Wer wissen will, wie die Mehrheit der Marktteilnehmer positioniert ist, braucht keine Umfrage. Ein Blick auf die gehandelten Optionen genügt. Das Put-Call-Ratio setzt die Zahl der gehandelten Put-Optionen ins Verhältnis zu den Call-Optionen und macht damit sichtbar, ob Absicherung oder Zuversicht überwiegt.
In diesem Guide zeige ich dir, wie das PCR berechnet und interpretiert wird, welche Schwellenwerte in der Praxis eine Rolle spielen und wo du die Daten kostenlos findest: bei der Cboe, an der Eurex und auf TradingView. Ich selbst schaue mir den Wert börsentäglich vor Handelsbeginn an. Warum sich diese Routine lohnt und wo ihre Grenzen liegen, liest du hier. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Put-Call-Ratio: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Definition: Das Put-Call-Ratio (PCR) teilt das Volumen gehandelter Puts durch das Volumen gehandelter Calls. Ein Wert über 1 bedeutet mehr Puts, ein Wert unter 1 mehr Calls.
- Normalbereich: In ruhigen Marktphasen liegt das Equity-PCR meist zwischen 0,5 und 0,8, weil die meisten Anleger auf steigende Kurse setzen.
- Kontraindikator: Extremwerte über 1,2 zeigen starke Angst. Spitzen über 1,5 traten zum Beispiel 2018 und 2020 nahe der Markttiefs auf und leiteten Erholungen ein.
- Datenquellen: Die Cboe veröffentlicht die Werte börsentäglich, die Eurex liefert die DAX-Zahlen, auf TradingView läuft das PCR als Chart unter dem Kürzel PCC.
Was ist das Put-Call-Ratio (PCR)?
Das Put-Call-Ratio (PCR) ist eine Sentiment-Kennzahl aus dem Optionshandel. Sie setzt das Handelsvolumen von Put-Optionen ins Verhältnis zum Handelsvolumen von Call-Optionen und misst so die Stimmung der Marktteilnehmer.
Hinter der Kennzahl steckt eine einfache Logik. Puts, also Verkaufsoptionen, kaufen Anleger vor allem zur Absicherung gegen fallende Kurse. Calls, also Kaufoptionen, sind Wetten auf steigende Notierungen. Verschiebt sich das Verhältnis, verschiebt sich die Stimmung.
Der Charme des PCR: Es basiert nicht auf Meinungen, sondern auf echtem Geld in echten Positionen. Die Börsenbetreiber zählen jede gehandelte Option mit. Deshalb nutzen auch Trader die Kennzahl, die selbst gar keine Optionen handeln, etwa im Futures- oder CFD-Handel.
Das Verhältnis zwischen Puts und Calls
Aus allen am Handelstag gehandelten Optionen ergibt sich ein einfaches Verhältnis: die Zahl der Put-Kontrakte geteilt durch die Zahl der Call-Kontrakte. Zwei Fälle sind möglich:
- PCR größer 1: Es wurden mehr Puts als Calls gehandelt. Die Absicherung dominiert.
- PCR kleiner 1: Es wurden mehr Calls gehandelt. Die Zuversicht überwiegt.
Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust
Kompakt erklärt, mit Praxisbeispielen und klaren Einstiegssignalen. kostenlos als PDF.

Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.
Wie wird das Put-Call-Ratio berechnet?
Berechnet wird das Put-Call-Ratio, indem das gehandelte Put-Volumen durch das gehandelte Call-Volumen dividiert wird. Ein Wert über 1 bedeutet, dass mehr Puts als Calls gehandelt wurden.
Die Formel ist bewusst simpel: PCR = Put-Volumen ÷ Call-Volumen. Ein Rechenbeispiel: Werden an einem Tag 800.000 Puts und 1.000.000 Calls auf einen Index gehandelt, ergibt sich ein PCR von 0,8. Der Markt ist leicht bullisch gestimmt, ohne Auffälligkeit.
Volumen-PCR oder Open-Interest-PCR?
Das Open-Interest-PCR verwendet statt des Tagesvolumens die offenen Kontrakte (Open Interest). Es zeigt die längerfristige Positionierung der Marktteilnehmer statt der Tagesaktivität.
In der Praxis begegnen dir zwei Varianten der Kennzahl. Das Volumen-PCR misst die Aktivität eines einzelnen Handelstages und reagiert schnell auf Nachrichten. Das Open-Interest-PCR zählt alle offenen Kontrakte, also Open Interest, und verändert sich träger. Für die tägliche Stimmungsmessung nutze ich das Volumen-PCR, für die Frage nach der strategischen Positionierung lohnt der Blick auf das Open Interest.
Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu: Seit dem Boom der 0DTE-Optionen, also Optionen mit Restlaufzeit von null Tagen, ist das Tagesvolumen strukturell verzerrt. Kurzfristige Zocker-Trades blähen beide Seiten auf. Die Extremwerte von früher sind mit heutigen Werten nur noch eingeschränkt vergleichbar.
Put-Call-Ratio interpretieren: die Schwellenwerte
Als grobe Faustregel gilt beim Total-PCR: Werte unter 0,8 signalisieren bullisches Sentiment, Werte über 1,2 bärisches Sentiment. Dazwischen ist der Markt neutral.
Feste Grenzen gibt es nicht, aber die Praxis hat bewährte Zonen herausgebildet. Diese Übersicht bezieht sich auf das Total-PCR der Cboe:
| PCR-Wert | Marktstimmung | Lesart für Trader |
|---|---|---|
| unter 0,7 | ausgeprägt bullisch | Sorglosigkeit, Vorsicht vor Überhitzung |
| 0,7–1,0 | neutral bis leicht bullisch | Normalzustand, kein Signal |
| 1,0–1,2 | erhöhtes Absicherungsbedürfnis | Institutionelle hedgen, Markt nervös |
| über 1,2 | ausgeprägt bärisch | Angst dominiert, Kontra-Signal möglich |
| über 1,5 | Extremwert / Panik | historisch oft nahe am Markttief |
Wichtig ist der Blick auf die richtige Teilstatistik. Die Cboe weist neben dem Gesamtwert auch das Equity-PCR (nur Aktienoptionen) und das Index-PCR getrennt aus. Beide ticken unterschiedlich.
Das Equity-Put-Call-Ratio umfasst nur Aktienoptionen und liegt typischerweise zwischen 0,5 und 0,8, weil Privatanleger überwiegend Calls handeln.
Das Index-Put-Call-Ratio liegt strukturell höher, oft nahe oder über 1,0, weil institutionelle Anleger Index-Puts zur Absicherung ihrer Portfolios kaufen.
Ein aktuelles Beispiel von Mitte Juli 2026: Die Cboe meldete ein Total-PCR von 0,97, ein Equity-PCR von 0,73 und ein Index-PCR von 0,98. Genau das beschriebene Muster: Aktienanleger kaufen Calls, Institutionelle sichern über Index-Puts ab. Wer die drei Werte verwechselt, liest falsche Signale aus der Statistik.
Wie kann das Put-Call-Ratio beim Trading helfen?
Im Rückblick steigen die Aktienmärkte langfristig an. Ein Großteil der Marktteilnehmer positioniert sich deshalb für steigende Kurse: über den Kauf von Aktien, den Kauf von Call-Optionen oder den Verkauf von Put-Optionen. Der Normalzustand ist also ein PCR unter 1.
Das PCR ergänzt die Basis. Was Calls und Puts überhaupt sind, erklärt der Guide Optionen handeln für Einsteiger.
In ruhigen Phasen pendelt das Verhältnis zwischen 0,5 und 0,8. Werte um 1 kennzeichnen ein erhöhtes Absicherungsbedürfnis der institutionellen Anleger. An Tagen mit starken Kursverlusten steigt die Nachfrage nach Puts sprunghaft, dann sind Werte von 1,2 bis 1,3 keine Seltenheit.
Extremwerte können Umkehrpunkte signalisieren
Als Kontraindikator wird das Put-Call-Ratio gelesen, weil extreme Angst mit sehr hohem PCR häufig nahe an Markttiefs auftritt. Extremer Optimismus mit sehr niedrigem PCR zeigt sich dagegen oft nahe an Markthochs.
Spitzenwerte über 1,5 markierten in der Vergangenheit häufig das nahende Ende einer Korrektur. Die Spikes von 2018 und 2020 lagen jeweils knapp über 1,8. Danach drehten die Märkte nach oben: 2018 bereits vier Tage nach dem Höchstwert, 2020 erst 14 Tage später. Der Abstand zeigt schon die Grenze des Signals: Das PCR eilt dem Markt voraus, ein Timing-Instrument ist es nicht.
Interessant ist auch das Bärenjahr 2022: Nach dem Spike des Put/Call Ratios bei 1,94 bildete der Kurs eine Aufwärtstrendstruktur aus. Die nächste Korrektur im Oktober 2023 wurde ebenfalls mit einem Ausbruch über 1,6 im Put-Call-Verhältnis beendet.

In solchen Situationen bietet es sich an, das PCR als Kontraindikator zu nutzen und eine bullische Position im zugrunde liegenden Markt zu prüfen. Nicht als Alleinsignal, sondern als Baustein einer Tagesroutine zur Marktbeurteilung. Noch klarer wird das Bild in Kombination mit Volatilitätsmaßen wie der Standardabweichung aus den Optionspreisen.
Beurteilung des steigenden oder fallenden PCR
Auch die Richtung der Veränderung trägt Information. Ich betrachte den Wert börsentäglich vor Handelsbeginn. Ein steigendes Verhältnis bedeutet wachsende bärische Markterwartung, ein fallendes zeigt zunehmende Zuversicht.
So lässt sich abschätzen, ob Marktteilnehmer auf ein bestimmtes Ereignis gewartet haben und nun ihre Erwartungen umsetzen: Quartalszahlen, Notenbanktermine, geopolitische Nachrichten. Für die Feinbeobachtung lohnt der Blick auf den Intraday-Verlauf, dazu gleich mehr.
Wo gibt es die Statistiken zum Put/Call Ratio?
Die wichtigste Quelle ist die Website der Cboe, der größten Optionsbörse der USA. Dort erscheint börsentäglich die aktuelle Statistik für die Hauptmärkte: Optionen auf den S&P 500 (SPX), den S&P 100 (OEX), den Mini-Russell 2000, dazu Aktien, ETFs und der Volatilitätsindex VIX. Hintergründe zur Börse selbst findest du in unserem Artikel zur Cboe.
Die Aufschlüsselung nach Märkten ist der eigentliche Mehrwert der Übersicht. Je nach gehandeltem Instrument ziehst du das passende Teil-Ratio heran, statt dich auf den Gesamtwert zu verlassen.

Fallstrick beim VIX Put/Call Ratio
Beim PCR auf den Volatilitätsindex VIX ist Vorsicht geboten. Der VIX steigt in der Regel, wenn der S&P 500 fällt. Käufer von VIX-Calls sind deshalb wirtschaftlich mit Käufern von SPX-Puts gleichzusetzen. Ein niedriges VIX-PCR ist also kein bullisches Signal, sondern Ausdruck von Absicherung.
Niedrige Werte im VIX-Ratio bei gleichzeitig niedrigem SPX-Ratio stellen die Normalsituation dar, eine Kongruenz. Laufen beide Verhältnisse dagegen in dieselbe Richtung auf ähnliche Niveaus, entsteht eine Divergenz. Die kann auf anstehende Ereignisse oder eine Extremsituation im Markt hindeuten. Vereinfacht: Steigen beide Ratios, ist die Divergenz bullisch zu werten. Fallen beide, bärisch.
Put-Call-Ratio im Intraday-Verlauf
Die Cboe dokumentiert auch den Intraday-Verlauf und erstellt halbstündlich eine Momentaufnahme. An Tagen mit marktbewegenden Terminen wie dem Fed-Zinsentscheid lässt sich so die Reaktion der Optionshändler fast in Echtzeit ablesen.

Das Put/Call Ratio für DAX-Optionen an der EUREX
Für den deutschen Markt liefert die Eurex die Statistik zu den DAX-Optionen, inklusive Open-Interest-Daten. Auch hier lohnt der Blick auf den Überhang: Eine auffällig große Menge an Put-Kontrakten zeigt einen starken Wunsch nach Absicherung gegen fallende DAX-Kurse. Was an der Eurex sonst noch gehandelt wird, haben wir separat beschrieben. Die tagesaktuelle Markteinschätzung findest du in unserer DAX-Prognose.

TradingView: Put-Call-Ratio als Live-Chart
Unter dem Kürzel PCC läuft das Cboe-Total-PCR als Chart auf TradingView. Der Vorteil gegenüber der Tabellenansicht: Du kannst gleitende Durchschnitte und andere Indikatoren auf die Kennzahl legen und Extremwerte im historischen Vergleich einordnen. Wie du die Plattform generell einrichtest, zeigt unser TradingView-Guide.
Put-Call-Ratio für Bitcoin und Krypto
Auch im Kryptomarkt existiert die Kennzahl. Den Großteil des Bitcoin-Optionshandels wickelt die Börse Deribit ab, die ein eigenes Put-Call-Ratio für Bitcoin und Ether ausweist. Die Interpretation folgt derselben Logik wie am Aktienmarkt. Beachte aber: Der Markt ist jünger, die Datenhistorie kürzer und die Aussagekraft von Extremwerten entsprechend geringer.
Fazit zum Put-Call-Ratio (PCR)
Das Put-Call-Ratio gehört für mich in die tägliche Morgenroutine. Es kostet nichts, ist in einer Minute erfasst und zeigt, ob Absicherung oder Zuversicht den Optionsmarkt dominiert. Besonders wertvoll sind die Extremwerte: Spitzen über 1,5 haben Markttiefs in der Vergangenheit zuverlässig eingekreist.
Die Grenzen gehören genauso auf den Tisch. Die Signale können dem Markt deutlich vorauseilen, 2020 fiel der S&P 500 nach der PCR-Spitze noch 14 Tage weiter. Und seit dem 0DTE-Boom sind historische Vergleichswerte nur eingeschränkt belastbar. Das PCR ersetzt keine Strategie. Es optimiert eine bestehende, wenn du seine Signale durch weitere Filter wie Chartmuster oder Volumenanalyse bestätigen lässt.
Häufige Fragen zum Put-Call-Ratio (PCR)
Was ist ein gutes Put-Call-Ratio?
Einen idealen Wert gibt es nicht, nur Zonen mit Aussagekraft. Werte unter 0,8 gelten beim Total-PCR als bullisch, Werte über 1,2 als bärisch. Entscheidend ist der Vergleich mit dem historischen Normalbereich des jeweiligen Marktes, nicht die absolute Zahl.
Was bedeutet ein Put-Call-Ratio von 1,25?
Ein PCR von 1,25 bedeutet, dass 25 Prozent mehr Puts als Calls gehandelt wurden. Das zeigt ein deutlich erhöhtes Absicherungsbedürfnis und bärische Stimmung. Kontraorientierte Trader werten solche Werte als Hinweis, dass die Angst bereits weit fortgeschritten ist und eine Gegenbewegung näher rückt.
Wie wird die Put-Call-Ratio berechnet?
Die Formel lautet: Put-Volumen geteilt durch Call-Volumen. Werden etwa 800.000 Puts und 1.000.000 Calls gehandelt, ergibt sich ein PCR von 0,8. Ein Ergebnis über 1 heißt: mehr Puts als Calls.
Was ist der Unterschied zwischen Volumen-PCR und Open-Interest-PCR?
Das Volumen-PCR zählt nur die an einem Tag gehandelten Kontrakte und misst die kurzfristige Stimmung. Das Open-Interest-PCR setzt alle offenen Put-Kontrakte ins Verhältnis zu den offenen Call-Kontrakten und zeigt die längerfristige Positionierung der Marktteilnehmer.
Wie oft wird die Put-Call-Ratio aktualisiert?
Die Cboe veröffentlicht die Tageswerte börsentäglich und erstellt zusätzlich halbstündliche Intraday-Snapshots. Auf TradingView läuft das Total-PCR unter dem Kürzel PCC fortlaufend als Chart.
Was ist besser: Put-Call-Ratio oder VIX?
Beide messen Marktangst, aber unterschiedlich: Das PCR zählt reale Handelsaktivität, der VIX misst die implizite Volatilität der Optionspreise. In der Praxis ergänzen sie sich. Wer breiter auf das Sentiment schauen will, kann zusätzlich den Fear and Greed Index, das EUWAX Sentiment für deutsche Privatanleger oder den VDAX-NEW heranziehen.
Die Artikelreihe „Optionen handeln“
Folgende Teile dieser Serie sind bereits erschienen:
- #01 – Optionen handeln – Der erfolgreiche Einstieg
- #02 – Der Long Call
- #03 – Der Long Put
- #04 – Der Short Call
- #05 – Der Short Put
- #06 – Die Standardabweichung
- #07 – Implizite Volatilität und das IVR
- #08 – Optionsuniversum – Vorstellung der GuV Software
- #09 – Jens Rabe – Portrait des Optionshändlers
- #10 – Tastytrade – Der US-Broker für Optionen, Aktien, Futures
- #11 – Optionsstrategien
- #12 – Trader Workstation (TWS) – Optionen handeln
- #13 – Das Put/Call Ratio (Dieser Artikel)
Folge der Serie gern weiter. Ich freue mich auf deine Fragen, Anregungen und konstruktive Kritik.
Über den Autor: Christian Möhrer
Christian Möhrer ist technischer Analyst und Options-Trader im Team von Kagels Trading. Er verantwortet neben den regelmäßigen Kursprognosen für Rohstoffe, Indizes und Devisen auch den Optionsbereich der Seite.
Als Options-Trader seit 2014 verbindet Christian klassische Chartanalyse mit einem zahlenorientierten, nüchternen Blick auf die Märkte. Neben seinen täglichen Analysen betreibt er einen Videokurs zum Optionshandel und stellt Handelssignale bereit.
Das Put-Call-Ratio gehört für Christian zur täglichen Marktvorbereitung. Für dieses Update hat er die aktuellen Ratio-Werte direkt bei der Cboe verifiziert und die DAX-Daten an der Eurex geprüft. Seine Einordnung: Das PCR ist ein kostenloser Stimmungsanzeiger mit echtem Mehrwert, aber ein Baustein, kein Handelssystem.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.




