Kaum ein Buch wird unter Tradern so oft empfohlen wie „Magier der Märkte“. Es steht seit über 30 Jahren auf jeder Leseliste, und die meisten Empfehlungen bleiben trotzdem an derselben Stelle stehen: eine Handvoll spektakulärer Zahlen, ein paar Zitate, fertig. Der eigentliche Wert des Buches liegt woanders, nämlich in dem, was die porträtierten Trader über ihre Fehler sagen.
Jack Schwager hat für die Reihe über Jahrzehnte hinweg außergewöhnlich erfolgreiche Trader befragt. Auf dieser Seite findest du beides: das vollständige Interview, das ich gemeinsam mit Gaby Boutaud aus dem Englischen übersetzt habe, und eine Einordnung der kompletten Buchreihe samt der Frage, welche Bände auf Deutsch vorliegen und welche nicht.
Dazu kommt der Teil, den Buchvorstellungen meist auslassen: was aus den porträtierten Tradern wurde, welche der berühmten Renditezahlen einer Prüfung standhalten und an welcher Stelle die Lehren aus einem Buch von 1989 an ihre Grenzen stoßen. Nicht alles daraus lässt sich auf ein heutiges Handelskonto übertragen.
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Jack Schwager und „Magier der Märkte“: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Wer Jack Schwager ist: geboren am 27. Juni 1948 in Antwerpen, Analyst, Fondsmanager und Autor. Er lebt heute in Boulder, Colorado, und gilt als Fachmann für Futures und Hedgefonds.
- Das Buch: „Magier der Märkte“ ist die deutsche Ausgabe von „Market Wizards“ (1989). Es erschien im August 2004 im FinanzBuch Verlag, hat 512 Seiten und kostet 54,99 Euro.
- Das Format: Schwager stellt keine Theorie vor, sondern führt Interviews. Du liest mit, wie Trader wie Michael Marcus, Richard Dennis und Paul Tudor Jones ihre Entscheidungen begründen.
- Ein neuer Band kommt: „Magier der Märkte: Die nächste Generation“ erscheint am 17. September 2026 bei Börsenmedien, geschrieben mit George F. Coyle, 420 Seiten für 39,90 Euro.
- Kein deutsches Hörbuch: Eine gesprochene Fassung gibt es bislang nur auf Englisch. Wer „Magier der Märkte“ hören will, muss auf das englische Original ausweichen.
Wer Jack Schwager ist
Jack D. Schwager ist ein US-amerikanischer Analyst, Fondsmanager und Autor, der mit seiner Interview-Reihe „Market Wizards“ die bekannteste Sammlung von Gesprächen mit außergewöhnlich erfolgreichen Tradern geschaffen hat.
Geboren wurde er am 27. Juni 1948 in Antwerpen. Seine Laufbahn begann er als Rohstoff-Analyst an der Wall Street, also auf der fundamentalen Seite des Geschäfts. Er untersuchte Angebot und Nachfrage einzelner Märkte, statt Kurscharts zu lesen. Diese Herkunft prägt seine Fragen bis heute, weil er von Tradern regelmäßig wissen will, worauf sich deren Überzeugung eigentlich stützt.
Später arbeitete er als Research-Leiter mehrerer Brokerhäuser und als Mitgründer eines Fonds-Beratungsunternehmens. Heute lebt er in Boulder, Colorado. Schwager ist also nie reiner Autor gewesen, sondern hat auf beiden Seiten des Geschäfts gearbeitet. Neben der Market-Wizards-Reihe schrieb er Fachbücher zu Futures-Märkten und zur technischen Analyse (Wikipedia).
Market Wizards ist der Originaltitel einer Interview-Reihe, in der Jack Schwager Trader mit außergewöhnlichen Ergebnissen zu ihrer Methode, ihrem Risikomanagement und ihren größten Fehlern befragt.
Bemerkenswert ist, was Schwager nicht tut. Er verkauft keine Methode. In den Interviews taucht kein System auf, das der Leser übernehmen soll. Seine wiederkehrende These lautet, dass erfolgreiche Trader kaum etwas gemeinsam haben außer einigen Verhaltensmustern, und dass jeder seinen eigenen Zugang finden muss. Weitere Porträts bekannter Marktteilnehmer findest du in unserer Übersicht der Trading-Experten.
Market Wizards und Magier der Märkte: alle Bände der Reihe
Die Reihe umfasst inzwischen sechs Bände, und die deutschen Ausgaben sind unübersichtlich: Sie erschienen bei drei verschiedenen Verlagen, teils mit erheblichem Abstand zum Original, und nicht jeder Band wurde überhaupt übersetzt. Die folgende Übersicht ordnet das.
| Originaltitel (Jahr) | Deutsche Ausgabe | Verlag |
|---|---|---|
| Market Wizards (1989) | Magier der Märkte (2004) | FinanzBuch |
| The New Market Wizards (1992) | Magier der Märkte II (2006) | Börsenmedien |
| Stock Market Wizards (2001) | nicht übersetzt | — |
| Hedge Fund Market Wizards (2012) | nicht übersetzt | — |
| The Little Book of Market Wizards (2014) | Das kleine Buch der Market Wizards | FinanzBuch |
| Unknown Market Wizards (2020) | Die unbekannten Magier der Märkte | Plassen |
| Next Generation Market Wizards | Die nächste Generation (17.09.2026) | Börsenmedien |

Der erste Band ist der, den fast alle meinen, wenn sie „Magier der Märkte“ sagen. Er versammelt Gespräche mit Rohstoff-, Futures- und Aktienhändlern aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Diese Trader arbeiteten unter Bedingungen, die es so nicht mehr gibt: weniger Liquidität, keine elektronischen Orderbücher, ausgeprägtere Trends.
Für Einsteiger ist „Das kleine Buch der Market Wizards“ die zugänglichere Wahl. Schwager fasst darin die Lehren aus allen vorherigen Interviews zusammen, statt die Gespräche vollständig abzudrucken. Es ersetzt das Original nicht, weil die Interviews gerade durch ihre Länge und die Widersprüche darin wirken, aber es ist ein guter Einstieg für alle, denen 512 Seiten zu viel sind.
Der neue Band ist die eigentliche Neuigkeit. „Magier der Märkte: Die nächste Generation“ erscheint am 17. September 2026 bei Börsenmedien und hat mit George F. Coyle erstmals einen Co-Autor. Auf 420 Seiten geht es um Trader der Gegenwart, darunter algorithmisch arbeitende Marktteilnehmer. Damit schließt die Reihe erstmals an die heutigen Marktbedingungen an, was den älteren Bänden strukturell fehlt.
Wenn du dich breiter umsehen willst: die Reihe ist nicht der einzige Klassiker, den es zu diesem Thema gibt. Weitere Titel stehen in unserer Übersicht der besten Trading-Bücher.
Interview mit Jack Schwager: was einen großen Trader ausmacht
Das folgende Gespräch führte Sloane Ortel im April 2014 für das CFA Institute, anlässlich des Erscheinens von „The Little Book of Market Wizards“. Die deutsche Übersetzung stammt von mir und Gaby Boutaud. Der Text ist ein gekürzter und redaktionell überarbeiteter Auszug des vollständigen Gesprächs.
Was jemanden überhaupt zum Trader macht
Jack Schwager: Für mich bedeutet „Trader“ in erster Linie, dass jemand nicht nur eine Long-, sondern auch eine Shortposition bezieht. Das verhindert die einseitige Ausrichtung auf Longpositionen, und wer bewusst short geht, denkt anders über Risiko nach. Ein weiterer Faktor ist die Bereitschaft, die Position häufiger zu wechseln als jemand, den man als langfristigen Investor bezeichnen würde.
Es ist schon sonderbar, wenn ich an meine erste Erfahrung mit den Market-Wizards-Büchern zurückdenke. Ich interviewte Jim Rogers für das erste Buch der Reihe, und er bestritt bei unserer ersten Begegnung, überhaupt ein Trader zu sein: „Ich weiß nicht, warum Sie mich interviewen wollen, ich bin kein Trader.“
Das war sein erster Satz. Ich sagte: „Nun, ja. Ich weiß, dass Sie langfristig investieren, aber in meinen Augen sind Sie ein Trader, weil Sie sowohl long als auch short gehen und Positionen drehen.“ Für mich entscheidet das Verhalten, nicht die Haltedauer.
Was einen Trader kennzeichnet, sind Entscheidungen: wann man eine Position eröffnet, wann man aussteigt und wann man Positionen dreht. Ein langfristig orientierter Investor vertritt dagegen den Standpunkt: „Ich will 50 Prozent meines Geldes in Aktien angelegt haben. Ich werde eine Position in einem Index beziehen und diese 40 Jahre lang halten.“ An dieser Vorgehensweise ist nichts falsch, aber es ist kein Trading.
Warum es die eine richtige Methode nicht gibt
Anfänger glauben, dass es irgendwo eine Antwort gibt, dass es also darum geht, die richtige Formel zu finden. Deshalb verkaufen sich Bücher mit einem Titel wie „Wie ich eine Million Dollar in den Märkten verdient habe“ immer gut.
Die Wahrheit ist, dass es so nicht funktioniert. Es gibt keinen einzigen Weg, der dauerhaft funktioniert. Wenn es einen solchen Weg gäbe, würde er ohnehin aufhören zu wirken, weil alle ihm folgen würden.
Es geht darum, eine Methode zu finden, die zur jeweiligen Person passt. Um auf Jim Rogers zurückzukommen: Es gibt Leute wie ihn, die der technischen Analyse mit völliger Verachtung begegnen. Er würde sagen, die einzigen Leute, die er getroffen hat und die mit technischer Analyse Geld verdienen, seien jene, die ihre Analysedienstleistungen verkaufen.
Auf der anderen Seite gibt es Leute wie Martin Schwartz, die es außerordentlich gut gemacht haben. Er würde sagen: „Ich verbrachte ein Jahrzehnt als Fundamentalanalyst, aber als Techniker wurde ich reich.“ Glauben Sie mir, Rogers könnte nie Geld mit technischer Analyse verdienen und Schwartz nicht mit fundamentaler. Und doch machen beide ihre Sache herausragend.
Ich bekomme manchmal E-Mails von Leuten, die fragen: „Welche Handelsmethode würden Sie empfehlen?“ Für mich ist diese Frage mit der folgenden vergleichbar: „Ich werde einen teuren Anzug kaufen. Welche Größe soll ich nehmen?“ Es gibt keinen Anzug in der richtigen Größe für jeden, und die Leute müssen beim Trading ebenso denken.
Warum der Ansatz eine Edge braucht
Der Tradingansatz muss einen Vorteil haben, im Englischen Edge genannt. Es reicht nicht aus, einen Ansatz zu haben, mit dem man sich wohlfühlt. Er kann der sinnvollste Ansatz der Welt sein und auf dem Papier vernünftig klingen, aber die Märkte zahlen nicht für Ansätze, die vernünftig klingen. Sie zahlen für das, was funktioniert, und was funktioniert, ist oft einfallslos und unlogisch.
Mit „funktionieren“ meine ich nicht, dass es eine Geldmaschine ist. Ich meine nur, dass man damit über die Zeit mehr verdient als verliert. Das ist der Tradingvorteil. Was das konkret bedeutet und wie du ihn misst, erklären wir im Beitrag zur Trading Edge.
Risikomanagement und Disziplin
Das ist sehr wichtig, aber zuerst möchte ich erwähnen, dass die Reihenfolge nicht der Bedeutung folgt, sondern der zeitlichen Abfolge. Sie entwickeln eine Methode, die zu Ihrer Persönlichkeit passt. Diese muss einen Vorteil aufweisen. Wenn Sie diesen Vorteil dann nutzen, muss das Risikomanagement ein Teil des Planungsprozesses sein.
Sie können eine Methode mit einem Vorteil haben. Wenn Sie das Risiko aber nicht sorgfältig steuern und Ihr Ansatz zulässt, dass Sie sich dem hohen Risiko eines einzelnen Trades aussetzen, werden Sie viel Geld verlieren. Ein guter Ansatz kann durch ein paar Trading-Fehler zunichtegemacht werden. Nahezu jeder Trader, den ich befragt habe, hielt das Risikomanagement für wichtiger als die Methode.
Damit haben Sie die wichtigsten Komponenten, aber das alles zählt nichts, wenn Sie es nicht konsequent umsetzen. Mit anderen Worten: Es geht um Disziplin. Es gibt Trades, die Ihnen schrecklich vorkommen und die Sie eigentlich nicht nehmen wollen. Wenn sie Teil Ihrer Methodik sind, gehen Sie sie dennoch ein. Und es gibt Zeiten, da sagt Ihnen Ihr Risikomanagement: „Hier bist du draußen.“ Sie hassen es vielleicht auszusteigen, aber genau das verlangt Ihr Plan.
Flexibilität, die unterschätzte Eigenschaft
Flexibilität ist eine weitere Eigenschaft, die große Trader von fast allen anderen unterscheidet. Sie können blitzschnell umschwenken. Sie können in der einen Minute extrem bullisch eingestellt sein, und wenn sich ihre Sichtweise durch neue Faktoren ändert, in der nächsten Minute extrem bärisch. Diese Fähigkeit, die eigene Meinung zu wechseln statt auf die eigene Position zu hoffen, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
Das gilt für eine ganze Reihe von Händlern. Paul Tudor Jones war an der Aktienbörse bullisch ausgerichtet, als ich ihn eine Woche lang beobachtete. Zwei Wochen später war er bärisch eingestellt.
Warum eine Elite-Ausbildung nichts entscheidet
Nein. Das ist eher ein Kennzeichen der heutigen Hedgefonds-Welt, in der die Absolventen der Ivy-League-Hochschulen die besseren Chancen haben. Aber soweit es die Leute betrifft, die ich interviewt habe, fallen sie alle aus diesem Raster. Einige haben ihr Studium sogar abgebrochen.
Es gibt eine andere Art von Intelligenz, die mit dem Trading zu tun hat. Bei einer stark quantitativen Methodik ist eine Promotion in Mathematik sicher von Vorteil. Aber es gibt auch Trader, die diese Art von Analyse gar nicht verwenden. Sie haben ein gutes Gespür für die Märkte und die Fähigkeit, viele verschiedene Fakten aufzunehmen und zu gewichten.
Ein guter Vertreter dieser Art ist Michael Marcus. Er ist kein Dummkopf, er hat einen Master-Abschluss in Psychologie, aber mit quantitativen Modellen hatte er nie etwas am Hut.
Dazu eine persönliche Geschichte. Ich war damals Fundamentalanalyst und befasste mich unter anderem mit Baumwolle. Als ordentlicher Wirtschaftsabsolvent machte ich alle Analysen: Ich ging historisch zurück und studierte die Ökonomie des Marktes nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei blieben nur drei oder vier Jahre übrig, die als freie Märkte gelten konnten. In allen anderen griffen Regierungsprogramme ein und verzerrten den Preis.
Ich kam zu dem Schluss, dass diese Handelssaison die bullischste war, so bullisch wie die stärkste freie Marktperiode zuvor. Die Preise lagen bei etwa 25 Cent, der höchste je erreichte Stand in der Mitte der 30-Cent-Spanne. Als der Markt dort ankam, hielt ich ihn für voll bewertet und begann zu shorten.
Marcus sagte: „Nein, es geht noch viel weiter nach oben.“ Sein Grund: Es war das erste Jahr, in dem China Baumwolle einkaufte. Es gibt tausend Fakten über Baumwolle, aber er hatte verstanden, dass diese eine Tatsache alles veränderte. Er hatte vollkommen recht. Der Preis stoppte nicht bei 30, 40 oder 50 Cent. Er ging bis auf 99 Cent, den höchsten Stand seit dem amerikanischen Bürgerkrieg. Marcus verdiente ein Vermögen in diesem Markt, obwohl ich weit mehr analysiert und gearbeitet hatte. Er hatte eben die eine Tatsache verstanden, die zählte.
Schwagers Rat für den Einstieg
Der Vorgang besteht darin, zuerst zu lesen. Ich kann Ihnen nicht sagen, was Sie lesen sollen. Gehen Sie auf Entdeckungsreise, im Web oder in einer Bibliothek. Nehmen Sie verschiedene Informationen auf, schauen Sie genauer hin und achten Sie darauf, was sie Ihnen sagen. Sobald Sie herausgefunden haben, wo es Sie hinzieht, lesen Sie mehr darüber.
Dann fangen Sie an, eigenständig über Ideen nachzudenken, die auf dem beruhen, was Sie gelesen haben. Beobachten Sie den Markt. Probieren Sie verschiedene Dinge aus. Daraus entwickeln Sie eine Methodik mit definierten Regeln und einem Risikomanagementplan.
Sobald Sie das haben, ist Paper Trading angesagt. Simuliertes Trading ist nicht dasselbe wie reales Trading, weil die emotionale Komponente fehlt. Aber es ist ein Weg, um zu überprüfen, ob Sie wirklich einen Vorteil haben.
Wenn es so aussieht, als hätten Sie einen, dann beginnen Sie mit einem kleinen Geldbetrag. Das macht es real. Ich sage bewusst klein, weil die meisten Leute am Anfang verlieren werden. Sie können Ihre Ausbildung genauso gut billiger bekommen. Kein Grund, eine mit 50.000 Dollar zu machen, wenn man eine für 5.000 Dollar haben kann. Wenn Sie dann erfolgreich mit echtem Geld handeln, können Sie Ihren Einsatz allmählich erhöhen.
Das Interview erschien im Original beim CFA Institute: What makes a great trader? An interview with Jack Schwager. Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud.
Die Trader in „Magier der Märkte“ und ihre Zahlen
Die Bilanzen aus dem Buch werden bis heute zitiert, oft ohne Kontext und gelegentlich falsch. Die folgende Übersicht nennt nur Zahlen, die sich belegen lassen, und ordnet ein, worauf sie sich beziehen.
| Trader | Wofür er bekannt wurde | Ergebnis |
|---|---|---|
| Michael Marcus | erster Interviewpartner der Reihe | 30.000 auf 80 Mio. Dollar |
| Bruce Kovner | Devisen und Zinsen, später Caxton | über 300 Mio. Dollar allein 1987 |
| Richard Dennis | Gründer des Turtle-Experiments | aus 1.600 geliehenen Dollar rund 200 Mio. |
| Paul Tudor Jones | Short vor dem Crash 1987 | fünf Jahre in Folge dreistellig |
| Ed Seykota | frühe computergestützte Trendfolge | 250.000 Prozent in 16 Jahren |
| Michael Steinhardt | Hedgefonds Steinhardt Partners | 24,5 Prozent pro Jahr über 28 Jahre |
| Tom Baldwin | größter Einzelhändler im T-Bond-Pit | handelte Kontrakte in Milliardenhöhe |
Bei Michael Steinhardt kursiert hartnäckig die Angabe „30 Prozent über 30 Jahre“. Belegt ist ein anderer Wert: Zwischen 1967 und 1995, also über 28 Jahre, erzielte Steinhardt Partners für die Anleger im Schnitt 24,5 Prozent jährlich, und zwar nach Abzug der Gebühren. Die häufig genannten 30 Prozent sind der Wert vor Gebühren. Das ist kein Detail, denn genau diese Differenz entscheidet darüber, was beim Anleger ankommt.
Bei Ed Seykota bezieht sich die spektakuläre Zahl auf ein einzelnes Kundenkonto, nicht auf sein gesamtes verwaltetes Vermögen. Bei Michael Marcus werden regelmäßig zwei Konten vermischt: das Firmenkonto bei Commodities Corporation und sein privates Vermögen. Und Tom Baldwin handelte im Parketthandel des Chicago Board of Trade, den es in dieser Form seit 2015 nicht mehr gibt. Seine Rolle ist Geschichte, kein Berufsbild.
Ein Name fehlt in dieser Aufstellung bewusst. Jim Rogers, der mit George Soros den Quantum Fund gründete, wollte selbst gar nicht als Trader gelten. Ausführliche Porträts einzelner Market Wizards findest du zu Richard Dennis und Ed Seykota. Die Handelsregeln aus dem Dennis-Experiment haben wir im Beitrag zu den Turtle-Trading-Regeln aufgeschlüsselt, und eine vergleichende Einordnung aller Renditen steht in der Trading-Performance-Übersicht.
Was das Buch heute noch taugt
Die folgende Besprechung stammt von Stefan Lenhart, der das Buch für uns gelesen hat.
„Magier der Märkte“ ist anders aufgebaut als die meisten Trading-Bücher. Schwager hat sich darauf konzentriert, Interviews zu führen, und man hat beim Lesen den Eindruck, im Gespräch mit dabei zu sitzen. Kein Interview gleicht dem anderen, weil die Gesprächspartner in völlig verschiedenen Märkten arbeiteten: manche im Parketthandel mit Rohstoffen, andere ausschließlich mit Futures, wieder andere mit Aktien und Währungen.
Zu Beginn jedes Gesprächs fragt Schwager, wie der jeweilige Trader zum Handel kam. Die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus: Leidenschaft, Faszination, Zufall oder schlicht das Geld. Danach geht es ins Detail. Interessant ist dabei weniger die Strategie als die Begründung, nach welchen Kriterien ein Trade ausgewählt wird und welcher Markt dafür infrage kommt.
Der stärkste Teil des Buches ist die Frage nach den Fehlern. Schwager wollte von vielen Befragten wissen, was ihr größter Fehltrade war und was sie daraus gelernt haben. Die Antworten sind eindeutig: Jeder der Interviewten hatte im Lauf seiner Karriere hohe Verluste, einige waren zwischenzeitlich pleite. Was sie unterscheidet, ist nicht die Fehlerfreiheit, sondern der Umgang damit.
Auf Basis dieser Erfahrungen hat jeder Trader ein eigenes Regelwerk aufgebaut: nach welchen Regeln er einsteigt, wie er mit negativen Trades umgeht und wann er einen Verlust realisiert. Beim Realisieren von Verlusten sind alle Befragten konsequent. Das Regelwerk ist dabei nichts Fertiges, sondern über Jahre gewachsen und laufend angepasst worden.
Was das Buch nicht leistet, gehört zur ehrlichen Einordnung dazu. Es liefert keine umsetzbare Strategie, und die Auswahl der Gesprächspartner leidet unter einem systematischen Problem: Schwager hat die Gewinner befragt. Wie viele Trader mit demselben Vorgehen gescheitert sind, steht in keinem Kapitel. Wer das Buch als Erfolgsrezept liest, liest es falsch. Als Sammlung von Denkweisen unter Druck ist es dagegen kaum zu ersetzen.
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Magier der Märkte als Hörbuch, PDF und gebrauchte Ausgabe
Rund um das Buch tauchen drei Fragen immer wieder auf. Die Antworten sind kurz, aber nicht in jedem Fall die erhoffte.
Ein deutsches Hörbuch gibt es nicht. Eine gesprochene Fassung existiert bislang ausschließlich auf Englisch, unter dem Originaltitel „Market Wizards“ bei Audible. Wer die Interviews hören statt lesen will, muss also auf das englische Original ausweichen. Für die deutsche Ausgabe ist bisher keine Audio-Version angekündigt.
Ein legales PDF des vollständigen Buches existiert ebenfalls nicht. Was es gibt, sind Auszüge: Wir stellen das Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe als PDF bereit, damit du vor dem Kauf hineinsehen kannst. Angebote, die das komplette Buch als kostenloses PDF versprechen, sind Raubkopien, meist auf Seiten mit fragwürdigem Ruf.
Gebrauchte Ausgaben sind dagegen eine sinnvolle Option. Der Neupreis von 54,99 Euro ist für einen Titel von 1989 sportlich, und am Inhalt ändert sich durch eine gebrauchte Ausgabe nichts. Antiquarisch liegen die Preise deutlich darunter. Der erste Band ist beim FinanzBuch Verlag weiterhin lieferbar, ein Nachdruck also nicht nötig.
Fazit: was von „Magier der Märkte“ bleibt
„Magier der Märkte“ ist ein Buch über Denkweisen, nicht über Methoden. Wer es liest, um eine Strategie zu finden, wird enttäuscht. Wer es liest, um zu verstehen, wie erfahrene Trader Entscheidungen unter Unsicherheit treffen, findet kaum etwas Vergleichbares.
Als ich Ende der 1970er-Jahre anfing, waren Namen wie Marcus oder Kovner in Deutschland praktisch unbekannt. Erst durch Schwagers Interviews wurde greifbar, wie die Spitzenleute in den USA arbeiteten. Mich hat daran bis heute weniger die Rendite beeindruckt als die Selbstverständlichkeit, mit der diese Trader über ihre Fehler sprechen. Genau das fehlt in fast jeder Trading-Publikation seither.
Drei Einschränkungen gehören dazu. Die Interviews stammen aus einer Marktphase mit anderer Liquidität und stärkeren Trends. Die Auswahl zeigt ausschließlich Gewinner. Und einige der berühmten Zahlen sind über die Jahre ungenau weitergereicht worden, wie das Beispiel Steinhardt zeigt. Das entwertet das Buch nicht, aber es verbietet, es als Beleg für Machbarkeit zu lesen.
Wenn du einen Satz mitnimmst, dann den, der bei fast allen Befragten in irgendeiner Form auftaucht: Risikomanagement schlägt Methode. Der neue Band „Die nächste Generation“ im September 2026 wird zeigen, ob das auch für eine Generation gilt, die überwiegend algorithmisch arbeitet.
Häufige Fragen zu Jack Schwager und „Magier der Märkte“
Was ist ein Market Wizard?
Als Market Wizard bezeichnet Jack Schwager einen Trader, der über viele Jahre hinweg außergewöhnliche Renditen bei streng kontrolliertem Risiko erzielt. Der Begriff stammt aus seiner Interview-Reihe, die 1989 mit „Market Wizards“ begann und auf Deutsch „Magier der Märkte“ heißt. Entscheidend ist für Schwager nicht die einzelne Gewinnserie, sondern die Beständigkeit über verschiedene Marktphasen hinweg.
Wer ist Jack Schwager?
Jack D. Schwager ist ein US-amerikanischer Analyst, Fondsmanager und Autor, geboren am 27. Juni 1948 in Antwerpen. Bekannt wurde er durch die Interview-Reihe „Market Wizards“, auf Deutsch „Magier der Märkte“. Er lebt heute in Boulder, Colorado.
Wie viele Magier-der-Märkte-Bücher gibt es?
Die Reihe umfasst sechs Bände, von „Market Wizards“ (1989) bis „Unknown Market Wizards“ (2020). Ein siebter Band mit dem Titel „Die nächste Generation“ erscheint am 17. September 2026. Auf Deutsch liegen nicht alle Bände vor.
Gibt es Magier der Märkte als Hörbuch?
Auf Deutsch gibt es bislang kein Hörbuch. Eine gesprochene Fassung existiert nur auf Englisch unter dem Originaltitel „Market Wizards“. Für die deutsche Ausgabe ist bisher keine Audio-Version angekündigt.
Was kostet Magier der Märkte?
Die deutsche Hardcover-Ausgabe kostet 54,99 Euro und hat 512 Seiten. Sie erschien im August 2004 im FinanzBuch Verlag und ist dort weiterhin lieferbar. Antiquarisch liegen die Preise deutlich darunter.
Ist das Buch für Anfänger geeignet?
Ja, aber nicht als erstes Trading-Buch. Die Interviews setzen ein Grundverständnis von Märkten und Orderarten voraus. Wer neu einsteigt, fährt mit „Das kleine Buch der Market Wizards“ besser, weil Schwager dort die Lehren zusammenfasst.
Kann man die Strategien aus dem Buch direkt anwenden?
Nein, und das ist auch nicht die Absicht des Autors. Schwagers zentrale These lautet, dass jeder Trader eine Methode finden muss, die zu seiner Persönlichkeit und Risikobereitschaft passt. Die Interviews zeigen Denkweisen, keine Handelssysteme.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 an den internationalen Märkten. Sein Schwerpunkt liegt auf der diskretionären Price-Action-Analyse in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten.
Über 17 Jahre vertrat er den US-Trading-Ausbilder Joe Ross im deutschsprachigen Raum und übersetzte dessen zehn Bücher. Ende der 1980er-Jahre übertrug er zudem die Elliott-Wellen-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für diesen Beitrag ist er besonders qualifiziert, weil er das hier abgedruckte Interview selbst ins Deutsche übertragen hat und die beschriebene Ära als aktiver Trader miterlebte. Er begann in demselben Jahrzehnt zu handeln, aus dem die Gespräche des ersten Bandes stammen, und ordnet deren Aussagen aus eigener Marktpraxis ein.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.




