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Als Trader schlechte Gewohnheiten überwinden, um hervorragende Ergebnisse zu erzielen

Als Trader reagieren Sie nicht immer bewusst auf die Bewegungen des Marktes. Mit der Erfahrung bilden Sie Trading-Gewohnheiten aus. Und diese Gewohnheiten wirken sich massiv auf Ihre Tradingergebnisse aus.

Nach einer Studie der Duke-Universität erfolgen 45 % unserer Verhaltensweisen aufgrund unserer Gewohnheiten [Link zur Studie]. Wenn dies auf Ihr Trading zutrifft, so bedeutet dies, dass Ihre Trading Gewohnheiten 45 % Ihrer Resultate begründen.

Um also besser zu traden, müssen Sie gute Trading Gewohnheiten fördern und schlechte Gewohnheiten beseitigen.

Sie haben bestimmt schon gehört, dass Sie beim Trading rational bleiben und Ihre Emotionen in den Griff bekommen sollten. Dieses Ziel erreichen Sie am besten, wenn Sie sich darauf konzentrieren, Ihre Gewohnheiten zu korrigieren.

Warum?

Die tief im Gehirn liegenden Basalganglien sind für Ihre Gewohnheiten verantwortlich. Und der prefrontale Cortex ist für komplexe Entscheidungsprozesse sowie für logisches und abstraktes Denken zuständig.

Das Problem besteht darin, dass die Basalganglien stärker sind als unser prefrontaler Cortex.

Das bedeutet, dass Ihre schlechten Trading Entscheidungen Ihre rationalen Trading Entscheidungen außer Kraft setzen.

Da Sie inzwischen die Wichtigkeit Ihrer Trading Gewohnheiten erkennen, können Sie dazu übergehen, diese zu bearbeiten.

Was ist eine Trading Gewohnheit?

Bevor Sie irgendeine Trading Gewohnheit angehen können, müssen Sie zuerst erfassen, was eine Gewohnheit ist.

Gemäß Charles Duhiig in The Power of Habit“ ist eine Gewohnheit ein Kreislauf von Auslösereiz, Ausführung und Belohnung.

Ein Beispiel für eine schlechte Trading Gewohnheit ist Overtrading, d.h. exzessives Trading.

  • Auslösereiz: Die Kurse bewegen sich mit einer beträchlichen Volatilität nach oben.
  • Ausführung: Sie klicken automatisch den „Kauf“-Button
  • Belohnung: Sie werden euphorisch und geraten in Hochstimmung, da sich für Sie die Möglichkeit eines Geldgewinns bietet.

Ein Beispiel für eine wünschenswerte Gewohnheit ist, sich in einem ereignislosen Markt in Geduld zu üben.

  • Auslösereiz: Die Kurse bewegen sich kaum.
  • Ausführung: Sie schalten den Computer ab.
  • Belohnung: Sie genießen die sich bietende Atempause als Vorteil, den Sie als Trader haben.

Grundlegende Richtlinien zur Überwindung schlechter Trading Gewohnheiten

Diese Vorgabe beinhaltet drei Schritte:

  1. Ermitteln Sie Ihre schlechten Trading Gewohnheiten.
  2. Gliedern Sie die Trading Gewohnheiten auf in Auslösereiz, Ausführung und Belohnung.
  3. Leiten Sie Ihr Bedürfnis nach Belohnung auf eine andere Routine um.

Schritt 1: Ermitteln Sie Ihre schlechten Trading Gewohnheiten

Der erste Schritt besteht darin, Ihre problematischen Trading Gewohnheiten zu identifizieren, zu denen die folgenden gehören:

Diese sogenannte „selbstwertdienliche Verzerrung“ besagt, dass man im Falle eines Erfolgs die Ursachen eher sich selbst bzw. den eigenen Fähigkeiten zuschreibt, während man eigene Misserfolge meist auf äußere Ursachen zurückführt, was sich äußerst nachteilig auf den Denkvorgang auswirkt. Wenn sich diese Verzerrung verfestigt, werden Sie blind gegenüber Ihren schlechten Trading Gewohnheiten.

Sie beschuldigen beispielsweise den Markt, dass er Ihre Buchgewinne wieder zurücknimmt. Wenn Sie das tun, können Sie nicht erkennen, dass Ihre mangelhafte Trading Gewohnheit darin besteht, ohne klaren Ausstiegsplan in den Markt einzusteigen.

Der selbstwertdienlichen Verzerrung können Sie am besten entgegenwirken, indem Sie einen Trading-Mentor engagieren oder sich an einen Tradingkollegen wenden. Veranlassen Sie diese dazu, Sie auf Ihre schlechten Tradinggewohnheiten hinzuweisen. Bleiben Sie offen und hören Sie auf sie.

Schritt 2: Unterteilen Sie in Auslösereiz, Ausführung und Belohnung

Jede Trading Gewohnheit weist unterschiedlichen Auslösereiz, Ausführung und Belohnung auf. Es gibt hier also viele Möglichkeiten.

Anhand eines Beispiels soll gezeigt werden, wie Sie Ihre Trading Gewohnheiten unterteilen können.

Sie haben zum Beispiel die Gewohnheit, Ihren Verluststopp vorzeitig an die Gewinnschwelle (Breakeven-Punkt) zu verschieben.

Warum handelt es sich hierbei um eine schlechte Trading Gewohnheit?

Dies führt dazu, dass Sie aus gewinnbringenden Trades, die mit einigen Zick-Zack-Bewegungen einhergehen, ausgestoppt werden. Sie vermeiden dann zwar das kurzzeitige Gefühl, ein Verlierer zu sein, aber Ihre langfristige Rentabilität leidet darunter, weil sie zu früh ausgestoppt werden.

Den Verluststopp näher heranzuziehen, ist die Reaktion darauf, dass sich der Markt gegen Ihre Position bewegt. Sie werden dafür belohnt, dass Sie nicht zu den Verlierern gehören.

Der Ablauf dieser speziellen Trading Gewohnheit vollzieht sich folgendermaßen:

  • Auslösereiz: Entgegengesetzte Marktbewegung
  • Ausführung: den Verluststopp an der Gewinnschwelle (Breakeven) platzieren.
  • Belohnung: das Gefühl eines Verlusttrades vermeiden.

Abschließende Anmerkung, um Ihnen dabei behilflich zu sein, Ihre Tradinggewohnheiten zu erkennen: Beim Trading bezieht sich die Belohnung für eine schlecht Trading Gewohnheit häufig nicht auf Geld oder einen materiellen Wert, sondern es handelt sich um ein belohnendes Gefühl oder eine Emotion, die Ihr Gehirn im Sinne des Lustgewinns bzw. der Unlustvermeidung anstrebt.

Schritt 3: Lenken Sie Ihr Verlangen nach Belohnung um

Aufgrund der Belohnung, die Sie durch die Ausführung der Gewohnheiten erhalten, entwickeln Sie eine Art von Sucht, was zur Verstärkung der Gewohnheit führt.

Der beste Weg, um die miserablen Trading Gewohnheiten zu bekämpfen, besteht darin, die Sucht zu erkennen und umzulenken.

In diesem Sinne bedeutet die Überwindung einer schlechten Gewohnheit, diese durch eine gute Gewohnheit zu ersetzen.

Nun kehren wir zum obigen Beispiel zurück. In diesem Fall werden wir den Auslösereiz und die Belohnung beibehalten, aber den Ausführung austauschen.

  • Auslösereiz: Gegenläufige Marktbewegung
  • Ausführung: Den Verluststopp an die Gewinnschwelle (Breakeven) heranziehen. Überprüfen Sie die Begründung, die Sie dazu bewogen hat, den Trade einzugehen.
  • Belohnung: Vermeiden Sie es, sich als Verlierer zu empfinden.

Sie sehnen sich danach, das Empfinden eines Verlierers zu vermeiden. Leisten Sie diesem Verlangen keinen Widerstand, sondern denken Sie stattdessen an eine tragfähige Methode, die Ihnen die erwünschte Belohnung bringt. Und in diesem Fall müssen Sie es verhindern, sich wie ein Verlierer zu fühlen.

Die Überprüfung der ursprünglichen Gründe, die Sie dazu bewogen haben, den Trade einzugehen, ist ein guter Ersatz für die Ausführung. Dies soll Sie an die stichhaltigen Gründe gemahnen, die Sie dazu veranlasst haben, diesen Trade zu eröffnen. Da es hier um Wahrscheinlichkeiten geht, ist das Resultat eines einzigen Trades unwichtig. Es kommt auf dem Ablauf bzw. die Methode an.

Und da Sie ja stichhaltige Gründe haben, die für den Trade sprechen, sind Sie bereits ein Gewinner und kein Verlierer. Dies wird Ihr Vertrauen in Ihre Position stärken und Ihnen helfen, der Versuchung zu widerstehen, daran herumzudoktern.

In Wirklichkeit ist es allerdings nicht so einfach, Ihr Verlangen umzuleiten.

Eine nützliche Methode besteht darin, eine Pause einzulegen.

Sobald Sie Ihr Verlangen spüren, machen Sie eine Pause, bevor Sie reagieren. Das Herunterfahren des Tempos ist die beste Möglichkeit automatische Reaktionen zu unterbrechen oder das von Daniel Kahnemann benannte System 1.

Tipps zur Bildung neuer und Überwindung alter Trading Gewohnheiten

Wenn Sie versuchen, schlechte Trading Gewohnheiten mithilfe der obigen Schritte zu überwinden, werden Sie sicherlich mit Schwierigkeiten konfrontiert werden.

Geben Sie nicht auf. Benutzen Sie die folgenden hilfreichen Ratschläge, und behalten Sie das Ziel im Auge.

Tipp 1: Stress und Emotionen in den Griff bekommen

Schlechte Gewohnheiten sind hartnäckig. Insbesondere Stress und unterdrückte Emotionen bewirken, dass schlechte Gewohnheiten wieder zum Vorschein kommen.

Trading ist tatsächlich eine aufreibende Tätigkeit. Und Trader geraten dauernd auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Aus diesem Grund sind schlechte Trading Gewohnheiten besonders hartnäckig.

Deshalb betone ich immer wieder, wie wichtig es für Trader ist, ausreichend kapitalisiert zu sein. Wenn Sie unterkapitalisiert sind, ist finanzieller Stress unvermeidlich. Unter derartigem Druck werden Sie schlechte Trading Gewohnheiten in die Enge treiben und herunterziehen.

Was Emotionen anbelangt: Die hat zwar jeder, aber sie zu unterdrücken, richtet den größen Schaden an, wenn es darum geht, schlechte Gewohnheiten in den Griff zu bekommen. Sorgen Sie also dafür, dass Sie eine Möglichkeit finden, Ihre Gefühle auszudrücken. Zu den bekanntesten Methoden gehört das Führen eines Tagebuchs, bessere Kommunikation und Meditation.

Weitere Möglichkeiten, um mit unterdrückten Gefühlen umzugehen

Tipp 2: Entwickeln Sie Selbstkontrolle mit kleinen Gewohnheiten

Fangen Sie klein an und zwar mit kleinen Gewohnheiten. Der Zweck von kleinen Gewohnheiten besteht darin, diese zu nutzen, um Kontrolle auszuüben und Willenskraft aufzubauen. Dies ist hilfreich für die Entwicklung von Gewohnheiten insgesamt.

Diese kleinen Gewohnheiten müssen direkt mit dem Trading verbunden sein.

Ihren Tradingschreibtisch aufzuräumen, bevor Sie mit dem Trading beginnen, ist eine hervorragende kleine Gewohnheit.

Fünf Liegestützen zu machen und die von Ihnen bevorzugten Trading-Zitate laut zu lesen, sind ebenfalls gute Möglichkeiten.

Tipp 3: Stellen Sie eine wesentliche Gewohnheit in den Mittelpunkt

Die besten Ergebnisse erzielen Sie, wenn Sie Ihre Hauptgewohnheit bearbeiten.

Eine Hauptgewohnheit ist jene, die nachhaltige Auswirkungen auf Ihren gesamten Tradingprozess hat.

Ein Beispiel für eine Hauptgewohnheit ist, Ihre Trades in allen Einzelheiten aufzuschreiben. (Ihre Begründungen, warum Sie jeden einzelnen Trade eingegangen sind, Screenshots, Emotionen und Resultate.)

Sobald Sie sich angewöhnt haben, Ihre Trades aufzuschreiben, werden Sie höchstwahrscheinlich eingehend über die Gründe nachdenken, die Sie zum Einstieg in jeden Trade veranlasst haben.

Mit genauen Aufzeichnungen Ihrer Trades werden Sie eher die Gewohnheit ausbilden, Ihren Tradingprozess systematisch zu überprüfen.

Ihr Augenmerk auf eine entscheidende Trading Gewohnheit zu richten, ist auch hilfreich für die Entwicklung anderer Trading Gewohnheiten.

Tipp 4: Verlassen Sie sich auf Ihre Willenskraft anstatt auf Ihre Motivation

Was die Überwindung von schlechten Trading Gewohnheiten anbelangt, ist Motivation zwar nützlich, aber sie ist nicht verlässlich, da sich Ihre Motivation aufgrund äußerer Umstände verändert.

Ihre Willenskraft ist zuverlässiger als die Motivation. Willenskraft ist einem Muskel vergleichbar, auf den Sie sich verlassen können, wenn Sie ihn trainieren. Lernen Sie mehr darüber, wie Sie Ihre Willenskraft als Trader stärken können.

Die gute Nachricht ist, dass Sie weniger Willenskraft benötigen, wenn sich eine Gewohnheit zunehmend verfestigt hat. Oder anders ausgedrückt: Es ist lohnenswert, sich in der Anfangsphase anzustrengen.

Weitere nützliche Quellen zur Überwindung schlechter Trading Gewohnheiten

Dieser Artikel enthält mehrere Konzepte und Ratschläge aus Büchern, von denen ich mir wünsche, dass ich sie schon früher gelesen hätte. Dann hätte ich nämlich Bescheid gewusst über systematische Möglichkeiten zur Verbesserung meines Tradingverhaltens.

Das sind die Bücher, die nützlich für das Verständnis von Gewohnheiten sind.

Falls Sie Interesse haben, gibt es auf der Website www.udemy.com es einen Kurs zur Beherrschung der kleinen Gewohnheiten.

Einige Apps können auch beim Ausbilden von Gewohnheiten hilfreich sein:

Langfristig betrachtert, können Ihre Trading Bewohnheiten entscheidend für Ihre Tradingresultate sein. Fangen Sie heute an, auf Ihre Automatismen zu achten.

 

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Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: How to break bad trading habits for top performance

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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