Am 4. September 2026 wurde um 14:30 Uhr der US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht, der wichtigste Termin des Monats. Der DAX schwankte in den folgenden fünf Minuten um 91,9 Punkte und stand am Ende dieser fünf Minuten 17,5 Punkte tiefer als davor. Wer auf den Ausschlag gesetzt hatte, wurde in beide Richtungen ausgestoppt, bevor überhaupt eine Richtung feststand.
Genau darum geht es beim News-Trading, und genau das steht in den meisten Artikeln zum Thema nicht. Ich habe deshalb für diesen Text 60 Handelstage in Fünf-Minuten-Kerzen ausgewertet und nachgerechnet, wie stark sich EUR/USD und der DAX nach den großen Terminen wirklich bewegen, wie lange das hält und wie oft die erste Bewegung wieder dreht. Danach folgen die gängigen Strategien, die Werkzeuge und die Regeln, die du bei Prop-Firmen beachten musst. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
News-Trading: das Wichtigste in 30 Sekunden
Die wichtigsten Zahlen und Regeln aus diesem Artikel, alle selbst gemessen oder aus Primärquellen belegt:
- Die Reaktion ist real, aber kleiner als ihr Ruf: Die Fünf-Minuten-Kerze um 14:30 Uhr war an den drei Arbeitsmarkt-Terminen im Messzeitraum im Mittel 4,5-mal so groß wie an normalen Tagen (12,0 statt 2,7 Pips in EUR/USD).
- Die erste Kerze sagt nichts über den Tag: Am 2. Juli stand EUR/USD nach fünf Minuten 31,4 Pips höher und am Abend nur noch 19,6. Am 4. September waren es nach fünf Minuten 4,0 Pips und am Abend 22,9 Pips.
- Die berühmten 100 Pips sind selten: Nur an 3 von 60 Handelstagen überstieg die gesamte Tagesspanne in EUR/USD 100 Pips. Die größte gemessene Fünf-Minuten-Reaktion lag bei 31,4 Pips.
- Der Nachrichtenmoment erklärt nur einen Bruchteil: Die erste Kerze nach dem Arbeitsmarktbericht machte 15 bis 33 Prozent der Tagesspanne aus. Der Rest entstand über den Tag verteilt.
- Quartalszahlen kommen vor dem Xetra-Kernhandel: Der beginnt erst um 9:00 Uhr. Über den Erweiterten Xetra Retail Service kannst du aber schon ab 8:00 Uhr handeln, an der Börse Frankfurt ebenfalls.
- Prop-Firmen regeln das unterschiedlich: The5ers, FundingPips und My Funded Futures erlauben News-Trading ausdrücklich, FTMO und E8 Markets schränken es ein. Wer das übersieht, verliert das Konto trotz Gewinn.
- Slippage ist der eigentliche Kostenblock: In genau dem Moment, in dem sich der Kurs am schnellsten bewegt, ist der Spread am breitesten und die Ausführung am unzuverlässigsten.
Was ist News-Trading?
News-Trading ist eine kurzfristige Handelsstrategie, bei der du Positionen rund um die Veröffentlichung terminierter Wirtschaftsdaten oder Unternehmensmeldungen eröffnest und meist innerhalb von Minuten bis Stunden wieder schließt.
Der entscheidende Unterschied zu anderen Ansätzen liegt im Auslöser. Ein Trendfolger wartet auf ein Kursmuster, ein News-Trader wartet auf einen Termin. Dieser Termin steht Wochen vorher fest, und genau das macht den Ansatz planbar: Du weißt am Montag, was am Freitag um 14:30 Uhr passiert. Welche Rolle die dahinterliegenden Daten spielen, erklärt der Überblick zur Fundamentalanalyse.
Was du nicht weißt, ist die Richtung. Entscheidend ist nie die Zahl selbst, sondern ihre Abweichung von der Erwartung. Ein Arbeitsmarktbericht mit 150.000 neuen Stellen ist gut, wenn 100.000 erwartet wurden, und schlecht, wenn 200.000 erwartet wurden. Der Markt handelt die Überraschung, nicht die Nachricht.
Dahinter steht eine alte Idee der Finanzmarkttheorie. Die Random-Walk-Theorie besagt, dass Kursänderungen zufällig sind, weil neue Informationen zufällig eintreffen. Wer News-Trading betreibt, wettet nicht gegen diese Annahme, sondern nutzt den einen Moment, in dem der Zeitpunkt der Information bekannt ist. Die Information selbst bleibt unbekannt.
Für den Einstieg brauchst du dabei andere Ordertypen als sonst. Eine einfache Market-Order ist in diesen Sekunden riskant, weil der Ausführungspreis stark vom gesehenen Kurs abweichen kann. Welche Varianten es gibt und wann welche passt, steht im Guide zu den Ordertypen. News-Trading ist außerdem der einzige der gängigen Ansätze, der fundamentale Daten in den Mittelpunkt stellt; den Vergleich aller sieben findest du in unserer Strategie-Übersicht.
Wie stark bewegt sich der Markt wirklich?
Über die Wucht von Nachrichten wird viel geschrieben und wenig gerechnet. Ich habe deshalb 60 Handelstage vom 26. Juni bis 17. September 2026 in Fünf-Minuten-Kerzen ausgewertet, für EUR/USD und den DAX. Gemessen habe ich die Kerze, die um 14:30 Uhr deutscher Zeit beginnt, also den Moment, in dem die wichtigsten US-Daten erscheinen. In den Zeitraum fielen drei Arbeitsmarktberichte: der 2. Juli, der 7. August und der 4. September 2026.
Das Ergebnis bestätigt die Grundannahme und relativiert sie im selben Atemzug. Die Kerze um 14:30 Uhr war an den drei Terminen im Mittel 4,5-mal so groß wie an normalen Tagen, in EUR/USD 12,0 statt 2,7 Pips. Im DAX lag der Faktor bei 2,9, 56,8 statt 19,7 Punkte. Die Reaktion ist also messbar und deutlich.
Nur streut sie so stark, dass der Mittelwert wenig taugt. Die drei Erstreaktionen lagen bei 31,4, 12,0 und 6,7 Pips. Der schwächste Arbeitsmarkt-Termin löste damit weniger aus als sechs gewöhnliche Handelstage im selben Zeitraum. Der größte Ausschlag eines Nicht-Termintages lag bei 20,2 Pips und damit über zwei der drei Berichte.
Was nach den ersten fünf Minuten passiert
Die praktisch wichtigere Frage ist nicht, wie weit der Kurs springt, sondern ob er dort bleibt. Dafür habe ich denselben Kurs nach 5, 15, 30 und 60 Minuten sowie zum Tagesende abgelesen, jeweils als Abstand zum Eröffnungskurs der 14:30-Kerze in Pips.
| Termin | 5 Min | 60 Min | Abends |
|---|---|---|---|
| 2. Juli 2026 | +31,4 | +31,4 | +19,6 |
| 7. Aug. 2026 | +8,0 | +6,7 | −2,7 |
| 4. Sep. 2026 | +4,0 | +24,2 | +22,9 |
Aus diesen drei Zeilen folgt die wichtigste Lehre des ganzen Artikels. Die Reihenfolge nach fünf Minuten hatte mit der Reihenfolge am Abend nichts zu tun. Am 2. Juli stand EUR/USD um 14:45 Uhr 53,7 Pips höher, bis zum Handelsschluss waren davon fast zwei Drittel wieder weg. Der Termin mit der schwächsten Erstreaktion, der 4. September, legte in der ersten Stunde auf plus 24,2 Pips zu und endete mit dem größten Tagesgewinn. Am 7. August lag der Kurs zwischenzeitlich 14,7 Pips im Plus und schloss den Tag unter dem Stand von 14:30 Uhr. Die Grafik darunter zeigt alle drei Verläufe im Fünf-Minuten-Takt bis 22 Uhr.

Die erste Kerze ist damit kein Signal, sondern nur Lärm mit hoher Lautstärke. Sie machte an den drei Terminen zwischen 15 und 33 Prozent der gesamten Tagesspanne aus. Der weitaus größere Teil der Bewegung entstand danach, als der Markt die Zahl eingeordnet hatte. Wer die Schwankung im Zeitverlauf systematisch betrachtet, findet die Grundlagen im Artikel zu den Trading-Zeiteinheiten.
Die verbreitete 100-Pips-Behauptung
In vielen Texten steht, Bewegungen von 100 Pips seien beim News-Trading keine Seltenheit. Diese Zahl stand jahrelang auch in diesem Artikel hier. Gemessen über die 60 Handelstage stimmt sie nicht: Die gesamte Tagesspanne in EUR/USD überstieg nur an 3 von 60 Tagen die Marke von 100 Pips, der Median lag bei 42 Pips. Für eine einzelne Fünf-Minuten-Reaktion war der Höchstwert 31,4 Pips.
Ich habe die Aussage deshalb aus diesem Artikel entfernt. Sie war nicht frei erfunden, sondern beschreibt Ausnahmetage wie eine überraschende Zinsentscheidung oder eine Notenbank-Pressekonferenz. Als Erwartungswert für einen gewöhnlichen Datentermin ist sie irreführend, und sie führt Einsteiger zu Positionsgrößen, die zu dieser Erwartung passen und nicht zur Realität. Wie du die richtige Größe berechnest, steht im Artikel zur Positionsgröße.
Eine Einschränkung gehört dazu. Drei Termine sind eine kleine Stichprobe, und ein Quartal ist ein kurzer Zeitraum. Die Zahlen belegen, wie sich diese drei Berichte verhalten haben, nicht wie sich jeder künftige verhalten wird. Sie reichen aber, um die Behauptung „große Bewegung garantiert“ zu widerlegen. Datengrundlage: Yahoo Finance, Fünf-Minuten-Kerzen, Zeitraum 26.06. bis 17.09.2026.
Welche News-Trading-Strategien gibt es?
In der Praxis haben sich vier Herangehensweisen herausgebildet, und sie unterscheiden sich vor allem in einem Punkt: wann du im Markt bist. Vorher, direkt danach oder erst, wenn sich die erste Aufregung gelegt hat. Jede hat einen Preis, und der wird selten mitgenannt.
1. Pre-News: vor der Veröffentlichung positionieren
Du eröffnest die Position, bevor die Zahl da ist, und setzt auf eine Richtung. Der Reiz liegt im Einstiegskurs: Du bekommst ihn noch zu normalen Spreads. Der Preis ist, dass du die Zahl nicht kennst und bei einer Überraschung in Sekunden im Minus stehst. Ein Stop-Loss schützt dabei nur bedingt, weil er in genau diesem Moment schlechter ausgeführt wird, als er gesetzt ist. Diese Abweichung heißt Slippage und ist hier kein Randthema, sondern der Hauptkostenfaktor.
2. Post-News: nach der Veröffentlichung einsteigen
Du wartest den ersten Ausschlag ab und steigst ein, wenn die Richtung erkennbar ist. Du verzichtest damit auf den ersten Sprung und bekommst dafür Information statt Vermutung. Meine Messung stützt diesen Weg deutlicher als den ersten: Am 4. September brachte die erste Kerze nur 4,0 Pips, der Tag am Ende 22,9. Wer erst um 14:35 Uhr einstieg, verpasste rund ein Sechstel der Bewegung und handelte den Rest zu wieder normalen Spreads.
3. Straddle: beide Richtungen gleichzeitig abdecken
Du legst ober- und unterhalb des Kurses je eine Stop-Buy- und eine Stop-Sell-Order. Springt der Kurs, wird eine davon ausgelöst, die andere wird gestrichen. Das klingt nach einer Lösung für das Richtungsproblem und hat eine klare Schwachstelle: Bewegt sich der Kurs erst hoch und dann runter, werden beide Orders ausgelöst und beide laufen ins Minus. Genau das ist am 4. September im DAX passiert, als die Spanne 91,9 Punkte betrug und die Nettobewegung minus 17,5 Punkte. Viele Broker schränken diese Technik rund um Termine außerdem ein.
4. Fade: gegen die erste Übertreibung handeln
Du setzt darauf, dass die erste Reaktion zu weit ging und ein Teil davon zurückkommt. Auch dafür liefert die Messung ein Beispiel: Von der Spitze am 2. Juli waren am Abend fast zwei Drittel wieder verschwunden. Der Haken ist, dass sich eine Übertreibung erst im Rückblick als solche erkennen lässt. Am 4. September wäre dieselbe Annahme falsch gewesen, dort lief die Bewegung den ganzen Tag weiter. Dies ist die Variante mit dem höchsten Erfahrungsbedarf.
Keine dieser vier Varianten ist für Einsteiger geeignet, und ich halte es für unredlich, das anders darzustellen. Alle vier verlangen, dass du unter Zeitdruck eine Entscheidung triffst, während Spread und Ausführung gerade am schlechtesten sind. Wer anfängt, übt das zuerst ohne Geld, und zwar mit einem festen Trading-Plan, der die Größe und den Ausstieg vorher festlegt.
Vorteile des News-Tradings
Der größte Vorzug des Ansatzes ist seine Planbarkeit, und die unterscheidet ihn von fast jeder anderen Strategie. Du wartest nicht darauf, dass sich ein Kursmuster bildet, sondern kennst den Zeitpunkt Wochen im Voraus. Das hat für Berufstätige einen praktischen Wert: Du musst nicht den ganzen Tag am Bildschirm sitzen, sondern zu wenigen festen Terminen.
Was für den Nachrichtenhandel spricht
- Termine stehen fest. Arbeitsmarktdaten, Inflationszahlen und Zinsentscheide sind Monate im Voraus bekannt und lassen sich um Beruf und Alltag herum planen.
- Kurze Haltedauer. Die meisten Positionen werden innerhalb von Minuten bis Stunden geschlossen. Es gibt keine Übernachtrisiken und keine Finanzierungskosten.
- Messbar erhöhte Bewegung. Die Fünf-Minuten-Kerze um 14:30 Uhr war an Arbeitsmarkt-Terminen im Mittel 4,5-mal so groß wie sonst, im DAX 2,9-mal.
- Wenige Termine genügen. Du brauchst keine Dutzend Setups pro Woche. Zwei bis drei große Termine im Monat reichen für einen vollständigen Handelsplan.
- Klarer Auslöser. Anders als bei Musterinterpretationen gibt es einen objektiven Startpunkt, über den sich nicht streiten lässt.
Ein zweiter Punkt wird selten genannt und ist für die Ausbildung wertvoll. Weil der Auslöser objektiv ist, lässt sich im Nachhinein sauber auswerten, ob die eigene Erwartung stimmte. Bei einem Chartmuster streitet man darüber, ob es überhaupt eines war. Bei einer Zahl, die um 14:30 Uhr erschienen ist, nicht.
Nachteile des News-Tradings
Die Schwächen des Ansatzes liegen alle in demselben Moment, in dem auch seine Chance liegt. Genau dann, wenn sich der Kurs am schnellsten bewegt, sind Spread und Ausführung am schlechtesten. Das ist kein Broker-Problem, sondern eine Eigenschaft des Marktes: In der Sekunde nach der Veröffentlichung will niemand eine feste Preiszusage geben.
Was gegen den Nachrichtenhandel spricht
- Slippage genau im falschen Moment. Dein Stop-Loss wird zu einem schlechteren Kurs ausgeführt als gesetzt. Der geplante Verlust ist die Untergrenze, nicht der Endwert.
- Der Spread weitet sich aus. In den Sekunden um die Veröffentlichung kostet ein Ein- und Ausstieg ein Vielfaches des normalen Satzes.
- Die erste Bewegung ist kein Signal. Sie machte in der Messung nur 15 bis 33 Prozent der Tagesspanne aus und war in einem von drei Fällen bis zum Abend vollständig wieder abgegeben.
- Die Streuung ist enorm. Zwischen 6,7 und 31,4 Pips Erstreaktion liegt der Faktor 4,7. Eine verlässliche Erwartung für die Positionsgröße gibt es nicht.
- Prop-Firmen schränken es ein. Mehrere große Anbieter verbieten oder begrenzen Trades um Nachrichtentermine. Ein Verstoß kostet das Konto.
- Hoher Zeitdruck. Die Entscheidung fällt in Sekunden. Wer zögert oder nachrechnet, handelt einen Kurs, den es nicht mehr gibt.
Der wichtigste Punkt steht nicht in dieser Liste, weil er keine Eigenschaft der Strategie ist, sondern eine des Handelnden. News-Trading verlangt, eine vorher festgelegte Regel in einem Moment einzuhalten, in dem alles zum Abweichen einlädt. In meinen Seminaren ist genau das der Punkt, an dem die meisten scheitern: nicht an der Analyse, sondern daran, den eigenen Plan drei Sekunden nach der Veröffentlichung noch zu befolgen. Wie schnell dabei Kosten entstehen, zeigt der Artikel zum Bid-Ask-Spread.
Welche Nachrichten sind für einen News-Trader interessant?
Nicht jede Meldung bewegt den Markt, und die meisten bewegen ihn gar nicht. Entscheidend ist, ob eine Zahl terminiert ist und ob es zu ihr eine Konsensprognose gibt. Nur dann kann es eine Überraschung geben, und nur die Überraschung wird gehandelt.
Die Termine mit der größten Wirkung
An der Spitze stehen die Notenbanken und der US-Arbeitsmarkt. Ein Fed-Zinsentscheid bewegt praktisch jeden Markt, weil er den Preis des Geldes für die größte Volkswirtschaft festlegt. Der US-Arbeitsmarktbericht erscheint am ersten Freitag des Monats um 14:30 Uhr deutscher Zeit und ist der Termin, an dem ich oben gemessen habe.
Vor Notenbanksitzungen lohnt ein Blick darauf, was der Markt bereits erwartet. Das CME Fed Watch Tool zeigt die eingepreisten Wahrscheinlichkeiten. Liegt eine Entscheidung bei über 90 Prozent, ist sie im Kurs enthalten, und die Reaktion fällt meist kleiner aus als erwartet. Das ist einer der wenigen Fälle, in denen sich die Wucht einer Nachricht vorher abschätzen lässt.
| Termin | Zeit (MEZ) | Wirkung |
|---|---|---|
| Fed-Zinsentscheid | 20:00 | sehr hoch, alle Märkte |
| US-Arbeitsmarkt | 14:30 | sehr hoch, Forex und Indizes |
| US-Inflation | 14:30 | hoch, zinssensible Werte |
| EZB-Zinsentscheid | 14:15 | hoch, Euro und DAX |
| ifo-Index | 10:30 | mittel, deutsche Werte |
Für den deutschen Markt ist der ifo-Geschäftsklimaindex der wichtigste monatliche Termin. Er erscheint um 10:30 Uhr und damit mitten im Xetra-Handel, anders als die US-Daten am Nachmittag. Die Termine der übrigen deutschen Wirtschaftsdaten stehen in der Wochenvorschau des Statistischen Bundesamtes, die Veröffentlichungstermine der Geldmengen- und Bankenstatistik im Kalender der Deutschen Bundesbank.
Unternehmensmeldungen
Bei Einzelaktien verschiebt sich das Bild von der Makroebene auf das Unternehmen. Hier bewegt vor allem, was von der Erwartung abweicht oder gar nicht erwartet wurde:
- Quartalszahlen, die deutlich über oder unter dem Konsens liegen
- Prognoseanpassungen für Umsatz und Gewinn, nach oben wie nach unten
- Übernahmeangebote und der Einstieg oder Ausstieg eines Großaktionärs
- Aktienrückkäufe, Sonderdividenden oder die Streichung der Dividende
- Ad-hoc-Meldungen, die ein Unternehmen rechtlich verpflichtet sofort veröffentlichen muss
Welche dieser Termine für dich relevant sind, hängt davon ab, was du handelst. Wer Devisen handelt, braucht den Notenbankkalender und ignoriert Quartalszahlen. Wer deutsche Aktien handelt, braucht die Unternehmenstermine und den ifo-Index. Beides zusammen findest du im Wirtschaftskalender, der das wichtigste Werkzeug dieser Strategie ist.
Quartalszahlen handeln: der deutsche Handelstag
Deutsche Unternehmen veröffentlichen ihre Zahlen fast immer vor Handelsbeginn, typischerweise zwischen 7:00 und 8:00 Uhr. Damit steht der News-Trader vor einem Problem, das es bei US-Daten nicht gibt: Die Nachricht ist da, der Hauptmarkt aber noch nicht offen.
Der Kernhandel auf Xetra beginnt erst um 9:00 Uhr und endet um 17:30 Uhr. Das ist die Zeit, in der die großen Volumina laufen. In vielen Artikeln endet die Auskunft an dieser Stelle, und daraus entsteht der verbreitete Rat, man müsse auf Regionalbörsen oder Market Maker ausweichen. Das war einmal richtig und ist es seit Ende 2025 nicht mehr.
Über den Erweiterten Xetra Retail Service können Privatanleger bereits von 8:00 bis 8:55 Uhr handeln sowie abends von 17:30 bis 22:00 Uhr.
Damit fällt der Frühhandel genau in das Fenster, in dem die Quartalszahlen erscheinen. Die Deutsche Börse weist diese Zeiten in ihrem Handelskalender aus; an der Börse Frankfurt wird ohnehin durchgehend von 8:00 bis 22:00 Uhr gehandelt, bei Anleihen bis 17:30 Uhr. Die Angaben stehen in den Handelszeiten der Deutschen Börse.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, und sie sind praktisch wichtig. Erstens muss dein Broker diesen Service anbieten, sonst gilt für dich weiterhin 9:00 Uhr. Zweitens ist das Volumen vor der Eröffnungsauktion deutlich dünner als im Kernhandel, die Spreads sind entsprechend breiter. Alternativen sind Lang & Schwarz und Tradegate, die ebenfalls ab 8:00 Uhr quotieren.
Wie stark die Eröffnung selbst wirkt, habe ich im selben Datensatz mitgemessen. Die erste Fünf-Minuten-Kerze des DAX um 9:00 Uhr war im Median 30,6 Punkte groß, eine gewöhnliche Fünf-Minuten-Kerze im Tagesverlauf dagegen 18,5 Punkte. Die Eröffnung ist damit 1,7-mal so bewegt wie der Durchschnitt. Dort entlädt sich, was über Nacht und im Frühhandel an Nachrichten aufgelaufen ist.
News-Trading: Welche Tools sollte ich nutzen?
Das wichtigste Werkzeug ist kein Chartprogramm, sondern ein Kalender. Ein Wirtschaftskalender zeigt dir, welche Termine anstehen, wie stark sie üblicherweise wirken und welche Konsensprognose dazu existiert. Die letzte Spalte ist die entscheidende: Ohne Erwartungswert kannst du eine Überraschung nicht erkennen. Der bekannteste Anbieter ist Forex Factory.
Als zweites brauchst du einen Nachrichtenstrom in Echtzeit, getrennt vom Chart. Ein zweiter Bildschirm im Hochformat hält Newsfeed und Watchlist parallel im Blick; worauf du bei Auflösung und Aufbau achten solltest, steht im Artikel zum Trading-Monitor.
LYNX: Termine für Aktienmärkte
Bei LYNX findest du die Unternehmenstermine gebündelt: Quartalszahlen, Dividendentermine, anstehende Börsengänge sowie Handelszeiten und Börsenfeiertage. Für den Aktienhandel ist das die praktischere Zusammenstellung als ein reiner Makrokalender, weil dort die Einzelwerttermine fehlen.
Investing.com: großer Makrokalender
Investing.com betreibt einen der umfangreichsten Wirtschaftskalender und stellt die Daten mit Vorwert, Prognose und tatsächlichem Wert nebeneinander. Sowohl in der Web-Version als auch in der App lassen sich Benachrichtigungen für einzelne Termine setzen. Das ist für Berufstätige der praktischste Teil: Du musst den Kalender nicht beobachten, er meldet sich.
investingLive, früher ForexLive: Makro-Newsfeed
Der Dienst, der lange unter dem Namen ForexLive lief, heißt inzwischen investingLive. Die alte Adresse leitet auf die neue um, die Redaktion um Chefanalyst Adam Button ist dieselbe geblieben. Geboten wird ein kostenloser Newsfeed im Blog-Stil mit Schwerpunkt auf makroökonomischen Meldungen, kommentiert und rund um die Uhr besetzt, weil das Team über mehrere Zeitzonen verteilt arbeitet. Für Devisenhändler ist das der dichteste frei zugängliche Strom, allerdings ausschließlich auf Englisch. Das Bild darüber zeigt noch das alte ForexLive-Logo, unter dem der Dienst bis zur Umbenennung lief.
stock3: deutschsprachige Aktien-News
stock3 von der BörseGo AG ist die deutschsprachige Alternative und der praktischere Feed, wenn du deutsche Einzelwerte handelst. Dort laufen Analystenein- und -abstufungen ebenso wie Meldungen direkt aus den Unternehmen, und zwar auf Deutsch. Wer den Ansatz strukturiert lernen möchte, findet bei den TradingFreaks eine Ausbildung mit Newstrading-Schwerpunkt, Tradingdusche behandelt das Thema in einem kostenlosen Lehrplan.
Ist News-Trading bei Prop-Firmen erlaubt?
Diese Frage entscheidet für viele, ob die Strategie überhaupt infrage kommt, und sie wird in den meisten Artikeln zum Thema gar nicht gestellt. Wer mit dem Kapital einer Prop-Firma handelt, unterliegt deren Regelwerk, und mehrere große Anbieter behandeln Trades rund um Nachrichtentermine gesondert. Ein Verstoß kostet in der Regel das gesamte Konto, auch wenn der Trade im Gewinn lag.
Der Grund ist aus Sicht der Anbieter nachvollziehbar. Wer Sekunden vor einer Veröffentlichung eine große Position mit engem Stop eröffnet, riskiert wenig eigenes Geld und sehr viel fremdes. Manche Firmen sehen darin ein Missbrauchsrisiko und verbieten es, andere machen es zum Verkaufsargument.
| Anbieter | News-Trading | Hinweis |
|---|---|---|
| The5ers | erlaubt | wird ausdrücklich beworben |
| FundingPips | erlaubt | auch Bots und Expert Advisors |
| My Funded Futures | erlaubt | teilweise eingeschränkt |
| FundedNext | je nach Modell | Regelwerk vorher lesen |
| FTMO | eingeschränkt | nur begrenzt zulässig |
| E8 Markets | eingeschränkt | Verbote bei Nachrichten |
Die Übersicht stammt aus unseren eigenen Testberichten und ersetzt das Regelwerk nicht. Die Bedingungen ändern sich, und sie unterscheiden sich oft zwischen den Kontomodellen desselben Anbieters. Die Einzelheiten stehen bei The5ers, FundingPips, FTMO und E8 Markets. Vor der ersten Challenge gehört die Regelseite des Anbieters gelesen, nicht die Werbeseite.
Fazit zum Thema News-Trading
News-Trading ist eine ehrliche Strategie mit einem unehrlichen Ruf. Die Termine sind planbar, der Auslöser ist objektiv, und die erhöhte Bewegung ist real. Das habe ich oben gemessen: Die Kerze um 14:30 Uhr war an den Arbeitsmarkt-Terminen im Mittel 4,5-mal so groß wie sonst. So weit stimmt, was überall steht.
Was fast nirgends steht, ist die Streuung dahinter. Zwischen der schwächsten und der stärksten Erstreaktion lag der Faktor 4,7, und die Reihenfolge nach fünf Minuten hatte mit der Reihenfolge am Abend nichts zu tun. Wer eine Positionsgröße auf die große Bewegung auslegt, rechnet mit einem Wert, den er in zwei von drei Fällen nicht bekommt.
Deshalb halte ich die Post-News-Variante für den vernünftigeren Weg. Du verzichtest auf den ersten Sprung, der ohnehin nur 15 bis 33 Prozent der Tagesbewegung ausmacht, und handelst den Rest zu normalen Spreads mit einer Information statt einer Vermutung. Das ist weniger spektakulär und kostet deutlich weniger Slippage.
Für wen eignet sich der Ansatz? Für Trader, die wenige feste Termine im Monat zuverlässig wahrnehmen können und die eine Regel auch dann einhalten, wenn der Kurs gerade springt. Er eignet sich nicht für Einsteiger, und die in vielen Texten zu findende Behauptung, gerade Anfänger fänden hier besonderes Gewinnpotenzial, halte ich für falsch. Diese Formulierung stand jahrelang auch in diesem Artikel, und ich habe sie mit dieser Überarbeitung entfernt.
Wer anfangen will, fängt ohne Geld an. Zwei oder drei Termine im Demokonto mitzuhandeln zeigt schneller als jeder Text, wie sich Spread und Ausführung in diesen Sekunden verhalten. Danach entscheidest du, ob der Ansatz zu dir passt.
FAQ über News-Trading
Was bedeutet News-Trading genau?
News-Trading ist eine kurzfristige Handelsstrategie, bei der du Positionen rund um die Veröffentlichung terminierter Wirtschaftsdaten oder Unternehmensmeldungen eröffnest und meist innerhalb von Minuten bis Stunden wieder schließt.
Gehandelt wird dabei nicht die Nachricht selbst, sondern ihre Abweichung von der Erwartung.
Wie stark bewegt sich der Markt nach einer Nachricht?
In einer eigenen Auswertung über 60 Handelstage war die Fünf-Minuten-Kerze um 14:30 Uhr an den drei US-Arbeitsmarkt-Terminen im Mittel 4,5-mal so groß wie an normalen Tagen, in EUR/USD 12,0 statt 2,7 Pips.
Die Streuung war allerdings hoch: Die drei Reaktionen lagen bei 31,4, 12,0 und 6,7 Pips.
Stimmt es, dass Bewegungen von 100 Pips normal sind?
Nein, jedenfalls nicht als Erwartungswert. In der Messung überstieg die gesamte Tagesspanne in EUR/USD nur an 3 von 60 Handelstagen die Marke von 100 Pips, der Median lag bei 42 Pips.
Solche Ausschläge gibt es, sie sind aber die Ausnahme und kein Planungswert für die Positionsgröße.
Wie lange halten News-Trader ihre Positionen?
Meist zwischen wenigen Minuten und einigen Stunden. Die Messung zeigt, warum eine pauschale Antwort schwierig ist: An einem Termin war die Bewegung bis zum Abend vollständig verpufft, an einem anderen setzte sie sich erst nach der ersten Kerze durch und hielt bis zum Handelsschluss.
Die erste Kerze machte nur 15 bis 33 Prozent der Tagesspanne aus.
Ist News-Trading für Anfänger geeignet?
Nein. Der Ansatz verlangt Entscheidungen unter Zeitdruck in genau dem Moment, in dem Spread und Ausführung am schlechtesten sind.
Wer einsteigen will, handelt zuerst einige Termine im Demokonto mit und legt Positionsgröße und Ausstieg vorher schriftlich fest.
Was ist Slippage und warum ist sie hier so wichtig?
Slippage ist die Abweichung zwischen dem gewünschten und dem tatsächlichen Ausführungspreis. Beim News-Trading trifft sie besonders hart, weil sie genau dann auftritt, wenn sich der Kurs am schnellsten bewegt.
Praktisch heißt das: Dein Stop-Loss markiert den geplanten Verlust, nicht den tatsächlichen.
Darf ich bei einer Prop-Firma auf Nachrichten handeln?
Das hängt vom Anbieter ab. The5ers, FundingPips und My Funded Futures erlauben es ausdrücklich, FTMO und E8 Markets schränken es ein.
Die Regeln unterscheiden sich teils zwischen den Kontomodellen desselben Anbieters und sollten vor der Challenge gelesen werden.
Kann ich deutsche Quartalszahlen vor Handelsbeginn handeln?
Ja. Der Xetra-Kernhandel beginnt zwar erst um 9:00 Uhr, über den Erweiterten Xetra Retail Service kannst du aber bereits ab 8:00 Uhr handeln, an der Börse Frankfurt ebenfalls.
Voraussetzung ist, dass dein Broker das anbietet. Das Volumen ist dort dünner und die Spreads sind breiter als im Kernhandel.
Welche Termine sind die wichtigsten?
Der Fed-Zinsentscheid um 20:00 Uhr und der US-Arbeitsmarktbericht am ersten Freitag des Monats um 14:30 Uhr bewegen am stärksten.
Für deutsche Werte ist der ifo-Geschäftsklimaindex um 10:30 Uhr der wichtigste monatliche Termin.
Kann ich News-Trading automatisieren?
Technisch ja, praktisch ist es anspruchsvoll. Automatische Systeme reagieren schneller als ein Mensch, brauchen dafür aber eine maschinenlesbare Datenquelle und einen Umgang mit stark schwankenden Spreads.
Viele Broker und Prop-Firmen schränken automatisierte Strategien rund um Nachrichtentermine zusätzlich ein.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1980.
Er handelt Forex-Majors und -Minors ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur. In den 1980er Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für dieses Thema ist er qualifiziert, weil er seit 1980 Devisen handelt und die großen Datentermine seit Jahrzehnten selbst mitgeht. In seinen Seminaren erlebt er regelmäßig, wie schnell ein vorher festgelegter Plan drei Sekunden nach der Veröffentlichung aufgegeben wird.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.














