Ein US-Konzern meldet seine Quartalszahlen um 13:00 Uhr deutscher Zeit. Die Wall Street eröffnet regulär erst um 15:30 Uhr. Trotzdem springt der Kurs sofort um mehrere Prozent: Das ist vorbörslicher Handel. Im Pre-Market reagieren Trader auf Nachrichten, lange bevor die Eröffnungsglocke läutet.
Für deutsche Trader ist die Vorbörse doppelt relevant. Bei uns startet der Handel über L&S Exchange und gettex schon um 7:30 Uhr morgens. Die US-Vorbörse läuft dagegen von 10:00 bis 15:30 Uhr deutscher Zeit und fällt damit mitten in unseren Nachmittag. Wer beide Zeitfenster kennt, sieht Kursbewegungen Stunden vor der Masse.
Dieser Guide erklärt dir die genauen Handelszeiten für die USA und Deutschland, den Zugang über deutsche Broker, die typischen Risiken und wann sich der frühe Einstieg lohnt und wann nicht. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Vorbörslicher Handel: das Wichtigste in 30 Sekunden
- US-Pre-Market: 4:00 bis 9:30 Uhr Eastern Time, also 10:00 bis 15:30 Uhr deutscher Zeit. Danach folgt die reguläre Handelssitzung bis 22:00 Uhr.
- Deutsche Vorbörse: L&S Exchange und gettex ab 7:30 Uhr, Tradegate ab 8:00 Uhr. Seit Dezember 2025 handelt auch Xetra für Privatanleger von 8:00 bis 22:00 Uhr.
- Kurstreiber: Quartalszahlen erscheinen fast immer vor der US-Eröffnung oder nach dem Schluss. Die Kurse verarbeiten die Nachrichten deshalb außerhalb der regulären Sitzung.
- Risiken: wenig Liquidität, weite Spreads und meist nur Limit-Orders. Einsteiger fahren mit der regulären Eröffnung ab 15:30 Uhr besser.
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Was ist vorbörslicher Handel?
Vorbörslicher Handel (englisch Pre-Market-Handel) bezeichnet den Kauf und Verkauf von Wertpapieren vor der offiziellen Eröffnung einer Börse. In den USA läuft diese Phase typischerweise von 4:00 bis 9:30 Uhr Eastern Time, also von 10:00 bis 15:30 Uhr deutscher Zeit.
Hinter dem Begriff stecken je nach Markt zwei verschiedene Mechanismen. In den USA läuft die Vorbörse über elektronische Handelsnetze, sogenannte ECNs, die Orders direkt zwischen den Teilnehmern zusammenführen. In Deutschland handelst du vor dem Xetra-Start dagegen im Direkthandel mit einem Market Maker, etwa bei L&S Exchange oder gettex. Einen Überblick über alle regulären Börsenzeiten weltweit findest du in unserem Guide.
In der Vorbörse sind deutlich weniger Teilnehmer aktiv als in der regulären Sitzung. Vor allem institutionelle Anleger und erfahrene Daytrader nutzen das Zeitfenster, um auf frische Nachrichten zu reagieren. Entsprechend dünn ist das Handelsvolumen, und die Kurse können erheblich vom letzten Schlusskurs abweichen.
Der After-Hours-Handel ist der nachbörsliche US-Handel zwischen 16:00 und 20:00 Uhr Eastern Time, der wie die Vorbörse über ECNs abgewickelt wird.
Vorbörse und After-Hours zusammen heißen Extended Hours. Die Mechanik ist identisch, deshalb gilt fast alles in diesem Artikel auch für den nachbörslichen Handel am Abend.
Pre-Market in den USA: Zeiten und Ablauf
An NYSE und Nasdaq ist die Vorbörse fester Bestandteil des Handelstages. Sie beginnt um 4:00 Uhr Eastern Time und endet mit der Eröffnungsglocke um 9:30 Uhr. Umgerechnet handelst du also von 10:00 bis 15:30 Uhr deutscher Zeit. Alle Einzelheiten zu den beiden Börsen findest du in unseren Guides zu den NYSE-Öffnungszeiten und den Nasdaq-Öffnungszeiten.
| Phase | Eastern Time | Deutsche Zeit |
|---|---|---|
| Pre-Market | 4:00–9:30 Uhr | 10:00–15:30 Uhr |
| Reguläre Sitzung | 9:30–16:00 Uhr | 15:30–22:00 Uhr |
| After-Hours | 16:00–20:00 Uhr | 22:00–2:00 Uhr |
Der Abstand von sechs Stunden gilt fast das ganze Jahr, weil Europa und die USA beide auf Sommerzeit umstellen. Nur für zwei bis drei Wochen im Frühjahr und wenige Tage im Herbst schrumpft er auf fünf Stunden, weil die Amerikaner früher wechseln als wir. Wichtiger für die Praxis: Die ersten Stunden ab 10:00 Uhr unserer Zeit sind extrem ruhig. Richtig Leben kommt in den Pre-Market erst ab etwa 13:00 Uhr, wenn die ersten Quartalszahlen und um 14:30 Uhr die wichtigsten US-Wirtschaftsdaten erscheinen. Am dichtesten ist der Handel in den letzten 90 Minuten vor der Eröffnung.
Ein ECN (Electronic Communication Network) ist ein elektronisches Handelsnetz, das Kauf- und Verkaufsorders der Teilnehmer außerhalb der regulären Börse direkt zusammenführt.
Im Pre-Market stellt also nicht die Börse selbst die Kurse. Die Netzwerke gleichen Orders direkt miteinander ab, und dein Zugang läuft über den Broker, der deine Order an ein ECN weiterleitet. Eine Feinheit am Rande: Die NYSE öffnet ihre eigene Frühsession offiziell erst um 7:00 Uhr Eastern Time, die Nasdaq um 4:00 Uhr. Für dich spielt das kaum eine Rolle, denn über die ECNs sind die meisten US-Aktien unabhängig vom Listing ab 4:00 Uhr handelbar.
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Vorbörse in Deutschland: L&S, Tradegate, gettex und Xetra
Hierzulande funktioniert die Vorbörse grundlegend anders als in den USA: Du handelst im Direkthandel statt über ein Orderbuch.
Direkthandel bedeutet, dass du nicht über ein Orderbuch mit anderen Anlegern handelst, sondern direkt mit einem Market Maker, der fortlaufend An- und Verkaufskurse stellt. Genau so funktioniert die deutsche Vorbörse bei L&S Exchange, Tradegate und gettex.
Die Kurse stellen Market Maker wie Lang & Schwarz oder die Baader Bank (sie quotiert bei gettex) ab dem frühen Morgen. Deine Order wird sofort gegen den gestellten Kurs ausgeführt, ohne Wartezeit auf eine Gegenpartei. So sehen die Handelszeiten der wichtigsten deutschen Plätze aus:
| Handelsplatz | Mo–Fr | Besonderheit |
|---|---|---|
| L&S Exchange | 7:30–23:00 Uhr | zusätzlich Sa 10:00–13:00 und So 17:00–19:00 Uhr; Referenzbörse von Trade Republic |
| gettex | 7:30–23:00 Uhr | für ETFs, Fonds, Anleihen und die 1.000 meistgehandelten Aktien; Zertifikate 8:00–22:00 Uhr |
| Tradegate | 8:00–22:00 Uhr | bei vielen Banken und Depots als Standard-Handelsplatz hinterlegt |
| Xetra | 8:00–22:00 Uhr | Haupthandel 9:00–17:30 Uhr, davor Frühhandel, danach Späthandel |
Die Details je Handelsplatz haben wir in eigenen Guides zu den Lang und Schwarz Handelszeiten, den gettex Handelszeiten und den Tradegate Handelszeiten. Für dich als Kunde eines Neobrokers passiert das Routing automatisch: Trade Republic handelt über die L&S Exchange und stellt dir damit ab 7:30 Uhr Kurse, Scalable Capital nutzt gettex.
Die größte Änderung kam am 1. Dezember 2025, und viele Anleger haben sie noch gar nicht auf dem Schirm: Xetra selbst handelt seitdem für Privatanleger von 8:00 bis 22:00 Uhr.
Der Xetra-Frühhandel ist das im Dezember 2025 eingeführte Handelsfenster von 8:00 bis 8:55 Uhr, in dem Privatanleger über den Xetra Retail Service schon vor der Eröffnungsauktion handeln können.
Abends schließt sich der Späthandel von 17:30 bis 22:00 Uhr an, einbezogen sind Aktien, ETFs und ETPs. Die Deutsche Börse reagiert damit auf ein reales Bedürfnis: Nach 17:30 Uhr passiert an der Wall Street noch viereinhalb Stunden lang etwas, und bisher konnten Xetra-Anleger darauf nicht reagieren. Der klassische Haupthandel mit der vollen institutionellen Liquidität läuft aber unverändert von 9:00 bis 17:30 Uhr. In den Randzeiten ist das Volumen spürbar kleiner.
Bleibt die Frage, woher morgens um 7:30 Uhr eigentlich der „vorbörsliche DAX” aus den Medien kommt.
Die DAX-Frühindikation ist ein vorbörslich berechneter Schätzwert für den DAX-Stand, den Market Maker wie Lang & Schwarz ab 7:30 Uhr aus ihren eigenen Kursen und den Vorgaben aus den USA und Asien ableiten.
Wenn Nachrichtenseiten morgens schreiben, der DAX notiere „vorbörslich im Plus”, ist fast immer diese Indikation gemeint, meist die L&S DAX Indikation. Sie ist ein Richtwert, kein amtlicher Index: Je näher die Xetra-Eröffnung um 9:00 Uhr rückt, desto genauer wird sie. Ein Wort zu den Kosten: Vor dem Xetra-Start kann sich der Spread im Direkthandel deutlich weiten, weil dem Market Maker der Referenzmarkt zum Absichern fehlt. Dasselbe gilt abends nach 17:30 Uhr.

Echte Vorbörse, Indikation oder Futures?
Wenn morgens von „vorbörslichen Kursen” die Rede ist, werden im Alltag drei völlig verschiedene Dinge vermischt. Die Tabelle bringt Ordnung rein:
| Begriff | Was dahintersteckt | Verfügbar |
|---|---|---|
| Echte Vorbörse | handelbare Kurse einzelner Aktien | USA ab 10:00 Uhr, Deutschland ab 7:30 Uhr |
| Indikation | berechneter Schätzwert, nicht handelbar | ab 7:30 Uhr |
| Futures | eigenständige Terminkontrakte auf Indizes | fast rund um die Uhr, 23/5 |
Die präziseste Auskunft über die Marktstimmung liefern die US-Index-Futures. Kontrakte wie der E-Mini S&P 500 oder der Nasdaq-100-Future handeln an der CME von Sonntag 24:00 Uhr bis Freitag 23:00 Uhr unserer Zeit, unterbrochen nur von einer täglichen Pause zwischen 23:00 und 24:00 Uhr. Was über Nacht in Asien passiert, siehst du dort sofort eingepreist. Wie der Terminhandel grundsätzlich funktioniert, erklärt unser Guide zum Futures-Trading. Die kleine, auch für kleinere Konten handelbare Variante ist der Micro-Nasdaq-Future (MNQ).
Meine Morgenroutine seit Jahrzehnten: zuerst der Blick auf die US-Futures, dann auf die DAX-Indikation, erst danach auf einzelne Aktien im Pre-Market. Die Futures zeigen die grobe Risikostimmung, die Indikation übersetzt sie auf den DAX, und die Einzelwerte verraten, wo heute die Nachrichten spielen. Ein Vorbehalt gehört dazu: Futures sind eigenständige, gehebelte Instrumente. Als Einsteiger nutzt du sie nur zum Beobachten, nicht zum Handeln.
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Warum sich Kurse vorbörslich bewegen
Vorbörsliche Kurssprünge haben fast immer einen konkreten Auslöser. Das sind die vier wichtigsten Katalysatoren:
- Quartalszahlen: US-Konzerne melden fast ausschließlich vor der Eröffnung oder nach dem Schluss, selten mitten im Handel. So erreichen die Zahlen alle Anleger gleichzeitig, und die erste Reaktion läuft komplett über die Extended Hours.
- US-Wirtschaftsdaten: Inflationszahlen und der Arbeitsmarktbericht erscheinen um 14:30 Uhr unserer Zeit, also eine Stunde vor der Eröffnung. Ein Wirtschaftskalender zeigt dir die Termine der Woche.
- Unternehmensnews: Übernahmen, Gewinnwarnungen, Analysten-Upgrades oder Medikamenten-Zulassungen laufen oft am frühen Morgen über die Ticker.
- Übernacht-Bewegungen: Was in Asien und Europa passiert, preisen US-Aktien vorbörslich ein, bevor New York überhaupt wach ist.
Reagiert eine Aktie vorbörslich stark, eröffnet sie die reguläre Sitzung weit weg vom Vortagesschluss. Im Chart bleibt eine sichtbare Lücke zurück.
Ein Gap (Kurslücke) entsteht, wenn der Eröffnungskurs deutlich über oder unter dem letzten Schlusskurs liegt. Im Bereich dazwischen hat schlicht kein Handel stattgefunden.
Wie du solche Kurslücken im Chart einordnest und handelst, behandeln wir in einem eigenen Guide. An dieser Stelle nur die wichtigste Warnung: Die vorbörsliche Reaktion ist keine verlässliche Prognose für den Handelstag. Bei dünnem Volumen reichen wenige große Orders, um den Kurs zu verzerren. Nicht selten dreht die Bewegung nach der Eröffnung komplett.
So handeln deutsche Trader vorbörslich
Für den Zugang zur Vorbörse gibt es aus Deutschland zwei getrennte Wege, und sie unterscheiden sich deutlich in Aufwand und Möglichkeiten.
Der einfache Weg führt über die deutsche Vorbörse: Jeder Broker mit Anbindung an L&S Exchange, gettex oder Tradegate lässt dich ab 7:30 beziehungsweise 8:00 Uhr handeln, auch US-Aktien. Den Haken kennst du schon aus dem Abschnitt zur Preisbildung: Der amerikanische Referenzmarkt ist um diese Uhrzeit geschlossen. Der Market Maker leitet seine Kurse aus Futures und Indikationen ab und lässt sich das Risiko über einen breiteren Spread bezahlen.
Der direkte Weg führt in den echten US-Pre-Market. Dafür brauchst du einen Broker mit ECN-Zugang, aus Deutschland ist das praktisch immer Interactive Brokers oder einer seiner deutschen Reseller wie CapTrader und LYNX. Dort handelst du US-Aktien von 4:00 bis 20:00 Uhr Eastern Time durchgehend. Dazu kommt ein Overnight-Handel von 20:00 bis 3:50 Uhr für über 10.000 Aktien und ETFs. In Summe ist das fast ein 24-Stunden-Zugang an fünf Tagen die Woche.
Im US-Pre-Market akzeptieren die Systeme in der Regel nur Limit-Orders. Market- und Stop-Orders sind meist deaktiviert, ein Überblick über alle Ordertypen hilft bei der Einordnung. Und ganz ehrlich: Wer langfristig investiert und ETF-Sparpläne bespart, braucht keinen Pre-Market-Zugang. Der Aufwand lohnt sich für aktive Daytrader und Earnings-Trader, nicht für Buy-and-Hold-Anleger.
Pre-Market Movers finden: Screener und Tools
Bleibt die Frage, wo die Action gerade spielt. Genau dafür gibt es Movers-Listen und Screener.
Pre-Market-Movers sind die Aktien mit den größten vorbörslichen Kursbewegungen, meist ausgelöst durch Quartalszahlen oder überraschende Nachrichten.
Kostenlos starten kannst du bei TradingView: Die Listen „Vorbörsliche Gewinner” und „Verlierer” zeigen dir die stärksten Bewegungen in Echtzeit. Deutlich mehr Filtermöglichkeiten bietet Finviz, dort laufen die Pre-Market-Daten ab 7:00 Uhr Eastern Time ein, inklusive Gap-Spalte direkt im Screener. Eine schnelle Übersicht der aktivsten Werte liefert auch die Pre-Market-Seite von Investing.com. Bei allen drei gilt: Realtime-Daten kosten extra, die kostenlosen Varianten reichen aber für den Überblick.
Vier Kriterien trennen die handelbaren Movers von den Zufallstreffern:
- Gap-Größe: Ab etwa drei Prozent Abstand zum Vortagesschluss wird eine Bewegung für Daytrader interessant. Darunter ist es Rauschen.
- Vorbörsliches Volumen: Ohne echtes Volumen ist der Move nicht belastbar. Einige zehntausend gehandelte Aktien sind das Minimum.
- Nachrichten-Anlass: Ein Mover ohne erkennbare News ist ein Warnsignal, gerade bei kleinen Werten.
- Float: Bei Aktien mit wenigen frei handelbaren Stücken erzeugen kleine Orders riesige Prozentzahlen. Finger weg oder die Positionsgröße deutlich runter.
Eine Movers-Liste zeigt dir immer nur, was die Nacht bewegt hat, nicht, was der Tag bringt. Sie ist ein Ausgangspunkt für die eigene Analyse, kein Kaufsignal.
Risiken im vorbörslichen Handel
Die Vorbörse belohnt Schnelligkeit, aber sie bestraft Sorglosigkeit. Diese fünf Risiken solltest du kennen, bevor du die erste Order aufgibst:
- Dünne Liquidität: Es sind schlicht wenige Käufer und Verkäufer unterwegs. Schon mittelgroße Orders bewegen den Kurs spürbar.
- Weite Spreads: Die Geld-Brief-Spanne kann mehrere Prozentpunkte betragen. Du zahlst beim Einstieg drauf und beim Ausstieg noch einmal.
- Nur Limit-Orders: Eine Stop-Loss-Order greift im US-Pre-Market in der Regel nicht. Bestehende Positionen lassen sich früh nur eingeschränkt absichern.
- Verzerrte Preisbildung: Die Kurse entstehen auf wenigen ECNs mit dünnem Volumen. Nach der Eröffnung dreht die Bewegung nicht selten in die Gegenrichtung.
- Professionelle Gegenseite: Vorbörslich handeln überwiegend institutionelle Anleger und erfahrene Daytrader. Als Privatanleger triffst du auf die bestinformierten Marktteilnehmer des Tages.
Deshalb die klare Einordnung: Der vorbörsliche Handel ist ein Werkzeug für erfahrene, aktive Trader mit konkretem Plan. Für Einsteiger und langfristige Anleger überwiegen die Nachteile. Wer eine Nachricht verschlafen hat, verkauft in den allermeisten Fällen besser in die liquide reguläre Sitzung hinein als panisch um 10:15 Uhr in einen leeren Markt.
Strategien rund um die Vorbörse
Die bekannteste Strategie mit direktem Vorbörsen-Bezug ist Gap-and-Go: Eine Aktie baut vorbörslich auf starke News ein Gap auf, und der Trade setzt darauf, dass die Bewegung nach der Eröffnung weiterläuft. Eingestiegen wird klassisch beim Bruch des vorbörslichen Hochs, mit Stop unterhalb der letzten Konsolidierung.
Etwas ruhiger ist der Opening Range Breakout: Du wartest die ersten 30 Minuten der regulären Sitzung ab und handelst erst den Ausbruch aus dieser Spanne. Die Pre-Market-Marken dienen dabei als zusätzliche Orientierung, denn Hoch und Tief der Vorbörse wirken häufig als Unterstützung oder Widerstand. Mehr Setups für den Handelsstart findest du in unserem Daytrading-Guide.
Bei Quartalszahlen gilt: Handle die Reaktion, nicht die Nachricht. Ob eine Zahl „gut” ist, entscheidet der Markt, und der irrt sich vorbörslich öfter, als Einsteiger glauben. Mein Rat aus über 45 Jahren an den Märkten: Die Vorbörse ist Vorbereitungszeit. Sie sagt dir, welche Werte heute Beachtung verdienen und wo die wichtigen Marken liegen. Gehandelt wird, wenn echte Liquidität im Markt ist.
Ausblick: Börse fast rund um die Uhr
Die Grenze zwischen „börslich” und „vorbörslich” löst sich gerade auf. Den Anfang hat in Deutschland die Deutsche Börse mit der Ausweitung auf 8:00 bis 22:00 Uhr gemacht. Die offiziellen Zeiten aller Phasen listet ihr Handelskalender.
In den USA geht die Entwicklung noch weiter. Die Börsenaufsicht SEC hat im April 2026 den Antrag der Nasdaq genehmigt, den Aktienhandel auf 23 Stunden an fünf Tagen auszuweiten. Einen Starttermin gibt es noch nicht, die Infrastruktur mit Clearing und Datenfeeds wird erst vorbereitet. Broker preschen derweil vor: Der Overnight-Handel von Interactive Brokers bietet schon heute fast durchgehenden Zugang.
Für dich heißt das: mehr Flexibilität, aber nicht automatisch bessere Bedingungen. Liquidität vermehrt sich nicht, wenn die Handelszeit wächst, sie verteilt sich nur dünner. Die umsatzstärksten Fenster bleiben die Eröffnung und der Schluss der regulären Sitzungen. Daran wird auch eine 23-Stunden-Börse wenig ändern.
Fazit: Die Vorbörse ist Vorbereitungszeit
Der vorbörsliche Handel ist für deutsche Trader heute so zugänglich wie nie. Die deutsche Vorbörse startet um 7:30 Uhr, Xetra läuft seit Dezember 2025 bis 22:00 Uhr, und der echte US-Pre-Market steht über Broker mit ECN-Zugang ab 10:00 Uhr deutscher Zeit offen.
Zugänglich heißt aber nicht harmlos. Dünne Liquidität, weite Spreads und fehlende Stop-Orders machen die Vorbörse zu einem Umfeld für vorbereitete Trader, nicht für spontane Entscheidungen. Einsteiger verpassen nichts, wenn sie die reguläre Sitzung abwarten.
Ich nutze die Vorbörse seit Jahrzehnten vor allem als Informationsquelle: Futures, Indikation und Movers sagen mir vor 9:00 Uhr, was für ein Handelstag mich erwartet. Genau so empfehle ich sie dir: erst lesen, dann planen. Gehandelt wird im liquiden Markt.
Häufige Fragen zum vorbörslichen Handel
Wann beginnt der vorbörsliche Handel in den USA?
Der US-Pre-Market läuft von 4:00 bis 9:30 Uhr Eastern Time, das entspricht 10:00 bis 15:30 Uhr deutscher Zeit. Nennenswertes Volumen entsteht meist erst ab etwa 13:00 Uhr deutscher Zeit.
Kann ich als deutscher Anleger vorbörslich handeln?
Ja, auf zwei Wegen: Über die deutsche Vorbörse handelst du bei L&S Exchange und gettex ab 7:30 Uhr, bei Tradegate ab 8:00 Uhr, auch US-Aktien. Den echten US-Pre-Market erreichst du über Broker mit ECN-Zugang wie Interactive Brokers, CapTrader oder LYNX.
Warum bewegen sich Aktien vorbörslich so stark?
US-Konzerne veröffentlichen Quartalszahlen fast immer vor der Eröffnung oder nach dem Schluss. Die erste Kursreaktion läuft deshalb über die Vorbörse, und das dünne Handelsvolumen verstärkt die Ausschläge zusätzlich.
Welche Risiken hat der vorbörsliche Handel?
Die wichtigsten Risiken sind dünne Liquidität, weite Spreads und eingeschränkte Ordertypen, meist sind nur Limit-Orders möglich. Dazu kommt: Die vorbörsliche Richtung dreht nach der Eröffnung nicht selten komplett.
Wie verlässlich ist die DAX-Frühindikation?
Die DAX-Frühindikation ist ein Schätzwert der Market Maker, kein amtlicher Index. Als Richtungsanzeiger funktioniert sie gut, der exakte Stand kann zur Xetra-Eröffnung um 9:00 Uhr aber deutlich abweichen.
Wo sehe ich Pre-Market-Kurse kostenlos?
Kostenlose Movers-Listen findest du bei TradingView und auf der Pre-Market-Seite von Investing.com. Finviz zeigt vorbörsliche Daten ab 7:00 Uhr Eastern Time, Realtime-Kurse sind dort der Bezahlversion vorbehalten.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader aktiv. Seine Heimatmärkte sind Forex, Aktienindizes, Zinsmärkte und Rohstoffe.
Über Jahrzehnte hat er die Trading-Literatur im deutschsprachigen Raum mitgeprägt. Er übersetzte die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter und war über 17 Jahre Repräsentant von Joe Ross in Deutschland, dessen zehn Bücher er übersetzte und verlegte.
Handelszeiten sind für Karsten gelebter Alltag: Sein Handelstag beginnt seit Jahrzehnten vor der Börseneröffnung, mit dem Blick auf US-Futures, Indikationen und die Nachrichtenlage. Die Einschätzungen zu Chancen und Risiken der Vorbörse in diesem Guide stammen aus dieser täglichen Praxis. Ehrliche Einordnung statt schneller Versprechen.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.






