Peter Lynch: was Anleger von 13 Jahren Magellan-Fonds lernen können

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026

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Zwischen Mai 1977 und Mai 1990 verwaltete ein Fondsmanager aus Boston den Fidelity Magellan Fund und schlug den Markt in dieser Zeit um mehr als 14 Prozentpunkte pro Jahr. Sein Name ist Peter Lynch, und seine Bilanz gehört bis heute zu den bestbelegten Erfolgsserien der Fondsgeschichte. Der Fonds wuchs unter ihm von 18 Millionen auf über 14 Milliarden Dollar.

Was Lynch von vielen anderen Börsenlegenden unterscheidet: Er hat seine Methode aufgeschrieben, und zwar in einer Sprache, die auch ohne Finanzstudium funktioniert. Sein bekanntester Satz lautet sinngemäß, man solle nur kaufen, was man versteht. Dieser Satz wird seit Jahrzehnten zitiert, und er wird dabei regelmäßig falsch verstanden. Genauso regelmäßig kursieren Zahlen über Lynch, für die sich keine Primärquelle finden lässt.

Ich habe diese Jahre als aktiver Trader miterlebt und Lynchs Buch gelesen, als es auf Deutsch erschien. Für private Anleger halte ich seinen Ansatz bis heute für hilfreich, obwohl ich selbst in ganz anderen Zeitebenen handele. Auf den folgenden Seiten geht es darum, was an der Bilanz belegt ist, wie die sechs Aktienkategorien funktionieren, wie der Magellan-Hype damals hierzulande ankam und an welchen Stellen die Methode heute nicht mehr trägt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Peter Lynch: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • 13 Jahre Magellan: Lynch führte den Fonds von Mai 1977 bis Mai 1990 und erzielte eine durchschnittliche Jahresrendite von 29,2 Prozent, gegenüber 15,8 Prozent beim S&P 500.
  • Vom Nebenwert zum Riesenfonds: Das verwaltete Vermögen stieg von 18 Millionen Dollar auf über 14 Milliarden Dollar, zeitweise hielt Lynch mehr als 1.400 Einzelwerte.
  • Sechs Schubladen statt einer Formel: Lynch sortierte Aktien in sechs Kategorien vom langsamen Wachstumswert bis zum Substanzwert und leitete daraus ab, was er von einer Position erwartete.
  • Rückzug auf dem Höhepunkt: Am 31. Mai 1990 hörte Lynch mit 46 Jahren auf. Heute ist er Vice Chairman bei Fidelity Management & Research und führt seine Stiftung.

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Wer ist Peter Lynch?

Peter Lynch ist ein US-amerikanischer Fondsmanager, der den Fidelity Magellan Fund von 1977 bis 1990 führte und dabei eine durchschnittliche Jahresrendite von 29,2 Prozent erzielte.

Geboren wurde er am 19. Januar 1944 in Newton, Massachusetts. Sein Weg an die Wall Street begann auf einem Golfplatz, wo er als Caddy arbeitete und dabei Führungskräften von Fidelity die Schläger trug. Einer davon war der damalige Präsident des Hauses. 1966 bekam Lynch dort ein Praktikum, 1969 nach zwei Jahren Militärdienst eine feste Stelle als Analyst.

Vorher studierte er am Boston College, Abschluss 1965, mit Schwerpunkten in Geschichte, Psychologie und Philosophie. Diese Fächerkombination erklärt einiges an seinem späteren Stil, denn Lynch argumentierte selten mit Modellen und fast immer mit Geschäftsmodellen. Den MBA holte er 1968 an der Wharton School der University of Pennsylvania nach.

Von 1974 bis 1977 leitete Lynch die Research-Abteilung bei Fidelity. Danach übernahm er mit 33 Jahren den Magellan-Fonds. Er gilt heute neben Warren Buffett als bekanntester Vertreter des aktiven Stock Pickings, auch wenn er sich selbst nie streng dem Value Investing zurechnete. Sein Ansatz lag zwischen Wachstum und Bewertung.

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Die Magellan-Bilanz: 13 Jahre, 29,2 Prozent pro Jahr

Die Zahlen sind ungewöhnlich gut belegt, weil Fidelity ein reguliertes Fondshaus ist und die Lynch Foundation sie bis heute öffentlich führt. Der Fonds schlug den Markt über 13 Jahre um mehr als 14 Prozentpunkte pro Jahr. In den letzten sieben Jahren seiner Amtszeit lag Magellan besser als 99 Prozent aller US-Aktienfonds.

ZeitraumMai 1977 bis Mai 1990
Jahresrendite im Schnitt29,2 %
S&P 500 im selben Zeitraum15,8 %
Fondsvermögen am Anfang18 Mio. Dollar
Fondsvermögen am Endeüber 14 Mrd. Dollar
Positionen im Portfoliozeitweise über 1.400

Peter Lynch Magellan Fonds: Jahresrendite 29,2 Prozent im Vergleich zum S&P 500 mit 15,8 Prozent
Von 1977 bis 1990 lag Magellan im Schnitt 13,4 Prozentpunkte pro Jahr vor dem S&P 500.

Interessant ist weniger die Rendite als die Arbeitsweise dahinter. Lynch besuchte Unternehmen im Akkord, telefonierte mit Zulieferern und Kunden und las Geschäftsberichte, bevor Analystenkonsens ein geläufiger Begriff war. Sein Vorsprung entstand aus Fleiß, nicht aus einer geheimen Kennzahl. Zeitweise hielt er über 1.400 Positionen gleichzeitig, was ihm den Vorwurf einbrachte, er kaufe halb Amerika.

Dieser Vorwurf trifft einen wunden Punkt. Ein Portfolio mit vierstelliger Positionszahl lässt sich kaum noch als konzentrierte Überzeugung verkaufen. Lynchs Verteidigung war pragmatisch: Er wollte in vielen kleinen Werten früh dabei sein und ließ die Gewinner laufen, während die Verlierer klein blieben. Wer heute einen Hedgefonds mit fünf Kernpositionen betrachtet, sieht das genaue Gegenteil dieser Philosophie.

Der Fonds überstand unter Lynch auch den Crash vom Oktober 1987. Magellan verlor in der Phase deutlich, blieb aber nah am Markt und erholte sich mit ihm. Der Kontrast zu den Tradern jener Tage könnte größer kaum sein: Während Lynch seine Positionen hielt, wurde Paul Tudor Jones an genau diesem Montag mit einer Short-Position berühmt. Wie solche Einbrüche entstehen, ist im Beitrag zum Börsencrash beschrieben.

Kaufe, was du verstehst: Lynchs Kernregel und ihr Missverständnis

Local Knowledge bezeichnet bei Lynch den Informationsvorsprung, den Privatanleger im eigenen Beruf oder Alltag gegenüber Wall-Street-Analysten haben können.

Der Gedanke dahinter ist schlicht. Eine Krankenpflegerin sieht früher als jeder Analyst, welches Medikament sich in der Klinik durchsetzt. Ein Handwerker merkt vor der Bilanzpressekonferenz, welcher Werkzeughersteller Qualität liefert. Lynch hielt diese Alltagsbeobachtung für den einzigen echten Vorteil, den Privatanleger gegenüber Profis haben. Sein eigenes Standardbeispiel war eine Restaurantkette, deren Produkt ihn als Kunden überzeugte, bevor die Analysten den Wert entdeckten.

Genau hier beginnt das Missverständnis. Der Satz wird meist so gelesen, als reiche Produktbegeisterung als Kaufgrund. Das hat Lynch nie behauptet. Die Alltagsbeobachtung liefert bei ihm die Idee, nicht die Kaufentscheidung. Danach folgte bei Lynch die vollständige Prüfung von Bilanz, Gewinnentwicklung, Verschuldung und Bewertung. Wer diesen zweiten Schritt weglässt, betreibt kein Stock Picking nach Lynch, sondern Konsumentenprojektion.

Die Grundlagen dieser zweiten Stufe sind in der Fundamentalanalyse beschrieben. Lynch selbst formulierte es drastischer: Wer eine Aktie kauft, ohne die Geschichte des Unternehmens in zwei Minuten erklären zu können, soll es lassen.

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Die sechs Aktienkategorien nach Peter Lynch

Lynch sortierte jede Aktie in eine von sechs Schubladen. Die Kategorie bestimmte, welche Rendite er erwartete und wann er wieder verkaufte. Das ist der praktisch nutzbarste Teil seines Ansatzes, weil er eine Erwartung an eine Position knüpft, statt jede Aktie gleich zu behandeln.

  • Slow Growers: Große, reife Unternehmen mit niedrigem Wachstum, oft solide Dividendenzahler. Lynch hielt sie für langweilig und kaufte sie selten.
  • Stalwarts: Etablierte Konzerne mit stetigem Wachstum im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich. Sie dienten ihm als Stabilisator im Portfolio.
  • Fast Growers: Kleinere Unternehmen mit hohen Wachstumsraten. Hier lag Lynchs Schwerpunkt, und hier entstanden seine größten Gewinner.
  • Cyclicals: Werte, deren Gewinne dem Konjunkturzyklus folgen, etwa aus Auto-, Chemie- oder Stahlbranche. Bei ihnen entscheidet der Einstiegszeitpunkt fast alles.
  • Turnarounds: Angeschlagene Unternehmen mitten in der Sanierung. Hohes Risiko, aber im Erfolgsfall überproportionale Erholung.
  • Asset Plays: Firmen mit verstecktem Substanzwert wie Immobilien, Lizenzen oder Beteiligungen, die der Markt niedriger bewertet als ihren Einzelwert.
Peter Lynch Aktienkategorien: Übersicht der sechs Kategorien von Slow Growers bis Asset Plays
Lynch sortierte jede Aktie in eine von sechs Kategorien. Die Einordnung bestimmte, welche Rendite er erwartete und wann er verkaufte.

Drei dieser Kategorien verdienen eine eigene Definition, weil sie außerhalb von Lynchs Werk seltener sauber erklärt werden.

Ein Zykliker ist eine Aktie, deren Gewinne dem Konjunkturzyklus folgen, etwa aus der Auto-, Chemie- oder Stahlbranche.

Eine Turnaround-Aktie ist das Papier eines angeschlagenen Unternehmens, das eine Sanierung eingeleitet hat und dessen Kurs sich bei Erfolg überproportional erholen kann.

Ein Asset Play ist eine Aktie, deren Substanzwerte wie Immobilien oder Beteiligungen vom Markt niedriger bewertet werden, als sie einzeln wert wären.

Der Nutzen dieser Einteilung liegt im Erwartungsmanagement. Wer einen Zykliker wie einen Wachstumswert behandelt, hält ihn genau eine Konjunkturwende zu lang. Lynch verkaufte Zykliker planmäßig in der Hochphase und wurde dafür belächelt, bis die Gewinne einbrachen.

PEG-Ratio, GARP und der Tenbagger

Lynch war kein Freund komplizierter Bewertungsmodelle. Seine bekannteste Kennzahl passt in eine Zeile.

Die PEG-Ratio setzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum. Ein Wert unter 1,0 gilt nach Lynch als Hinweis auf eine günstige Bewertung.

Ein Beispiel macht das greifbar. Ein Unternehmen mit einem KGV von 15 und einem erwarteten Gewinnwachstum von 20 Prozent kommt auf eine PEG-Ratio von 0,75. Nach Lynchs Logik ist das Wachstum dann günstiger eingekauft, als es der reine KGV-Blick nahelegt. Ein KGV von 30 bei 40 Prozent Wachstum wäre nach derselben Rechnung attraktiver als ein KGV von 12 bei 6 Prozent Wachstum.

Diese Denkweise trägt einen eigenen Namen, der bis heute als Strategiebezeichnung verwendet wird.

GARP steht für Growth at a Reasonable Price und bezeichnet eine Strategie, die Wachstumsaktien nur dann kauft, wenn ihre Bewertung im Verhältnis zum Gewinnwachstum niedrig ist.

Die Schwäche der Kennzahl ist offensichtlich und wird selten benannt. Die PEG-Ratio steht und fällt mit einer Wachstumsschätzung, und Schätzungen für die kommenden Jahre sind bei kleinen Unternehmen notorisch unzuverlässig. Wer die Wachstumsannahme um wenige Prozentpunkte verändert, dreht das Ergebnis. Aktuelle Werte lassen sich mit den Werkzeugen aus dem Aktienscreener-Vergleich ermitteln, die Annahme dahinter bleibt trotzdem eine Schätzung.

Der Begriff, der Lynch am längsten überdauert hat, stammt aus dem Sport. Er hat sich vom Fachjargon zum Allgemeinplatz entwickelt.

Ein Tenbagger ist eine Aktie, die ihren Wert verzehnfacht. Peter Lynch übernahm den Begriff aus dem Baseball, wo ein „bag“ für eine erreichte Base steht.

Ein Spieler, der vier Bases erreicht, hat einen „four bagger“ geschlagen, also einen Homerun. Lynch übertrug das Bild auf Aktien und meinte damit ausdrücklich keine schnellen Verzehnfachungen, sondern das Ergebnis langer Haltedauern. Genau dieser Teil geht in der heutigen Verwendung meist verloren, wenn Tenbagger als Etikett für kurzfristige Spekulationen dient.

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Wo Lynchs Methode an Grenzen stößt

Kein Ansatz funktioniert unabhängig von seiner Zeit, und Lynchs Methode entstand in einem Marktumfeld, das es so nicht mehr gibt. Die Grenzen der Methode werden in den meisten Porträts über ihn schlicht weggelassen.

  • Der Informationsvorsprung ist geschrumpft: Lynch telefonierte in den 1980er Jahren mit Zulieferern, weil es keine andere Quelle gab. Heute stehen Geschäftsberichte, Transkripte und Kennzahlen Sekunden nach Veröffentlichung jedem zur Verfügung.
  • Die Fondsgröße wurde selbst zum Problem: Mit 14 Milliarden Dollar kann ein Fonds in kleinen Werten kaum noch sinnvolle Positionen aufbauen, ohne den Kurs zu bewegen. Lynchs eigener Erfolg hat seine Methode ausgebremst.
  • 1.400 Positionen sind für Privatanleger nicht umsetzbar: Was mit einem Analystenteam und Vollzeitzugriff möglich war, überfordert jedes private Depot. Wer den Ansatz kopiert, landet schnell bei einer teuren Zufallsauswahl.
  • Die Kategorien setzen Bilanzverständnis voraus: Einen Turnaround von einem strukturell sterbenden Unternehmen zu unterscheiden, gelingt ohne Bilanzanalyse nicht. Im Bereich der Pennystocks endet dieser Irrtum regelmäßig im Totalverlust.

Dazu kommt ein Punkt, der Lynch selbst beschäftigt hat und der bis heute die Statistik über seinen Fonds verzerrt.

Die Anlegerrendite misst, was Anleger tatsächlich verdient haben, und weicht von der ausgewiesenen Fondsrendite ab, weil Ein- und Ausstiegszeitpunkte einfließen.

Über Magellan kursiert seit Jahren die Behauptung, der durchschnittliche Anleger habe unter Lynch trotz 29,2 Prozent Fondsrendite Geld verloren. Diese Aussage wird meist einer Fidelity-Studie zugeschrieben, die sich nicht auffinden lässt. Die kanadische Zeitung The Globe and Mail formuliert in ihrer Aufarbeitung vorsichtig, die Aussage stütze sich auf Lynch selbst und auf Presseberichte. Eine belastbare Datengrundlage nennt sie nicht.

Der zugrunde liegende Mechanismus ist trotzdem real und gut dokumentiert: Kapital fließt nach starken Jahren in einen Fonds und wird nach Rückschlägen abgezogen. Wer 1983 nach den Schlagzeilen einstieg und 1987 nach dem Crash verkaufte, hat mit demselben Fonds ein völlig anderes Ergebnis erzielt als die ausgewiesene Statistik. Die Fondsrendite beschreibt den Fonds, nicht das Verhalten seiner Anleger.

Den Magellan-Hype habe ich in Deutschland miterlebt, und er folgte demselben Muster. Der Fonds war hier in der Breite kaum zugänglich, trotzdem stand Lynchs Name in jedem zweiten Anlegerbeitrag. Gekauft wurde am Ende meist irgendein Aktienfonds mit gutem Dreijahresrückblick, und zwar genau dann, wenn dieser Rückblick am besten aussah. Dasselbe Muster zeigt sich bis heute bei stark beworbenen Publikumsfonds, etwa in der Diskussion um den Max Otte Fonds.

Peter Lynch heute: Fidelity, Stiftung und Bücher

Am 31. Mai 1990 trat Lynch mit 46 Jahren zurück, auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Als Begründung nannte er später sinngemäß, er habe die Party verlassen, solange noch Kuchen serviert wurde. Der eigentliche Grund war der Zeitaufwand, denn Lynch arbeitete regelmäßig sechs Tage die Woche und sah seine Familie kaum.

Ganz weg ist er nie gewesen. Nach Angaben seiner Stiftung ist Lynch bis heute Vice Chairman von Fidelity Management & Research und betreut dort in Teilzeit junge Analysten. Den größeren Teil seiner Zeit nimmt die Lynch Foundation ein. Über den Building Minds Scholarship Fund, dessen Vorsitz er von 1990 bis 2023 innehatte, kamen nach eigenen Angaben der Stiftung über 250 Millionen Dollar an Teilstipendien für Schulen in Bostons Innenstadt zusammen.

Zu seinem Privatvermögen kursieren Schätzungen im dreistelligen Millionenbereich. Keine dieser Zahlen lässt sich auf eine überprüfbare Quelle zurückführen, weshalb sie hier nicht als Fakt geführt werden.

Alle drei Bücher entstanden gemeinsam mit dem Journalisten John Rothchild, der die Zahlenwelt für ein breites Publikum lesbar machte:

  • One Up on Wall Street (1989): Das Grundlagenwerk, auf Deutsch als „Der Börse einen Schritt voraus“ erschienen. Hier stehen die sechs Kategorien und die PEG-Logik. Nichts für Leser, die konkrete Kaufempfehlungen erwarten.
  • Beating the Street (1993): Lynch geht seine eigenen Entscheidungen im Magellan durch, inklusive Fehlgriffen. Der Marktbezug ist stark auf die frühen 1990er Jahre datiert.
  • Learn to Earn (1995): Ein Einsteigerbuch, das Lynch ausdrücklich für Schüler und Berufsanfänger schrieb. Für erfahrene Anleger bringt es wenig Neues.

„Der Börse einen Schritt voraus“ habe ich gelesen, als es auf Deutsch herauskam. Zur selben Zeit saß ich an der Übersetzung der Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter, also am genauen Gegenstück: hier die Kurse und ihre Muster, dort die Geschäftsberichte. Was mir an Lynch damals auffiel, war weniger die Methode als der Ton, denn er schrieb ohne den Weihrauch, der die Anlageliteratur jener Jahre prägte.

Mein Urteil hat sich seitdem nicht geändert. Für den privaten Anleger ist Lynchs Ansatz hilfreich, auch wenn ich selbst völlig anders handele. Er zwingt zu einer Begründung vor dem Kauf, und genau daran scheitern die meisten Privatdepots. Wer Lynchs Bücher in einen breiteren Kontext stellen will, findet in der Übersicht der Trading-Bücher weitere Klassiker.

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Was aktive Trader von Lynch mitnehmen können

Lynch war Fondsmanager mit Haltedauern über Jahre, kein Trader. Ein Daytrader wird aus seinen Büchern kein Setup ziehen. Zwei Prinzipien überleben den Wechsel der Zeitebene trotzdem.

Das erste ist die Kategorisierung. Lynch legte vor dem Kauf fest, was er von einer Position erwartete und woran er einen Fehler erkennen würde. Dieselbe Funktion erfüllt ein sauber definierter Erwartungswert im kurzfristigen Handel, wie im Beitrag zur Trading Edge beschrieben. Wer nicht vorher weiß, warum er drin ist, weiß auch nicht, wann er raus muss.

Dieselbe Logik steckt in jedem festen Regelwerk, etwa im Turtle-System von Richard Dennis, nur mit anderer Zeitebene und anderem Auslöser.

Das zweite ist Lynchs Umgang mit Prognosen. Er hielt es für Zeitverschwendung, Zinsen oder Konjunktur vorherzusagen, und richtete seine Arbeit stattdessen auf Dinge, die er prüfen konnte. Diese Haltung deckt sich mit dem, was auch technisch orientierte Trader wie Mark Minervini vertreten, wenn auch mit völlig anderen Werkzeugen. Ich handele seit über 45 Jahren Price Action und damit das genaue Gegenteil von Lynchs Ansatz. Der Verzicht auf Makroprognosen verbindet beide Lager trotzdem.

Für den Einstieg in die Aktienauswahl liefert der Guide zum Aktienhandel die Grundlagen. Wer Lynchs Kategorien erst einmal ohne Kapitaleinsatz durchspielen will, kann das über Musterdepots tun.

Fazit: eine Bilanz mit Verfallsdatum in Teilen

Peter Lynchs Zahlen halten jeder Prüfung stand. 29,2 Prozent pro Jahr über 13 Jahre, dazu sieben Jahre in Folge besser als 99 Prozent der Konkurrenz: Das ist keine Marketinglegende, sondern regulierte Fondshistorie. Wer Lynch als Glückstreffer abtut, ignoriert die Länge der Serie.

Von seiner Methode ist heute unterschiedlich viel übrig. Die sechs Kategorien und das Erwartungsmanagement dahinter funktionieren unverändert, weil sie kein Marktumfeld voraussetzen. Der Informationsvorsprung aus dem Alltag ist dagegen kleiner geworden, seit jeder Geschäftsbericht binnen Sekunden weltweit verfügbar ist. Und die PEG-Ratio bleibt so gut wie die Wachstumsschätzung, auf der sie beruht.

Der für mich ehrlichste Teil des Lynch-Erbes ist die Lücke zwischen Fondsrendite und Anlegerrendite. Ein hervorragender Fonds hat vielen seiner Anleger wenig genützt, weil sie nach Schlagzeilen kauften und nach Rückschlägen verkauften. Das habe ich in den späten 1980er-Jahren beobachtet, und es wiederholt sich seitdem in jedem Zyklus. Diese Lehre kostet nichts und gilt unabhängig von Kategorie, Kennzahl und Marktphase.

Lynch gehört damit in eine andere Schublade als die Legenden, die über Timing groß wurden, etwa George Soros. Seine Stärke lag in der Vorarbeit, nicht im Einstiegszeitpunkt.

Für den privaten Anleger halte ich den Ansatz nach wie vor für hilfreich, und das sage ich als jemand, der seit über 45 Jahren in völlig anderen Zeitebenen unterwegs ist. Lynch verlangt vor jedem Kauf eine Begründung, die man in zwei Minuten aussprechen kann. Diese eine Hürde sortiert mehr Fehlkäufe aus als jede Kennzahl. Wie bekannte Namen im Renditevergleich abschneiden, zeigt die Übersicht zur Trading-Performance. Eine breitere Einordnung deutschsprachiger Akteure liefert die Liste der Börsenexperten.

Häufige Fragen zu Peter Lynch

Welche Anlagestrategie hatte Peter Lynch?

Lynch verfolgte einen GARP-Ansatz, also Wachstum zu einem vernünftigen Preis. Er suchte Unternehmen mit hohem Gewinnwachstum, deren Bewertung im Verhältnis dazu niedrig war, und sortierte jede Aktie in eine von sechs Kategorien. Ideen holte er aus dem Alltag, die Entscheidung traf er erst nach der Bilanzprüfung.

Wie hoch war die Rendite von Peter Lynch?

Von Mai 1977 bis Mai 1990 erzielte der Fidelity Magellan Fund unter Lynch 29,2 Prozent pro Jahr. Der S&P 500 kam im selben Zeitraum auf 15,8 Prozent jährlich. Das Fondsvermögen wuchs von 18 Millionen Dollar auf über 14 Milliarden Dollar.

Was ist ein Tenbagger?

Ein Tenbagger ist eine Aktie, die ihren Wert verzehnfacht. Lynch entlieh den Begriff dem Baseball, wo ein „bag“ für eine erreichte Base steht. Er meinte damit das Ergebnis langer Haltedauern über mehrere Jahre, nicht schnelle Kursverdopplungen.

Was macht Peter Lynch heute?

Lynch ist nach Angaben seiner Stiftung weiterhin Vice Chairman von Fidelity Management & Research und betreut dort in Teilzeit junge Analysten. Den größeren Teil seiner Zeit widmet er der Lynch Foundation, über die er Bildungsprojekte in Boston fördert. Aktiv verwaltet er seit 1990 keinen Publikumsfonds mehr.

Warum hörte Peter Lynch mit 46 Jahren auf?

Lynch trat am 31. Mai 1990 zurück, als Magellan auf dem Höhepunkt stand. Ausschlaggebend war der Zeitaufwand, denn er arbeitete regelmäßig sechs Tage die Woche. Später sagte er sinngemäß, er habe die Party verlassen, solange noch Kuchen serviert wurde.

Welche Bücher hat Peter Lynch geschrieben?

Lynch veröffentlichte gemeinsam mit John Rothchild drei Bücher: One Up on Wall Street von 1989, Beating the Street von 1993 und Learn to Earn von 1995. Auf Deutsch ist vor allem der Titel „Der Börse einen Schritt voraus“ verbreitet, die Übersetzung des Erstlings.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.

In den späten 1980er-Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und brachte dessen zehn Bücher ins Deutsche. Zwischen 2000 und 2010 gab er Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Die 13 Jahre, in denen Peter Lynch den Magellan-Fonds führte, hat Karsten als aktiver Trader miterlebt, und Lynchs Buch las er, als es auf Deutsch erschien. Aus dieser Erfahrung heraus ordnet er ein, welche Teile der Methode heute noch tragen und warum die kursierenden Zahlen zur Anlegerrendite einer Prüfung nicht standhalten.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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