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Linda Bradford Raschke: 50 Trading-Regeln (2026)

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2026

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9 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

KI für Trader Hauptkurs
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Linda Bradford Raschke handelt seit 1981 an den Terminmärkten und gehört zu den wenigen Frauen, die Jack Schwager für seine Interviewreihe New Market Wizards ausgewählt hat. Bekannt wurde sie nicht durch ein Geheimrezept. Bekannt wurde sie durch kurzfristige Setups mit klar formulierten Regeln: Rücksetzer im laufenden Trend, gescheiterte Ausbrüche, die Eröffnungsbewegung des Tages.

Die folgende Sammlung von 50 Trading-Regeln stammt aus ihrer Praxis und erschien zuerst auf der Webseite von Olivier Tischendorf. Ich habe sie zusammen mit Gaby Boutaud ins Deutsche übertragen. Du bekommst hier den vollständigen Regelkatalog, dazu ihren Werdegang mit belegten Zahlen, ihre bekanntesten Strategien aus dem Buch Street Smarts und eine ehrliche Einordnung, was so ein Regelwerk im Alltag leistet und wo es aufhört. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Linda Bradford Raschke: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Seit 1981 im Markt: Linda Bradford Raschke startete als Market Maker für Aktienoptionen und war Mitglied der Pacific Coast Stock Exchange und der Philadelphia Stock Exchange. Seit 1992 ist sie als Commodity Trading Advisor registriert.
  • Zwei Firmen, ein klarer Schnitt: Sie gründete 1992 die LBRGroup und 2002 LBR Asset Management. 2015 gab sie die institutionellen Mandate ab und handelt seitdem ausschließlich privat.
  • Der Track Record ist belegt: Ihr Granat Fund lag nach Auswertung von BarclayHedge über fünf Jahre auf Platz 17 von rund 4.500 Hedgefonds.
  • Zwei Bücher, zwei Zwecke: Street Smarts (1995, zusammen mit Laurence A. Connors) liefert die Setups, Trading Sardines (2018) erzählt den Weg dorthin.
  • Ausgezeichnet 2024: Die International Federation of Technical Analysts verlieh ihr den Lifetime Achievement Award für ihren Beitrag zur technischen Analyse und zur Trader-Ausbildung.

Wer ist Linda Bradford Raschke?

Linda Bradford Raschke ist eine US-amerikanische Futures- und Optionshändlerin, die seit 1981 professionell handelt und durch Jack Schwagers Buch New Market Wizards international bekannt wurde.

Geboren wurde sie 1959 in Pasadena, Kalifornien. Ihr Studium hat mit Finanzmärkten wenig zu tun: Am Occidental College schloss sie 1980 gleich zwei Fächer ab, Volkswirtschaft und Musikkomposition. Ein Jahr später stand sie im Handelsraum.

Sie begann 1981 als Market Maker für Aktienoptionen. Market Maker stellen laufend Kauf- und Verkaufskurse und verdienen an der Spanne dazwischen. Diese Schule prägt ihren Stil bis heute: viele kleine Positionen, kurze Haltedauer, striktes Reagieren statt Prognostizieren. Mitglied war sie an der Pacific Coast Stock Exchange und der Philadelphia Stock Exchange.

1992 ließ sie sich als Commodity Trading Advisor registrieren, also als Berater, der fremdes Kapital an den Terminmärkten steuern darf, und gründete im selben Jahr die LBRGroup. Es folgten zwei Fonds: der Watermark Fund 1998 und der Granat Fund 2002. Für den Granat Fund weist BarclayHedge über einen Fünfjahreszeitraum Rang 17 unter rund 4.500 Hedgefonds aus.

2015 zog sie einen Schlussstrich unter das institutionelle Geschäft. Sie gab die Rollen als CTA und als Commodity Pool Operator ab und handelt seither nur noch eigenes Kapital. Wer heute auf ihr Profil bei X schaut, liest genau das: „Private Trader, Retired top performing hedge fund manager“. Zwischen 2009 und 2014 war sie außerdem Partnerin bei FuturePath Trading.

In der Branche war sie über Jahre auch organisatorisch aktiv. Sie saß im Vorstand der Market Technicians Association, dem heutigen CMT Association, und stand der American Association of Professional Technical Analysts zwei Amtszeiten lang als Präsidentin vor. 2024 erhielt sie den Lifetime Achievement Award der International Federation of Technical Analysts. Mehr über die Traderinnen und Trader, die Schwager porträtiert hat, findest du in unserem Überblick zu Jack Schwagers Market-Wizards-Reihe.

Die 50 bewährten Trading-Regeln von Linda Bradford Raschke

Die meisten dieser Sätze wirst du intuitiv kennen. Ihr Wert liegt nicht in der Neuheit, sondern in der Vollständigkeit: Raschke deckt Planung, Risikosteuerung, Psychologie und Marktverhalten in einem einzigen Durchgang ab. Lies die Liste einmal komplett und markiere die drei Regeln, gegen die du zuletzt verstoßen hast.

Linda Bradford Raschke 50 Trading-Regeln nach sechs Themen sortiert: Planung, Risiko, Verluste, Gewinne, Selbstkontrolle, Marktverhalten
Die 50 Regeln, sortiert nach den sechs Themen, die sie abdecken. Zum Vergrößern antippen.

1. Plane deine Trades. Handle deinen Plan.

2. Dokumentiere deine Handelsaktivitäten. Wie du das aufsetzt, zeigt unser Beitrag zu Trading-Berichten und Auswertungssoftware.

3. Bewahre eine positive Einstellung, ganz egal, wie viel du verlierst.

4. Nimm den Markt nicht mit nach Hause.

5. Setz dir immer wieder höhere Handelsziele.

6. Erfolgreiche Trader kaufen bei schlechten Nachrichten und verkaufen bei guten.

7. Erfolgreiche Trader fürchten sich nicht davor, bei hohen Kursen zu kaufen und bei niedrigen zu verkaufen.

8. Erfolgreiche Trader haben feste Zeiten für die Marktanalyse, gut organisiert und fest geplant.

9. Erfolgreiche Trader distanzieren sich von den Meinungen anderer.

10. Bemüh dich ständig um Geduld, Ausdauer, Entschlossenheit und rationales Handeln.

11. Begrenze deine Verluste: verwende Stopps!

12. Storniere niemals eine Stop-Loss-Order, nachdem du sie platziert hast!

13. Platziere deinen Stopp sofort nach der Eröffnung des Trades.

14. Steig nie in den Markt ein, weil du ungeduldig bist.

15. Vermeide es, zu häufig ein- und auszusteigen.

16. Verluste machen den Trader lernwillig, nicht Gewinne. Nutze jeden Verlust, um dein Wissen über das Marktgeschehen zu verbessern.

17. Die schwierigste Aufgabe bei der Spekulation ist nicht die Prognose, sondern die Selbstkontrolle. Erfolgreiches Trading ist schwer und frustrierend. Du selbst bist der wichtigste Faktor auf dem Weg zum Erfolg.

18. Diszipliniere dich selbst, indem du dich an dein zuvor festgelegtes Regelwerk hältst.

19. Denk daran: ein Bärenmarkt vernichtet in einem Monat, was ein Bullenmarkt zuvor in drei Monaten aufgebaut hat.

20. Lass niemals einen großen Gewinntrade zum Verlusttrade werden. Lass dich ausstoppen, wenn du mehr als 20 % deines maximalen Buchgewinns wieder abgegeben hast.

21. Du brauchst ein Programm, du musst dieses Programm kennen, und an dieses Programm musst du dich halten. Wie so ein Regelwerk aussieht, zeigt unsere Anleitung zum Trading-Plan.

22. Rechne mit Verlusten und akzeptiere sie mit Gelassenheit. Wer über Verluste nachgrübelt, verpasst die nächste Gelegenheit, und die ist höchstwahrscheinlich profitabel.

23. Teile die Gewinne zur Hälfte und riskiere nie mehr als 50 % davon im Markt. Die Rechenwege dazu findest du im Leitfaden zum Money Management.

24. Der Schlüssel zum erfolgreichen Trading liegt darin, dich selbst und deinen Stresspunkt zu kennen.

25. Der Unterschied zwischen Gewinnern und Verlierern ist nicht die angeborene Fähigkeit, sondern die Disziplin, mit der Fehler vermieden werden.

26. Im Trading wie beim Fechten gibt es die Lebenden und die Toten.

27. Sprechen mag Silber sein, aber Schweigen ist Gold. Händler mit der goldenen Komponente sprechen nicht über ihren Erfolg.

28. Träume große Träume und denk groß. Nur sehr wenige Menschen setzen sich zu große Ziele. Der Mensch verwirklicht das, woran er den ganzen Tag über denkt.

29. Akzeptiere die Niederlage als Schritt dem Sieg entgegen.

30. Hast du einen Verlust erlitten? Vergiss ihn rasch. Hast du einen Gewinn erzielt? Vergiss ihn noch schneller. Lass nicht zu, dass Ego und Gier klares Denken und harte Arbeit verhindern.

31. An der Vergangenheit kannst du nichts mehr ändern. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Die bedeutsamere Gelegenheit kommt immer durch die offene Tür.

32. Für den Trader besteht das tiefste Geheimnis darin, seinen Willen dem Willen des Marktes unterzuordnen. Der Markt ist Wahrheit, da er alle Kräfte widerspiegelt, die auf ihn einwirken. Solange der Trader das erkennt, ist er sicher. Ignoriert er es, ist er verloren.

33. Es ist viel einfacher, einen Trade zu beginnen, als ihn zu beenden.

34. Tut der Markt nicht, was du erwartest, steig aus.

35. Hüte dich vor großen Positionen, die deine Emotionen beherrschen. Verhalte dich nicht zu aggressiv gegenüber dem Markt. Behandle ihn behutsam und lass dein Kapital kontinuierlich wachsen statt in Schüben. Die passende Positionsgröße lässt sich vorher ausrechnen.

36. Stock niemals eine Verlustposition auf.

Linda Bradford Raschke sitzt vor ihrem Trading-Desk mit sechs Chartmonitoren
Linda Bradford Raschke an ihrem Arbeitsplatz

37. Vermeide es, Höchst- oder Tiefstpunkte erwischen zu wollen.

38. Du musst an dich selbst und dein Urteilsvermögen glauben, wenn du deinen Lebensunterhalt mit Trading verdienen willst.

39. In einer Konsolidierung ist der Versuch, die nächste große Bewegung vorherzusagen, völlig unangebracht, egal ob aufwärts oder abwärts.

40. Ein Verlust bringt mich nicht aus der Ruhe, sobald ich ihn zur Kenntnis genommen habe. Bis morgen habe ich ihn vergessen. Falsch zu liegen und den Verlust nicht in Kauf zu nehmen, schadet Geldbörse und Seele.

41. Gib nie Ratschläge und prahl nie mit deinen Gewinnen.

42. Von allen groben Fehlern beim Trading gibt es kaum einen größeren, als die Gewinnposition glattzustellen und die Verlustposition zu behalten.

43. Nicht im Markt zu sein, ist auch eine Position.

44. Es ist vorteilhafter, sich für die Reaktion des Marktes auf neue Informationen zu interessieren als für die Nachrichten selbst.

45. Wenn du nicht weißt, wer du bist, sind die Märkte ein teurer Ort, um es herauszufinden.

46. In der Welt des Geldes, geformt vom menschlichen Verhalten, hat niemand die geringste Ahnung, was in Zukunft geschieht. Merk dir das Wort: niemand. Der erfolgreiche Trader richtet sein Handeln deshalb nicht danach aus, was angeblich passieren wird, sondern reagiert auf das, was tatsächlich passiert.

47. Außer unter ungewöhnlichen Umständen musst du es dir zur Gewohnheit machen, deinen Gewinn zeitig zu realisieren. Quäl dich nicht, wenn ein Trade ohne dich weiterläuft. Lange dauert das meist nicht. Und wenn doch, denk an all die Male, in denen du rechtzeitig mitgenommen hast, was du sonst wieder abgegeben hättest.

48. Wenn das Schiff zu sinken beginnt, bete nicht, sondern spring!

49. Verlier deine Meinung, nicht dein Geld.

50. Nimm die Trading-Regeln in dich auf, die zu dir passen.

Linda Bradford Raschke

Dieser Artikel wurde im Original von Olivier Tischendorf auf seiner Webseite veröffentlicht: Linda Bradford Raschke: 50 Time Tested Classic Stock Trading Rules. Die deutsche Übersetzung stammt von Karsten Kagels und Gaby Boutaud.

Raschkes Strategien: Holy Grail, Momentum Pinball und Turtle Soup

Die Regeln oben sagen, wie du dich verhalten sollst. Sie sagen nicht, wann du kaufst. Die konkreten Setups stehen in Street Smarts, dem Buch, das Raschke 1995 zusammen mit Laurence A. Connors veröffentlichte. Darin beschreiben die beiden rund ein Dutzend Handelsmuster, darunter Turtle Soup, Momentum Pinball, The Anti, ADX Gapper und den Holy Grail. Drei davon sind bis heute die bekanntesten.

Holy Grail: Rücksetzer im starken Trend

Das Holy Grail Setup kauft einen Rücksetzer an den 20-Perioden-Durchschnitt, während der ADX einen starken Trend anzeigt.

Der ADX-Indikator misst die Trendstärke, nicht die Richtung. Steht er über 30, ist genug Kraft im Markt, damit ein Rücksetzer wieder aufgefangen wird. Genau darauf wartet das Setup. Den kompletten Ablauf mit Einstieg, Stopp und Chartbeispielen findest du in unserem Beitrag zum Holy Grail Trading Setup.

Turtle Soup: der Fehlausbruch als Chance

Turtle Soup handelt gescheiterte Ausbrüche über ein 20-Tage-Hoch oder unter ein 20-Tage-Tief in die Gegenrichtung.

Der Name ist ein Seitenhieb. In den 1980er-Jahren brachten Richard Dennis und William Eckhardt einer Gruppe von Anfängern eine Trendfolgestrategie mit 20-Tage-Ausbrüchen bei, die als Turtle Trading berühmt wurde. Trendfolge lebt davon, viele kleine Fehlsignale auszuhalten, um die wenigen großen Trends mitzunehmen. Raschke drehte die Logik um und handelt genau die Fehlsignale, die den Turtles ihre Verluste bescherten. In der Variante Turtle Soup Plus One steigt sie erst am Tag nach dem gescheiterten Ausbruch ein, was die Planung erleichtert.

Momentum Pinball: die erste Handelsstunde als Filter

Momentum Pinball leitet aus einem 3-Perioden-RSI auf den 1-Tages-Kursänderungswert eine Richtungsvorgabe für den Folgetag ab und handelt dann den Ausbruch aus der ersten Handelsstunde.

Der Aufbau klingt komplizierter, als er ist. Zuerst entscheidet ein Momentum-Filter, ob am nächsten Tag long oder short gesucht wird, dann liefert die Handelsspanne der ersten Stunde den Auslöser. Die Position wird ein bis zwei Tage gehalten. Wie der zugrunde liegende RSI-Indikator funktioniert, erklären wir separat. Daneben nutzt Raschke ihren eigenen 3-10-Oszillator, die Differenz aus einem 3er- und einem 10er-gleitenden Durchschnitt, um Schwung und Erschöpfung im Chart abzulesen.

Was Raschkes Regelwerk leistet und wo es aufhört

Eine Liste mit 50 Punkten liest sich schnell und ändert selten etwas. Der Nutzen entsteht erst, wenn du sie als Prüfraster gegen dein eigenes Handelsprotokoll hältst. Damit du weißt, worauf du dich einlässt, hier die Einordnung in beide Richtungen.

Stärken der Raschke-Regeln

  • Aus 45 Jahren Praxis, nicht aus der Theorie: Raschke handelt seit 1981 durchgehend. Die Regeln sind an echten Positionen entstanden, nicht am Schreibtisch.
  • Vollständige Abdeckung: Planung, Stoppdisziplin, Positionsgröße, Umgang mit Verlusten und Marktverhalten stehen in einer einzigen Liste. Die meisten Regelsammlungen decken nur einen dieser Bereiche ab.
  • Marktneutral formuliert: Kein Punkt ist an ein bestimmtes Instrument gebunden. Die Regeln gelten für Futures genauso wie für Aktien oder Devisen.
  • Prüfbar statt schwammig: Punkte wie die 20-Prozent-Grenze beim Buchgewinn oder das Verbot, einen Stopp zu stornieren, lassen sich im Nachhinein eindeutig abhaken.

Grenzen der Raschke-Regeln

  • Kein Einstiegssignal: Keine der 50 Regeln sagt dir, wann du kaufst. Dafür brauchst du eine eigene Methode, die Liste ersetzt sie nicht.
  • Teilweise widersprüchlich: Regel 47 rät, Gewinne zeitig zu realisieren, Regel 20 will dich im Trade halten, bis 20 % des Buchgewinns weg sind. Beides zusammen ergibt erst mit einem konkreten Zeithorizont Sinn.
  • Auf kurzfristigen Handel zugeschnitten: „Nimm den Markt nicht mit nach Hause“ passt zum Daytrading. Wer Positionen über Wochen hält, kann diese Regel nicht befolgen.
  • Aphorismen sind keine Anleitung: Sätze wie „Verlier deine Meinung, nicht dein Geld“ sind einprägsam, aber im konkreten Trade nicht operationalisierbar. Sie wirken nur, wenn du sie vorher in eigene Regeln übersetzt.

Wer die Liste systematisch nutzen will, verbindet sie mit einer Kennzahl. Nimm dir dein Journal der letzten 30 Trades und markiere pro Trade, gegen welche Nummer du verstoßen hast. Wiederholt sich eine Nummer, hast du kein Wissensproblem, sondern eine Lücke im Risikomanagement. Eine zweite Sammlung mit anderem Zuschnitt findest du in unseren zehn Trading-Regeln für konsequente Trader.

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Fazit: warum diese Liste nach 45 Jahren noch trägt

Ich habe die Liste vor Jahren übersetzt und lese sie bis heute regelmäßig. Der Grund ist Regel 17: Die schwierigste Aufgabe ist nicht die Prognose, sondern die Selbstkontrolle. In meinen eigenen Auswertungen stammen die teuren Fehler fast nie aus einer falschen Analyse. Sie stammen aus einem stornierten Stopp, einer zu großen Position oder einem Einstieg aus Ungeduld. Genau diese drei Fälle stehen bei Raschke unter den Nummern 12, 35 und 14.

Was die Liste nicht kann, sagt sie selbst nicht. Sie ersetzt keine Handelsmethode. Wer noch kein Setup hat, wird durch 50 Aphorismen nicht profitabel. Umgekehrt gilt: Wer ein funktionierendes Setup hat und trotzdem Geld verliert, findet in dieser Liste mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ursache. Deshalb ist sie ein Diagnosewerkzeug, kein Einstiegskurs.

Bemerkenswert finde ich noch etwas anderes. Raschke hat 2015 das institutionelle Geschäft abgegeben, während ihr Fonds gut lief. Aufhören zu können, wenn nichts brennt, ist eine Fähigkeit für sich, und sie passt zu Regel 43: Nicht im Markt zu sein, ist auch eine Position. Wenn du dich weiter mit Traderinnen und Tradern beschäftigen willst, deren Vorgehen dokumentiert ist, findest du eine Übersicht bei unseren Trading-Experten. Die passenden Titel zum Nachlesen stehen in unserer Auswahl der besten Trading-Bücher.

Häufige Fragen zu Linda Bradford Raschke

Wer ist Linda Bradford Raschke?

Linda Bradford Raschke ist eine US-amerikanische Futures- und Optionshändlerin. Sie wurde 1959 in Pasadena geboren und handelt seit 1981 professionell, zunächst als Market Maker für Aktienoptionen. Bekannt wurde sie durch ihr Porträt in Jack Schwagers Buch New Market Wizards.

Welche Bücher hat Linda Bradford Raschke geschrieben?

Es sind zwei. Street Smarts erschien 1995 zusammen mit Laurence A. Connors und beschreibt kurzfristige Setups wie Turtle Soup und Momentum Pinball. Trading Sardines von 2018 ist dagegen ein Rückblick auf ihren Weg als Traderin und enthält keine Handelssysteme.

Handelt Linda Raschke heute noch?

Ja, aber nur noch für sich selbst. 2015 gab sie ihre Zulassungen als Commodity Trading Advisor und Commodity Pool Operator ab und verwaltet seitdem kein fremdes Kapital mehr. Auf ihrem Profil bei X bezeichnet sie sich als „Private Trader, Retired top performing hedge fund manager“.

Welche Unternehmen hat Linda Bradford Raschke gegründet?

Zwei Gesellschaften und zwei Fonds. 1992 gründete sie die LBRGroup als Handels- und Beratungsfirma, 2002 folgte LBR Asset Management. Dazu kamen der Watermark Fund (1998) und der Granat Fund (2002).

Welche Auszeichnungen hat Linda Bradford Raschke erhalten?

Die wichtigste ist der Lifetime Achievement Award der IFTA von 2024, verliehen für ihren Beitrag zur technischen Analyse und zur Ausbildung von Tradern. Sie saß außerdem im Vorstand der Market Technicians Association, dem heutigen CMT Association, und führte die American Association of Professional Technical Analysts zwei Amtszeiten lang als Präsidentin.

Was ist die bekannteste Strategie von Linda Raschke?

Das Holy Grail Setup. Es sucht einen Rücksetzer an den 20-Perioden-Durchschnitt, während der ADX-Indikator mit Werten über 30 einen starken Trend anzeigt. Fast ebenso bekannt sind Turtle Soup, das gescheiterte Ausbrüche handelt, und Momentum Pinball.

Wie hoch ist das Vermögen von Linda Raschke?

Dazu gibt es keine belastbare Zahl. Raschke hat ihr Privatvermögen nie offengelegt, und kursierende Schätzungen im Netz stützen sich auf keine überprüfbare Quelle. Belegt ist nur die Fondsleistung: Der Granat Fund lag laut BarclayHedge über fünf Jahre auf Rang 17 von rund 4.500 Hedgefonds.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 an den internationalen Märkten. Sein Schwerpunkt liegt auf der diskretionären Price-Action-Analyse in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten.

Über 17 Jahre vertrat er den US-Trading-Ausbilder Joe Ross im deutschsprachigen Raum und übersetzte dessen zehn Bücher. Ende der 1980er-Jahre übertrug er zudem die Elliott-Wellen-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Für diesen Beitrag ist er besonders qualifiziert, weil die deutsche Fassung der 50 Regeln von ihm selbst stammt, übersetzt gemeinsam mit Gaby Boutaud. Er handelt seit derselben Zeit wie Linda Raschke aktiv und ordnet ihre Regeln aus eigener Marktpraxis ein, statt sie nur wiederzugeben.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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