Befreien Sie sich ein für alle Mal vom Übertrading

Exzessives Traden (Übertrading) bedeutet, dass Trades in einem Ausmaß eingegangen werden, wodurch der gesamte Tradingvorteil des Traders ausgehöhlt wird. Dies wirkt sich für alle Trader katastrophal aus, selbst für Anleger und Investoren. Aber insbesondere für Daytrader stellt dies geradezu eine Todsünde dar.

Ich kenne einen Daytrader namens Hybris. Er war immer ein erfolgreicher Trader – so jedenfalls hatte er es behauptet. Als ich hörte, dass er ein so wunderbarer Trader ist, ergriff ich die Chance, ihn während einer Trading-Sitzung zu beobachten.

Was dann kam, hörte sich etwa so an:

Ja, zwei Punkte habe ich in der Tasche. Das ist einfach.
Lass uns sehen… oh, da kommt ein neuer Trade.
Ich werde jetzt sofort eine Short-Position eröffnen, gerade rechtzeitig.
Ah, einen Punkt verloren. Es kann nur besser werden. Schau! Genau dort gibt es eine Möglichkeit, meine Verluste wieder wettzumachen.
Oh, zwei Verluste hintereinander, das heißt, dass der nächste Trade ein Gewinn werden wird. Ich muss weitermachen.

Am Ende der Trading-Sitzung wunderte sich Hybris, wie er es fertig gebracht hatte, 30 Prozent seines Trading-Kontos innerhalb einer einzigen Trading-Sitzung zu vernichten.

Hört sich die Erfahrung von Hybris bekannt an? Ist es Ihnen auch schon mal so ergangen?

Wenn Sie mit ja antworten, könnten Sie Ihr Trading-Ergebnis massiv verbessern, nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben.

Die Ursache des exzessiven Trading

Unrealistische Erwartungen bezüglich der Volatilität des Marktes

Daytrader benötigen Volatilität, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn der Markt richtungslos ist, sollte man nicht traden.

Aber aus Mangel an Marktverständnis und der gegenwärtigen Bedingungen reden sich Trader ein bzw. suggerieren sich, dass der Markt in Bewegung geraten wird.

Dr. Brett Steenbarger, Autor des Buches The Daily Trading Coach: 101 Lessons for Becoming Your Own Trading Psychologist (Deutsche Übersetzung), erklärte diese unrealistischen Erwartungen wirklich gut in seinem Blog.

Die Selbstüberschätzung der eigenen Trading-Kompetenz

Hybris ist ein gutes Beispiel dafür. Er glaubt, dass er nicht verlieren könne und im Markt nicht sichtbar sei. Möglicherweise versteht er zwar den Markt gut, aber sich selbst kennt er nicht.

Er überschätzt seine Trading-Fähigkeiten und ist sich sicher, dass er unter jeder Marktbedingung traden kann.

Die allgemeine Arbeitsethik

Die angeborene Arbeitsethik besagt, dass wir uns unseren Lebensunterhalt erarbeiten müssen. Das ist vollkommen in Ordnung.

Falsch ist der Bedeutungsinhalt von „Arbeit“ für einen Trader. Die meisten Trader denken, dass arbeiten bedeutet, Trades einzugehen. Das ist falsch, und genau das führt zum exzessiven Traden.

In diesem Sinne arbeiten wir, wenn wir auf den besten Trade warten.

Wir arbeiten, wenn wir uns an unsere Trading-Regeln halten und die Trades umsetzen.

Wir arbeiten selbst dann, wenn wir keine Trades durchführen. Und wenn wir unsere Arbeit korrekt durchführen, werden wir dafür bezahlt.

Dem exzessiven Trading die Grundlage entziehen

Die wichtigste Regel, um dem exzessiven Trading entgegen zu wirken

Der sogenannte Aktionsplan „nur eine Kugel“ enthält lediglich eine einfache Regel:

Gehen Sie pro Tag nur einen Trade ein.

Da gibt es keine Ausnahmen und keine Rechtfertigungen.

Beschränken Sie sich auf nur einen Trade. Wenn es ein Gewinntrade war, schalten Sie Ihren Computer aus.

Nachdem Sie Ihren Computer ausgeschalter haben, unternehmen Sie etwas, das Ihnen Freude bereitet. Spielen Sie mit Ihren Kindern. Lesen Sie ein Buch. Machen Sie etwas, was Sie auf andere Gedanken bringt, so dass Sie Abstand vom Trading gewinnen.

Warum funktioniert diese Maßnahme gegen Übertrading?

Wie oben erörtert, sind die Ursachen von exzessivem Trading psychologischer Natur und somit vielfältig. Zumeist beinhalten diese Ursachen unsere Gedanken, die uns einen Streich spielen.

Daher ist die Lösung mit körperlicher Betätigung verbunden. (Schalten Sie Ihren Computer aus, und gehen Sie zum Sport.) Anstatt Ihren Verstand zu überzeugen, bewegen Sie sich körperlich.

Es gibt nur eine einfach, aber absolute Regel. Je mehr Regeln aufgestellt werden, desto mehr Raum geben Sie Ihren Gedanken, um Sie dazu zu veranlassen, einen weiteren Trade zu eröffnen. Wenn es nur eine einzige und absolute Regel gibt, entziehen Sie Ihrem Verstand den Boden für Rechtfertigungen.

Finden Sie es wirklich gut, pro Tag nur einen Trade durchzuführen?

Ihr Verstand wird immer versuchen, diese entscheidende Regel durch Rationalisierungen aufzuweichen. Das müssen wir verhindern.

Wenn Sie wissen, dass Sie nur eine Kugel zu verschießen haben, werden Sie sich zwingen, nur die besten Trades auszuwählen. Dadurch werden Sie bewusster werden und selektiver vorgehen bezüglich Ihrer Trades. Höchstwahrscheinlich werden sich Ihre Trading-Ergebnisse aufgrund dessen verbessern.

Einen guten Trade pro Tag auszuwählen, ist genug, um Ihr Tradingziel (falls Sie überhaupt eines haben) zu erreichen. Angenommen, Sie haben ein Tradingziel, so hängt die Höhe Ihres Gewinnes von der Höhe Ihres Risikokapitals ab.

Es gibt aber auch noch das gegenteilige Problem des Untertrading (d.h. zu wenig traden), was bedeutet, dass wir nicht das gesamte Potential unserer Trading-Strategie ausschöpfen.

Machen Sie sich keine Gedanken darüber, denn die meisten Trader ruinieren ihre Konten dadurch, dass sie zu viel und nicht zu wenig traden. Jedenfalls hat noch keiner sein Tradingkonto platt gemacht, indem kein einziger Trade eingegangen wurde.

Fazit: Sie müssen aufhören mit dem Übertrading

Sie müssen mit dem exzessiven Traden aufhören, weil es ein riesiges Hindernis für Ihren Tradingerfolg darstellt.

Sie müssen mit dem exzessiven Traden aufhören, weil nur Sie das bewerkstelligen können. Der hier vorgestellte Plan funktioniert, Sie müssen sich nur daran halten.

Verhalten Sie sich nicht wie Hybris. Mein anderer Freund Sophrosyne ist ein besserer Trader.

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Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: Get Rid of Overtrading

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

Image credit: gigijin [CC BY-SA 2.0] via Flickr (cropped from original)