Doppeltop und Bottom – Trading mit Bollinger-Bändern (2022)

Bollinger Bänder stellen einen vielseitigen Handelsindikator dar, der ein Volatilitätsmaß enthält. Er gibt exakt den Kurs/Preis wieder. Daher lenkt er uns nicht von der Price Action ab und bietet uns einen hilfreichen Bezugswert.

Eine Möglichkeit, die Bollinger Bänder effektiv zu nutzen, besteht darin, die Chartmuster zu verdeutlichen.

Da die Bollinger Bänder die Volatilität des Marktes widerspiegeln, sind sie ein gutes Messinstrument für die Kursdynamik (Momentum). Die Verwendung von Bollinger Bändern zur Bewertung der Price Action verleiht unserer Analyse sowohl Tiefe als auch Ausrichtung.

In diesem Artikel werden wir uns darauf konzentrieren, jeweils doppelte Kursspitzen und Kursböden (Double Top und Double Bottom) zu finden. Diese werden auch als M- und W-Signale bezeichnet und sind klassische Trendwende-Formationen.

Unser primärer Bezugspunkt stellt diese Richtlinie von StockChart`s ChartSchool dar. Aber ich werde diese meiner Interpretation anpassen. Wir werden uns auch auf die Analyse der Price Action konzentrieren, um den Ansatz zu verbessern.

Anleitungen zum Erkennen von Mustern

Sind Sie nicht vertraut mit dem Erkennen von Doppeltops und Kursböden?

Klicken Sie hier, um mehr über dieses bekannte Chartmuster zu erfahren, bevor Sie weiterlesen.

Chart-Setup

Zuerst werden wir einen Chart erstellen.

Der Schlusskurs jedes Kursstabes ist von entscheidender Bedeutung für diese Strategie. Daher ist es am besten, einen Linien-Chart zu verwenden, der auf den Schlusskursen gründet.

Es handelt sich somit um einen einfachen Linien-Chart, der lediglich die Schlusskurse des entsprechenden Handelszeitraums angibt.

Wichtiger Hinweis: Wenn wir Hochs oder Tiefs von Swings für diese Strategie bestimmen, beziehen wir uns ausschließlich auf den Linien-Chart auf der Grundlage der Schlusskurse.

Für diejenigen von uns, die OHLC-Charts (Open-High-Low-Close = Eröffnung-Hoch-Tief-Schlusskurs) gewöhnt sind – etwa in Form von Kursstäbe- oder Candlestick-Charts – stellt sich anfangs eine gewisse Verunsicherung ein. Aber wie Sie feststellen werden, erhöht die Ausrichtung auf den Schlusskurs die Genauigkeit Ihrer Analyse.

Außerdem haben wir die Möglichkeit, die Vorteile beider Chartarten zu nutzen. Diesen Aspekt werden Sie in den folgenden Tradingbeispielen zu schätzen wissen.

Als nächstes werden wir die Bollinger Bänder mit den folgenden Einstellungen integrieren:

  • historischer Rückschau-Zeitraum: 20
  • Standardabweichung mit Multiplikator: 2

Der daraus folgende Chart ist übersichtlich und ermöglicht eine einfache Analyse.



Ermittlung des Doppel-Bodens (W-Signal)

Nun wollen wir herausfinden, wie man das W-Signal (oder den doppelten Boden) erkennt. Denken Sie daran, dass der Double Bottom eine bullische Formation ist.

Seine Grundform umfasst zwei Swing-Tiefs auf dem gleichen Kursniveau. Zusätzlich wollen wir noch zwei Bedingungen hinzufügen.

Schauen Sie sich bitte den folgenden Chart an. Er zeigt eine doppelte Bodenbildung.

Doppeltief mit Bollinger Bänder identifizieren - Screenshot
Das Doppeltief mit Bollinger-Band identifizieren 1. Swing-Tief unter Bollinger Band | 2. Niedrigeres Swing-Tief, aber innerhalb der Bänder. | 3. Kreuzen des Mittelpunkts ist eine gute Bestätigung.
  1. Das erste Swing-Tief unterschreitet das untere Bollinger Band.
  1. Das zweite Swing-Tief liegt unter dem ersten Swing-Tief, befindet sich aber innerhalb der Bollinger Bänder.
  1. Das Überschreiten der Bollinger-Mittellinie ist ein eventuelles Bestätigungssignal.

Das Kreuzen der Bollinger-Mittellinie ist nicht immer ein klares Bestätigungssignal. Insbesondere dann, wenn die Entfernung zwischen den Bollinger-Bändern eng ist, sollten Sie sich nicht auf Kreuzung der Mittellinie verlassen.

Ermittlung des Doppeltops (M-Signal)

Der Doppeltop oder das M-Signal ist eine bärische Formation.

Wie der nachfolgende Chart zeigt, handelt es sich um die Umkehrung des W-Musters.

Doppeltop identifizieren mit Bollinger Band - Screenshot
Doppeltop identifizieren mit Bollinger Band: 1. Swing-Hoch über dem Bollinger-Band | 2. Höheres Swing Hoch, aber innerhalb der Bänder; in diesem Fall liegt das Hoch nur $0,01 über dem letzten Swing-Hoch. | 3. Unterschreiten der Mittellinie ist eine gute Bestätigung
  1. Das erste Swing-Hoch befindet sich über den Bollinger Bändern.
  1. Das zweite Swing-Hoch liegt über dem ersten Swing-Hoch, bleibt aber innerhalb der beiden Bollinger Bänder. (In diesem Fall liegt das zweite Swing-Hoch nur 0,01 USD höher als das erste Swing-Hoch. Und das ist für unseren Ansatz in Ordnung.
  1. Das Kreuzen der Mittellinie kann als Bestätigungssignal betrachtet werden.

Tradingbeispiele

Nun wenden wir uns dieser Strategie in der Praxis zu.

Beim Trading sollten wir uns nicht allein auf den Chart verlassen, der nur den Schlusskurs als Linie dokumentiert, da diesem die genaueren Kursinformationen fehlen.

Daher ist es ratsam, nach der Ermittlung des Doppeltop- oder Bottom-Musters zu einem OHLC-Chart zu wechseln, der außer dem Schlusskurs auch die Eröffnung, das Hoch und das Tief enthält, damit Sie Ihre Einstiege optimieren können.

Für jedes anschließend gezeigte Beispiel gilt folgendes:

  1. Zuerst werden wir uns den Linienchart ansehen, der auf den Schlusskursen basiert. Mit Hilfe des Bollinger Bandes können wir die Chartmuster rasch erkennen.
  1. Dann betrachten wir direkt unter dem Linienchart der Schlusskurse den Candlestick-Chart, der wesentlich mehr detaillierte Informationen enthält. Somit bieten die Candlesticks eine weitere Möglichkeit für eine fundierte Analyse.

Tradingbeispiel 1: Einfacher Doppel-Bottom

Nun werden wir anhand des ersten Beispiels die grundlegenden Prinzipien untersuchen, auf denen dieser Ansatz beruht.

Anschließend finden Sie einen auf den Schlusskursen basierenden Linienchart, der sich über dem Candlestick-Chart befindet. Beide Charts zeigen den gleichen Markt im gleichen Zeitraum, jedoch mit jeweils unterschiedlichem Informationsniveau.

Diese Anordnung ermöglicht es Ihnen, einen Vergleich zwischen den beiden Darstellungen zu vollziehen, um diese zusammen mit der kommentierten Analyse zu verfolgen.

Linienchart und Candlestick Chart: 1. Kraftvoller bärischer Schub endete mit einem Schlußkurs unter dem Band; starkes Momentum | 2. Ein niedrigeres Swing-Tief (definiert durch den Schlußkurs); aber bleibt innerhalb des Bandes; W-Signal | 3. Nutzen Sie den Candlestick Chart, um Ihren genauen Einstieg zu bestimmen | 4. Das untere Band kann als Trailing Stop Loss genutzt werden.
  1. Diese ausgeprägte nach unten gerichtete Kursbewegung unterschritt die Bollinger Bänder. So bildete sich das erste Tief dieser Kursbewegung als Ausdruck des Momentum.
  1. Hier entwickelte sich ein weiteres Swing-Tief, das sich jedoch nicht unter die Bollinger Bänder ausdehnen konnte. Das bedeutet, dass dessen Ausmaß nicht der Erhöhung der Volatilität entsprach. Mit den Bollinger Bändern und den Schlusskurs-Charts können wir solche Unterscheide leicht erkennen.
  1. Candlestickcharts werden Ihnen vor allem dabei helfen, Ihren genauen Einstiegspunkt zu bestimmen.
  1. Bei einem bullischen Ansatz können Sie in Betracht ziehen, das untere Bollinger Band als Trailing-Stop-Loss zu verwenden. Aber diese Entfernung ist meistens zu groß und somit nicht optimal, und daher kann man erwägen, diesen Gewinnmitnahme-Stopp enger zu gestalten, sobald der Trend in Schwung kommt.

Die drei eingekreisten Punkte sind die möglichen Einstiege:

  • Nach der Bildung des doppelten Bodens (Bottom)
  • Beim Schlusskurs des Candlesticks über der Mittellinie
  • Beim Schlusskurs des Candlesticks über dem oberen Bollinger Band

Sie können auch nach jedem bullischen Chartmuster für den Einstieg Ausschau halten. Allerdings konnte ich in diesem Beispiel kein qualitativ hochwertiges Muster finden.

Tradingbeispiel 2: Doppeltop (gescheiterter Ausbruch)

Dieses Beispiel zeigt einen fehlgeschlagenen Ausbruch, der als Doppeltop-Muster endete.

Wie bereits erwähnt, kehren Sie zur weiteren Analyse zum Candlestickchart zurück, sobald das Doppeltop-Muster bestätigt wurde.

Sehen wir uns ein Beispiel mit einem Doppeltop (M-Signal) an.

Screenshot mit Doppeltop und gescheiterter Ausbruch - Beispiel
Linenchart und Candlestick Chart: 1. Doppeltop angezeigt durch das Bollinger Band, basieren auf den Schlusskursen | 2. Dieser Aussenstab bestätigte die Doppeltop Formation; aggressive Trader können hier zum Schlusskurs short gehen. | 3. Trader, die mehr Bestätigung brauchen, können nach dem Abwärts-Gap short gehen.
  1. Der Doppeltop war auf dem Linienchart der Schlusskurse zu erkennen. Auf ein Swing-Hoch außerhalb der Bollinger Bänder folgte ein Swing-Hoch innerhalb der Bollinger Bänder. (Das zweite Hoch übertraf das erste Hoch um nur 0,03 $.)
  1. Ein Blick auf den Candlestickchart zeigt, dass der Markt das erste Swing-Hoch überschritten hat. Der bullische Versuch scheiterte jedoch und endete in einem bärischen Outside-Candlestick. Dies bestätigte unsere bärischen Erwartungen. Aggressive Trader würden in Erwägung ziehen, hier eine Shortposition zu platzieren.
  1. Für Trader, die auf die Bestätigung einer Trendwende warten wollten, bot diese abwärts gerichtete Kurslücke eine zweite Chance.

Beobachten Sie die verhaltene Price Action kurz vor dem Double-Top-Muster. Die eng begrenzte Handelsspanne wird auch als sogenannter Bollinger-Squeeze bezeichnet. Daher war die Doppel-Top-Formation auch Teil eines gescheiterten Ausbruchs aus dem Bollinger-Squeeze.

Tradingbeispiel 3: Doppelter oder Dreifacher Bottom?

Mit zunehmender Erfahrung werden Sie lernen, dass die genaue Form des Chartmusters zweitrangig ist.

Stattdessen sind wir nur daran interessiert, einen Verlust von Momentum zu erkennen, dem eine Trendwende vorausgehen könnte. Und dieser Verlust an Dynamik kann sich auch in vielen verschiedenen Mustern bemerkbar machen.

Mit dem letzten Beispiel werden wir diesen Punkt verdeutlichen.

Hier sehen wir, dass es sich nicht lohnt, sich darauf zu beschränken, Double Bottoms ausfindig zu machen.

Mehrfach Tiefpunkte im Chart
Linenchart und Candlestick Chart: 1. Erstes Swing-Tief hinter dem Band | 2. Niedrigere Swing Tiefs konnten nicht unter das Band drücken | 3. Wenn die Bänder eng sind, nutzen Sie als Bestätigung einen Bruch des oberen Bandes (anstatt der Mittellinie) | 4. Bärische Kerzen konnten nicht unter das Band drücken. | 5. Aber dieser bullische Schub schaffte es, über dem Band zu schließen.
  1. Zunächst konzentrieren wir uns auf den Chart auf der Basis der Schlusskurse. Dieses Swing-Tief fiel unter die Bollinger Bänder und weckte unser Interesse. Dieser Swing-Pivot könnte unser Richtwert für die Beurteilung der späteren Pivots sein.
  1. Die anschließende Price Action fiel unter dieses erste Swing-Tief. Dennoch gab es keine Schlusskurse unterhalb der Bollinger Bänder. Das war ein deutliches Zeichen für den Verlust an Momentum.
  1. Zuvor hatten wir erwähnt, dass ein Überschreiten der Mittellinie als Bestätigung dienen könnte. Wenn das Bollinger Band jedoch eng ist, wie in diesem Fall, ist es ratsam, stattdessen die obere Linie zu verwenden.
  1. Schauen wir uns nun den unteren Teil mit den Candlesticks an. Diese beiden Bereiche mit den roten Candlesticks konnten den Markt nicht dazu veranlassen, das Bollinger Band zu unterschreiten.
  1. Aber aufgrund des bullisches Kursschubs gelang es, dass der Markt über dem Bollinger Band schloss. Dieser deutliche Unterschied bestätigte, dass die Kursbewegung nun aufwärts gerichtet war.

Die Eröffnung einer Longposition, nachdem der Markt über dem Bollinger Band geschlossen hatte, führte zu einem hervorragenden Trade.

Schlussbemerkungen zu Doppeltops und Doppeltiefs

Wir wollen diesen Artikel mit einigen Anmerkungen zu diesem Ansatz beenden.

Zunächst müssen Sie sozusagen noch eine individuelle Anpassung vornehmen. Obwohl die obigen Regeln einen methodischen Rahmen bieten, gibt es dennoch Raum für individuelle Gestaltung.

Der schwierigere Teil ist folgender: Ja, im Falle eines Doppeltiefs sollte das zweite Swing-Tief unter dem ersten liegen.

Aber beide Swing-Tiefs sollten weder zeitlich noch bezüglich des Kurswertes zu weit auseinander liegen.

Sie werden beurteilen müssen, was weit auseinander liegen konkret heißt.

Der Grund dafür ist einfach: Swing-Pivots, die zu weit auseinander liegen (bezüglich Zeit und Kurswert), können nicht im gleichen Rahmen analysiert werden. Und das ist ein Hindernis für das Doppeltop- oder Doppeltief-Muster.

Als nächstes verwenden wir Bollinger Bänder, um Trendwende-Formationen aufgrund der Schlusskurse zu finden. Oder anders ausgedrückt: Diese Strategie hängt stark von den Schlusskursen ab.

Die täglichen Schlusskurse sind von entscheidender Bedeutung, weil wir sie benötigen, um den Wert der von uns gehandelten Instrumente täglich ermitteln und einschätzen zu können. Daher haben die Schlusskurse in Tagescharts einen höheren Informationswert als die in Intraday-Charts.

Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen, diesen Ansatz auf Tagescharts anzuwenden.

Wenn Sie mit „Divergence“-Strategien vertraut sind, haben Sie vielleicht einige Ähnlichkeiten bemerkt. Hier suchen wir vor allem nach einer Divergenz zwischen der Price Action und ihrer Interaktion mit dem Bollinger Band.

Hier sind einige „Divergence“-Strategien, die Sie sich vielleicht anschauen sollten:

Erfahren Sie auch mehr über die Verbesserung der Analyse von Price Action und Bollinger Bändern:

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: Double Top and Bottom Trading with Bollinger Bands 

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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