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Toby Crabel: einer der besten Trader der Welt und was seine Zahlen zeigen

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

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17 Min

Christian Möhrer

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Über kaum einen Trader kursieren so viele Zahlen wie über Toby Crabel, und fast keine davon lässt sich prüfen. Bei ihm ist das anders. Sein Handelsprogramm läuft seit März 1998, und jede einzelne Monatsrendite steht öffentlich in einer Datenbank. Damit lässt sich nachrechnen, was bei den meisten bekannten Namen reine Behauptung bleibt.

Ich habe diese Bilanz aus 28 Jahren neu ausgewertet und sie gegen den S&P 500 gestellt. Das Ergebnis ist eindrucksvoller und zugleich unbequemer, als der Ruf des Mannes vermuten lässt. Dazu kommen sein Buch von 1990, das heute vierstellig gehandelt wird, und der Handelsansatz, für den er bekannt ist. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Toby Crabel: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Wer er ist: Toby Crabel, Jahrgang 1955, ist Gründer, Chairman und Chief Investment Officer von Crabel Capital Management. Die Geschäfte führt seit 2016 Michael Pomada.
  • Track Record: Sein Programm Crabel Multi-Product legte seit Februar 1998 um 643,86 % zu, das sind 7,32 % pro Jahr (Stand Juli 2026).
  • Gegen den S&P 500: über 28 Jahre 63 Prozentpunkte vorn, über die letzten zehn Jahre aber 227 Prozentpunkte zurück.
  • Risiko: tiefster Kapitalrückgang 16,26 %, Schwankungsbreite 12,23 % im Jahr, Gleichlauf mit dem Aktienmarkt praktisch null (0,07).
  • Verwaltetes Vermögen: $5,0 Milliarden (Stand 1. Februar 2026). 2022 waren es noch über $8 Milliarden.
  • Sein Buch: „Day Trading With Short Term Price Patterns and Opening Range Breakout“ von 1990 ist vergriffen und wird antiquarisch dreistellig bis vierstellig gehandelt.
  • Für Privatanleger: nicht investierbar. Die Mindestanlage liegt bei $1 Million, und Anleger müssen den US-Status Qualified Eligible Person erfüllen.

Wer ist Toby Crabel?

Toby Crabel ist ein US-amerikanischer Futures-Händler, Autor und Fondsgründer, der seit den 1980er-Jahren mit sehr kurzen Haltedauern handelt und dafür feste, vorher definierte Regeln benutzt.

Sein Name fällt in Trading-Kreisen fast immer im selben Zusammenhang: dem Ausbruch aus der Eröffnungsspanne. Crabel hat dieses Verhalten in den 1980er-Jahren systematisch vermessen und daraus Regeln abgeleitet, die bis heute in Handelssystemen stecken. Bemerkenswert ist dabei weniger die Idee als die Methode: Er hat gezählt, statt zu vermuten.

Er ist damit einer der seltenen Buchautoren, die ihr Können auch in der Praxis über Jahrzehnte belegt haben. Die meisten Trading-Bücher stammen von Menschen, deren eigene Handelsergebnisse niemand je gesehen hat. Crabels Zahlen dagegen liegen offen.

Toby Crabel, Gründer von Crabel Capital Management
Toby Crabel, Gründer, Chairman und Chief Investment Officer von Crabel Capital Management

Vom Tennisprofi zum Futures-Händler

Crabel wurde 1955 in Erie im US-Bundesstaat Pennsylvania geboren und begann seine Laufbahn nicht an der Börse, sondern auf dem Tennisplatz. Ab 1973 spielte er als Profi. 1978 stand er auf Rang 328 der Weltrangliste im Einzel und auf Rang 304 im Doppel, 1980 trat er im Doppel bei den French Open an.

Das ist mehr als eine Randnotiz, denn er hat den Sport nie aufgegeben. 2021 führte er die US-Rangliste der über 65-Jährigen an und stand in der Senioren-Weltrangliste des internationalen Verbands auf Platz 11. Google führt ihn bis heute zuerst als Tennisspieler und erst danach als Rohstoffhändler.

Parallel studierte er Finanzwirtschaft und Mathematik, erst an der Florida Technological University, dann an der University of California in Berkeley. 1980 stieg er bei RB&H Financial Services in den Handel ein und gab später den Börsenbrief „The Active Trader“ heraus.

1991 ging er nach New York und arbeitete für Victor Niederhoffer, einen bekannten und umstrittenen Fondsmanager. Niederhoffer verwaltete jahrelang das Anleihen- und Währungsgeschäft für George Soros. Schon 1992 verließ Crabel die Firma wieder und baute sein eigenes Programm auf.

Welche Rolle Toby Crabel heute hat

Hier steht in vielen Beiträgen etwas Veraltetes, und das gilt auch für ältere Fassungen dieses Artikels. Crabel ist heute nicht mehr der operative Manager seines Fonds. Er ist Chairman und Chief Investment Officer, also für die Anlagestrategie zuständig. Das Tagesgeschäft führt seit 2016 Michael Pomada als President und Chief Executive Officer.

Auch die Bezeichnung Hedgefonds trifft es nicht ganz. Crabel Capital beschreibt sich selbst als forschungs- und technologiegetriebenes Investmenthaus für den systematischen, automatisierten Handel mit Futures und Währungen. In der Branche heißt so etwas Managed Futures oder Commodity Trading Advisor. Der Unterschied ist praktisch: Es wird nach festen Regeln gehandelt, nicht nach Einschätzung.

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Crabel Capital Management: Zahlen, Programme und Standorte

Die Firmengeschichte wird oft auf eine einzige Jahreszahl verkürzt, und die ist ungenau. 1987 gründete Crabel zunächst Toby Crabel & Co. als Einzelunternehmen. Daraus wurde erst später die heutige Gesellschaft. Das Unternehmen selbst nennt 1987 als Gründungsjahr, weil die Linie dort beginnt.

Die für Trader wichtigeren Daten liegen später. 1992 startete das erste Handelsprogramm, Crabel Diversified Futures. 1998 folgte das Programm, das bis heute den Kern bildet und dessen Zahlen weiter unten stehen: Crabel Multi-Product.

Was das Unternehmen heute verwaltet

Die aktuellen Zahlen stehen auf der Startseite des Unternehmens, und sie erzählen eine andere Geschichte als die Jahre davor. Das verwaltete Vermögen liegt bei $5,0 Milliarden mit Stand 1. Februar 2026. Mitte 2022 waren es noch über $8 Milliarden.

Ebenso deutlich ist der Rückgang bei der Mannschaft. Crabel nennt heute rund 60 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon in Forschung und Entwicklung. In der Fassung von 2022 waren es noch rund 100. Beide Zahlen zusammen sind ein Hinweis darauf, dass das Haus geschrumpft ist.

Eine Einordnung gehört dazu: Die Angabe ist keine schlichte Kontostandssumme. Crabel weist ausdrücklich hebelbereinigte Vermögenswerte einschließlich Nominalwert aus. Im Terminhandel hinterlegt ein Anleger nur einen Bruchteil des bewegten Volumens, deshalb rechnet die Branche so.

Die vier Handelsprogramme

Crabel bietet nicht ein Produkt an, sondern vier klar getrennte Programme. Sie sind aus dem Hauptprogramm herausgelöst worden und verfolgen unterschiedliche Handelsstile. Wer nach dem Namen Crabel sucht, landet meist bei einem davon.

ProgrammAusrichtungStart
Crabel Multi-ProductKernprogramm, breit gestreut1998
Crabel Advanced TrendTrendfolge, feste GebührApril 2014
Crabel Geminireine ZusatzrenditeJuli 2016
Crabel Contradefensiv, als BeimischungMai 2019

Für europäische Anleger ist ein Detail wichtig: Gemini und Advanced Trend gibt es seit Oktober 2017 auch als UCITS-Fonds. UCITS ist der EU-Rechtsrahmen für Publikumsfonds. Das senkt die Einstiegshürde gegenüber dem US-Programm deutlich, ersetzt aber keine eigene Prüfung und keine Beratung.

Gehandelt wird von zwei Hauptstandorten aus. Der Hauptsitz liegt in Los Angeles, die operativen Abteilungen sitzen in Milwaukee. Zwischen 2011 und 2013 kamen technische Standorte in Chicago, New York, Frankfurt und Hongkong dazu, um in knapp 200 Märkten schneller handeln zu können.

Die Trading-Performance von Toby Crabel

Jetzt zum eigentlichen Punkt. Das Programm Crabel Multi-Product wird seit Februar 1998 in einer öffentlichen Datenbank für Managed Futures geführt, jede Monatsrendite ist dort einsehbar. Ich habe die vollständige Reihe bis Juli 2026 ausgewertet. Das sind über 28 Jahre Handelsgeschichte an einem Stück.

Die annualisierte Rendite beträgt 7,32 % pro Jahr, der Gesamtzuwachs seit Februar 1998 liegt bei 643,86 %.

Toby Crabel Jahresrenditen des Crabel Multi-Product Programms von 1998 bis 2026 als Balkendiagramm
Jahresrenditen des Crabel Multi-Product 1x seit Auflage im Februar 1998. Datenstand Juli 2026, Quelle IASG.

Diese beiden Zahlen weichen von älteren Angaben ab, auch von unseren eigenen. In der Fassung dieses Artikels von 2019 standen 10,78 % pro Jahr und 450,52 % Gesamtzuwachs. Beides war damals richtig. Die Jahresrendite ist seither gesunken, weil die vergangenen Jahre schwächer liefen als die ersten zehn.

Die Bilanz im Vergleich zum S&P 500

Eine Renditezahl allein sagt wenig. Erst der Vergleich mit dem breiten Aktienmarkt zeigt, was die Leistung wert ist. Die Datenbank stellt beides direkt nebeneinander, hier die kumulierten Werte über verschiedene Zeiträume.

ZeitraumCrabelS&P 500
seit Februar 1998643,86 %580,70 %
10 Jahre18,23 %245,08 %
5 Jahre8,47 %72,41 %
3 Jahre3,10 %65,13 %
1 Jahr−1,48 %19,02 %

Die erste Zeile ist die gute Nachricht: Über 28 Jahre liegt Crabel gut 63 Prozentpunkte vor dem S&P 500. Das schaffen sehr wenige. Entscheidend ist aber, wie dieser Vorsprung entstanden ist, und dazu gehört die zweite Zahlengruppe.

Der tiefste Kapitalrückgang lag bei 16,26 %, gemessen zwischen April und August 1998. Der S&P 500 hat im selben Zeitraum von 28 Jahren zweimal über 50 % verloren, 2000 bis 2003 und 2007 bis 2009. Der Gleichlauf mit dem Aktienmarkt liegt bei 0,07, also praktisch bei null.

Crabels eigentliche Leistung ist damit nicht die Rendite, sondern dieselbe Rendite bei einem Bruchteil des Risikos und ohne Abhängigkeit vom Aktienmarkt.

Genau darin liegt der Nutzen für ein Depot. Ein Baustein, der unabhängig vom Aktienmarkt läuft, glättet die Schwankungen des Gesamtvermögens. Deshalb kaufen institutionelle Anleger solche Programme, nicht wegen der absoluten Rendite. Mehr dazu steht in unserem Vergleich der Trading-Performance der besten Trader.

Die starken und die schwachen Jahre

Der Verlauf zerfällt in zwei sehr unterschiedliche Abschnitte. Von 1998 bis 2007 schloss das Programm zehn Jahre in Folge im Plus ab, das beste davon 2007 mit 32,90 %. Danach wurde es deutlich ruhiger.

Seit 2008 gab es sieben Verlustjahre: 2008, 2009, 2011, 2015, 2017, 2020 und 2025. Die meisten davon waren mit weniger als 2,5 % klein. 2025 fiel mit 6,25 % Verlust deutlich schwerer aus, das schlechteste Jahr der gesamten Reihe. 2026 steht bis Juli bei 0,91 %.

Eine Bestandsangabe muss ich hier ausdrücklich korrigieren. In der alten Fassung stand, der Rückgang von April bis August 1998 sei der längste gewesen und Verluste seien schnell wieder aufgeholt. Das stimmt so nicht. Er war der tiefste, aber nach vier Monaten vorbei und in einem Monat aufgeholt.

Der wirklich lange Rückschlag begann im April 2013. Er war mit 14,25 % flacher, dauerte fünf Monate, und bis zum neuen Höchststand vergingen danach weitere 29 Monate. Das sind fast zweieinhalb Jahre unter Wasser. Wer verstehen will, warum diese Kennzahl zählt, findet die Grundlagen im Artikel zum Drawdown.

Der schlechteste Einzelmonat war der September 2001 mit 9,81 % Verlust, also der Monat der Anschläge vom 11. September. Der beste war der September 1998 mit 39,36 % Gewinn, in der Krise um den Fonds LTCM. Beide Extreme fielen in Wochen, in denen die Märkte ihre gewohnten Muster verloren.

Über die gesamte Reihe schließen 60,70 % aller Monate im Plus. Das ist ein realistischer Wert und eine nützliche Erwartungsmarke: Auch ein sehr gutes System liegt in vier von zehn Monaten hinten.

Das Buch von 1990 und was es heute kostet

Crabels Ruf hängt zu einem großen Teil an einem einzigen Buch. Es erschien 1990 bei Traders Press in Greenville, South Carolina, hat 288 Seiten und trägt die ISBN 0-934380-17-1. Der vollständige Titel lautet „Day Trading With Short Term Price Patterns and Opening Range Breakout“.

Inhaltlich ist es kein Ratgeber, sondern eine Auswertung. Crabel gliedert es in fünf Teile: Ausbrüche aus der Eröffnungsspanne, kurzfristige Kursmuster, Phasen der Ausdehnung und Zusammenziehung von Kursspannen, deren Kombination sowie die Lage von Eröffnung und Schluss innerhalb einer Kerze. Zu jedem Kapitel gehören Computerauswertungen.

Und hier liegt das praktische Problem: Das Buch ist seit Jahrzehnten vergriffen. Bei einem großen Antiquariatsportal standen zum Zeitpunkt der Recherche genau drei Angebote, das günstigste bei rund 485 Euro, das teuerste bei knapp 1.600 Euro. Eine reguläre Neuauflage gibt es nicht.

Das erklärt, warum so viele Menschen nach einer PDF-Datei suchen. Solche Kopien kursieren, sie sind aber urheberrechtlich geschützt und wir verlinken sie nicht. Wer die Kernidee ohne vierstelligen Betrag verstehen will, findet sie im nächsten Abschnitt und ausführlich im nächsten Abschnitt zum ID/NR4-Setup.

Ein ehrlicher Hinweis noch: Das Buch ist über 35 Jahre alt. Die Auswertungen stammen aus einer Zeit ohne Hochfrequenzhandel und ohne heutige Handelsvolumen. Die Denkweise trägt bis heute, die konkreten Trefferquoten von damals sind nicht übertragbar.

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Crabels Handelsansatz: Opening Range Breakout und ID/NR4

Der Opening Range Breakout ist ein Einstieg, der ausgelöst wird, sobald der Kurs die Spanne der ersten Handelsminuten eines Tages nach oben oder unten verlässt.

Crabels Beitrag dazu war nicht die Idee selbst, sondern die Frage, wie weit der Kurs sich lösen muss. Er hat den Abstand vom Eröffnungskurs an die Schwankungsbreite der Vortage gekoppelt statt an einen festen Punktwert. Die Grundlagen dazu stehen im Artikel zur Opening Range.

Der zweite Baustein ist die Vorauswahl der Tage. Crabel handelt nicht jeden Ausbruch, sondern sucht Tage, an denen sich die Kursspanne stark zusammengezogen hat. Seine Beobachtung lautet: Auf enge Tage folgen überdurchschnittlich oft weite Tage.

Sein bekanntestes Muster dafür ist das ID/NR4. Es verbindet den Inside Day, also einen Tag, dessen Hoch und Tief innerhalb des Vortages liegen, mit der engsten Kursspanne der letzten vier Handelstage. Treffen beide zusammen, gilt der Folgetag als Ausbruchskandidat. Die Regeln samt Gewinn- und Verlustbeispiel stehen im Artikel zum Inside Day.

Wie das im Fonds aussieht, verrät die Statistik des Programms. 23 % der Positionen werden am selben Tag geschlossen, weitere 77 % innerhalb eines Monats. Nichts wird länger gehalten. Nach Handelsstil sind 55 % Momentum, 21 % Gegenbewegung, 13 % Trendfolge und 11 % Sonstiges.

Die Handelsfrequenz ist entsprechend hoch: rund 11.900 abgeschlossene Positionen pro Jahr je Million Dollar. Das ist ein Volumen, das kein Mensch von Hand bewältigt. Der Anteil diskretionärer Entscheidungen liegt bei null, es entscheidet ausschließlich das Programm. Wer den zugrunde liegenden Ansatz nachlesen will, findet ihn unter Mean Reversion und Breakout Trading.

Crabel selbst beschreibt seine Philosophie in einem Satz, der die Zahlen oben gut erklärt.

Unsere Kern-Trading-Philosophie ist, dass unsere Strategien das beständige und erklärbare Verhalten der Marktteilnehmer aufnehmen. Wir halten es für sehr wichtig, das Risiko auf jede erdenkliche Art und Weise zu diversifizieren, wozu der Strategie-Typ, die geographische Region, Sektoren und einzelne Märkte in einem Sektor gehören. Wir glauben auch, dass das Risiko am besten kontrolliert werden kann, indem man eine große Anzahl von kleinen Trades macht und nicht ein paar große Einsätze auf eine kleine Anzahl von Trades setzt.

Toby Crabel, Crabel Capital Management

Was können wir von einem der besten Trader der Welt lernen?

Die erste Lehre steht in der Risikozahl, nicht in der Renditezahl. Über 28 Jahre hat Crabel den Aktienmarkt geschlagen, obwohl sein tiefster Rückschlag bei 16,26 % lag. Nicht die großen Gewinne haben den Vorsprung erzeugt, sondern die ausgebliebenen großen Verluste.

Möglich ist das nur, wenn das Risiko je Position sehr klein bleibt. Crabel hinterlegt im Schnitt 15 % des Kapitals als Sicherheitsleistung und verteilt es auf sehr viele kleine Positionen. Das ist genau das Gegenteil des Ansatzes, mit dem private Trader üblicherweise anfangen. Wie sich das umsetzen lässt, steht unter Risiko pro Trade.

Die zweite Lehre ist unbequemer und in seinen Zahlen ebenso deutlich ablesbar. Ein System, das über zehn Jahre gut funktioniert hat, kann danach zehn Jahre lang schwach laufen. Crabels Ergebnis der vergangenen Dekade beträgt 18,23 %, das sind gut 1,7 % pro Jahr.

Wer daraus die Erwartung ableitet, ein einmal gefundener Ansatz trage dauerhaft, wird enttäuscht. Selbst ein Haus mit 60 Fachleuten und eigener Forschungsabteilung hat lange Durststrecken. Die realistische Erwartung an das eigene Handeln ist deshalb niedriger, als die meisten Anfänger sie ansetzen.

Die dritte Lehre betrifft die Methode und nicht das Ergebnis. Crabel hat Muster ausgezählt, statt sie zu behaupten, und zwar Jahre bevor Rechenleistung billig wurde. Diese Prüfhaltung ist der Teil seiner Arbeit, der sich am ehesten übertragen lässt, und der beim Daytrading am häufigsten fehlt.

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Vorteile und Nachteile von Crabels Ansatz

Die folgende Gegenüberstellung beruht auf den Zahlen aus diesem Artikel. Jeder Punkt lässt sich auf einen belegten Wert zurückführen, nicht auf einen Eindruck.

Vorteile von Crabels Ansatz

  • Nachprüfbar: Jede Monatsrendite seit Februar 1998 steht öffentlich. Das ist bei bekannten Tradern die absolute Ausnahme.
  • Sehr geringes Risiko: Der tiefste Rückgang liegt bei 16,26 %. Der Aktienmarkt verlor im selben Zeitraum zweimal über 50 %.
  • Unabhängig vom Aktienmarkt: Der Gleichlauf beträgt 0,07. Als Depot-Baustein glättet das die Schwankungen spürbar.
  • Feste Regeln statt Bauchgefühl: Der Anteil freier Entscheidungen liegt bei null Prozent. Das schließt Emotionen als Fehlerquelle aus.
  • Langer Beleg: Über 28 Jahre Handelsgeschichte, davon zehn Gewinnjahre in Folge zum Start.

Nachteile von Crabels Ansatz

  • Schwache Dekade: In zehn Jahren nur 18,23 %, während der S&P 500 245,08 % zulegte.
  • Lange Durststrecken: Nach dem Rückschlag von 2013 dauerte es 29 Monate bis zum neuen Höchststand.
  • Für Private nicht zugänglich: Die Mindestanlage beträgt $1 Million, dazu kommt ein US-Anlegerstatus.
  • Nicht nachbaubar: 11.900 Positionen pro Jahr je Million Dollar setzen eine eigene Handelsinfrastruktur voraus.
  • Haus schrumpft: Verwaltetes Vermögen von über $8 auf $5,0 Milliarden, Belegschaft von rund 100 auf etwa 60.
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Fazit: Was von Toby Crabel wirklich bleibt

Toby Crabel gehört zu den wenigen bekannten Tradern, deren Zahlen man nachrechnen kann, und sie halten dem Nachrechnen stand. 643,86 % seit Februar 1998 bei einem tiefsten Rückgang von 16,26 % sind ein außergewöhnliches Verhältnis von Ertrag zu Risiko.

Gleichzeitig wäre es falsch, das Bild von 2007 einfach fortzuschreiben. Die vergangenen zehn Jahre waren schwach, 2025 war das schlechteste Jahr der Reihe, und Vermögen wie Belegschaft sind deutlich zurückgegangen. Beides gehört zusammen, wenn man ehrlich über ihn schreibt.

Für mich bleibt er trotzdem ein Trader, der überzeugt, nur aus einem anderen Grund als früher. Nicht wegen einer hohen Rendite, sondern weil er über fast drei Jahrzehnte diszipliniert klein geblieben ist. Genau das ist die Eigenschaft, an der die meisten privaten Trader scheitern.

Wer tiefer einsteigen will, findet die Regeln seines bekanntesten Musters im Artikel zum Ausbruch aus der Eröffnungsspanne im DAX. Die Originalquellen stehen darunter.

Häufige Fragen zu Toby Crabel

Wie viel Geld verwaltet Crabel Capital Management?

Crabel Capital Management weist auf seiner Webseite $5,0 Milliarden aus, Stand 1. Februar 2026. Mitte 2022 waren es noch über $8 Milliarden. Die Angabe bezeichnet hebelbereinigte Vermögenswerte einschließlich Nominalwert, nicht das eingezahlte Kapital.

Wie hoch ist das Privatvermögen von Toby Crabel?

Dazu gibt es keine belastbare öffentliche Angabe. Crabel Capital ist ein privat gehaltenes Unternehmen und veröffentlicht weder Eigentumsanteile noch Entnahmen. Kursierende Schätzungen stützen sich auf keine überprüfbare Quelle, deshalb nennen wir keine Zahl.

Was kostet das Buch von Toby Crabel?

Das Buch ist seit Langem vergriffen und nur noch antiquarisch zu bekommen. Bei einem großen Antiquariatsportal standen zuletzt drei Angebote zwischen rund 485 und 1.600 Euro. Eine Neuauflage gibt es nicht.

Gibt es das Buch von Toby Crabel als PDF?

Im Netz kursieren Scans, sie sind aber urheberrechtlich geschützt. Wir verlinken sie nicht. Die Kernidee des Buches, also der Ausbruch aus der Eröffnungsspanne nach vorheriger Verengung, ist in diesem Artikel und im Beitrag zum ID/NR4-Setup frei beschrieben.

Was ist das ID/NR4-Setup von Toby Crabel?

ID/NR4 verbindet zwei Bedingungen an einem Handelstag: einen Inside Day, dessen Hoch und Tief innerhalb des Vortages liegen, und die engste Kursspanne der letzten vier Handelstage. Treffen beide zusammen, gilt der Folgetag als Kandidat für einen Ausbruch.

Kann ich bei Crabel Capital Management investieren?

Als Privatanleger in aller Regel nicht. Die Mindestanlage im Hauptprogramm liegt bei $1 Million, dazu ist der US-Status Qualified Eligible Person nötig. Zwei Programme gibt es seit Oktober 2017 als europäische UCITS-Fonds, was die Hürde senkt, aber keine Beratung ersetzt.

Ist Toby Crabel heute noch aktiv?

Ja, allerdings in anderer Rolle. Er ist Chairman und Chief Investment Officer und damit für die Anlagestrategie zuständig. Das operative Geschäft führt seit 2016 Michael Pomada als President und Chief Executive Officer.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels handelt seit 1980 an den Börsen und ist Gründer von Kagels Trading. Er arbeitet diskretionär nach Price Action, also nach dem reinen Kursverlauf ohne nachlaufende Indikatoren, und handelt vorwiegend Devisen und Index-Futures.

In über vier Jahrzehnten hat er unzählige Handelsansätze kommen und gehen sehen. Seine Arbeit dreht sich deshalb weniger um neue Signale als um Risikosteuerung und um die Frage, welche Regeln über lange Zeiträume tragen. Diese Erfahrung gibt er in Ausbildungen und in seinem Signaldienst weiter.

Für diesen Artikel hat er die vollständige Monatsreihe des Crabel-Programms seit 1998 ausgewertet und gegen den S&P 500 gestellt. Dabei hat er mehrere Zahlen der früheren Fassung korrigiert, darunter die Jahresrendite, die Zahl der Verlustjahre und die Einordnung des längsten Rückschlags.

Fachlich geprüft von Christian Möhrer.

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