Paul Tudor Jones: die Strategie hinter dem Trade des Jahrhunderts

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2026

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Am 19. Oktober 1987 verlor der Dow Jones 22,6 Prozent an einem einzigen Tag. Die meisten Marktteilnehmer verloren an diesem Montag Geld, viele ihr halbes Vermögen. Ein 33-jähriger Baumwollhändler aus Memphis verdiente rund 100 Millionen Dollar. Er hatte den Einbruch nicht geahnt, sondern vorbereitet, mit einem Modell, einem Plan für den Ausstieg und einer Positionsgröße, die den Irrtum überlebt hätte.

Paul Tudor Jones ist deshalb interessant, weil sein Handwerk erklärbar bleibt. Er hat keinen geheimen Indikator, er nutzt Werkzeuge, die jedem Trader offenstehen: einen gleitenden Durchschnitt, ein festes Verhältnis von Chance zu Risiko und die Bereitschaft, eine Meinung innerhalb von Minuten aufzugeben. Genau das macht ihn für die Praxis brauchbarer als viele Legenden, deren Erfolg sich im Nachhinein niemand mehr erklären kann.

Dieser Artikel zeigt dir, wie Jones arbeitet, welche seiner Regeln du übernehmen kannst und wo die Legende dünner wird als ihr Ruf. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Paul Tudor Jones: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Der Trade seines Lebens: Jones ging vor dem Börsencrash 1987 short und beendete das Jahr mit 125,9 Prozent Rendite nach Gebühren. Der geschätzte Gewinn lag bei rund 100 Millionen Dollar.
  • Sein Ansatz heißt Global Macro: Er leitet Positionen aus Zinsen, Währungen und Kapitalströmen ab und setzt sie über Futures um, nicht über einzelne Aktien.
  • Seine wichtigste Kennzahl: der 200-Tage-Durchschnitt. Fällt ein Markt darunter, reduziert er oder steigt aus.
  • Sein Risikorahmen: rund ein Prozent Risiko pro Idee und ein angestrebtes Chance-Risiko-Verhältnis von 5:1. Damit darf er häufiger falsch als richtig liegen.
  • Sein Vermögen: 8,1 Milliarden Dollar laut Forbes, Platz 449 der Weltrangliste. Seine Tudor Investment Corporation verwaltet rund 17 Milliarden Dollar.
  • Heute: Jones hält Bitcoin für den besseren Inflationsschutz als Gold und gibt dem KI-Bullenmarkt noch ein bis zwei Jahre.

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Wer ist Paul Tudor Jones?

Paul Tudor Jones II ist ein US-amerikanischer Hedgefonds-Manager, der 1980 die Tudor Investment Corporation gründete und durch seine Short-Positionen im Börsencrash vom Oktober 1987 bekannt wurde.

Geboren wurde er am 28. September 1954 in Memphis, Tennessee. Sein Studium der Volkswirtschaft schloss er 1976 an der University of Virginia ab. Eine Zusage der Harvard Business School nahm er später nicht an, weil er den Nutzen für seine Arbeit am Markt nicht sah.

Die Tudor Investment Corporation ist die 1980 gegründete Vermögensverwaltung von Paul Tudor Jones mit Sitz in Stamford, Connecticut, die rund 17 Milliarden Dollar verwaltet.

Heute führt er dieses Haus, die Tudor Investment Corporation, noch immer selbst. Es gehört zu den ältesten noch aktiven Hedgefonds der Welt und verwaltet nach Angaben von Forbes rund 17 Milliarden Dollar. Jones’ persönliches Vermögen beziffert Forbes auf 8,1 Milliarden Dollar, was ihn auf Platz 449 der weltweiten Milliardärsliste bringt.

Neben dem Handel ist er als Stifter aktiv. 1988 gründete er die Robin Hood Foundation gemeinsam mit Peter Borish und Glenn Dubin.

Die Robin Hood Foundation ist eine 1988 in New York gegründete Stiftung zur Armutsbekämpfung, die Paul Tudor Jones mitgegründet hat.

2013 kam JUST Capital dazu, eine Organisation, die Unternehmen des Russell 1000 nach sozialen Kriterien bewertet.

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Vom Baumwollparkett zur eigenen Fondsgesellschaft

Jones’ Laufbahn beginnt nicht an der Wall Street, sondern im Baumwollhandel. Sein Cousin William Dunavant Jr., selbst einer der großen Baumwollhändler der USA, stellte ihn 1976 dem Rohstoffmakler Eli Tullis in New Orleans vor. Tullis nahm ihn mit an die New York Cotton Exchange.

Dort lernte Jones das Parketthandwerk in seiner härtesten Form. Tullis handelte große Positionen und blieb dabei äußerlich ruhig, auch wenn der Markt gegen ihn lief. Diese Kontrolle über die eigene Reaktion hat Jones später als die wichtigste Lehre dieser Zeit bezeichnet. Das Arbeitsverhältnis endete abrupt: Tullis entließ ihn, nachdem Jones nach einer durchfeierten Nacht am Arbeitsplatz eingeschlafen war.

Es folgten vier Jahre als Rohstoffbroker bei E. F. Hutton, von 1976 bis 1980. Danach machte er sich selbstständig. Die Tudor Investment Corporation startete 1980 mit einem Startkapital von 30.000 Dollar, das die Commodities Corporation beisteuerte. Dieselbe Adresse förderte damals auch andere Namen, die später berühmt wurden, unter anderem Ed Seykota und Michael Marcus.

Der 19. Oktober 1987: der Trade, der ihn berühmt machte

Die Grundlage für den bekanntesten Trade seiner Karriere lieferte nicht Jones selbst, sondern sein Forschungsleiter Peter Borish. Borish legte den Kursverlauf der Achtzigerjahre über den der Zwanzigerjahre, Monat für Monat. Die beiden Verläufe deckten sich über weite Strecken auf etwa ein Prozent genau.

Aus diesem Vergleich zog Jones eine Erwartung, keine Prognose mit Datum. Wenn sich das Muster fortsetzt, folgt auf die Übertreibung ein scharfer Bruch. Der genaue Zeitpunkt blieb offen, Borish selbst rechnete zunächst mit dem Frühjahr 1988. Entscheidend war deshalb nicht die Vorhersage, sondern die Positionierung: Jones hielt Short-Positionen mit definiertem Risiko und wartete, statt sich auf einen Termin festzulegen.

Der Black Monday war der 19. Oktober 1987, an dem der Dow Jones 22,6 Prozent an einem einzigen Handelstag verlor.

Für Tudor endete das Jahr 1987 mit 125,9 Prozent Rendite nach Gebühren. Der Gewinn aus den Short-Positionen wird auf rund 100 Millionen Dollar geschätzt. Wichtig für die Einordnung: Diese Zahl ist die Jahresrendite, nicht das Ergebnis eines einzigen Handelstages. Der Crash war die Auflösung einer Position, die über Monate aufgebaut und laufend angepasst wurde.

Lehrreich an diesem Trade ist die Kombination aus These, Timing-Verzicht und Risikodeckel. Jones hat sich beim Zeitpunkt geirrt. Der Irrtum kostete ihn nichts, weil die Positionsgröße so gewählt war, dass sie das Warten aushielt.

Lesetipp: Was ist ein Börsencrash? Ursachen, Muster und Lehren aus der Geschichte

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Global Macro: wie Paul Tudor Jones die Märkte liest

Global Macro bezeichnet einen Handelsansatz, bei dem Positionen aus gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen abgeleitet und über Anleihen, Währungen, Rohstoffe und Aktienindizes umgesetzt werden.

Jones sucht keine unterbewerteten Einzelaktien. Er fragt, wohin das Geld fließt: Was machen die Notenbanken, wie entwickeln sich Zinsen und Staatsverschuldung, wo entsteht Druck auf eine Währung. Aus dieser Lage leitet er ab, welcher Markt sich bewegen muss, und setzt die Idee über Futures um, weil er dort schnell und mit Hebel ein- und aussteigen kann.

Der zweite Teil seiner Arbeit ist rein technisch. Die makroökonomische These liefert die Richtung, der Chart liefert den Zeitpunkt und den Ausstieg. Jones hat mehrfach betont, dass er sich nicht auf seine Meinung verlässt, sondern auf das, was der Kurs tut. Bewegt sich ein Markt gegen ihn, ist die These für ihn erledigt, unabhängig davon, wie überzeugend sie klingt.

Diese Trennung von These und Signal ist der praktische Kern. Eine Makro-These ohne Chartsignal führt zu Positionen, die man ewig hält, weil man ja recht hat. Ein Chartsignal ohne Kontext führt zu Trades ohne Substanz. Jones braucht beides und steigt aus, sobald eines von beiden wegfällt.

Grenzen des Ansatzes: Global Macro braucht Kapital, Zugang zu Futures-Märkten und Zeit. Wer ein kleines Konto handelt, kann die Positionen nicht sinnvoll streuen und wird von einzelnen Ausschlägen aus dem Markt gedrängt. Für die meisten privaten Trader ist der Ansatz als Ganzes nicht kopierbar, wohl aber seine Risikologik.

Lesetipp: Global Macro: weltweite Anlagemöglichkeiten nutzen

Die Risikoregeln: 5:1, ein Prozent und die 200-Tage-Linie

Jones’ bekanntestes Werkzeug ist kein Indikator-Paket, sondern ein einzelner Durchschnitt. Sein Regelwerk passt auf eine Seite.

Der 200-Tage-Durchschnitt ist der Mittelwert der Schlusskurse der letzten 200 Handelstage und dient als Trennlinie zwischen Aufwärts- und Abwärtsphase.

Im Interview für Tony Robbins’ Buch „Money: Master the Game“ (2014) sagte Jones wörtlich: „My metric for everything I look at is the 200-day moving average of closing prices.“ Fällt ein Markt unter diese Linie, reduziert er die Position oder steigt aus. Die Regel ist bewusst stumpf: Sie nimmt ihm die Entscheidung ab, wenn es unangenehm wird.

Die zweite Säule ist das Verhältnis von Gewinnpotenzial zu Risiko, und dort wird er ungewöhnlich wählerisch.

Die 5:1-Regel von Paul Tudor Jones bedeutet, dass er nur Trades eingeht, deren Gewinnpotenzial mindestens das Fünffache des riskierten Betrags beträgt.

Diese Regel stammt aus seinem Interview in Jack Schwagers „Magier der Märkte“. Der rechnerische Effekt ist erheblich: Bei einem Verhältnis von 5:1 darf ein Trader in vier von fünf Fällen falsch liegen und steht immer noch bei null. Jones hat daraus die Haltung abgeleitet, dass die Trefferquote zweitrangig ist, solange die Verluste klein bleiben.

Dazu kommt die Positionsgröße. Jones riskiert pro Idee rund ein Prozent seines Kapitals. Für jemanden, der mit Hebel arbeitet, klingt das konservativ, ist aber genau die Voraussetzung dafür: Nur wenn der einzelne Fehler klein bleibt, lässt sich eine These über Monate halten.

Die vierte Regel steht seit den Achtzigerjahren an seiner Bürowand und ist in der Dokumentation „Trader“ zu sehen.

„Losers average losers“ ist Paul Tudor Jones’ Grundsatz, eine Verlustposition niemals nachzukaufen.

Verbilligen fühlt sich nach Disziplin an, ist aber das Gegenteil. Wer nachkauft, vergrößert das Risiko genau dann, wenn die ursprüngliche Annahme bereits widerlegt ist. Für Jones ist das der einzelne Fehler, der Karrieren beendet.

Übertragbar sind diese vier Regeln auch mit kleinem Konto, weil keine davon Kapital voraussetzt:

  • Ein fester Risikodeckel pro Trade: Rechne die Positionsgröße aus dem Abstand zum Stop, nicht aus dem Bauchgefühl. Wie das konkret geht, zeigt der Beitrag zur Positionsgrößenberechnung.
  • Ein Mindest-Chance-Risiko-Verhältnis: Trades ohne ausreichendes Verhältnis gar nicht erst eingehen. Was das für den Erwartungswert bedeutet, rechnet die Trading-Mathematik an echten Trades vor.
  • Eine mechanische Ausstiegslinie: Der 200-Tage-Durchschnitt (GD 200) ist eine Möglichkeit, es geht auch mit einer anderen festen Marke. Wichtig ist, dass sie vor dem Einstieg feststeht.
  • Kein Nachkaufen im Verlust: Diese Regel braucht keine Ausnahme und verträgt auch keine.

Die Grafik fasst die vier Regeln so zusammen, wie sie im Zusammenspiel funktionieren. Keine davon wirkt allein: Der Ausstieg ohne Positionsgröße ist genauso wertlos wie ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis, das im Verlust aufgeweicht wird.

Paul Tudor Jones Risikoregeln: 200-Tage-Durchschnitt, Chance-Risiko-Verhältnis 5:1, ein Prozent Risiko pro Trade und kein Nachkaufen im Verlust
Vier Regeln, die zusammengehören. Fällt eine weg, tragen die anderen drei nicht mehr.

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Was Paul Tudor Jones über Handelspsychologie sagt

Jones spricht auffällig selten über Gewinne und auffällig oft über Verlustvermeidung. Sein bekanntester Satz dazu lautet sinngemäß, er denke ständig ans Geldverlieren, nicht ans Geldverdienen. Die Aufgabe sei nicht, den nächsten großen Trade zu finden, sondern das Kapital zu schützen.

Daraus folgt eine Haltung, die vielen Tradern schwerfällt: Er behandelt seine eigene Meinung als Wegwerfartikel. Eine Position, die gegen ihn läuft, wird nicht verteidigt, sondern geschlossen. Danach darf dieselbe Idee auch wieder neu aufgesetzt werden, wenn der Markt es hergibt. Diese Trennung von Meinung und Position ist der Punkt, an dem die meisten privaten Trader scheitern.

Der dritte Baustein ist Demut gegenüber dem eigenen Erfolg. Jones hat mehrfach beschrieben, wie ihn eine sehr gute Phase gefährlicher macht als eine schlechte, weil die Positionsgrößen dann unbemerkt wachsen. Sein Gegenmittel ist banal und wirksam: Nach starken Phasen reduziert er bewusst und beginnt wieder klein.

Wie ähnlich diese Gedanken bei ganz unterschiedlichen Tradern auftauchen, zeigt der Vergleich über die Generationen hinweg mit Jesse Livermore, der schon in den 1920er-Jahren zum selben Ergebnis kam und trotzdem daran scheiterte, sich selbst daran zu halten.

„Trader“: die Dokumentation, die er zurückziehen ließ

1987 begleitete ein Team von PBS den damals 32-jährigen Jones bei der Arbeit. Der Film mit dem Titel „Trader“ lief im November 1987, wenige Wochen nach dem Crash, und zeigt ihn im Büro, am Telefon und beim Aufbau genau jener Short-Positionen, die das Jahr für ihn entschieden.

In den 1990er-Jahren ließ Jones den Film aus dem Verkehr ziehen. Eine öffentliche Begründung hat er nie geliefert. Kopien kursieren bis heute im Netz, offiziell verfügbar ist der Film nicht. Für Trader ist er trotzdem sehenswert, weil er etwas zeigt, das in Interviews systematisch fehlt: die Zeit zwischen den Trades, das Warten, das Zurücknehmen von Positionen, die Fehlgriffe.

Eine plausible Erklärung liefert der Film selbst. Er zeigt einen sehr jungen Mann, der Dinge sagt, die ein Milliardär mit Stiftung und öffentlicher Rolle so nicht mehr sagen würde. Belegt ist diese Deutung nicht, sie bleibt Spekulation.

Lesetipp: Börsenfilme, Finanzfilme und Wirtschaftsfilme: das komplette Verzeichnis

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Kritische Einordnung: was die Legende auslässt

Zur Ehrlichkeit gehört, dass die Erzählung vom unfehlbaren Macro-Trader an mehreren Stellen bröckelt. Vier Punkte gehören dazu.

Der Regelverstoß von 1994. Die US-Börsenaufsicht SEC warf Tudor Investment vor, im März 1994 gegen die damals geltende Short-Sale-Regel verstoßen zu haben. Konkret ging es um Leerverkäufe in 27 der 30 Dow-Werte an zwei Handelstagen. Das Verfahren wurde 1996 durch einen Vergleich ohne Schuldeingeständnis beendet. Die kursierenden Angaben zur Vergleichssumme lassen sich derzeit nicht aus einer zugänglichen Primärquelle bestätigen, deshalb steht hier keine Zahl.

Die Renditen sind nicht mehr die von 1987. Die spektakulären Jahre liegen in den Achtzigern und frühen Neunzigern. Ein Haus, das 17 Milliarden Dollar verwaltet, kann nicht mehr so agil handeln wie ein Fonds mit wenigen hundert Millionen. Das ist keine Kritik an Jones, sondern ein struktureller Effekt: Größe kostet Rendite.

Der 1987er-Trade wird überhöht. Das Modell stammte von Peter Borish, nicht von Jones. Der Zeitpunkt lag daneben. Ausgezeichnet hat ihn die Umsetzung und das Risikomanagement, nicht die Prognose. Wer die Geschichte als Beleg dafür liest, dass sich Crashs vorhersagen lassen, zieht die falsche Lehre.

Seine Marktaussagen sind keine Handelssignale. Jones äußert sich regelmäßig im Fernsehen. Was er dort sagt, ist eine Momentaufnahme seiner Positionierung, die er innerhalb von Tagen ändern kann und auch ändert. Wer eine solche Aussage als Einstiegssignal nimmt, handelt eine Position, deren Ausstieg er nicht kennt.

Paul Tudor Jones heute: Bitcoin, Gold und der KI-Bullenmarkt

Mit 71 Jahren ist Jones weiter aktiv und äußert sich häufiger öffentlich als früher. Drei Positionen prägen seine aktuellen Auftritte.

Bei Bitcoin ist er seit 2020 investiert, damals als Absicherung gegen die von ihm erwartete Geldentwertung. Im April 2026 ging er weiter und nannte Bitcoin gegenüber CoinDesk den besten Inflationsschutz, mehr noch als Gold. Begründung ist das feste Angebot bei gleichzeitig steigender Staatsverschuldung.

Beim KI-Bullenmarkt ist seine Haltung zweigeteilt. Im Mai 2026 sagte er bei CNBC, der Anstieg habe noch ein bis zwei Jahre, und verglich die Lage mit 1999. Er ist investiert, hält die Bewertungen aber für überzogen und rechnet mit einer scharfen Korrektur am Ende. Sein Bild dafür: Man müsse „happy feet“ haben, also jederzeit sprungbereit sein.

Dieses Nebeneinander ist typisch für ihn. Er handelt die Bewegung und misstraut ihr gleichzeitig, weil beides kein Widerspruch ist, solange der Ausstieg definiert bleibt. Wie sich der Kryptomarkt aktuell entwickelt, verfolgen wir laufend in der Bitcoin-Prognose.

Was du als Trader konkret übernehmen kannst

Nicht alles an Jones’ Arbeit ist übertragbar. Sein Kapital, sein Research-Team und sein Marktzugang sind es nicht. Vier Dinge sind es sehr wohl.

  • Der Ausstieg wird vor dem Einstieg festgelegt. Jones weiß bei jeder Position, wo sie beendet ist. Diese Marke ist mechanisch und nicht verhandelbar, sobald der Trade läuft.
  • Das Risiko bestimmt die Größe, nicht die Überzeugung. Ein Prozent pro Idee bedeutet, dass keine einzelne Meinung das Konto gefährdet. Die Grundlagen dazu stehen im Risikomanagement im Trading.
  • Der Markt hat immer recht, die These nie. Läuft der Kurs gegen dich, ist die Annahme widerlegt. Neu einsteigen darfst du danach jederzeit, verteidigen nie.
  • Nach guten Phasen kleiner werden. Der gefährlichste Moment ist nicht der Verlust, sondern die Serie von Gewinnen, die das Risikogefühl verschiebt.

Wer diese vier Punkte in ein eigenes Regelwerk gießt, hat den Kern dessen, was Jones von der Mehrheit unterscheidet. Ob daraus eine tragfähige Systematik wird, hängt daran, ob dein Ansatz überhaupt einen statistischen Vorteil hat. Wie du das prüfst, zeigt der Beitrag zur Trading Edge.

Lesetipp: Die besten Trading-Sprüche und Trading-Zitate

Fazit: warum Jones anders ist als die meisten Legenden

Ich habe die Ära, aus der Jones stammt, als aktiver Trader miterlebt. Der Crash von 1987 war für mich kein Kapitel in einem Buch, sondern ein Handelstag. Und ich erinnere mich gut daran, wie viele Marktteilnehmer damals hinterher erklärten, sie hätten es kommen sehen. Der Unterschied zu Jones ist, dass bei ihm die Position vorher da war, nicht die Erklärung hinterher.

An seinem Handwerk schätze ich die Nüchternheit. Jones benutzt einen gleitenden Durchschnitt, ein festes Chance-Risiko-Verhältnis und eine kleine Positionsgröße. Das hört jeder Anfänger in der ersten Woche, und fast niemand hält es über Jahre durch. Sein Vorsprung liegt nicht im Werkzeug, sondern in der Konsequenz.

Wovon ich abraten würde: Jones als Orakel zu behandeln. Seine Fernsehauftritte sind Momentaufnahmen, keine Signale, und die Geschichte von 1987 taugt nicht als Beleg dafür, dass sich Crashs vorhersagen lassen. Sie taugt als Beleg dafür, dass man mit einem falschen Timing und einem richtigen Risikorahmen trotzdem sehr gut abschneiden kann. Das ist die brauchbarere Lehre.

Häufige Fragen zu Paul Tudor Jones

Ist Paul Tudor Jones ein Milliardär?

Ja. Forbes beziffert sein Vermögen auf 8,1 Milliarden Dollar und führt ihn auf Platz 449 der weltweiten Milliardärsliste. Der größte Teil stammt aus seiner Beteiligung an der Tudor Investment Corporation, die rund 17 Milliarden Dollar verwaltet.

Was machte Paul Tudor Jones berühmt?

Seine Short-Positionen vor dem Börsencrash am 19. Oktober 1987. Während der Dow Jones an diesem Tag 22,6 Prozent verlor, beendete sein Fonds das Jahr mit 125,9 Prozent Rendite nach Gebühren und einem geschätzten Gewinn von rund 100 Millionen Dollar.

Welche Strategie handelt Paul Tudor Jones?

Er handelt Global Macro: Die Richtung leitet er aus Zinsen, Währungen und Verschuldung ab, den Einstieg und den Ausstieg bestimmt er über den Chart. Umgesetzt werden die Ideen überwiegend über Futures, nicht über einzelne Aktien.

Welchen Indikator nutzt Paul Tudor Jones?

Den 200-Tage-Durchschnitt. Er hat ihn als seine Kennzahl für alles bezeichnet, was er sich ansieht. Fällt ein Markt unter diese Linie, reduziert er die Position oder steigt vollständig aus.

Wie viel riskiert Paul Tudor Jones pro Trade?

Rund ein Prozent seines Kapitals pro Idee, bei einem angestrebten Chance-Risiko-Verhältnis von 5:1. Bei diesem Verhältnis kann ein Trader in vier von fünf Fällen falsch liegen und steht rechnerisch immer noch bei null.

Was sagt Paul Tudor Jones über Bitcoin?

Er hält Bitcoin für den besten Inflationsschutz, auch gegenüber Gold. Investiert ist er seit 2020, damals als Absicherung gegen erwartete Geldentwertung. Seine Begründung ist das begrenzte Angebot bei gleichzeitig steigender Staatsverschuldung.

Warum ist die Dokumentation „Trader“ nicht offiziell erhältlich?

Der Film entstand 1987 bei PBS und lief im November desselben Jahres. In den 1990er-Jahren ließ Jones ihn aus dem Verkehr ziehen, ohne das öffentlich zu begründen. Kopien kursieren im Netz, eine offizielle Veröffentlichung gibt es nicht.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.

In den späten 1980er-Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und brachte dessen zehn Bücher ins Deutsche. Zwischen 2000 und 2010 gab er Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Den Crash von 1987, mit dem der Name Paul Tudor Jones bis heute verbunden ist, hat Karsten als aktiver Trader miterlebt. Dieselbe Phase prägte auch seine eigene Arbeit: Die Rohstofftrends der Siebziger und die Währungsverwerfungen der Achtzigerjahre waren sein Marktumfeld, als Jones seine ersten Fonds aufbaute.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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