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Sollten Sie mit traden Ihren Lebensunterhalt verdienen?

Ich kenne weder Ihre Fähigkeiten, noch Ihre Ziele und Ihre Finanzen. Ich bin nicht berechtigt, Sie zu belehren, was Sie mit Ihrem Geld tun sollen. Aber ich kann die richtige Antwort für die meisten Menschen anbieten.

Sollten Sie traden, um damit Ihren Lebensunterhalt zu verdienen?

Traden, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen?

Nein. Die Antwort ist ein absolutes NEIN. Sie sollten nicht traden, um Ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen.

(Ich habe noch nie für eine Finanzinstitution getradet. Ich rede hier also über eigenverantwortliches Trading mit dem eigenen Geld.)

Warum sollten Sie nicht traden, um damit Ihren Lebensunterhalt zu verdienen?

1. Sie werden höchstwahrscheinlich scheitern

Sie haben bestimmt schon von der bedrückenden Statistik einer Versagensquote von 90% bis 95% unter Tradern gehört.

Trotzdem gibt es keinerlei Nachwuchsmangel, was neue Trader anbelangt, die in den Markt einsteigen.

Das ist auf die Geschichten zurückzuführen, die wir hören. Wir hören vom Luxusleben erfolgreicher Trader. Aber nur selten hören wir Geschichten darüber, wie Trading das Leben und die Bankkonten zugrunde richtet.

Es gibt zwei Gründe für diese Diskrepanz zwischen den pessimistischen Statistiken und den erbaulichen Geschichten.

  • Erstens haben wir unser Ich zu schützen. Wir müssen unser Selbstwertgefühl wahren. Deshalb reden wir gerne über unsere Erfolge. Das ist auch der Grund dafür, dass wir es vermeiden, über unsere Niederlagen zu sprechen.
  • Zweitens gibt es zu viele Leute, die mit Botschaften wie „Sie können es auch schaffen“ andere noch anspornen.

Wenn Sie glauben, dass es einfach ist, mit dem Trading Geld zu verdienen, werden Sie mehr traden. Broker verdienen mehr. Sie werden noch mehr Tradingbücher kaufen. Autoren und Verleger verdienen mehr. Sie werden noch mehr Kurse und Seminare belegen. Selbsternannte Gurus verdienen mehr. Sie werden noch mehr Software herunterladen, um Ihr Trading zu unterstützen. Softwareentwickler verdienen mehr.

Je mehr Leute glauben, dass Trading einfach ist, desto mehr Geld verdienen gewerbliche Anbieter. Aus diesem Grund verbreiten sie Geschichten von erfolgreichen Tradern.

Wir erheben den Anspruch, vernünftig zu sein und unsere Entscheidungen aufgrund von Fakten zu treffen. Aber die Wahrheit ist, dass wir mehr von Geschichten beeinflusst sind, die wir hören, als von Zahlen, die wir kennen. Darum gibt es dennoch ein Heer von neuen Tradern, die sich jeden Tag den Märkten anschließen.

Denken Sie an die Statistiken. Höchstwahrscheinlich werden Sie scheitern.

2. Es gibt einfachere Wege, um Geld zu verdienen

Sie können durchaus Ihren Lebensunterhalt verdienen, indem Sie in den Märkten traden.

Aber aufgrund Ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen ist es extrem wahrscheinlich, dass es für Sie viel einfachere Wege gibt, um Geld zu verdienen.

Sie können immer einen Job finden. Lassen Sie sich für die Stunden bezahlen, die Sie zur Arbeit erscheinen, selbst wenn Sie gar nicht wirklich arbeiten. Oder noch besser: Finden Sie einen Job, den Sie mögen, so dass Sie es Ihnen überhaupt nicht wie Arbeit vorkommt.

Oder wenn Sie eine Fähigkeit besitzen, die sich vermarkten läßt, dann können Sie freiberuflich tätig sein. Sie könnten dann vielleicht heikle und schwierige Kunden haben, aber zumindest werden Sie für die investierten Stunden bezahlt.

Aber wenn Sie traden, um davon zu leben, werden Sie nicht für die Stunden bezahlt, die Sie damit verbringen. Sie können sogar Geld dabei verlieren.

Ein unabhängiger Trader zu sein, ist so, als eröffnen Sie einen eigenen Betrieb. Ein Unternehmer muss mit unregelmäßigem Einkommen und möglichen Verlusten von Geschäftskapital umgehen können. Genauso ist es auch beim selbständigen Trader.

Wenn Sie es zu risikoreich finden, ein Unternehmen zu gründen, dann ist Trading für Ihren Lebensunterhalt nicht das Richtige für Sie.

Es geht darum, dass für die meisten Menschen Trading zu einem der schwierigsten Wege gehört, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Markt ist dann für Sie nicht der Ort, um leichtes Geld zu verdienen.

3. Sie brauchen viel Zeit, Mühe und Geld

Sie brauchen viel Tradingkapital, um sich ein annehmbares Leben zu ermöglichen.

Noch dazu ist Ihr Trading-Einkommen volatil, falls es überhaupt eines gibt.

Sie müssen sehr viel Zeit und Mühe zum Lernen einsetzen, so dass Sie wenigstens eine geringe Chance auf Erfolg haben. Sie können dennoch scheitern und kein Geld mit dem Trading verdienen, auch wenn Sie viel Zeit und Mühe aufgewendet haben.

Da Sie nun wissen, wie schwierig Trading für den Lebensunterhalt ist, wählen Sie A oder B.

Sie wollen traden für den Lebensunterhalt oder nicht

A: Ich bin davon überzeugt, dass ich nicht traden sollte, um davon zu leben.

Großartig, aber Sie sollten dennoch Ihr Geld sparen und lernen, in Ihre Rente zu investieren. Die Bücher von John Bogle könnte ein guter Anfang sein (Deutsche Ausgabe). Sie brauchen den Rest dieses Artikels nicht zu lesen.

B: Ich weiß, dass es hart ist, aber ich will es immer noch machen.

Gut. Sie haben eine informierte Antwort getroffen, Trading als Ihren Beruf zu wählen. Lesen Sie nun weiter.

Sind Sie wirklich sicher, dass Sie vom Trading leben wollen?

Ich möchte, dass Sie alles nochmals überdenken. Ja, ich bin aufdringlich.

Aber zu diesem Zeitpunkt können Sie sich noch von diesem harten Weg des Tradens für den Lebensunterhalt distanzieren.

Um sicherzustellen, dass Sie das turbulente Leben eines Traders wollen, lesen Sie die folgenden sechs Fragen durch.

1. Haben Sie genügend Geld?

Als grundlegende Richtlinie brauchen Sie die Lebensunterhaltskosten für ein Jahr auf Ihrem Sparkonto. Keine persönlichen Schulden.

Das Tradingkapital, das Sie benötigen, hängt von Ihrem Tradingplan ab. Ihre Recherchen, Backtesting (Überprüfung anhand historischer Daten) und Protokolle Ihres Papertrading bzw. Ihres simulierten Trading sollten Sie zu Ihrer Antwort führen.

Sie sollten nicht traden, wenn Sie nicht antworten können.

2. Sind Sie bereit zu bezahlen, um zu arbeiten?

Das müssen alle Trader durchleben.

Wir sind so daran gewöhnt, dass arbeiten mit bezahlt werden verbunden ist. Aber beim Trading für den Lebensunterhalt müssen Sie sich daran gewöhnen, am Ende eines Arbeitstages Geld zu verlieren.

Für das Trading zahlen

3. Sind Sie bereit, hart zu arbeiten?

Für meinen Tradingkurs habe ich das Recht auf Rückerstattung der Kursgebühren auf 30 Tage festgelegt. Die Trader müssen keinen Grund dafür angeben, wenn sie ihr Geld zurückerstattet haben wollen.

Ich ermutige die Kursteilnehmer jedoch immer, den Grund für die Rückerstattung anzugeben. Kritisches Feedback zu erhalten, ist immer gut als Hilfe für die Verbesserung meines Kurses.

Es gibt eine Art von Antwort, die etwa so lautet: „Ihr Kurs ist gut, aber ich habe erkannt, dass ich Mühe aufwenden muss, um ihn zu studieren. Das ist zu schwierig.“

Ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken, setze ich dann den Rückerstattungsprozess in Gang.

Das ist nur fair. Diese Trader werden nie von meinem Kurs profitieren. Tatsächlich werden sie nie von irgendeinem Kurs jemals profitieren.

Zu erlernen, wie man tradet, ist immer hart. Und wenn sie anders denken, denken sie falsch.

4. Lieben Sie es, die Märkte zu analysieren? Würden Sie das sogar dann tun, wenn Sie nicht dafür bezahlt werden?

Jeder, der traden möchte, um davon zu leben, sollte dieses Frage mit „Ja“ beantworten.

5. Was sind Ihre Möglichkeiten und Chancen?

Viele angehende Trader suchen Rat. Ihr Dilemma ist verbreitet. Meistens müssen sie sich entscheiden zwischen einem attraktiven Jobangebot und Trading für den Lebensunterhalt.

Denken Sie daran, dass Trading etwas ist, zu dem Sie immer zurückkehren können. Der Markt ist immer da. Aber andere Gelegenheiten werden wahrscheinlich nur vorübergehend zur Wahl stehen.

Vergessen Sie das nicht.

Sie erhalten beispielsweise die Chance, an einem aufregenden Projekt in einem exotischen Land zu arbeiten. Und Sie wissen, dass Ihnen diese Tätigkeit wirklich Freude machen würde. Ergreifen Sie diese Gelegenheit. Die Märkte werden auch dann noch da sein, wenn Sie zurückkommen.

6. Und wenn Sie scheitern?

Dies ist eine Realitätsprüfung.

Arbeiten Sie hart, und Sie werden Erfolg beim Trading haben. Nein, ich wünschte, dass es so einfach wäre.

Beim Trading gibt es zwischen harter Arbeit und Erfolg nur einen geringen Zusammenhang. Sie müssen darauf gefasst sein, hart zu arbeiten und dennoch zu scheitern.

Bevor Sie sich für das Trading entscheiden, müssen Sie sich direkt mit der Möglichkeit des Scheiterns auseinandersetzen. Erkennen Sie, dass Sie höchstwahrscheinlich scheitern werden.

Was passiert, wenn dies eintrifft?

Es ist okay zu scheitern. Aber vergewissern Sie sich, dass Sie über genügend finanzielles und mentales Kapital verfügen, um weiterzumachen und zu Ihrem nächsten Projekt im Leben weiterzuziehen.

Ist das Trading wirklich so schlimm?

Warum sollte überhaupt jemand traden, wenn Trading so negativ ist? Warum trade ich immer noch?

Trading ist eine hervorragende Tätigkeit, wenn Sie das Risiko, die Unsicherheit und sich selbst verstehen wollen.

Ich habe viele Lektionen beim Trading lernen müssen. Dies sind Lektionen, die ich auf mein Leben angewendet habe.

Ich habe gelernt, Entscheidungen aufgrund der Information bei der Entscheidungsfindung zu beurteilen und nicht aufgrund von deren Ergebnissen.

Ich habe gelernt, demütig zu sein. Trading ist eine demütigende Erfahrung für die meisten Menschen. Selbst jenen, die zu den Topleuten ihres Fachgebiets gehören, hat der Markt ihren Anteil an Frustrationen und Misserfolgen verpasst.

Ich bin mir meiner Emotionen und meiner Neigungen bewusster geworden, und das bezieht sich nicht nur auf das Trading, sondern auf alle Bereiche des Lebens.

Ich habe das Marktrisiko und die zerstörerische Kraft von Gier und Angst schätzen gelernt.

Wenn Sie sich trotz aller Nachteile, die ich zuvor aufgezeigt habe, entschieden haben, den Sprung zu wagen, hoffe ich, dass Sie durchhalten und sich beharrlich bemühen.

Selbst wenn Sie hartnäckig bleiben und ein ernsthafter Trader werden, kann Ihnen niemand versprechen, dass Sie Gewinne erzielen werden. Aber Sie werden auf jeden Fall feststellen, dass es sich dabei um eine hervorragende Lernerfahrung handelt.

 

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: Should you trade for a Living?

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

Danke für das Teilen!
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Ulrich Lehnert - 09/09/2017

Hallo Herr Kagel !
Ich werde Ihnen zum Thema Lebensunterhalt durch Traden einen Artikel schreiben.
Heute sicher nicht mehr ,aber ich denke im Laufe der nächsten Woche.
mfg u.lehnert

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