Nicht jede Kursbewegung ist gleich viel wert. Ein Breakout in der London Session hat eine völlig andere Aussagekraft als ein Ausschlag in der dünnen Asia-Nacht — und wer diesen Unterschied nicht kennt, handelt regelmäßig gegen das, was institutionelle Akteure vorbereiten. Die zeitliche Struktur des Handelstages ist kein Randthema, sondern die Grundlage für Liquidität, Volumen und Richtung.
Der globale Handelstag gliedert sich in drei Hauptsessions — Asien, London und New York — jede mit eigenem Charakter, eigenen Marktteilnehmern und typischen Bewegungsmustern. Dazu kommen Konzepte wie RTH und ETH, die bestimmen, welche Kursdaten du überhaupt in deinem Chart siehst — und welche du besser ausblendest.
In diesem Artikel verwenden wir durchgehend die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) und erklären, wann die Sessions starten, was Killzones sind, wie RTH Gaps entstehen und warum professionelle Trader ihre Charts bewusst filtern. Dieser Artikel entspricht unseren Redaktionellen Richtlinien.
RTH, ETH & Trading Sessions in 30 Sekunden erklärt
- Drei Hauptsessions: Der Handelstag gliedert sich in Asia (01:00–08:00 MEZ), London (08:00–17:00 MEZ) und New York (14:00–23:00 MEZ) – jede mit eigenem Volumen- und Bewegungsmuster.
- London dominiert den Forex-Handel: Rund 38 % aller globalen Devisentransaktionen werden über London abgewickelt – mehr als über jeden anderen Finanzplatz.
- RTH vs. ETH: RTH (Regular Trading Hours) bezeichnet die offiziellen Haupthandelszeiten mit dem höchsten Volumen. ETH (Extended Trading Hours) umfasst Vor- und Nachbörse mit deutlich geringerer Liquidität.
- Killzones und Session-Übergänge: Viele Smart-Money-Setups wie Liquidity Sweeps oder Market Structure Shifts entstehen gezielt rund um die London Killzone (08:00–11:00 MEZ) und die New York Killzone (14:00–16:00 MEZ).
- RTH-Only-Charts: Wer relevante Levels, Gaps und Tagesstruktur ohne Vorbörsenrauschen analysieren will, nutzt RTH-Only-Ansichten auf Plattformen wie TradingView.
Hinweis zur Sommerzeit: Die globalen Märkte richten sich oft nach New Yorker Zeit (EST). Dort beginnt die Sommerzeit bereits Mitte März, in Europa erst Ende März. Zwischen Mitte März und Ende März sowie Ende Oktober und Anfang November beträgt der Zeitunterschied zu New York daher nur 5 statt 6 Stunden — eine Stunde Differenz, die präzise Killzone- und Opening-Range-Setups entwerten kann.
Das sind die wichtigsten Daytrading Regeln!
Hole dir jetzt das kostenlose E-Book und lerne, worauf es wirklich ankommt.

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Das sind die wichtigsten Daytrading Regeln!

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Was sind Trading Sessions?
Eine Trading Session bezeichnet den Zeitraum, in dem eine der großen Weltbörsen für den Handel geöffnet ist und aktives Ordervolumen in den Markt fließt.
Die drei Sessions orientieren sich an den Finanzzentren Tokio, London und New York. Entscheidend für Trader ist nicht nur, wann diese Phasen beginnen und enden, sondern wo sie sich überschneiden — denn an den Schnittstellen zwischen zwei Sessions entstehen die höchste Liquidität, die engsten Spreads und die stärksten Impulsbewegungen des Tages.
Die drei großen Sessions
Asiatische Session (01:00 – 08:00 Uhr MEZ)
Die asiatische Session ist die erste Handelsphase des globalen Handelstages, die mit dem Börsenstart in Sydney beginnt und über Tokio, Hongkong und Singapur läuft.
In dieser Phase schlafen Europa und Amerika — entsprechend dünn ist das Volumen. Die Asia Session ist die ruhigste der drei Hauptsessions, aber sie ist keineswegs irrelevant: Hier werden die Extrempunkte gesetzt, die London später gezielt „abholt”.
Wer handelt in dieser Phase? Vor allem asiatische Banken, institutionelle Investoren, Zentralbanken – aber auch große Konzerne mit Währungsabsicherungen. Besonders aktiv sind Währungspaare wie USD/JPY, AUD/USD oder NZD/USD. Auch der Goldmarkt reagiert gelegentlich empfindlich auf Bewegungen in Asien – etwa durch politische Spannungen oder geldpolitische Eingriffe.
Was ist das Ziel dieser Marktteilnehmer? Meist geht es nicht um kurzfristige Spekulation, sondern um das Platzieren und Absichern von Kapital. Bewegungen sind daher oft technischer Natur, geprägt von Range-Bildung, gelegentlichen Stop-Runs über die Extrempunkte der Vorperiode – und insbesondere: eine gezielte Vorbereitung auf das, was in London und New York folgen wird.
Das größte Problem ist geringe Liquidität. In dieser Phase reicht oft schon ein mittlerer Auftrag, um den Preis über 20 oder 30 Ticks zu bewegen. Gleichzeitig sind diese Bewegungen nicht verlässlich – markante Hochs und Tiefs werden in London oft „herausgeholt” und dienen als wichtige Elemente der Preisbildung.
„Trotz geringer Liquidität kann die asiatische Session politische Wucht entfalten.”
Am 20. Januar 2025 stellte das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek sein neues Modell R1 vor – und löste damit eine Kettenreaktion auf den globalen Märkten aus. Die Nachricht kam mitten in der Asia-Session – zu einer Uhrzeit, in der Europa gerade in den Handel startete und die Wall Street noch „schlief”. R1 war nicht nur leistungsfähig, sondern in seiner Struktur und Preisgestaltung ein direkter Angriff auf etablierte US-Modelle wie ChatGPT von OpenAI.
Innerhalb weniger Stunden überholte DeepSeek in den App-Charts ChatGPT, chinesische Tech-Aktien sprangen an, während die US-Futures an diesem Tag deutlich ins Minus rutschten.

London Session (08:00 – 17:00 Uhr MEZ)
Die London Session ist die liquiditätsstärkste Forex-Handelsphase des Tages, in der rund 38 % aller globalen Devisentransaktionen abgewickelt werden.
Wenn Europa erwacht, übernimmt das Volumen. London ist nicht nur geografisch, sondern auch historisch das Zentrum des Devisenhandels — kein anderer Finanzplatz der Welt setzt mehr Forex-Volumen um. Für Trader aus der DACH-Region ist das besonders relevant, weil die London Session direkt in die eigene Arbeitszeit fällt.
Neben europäischen Banken und Fonds handeln in dieser Session vor allem auch internationale Akteure, die ihre Overnight-Positionen justieren. Zudem sind algorithmenbasierte Händler und früh aufgestandene US-Trader aktiv.
Die London Session bringt oft den ersten klaren Impuls des Tages. Besonders in der ersten Stunde kommt es häufig zu Breakouts aus der Asiatischen Range, Liquidity Sweeps oder ersten Market Structure Shifts.
London ist im Vergleich zu Asien impulsiv. Wer sich in dieser Phase verschätzt, wird nicht selten ausgestoppt, noch bevor der eigentliche Move beginnt. Deshalb arbeiten viele Smart Money Trader mit klaren Zeitfenstern wie der London Killzone (08:00–11:00 Uhr MEZ).
Die London Killzone ist das besonders volatile Zeitfenster von 08:00 bis 11:00 Uhr MEZ, in dem institutionelle Trader gezielt Liquidität angreifen und der Docht oder die Lunte der Tageskerze gebildet wird.
In der London Killzone kommt es häufig zu gezielter Manipulation, oft ausgehend vom Opening Price. Das Smart Money sammelt zunächst Liquidität ein — typischerweise durch einen schnellen Sweep über das Asia-High oder -Low — bevor die eigentliche Richtung eingeschlagen wird. Trader, die diese frühe Manipulation erkennen, können sich bereits in der London Session strategisch für den Tag positionieren.
Die Überlappung zwischen London- und New-York-Session (15:30–17:00 Uhr MEZ) ist das liquideste Zeitfenster des globalen Handelstages — wann genau die einzelnen Märkte öffnen und schließen, zeigt unser Überblick über die weltweiten Börsenzeiten.
New York Session (14:00 – 23:00 Uhr MEZ)
Die New York Session ist die letzte und oft volatilste Handelsphase des Tages, in der die US-Märkte das Hauptvolumen in Indizes wie S&P 500, Nasdaq und Dow Jones lenken.
Die New York Session beginnt aus Sicht des professionellen Tradings nicht erst mit dem offiziellen Börsenstart um 15:30 Uhr MEZ, sondern deutlich früher: Bereits ab 14:00 Uhr MEZ nimmt die Volatilität spürbar zu – institutionelle Händler aus den USA kommen an ihre Desks, Positionierungen starten, und erste Bewegungen setzen ein. Das ist die Pre-Market-Phase, in der viele Smart Money Trader gezielt nach Manipulationen, Sweeps oder Fair Value Gaps suchen.
Die offizielle Markteröffnung der NYSE und NASDAQ erfolgt dann um 15:30 Uhr MEZ (09:30 EST). Ab diesem Moment fließt das Hauptvolumen in die US-Märkte – insbesondere in Indizes wie S&P 500, Nasdaq oder Dow Jones.
Die New York Killzone bezeichnet das Zeitfenster von 14:00 bis 16:00 Uhr MEZ, in dem institutionelle Händler ihre Positionen aufbauen und häufig die entscheidende Tagesbewegung eingeleitet wird.
Wenn New York auf den Markt trifft, beginnt das, was ICT als „Stage” bezeichnet: Die große Bewegung des Tages, gelenkt vom Smart Money. Wer die Übergänge zwischen Pre-Market, Killzone und Haupt-Session versteht, handelt nicht gegen die Bewegung — sondern mit ihr.
Der Handelstag endet um 22:00 Uhr MEZ, gefolgt von einer einstündigen Nachbörse (Post-Market), in der nochmals geringes Volumen umgesetzt wird.
13 Trading-Indikatoren, die du kennen musst

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Das sind die wichtigsten Indikatoren für erfolgreiche Trader!
Hole dir jetzt das kostenlose E-Book und lerne, worauf es wirklich ankommt.

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Was bedeuten RTH und ETH?
RTH (Regular Trading Hours) sind die offiziellen Handelszeiten eines Marktes, in denen das höchste Volumen gehandelt wird – für US-Aktien und Index-Futures typischerweise 15:30 bis 22:00 Uhr MEZ.
In diesem Zeitraum sind institutionelle Händler aktiv, und es entstehen die zentralen Kursbewegungen, auf die sich professionelle Marktteilnehmer konzentrieren. Alles, was außerhalb der RTH passiert, hat deutlich weniger Aussagekraft — sowohl im Volumen als auch in der Verlässlichkeit der Preisstruktur.
ETH (Extended Trading Hours) umfassen die Vor- und Nachbörse außerhalb der regulären Handelszeiten, in denen der Markt zwar geöffnet, aber deutlich weniger liquide ist.
Bei Futures wie dem S&P 500 beginnt der ETH-Handel bereits am Sonntagabend um 23:00 Uhr MEZ und läuft bis Freitag gegen 23:00 Uhr nahezu durchgehend. Diese erweiterten Phasen sind deutlich weniger liquide, können aber dennoch Bewegungen zeigen — etwa durch Asien-News oder Frühpositionierungen institutioneller Trader.
Deshalb arbeiten viele Smart Money Trader gezielt mit RTH-Only-Charts, um Preisstruktur, Gaps und Reaktionen dort zu analysieren, wo großes Volumen in den Markt kommt. Das Ausblenden der ETH hilft dabei, relevante Preisniveaus und Strukturbrüche deutlicher zu erkennen, ohne durch dünn gehandelte Bewegungen der Vorbörse irritiert zu werden. Wer auf Klarheit setzt, beginnt seine Analyse dort, wo der Markt wirklich entscheidet – in der Hauptsession.
Neobroker wie Trade Republic ermöglichen den Handel von 7:30 bis 23:00 Uhr — die engsten Spreads gibt es aber nur während der Xetra-Überlappung, wie im Handelszeiten-Guide zu Trade Republic erklärt.
Was ist das RTH Gap und warum ist es wichtig?
Das RTH Gap ist die sichtbare Kurslücke im RTH-Only-Chart, die zwischen dem Handelsschluss um 22:00 Uhr MEZ und der nächsten Markteröffnung um 15:30 Uhr MEZ entsteht, weil alle Bewegungen der Extended Trading Hours ausgeblendet werden.
In dieser Lücke wird rund um die Uhr weitergehandelt — in der ETH. Aber im RTH-Only-Chart ist davon nichts zu sehen: Der Kurs springt vom Schlusskurs direkt zum nächsten Eröffnungskurs, oft auf einem völlig anderen Niveau.
Diese Kurslücke nennt man das RTH Gap. Für viele Smart Money Trader ist dieses Gap von zentraler Bedeutung, weil der Markt dazu tendiert, es während der RTH erneut anzulaufen, zu schließen oder dort zu reagieren. Oft dient das Gap selbst als Referenz für Intraday-Setups:
- Offenes Gap: Wird als magnetischer Preisbereich gesehen, der den Kurs anzieht.
- Gap Close: Liefert oft eine Reaktion oder ein Umkehrsignal, an dem Trader ihre Positionen ausrichten.
- Gap Low/High: Dient als Ziel oder Verteidigungszone für Smart Money – vergleichbar mit Unterstützungs- und Widerstandszonen.
Besonders wichtig: Diese Gaps sind nur sichtbar, wenn du RTH-Only-Charts verwendest. Wer 24h-Daten nutzt, sieht keine Lücke – und erkennt daher auch keine potenziellen Setups, die auf dem Prinzip der Gap-Reaktion beruhen.
Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust
Kompakt erklärt, mit Praxisbeispielen und klaren Einstiegssignalen – kostenlos als PDF.

Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Typische Fehler und Missverständnisse
Viele Trader unterschätzen die Bedeutung von Zeitstruktur im Markt. Sie handeln Bewegungen, ohne zu hinterfragen, wann sie entstehen – und übersehen damit, ob diese Bewegungen überhaupt Relevanz haben.
Ein klassischer Fehler ist die Annahme, dass der Markt rund um die Uhr gleichwertige Signale liefert. Doch nicht jede Preisbewegung ist gleichbedeutend – besonders nicht in Sessions mit geringer Liquidität. Gerade in der asiatischen Session entstehen oft Kursausschläge, die später komplett neutralisiert werden. Wer solche Bewegungen überbewertet, handelt gegen das, was institutionelle Akteure vorbereiten.
Auch 24h-Charts verleiten zu Fehlinterpretationen. Swing-Highs oder -Lows, die in der Pre-Market-Phase gebildet werden, sehen aus wie wichtige Strukturpunkte – sind aus Sicht von Volumenprofilen oder Orderflow häufig bedeutungslos. Deshalb arbeiten viele erfahrene Trader mit RTH-Only-Ansichten. Sie filtern bewusst alles aus, was vor oder nach der echten Marktöffnung passiert, um saubere Preisniveaus zu identifizieren.
Ein weiteres Missverständnis betrifft das Timing der US-Session. Viele konzentrieren sich ausschließlich auf den Börsenstart um 15:30 Uhr MEZ. Dabei beginnt die Vorbereitung oft deutlich früher – schon ab 14:00 Uhr. In dieser Phase entstehen erste Sweeps, Manipulationen oder Reaktionen auf die London-Bewegung. Wer die Opening Range in dieser Pre-Market-Phase versteht, kann sich deutlich besser positionieren.
Und schließlich wird die Übergangsphase zwischen den Sessions häufig falsch eingeschätzt. Die Grenzen zwischen Asien, London und New York sind keine starren Blöcke. Gerade an den Schnittpunkten – bei London Open oder New York Killzone – entstehen Manipulationen, Brüche und Umkehrpunkte.
RTH & ETH auf TradingView einstellen
Wenn du in TradingView zwischen den regulären Handelszeiten (RTH) und den elektronischen Handelszeiten (ETH) umschalten möchtest, findest du die Einstellung direkt unten im Chart, neben der Zeitzonenanzeige.
Schritt-für-Schritt:
- Instrument öffnen: Wähle ein Instrument, das ETH-Daten unterstützt – z. B. ES1!, NQ1! oder US-Aktien.
- Intraday-Zeitrahmen wählen: Stelle sicher, dass du dich in einem Intraday-Zeitrahmen befindest (z. B. 5-Minuten-Chart). Auf Tages- oder Wochenbasis ist die Einstellung nicht verfügbar.
- Session-Button klicken: Klicke im unteren Chartbereich auf den Button mit der Aufschrift „ETH” oder „RTH” (rechts neben der Uhrzeit und Zeitzone).
- Modus wählen: Wähle „Elektronische Handelszeiten” für den 24h-Chart oder „Reguläre Handelszeiten” für die reine RTH-Darstellung (z. B. 15:30–22:00 Uhr MEZ bei US-Märkten).
Die Umschaltung ist nur im Minuten-Chart möglich. Sobald du in eine Tagesansicht wechselst, wird automatisch der vollständige Kursverlauf angezeigt – unabhängig von der Session-Auswahl.
Lesetipp: Du willst nicht nur Sessions analysieren, sondern auch automatische Einstiegssignale direkt im TradingView-Chart erhalten? Der Swing Catcher Indikator von Kagels Trading generiert präzise Kauf- und Verkaufssignale für Indizes und andere Märkte – ideal als Ergänzung zur Session-Analyse.
Fazit: Wer Smart Money verstehen will, muss verstehen, wann Smart Money handelt
Wer verstehen will, wie sich Märkte bewegen, muss begreifen, wann sie sich bewegen – und warum gerade dann. Die Einteilung des Handelstages in Sessions ist mehr als eine formale Uhrzeitstruktur. Sie ist die Grundlage für Liquidität, Volumen und Richtung.
Ob es die ruhige Asia-Session ist, die oft nur vorbereitet, die London-Session, die klare Impulse liefert, oder die New York-Session, in der sich Marktstruktur und Manipulation offenbaren: Jede Phase hat ihren Charakter, ihre Fallen und ihre Chancen.
RTH und ETH sind dabei keine kosmetischen Einstellungen, sondern ein Filter: Sie entscheiden darüber, ob du den Markt so siehst, wie ihn auch professionelle Teilnehmer betrachten – oder ob du durch Rauschen, Gaps und künstliche Bewegungen abgelenkt wirst.
Aus meiner Erfahrung als diskretionärer Trader seit 1978 kann ich sagen: Die besten Setups entstehen nicht zufällig, sondern immer im Kontext von Zeit, Struktur und Liquidität. Wer diese Zusammenhänge erkennt, handelt nicht mehr gegen den Markt, sondern mit dem Takt, den er selbst vorgibt.
Häufige Fragen zu Sessions, RTH & ETH
Was ist der Unterschied zwischen RTH und ETH?
RTH (Regular Trading Hours) umfasst die offiziellen Börsenzeiten mit hohem Volumen, z. B. 15:30–22:00 Uhr MEZ für US-Aktien. ETH (Extended Trading Hours) bezeichnet Vor- und Nachbörse, in denen der Markt zwar offen, aber oft dünn und unzuverlässig ist.
Was sind Trading Sessions und wie sind sie strukturiert?
Der Handelstag wird in drei Hauptphasen unterteilt: Asien (01:00–08:00 MEZ), London (08:00–17:00 MEZ) und New York (14:00–23:00 MEZ). Jede Session hat eigene Bewegungsmuster und unterschiedliche Marktteilnehmer.
Wie verwende ich RTH-Only-Charts auf TradingView?
Auf TradingView kannst du im Minutenchart zwischen regulären und erweiterten Handelszeiten umschalten. Der Button befindet sich unten im Chart neben der Zeitzonenanzeige. Dadurch werden Bewegungen außerhalb der Kernzeiten ausgeblendet – das hilft, relevante Preisniveaus klarer zu erkennen.
Was ist das RTH Gap und warum ist es relevant?
Das RTH Gap ist die Kurslücke zwischen Handelsschluss (22:00 Uhr MEZ) und der Eröffnung am nächsten Tag (15:30 Uhr MEZ). Sie entsteht durch ausgeblendete ETH-Daten und dient häufig als Referenzzone für Reaktionen, Umkehrpunkte oder Ziele im Intraday-Trading.
Welche der drei Handelssessions ist die wichtigste?
Die New York Session ist in der Regel die volatilste und liquiditätsstärkste. Hier fließen die meisten Orders, es werden zentrale Kursniveaus angelaufen und Intraday-Trends entschieden. Viele Setups entstehen rund um den Übergang von London zu New York.
Wann überschneiden sich London und New York Session?
Die Überschneidung findet von 15:30 bis 17:00 Uhr MEZ statt. In diesem Zeitfenster ist die Liquidität global am höchsten, da sowohl europäische als auch amerikanische Marktteilnehmer gleichzeitig aktiv sind. Besonders Forex-Paare wie EUR/USD zeigen in dieser Phase die stärksten Bewegungen.
Was ist eine Killzone im Trading?
Eine Killzone ist ein zeitlich definiertes Fenster innerhalb einer Session, in dem institutionelle Trader gezielt Liquidität angreifen. Die bekanntesten sind die London Killzone (08:00–11:00 MEZ) und die New York Killzone (14:00–16:00 MEZ). Das Konzept stammt aus dem ICT-Trading-Ansatz.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er ist seit 1978 aktiver Trader an den Finanzmärkten und zählt damit zu den erfahrensten deutschsprachigen Marktteilnehmern im Bereich Forex, Indizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.
In den späten 1980er Jahren übersetzte Kagels die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter für den deutschsprachigen Raum. Anschließend war er über 17 Jahre lang deutscher Repräsentant des US-amerikanischen Traders Joe Ross und übersetzte sowie verlegte insgesamt 10 seiner Bücher. Bis 2010 gab er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Kagels handelt als diskretionärer Price-Action-Trader – nicht mit automatisierten Systemen oder Algorithmen. Die in diesem Artikel beschriebenen Session-Konzepte und RTH-/ETH-Unterscheidungen setzt er selbst täglich in seiner Analyse auf TradingView ein. Er ist seit 1996 Kunde bei Interactive Brokers und handelt dort Indizes, Forex und Futures.
„Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.”





