Trader-Blog > Grundlagen > Was ist das Put-Call-Ratio (PCR) – Welchen Nutzen hat es für unser Trading?

Was ist das Put-Call-Ratio (PCR) – Welchen Nutzen hat es für unser Trading?

Put Call Ratio Beitragsbild

Das Put Call Ratio ist ein Sentimentindikator und zeigt, welche Ausrichtung bei den Marktteilnehmern überwiegt. Wie es ermittelt wird und welche Informationen sich daraus für das Trading nutzen lassen, erläutern wir in diesem Artikel.

Das Verhältnis zwischen Puts und Calls

Die an den Weltbörsen zur Verfügung stehende Produktpalette zeichnet sich durch eine hohe Bandbreite und überdurchschnittliche Liquidität aus. Vor diesem Hintergrund stehen den Börsenbetreibern valide Datenmengen zur Verfügung, die ebenfalls in Produktideen einfließen und sich für verschiedenste Statistiken nutzen lassen. So kristallisieren sich häufig einzelne Werte heraus, die auch dem privaten Trader bei der Einschätzung eines Marktes dienlich sein können.

Als Hilfsmittel zur Beurteilung der Marktstimmung hat sich die Menge der börsentäglich gehandelten Optionen bewährt. Wenn ein Trader auch selbst keine Optionen handelt, so lässt sich die Basis von Marktteilnehmern, die auf steigende sowie fallende Kurse setzen, durchaus als weitere Information für einen Trade heranziehen.

Damit sind wir auch schon bei der Idee, die hinter der als Put/Call Ratio bekannten Statistik steckt:

Aus der Summe aller am betreffenden Tag gehandelten Optionen werden die Positionen in Kauf- und Verkaufsoptionen aufgeteilt. Daraus ergibt sich dann ein Verhältnis, welches die Menge aus Puts und Calls widerspiegelt. Indem die Anzahl gehandelter Put-Optionen durch die der Call-Optionen geteilt wird, ergibt sich ein entsprechender Wert:

  • Überwiegt die Anzahl der Put-Optionen, ist das Put/Call Verhältnis größer 1
  • Sind am entsprechenden Tag mehr Call-Optionen gehandelt worden, ist das PCR kleiner 1

Wie kann das P/C Verhältnis beim Trading helfen?

Im Rückblick sehen wir, dass die Aktienmärkte langfristig ansteigen. Damit kann behauptet werden, dass ein Großteil der Marktteilnehmer sich grundsätzlich für weiter steigende Kurse positioniert. Klassisch ist dies sowohl durch den Kauf von Aktien als auch den Kauf von Call-Optionen möglich. Ebenfalls stellt der Verkauf von Put-Optionen eine Variante dar, „long“ auf einen Basiswert zu setzen.

In einem ruhigen Markt überwiegt das Volumen der Calls und es zeigen sich Werte für das P/C Verhältnis zwischen 0,5 und 0,8. Werte um 1 kennzeichnen bereits ein erhöhtes Absicherungsbedürfnis, was darauf hindeuten kann, dass sich institutionelle Anleger für den Fall einer Marktkorrektur absichern möchten. An Tagen mit starken Kursverlusten in den Indizes steigt die Nachfrage nach einer Absicherung über Puts, so dass das Verhältnis im Bereich von 1,2 bis 1,3 liegen kann.

Extremwerte können Umkehrpunkte signalisieren

Spitzenwerte über 1,5 kennzeichnen häufig das bevorstehende Ende der Korrektur. So haben die Märkte nach den letzten Spikes im Put/Call Verhältnis die Tiefpunkte der Abwärtsbewegung erreicht und sind danach in eine Erholung übergegangen. 2018 bereits vier Tage nach dem Höchstwert, 2020 dann 14 Tage später. In diesem Chart ist der S&P500 (orange) im Vergleich mit dem Verlauf des von der CBOE ermittelten Put/Call Ratios dargestellt:

Vergleich zwischen Put/Call Ratio und dem Chart des S&P500
Vergleich zwischen Put/Call Ratio und dem Chart des S&P500 – tradingview

Die Spitzenwerte lagen sowohl 2018 als auch 2020 jeweils knapp über 1,8. In solchen Situationen bietet sich an, das PCR als Kontraindikator zu nutzen und eine bullische Position im zugrundeliegenden Markt einzugehen. Für eine Tagesroutine zur Beurteilung der Marktstimmung kann ein Blick auf die Statistik der gehandelten Puts und Calls daher ein hilfreicher Bestandteil sein.

Beurteilung des steigenden oder fallenden PCR

Auch die Richtung des Put/Call Ratio indiziert die Positionierung beziehungsweise das Sentiment der Marktteilnehmer. Persönlich betrachte ich diesen Wert börsentäglich vor Handelsbeginn. So lässt sich beurteilen, ob das Verhältnis ansteigt oder fällt. Ein steigender Wert bedeutet eine wachsende bärische Markterwartung, ein fallender Wert im Umkehrschluss bullische Aussichten.

Auf diese Weise lässt sich abschätzen, ob beispielsweise die bullischen Marktteilnehmer bisher auf eine bestimmte Situation gewartet haben (News, Quartalsergebnisse, Zinssatzerhöhung, etc.) und nun ihre Erwartungen umsetzen. Hier bietet sich ein Blick auf den Intraday-Verlauf des Put/Call Ratio an, um solche Entwicklungen früher zu erkennen.

Wo gibt es die Statistiken zum Put/Call Ratio?

Auf der Webseite der CBOE wird börsentäglich das Verhältnis für die Hauptmärkte veröffentlicht. So fließen in diese Statistik das Volumen der Optionen auf den Mini-Russell 2000 Index (MRUT), den S&P100 (OEX), den S&P 500 (SPX) sowie Optionen auf Aktien, ETFs und weitere Indizes ein. Nicht zu vergessen an dieser Stelle auch die Optionen, die auf den Volatilitätsindex (VIX) gehandelt werden.

Vorteilhaft ist die Aufschlüsselung in die unterschiedlichen Märkte und Indizes auch deshalb, damit ein Trader abhängig vom anvisierten Handelsinstrument das betreffende PCR ermitteln kann. Im Beispiel unten ist auffällig, dass der Gesamtwert von 0,9 durch extrem niedrige Werte bei den Aktien (Equitiy PCR) und dem VIX unter einem Schnitt von 1 gehalten wird. Die Werte für Indizes und ETFs liegen nämlich deutlich höher.

Börsentäglicher Überblick der Put/Call Statistik auf der cboe webseite
Börsentäglicher Überblick der Put/Call Statistik – CBOE

Fallstrick beim VIX Put/Call Ratio

Beim Wert von 0,36 im PCR auf den Volatilitätsindex VIX sollte zwingend folgende Besonderheit beachtet werden: Eine steigende Volatilität bedeutet ebenfalls aufkommende Unsicherheit an den Märkten und zeugt von Besorgnis über möglicherweise fallende Kurse. Somit sind Käufer von Calls auf den VIX mit den Käufern von Puts auf den S&P500 gleichzusetzen, da der VIX aufgrund seiner negativen Korrelation zum Aktienmarkt bei einem fallenden S&P in der Regel ansteigt.

Damit stellen die vorliegenden Werte für VIX und SPX eine Normalsituation dar (Kongruenz), wohingegen ähnlich hohe/niedrige Werte in beiden Verhältnissen eine Divergenz darstellen würden. Eine solche könnte ebenfalls durch bevorstehende Ereignisse (Nachrichtenlage/Börsentermine) hervorgerufen werden und/oder auf eine Extremsituation im Markt hindeuten (Top/Bottom).

Vereinfacht gesagt entsteht eine bullische Divergenz, wenn beide Ratios ansteigen und eine bärische Divergenz, wenn beide P/C Verhältnisse fallen.

PCR im Intraday-Verlauf

Auch der Intraday-Verlauf wird dokumentiert und halbstündlich eine Momentaufnahme erstellt. An Tagen mit Terminen, die Einfluss auf die Marktlage haben können (FED-Meeting, Zinsentscheid), kann so die Reaktion der Trader auf diese Nachrichten abgeschätzt werden.

Intraday-Snapshots des Put-Call-Ratio - CBOE
Intraday-Snapshots des Put-Call-Ratio – CBOE

Das Put/Call Ratio für DAX-Optionen an der EUREX

Natürlich dürfen solche Statistiken auch für den DAX-Index nicht fehlen. An der EUREX wird ebenfalls das Verhältnis von Puts zu Calls ermittelt und für interessierte Trader bereitgestellt. Das Open Interest zeigt an, wie viele Optionskontrakte von Marktteilnehmern gehalten werden. Auch hier lohnt sich ein Blick auf den Überhang von Kauf- bzw. Verkaufsoptionen. Die aktuell auffällige Menge an Put-Optionen zeigt für diesen Markt einen starken Wunsch nach Absicherung gegen fallende Kurse.

DAX Put/Call Ratio an der EUREX
DAX Put/Call Ratio an der EUREX

Tradingview Put-Call-Ratio Live Kurse und Chart

Unter dem Kürzel PCC lässt sich das aktuelle Put/Call Ratio als Chart auf Tradingview anzeigen. Für personalisierte Analysen können hier entsprechende Indikatoren und gleitende Durchschnitte angewendet werden.

Fazit

Für eine Tagesroutine zur Beurteilung der Marktstimmung kann ein Blick auf die Statistik der gehandelten Puts und Calls ein hilfreicher Bestandteil sein. Auch das Erkennen von Extremwerten dient der Lageeinschätzung an den Märkten und bietet Unterstützung für entsprechende Positionierungen. Hier ist zu beachten, dass solche Signale dem Markt deutlich vorauseilen können, wie es 2020 der Fall war. Der S&P ist nach der PCR-Spitze noch weitere 14 Tage deutlich gefallen.

Wie bei allen Indikatoren gilt auch hier, dass das Put/Call Verhältnis eine bestehende Strategie optimieren kann. Signale sollten nicht als alleingültig betrachtet sondern durch weitere Filter -wie beispielsweise Chartmuster– bestätigt werden.

Mehr Infos zum Optionshandel

In den letzten Jahren ist das Interesse an dieser Art Trading im deutschsprachigen Raum deutlich gewachsen. Gerade Einsteiger stellen sich viele Fragen zu Funktionsweise und Möglichkeiten der Optionsstrategien. Speziell für Neueinsteiger im Optionshandel habe ich daher einen Videokurs auf den Weg gebracht, der das Trading mit diesem Finanzinstrument vom Start an verständlich aufzeigt.

Neben der umfangreichen Artikelserie im Kagels-Trading Blog und einer Reihe von Webinaren auf dem YouTube-Kanal von Kagels-Trading bildet dieser Videokurs eine solide Grundlage für den Einstieg in den Handel mit Optionen:

Weiterlesen – Die Artikelreihe „Optionen handeln“

Folgende Teile dieser Serie sind bereits erschienen:

Schreibe einen Kommentar