Fast jeder Ratgeber endet mit demselben Satz: Sei diszipliniert und halte dich an deinen Plan. Das ist richtig und trotzdem nutzlos, denn genau daran scheitert es ja. Disziplin ist keine Charaktereigenschaft, die man hat oder nicht, sondern das Ergebnis von Bedingungen, die du selbst herstellen kannst.
Dieser Beitrag gibt dir sieben konkrete Ansätze, die an diesen Bedingungen ansetzen: den schriftlichen Plan als Maßstab, die Passung zwischen Methode und Persönlichkeit, mentale Vorbereitung, Abschirmung von Chatrooms und die Überprüfung, die dir nach einer Verlustserie den nötigen Halt gibt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Trading-Disziplin: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Klare Handelsstrategie: Leg eine klare Handelsstrategie fest und halte dich strikt daran. Ändere sie nicht impulsiv wegen Marktgerüchten oder Emotionen.
- Setze Stop-Loss-Orders: Bestimme vorher, welchen Verlust du maximal hinnehmen kannst, und setz die Order entsprechend. Das verhindert schlechte Entscheidungen in der Hitze des Gefechts.
- Emotionale Kontrolle: Lass dich nicht von deinen Emotionen leiten. Gier und Angst sind die Hauptfeinde eines Traders. Trainier dich darin, rational zu bleiben, auch wenn der Markt volatil ist.
- Kontinuierliche Weiterbildung: Der Markt ändert sich ständig. Bilde dich laufend weiter, um mit den neuesten Entwicklungen Schritt zu halten.
- Tagebuch führen: Dokumentiere jeden Trade, den du machst. Das hilft dir, deine Fehler zu erkennen und daraus zu lernen.
- Risikomanagement: Setz nie Geld ein, dessen Verlust du dir nicht leisten kannst. Bestimme vorher, welchen Prozentsatz deines Kapitals du in einen einzelnen Trade steckst.
- Realistische Erwartungen: Bleib bei deinen Renditeerwartungen realistisch. Über Nacht reich wirst du nicht, aber mit Disziplin und Geduld kannst du langfristig erfolgreich sein.
- Pausen einlegen: Nach einer Reihe von Verlusten oder wenn dich Emotionen packen, nimm dir eine Auszeit vom Handel, sammle dich und überdenk deine Strategie.
- Suche dir Unterstützung: Tausch dich mit anderen Tradern aus oder such dir einen Mentor. Das hilft dir, objektiv zu bleiben und neue Perspektiven zu gewinnen.
- Leidenschaft oder Sucht: Wer gegen den eigenen Plan weiterhandelt, hat kein Disziplinproblem mehr. Die Warnzeichen einer Trading-Sucht stehen weiter unten, samt Anlaufstelle.
- Kontinuierliche Selbstreflexion: Überprüfe regelmäßig deine Handelsstrategie und dein Verhalten. Sei ehrlich zu dir selbst, wenn du merkst, dass du von deinem Plan abweichst.
Disziplin im Handel erfordert Zeit und Praxis. Es ist wichtig, konsequent zu sein und sich ständig selbst zu überwachen. Wo die fehlende Disziplin herkommt, arbeitet Norman Welz in seinem Buch zur Tradingpsychologie sehr genau heraus. Mit der Zeit wirst du merken, dass du bessere Entscheidungen triffst und ruhiger handelst.
Trading-Disziplin verbessern: so funktioniert es
Die Disziplin beim Handel ist entscheidend für deinen Erfolg und dein Überleben als privater Trader. Als unabhängiger Trader hast du keine Vorgesetzten, die dir über die Schulter schauen. Dein Handelskonto kann hohe Verluste einfahren, wenn du auch nur ein einziges Mal deine Disziplin fahren lässt. Ganz zu schweigen von deinem Selbstbewusstsein als Händler.
Die üblichen Tipps zur Verbesserung der Handelsdisziplin sind aber nicht immer hilfreich.
Das Problem ist Folgendes: du musst zumindest so diszipliniert sein, um die gängigen Empfehlungen befolgen zu können. Deshalb habe ich mein Mögliches getan, um Handelstipps wie „Halte an deinem Verluststopp fest“ und „Lass einen Gewinntrade nicht zum Verlusttrade werden“ zu vermeiden. Diese Ratschläge entsprechen in etwa der Anweisung „diszipliniert sein und sich an deinen Trading-Plan halten“.
Im Mittelpunkt steht vielmehr die Schaffung der Voraussetzungen für die Entwicklung einer Geisteshaltung, die der Aufrechterhaltung der Handelsdisziplin förderlich ist. Natürlich benötigst du dennoch die Willenskraft, um diesen Prozess in Gang zu setzen.
Tipp 1: Schreib deinen Handelsplan auf
Man kann nicht verfeinern, was man nicht erfassen kann. dein Trading-Plan setzt den Maßstab dafür, wie diszipliniert du als Trader bist.
Dokumentier die Abweichungen von deinem Handelsplan, um deine Disziplin zu beurteilen.
Du musst deinen Trading-Plan nicht nur im Kopf haben, sondern ihn aufschreiben. Das gibt dir eine greifbare Orientierung und erinnert dich daran, was zu tun ist, um diszipliniert zu bleiben.
Dein Trading-Plan hilft dir auch dabei, um allgemeine Aspekte um das Thema Disziplin zu erkennen und zu durchdenken. So merkst du zum Beispiel, dass du deine Ausstiegsregeln regelmäßig ignorierst. Das führt dazu, dass du deine Buch- bzw. Papiergewinne wieder einbüßen und an den Markt zurückgeben müssen. Dies wird dir dabei behilflich sein, Bereiche nähre zu betrachten, die verbessert werden können.
Tipp 2: Einen passenden Handelsansatz ausfindig machen
Ein Trader hat viele Wahlmöglichkeiten:
- Die Handelsmöglichkeiten reichen vom extrem kurzfristigen Scalping bis zum langfristigen Markt-Timing.
- Die Finanzmärkte reichen von Stammaktien bis hin zu Optionen auf Futures.
- Und die Trading-Werkzeuge reichen von Strukturen der Price Action bis zur Analyse des Kapitalflusses.
Innerhalb dieses breiten Spektrums musst du dich für den Ansatz entscheiden, der am besten für dich geeignet ist. Im Idealfall sollte dieser mit deinen Fähigkeiten, deiner Persönlichkeit und deinem Lebensstil vereinbar sein.
du bist beispielsweise ein ausgezeichneter Analyst, aber das Treffen rascher Entscheidungen liegt dir nicht. In diesem Fall ist extremes Scalping nicht für dich geeignet. Swing-Trading oder Position-Trading sind dann passendere Alternativen für dich.
Je besser die Passung, desto leichter fällt dir Disziplin.
Tipp 3: Spiel deinen Handelsverlauf im Kopf durch
Ein Versagen der Disziplin tritt dann auf, wenn man unachtsam oder gestresst ist.
Ein Tipp von berühmten Teilnehmern bei der Olympiade lautet: Verwende mentale Bilder, um Szenarien durchzugehen, in denen du deine Disziplin verlierst.
Am wichtigsten bei der Vorstellung ist es, so detailgenau wie möglich vorzugehen. Konzentriere dich auf deine Emotionen und auf die konkreten Empfindungen deines Körpers, wenn er auf einen Verlusttrade reagiert. Stell dir vor, wie du reagierst, wenn du dich gelassen an deine Regeln hältst und einen kleinen Verlust in Kauf nehmen musst. Genau um diese Fähigkeit geht es in Best Loser Wins, dem Buch des Daytraders Tom Hougaard: Wer den Verlust als Betriebsvorgang behandelt statt als Niederlage, trifft die besseren Folgeentscheidungen.
Schon eine kleine Visualisierungsübung macht dich beim Trading disziplinierter.
Tipp 4: Halte dich von Chatrooms und Foren fern
Halte dich an deinen Plan und bewahr deine Disziplin, indem du dich auf das konzentrierst, was du dir vorgenommen hast. Konzentrier dich auf das, was du ausgearbeitet hast, und setz es um. Das ist Trading-Disziplin.
Deine Konzentration hält nicht, wenn du zwischen Charts und Chatrooms hin und her springst. Du stellst dabei deinen eigenen Plan infrage, und das geht selten gut aus.
Du kannst Chatrooms und Foren durchsuchen, um Handelskonzepte zu finden. Aber lass dich nicht darauf ein, während du tradest.
Tipp 5: Disziplin ist wichtiger als Trading
Ändere deine Sichtweise: Disziplin betrifft alle Lebensbereiche, nicht nur das Trading.
Wenn wir in anderen Bereichen keine Disziplin aufbringen, können wir auch nicht diszipliniert sein, wenn wir uns dem Markt zuwenden.
Sieh dir andere Bereiche deines Alltags an und bau dort Schritt für Schritt Disziplin auf. Fang zum Beispiel damit an, jeden Tag Sport zu machen, wie du es dir vielleicht schon lange vornimmst. Kleine, konsequente Veränderungen tragen wesentlich dazu bei, Kontrolle zu erwerben und diese auch langfristig zu behalten.
Tipp 6: Üb an historischen Daten, trade auf Papier und recherchiere
Zu wissen, dass man das Richtige tut, hilft bei der Aufrechterhaltung der Disziplin.
Nach aufeinanderfolgenden Verlusten ist es schwierig, die Handelsregeln weiterhin einzuhalten. Umso wichtiger ist, dass du darauf vertraust, dass der erlittene Verlust eine vorübergehende Phase ist.
Aber woher willst du wissen, dass der Verlust nur vorübergehend ist?
Mit letzter Sicherheit kannst du das nie wissen. Aber du kannst immerhin darauf vertrauen, und zwar wegen deiner Paper Trades, den Tests mithilfe historischer Daten und aufgrund deiner Erfahrung.
Prüf deinen Ansatz also, bevor du den Handelsplan festlegst. Es wird dir leichter fallen, die Disziplin aufrechtzuerhalten, wenn du weißt, dass dein Trading-Plan eine solide Grundlage besitzt.
Tipp 7: Entwickle deinen eigenen Blick als Trader
Als Trader ist es schwierig, diszipliniert zu bleiben, weil unser Geld und unser Ego auf dem Spiel stehen. Außerdem handelt es sich beim Trading um ein sogenanntes Wahrscheinlichkeitsspiel.
Trading ist in vielerlei Hinsicht eine völlig andere Angelegenheit als andere Aktivitäten. Deshalb hört man immer wieder von erfolgreichen Profis aus anderen Bereichen, die es versuchen und trotzdem scheitern.
Stelle deine Forschungen nach geeigneten Trading-Strategien zurück. Verwende stattdessen mehr Zeit dafür, diese Liste von Büchern über Trading-Psychologie durchzuarbeiten.
Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: 7 effective Tips for building Trading Discipline
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud
Tipp 8: Die 24-Stunden-Regel nach Serien
Nach drei Gewinntrades in Folge fühlst du dich unschlagbar, nach drei Verlusten willst du es dem Markt zeigen. Beide Zustände kosten Geld, und beide erkennst du im Moment selbst nicht. Genau dafür gibt es eine einfache Regel.
Sie lautet: Nimm dir 24 Stunden Zeit, bevor du auf eine Serie reagierst. Nicht, um zu pausieren, sondern um die Serie einzuordnen. Steh vom Bildschirm auf und sieh dir am nächsten Tag an, ob die Trades regelkonform waren.
Der Effekt ist immer derselbe: Aus dem Drang, sofort etwas zu tun, wird eine Entscheidung. Wer nach einer Verlustserie schon einmal auf Rache gehandelt hat, kennt den Unterschied.
Leidenschaft oder Sucht: woran du den Unterschied merkst
Disziplin hat eine Kehrseite, über die selten jemand schreibt. Wer sich stundenlang an den Chart zwingt, ist nicht diszipliniert, sondern getrieben. Und zwischen Hingabe und Sucht liegt bei einem Spiel um Wahrscheinlichkeiten ein schmaler Grat.
Das Unangenehme daran: Beide Typen können am Markt gute Ergebnisse liefern. Der Unterschied zeigt sich nicht im Kontoauszug, sondern daneben. Süchtige Trader erkaufen ihre Ergebnisse mit anderen Lebensbereichen, und angetrieben werden sie von der Angst zu versagen, nicht von der Freude an der Sache.
Was hinter dem Begriff Trading-Sucht steckt
Trading-Sucht ist keine eigenständige Diagnose. Fachlich einschlägig ist die Glücksspielstörung, die seit 2022 in der ICD-11 unter dem Code 6C50 als Verhaltenssucht geführt wird.
Das ist für Betroffene praktisch wichtig. Wer bei einer Beratungsstelle anruft, muss nicht erklären, was Daytrading ist: Die Einordnung ist getroffen, Beratung und Therapie stehen damit regulär offen. Bis 2022 lief das Krankheitsbild noch unter den Impulskontrollstörungen, seither gilt es als Suchterkrankung.
Die Weltgesundheitsorganisation verlangt für die Diagnose drei Merkmale zugleich: eingeschränkte Kontrolle über das Verhalten, seinen Vorrang vor anderen Lebensbereichen und die Fortsetzung trotz schädlicher Folgen. Dazu muss Leidensdruck oder eine deutliche Einschränkung im Alltag kommen. Ein einzelnes Merkmal reicht ausdrücklich nicht.
Entscheidend ist dabei nicht das gehandelte Instrument, sondern das Verhalten davor und danach. Ein diszipliniert umgesetzter Handelsplan ist kein Glücksspiel. Ein Klick, der aus Anspannung entsteht und dessen Ergebnis zweitrangig ist, solange überhaupt etwas passiert, kommt dem Muster sehr nahe. Je kürzer der Abstand zwischen Einsatz und Ergebnis, desto stärker wirkt der Reiz.
Harmonische Leidenschaft: den Prozess mögen, nicht das Ergebnis
Brad Stulberg und Steve Magness nennen das in ihrem Buch „The Passion Paradox“ die harmonische Leidenschaft. Gemeint ist eine Begeisterung, die sich aus der Tätigkeit selbst speist und nicht aus dem, was sie einbringt.
Für Trader heißt das konkret: Du hast Freude an der Marktanalyse und daran, dass du Woche für Woche etwas besser wirst. Nicht an Geld, Anerkennung oder dem Gefühl, dem Markt etwas bewiesen zu haben. Der Unterschied klingt akademisch, entscheidet aber darüber, ob du in zehn Jahren noch tradest.
Miss deinen Erfolg am Plan, nicht am Gewinn
Beim Trading geht es um Wahrscheinlichkeiten. Kurzfristige Ergebnisse sagen deshalb wenig darüber aus, ob du gut gehandelt hast. Ein regelkonformer Verlust ist ein guter Trade, ein regelwidriger Gewinn ein schlechter.
Daraus folgt der praktische Hebel: Miss deinen Erfolg an der Einhaltung deines Handelsplans, nicht an der Höhe deiner Gewinne. Feier den Trade, den du nach deinen Regeln gemacht hast, auch wenn er im Minus endet. Das ist derselbe Maßstab wie in Tipp 1, nur aus der anderen Richtung gedacht.
Dazu kommt Geduld. Wer zu sehr auf schnellen Erfolg aus ist, fällt auf einfache Versprechen herein: auf Wunderindikatoren, auf Signalgruppen, auf Methoden, die angeblich immer funktionieren. Geduld ist der beste Schutz vor genau diesen Angeboten.
Warnzeichen, die du ernst nehmen solltest
Die folgenden Punkte sind keine Diagnose. Sie sind Beobachtungen, die viele Trader an sich selbst kennen, und sie häufen sich, bevor es teuer wird.
Warnzeichen für eine Trading-Sucht
- Du handelst häufiger, als dein Plan vorsieht, und findest hinterher Gründe dafür.
- Du kommst vom Chart nicht weg, auch wenn keine Position offen ist.
- Andere Lebensbereiche leiden: Schlaf, Familie, Arbeit, Sport.
- Du handelst nach Verlusten größer, um sie zurückzuholen.
- Du verheimlichst Verluste oder redest sie dir selbst klein.
- Aufhören oder reduzieren gelingt dir nicht, obwohl du es dir vorgenommen hast.
Revenge Trading: der Beschleuniger
Revenge Trading bezeichnet den Versuch, einen erlittenen Verlust unmittelbar durch einen neuen Trade auszugleichen. Der Einstieg folgt dabei nicht einem Signal, sondern dem Bedürfnis, das Ergebnis zu korrigieren.
Von allen Warnzeichen ist dieses das gefährlichste, weil es sich selbst verstärkt. Der Rache-Trade wird größer angesetzt als der verlorene, denn er soll ja mehr als nur ausgleichen. Geht auch er schief, ist der Rückstand doppelt so groß und der Druck entsprechend höher. Zwei, drei Runden davon reichen für ein Konto, das über Monate aufgebaut wurde.
Gegen den Impuls hilft keine Willenskraft, sondern eine Bedingung. Genau dafür ist die 24-Stunden-Regel aus Tipp 8 gedacht: Sie verlangt im aufgeladenen Zustand keine Beurteilung, sondern nur, die Plattform zu schließen.
Wenn mehrere dieser Punkte auf dich zutreffen, ist das keine Frage der Disziplin mehr. Dann helfen keine Tipps aus einem Trading-Artikel, sondern eine Beratungsstelle für Glücksspielsucht oder eine Therapeutin.
Die folgenden Angebote sind kostenfrei, anonym und unabhängig von uns. Sie richten sich ausdrücklich auch an Angehörige, und zwar ohne Zustimmung des Betroffenen.
- Telefonberatung zur Glücksspielsucht: 0800 1 37 27 00, betrieben vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (bis 2025 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Erreichbar montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, an 363 Tagen im Jahr. Aus dem deutschen Fest- und Mobilnetz kostenfrei.
- Beratungsstelle in deiner Nähe: Das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen führt rund 1.300 Beratungsstellen in Deutschland und vermittelt bei Bedarf in eine ambulante oder stationäre Therapie.
- Selbsttest und begleitete Programme: Auf check-dein-spiel.de, dem Portal desselben Bundesinstituts, gibt es einen Selbsttest sowie die Programme Check Out für Betroffene und Time Out für Angehörige.
- Hausärztliche Praxis: Der unkomplizierteste erste Kontakt, sie kann in die Regelversorgung überweisen. Wer den Anruf bei einer Beratungsstelle scheut, fängt hier an.
Zur Einordnung gehört auch die nüchterne Zahlenlage. Die AOK verweist auf eine brasilianische Untersuchung, nach der 97 Prozent der Daytrader über einen längeren Zeitraum Geld verloren. In derselben Darstellung gaben 90 Prozent der befragten Daytrader an, sich auch an Glücksspiel zu beteiligen, und 7,6 Prozent zeigten ein problematisches Glücksspielverhalten. Die Werte stammen aus einer einzelnen Studienlage und sind entsprechend vorsichtig zu lesen.
Für alles darunter gilt der Satz, mit dem Galen Woods seinen Beitrag zu diesem Thema beendet: Versuch nicht, der beste Trader zu werden. Genieß es, ein besserer zu werden.
Dieser Abschnitt beruht auf einem zweiten Beitrag von Galen Woods:
Trading: Your passion or addiction? How to cultivate a healthy trading passion
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud. Zusammengeführt aus dem früheren Beitrag „Trading-Sucht“ am 24.08.2026.
Fazit: Disziplin entsteht aus Bedingungen, nicht aus Willenskraft
Wer sich nur vornimmt, disziplinierter zu sein, ändert nichts. Die acht Ansätze oben haben eines gemeinsam: Sie verringern die Zahl der Momente, in denen du überhaupt eine Willensentscheidung treffen musst. Ein schriftlicher Plan, ein passender Ansatz und ein ruhiger Arbeitsplatz nehmen dir Entscheidungen ab, statt sie dir abzuverlangen.
Der wichtigste Einzelpunkt ist die Passung. Eine Methode, die nicht zu deiner Persönlichkeit, deinen Fähigkeiten und deinem Tagesablauf passt, verlangt dir dauerhaft Disziplin ab, die niemand aufbringt. Bevor du an dir arbeitest, prüf deine Methode.
Und miss das Ergebnis. Notiere jede Abweichung vom Plan, dann siehst du nach einem Monat schwarz auf weiß, wo dir Disziplin tatsächlich fehlt und wo du sie dir nur einredest. Und wenn dieselbe Liste zeigt, dass du gegen deinen Willen weiterhandelst, ist der nächste Schritt kein weiterer Tipp, sondern Hilfe von außen.
Häufige Fragen zur Trading-Disziplin
Warum ist Disziplin im Handel so wichtig?
Disziplin ist entscheidend, um impulsiven Entscheidungen, die oft zu Verlusten führen, vorzubeugen. Ein disziplinierter Trader bleibt seinem Plan treu und lässt sich nicht von Emotionen leiten.
Wie kann ich emotionale Entscheidungen vermeiden?
Indem du klare Handelsregeln festlegst, Stop-Loss-Orders setzt und regelmäßig deine Handelsentscheidungen überprüfen. Es kann auch hilfreich sein, Pausen einzulegen, wenn der Markt besonders volatil ist.
Wie entwickle ich eine klare Handelsstrategie?
Recherchier, bilde dich weiter und teste verschiedene Strategien im Demokonto, bevor du echtes Geld einsetzt.
Was ist ein Stop-Loss und warum ist es wichtig?
Ein Stop-Loss ist eine Order, die automatisch ausgeführt wird, wenn ein Wertpapier einen bestimmten Preis erreicht. Es hilft, größere Verluste zu vermeiden und fördert die Disziplin im Handel.
Wie kann ich meine Fortschritte im Handel überwachen?
Führ ein Handelstagebuch, in dem du alle deine Trades, deine Gedanken und die Ergebnisse dokumentieren. Überprüfe dieses Tagebuch regelmäßig, um Muster in deinem Handelsverhalten zu erkennen.
Wie viel von meinem Kapital sollte ich in einen Trade investieren?
Das hängt von deiner Risikotoleranz ab. Ein allgemeiner Ratschlag ist jedoch, nie mehr als 1-2% deines Gesamtkapitals in einen einzelnen Trade zu investieren.
Was mache ich nach einer Verlustserie?
Nimm dir eine Auszeit, überprüf deine Strategie und analysier deine Trades. Es ist wichtig, aus Fehlern zu lernen und nicht impulsiv zu handeln.
Wie finde ich einen Handelsmentor oder eine Support-Gruppe?
Es gibt viele Online-Foren und Handelsgruppen, in denen du dich mit erfahrenen Tradern austauschen kannst. Ein Mentor kann auch in lokalen Handelsvereinigungen oder durch Empfehlungen gefunden werden.
Wie bleibe ich langfristig diszipliniert?
Setz dir klare Ziele, überprüf regelmäßig deine Strategie und such laufend nach Möglichkeiten zur Weiterbildung. Disziplin erfordert ständige Selbstreflexion und Engagement.
Gibt es Bücher oder Ressourcen, die mir helfen können, disziplinierter zu handeln?
Ja, es gibt viele Bücher und Online-Ressourcen zum Thema Handelsdisziplin. Einige empfehlenswerte Bücher sind “Trading in the Zone” von Mark Douglas und “The Disciplined Trader” von M. Douglas.
Ist Trading eine Leidenschaft oder eine Sucht?
Beides ist möglich, und der Unterschied zeigt sich nicht am Kontostand. Leidenschaftliche Trader freuen sich am Prozess, süchtige werden von der Angst vor dem Versagen getrieben und erkaufen ihre Ergebnisse mit anderen Lebensbereichen. Der ehrlichste Test ist die Frage, ob du ohne offene Position vom Chart wegkommst.
Woran erkenne ich eine Trading-Sucht?
Typische Anzeichen sind häufigeres Handeln als geplant, größere Positionen nach Verlusten, das Verheimlichen von Verlusten und der erfolglose Versuch, zu reduzieren. Kommen mehrere Punkte zusammen und leiden Schlaf, Arbeit oder Beziehungen darunter, ist das keine Frage der Disziplin mehr.
Was hilft, wenn Trading außer Kontrolle gerät?
Kurzfristig hilft die 24-Stunden-Regel: nach jeder Gewinn- oder Verlustserie einen Tag Abstand, bevor du reagierst. Dauerhaft hilft, den Erfolg am eingehaltenen Plan zu messen statt am Gewinn. Bei echtem Kontrollverlust gehört das Thema zu einer Beratungsstelle für Glücksspielsucht, kostenlos und anonym unter 0800 1 37 27 00.
Können sich auch Angehörige beraten lassen?
Ja, und zwar ohne Zustimmung des Betroffenen. Sowohl die Telefonberatung als auch die rund 1.300 Beratungsstellen sind ausdrücklich auch für Angehörige da. Für sie gibt es zusätzlich das begleitete Programm Time Out.
Über den Autor: Galen Woods
Galen Woods ist Price-Action-Daytrader und Betreiber von Trading Setups Review. Sein Schwerpunkt liegt auf der Analyse einzelner Kursstäbe und dem Handel ohne Indikatoren, sein Wissen gibt er im Kurs „Day Trading With Price Action“ weiter.
Auf kagels-trading.de erscheinen seit Jahren über 100 seiner Beiträge in deutscher Übersetzung. Sie decken Setups, Chartformationen und Handelstechniken ab, die er an eigenen Marktbeispielen entwickelt hat.
Für dieses Thema ist er einschlägig, weil er Disziplin als messbare Größe behandelt und nicht als Appell. Sein wiederkehrender Hinweis in diesem Artikel lautet, die Abweichungen vom eigenen Plan schriftlich festzuhalten: Was nicht erfasst wird, lässt sich auch nicht verbessern.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.









