inside Bar und ihre Regeln.
Eine Inside Bar ist ein Kursstab, der vollständig innerhalb der Handelsspanne des vorangegangenen Stabes liegt. Sie gilt auf jedem Zeitrahmen, während der Inside Day ausschließlich den Tageschart bezeichnet.
Das Harami sieht ähnlich aus, misst aber etwas anderes. Das Harami vergleicht nur die Kerzenkörper, nicht die gesamte Kursspanne. Der Kerzenkörper reicht von der Eröffnung bis zum Schlusskurs. Die Dochte bleiben unberücksichtigt.
Ein Harami liegt vor, wenn der Kerzenkörper des aktuellen Tages vollständig innerhalb des Kerzenkörpers der Vorkerze liegt. Anders als beim Inside Day dürfen die Dochte über die Vorkerze hinausragen.
Praktisch heißt das: Jeder Inside Day ist auch ein Harami, aber nicht jedes Harami ist ein Inside Day. Wenn du die Muster verwechselst, tradest du Ausbrüche aus Niveaus, die gar keine sind. Eine Übersicht aller Kerzenmuster findest du bei den Candlestick-Formationen.
Bullish oder bearish? Was die Farbe der Innenkerze wirklich sagt
Viele Chart-Scanner unterscheiden zwischen bullish Inside Day und bearish Inside Day und meinen damit nur, ob die Innenkerze im Plus oder im Minus geschlossen hat. Diese Einteilung trägt für die Handelsentscheidung fast nichts bei. Eine grüne Innenkerze innerhalb eines Abwärtstrends ist kein Kaufsignal.
Aussagekräftig ist stattdessen der Trendkontext und die Frage, auf welcher Seite der Markt aus der Spanne herausläuft. Der Ausbruch bestimmt die Richtung, nicht die Farbe der Kerze. Deshalb arbeitest du beim Inside Day mit Stop-Orders auf beiden Seiten und lässt den Markt entscheiden.
Der Innentag ist die kleinste Form einer Konsolidierung. Wie du den Ausbruch daraus systematisch handelst und woran du tragfähige von faulen Signalen unterscheidest, steht im zugehörigen Beitrag.
Welche Bedeutung haben Innenstäbe im Tageschart?
Ein Innentag zeigt, was der Markt nicht geschafft hat. Es ist ihm nicht gelungen, das Tageshoch des Vortages zu überschreiten. Und er hat das Tagestief des Vortages nicht unterschritten. Der Markt bleibt in der Spanne des Vortages eingeschlossen.
Viele Trader lesen den Inside Day als Trendumkehrsignal. Das ergibt nur Sinn, wenn weitere Faktoren für eine Umkehr sprechen. Allein trägt das Muster diese Aussage nicht.
Tragfähiger ist die zweite Lesart: Der Inside Day ist ein Volatilitätssignal, kein Richtungssignal. Er zeigt sinkende Schwankungsbreite und Unentschlossenheit. Diese Unentschlossenheit kann einer Wende vorausgehen. Sie kann auch nur eine Pause im laufenden Trend sein.
Eine Volatilitätskontraktion ist eine Phase, in der die Kursspanne von Tag zu Tag enger wird. Auf solche Phasen folgt häufig eine Volatilitätsexpansion, also eine deutlich größere Tagesbewegung.
Wie stark die Unentschlossenheit ist, liest du an der relativen Spannweite ab. Liegt die Spanne des Inside Days nur leicht unter der des Vortages, ist es eine kurze Unterbrechung. Fällt sie deutlich kleiner aus, ist die Kompression ernst zu nehmen. Genau an diesem Punkt setzt das ID/NR4-Setup weiter unten an.
Als Faustregel: Je enger die Spanne, desto größer die aufgestaute Energie. Wer die Spannweiten messbar machen will, nutzt dafür die ATR als Vergleichsmaßstab für die Tagesspanne als Vergleichsmaßstab.
Wie handelst du einen Inside Day?
Grundregeln vor dem ersten Trade
Ein Innentag ist eine kurzfristige Formation. Er zeigt eine Stockung im Markt, sagt aber nichts über die künftige Richtung. Baue deshalb keine Handelsstrategie, die ausschließlich auf Inside Days beruht.
Betrachte den Inside Day immer als Teil des vorherrschenden Trends. Die Grundannahme lautet: Der Markt nimmt den laufenden Trend nach der Pause wieder auf. Eine Ausnahme machst du nur, wenn es begründete Hinweise auf eine Trendumkehr gibt.
Meide Inside Days im Seitwärtsmarkt. In einer Konsolidierung sind Innenstäbe unzuverlässig und liefern ein schlechtes Chance-Risiko-Verhältnis. Das Verlustbeispiel weiter unten zeigt genau diesen Fall.
Einstiege für Inside Days
Nutze die Price Action als Auslöser. Am getesteten Unterstützungsniveau ist der Inside Day einer der zuverlässigsten Trigger für einen Swing-Trade. Der Einstieg erfolgt immer erst beim Ausbruch, nie vorher.
Long: Einstieg nach einem Ausbruch über das Hoch des Innentages.
Short: Einstieg nach einem Ausbruch unter das Tief des Innentages.

Weitere Einstiegsmöglichkeiten
Statt den Ausbruch abzuwarten, kannst du auch am Eröffnungskurs des Folgetages einsteigen. Dieser Einstieg ist früher, aber ungeschützter. Mehr dazu im Artikel über das Drei-Kerzen-Muster mit Inside Bar.
Wenn du den Ausbruch in beide Richtungen fangen willst, nutzt du eine OCO-Order. OCO steht für „One Cancels the Other”. Die Order verbindet Kaufauftrag und Verkaufsauftrag: Sobald eine Seite ausgelöst wird, löscht der Broker die andere automatisch.
Mehrere Inside Days in Folge bedeuten, dass sich im kleineren Zeitrahmen eine Dreieck-Formation bildet. Dann lohnt der Wechsel auf den kleineren Zeitrahmen, um den Einstieg genauer zu timen.
Ausstiege für Innenkerzen im Tageschart
Der größte Vorteil des Inside Days ist der eingebaute Stop. Du musst ihn nicht konstruieren, die Formation liefert ihn. Beim Long-Einstieg dient das Tief des Innentages als Stop-Loss, beim Short-Einstieg das Hoch.

Die enge Spanne des Inside Days hat eine Kehrseite, die oft übersehen wird. Ein enger Stop begrenzt das Risiko pro Trade, setzt dich aber auch häufiger richtungslosem Rauschen aus. Wenn du deiner Trendanalyse sicher bist, kann ein einmaliger Wiedereinstieg nach dem Ausstoppen sinnvoll sein.
Weitere Ausstiegsmethoden
Ein Volatilitäts-Stop vermeidet Zickzack-Ausstiege. Er berechnet den Abstand aus der bisherigen Schwankungsbreite statt aus der Chartmarke. Das gibt dem Setup mehr Luft für uneindeutige Bewegungen.
Lesetipp: Das Volatilitäts-Stop-Loss im Trading
Die dritte Variante ist der Zeitstopp. Du beendest den Trade nach einer festen Zahl von Tagen, unabhängig vom Ergebnis. Das passt zu kurzfristigen Trades mit konservativem Ziel, wie sie beim Scalping üblich sind. Zwei Tage sind ein gängiger Wert. Der Zeitstopp hält das Kapital in Bewegung und erzwingt Disziplin.
Wo Inside Days regelmäßig scheitern
Für den Inside Day gibt es keine belastbare öffentliche Trefferquote. Wer eine nennt, hat sie meist aus einem einzelnen Backtest auf einem einzelnen Markt. Die Ergebnisse hängen an Trendfilter, Marktwahl und Zeitraum und sind deshalb nicht übertragbar. Auch Investopedia führt das Muster als Hinweis auf eine mögliche Bewegung, nicht als Signal mit Richtung. Behandle es als Trigger, nicht als Strategie. Eine Einordnung des Portals findest du in meinem Investopedia-Test.
- Seitwärtsmarkt: Der häufigste Verlustfall. Der Ausbruch läuft in die Gegenseite der Spanne und wird dort abverkauft.
- Fehlausbruch nach oben und unten: Beide Stop-Orders werden am selben Tag ausgelöst. Wer beidseitig arbeitet, verliert doppelt. Mehr dazu bei den vorgetäuschten Kursbewegungen.
- Termin am Folgetag: Steht ein Zinsentscheid oder ein Quartalsbericht an, ist die enge Spanne oft nur Abwarten und der Ausbruch reine Nachrichtenreaktion.
- Zu kleine Spanne im illiquiden Markt: Bei dünnen Umsätzen entsteht ein Innentag aus Mangel an Handel, nicht aus Kompression.
Tradingbeispiele für Inside Days
Beispiel 1: Inside Day mit dem 50-Perioden Simple Moving Average
In diesem Beispiel dient der 50-Perioden gleitende Durchschnitt als Trendfilter. Gehandelt wird nur in Richtung des Filters. Steht der Kurs darunter, sind nur Short-Setups erlaubt, darüber nur Long-Setups.
Der Chart zeigt drei erfolgreiche bärische Ausbrüche aus Innentagen, und zwar jeweils kurz nachdem der Kurs unter den SMA gefallen war. Die Reihenfolge ist entscheidend: erst der Trendfilter, dann das Muster.
Die Methode funktioniert mit jedem sauberen Trendfilter. Auch Trendlinien leisten das gut, ebenso eine übergeordnete Trendfolgestrategie. Wichtig ist nur, dass der Filter feststeht, bevor du das Muster suchst.
Beispiel 2: Trendumkehr mit Inside Day und MACD-Divergenz
Innentage allein taugen nicht zum Handeln von Trendwenden. Als Auslöser innerhalb einer Umkehr-Strategie sind sie dagegen brauchbar, weil sie den Einstieg mit einem engen Stop versehen.
In diesem Beispiel bereitet eine MACD-Divergenz die Wende vor. Der bullische Innenstab am Trendhochpunkt liefert dann den risikoarmen Einstieg in das Umkehr-Setup.

Ein zweites Bestätigungssignal für Wenden sind erschöpfende Volumengipfel. Zwei unabhängige Hinweise sind besser als ein starker. Der Innentag ist dabei nie der Grund für den Trade, sondern nur der Zeitpunkt.
Inside Day NR4 (ID/NR4) Chartformation
Toby Crabel hat Volatilitätsstrukturen im Kursverlauf systematisch untersucht. Der Inside Day / NR4 ist eine dieser Strukturen. Crabel beschrieb sie 1990 in seinem bei Traders Press erschienenen Buch „Day Trading with Short Term Price Patterns and Opening Range Breakout”. Aus diesem Buch stammt auch der Begriff Opening Range Breakout.
Ein NR4 ist ein Kursstab mit der engsten Kursspanne der letzten vier Handelstage. Die Spanne des aktuellen Tages muss also kleiner sein als die der drei Vortage. Crabel rechnet dabei mit der absoluten Spanne, also Hoch minus Tief, nicht mit einem Prozentwert.
Ein ID/NR4 ist ein Handelstag, der gleichzeitig ein Inside Day ist und die engste Kursspanne der letzten vier Handelstage aufweist. Die Kombination beider Bedingungen kennzeichnet eine besonders starke Volatilitätskontraktion.
Der Wert des Setups liegt in seiner Objektivität. Beide Bedingungen sind rechnerisch prüfbar und lassen keinen Interpretationsspielraum. Damit findest du Tage mit niedriger Spannweite und niedriger Volatilität, ohne den Chart zu deuten.
Liegt ein ID/NR4 vor, handelst du den Ausbruch aus dieser engen Spanne. Der Gedanke ist derselbe wie beim Bollinger Squeeze: Auf Kompression folgt Expansion. Der Unterschied liegt in der Dauer der Kompression, dazu weiter unten mehr.
NR7 und die Verwandten des NR4
Crabel hat die Zählweise nicht auf vier Tage begrenzt. Ein NR7 ist der Kursstab mit der engsten Spanne der letzten sieben Handelstage. Je länger der Vergleichszeitraum, desto seltener und desto stärker das Signal. Die Kombination aus Inside Day und NR7 wird gelegentlich als doppelte Kompression bezeichnet.
Ein NR7 ist ein Handelstag mit der engsten Kursspanne der letzten sieben Handelstage. Er signalisiert dieselbe Volatilitätskontraktion wie ein NR4, tritt aber seltener auf und gilt deshalb als das strengere Kriterium.
Praktisch heißt das: NR4 liefert dir mehr Kandidaten, NR7 die saubereren. Wer wenige, dafür klar komprimierte Setups sucht, filtert auf NR7. Wer mehr Gelegenheiten braucht, bleibt beim NR4. Belege zur Definition beider Muster finden sich in der ChartSchool von StockCharts.
Wie du ID/NR4-Tage findest
Von Hand lohnt die Suche nicht. Beide Bedingungen sind reine Rechenregeln und damit ideal für einen Scanner. In den meisten Chartprogrammen genügen drei Abfragen: Hoch kleiner als Vortageshoch, Tief größer als Vortagestief, und die Tagesspanne als Minimum der letzten vier Werte.
Wer keinen eigenen Scanner schreiben will, findet die Filter in gängigen Aktienscreenern als fertige Chartmuster-Suche. Prüfe die Treffer trotzdem immer im Chart. Ein Scanner kennt den Trendkontext nicht, und genau der entscheidet über den Trade.
Tradingregeln für ID/NR4
Regeln für Longpositionen
Inside Bar mit der engsten Kursspanne der letzten vier Stäbe.
Platziere eine Buy-Stop-Order über dem Hoch dieses Stabes.
Warte den Ausbruch ab, der deine Order auslöst.
Regeln für Shortpositionen
Inside Bar mit der engsten Kursspanne der letzten vier Stäbe.
Platziere eine Sell-Stop-Order unter dem Tief dieses Stabes.
Warte, bis der Ausbruch nach unten deine Order auslöst.
Tradingbeispiele für ID/NR4
Gewinntrade

Der Chart zeigt den Tageschart des Währungspaares EUR/USD. Der grüne Pfeil markiert einen Inside Day mit der engsten Spanne der letzten vier Stäbe. Damit ist die ID/NR4-Bedingung erfüllt.
Die Buy-Stop-Order am Hoch dieses Stabes wurde am Folgetag ausgelöst. In den Tagen danach stieg der Kurs weiter. Entscheidend war die bullische Price Action im Vorfeld, nicht das Muster selbst.
Ein Detail, das oft untergeht: Crabel bestimmte das ID/NR4 im Tageschart, handelte den Ausbruch aber intraday. Das gilt auch für den Ausstieg. Wer nur mit Tagesschlusskursen arbeitet, handelt ein anderes Setup als das ursprüngliche.
Der Außenstab mit dem langen unteren Schatten weist auf Kaufdruck hin.
Die bullische Folgebewegung hielt den Kaufdruck aufrecht.
Die drei bärischen Stäbe vor der Signalkerze waren kräftig, aber die Unterstützung des vorherigen Swing-Tiefs hielt. Die Kerze am Test zeigte einen ausgeprägten unteren Schatten.
Verlusttrade

Dieser Tageschart zeigt den Chemiekonzern DuPont an der NYSE mit einem ID/NR4, markiert durch den grünen Pfeil. Formal war das Setup einwandfrei.
Der Einstieg erfolgte am Folgetag beim Ausbruch über das Hoch. Danach lief der Kurs in eine Seitwärtsbewegung, bevor der Stop am Tief des ID/NR4 griff. Die Position wurde ausgestoppt, ohne dass der Ausbruch je Fahrt aufnahm.
Der Grund liegt im Kontext: DuPont steckte in einer Konsolidierung. Dort verkauft man am Hoch und kauft am Tief. Das ID/NR4 gab aber ein Kaufsignal im oberen Bereich der Spanne und damit genau gegen die Marktstruktur.
Nach dem Kurseinbruch entstand ein klares Doppeltief.
Der Kurs prallte am Doppeltief ab und zog im Rahmen bullischer Price Action nach oben.
Die Umkehrkerze am Hoch war ein Gravestone Doji und bestätigte den Eintritt in die Konsolidierung. Allein diese Kerze hätte von der Longposition abhalten müssen.
Was du aus dem ID/NR4 mitnehmen solltest
ID/NR4-Tage sind Tage mit niedriger Volatilität und enger Spanne. Sie markieren den Moment der Kompression, nicht dessen Auflösung. Wann und wohin sich die Spannung löst, steht in der Formation nicht.
Der Bollinger Squeeze zeigt einen Volatilitätsrückgang über mehrere Stäbe. Das ID/NR4 zeigt einen einzelnen solchen Tag. Das ID/NR4 ist damit das deutlich kurzfristigere Muster der beiden.
Berücksichtige immer die Price Action, bevor du einen ID/NR4-Trade eingehst. Ein Trendfilter wie ein gleitender Durchschnitt hilft, und der Marktkontext entscheidet über das Ergebnis. Das Gewinnbeispiel zeigt, dass die Formation im richtigen Umfeld ein Signal mit geringem Risiko liefert.
Steht der Markt dagegen seitwärts, ist das ID/NR4 oft nur ein Baustein einer längeren Konsolidierung. Dann wird aus dem Ausbruch ein Fehlausbruch. Die Formation ist ein Trigger, keine Strategie, und sie ersetzt kein Risikomanagement und keine saubere Positionsgröße.
Mehr über Inside Days
Innenstäbe treten in mehreren Chartmustern als Baustein auf. Zwei Varianten lohnen den Blick besonders, weil sie das Muster gezielt gegen die naive Ausbruchs-Erwartung wenden und den Fehlausbruch selbst zum Signal machen.
Die ausführlichste deutschsprachige Darstellung der Innenstäbe steht in Michael Voigts Standardwerk, das sie bewusst an Bars statt an Candlesticks erklärt. Was das Buch sonst leistet, steht in unserer Rezension zu Das große Buch der Markttechnik.
Den Fehlausbruch aus der Innentageskerze nutzen, auch Hikkake genannt, um den Trade in die Gegenrichtung auszulösen.
Das Popgun-Chartmuster: ein Inside Day, auf den ein Außentag mit Ausbruch folgt.
Der Außentag ist übrigens das genaue Gegenteil des Innentages. Wo der Innentag Kompression zeigt, zeigt der Außentag Expansion. Wer beide Muster kennt, liest an zwei Kerzen ab, ob die Schwankungsbreite gerade zunimmt oder abnimmt. Aus dieser Kombination entsteht auch das Popgun-Muster.
Ein Outside Day ist ein Handelstag, dessen Kursspanne die Spanne des Vortages vollständig umschließt: Das Tageshoch liegt höher und das Tagestief tiefer als am Vortag.
Quellenhinweis: Die Grundlage dieses Artikels stammt aus zwei Beiträgen von Galen Woods auf Trading Setups Review, nämlich How to trade with inside days und Inside Day NR4 (ID/NR4). Die deutsche Übersetzung stammt von Karsten Kagels und Gaby Boutaud, die Einordnung, die Fehlerquellen und die Ergänzungen zu NR7 und Scannern von der Redaktion.
Vor- und Nachteile des Inside-Day-Tradings
Der Inside Day ist schnell erkannt und schnell falsch verstanden. Seine Stärke liegt im Risikomanagement, seine Schwäche in der fehlenden Richtungsaussage. Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, wofür das Muster taugt und wofür nicht.
Vorteile des Inside-Day-Tradings
- Eingebauter Stop: Das gegenüberliegende Extrem liefert die Stop-Marke. Du musst sie nicht schätzen, und sie liegt nah am Einstieg.
- Objektiv erkennbar: Tieferes Hoch, höheres Tief. Kein Interpretationsspielraum und deshalb per Scanner automatisierbar.
- Gutes Chance-Risiko-Verhältnis: Der enge Stop erlaubt bei gleichem Risiko eine größere Position oder ein weiter entferntes Ziel.
- Auf jeder Zeitebene nutzbar: Als Inside Bar funktioniert dasselbe Muster im Wochenchart wie im Minutenchart.
Nachteile des Inside-Day-Tradings
- Keine Richtungsaussage: Das Muster zeigt Kompression, nicht die Seite. Ohne Trendfilter ist es ein Münzwurf.
- Anfällig für Fehlausbrüche: Der enge Stop wird schon von normalem Rauschen getroffen. Im Seitwärtsmarkt häufen sich die Ausstoppungen.
- Keine belastbare Statistik: Es gibt keine öffentlich nachprüfbare Trefferquote, die über einzelne Backtests hinausgeht.
- Häufiges Vorkommen: Innentage treten so oft auf, dass sie ohne zusätzliche Filter wie NR4 kaum Selektion bieten.
Fazit: Der Inside Day ist ein Timing-Werkzeug, keine Strategie
Der Inside Day beantwortet eine einzige Frage sehr gut: Wo setze ich meinen Stop, wenn ich jetzt einsteigen will? Die zwei Kerzen liefern eine klar definierte Risikomarke. Deshalb ist er als Einstiegs-Trigger so beliebt.
Was er nicht liefert, ist die Richtung. Ohne Trendfilter und ohne Marktkontext ist der Inside Day wertlos, und das Verlustbeispiel in der DuPont-Aktie zeigt genau das: ein formal einwandfreies ID/NR4, das gegen die Marktstruktur gehandelt wurde.
Für die Praxis heißt das: erst den Trend bestimmen, dann den Innentag suchen, dann den Ausbruch handeln. Wer die Zahl der Signale reduzieren will, filtert zusätzlich auf NR4 oder NR7. Und wer im Seitwärtsmarkt konsequent nicht handelt, spart sich die Mehrzahl der Verluste.
Ein letzter Punkt aus der Praxis: Der Innentag ist kein Grund für einen Trade, sondern nur sein Zeitpunkt. Der Grund muss aus der übergeordneten Chartformation kommen, aus einem getesteten Niveau oder aus einem klaren Trend. Fehlt der Grund, ist auch der beste Zeitpunkt nichts wert.
Häufige Fragen zum Inside Day Trading
Was ist ein Inside Day?
Ein Inside Day liegt vor, wenn das Tageshoch des aktuellen Tages tiefer ist als das Tageshoch des Vortages und das Tagestief höher als das Tagestief des Vortages. Die gesamte Kursspanne des Tages liegt damit innerhalb der Spanne des Vortages. Der Inside Day zeigt Konsolidierung und sinkende Volatilität, häufig als Vorlauf zu einer stärkeren Folgebewegung.
Was ist der Unterschied zwischen Inside Day, Inside Bar und Harami?
Alle drei Muster sehen ähnlich aus, messen aber Verschiedenes. Der Inside Day vergleicht die vollständige Kursspanne von Hoch bis Tief zweier Handelstage. Die Inside Bar ist dasselbe Konzept auf jeder Zeitebene, nicht nur im Tageschart. Das Harami vergleicht dagegen nur die Kerzenkörper von Eröffnung bis Schluss und ignoriert die Dochte. Jeder Inside Day ist ein Harami, aber nicht jedes Harami ist ein Inside Day.
Wie tradet man einen Inside Day?
Der klassische Ansatz arbeitet mit Stop-Orders auf beiden Seiten: eine Buy-Stop-Order knapp über dem Hoch für Long, eine Sell-Stop-Order knapp unter dem Tief für Short. Als Stop-Loss dient das gegenüberliegende Extrem des Inside Days. Entscheidend ist der Trendkontext: Im laufenden Trend ist das Setup brauchbar, im Seitwärtsmarkt solltest du es meiden.
Was ist das ID/NR4-Setup?
Das ID/NR4 stammt von Toby Crabel und verbindet zwei Bedingungen: Der Tag muss ein Inside Day sein und gleichzeitig die engste Kursspanne der letzten vier Handelstage aufweisen. Diese doppelte Bedingung filtert besonders starke Volatilitätskontraktionen heraus. Der Stop-Loss fällt dadurch sehr eng aus, was das Setup für Ausbruchs-Trades attraktiv macht.
Sollte man mehrere aufeinanderfolgende Inside Days anders traden?
Ja. Mehrere Inside Days in Folge zeigen eine zunehmende Kompression, und im kleineren Zeitrahmen entsteht dabei oft eine Dreieck-Formation. Dann lohnt der Wechsel in den kleineren Zeitrahmen, um den Einstieg genauer zu timen. Grundsätzlich gilt: Je länger die Konsolidierung dauert, desto kräftiger fällt die anschließende Bewegung erfahrungsgemäß aus.
Welche Ausstiegsmethoden gibt es beim Inside Day?
Es gibt drei gängige Varianten. Der Chartmuster-Stop nutzt das Tief des Inside Days für Long und das Hoch für Short. Der Volatilitäts-Stop berechnet den Abstand aus der Schwankungsbreite und gibt dem Setup mehr Spielraum. Der Zeitstopp beendet den Trade nach einer festen Zahl von Tagen, unabhängig vom Ergebnis. Der Zeitstopp passt besonders zu kurzfristigen Setups mit konservativem Ziel.
Was ist der Unterschied zwischen NR4 und NR7?
Beide Muster stammen von Toby Crabel und bezeichnen den Kursstab mit der engsten Spanne eines Zeitfensters. Beim NR4 sind es die letzten vier Handelstage, beim NR7 die letzten sieben. Je länger das Fenster, desto seltener und desto aussagekräftiger das Signal. NR4 liefert dir mehr Kandidaten, NR7 die stärker komprimierten.
Ist ein Inside Day bullish oder bearish?
Weder noch. Der Inside Day ist ein Volatilitätsmuster, kein Richtungsmuster. Ob die Innenkerze grün oder rot schließt, hat für die Handelsentscheidung kaum Bedeutung. Aussagekräftig sind der übergeordnete Trend und die Seite, auf der der Kurs aus der Spanne ausbricht. Deshalb arbeitest du mit Stop-Orders auf beiden Seiten.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte. Ein Systemtrader ist er bewusst nicht, was ihm bei der Bewertung von Chartmustern einen kritischen Blick von außen erlaubt.
Seine Erfahrung reicht weit in die Geschichte der technischen Analyse. Kagels übersetzte Ende der 1980er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter und vertrat den US-Trader Joe Ross über 17 Jahre in Deutschland, wo er alle zehn Ross-Bücher übersetzte und verlegte. Bis heute gibt er eigene Seminare und private Einzelschulungen.
Der Inside Day gehört zu den Mustern, die Kagels seit Jahrzehnten im Tageschart liest. Die deutsche Fassung dieses Artikels hat er selbst übersetzt und um die Punkte ergänzt, an denen das Muster in der Praxis scheitert. Er bewertet Chartformationen nach Substanz statt nach Signalzahl. Mehr über den Autor findest du auf dem Autorenprofil von Karsten Kagels.
Final geprüft von Christian Möhrer, technischer Analyst und Options-Trader.












