Carl Icahn: wie der bekannteste Corporate Raider der Wall Street arbeitet

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026

|

3-Tage Trading Workshop: Nebenberuflich monatliche Einnahmen generien - kostenloses Ticket sichern >>

Empfehlung:

Es gibt Investoren, deren Einstieg allein den Kurs bewegt. Kaum wird bekannt, dass sie sich eingekauft haben, springt die Aktie an, noch bevor irgendetwas im Unternehmen passiert ist. An der Wall Street hat dieser Effekt bei einem einzigen Mann einen eigenen Namen bekommen: den Icahn-Lift. Carl Icahn ist der bekannteste Corporate Raider der Börsengeschichte, und für viele Vorstände über vier Jahrzehnte hinweg der unangenehmste Anruf des Jahres.

Genau deshalb ist die Gegenwart so aufschlussreich. Seine eigene börsennotierte Holding Icahn Enterprises hat seit einem Leerverkäufer-Report vom Mai 2023 rund 85 Prozent an Kurswert verloren, die Quartalsausschüttung wurde zweimal halbiert, und die SEC hat einen Vergleich mit ihm geschlossen. Wer Icahn nur als Legende der Achtzigerjahre beschreibt, beschreibt die Hälfte.

Dieser Artikel zeigt dir, wie Icahns Methode konkret abläuft, was die Fälle TWA, Apple, eBay und Herbalife über ihre Stärken und Grenzen verraten und was davon für dich als Trader überhaupt übertragbar ist. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Carl Icahn: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Er ist der Prototyp des Corporate Raiders: Carl Icahn, geboren am 16. Februar 1936, kauft sich in unterbewertete Unternehmen ein und setzt das Management öffentlich unter Druck, bis Wert an die Aktionäre fließt. Forbes weist sein Vermögen am 29.07.2026 mit 4,3 Milliarden Dollar aus.
  • TWA ist der Fall, der den Ruf begründete: 1985 übernahm Icahn die Fluggesellschaft gegen den Willen des Managements, im Mai 1991 verkaufte er deren London-Routen für 445 Millionen Dollar, im Januar 1992 ging TWA in die Insolvenz.
  • Herbalife war sein bekanntester Sieg: Gegen den Leerverkäufer Bill Ackman stieg er 2013 auf der Gegenseite ein und verließ die Position im Mai 2021 nach CNBC-Berechnung mit rund 1,3 Milliarden Dollar Gewinn.
  • Seine eigene Holding ist der wunde Punkt: Icahn Enterprises fiel von rund 51 Dollar Ende April 2023 auf 7,78 Dollar zum Schlusskurs am 28.07.2026. Die Quartalsausschüttung sank in dieser Zeit von 2,00 auf 0,50 Dollar.
  • Für dich zählt die Methode, nicht das Depot: Icahns Vorgehen setzt Kontrolle, Zeit und Kapital voraus, die ein Privatanleger nicht hat. Übertragbar ist etwas anderes: die Trennung zwischen These und Position.

Wer ist Carl Icahn?

Carl Celian Icahn wurde am 16. Februar 1936 in Brooklyn geboren und wuchs in Far Rockaway im New Yorker Stadtteil Queens auf, als Sohn zweier Lehrer. Er studierte in Princeton Philosophie und schloss 1957 ab. Danach begann er ein Medizinstudium an der New York University und brach es nach zwei Jahren ab. Der Bruch mit der Medizin ist kein Randdetail, sondern der Punkt, an dem aus einem Akademiker ein Marktteilnehmer wurde.

1961 fing Icahn als Börsenmakler bei der Dreyfus Corporation an. 1968 kaufte er einen Sitz an der New Yorker Börse und gründete Icahn & Co., zunächst mit Schwerpunkt auf Risikoarbitrage und Optionsgeschäften. Aus dieser Arbitrage-Schule stammt sein Blick auf Bewertungslücken: Er sucht nicht das großartige Unternehmen, sondern die Differenz zwischen dem, was ein Konzern am Markt kostet, und dem, was seine Einzelteile wert sind. Das unterscheidet ihn deutlich von den Anhängern des klassischen Value Investing, die auf Qualität und Haltedauer setzen.

Heute läuft praktisch alles über Icahn Enterprises L.P., eine an der Nasdaq notierte Beteiligungsgesellschaft, die aus der früheren American Real Estate Partners hervorging und im September 2007 umbenannt wurde. Icahn kontrolliert rund 86 Prozent der Anteile. Seit 2011 verwaltet er kein fremdes Kundengeld mehr, er ist damit kein Hedgefonds-Manager im engeren Sinne, auch wenn er in den meisten Übersichten zu Hedgefonds und aktivistischen Investoren auftaucht.

Sein aktuelles Vermögen weist Forbes am 29.07.2026 mit 4,3 Milliarden Dollar aus. Das ist deutlich weniger als vor dem Kurseinbruch seiner Holding, denn sein Vermögen hängt fast vollständig an genau diesem einen Papier. Politisch trat er 2017 als unbezahlter Sonderberater von Donald Trump für Deregulierungsfragen auf und gab den Posten im August 2017 wieder ab.

Was ist ein Corporate Raider?

Der Begriff stammt aus den Achtzigerjahren und trägt bis heute einen Beiklang, den Icahn selbst nie akzeptiert hat. Er nennt sich Aktivist, seine Gegner nannten ihn Plünderer, und beide Seiten beschreiben dasselbe Vorgehen aus unterschiedlicher Richtung.

Ein Corporate Raider ist ein Investor, der sich in ein unterbewertetes Unternehmen einkauft, um das Management gegen dessen Willen zu Verkäufen, Abspaltungen oder Ausschüttungen zu zwingen und den freigesetzten Wert als Kursgewinn zu vereinnahmen.

Der modernere und neutralere Begriff dafür lautet aktivistischer Investor. Inhaltlich ist der Unterschied kleiner, als das Wording nahelegt.

Ein aktivistischer Investor ist ein Aktionär, der seine Beteiligung nutzt, um über Öffentlichkeit, Stimmrechte und Sitze im Verwaltungsrat aktiv auf die Unternehmensstrategie einzuwirken, statt nur auf Kursentwicklung zu warten.

Zur Praxis der Achtzigerjahre gehörte ein Manöver, das heute rechtlich weitgehend erledigt ist, für das Bild vom Raider aber prägend bleibt.

Greenmail bezeichnet den Rückkauf eines Aktienpakets durch das bedrohte Unternehmen selbst, zu einem Aufpreis gegenüber dem Marktkurs, damit der Angreifer seine Übernahme aufgibt.

Icahn hat diese Werkzeuge nicht erfunden, aber konsequenter eingesetzt als andere. Der entscheidende Unterschied zu einem Value-Investor wie Warren Buffett liegt nicht in der Analyse, sondern im Anschluss daran. Beide suchen eine Bewertungslücke über die Fundamentalanalyse. Buffett wartet darauf, dass der Markt sie schließt. Icahn schließt sie selbst.

Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust

Kompakt erklärt, mit Praxisbeispielen und klaren Einstiegssignalen – kostenlos als PDF.

Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust

55-Candlesticks E-Book

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.

Empfehlung:

FinMent Börsenwebinar

Die Icahn-Methode: Anteil kaufen, Druck aufbauen, Kasse machen

Über vier Jahrzehnte läuft Icahns Vorgehen in einem erstaunlich stabilen Muster ab. Die Reihenfolge ist immer dieselbe, unabhängig davon, ob es um eine Fluggesellschaft von 1985 oder um einen Technologiekonzern von 2014 geht.

Carl Icahn Methode in fünf Schritten: Anteil kaufen, Forderung stellen, Öffentlichkeit herstellen, Verwaltungsrat besetzen, Kasse machen
Der Ablauf ist bei Icahn seit den Achtzigerjahren gleich geblieben. Verändert hat sich nur, wie schnell Schritt drei heute wirkt.

Die fünf Schritte im Einzelnen:

  • Anteil kaufen: Icahn baut still eine Beteiligung auf, oft zwischen einem und zehn Prozent. Große Konzerne sind erreichbar, weil schon kleine Anteile meldepflichtig werden und damit Signalwirkung haben.
  • Forderung stellen: Es folgt eine konkrete, meist einzelne Forderung. Verkauf einer Sparte, Aktienrückkauf, höhere Dividende oder eine Abspaltung.
  • Öffentlichkeit herstellen: Offene Briefe an die Aktionäre, Interviews im US-Wirtschaftsfernsehen, später Kurznachrichten. Der Druck entsteht nicht im Gespräch, sondern vor Publikum.
  • Verwaltungsrat besetzen: Reicht das nicht, folgt der Stimmrechtskampf um Sitze im Board. Oft genügt schon die Drohung damit.
  • Kasse machen: Setzt sich die Forderung durch und steigt der Kurs, verkauft Icahn. Er bleibt selten dauerhaft investiert.

Der Hebel dahinter ist kein Analysevorteil, sondern ein Mechanismus.

Als Icahn-Lift bezeichnen Marktteilnehmer den Kurssprung, den eine Aktie allein deshalb macht, weil Carl Icahn eine Beteiligung offenlegt, noch bevor sich im Unternehmen etwas verändert hat.

Damit verdient Icahn schon an der Erwartung, dass etwas passieren wird. Ein Teil des Gewinns ist realisiert, bevor die eigentliche Forderung überhaupt durchgesetzt ist. Genau das ist der Grund, warum sein Ansatz für Privatanleger nicht kopierbar ist: Der Hebel ist sein Name, nicht seine Analyse.

TWA 1985: der Fall, der den Ruf begründete

Der Fall, an dem sich bis heute alles festmacht, ist Trans World Airlines. 1985 baute Icahn eine Position an der damals angeschlagenen Fluggesellschaft auf und übernahm die Kontrolle gegen den erklärten Widerstand des Managements. TWA klagte gegen ihn und warf ihm vor, die Gesellschaft ausschlachten zu wollen, verlor aber die Auseinandersetzung. Die Belegschaft stellte sich damals sogar auf Icahns Seite, weil der konkurrierende Bieter als gewerkschaftsfeindlich galt.

1988 nahm Icahn die Airline in einem Leveraged Buyout von der Börse.

Ein Leveraged Buyout ist eine Übernahme, bei der ein Käufer den Kaufpreis überwiegend mit Fremdkapital finanziert und die Schulden anschließend dem übernommenen Unternehmen selbst aufbürdet.

Genau darin liegt der Kern der Kritik. Das Konstrukt bewertete das Unternehmen laut einem Bericht des Magazins Time vom August 1992 mit 469 Millionen Dollar und ließ Icahns Gruppe rund 90 Prozent der Stammaktien. Die Finanzierung lief über hochverzinste Ramschanleihen, also Anleihen mit schlechter Bonität und entsprechend hohem Zinskupon. Die Schuldenlast blieb bei TWA, der Handlungsspielraum schrumpfte.

Im Mai 1991 verkaufte TWA die wertvollsten Vermögenswerte, die es besaß: die Landerechte für drei Strecken nach London-Heathrow ab New York, Boston und Los Angeles. Käufer war American Airlines, der Preis lag laut UPI-Archiv bei 445 Millionen Dollar. Icahn bezeichnete den Verkauf damals als Linderung kurzfristiger Probleme. Im Januar 1992 meldete TWA Insolvenz an.

Die übliche Erzählung endet hier mit dem Bild vom Investor, der sich bereichert und ein Unternehmen zurücklässt. Die Zahlen sind unbequemer als die Erzählung. Nach demselben Time-Bericht verloren TWA-Anleihen 87 Prozent und die Vorzugsaktien 83 Prozent ihres Werts, und Icahn selbst gab an, mindestens 100 Millionen Dollar verloren zu haben. Er nannte TWA seine schlechteste Investition überhaupt. Das ist eine Eigenangabe und lässt sich nicht unabhängig prüfen, passt aber zu dem, was aus der Kapitalstruktur ohnehin ablesbar ist.

Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust

Kompakt erklärt, mit Praxisbeispielen und klaren Einstiegssignalen – kostenlos als PDF.

Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust

55-Candlesticks E-Book

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.

Apple und eBay: dieselbe Methode in modernem Gewand

Dreißig Jahre später sieht der Ablauf identisch aus, nur ohne Ramschanleihen und ohne Zerschlagung. Im August 2013 machte Icahn eine Beteiligung an Apple publik. Bis Ende Januar 2014 hielt er nach eigenen Angaben rund 52,8 Millionen Aktien für etwa 3,6 Milliarden Dollar, gut 0,9 Prozent des Konzerns. Seine Forderung war eine einzige und sie war sehr laut: Apple solle den Bargeldberg über Aktienrückkäufe an die Aktionäre ausschütten.

Ein Aktienrückkauf ist der Kauf eigener Aktien durch das Unternehmen selbst, wodurch die Zahl der ausstehenden Aktien sinkt und der Gewinn je Aktie rechnerisch steigt.

Apple kaufte in großem Stil zurück. Zwischen dem zweiten Quartal 2013 und dem zweiten Quartal 2016 sank die Zahl der ausstehenden Aktien um rund 16 Prozent. Am 28. April 2016 verkaufte Icahn seine gesamte Position und begründete das mit Risiken im China-Geschäft. Seinen Gewinn bezifferte er selbst auf rund 2 Milliarden Dollar. Die Pointe kam danach: Apple stieg weiter, und Icahn räumte später ein, zu früh ausgestiegen zu sein.

Bei eBay lief es strukturell gleich. Ab Anfang 2014 forderte Icahn mit rund zwei Prozent Anteil die Abspaltung von PayPal, nominierte eigene Kandidaten für den Verwaltungsrat und einigte sich am Ende auf einen zusätzlichen Sitz. Der Spin-off wurde am 18. Juli 2015 vollzogen. Icahn tauschte seine eBay-Anteile anschließend in PayPal-Aktien. Er wollte nicht das Unternehmen zerlegen, sondern die Bewertungslücke zwischen zwei ungleichen Geschäften auflösen.

Beide Fälle zeigen dasselbe Muster: eine Forderung, öffentlich vorgetragen, konsequent bis zum Board verfolgt, danach Ausstieg. Beide zeigen aber auch die Kehrseite: Icahn verkauft, sobald sein Kurstreiber wirkt, nicht wenn das Unternehmen fertig ist.

Herbalife: das Duell gegen Bill Ackman

Kein Fall hat Icahn so viel öffentliche Aufmerksamkeit gebracht wie Herbalife. Ende 2012 hatte Bill Ackman eine Milliarde Dollar gegen den Nahrungsergänzungsvertrieb gesetzt und das Geschäftsmodell öffentlich als Schneeballsystem bezeichnet. Icahn stellte sich auf die Gegenseite, nicht in erster Linie aus Überzeugung vom Unternehmen, sondern weil er in einem überfüllten Leerverkauf eine Zwangslage für die Gegenseite sah.

Am 25. Januar 2013 trafen beide live im US-Wirtschaftssender CNBC aufeinander. Fast eine halbe Stunde lang beschimpften sich die beiden Milliardäre am Telefon, während auf dem Parkett der New Yorker Börse mitgejohlt wurde. Der Schlagabtausch war Unterhaltung, der Mechanismus dahinter war es nicht: Je größer Icahns Position wurde, desto knapper wurden die frei handelbaren Aktien, die ein Leerverkäufer zum Eindecken braucht.

Das Ergebnis ist eindeutig. Ackman schloss seine Wette im Februar 2018 mit Verlust. Icahn verkaufte im Januar 2021 mehr als die Hälfte seiner Anteile für 600 Millionen Dollar an Herbalife zurück und stieß den Rest bis Mai 2021 ab. Nach Berechnung von CNBC verdiente er an der Position insgesamt rund 1,3 Milliarden Dollar.

Bei aller Klarheit des Ergebnisses lohnt der genaue Blick. Icahn hat hier nicht bewiesen, dass Herbalife ein gutes Unternehmen war. Er hat bewiesen, dass eine sehr große, sehr sichtbare Gegenposition eine überlaufene Short-Position teuer machen kann. Das ist eine Aussage über Marktmechanik, nicht über Fundamentaldaten, und wer diesen Unterschied verwischt, zieht aus dem Fall die falsche Lehre.

Das sind die wichtigsten Daytrading Regeln!

Hole dir jetzt das kostenlose E-Book und lerne, worauf es wirklich ankommt.

53-Daytrading E-Book

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.

Das sind die wichtigsten Daytrading Regeln!

53-Daytrading E-Book

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.

Icahn Enterprises und der Einbruch seit 2023

Am 2. Mai 2023 veröffentlichte der Leerverkäufer Hindenburg Research einen Bericht über Icahns eigene Holding. Zum ersten Mal stand der Angreifer auf der anderen Seite.

Ein Short-Seller-Report ist eine öffentlich veröffentlichte Analyse eines Leerverkäufers, der auf fallende Kurse gesetzt hat und mit der Veröffentlichung seiner Vorwürfe genau diesen Kursverfall auslösen will.

Der Hindenburg-Bericht warf Icahn Enterprises vor, mit einem Aufschlag von 218 Prozent auf den zuletzt gemeldeten Nettoinventarwert zu handeln, und beschrieb die Ausschüttungspolitik als „ponzi-like“: Geld neuer Anleger finanziere die Ausschüttungen an alte.

Der Nettoinventarwert, kurz NAV, ist die Summe aller Vermögenswerte einer Beteiligungsgesellschaft abzüglich ihrer Schulden. Notiert die Aktie deutlich darüber, zahlen Anleger einen Aufschlag auf das, was die Gesellschaft tatsächlich besitzt.

Die Kursreaktion kam sofort: Am Tag der Veröffentlichung verlor das Papier rund 20 Prozent. Und es blieb nicht dabei.

Icahn Enterprises Kursverlust und Ausschüttungskürzungen von April 2023 bis Juli 2026 im Vergleich zum S&P 500
Der Kurs der Holding hat sich seit dem Leerverkäufer-Report gedrittelt und mehr. Die Quartalsausschüttung wurde in derselben Zeit zweimal halbiert.

Die Zahlen zum Stichtag 28.07.2026 sehen so aus:

KennzahlEnde April 2023Stand 28.07.2026
Kurs Icahn Enterprisesrund 51 Dollar7,78 Dollar
Quartalsausschüttung2,00 Dollar0,50 Dollar
S&P 500 im selben ZeitraumBasisrund 78 Prozent im Plus

Der Kursverlust von rund 85 Prozent ist eine reine Kursbetrachtung. Ausschüttungen mildern das Bild, drehen es aber nicht, und sie sind selbst Teil des Problems: Im August 2023 halbierte Icahn Enterprises die Quartalszahlung von 2,00 auf 1,00 Dollar, im November 2024 erneut auf 0,50 Dollar. Bei einem Kurs von 7,78 Dollar ergibt das eine ausgewiesene Ausschüttungsrendite von rund 26 Prozent, ein Wert, der in dieser Höhe fast immer Zweifel am Kurs signalisiert und nicht Großzügigkeit.

Der aufsichtsrechtliche Teil endete undramatischer, als die Schlagzeilen von 2023 vermuten ließen. Am 19. August 2024 schloss die US-Börsenaufsicht SEC einen Vergleich mit beiden Seiten. Der Vorwurf betraf nicht die Bewertung und nicht die Ausschüttungen, sondern fehlende Offenlegung: Icahn hatte Anteile als Sicherheit für persönliche Milliardenkredite verpfändet, ohne das ordnungsgemäß zu melden. Icahn Enterprises zahlte laut SEC-Mitteilung 1,5 Millionen Dollar, Icahn persönlich 500.000 Dollar. Ein Betrugsvorwurf wurde nie erhoben.

Fairerweise gehört dazu, dass auch der Angreifer verschwunden ist: Hindenburg Research stellte den Betrieb im Januar 2025 ein. Der Kurs hat sich davon nicht erholt. Operativ bleibt Icahn aktiv und hält weiter die Mehrheit am Raffineriebetreiber CVR Energy, den er im Februar 2026 noch aufgestockt hat.

13 Trading-Indikatoren, die du kennen musst

19-Indikatoren E-Book

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.

Das sind die wichtigsten Indikatoren für erfolgreiche Trader!

Hole dir jetzt das kostenlose E-Book und lerne, worauf es wirklich ankommt.

19-Indikatoren E-Book

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.

Was Trader von Icahn übernehmen können und was nicht

Der ehrliche Teil zuerst: Icahns Methode ist für dich nicht nachbaubar. Sie beruht auf drei Voraussetzungen, die ein Privatanleger nicht herstellen kann, und daran ändert auch mehr Kapital oder bessere Software nichts.

Diese drei Punkte lassen sich nicht übertragen:

  • Der Name als Kurstreiber: Der Icahn-Lift funktioniert, weil der Markt weiß, was danach kommt. Deine Kauforder löst nichts aus.
  • Der Zeithorizont: Zwischen Einstieg und Durchsetzung liegen bei Icahn oft ein bis drei Jahre, in denen die Position im Minus stehen darf.
  • Der Zugang zur Macht: Sitze im Verwaltungsrat, Stimmrechtskämpfe und Klagen sind Werkzeuge, die Kapital in dieser Größenordnung voraussetzen.

Übertragbar ist dafür etwas anderes, und es ist der wertvollere Teil:

  • Eine These braucht einen Auslöser, keinen Wunsch: Icahn kauft nie nur, weil etwas billig ist. Er kauft, weil er weiß, welches konkrete Ereignis den Wert freisetzen soll. Übersetzt auf den Chart heißt das: Ein Setup ohne definierten Auslöser ist keine Trading Edge, sondern eine Meinung.
  • Ergebnis und Begründung sauber trennen: Bei Herbalife hatte Icahn recht mit der Mechanik, nicht zwingend mit dem Unternehmen. Wer nach einem Gewinn die falsche Begründung mitnimmt, wiederholt beim nächsten Mal den Fehler mit schlechterem Ausgang.
  • Positionsgröße ist die eigentliche Entscheidung: Icahn kann eine Position aussitzen, weil sie zu seinem Gesamtvermögen passt. Dieselbe Frage stellt sich bei jedem Trade, nur mit anderen Zahlen. Wie du sie beantwortest, steht in unserem Guide zur Positionsgröße im Trading.
  • Die Klumpenrisiko-Lehre steht bei ihm selbst: Icahns Vermögen hängt zu einem sehr großen Teil an einem einzigen Papier. Genau das hat ihn seit 2023 Milliarden gekostet. Was ein solcher Verlauf mit einem Konto macht, zeigt der Beitrag zum Drawdown im Trading.

Wo Icahns Ansatz an Grenzen stößt, ist er übrigens gut dokumentiert. Bei TWA hat die Fremdfinanzierung das Ziel zerstört. Bei Apple hat der frühe Ausstieg Rendite gekostet. Und bei der eigenen Holding hat er die Regel gebrochen, die er anderen Vorständen vier Jahrzehnte lang gepredigt hat: Zahle nicht mehr aus, als das Geschäft hergibt. Der passende Rahmen dafür ist kein Vorbild, sondern ein System. Wie ein solches aussieht, steht im Guide zum Risikomanagement im Trading.

Fazit: der Raider als Lehrstück, nicht als Vorbild

Ich halte Carl Icahn für eine der aufschlussreichsten Figuren der Börsengeschichte, gerade weil sein Weg nicht glatt verlaufen ist. Was ihn über vier Jahrzehnte getragen hat, ist keine überlegene Analyse, sondern eine überlegene Position: die Fähigkeit, eine Bewertungslücke nicht nur zu erkennen, sondern sie selbst zu schließen. Das ist ein struktureller Vorteil, kein handwerklicher, und deshalb lässt er sich nicht kopieren.

Für dich als Trader bleibt trotzdem einiges hängen. Icahn arbeitet mit einer klaren These, einem definierten Auslöser und einem Ausstieg, sobald der Auslöser gewirkt hat. Diese drei Elemente gelten unabhängig von Kontogröße und Markt. Ähnlich wie bei George Soros ist es nicht der einzelne spektakuläre Trade, der die Methode ausmacht, sondern die Konsequenz, mit der eine These in eine Position übersetzt und wieder aufgelöst wird.

Der Teil, den ich am lehrreichsten finde, ist der unbequemste. Icahn Enterprises ist heute das lebende Gegenbeispiel zu Icahns eigener Lehre. Eine Ausschüttung, die das Geschäft nicht verdient, hält sich nur so lange, wie neues Geld nachfließt. Wer Icahn studiert, sollte diesen Teil nicht überspringen, denn er ist der einzige, der wirklich für jede Kontogröße gilt.

Häufige Fragen zu Carl Icahn

Wer ist Carl Icahn?

Carl Icahn ist ein US-amerikanischer Investor, geboren am 16. Februar 1936, und gilt als bekanntester Corporate Raider der Börsengeschichte. Er kauft sich in unterbewertete Unternehmen ein und setzt das Management öffentlich unter Druck, bis Wert an die Aktionäre fließt. Forbes weist sein Vermögen am 29.07.2026 mit 4,3 Milliarden Dollar aus.

Was ist ein Corporate Raider?

Ein Corporate Raider ist ein Investor, der sich in ein unterbewertetes Unternehmen einkauft, um das Management gegen dessen Willen zu Verkäufen, Abspaltungen oder Ausschüttungen zu zwingen. Der modernere Begriff dafür lautet aktivistischer Investor. Inhaltlich beschreiben beide Begriffe dasselbe Vorgehen, nur mit unterschiedlicher Wertung.

Was macht Icahn Enterprises?

Icahn Enterprises L.P. ist Carl Icahns börsennotierte Beteiligungsgesellschaft an der Nasdaq, an der er rund 86 Prozent hält. Sie ist ein Mischkonzern und kein Fonds: Zum Portfolio gehören unter anderem Energie, Automobilzulieferung, Verpackung, Metalle und Immobilien. Die Gesellschaft schüttet quartalsweise aus, aktuell 0,50 Dollar je Anteil.

Wie viel Vermögen hat Carl Icahn?

Forbes weist das Vermögen von Carl Icahn am 29.07.2026 mit 4,3 Milliarden Dollar aus. Sein Vermögen hängt fast vollständig an Icahn Enterprises, deren Kurs seit dem Leerverkäufer-Report vom Mai 2023 rund 85 Prozent verloren hat. Vor diesem Einbruch lag sein Vermögen um ein Vielfaches höher.

Wie endete das Herbalife-Duell zwischen Icahn und Ackman?

Icahn gewann die Auseinandersetzung. Bill Ackman schloss seine Wette gegen Herbalife im Februar 2018 mit Verlust. Icahn verkaufte im Januar 2021 mehr als die Hälfte seiner Anteile für 600 Millionen Dollar an das Unternehmen zurück und stieg bis Mai 2021 vollständig aus, nach CNBC-Berechnung mit rund 1,3 Milliarden Dollar Gewinn.

Kann man Carl Icahns Portfolio nachbilden?

Nachbilden lässt es sich, sinnvoll ist es selten. Icahns Rendite entsteht aus Einfluss, nicht aus der Auswahl, und dieser Einfluss lässt sich nicht mitkaufen. Wer über die Aktie von Icahn Enterprises einsteigt, kauft zudem ein Papier mit hoher Ausschüttung und ausgeprägtem Klumpenrisiko, dessen Kurs seit 2023 stark gefallen ist.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1978. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.

Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis 2010 gab er eigene Gruppenseminare, von 2000 bis 2010 zusätzlich private Einzelschulungen.

Icahns Vorgehen bewertet er ausdrücklich von außen, als Trader ohne Unternehmensbeteiligungen und ohne aktivistische Praxis. Die Einordnung betrifft deshalb das, was über beide Herangehensweisen hinweg gilt: die Klarheit der These, den definierten Auslöser und die Frage, wann eine Position wieder aufgelöst wird.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

Empfehlung:

FinMent Börsenwebinar