Ein Verbraucherportal, das sich jahrelang „werbefrei“ nannte, darf genau das seit 2020 nicht mehr. Das Oberlandesgericht Dresden hat Finanztip verurteilt, der Bundesgerichtshof hat das Urteil rechtskräftig werden lassen. Trotzdem steht das Portal bei Trustpilot bei 4,7 von 5 Sternen aus über 4.300 Bewertungen. Beides stimmt, und beides gehört zusammen erzählt.
Ich habe mir angesehen, woran Finanztip verdient, was die Redaktion prüft und was sie ausdrücklich nicht prüft. Für diesen Bericht habe ich Impressum, Finanzierungsmodell und Siegelbedingungen an der Quelle gelesen, die Bewertungen ausgezählt und das Urteil im Wortlaut geprüft. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Finanztip: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Wer dahintersteht: Die Finanztip Verbraucherinformation GmbH, Berlin, eine hundertprozentige Tochter der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Geschäftsführer sind Dr. Simon Bründl, Stephan Link, Saidi Sulilatu und Hermann-Josef Tenhagen.
- Bewertung: 4,7 von 5 Sternen aus 4.319 Trustpilot-Bewertungen, davon 95 Prozent mit fünf Sternen. Die App steht bei 4,76 (Apple, 6.752 Bewertungen) und 4,82 (Google, 3.537 Bewertungen).
- Finanzierung: drei Wege. Affiliate-Provisionen, eine Nutzungsgebühr für das Finanztip-Siegel und ein freiwilliges Unterstützermodell ab 8 Euro im Monat.
- Das Urteil: Das OLG Dresden untersagte Finanztip 2019 die Bezeichnung „werbefrei“. Seit der BGH-Entscheidung von 2020 ist das rechtskräftig, bei Verstoß droht Ordnungsgeld bis 250.000 Euro.
- Die wichtigste Grenze: Servicequalität und Erreichbarkeit fließen nicht in die Produktbewertungen ein. Genau daran entzündet sich die meiste Kritik.
- Für Trader: Finanztip ist ein Verbraucherportal für Konto, Versicherung und Altersvorsorge. Zum aktiven Handel, zu Ordertypen oder zu Chartanalyse findest du dort nichts.
Was ist Finanztip? Wer hinter dem Portal steht
Finanztip ist ein deutschsprachiges Verbraucherportal für Geldfragen, das von der Finanztip Verbraucherinformation GmbH betrieben wird, einer hundertprozentigen Tochter der gemeinnützigen Finanztip Stiftung.
Die Gründung liegt im Jahr 2014. Damals startete das Projekt als gemeinnützige GmbH. Mitte 2020 wurde die Konstruktion in eine Stiftung überführt. Seither fließen die Gewinne der GmbH an die Stiftung, die daraus gemeinnützige Projekte finanziert. Die bekannteste davon ist die Finanztip Schule.
Die Doppelstruktur ist mehr als eine Formalie, und sie hat eine praktische Folge. Die Stiftung ist gemeinnützig, die GmbH daneben ist es nicht. Wer Finanztip finanziell unterstützt, zahlt an die GmbH und kann den Beitrag deshalb nicht von der Steuer absetzen. Finanztip schreibt das in seiner eigenen Unterstützer-FAQ offen hin.
Adresse, Registereintrag und Geschäftsführung
Die Hauptniederlassung sitzt in Berlin, die Zweigstelle in München. Im Impressum steht die Hasenheide 54 in 10967 Berlin, dazu die Atelierstraße 12 in 81671 München. Eingetragen ist das Unternehmen beim Amtsgericht Charlottenburg unter HRB 162233 B, die Umsatzsteuer-ID lautet DE295381605.
Die Redaktion hat zwei Chefredakteure, und die Vorgeschichte des einen erklärt eine häufige Verwechslung. Hermann-Josef Tenhagen leitete ab 1999 die Zeitschrift Finanztest der Stiftung Warentest und kam 2014 zu Finanztip. Laut Impressum ist er dort presserechtlich verantwortlich. Neben ihm führt Saidi Sulilatu die Redaktion und verantwortet Social Media, Forum und Podcast. Finanztip gehört aber nicht zur Stiftung Warentest, im Gegenteil: Die Stiftung Warentest hat über ein Gerichtsurteil gegen Finanztip berichtet.
Die Redaktion beantwortet ausdrücklich keine Einzelfragen. Im Impressum steht der Satz, dass sie weder telefonisch noch per Mail Auskunft oder Beratung erteilt und keine Produktempfehlung für den Einzelfall gibt. Wer eine persönliche Einschätzung sucht, ist bei einem Ratgeberportal grundsätzlich falsch. Das ist kein Mangel, sondern die Geschäftsgrundlage.
Die Zielgruppe unterscheidet sich deutlich von unserer. Finanztip richtet sich an Menschen, die ihr Girokonto, ihre Versicherungen und ihre Altersvorsorge ordnen wollen. Wer aktiv handelt, findet dort nichts. Für den Einstieg in den Wertpapierhandel ist unser Leitfaden zum Aktienhandel der passendere Startpunkt, für die steuerliche Seite unser Überblick zu Trading und Steuern.
Wie finanziert sich Finanztip?
Finanztip nennt auf seiner eigenen Seite drei Einnahmequellen, nicht eine. Viele Berichte über das Portal erwähnen nur die Affiliate-Links. Tatsächlich kommen eine Siegel-Nutzungsgebühr und ein Unterstützermodell dazu. Bezahlte Werbebanner und Werbepartnerschaften schließt das Unternehmen aus.
| Quelle | Zahler | Wofür |
|---|---|---|
| Affiliate-Links | Anbieter | Provision bei Abschluss, Link mit Sternchen |
| Siegel | Anbieter | Gebühr für Werbung mit der Empfehlung |
| Unterstützer | Leser | ab 8 Euro im Monat, freiwillig |
Die Reihenfolge, auf die es ankommt
Entscheidend ist nicht, ob Geld fließt, sondern wann. Finanztip beschreibt den Ablauf so: Erst prüft die Expertenredaktion einen Markt, dann kontrolliert der wissenschaftliche Leiter die Ergebnisse, dann wird veröffentlicht. Erst danach geht die Affiliate-Abteilung auf die empfohlenen Anbieter zu. Lehnt ein Anbieter ab, bleibt die Empfehlung stehen, nur ohne Verlinkung.
Diese Reihenfolge ist der wichtigste Unterschied zu einem gewöhnlichen Vergleichsportal. Sie lässt sich von außen allerdings nicht überprüfen. Wir geben hier wieder, wie Finanztip den eigenen Prozess beschreibt, und nicht, was wir nachgemessen haben. Prüfbar ist nur das Ergebnis, also ob eine Empfehlung sachlich trägt.
Das Finanztip-Siegel: der Punkt, den kaum jemand erwähnt
Das Finanztip-Siegel ist ein Werbezeichen, das ein empfohlener Anbieter gegen eine Nutzungsgebühr verwenden darf, um auf seine Empfehlung durch Finanztip hinzuweisen.
Damit zahlt der Empfohlene an den Empfehlenden. Finanztip regelt das enger, als man erwarten würde. Das Siegel trägt Datum und Produktklasse und gilt nur dafür. Entzieht die Redaktion eine Empfehlung, muss der Anbieter es binnen 30 Tagen aus allen Werbemitteln entfernen. Empfehlungen, die älter als zwölf Monate sind, tragen grundsätzlich kein Siegel. Ausgenommen sind Produkte mit ständig wechselnden Konditionen, also Tages- und Festgeld.
Eine Zahl fehlt trotzdem. Wie hoch die Nutzungsgebühr ist und welchen Anteil sie am Umsatz hat, steht nirgends. Insgesamt spricht Finanztip von Empfehlungen in rund 80 Bereichen, vom Aktienfonds bis zur Zahnzusatzversicherung. Ohne Zahlen bleibt offen, wie stark dieser Kanal wiegt.
Das Urteil: warum Finanztip sich nicht „werbefrei“ nennen darf
Geklagt hatte der Energieversorger Bürgergas, und zwar wegen des Strom- und Gasrechners. Der leitete Nutzer zum Abschluss auf Check24 und Verivox weiter, wofür Finanztip eine Provision erhielt. Das Oberlandesgericht Dresden stufte diese Weiterleitung als geschäftliche Handlung ein (Az. 14 U 207/19) und untersagte die Selbstbeschreibung als „werbefrei“. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.
Finanztip wehrte sich und scheiterte. Die Nichtzulassungsbeschwerde wies der Bundesgerichtshof ab (Az. I ZR 145/19). Damit wurde das OLG-Urteil rechtskräftig. Bei Verstößen droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro. Rechtliche Grundlage ist das Verbot, den kommerziellen Zweck einer geschäftlichen Handlung zu verschleiern (§ 5a UWG). Die Stiftung Warentest berichtete darüber erstmals im August 2019 und aktualisierte die Meldung im Oktober 2020.
Heute kennzeichnet Finanztip seine Affiliate-Links mit einem Sternchen. Der Anlass für das Urteil ist damit ausgeräumt. Wer das Urteil heute noch als Betrugsvorwurf zitiert, liegt falsch. Wer umgekehrt liest, Finanztip sei „frei von wirtschaftlichen Interessen“, sollte wissen, dass ein Gericht genau diese Selbstbeschreibung einmal kassiert hat. In eigener Sache: Auch dieser Artikel stand jahrelang mit dem Satz online, Finanztip finanziere sich durch Spenden. Das war falsch, und wir haben es mit dieser Fassung korrigiert.
Ist Finanztip seriös?
Finanztip ist ein seriöses Verbraucherportal mit nachprüfbarem Impressum, benannter Redaktion und offengelegtem Finanzierungsmodell. Die Empfehlungen sind an kommerzielle Verlinkungen gekoppelt, was das Portal ausweist, und ein Gericht hat die frühere Selbstbeschreibung als „werbefrei“ untersagt.
Vier Punkte sprechen für das Portal, und alle vier sind belegbar. Das Impressum nennt Anschrift, Handelsregisternummer und vier Geschäftsführer mit Namen. Die Team-Seite listet die Mitarbeitenden einzeln mit Foto, Zuständigkeit und Kurzprofil. Es gibt einen veröffentlichten Redaktionskodex und einen wissenschaftlichen Leiter, der die Methodik verantwortet. Und das Unternehmen hat Auszeichnungen vorzuweisen, darunter den Deutschen App-Award 2026 in der Kategorie Finanzbildungs-Apps.
Ein unabhängiges Urteil kommt vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Er bewertete drei Unterrichtsmaterialien der Finanztip Schule mit „gut“, darunter die Einheiten zu Inflation und Geldanlage. Das ist eine Fremdbewertung durch eine Stelle, die Finanztip nicht bezahlt.
Was gegen eine uneingeschränkte Empfehlung spricht, ist kein Betrugsverdacht, sondern eine Interessenlage. Ein Portal, das an Empfehlungen mitverdient, hat ein wirtschaftliches Interesse daran, dass überhaupt empfohlen wird. Die Antwort „lass es bleiben“ bringt keinen Ertrag. Das ist kein Vorwurf gegen Finanztip, sondern die Bauart des Modells, und du solltest sie beim Lesen mitdenken.
Finanztip Erfahrungen: was 4.319 Bewertungen zeigen
Der Trustpilot-Wert ist hoch, und die Verteilung dahinter ist ungewöhnlich einseitig. Finanztip steht dort bei 4,7 von 5 Sternen aus 4.319 Bewertungen. Davon vergeben 95 Prozent fünf Sterne, 4 Prozent vier Sterne und 1 Prozent einen Stern. Die Stufen dazwischen liegen jeweils unter einem Prozent.
| Quelle | Note | Stimmen |
|---|---|---|
| Trustpilot | 4,7 | 4.319, davon 164 im letzten Jahr |
| App Store | 4,76 | 6.752 |
| Google Play | 4,82 | 3.537 |
| Kununu | 3,7 | 38, bewertet den Arbeitgeber |
Zwei Einordnungen gehören dazu, sonst liest sich die Zahl besser, als sie ist. Erstens unterhält Finanztip bei Trustpilot ein kostenpflichtiges Abonnement und hat sein Profil seit November 2019 beansprucht. Zweitens vermerkt Trustpilot selbst: „Dieses Unternehmen hat Kunden in letzter Zeit nicht zur Bewertungsabgabe eingeladen, daher sind die Bewertungen möglicherweise nicht repräsentativ.” Das ist die Einschätzung des Portals, nicht unsere.
Positiv fällt auf, wie das Unternehmen mit Kritik umgeht. Trustpilot weist aus, dass Finanztip 60 Prozent seiner negativen Bewertungen beantwortet hat, meist innerhalb von 24 Stunden. Das ist mehr, als die meisten Anbieter in unseren Testberichten schaffen.
Gelobt wird durchgehend dasselbe. Die Leser heben die Verständlichkeit hervor, die Breite der Themen und die Tatsache, dass sie konkrete Handlungsanweisungen bekommen statt allgemeiner Ratschläge. Wer noch nie ein Depot eröffnet hat, kommt bei Finanztip weiter als bei den meisten Fachportalen.
Welche Kritik gibt es an Finanztip?
Ich habe die negativen Bewertungen gelesen statt sie zu zählen, und sie sprechen alle über dasselbe. Die Kritik richtet sich fast nie gegen die Sachrichtigkeit der Ratgeber. Sie richtet sich gegen das, was bei der Umsetzung einer Empfehlung passiert.
Die Empfehlung stimmt, der Anbieter enttäuscht
Das ist mit Abstand das häufigste Muster. Ein Leser folgt einer Tagesgeld-Empfehlung und scheitert an der Kontoeröffnung. Ein anderer nimmt eine empfohlene Kreditkarte und bekommt vom Anbieter keinen erreichbaren Support. Die Konditionen waren jeweils korrekt beschrieben. Enttäuscht hat die Abwicklung.
Finanztip hat darauf eine Antwort gegeben, und die erklärt das Muster vollständig. In einer öffentlichen Reaktion schreibt die Redaktion, in die Bewertung von Kreditkartenanbietern flössen objektiv nachprüfbare Kriterien ein, also Jahresgebühren und Rückzahlungsbedingungen. Ein schlechtes Erlebnis mit dem Kundenservice sei nicht Teil dieser Bewertung.
Das ist methodisch nachvollziehbar und für dich trotzdem folgenreich. Servicequalität lässt sich schwer objektivieren, deshalb bleibt sie außen vor. Eine Finanztip-Empfehlung sagt damit: Dieses Produkt ist rechnerisch gut. Sie sagt nicht: Bei diesem Anbieter wirst du gut behandelt. Wer beides braucht, prüft die Servicequalität selbst nach, etwa über die Bewertungen des Anbieters.
Kritik am Erfahrungsportal
Finanztip betreibt ein eigenes Portal, auf dem Leser Anbieter bewerten können. Dort setzt ein zweiter Kritikpunkt an. Ein Nutzer berichtet, seine negative Erfahrung sei nicht veröffentlicht worden. Ein anderer wirft dem Portal vor, bei Firmenbewertungen keine eigene Recherche zu betreiben. Beides sind Einzelaussagen, die wir nicht nachprüfen konnten. Wir geben sie wieder, weil sie sich auf einen Bereich beziehen, für den das Portal selbst Moderationsregeln veröffentlicht.
Kritik am Stil
Ein dritter Strang hat mit Inhalten nichts zu tun. Einzelne Leser stören sich an der Du-Ansprache und am lockeren Auftreten der Redakteure in den Videos. Andere halten die Empfehlungen für zu einfach und nur für Anfänger brauchbar. Der zweite Punkt trifft zu, ist aber kein Mangel: Finanztip will Einsteiger erreichen und schreibt entsprechend.
Was sich in den Bewertungen nicht findet, ist ebenso aussagekräftig. Es gibt keine Berichte über nicht erstattete Zahlungen, keine über gesperrte Konten und keine über unerreichbare Ansprechpartner beim Portal selbst. Bei einem Anbieter, der ein Abo verkauft, ist das keine Selbstverständlichkeit.
Vorteile und Nachteile von Finanztip
Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, was sich aus Quellenprüfung und Bewertungen ergibt. Sie bezieht sich auf das kostenlose Angebot. Das Unterstützermodell behandeln wir weiter unten getrennt.
Das spricht für Finanztip
Diese Punkte konnte ich an der Quelle oder in den Bewertungen belegen:
- Vollständiges Impressum: Anschrift, Registernummer, vier Geschäftsführer und die gesamte Redaktion stehen namentlich im Netz.
- Offengelegtes Geschäftsmodell: Alle drei Einnahmequellen stehen auf einer eigenen Seite, die Siegel-Nutzungsgebühr eingeschlossen.
- Gekennzeichnete Werbung: Affiliate-Links tragen seit dem Urteil durchgängig ein Sternchen.
- Breite Bewertungsbasis: 4,7 von 5 bei Trustpilot aus 4.319 Stimmen, dazu 4,76 und 4,82 in den beiden App-Stores.
- Reaktion auf Kritik: 60 Prozent der negativen Bewertungen werden beantwortet, meist binnen 24 Stunden.
- Externe Qualitätsprüfung: Der Verbraucherzentrale Bundesverband bewertete drei Unterrichtseinheiten der Finanztip Schule mit „gut“.
- Keine Bezahlschranke: Sämtliche Ratgeber, Rechner und das Forum sind ohne Anmeldung nutzbar.
Das solltest du mitdenken
Diese Einschränkungen gehören zur ehrlichen Einordnung:
- Verdienst an der Empfehlung: Das Portal wird von genau den Anbietern vergütet, die es empfiehlt, über Provision und Siegelgebühr.
- Unbekannte Siegelgebühr: Wie hoch sie ist und welchen Umsatzanteil sie ausmacht, veröffentlicht Finanztip nicht.
- Service bleibt außen vor: Erreichbarkeit und Abwicklungsqualität fließen ausdrücklich nicht in die Produktbewertungen ein.
- Gerichtlich untersagte Selbstbeschreibung: Die frühere Bezeichnung als „werbefrei“ ist rechtskräftig verboten.
- Keine Einzelfallhilfe: Die Redaktion erteilt weder telefonisch noch per Mail Auskunft zu deiner Situation.
- Nicht absetzbar: Der Unterstützerbeitrag fließt an die GmbH und gilt deshalb nicht als Spende.
- Kein Trading-Wissen: Zu Ordertypen, Chartanalyse und Risikosteuerung findest du dort nichts.
Welche Inhalte und Services bietet Finanztip?
Der Kern sind die Ratgeber, und sie decken den kompletten Verbraucheralltag ab. Finanztip gibt an, Empfehlungen in rund 80 Produktbereichen auszusprechen. Die Spanne reicht von ETFs und Tagesgeld über Versicherungen und Steuern bis zu Handytarifen und Stromverträgen.
Vergleichsrechner
Die Rechner sind der praktischste Teil des Angebots. Es gibt sie unter anderem für Girokonto, Tagesgeld, Baufinanzierung und Kredite. Für sie gelten laut Finanztip dieselben Regeln wie für die Ratgeber, also Prüfung vor Verlinkung. Ausgerechnet ein solcher Rechner war der Anlass für das Gerichtsverfahren, deshalb lohnt hier ein zweiter Blick auf die Kennzeichnung. Der Screenshot darunter zeigt die Auswahlmaske eines dieser Rechner.
Finanztip Deals
Unter Deals sammelt die Redaktion befristete Angebote. Zuständig ist ein eigener Redakteur, Jan Pohlmann. Es geht um Neukundenaktionen, Rabattgutscheine und limitierte Angebote. Hier ist die Nähe zum Vertrieb naturgemäß am größten, entsprechend genau solltest du auf die Sternchen achten. Die Abbildung zeigt einen Deal aus der Kategorie Mode, und die Schaltfläche trägt das Sternchen sichtbar. Sie zeigt zugleich, wie weit das Angebot über Finanzthemen hinausgeht.

Der Newsletter ist das größte Einzelprodukt. Finanztip nennt über 850.000 Abonnenten und beziffert die eigene Community auf über zwei Millionen Menschen. Die Anmeldung ist kostenlos und verlangt nur eine E-Mail-Adresse.
Daneben läuft ein Forum, in dem sich Leser gegenseitig helfen. Es ist nach Themen gegliedert, von Konto und Anlegen über Versicherungen bis zu Steuern, und die Beiträge reichen bis in den laufenden Monat. Ein eigener Bereich sammelt Erfahrungen mit Anbietern. Der Screenshot darunter stammt aus dem Jahr 2021 und zeigt, worüber dort diskutiert wird: ETF-Sparpläne, Depotwahl, Gehaltskonto. Ein Trading-Forum ist es nicht.
Videos und Podcasts
Der Podcast läuft seit August 2020 und wurde zwischenzeitlich umbenannt. Er hieß früher „Geld ganz einfach“ und heißt heute „Finanzen ganz einfach“. Der Feed zählt 316 Folgen, die jüngste vom 8. September 2026, und erscheint damit etwa alle zwei Tage. Wie sich das Angebot gegen die reichweitenstärksten Formate schlägt, zeigt unser Vergleich der Börsen-Podcasts. Der Screenshot darunter zeigt Folge 69 und damit den alten Namen.
Die Finanztip App: was sie kann
Die App gibt es seit Juni 2022, und sie wird laufend gepflegt. Die iOS-Fassung stand zuletzt bei Version 2.20.4 mit einem Update vom 8. September 2026. Sie ist kostenlos, verlangt mindestens iOS 15.1 und ist ohne Altersbeschränkung freigegeben.
Funktional ist sie ein Lese- und Orientierungswerkzeug, kein Finanzmanager. Sie liefert die Ratgeber, kurze Wissensformate, eine Merkliste und Push-Hinweise auf neue Inhalte. Dazu kommt ein Finanzcoach, der nach ein paar Fragen zur Situation Vorschläge macht. Konten verknüpfen, Umsätze auswerten oder Wertpapiere handeln kannst du damit nicht.
Die Bewertungen liegen über denen der Website. Im Apple App Store steht die App bei 4,76 von 5 aus 6.752 Bewertungen, im Google Play Store bei 4,82 aus 3.537 Bewertungen. Zusammen sind das über zehntausend Stimmen, also mehr als doppelt so viele wie bei Trustpilot. Im Jahr 2026 bekam sie den Deutschen App-Award in der Kategorie Finanzbildungs-Apps.
Für unsere Leser ist die Abgrenzung wichtig. Wer eine App zum Handeln sucht, braucht eine Broker-App. Unser Überblick zum Aktiendepot erklärt, worauf es dabei ankommt. Die Finanztip App ergänzt das, sie ersetzt es nicht.
Finanztip Unterstützer: Kosten, Leistungen und Kündigung
Das Unterstützermodell ist der einzige Punkt, an dem du Finanztip Geld zahlst. Es ist freiwillig, alle Inhalte der Website bleiben auch ohne Beitrag zugänglich. Der Beitrag beginnt bei 8 Euro im Monat oder 96 Euro im Jahr. Bezahlt wird per PayPal, SEPA-Lastschrift oder Kreditkarte.
| Punkt | Angabe |
|---|---|
| Beitrag | ab 8 Euro im Monat oder 96 Euro im Jahr |
| Zahlung | PayPal, Lastschrift, Kreditkarte |
| Leistungen | Academy, Expertengespräche, Buch zum Download |
| Kündigung | jederzeit selbst im eigenen Konto |
| Absetzbar | nein, der Beitrag geht an die GmbH |
| Einmalzahlung | nicht möglich, nur laufender Beitrag |
Zwei Punkte daraus verdienen Aufmerksamkeit. Erstens ist eine Einmalzahlung nicht möglich, du gehst also ein laufendes Abo ein. Zweitens ist der Beitrag nicht steuerlich absetzbar, obwohl viele ihn für eine Spende an eine gemeinnützige Stiftung halten. Finanztip erklärt das in der eigenen FAQ damit, dass der Beitrag die redaktionelle Arbeit der GmbH finanziert.
Die Kündigung ist unkompliziert geregelt, mit einer Ausnahme. Im eigenen Konto lässt sich das Abo unter Zahlung verwalten selbst beenden. Fehlt dieser Bereich, läuft die Zahlung noch über einen älteren Dienstleister, dann ist eine E-Mail nötig. Das betrifft Bestandsunterstützer und ist ein Punkt, an dem du bei einer Kündigung genauer hinsehen solltest.
Finanztip oder Finanzfluss: was ist besser?
Die beiden werden ständig verwechselt, dabei arbeiten sie unterschiedlich. Finanztip ist ein redaktionelles Ratgeberportal mit Stiftungsstruktur und Produktempfehlungen. Finanzfluss ist stärker ein Medienprojekt mit Schwerpunkt auf Videos, Erklärformaten und eigenen Werkzeugen. Beide finanzieren sich über Affiliate-Links.
| Merkmal | Finanztip | Finanzfluss |
|---|---|---|
| YouTube | 586.000 | 1,65 Mio. |
| Trustpilot | 4,7 (4.319) | 4,6 (50) |
| Struktur | Stiftung | privat |
| Stärke | Empfehlung | Erklärung |
Die Bewertungszahlen sind der interessanteste Unterschied. Finanzfluss hat auf YouTube fast dreimal so viele Abonnenten, bei Trustpilot aber nur 50 Bewertungen gegen 4.319. Das sagt nichts über die Qualität, sondern etwas über die Datenbasis: Ein Schnitt aus 50 Stimmen ist nicht mit einem aus über viertausend vergleichbar.
Meine Einordnung nach der Prüfung beider Angebote. Wer eine konkrete Produktentscheidung treffen will, also ein Konto oder eine Versicherung auswählen, ist bei Finanztip besser aufgehoben. Wer verstehen will, wie ein Instrument funktioniert, kommt mit Finanzfluss weiter. Für die Einordnung weiterer Anbieter haben wir eine Übersicht der wichtigsten Finanzexperten zusammengestellt. Wer sich speziell für Finanzbildungsangebote an Frauen interessiert, findet in unserem Bericht zu Dr. Carmen Mayer einen weiteren Vergleichspunkt.
Die Finanztip Schule
Die Finanztip Schule ist die Bildungsinitiative der Stiftung und der Teil, der ohne kommerzielles Interesse auskommt. Sie richtet sich an Schüler ab der 9. Klasse an Gymnasien, Gesamtschulen, Wirtschaftsschulen und berufsbildenden Schulen. Lehrkräfte fordern die Materialien per E-Mail an, die Nutzung ist kostenlos.
Inhaltlich deckt sie die Themen ab, die im Lehrplan meistens fehlen. Dazu gehören Geldanlage, Altersvorsorge, Versicherungen, Steuern und der Abschluss von Verträgen. Die Materialien sind als fertige Unterrichtseinheiten aufbereitet.
Die Qualität ist hier nicht nur behauptet, sondern extern geprüft. Der Verbraucherzentrale Bundesverband bewertete gleich drei Einheiten mit „gut“, nämlich die zu Inflation, zur Geldanlage und zur Frage „Macht Geld glücklich?“. Das ist die härteste Fremdbewertung, die dieser Bericht auftreiben konnte, und sie fällt positiv aus.
Finanztip: Aufmerksamkeit in den Medien
Finanztip liefert Inhalte an mehrere Redaktionen, und das ist ein eigenständiges Vertrauenssignal. Kolumnen und Beiträge erscheinen bei Spiegel Online, bei radioeins vom rbb, bei ntv und bei der Süddeutschen Zeitung. Wer regelmäßig in solchen Häusern veröffentlicht, wird dort redaktionell gegengelesen.
Auszeichnungen kommen dazu, auch für einzelne Mitarbeitende. Das Branchenmagazin Wirtschaftsjournalist:in zeichnete 2025 und 2026 je einen Nachwuchspreis an Finanztip-Redakteure aus. 2024 gewann das Portal den Social-Media-Award Goldene Blogger in der Kategorie finanzielle Bildung, und vier Mitarbeiterinnen erhielten den Digital Female Leader Award in der Kategorie Finance.
Ein Vorbehalt bleibt trotzdem. Eine Medienkooperation sagt etwas über die journalistische Qualität, aber nichts über die Interessenlage. Die Kolumne bei einem Nachrichtenportal ändert nichts daran, dass am Ende der Empfehlungskette eine Provision steht. Beides nebeneinander zu halten ist die ehrlichste Lesart.
Fazit: für wen sich Finanztip lohnt
Finanztip ist eines der wenigen deutschen Finanzportale, bei denen sich die Frage nach dem Geschäftsmodell vollständig beantworten lässt. Impressum, Redaktion, Methodik und alle drei Einnahmequellen stehen öffentlich. Das ist mehr Transparenz, als die meisten Anbieter bieten, die wir hier testen.
Die Empfehlung fällt für Einsteiger klar aus. Wer sein erstes Depot eröffnet, eine Versicherung sortiert oder das Girokonto wechselt, bekommt bei Finanztip verständliche und rechnerisch belastbare Orientierung. Kostenlos und ohne Anmeldung.
Zwei Dinge musst du selbst dazutun. Prüfe die Servicequalität des empfohlenen Anbieters nach, denn sie fließt in die Bewertung nicht ein. Und lies eine Empfehlung im Bewusstsein, dass am Ende der Kette eine Provision oder eine Siegelgebühr steht. Das macht die Empfehlung nicht falsch, aber es erklärt, warum es zu fast jedem Thema eine gibt.
Für aktive Trader ist das Portal die falsche Adresse, und das ist keine Kritik. Zu Ordertypen, Chartanalyse oder Risikosteuerung findest du dort nichts, weil Finanztip diesen Anspruch gar nicht erhebt. Wer in diese Richtung will, ist bei unserem Leitfaden zur finanziellen Freiheit mit Aktien besser aufgehoben, und einen Überblick über weitere Anbieter gibt unsere Liste der Börsen- und Finanzportale.
Häufige Fragen zu Finanztip
Ist Finanztip kostenlos?
Ja. Alle Ratgeber, Vergleichsrechner, der Newsletter und das Forum sind ohne Bezahlschranke und ohne Anmeldung zugänglich. Freiwillig kannst du das Portal ab 8 Euro im Monat oder 96 Euro im Jahr unterstützen und bekommst dafür Zugang zur Finanztip Academy und zu Expertengesprächen.
Wie verdient Finanztip Geld?
Über drei Wege: Provisionen aus Affiliate-Links zu empfohlenen Anbietern, eine Nutzungsgebühr für das Finanztip-Siegel, das empfohlene Anbieter in ihrer Werbung verwenden dürfen, und das freiwillige Unterstützermodell der Leser. Bezahlte Werbebanner und Werbepartnerschaften schließt Finanztip aus.
Warum darf Finanztip sich nicht mehr „werbefrei“ nennen?
Das Oberlandesgericht Dresden untersagte die Bezeichnung 2019 (Az. 14 U 207/19), nachdem der Energieversorger Bürgergas gegen den Strom- und Gasrechner geklagt hatte. Nachdem der Bundesgerichtshof die Nichtzulassungsbeschwerde abwies (Az. I ZR 145/19), wurde das Urteil rechtskräftig. Bei Verstößen droht ein Ordnungsgeld bis 250.000 Euro. Affiliate-Links sind seither mit einem Sternchen gekennzeichnet.
Sind die Testergebnisse von Finanztip objektiv?
Sie beruhen auf nachprüfbaren Kriterien wie Gebühren und Vertragsbedingungen und werden von einem wissenschaftlichen Leiter kontrolliert. Nicht enthalten sind Servicequalität und Erreichbarkeit des Anbieters. Finanztip hat das öffentlich bestätigt. Eine Empfehlung sagt also, dass ein Produkt rechnerisch gut ist, nicht dass der Anbieter guten Service bietet.
Wofür wird Finanztip am häufigsten kritisiert?
Die häufigste Kritik betrifft nicht die Ratgeber, sondern die Praxis: Leser berichten von schwieriger Kontoeröffnung oder fehlendem Support bei empfohlenen Anbietern. Ursache ist, dass Servicequalität nicht in die Bewertung einfließt. Daneben gibt es Einzelkritik am Erfahrungsportal und an der lockeren Ansprache in den Videos.
Ist der Unterstützerbeitrag steuerlich absetzbar?
Nein. Der Beitrag fließt an die Finanztip Verbraucherinformation GmbH und nicht an die gemeinnützige Stiftung. Finanztip weist ausdrücklich darauf hin. Eine Einmalzahlung ist nicht vorgesehen, es handelt sich um ein laufendes Abo, das du im eigenen Konto jederzeit kündigen kannst.
Was kann die Finanztip App?
Sie liefert Ratgeber, kurze Wissensformate, eine Merkliste, Push-Hinweise und einen Finanzcoach, der nach wenigen Fragen Vorschläge macht. Konten verknüpfen oder Wertpapiere handeln kannst du damit nicht. Sie steht bei 4,76 von 5 im Apple App Store (6.752 Bewertungen) und bei 4,82 im Google Play Store (3.537 Bewertungen).
Ist Finanztip für Trader geeignet?
Nein. Das Portal behandelt Verbraucherfinanzen wie Konto, Versicherung, Steuern und Altersvorsorge. Zu Ordertypen, Chartanalyse, Hebelprodukten oder Risikosteuerung im aktiven Handel findest du dort keine Inhalte. Für den langfristigen Vermögensaufbau mit ETFs ist es dagegen ein brauchbarer Ausgangspunkt.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er handelt seit 1980 aktiv und arbeitet als diskretionärer Price-Action-Trader in den Märkten Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsen. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Ende der 1980er Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte alle 10 Bücher des amerikanischen Trading-Autors, bekannt für den Ross-Haken und den Traders Trick Entry.
Bei Finanzportalen zählt für Karsten, wer die Rechnung bezahlt. Wer seit 1980 mit Anbietern zu tun hat, weiß, dass eine Empfehlung selten ohne Gegenleistung entsteht. Für diesen Bericht wurden Impressum, Finanzierungsmodell und Siegelbedingungen an der Quelle gelesen, die Bewertungen ausgezählt und das Gerichtsurteil im Wortlaut geprüft.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.















