Die Börse fasziniert viele Privatanleger – doch der Einstieg wirkt auf Anfänger oft komplex und riskant. Genau hier setzen Börsenspiele an: Sie ermöglichen es, den Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren unter realen Marktbedingungen zu üben, ohne eigenes Geld zu riskieren. Das Konzept gibt es bereits seit 1983, als die Sparkassen mit dem Planspiel Börse das erste große Börsenplanspiel in Deutschland ins Leben riefen.
Ob zur Weiterbildung, zum Testen neuer Anlagestrategien oder einfach aus Neugier am Börsengeschehen – Börsenspiele bieten für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen einen risikofreien Zugang zu den Finanzmärkten. Als aktiver Trader seit 1978 ordne ich in diesem Artikel auch ein, wo die Grenzen des spielerischen Lernens liegen – und ab wann ein echtes Demokonto die bessere Wahl ist.
Börsenspiele erklärt
in 30 Sekunden
- Ein Börsenspiel ist eine kostenlose Online-Simulation des Aktienhandels mit fiktivem Geld – Teilnehmer kaufen und verkaufen Wertpapiere auf Basis realer Kursdaten, ohne finanzielles Risiko.
- Das fiktive Startkapital liegt je nach Anbieter zwischen 25.000 € und 100.000 € – gehandelt werden können Aktien, ETFs, Fonds und teilweise auch Hebelprodukte.
- Die Spiellaufzeit reicht von wenigen Wochen bis zeitlich unbegrenzt – Wettbewerbe laufen typischerweise 6 bis 17 Wochen, daneben gibt es Dauerformate zum freien Üben.
- Europas größtes Börsenplanspiel ist das Planspiel Börse der Sparkassen – mit jährlich über 100.000 Teilnehmern aus mehreren europäischen Ländern.
- Viele Börsenspiele sind als Wettbewerb organisiert – den besten Teilnehmern winken Geld- und Sachpreise im bis zu fünfstelligen Bereich.
- Der Lerneffekt hat Grenzen – ohne reales Risiko fehlt der psychologische Druck, der das Verhalten an der echten Börse maßgeblich beeinflusst.
Was ist ein Börsenspiel?
Ein Börsenspiel ist eine Online-Simulation, bei der Teilnehmer mit fiktivem Geld den Handel an der Börse üben und verschiedene Anlagestrategien testen können.
Die Teilnehmer erhalten zu Spielbeginn ein virtuelles Depot mit einem festgelegten Startkapital. Anschließend können sie auf Grundlage realer oder leicht zeitverzögerter Kursdaten Wertpapiere kaufen und verkaufen. Ziel ist es, das fiktive Kapital durch geschickte Handelsentscheidungen möglichst weit zu vermehren.
Im Unterschied zu reinem Paper Trading bei einem Broker findet ein klassisches Börsenspiel häufig als Wettbewerb statt: Mehrere Teilnehmer treten gegeneinander an und messen sich in Ranglisten. Am Ende gewinnt, wer den höchsten Depotwert erzielt hat. Es gibt allerdings auch zeitlich unbegrenzte Varianten, die dauerhaft zum Üben genutzt werden können.
Manche Börsenspiele sind speziell für Schüler und Studenten konzipiert, andere stehen allen Börseninteressierten ab 18 Jahren offen. Die Bandbreite reicht von pädagogischen Formaten mit begleitenden Schulungsinhalten bis hin zu reinen Performance-Wettbewerben mit Hebelprodukten.
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Wie funktionieren Börsenspiele?
Nach der Online-Registrierung erhält jeder Teilnehmer ein fiktives Wertpapierdepot mit einem vorgegebenen Startkapital – je nach Anbieter zwischen 25.000 € und 100.000 €. Manche Börsenspiele erlauben die Teilnahme als Einzelspieler, andere setzen auf Teams von zwei bis fünf Personen.
Im Spiel stehen verschiedene Wertpapiere zum Handel bereit. Die Bandbreite reicht von Aktien großer Indizes wie DAX, MDAX oder Dow Jones über ETFs und Fonds bis hin zu Zertifikaten und Hebelprodukten. Die Kursstellung erfolgt entweder in Echtzeit oder mit einer Verzögerung von 15 bis 20 Minuten – abhängig vom jeweiligen Anbieter.
Während des Spielzeitraums treffen die Teilnehmer eigenständig Kauf- und Verkaufsentscheidungen. Dabei kommen je nach Börsenspiel auch Orderarten wie Limit-Orders oder Stop-Loss zum Einsatz. Am Ende einer Spielrunde wird das gesamte Depot zum aktuellen Kurswert bewertet. Der Teilnehmer mit dem höchsten Depotwert gewinnt.
Bei zeitlich begrenzten Wettbewerben liegt die Spiellaufzeit typischerweise zwischen sechs und 17 Wochen. Es gibt jedoch auch Formate ohne feste Zeitbegrenzung, die sich besonders für das Training langfristiger Anlagestrategien eignen.
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Für wen sind Börsenspiele geeignet?
Grundsätzlich kann jeder an einem Börsenspiel teilnehmen – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Besonders profitieren allerdings drei Gruppen:
Börsenanfänger können erste Erfahrungen sammeln, ohne eigenes Kapital zu riskieren. Sie lernen die Abläufe beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren kennen und entwickeln ein Gefühl für Kursbewegungen und Marktdynamiken.
Schüler und Studenten erhalten über schulbasierte Börsenspiele wie das Planspiel Börse einen strukturierten Einstieg in wirtschaftliche Zusammenhänge. Die spielerische Herangehensweise senkt die Hemmschwelle gegenüber Finanzthemen deutlich.
Fortgeschrittene Trader können Börsenspiele nutzen, um neue Strategien zu testen, bevor sie echtes Kapital einsetzen. Gerade für das Ausprobieren spekulativer Ansätze mit Hebelprodukten bietet ein Börsenspiel einen gefahrlosen Rahmen.
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Vorteile und Nachteile von Börsenspielen
Vorteile:
- Risikofreies Lernen – Fehler kosten kein echtes Geld, was gerade für Anfänger eine enorme Erleichterung darstellt.
- Praktische Erfahrung – Teilnehmer lernen den Umgang mit Depots, Orderarten und Kursverläufen unter realen Marktbedingungen.
- Strategien testen – verschiedene Anlageansätze lassen sich gefahrlos ausprobieren und vergleichen.
- Wettbewerbscharakter – die Konkurrenz mit anderen Teilnehmern sorgt für Motivation und einen zusätzlichen Lernanreiz.
- Kostenlos verfügbar – die Teilnahme ist bei den meisten Börsenspielen gebührenfrei.
Nachteile:
- Fehlender emotionaler Druck – wer kein echtes Geld riskiert, trifft oft andere Entscheidungen als im realen Handel. Angst und Gier, die das Verhalten an der Börse maßgeblich beeinflussen, bleiben im Börsenspiel außen vor.
- Verzerrte Risikobereitschaft – Teilnehmer neigen dazu, in Börsenspielen deutlich aggressiver zu handeln und hochspekulative Positionen einzugehen, die sie mit eigenem Geld niemals eingehen würden.
- Keine reale Marktbeeinflussung – im echten Handel bewegen große Orders den Kurs. Dieser Rückkopplungseffekt fehlt im Börsenspiel vollständig.
- Zeitverzögerung der Kurse – viele Anbieter arbeiten mit 15 bis 20 Minuten verzögerten Kursdaten, was die Realitätsnähe einschränkt.
- Begrenzte Wissensvermittlung – nicht alle Börsenspiele bieten begleitende Schulungsinhalte an. Die Teilnehmer sind häufig auf sich allein gestellt.
Aus meiner Erfahrung als aktiver Trader seit 1978 muss ich an dieser Stelle einen wichtigen Punkt ergänzen: Ein Börsenspiel kann den realen Handel nie vollständig ersetzen. Die psychologische Komponente – also der Umgang mit echten Verlusten und dem Druck, das eigene Kapital zu schützen – ist ein entscheidender Faktor für langfristigen Börsenerfolg. Ein Börsenspiel kann diese Erfahrung nicht simulieren.
Worauf bei der Auswahl eines Börsenspiels achten?
Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Börsenspielen sind teils erheblich. Folgende Kriterien helfen bei der Auswahl des passenden Angebots:
- Zielgruppe – manche Börsenspiele sind nur für Schüler, Studenten oder bestimmte Altersgruppen zugänglich. Andere stehen allen Interessierten offen.
- Handelbare Wertpapiere – je breiter das Angebot an handelbaren Instrumenten (Aktien, ETFs, Hebelprodukte), desto realistischer die Simulation.
- Kursstellung – Echtzeitkurse bieten eine deutlich realistischere Erfahrung als Kurse mit 15 bis 20 Minuten Verzögerung.
- Spiellaufzeit – bei zeitlich begrenzten Wettbewerben liegt der Fokus auf kurzfristiger Performance. Unbegrenzte Formate eignen sich besser für das Training langfristiger Strategien.
- Begleitende Lerninhalte – einige Anbieter ergänzen das Börsenspiel um Webinare, Schulungen oder eine Trading-Akademie. Dieser Mehrwert kann gerade für Einsteiger entscheidend sein.
- Gewinne und Preise – die Bandbreite reicht von reinen Prestige-Ranglisten bis hin zu Geldpreisen im fünfstelligen Bereich.
Bekannte Börsenspiele im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Merkmale der bekanntesten Börsenspiele im deutschsprachigen Raum:
| Börsenspiel | Startkapital | Zielgruppe |
|---|---|---|
| Planspiel Börse (Sparkasse) | 50.000–100.000 € | Schüler, Studenten, Azubis |
| Trading Masters (UBS/Excellents) | 25.000 € | Volljährige (DE/AT) |
| Best Brokers (App) | 25.000 € | Alle Börseninteressierten |
| VR-Börsenspiel | 50.000–100.000 € | Schüler, Azubis, Individuell |
| informunity | 100.000 € | Alle Börseninteressierten |
| Trader (Société Générale) | 2× 100.000 € | Volljährige Börseninteressierte |
| Investspiel | Individuell | Alle (auch Schulklassen) |
Planspiel Börse der Sparkasse
Das Planspiel Börse ist Europas größtes Börsenplanspiel und wird seit 1983 jährlich von den Sparkassen veranstaltet. Mit über 100.000 Teilnehmern pro Jahr aus mehreren europäischen Ländern hat es sich als feste Institution in der finanziellen Bildung etabliert.
Das Planspiel richtet sich primär an Schüler, Auszubildende und Studenten. Die Teilnehmer bilden Teams und erhalten ein fiktives Depot mit 50.000 € (Schülerteams) bzw. 100.000 € (Studententeams). Über einen Zeitraum von rund 10 bis 17 Wochen handeln sie mit Aktien bekannter Indizes, ETFs und festverzinslichen Wertpapieren. Die Anmeldung erfolgt über die lokale Sparkasse, die Teilnahme ist kostenlos.
Eine Besonderheit: Neben der klassischen Depotgesamtwertung gibt es eine Nachhaltigkeitswertung, bei der Erträge aus nachhaltigen Anlagen gesondert bewertet werden. Das Planspiel startet in der Regel im Herbst eines jeden Jahres. Die Sieger werden mit Reise-, Geld- oder Sachpreisen ausgezeichnet. Das Börsenspiel ist sowohl als App als auch im Browser nutzbar.
Webseite: planspiel-boerse.de
Trading Masters
Trading Masters ist ein deutsches Börsenspiel mit integrierter Trading-Akademie, das von der Excellents GmbH in Zusammenarbeit mit UBS veranstaltet wird. Das Spiel verbindet den Wettbewerb mit strukturierter Wissensvermittlung und richtet sich an alle volljährigen Interessierten mit Wohnsitz in Deutschland oder Österreich.
Das Börsenspiel läuft in mehreren Phasen ab: Zunächst gibt es ein Trainingslager, in dem Teilnehmer die Plattform kennenlernen und an Schulungen teilnehmen. In den anschließenden Spielphasen wird das fiktive Startkapital von 25.000 € aktiv gehandelt. Begleitend bieten professionelle Trading-Coaches ihr Wissen in Webinaren und Schulungsaufzeichnungen an.
Die Gewinne gehören zu den attraktivsten im deutschsprachigen Raum – der Erstplatzierte erhält einen Geldpreis, weitere Plätze werden mit Trading-Guthaben und Sachpreisen belohnt. Das Börsenspiel startet üblicherweise im Herbst.
Webseite: tradingmasters.de
Best Brokers (App)
Best Brokers ist eine kostenlose Börsenspiel-App, die zeitlich unbegrenztes Trading mit über 50.000 Echtzeit-Wertpapieren ermöglicht. Die App ist für Android und iOS verfügbar und eignet sich für alle, die den Aktienhandel dauerhaft und ohne Wettbewerbsdruck üben möchten.
Teilnehmer starten mit einem fiktiven Guthaben von 25.000 € und können Aktien der wichtigsten deutschen und internationalen Indizes, ETFs, Rohstoffzertifikate sowie Kryptowährungen handeln. Die Kursdaten werden minütlich aktualisiert und stehen auch außerhalb der regulären Börsenzeiten zur Verfügung – gehandelt werden kann bis 23 Uhr und auch am Wochenende.
Die App bietet professionelle Tools wie Order-Limits und Stops, Wochen- und Monatscharts sowie aktuelle Wirtschaftsnachrichten. Über Bestenlisten auf Tages- und Monatsbasis können sich Spieler mit anderen messen. Eine Besonderheit: Sämtliche Transaktionen der besten Spieler sind einsehbar und bieten so einen zusätzlichen Lerneffekt.
Im Vergleich zu den großen Wettbewerbs-Börsenspielen gibt es bei Best Brokers keine Preise zu gewinnen – der Fokus liegt klar auf dem Lernen und Üben.
App: Kostenlos im Google Play Store und App Store
VR-Börsenspiel
Das VR-Börsenspiel wird von der Volksbank und Raiffeisenbank seit über 20 Jahren veranstaltet und richtet sich an Schüler, Auszubildende sowie individuelle Teilnehmer. Seit 2023 ist das Spiel auch als App für Android und iOS verfügbar.
Das VR-Börsenspiel zeichnet sich durch Echtzeit-Kursstellung aus – Kursbewegungen werden im Sekundentakt angezeigt. Auch Orderkonditionen wie Limits, Spesen und Kapitalmaßnahmen werden realitätsnah simuliert. Die Teilnehmer können in Teams von bis zu fünf Mitgliedern antreten.
Es gibt drei Spielvarianten: das organisierte Azubispiel, das Schulspiel und das individuelle Spiel. Je nach Variante liegt das Startkapital bei 50.000 € oder 100.000 €. Im Azubispiel und im individuellen Spiel stehen sowohl konservative Instrumente (Aktien, ETPs) als auch spekulative Varianten (Hebelprodukte) zur Verfügung.
Webseite: info.vr-boersenspiel.de
informunity
informunity ist ein langfristig angelegtes Börsenspiel mit über 69.000 Teilnehmern, das strategisches Investieren statt kurzfristiges Spekulieren in den Vordergrund stellt. Die Teilnahme ist kostenlos und für alle Börseninteressierten zugänglich.
Jeder Teilnehmer stellt zu Beginn ein Basisdepot aus 10 Aktien zusammen, die jeweils mit 10.000 € bewertet werden – das ergibt ein Startkapital von 100.000 €. Im weiteren Verlauf können Portfolio-Entscheidungen durch Käufe und Verkäufe optimiert werden. Öffentliche und private Portfolios stehen zur Wahl, wodurch ein Vergleich mit anderen Spielern möglich ist.
Eine Besonderheit von informunity: Das Spiel fördert fundierte Analysen und tiefgehende Strategien statt reine Glückstreffer. Am Ende jeder Spielrunde werden die besten Spieler mit Preisen ausgezeichnet. Ergänzend gibt es ein Börsenquiz, das zusätzliches Finanzwissen vermittelt.
Webseite: informunity.de
Trader Börsenspiel der Société Générale
Das Trader Börsenspiel der Société Générale ist ein jährlicher Wettbewerb, bei dem alle volljährigen Börseninteressierten acht Wochen lang mit zwei fiktiven Depots zu je 100.000 € handeln können. Die Teilnahme ist kostenlos.
Gehandelt werden dürfen alle an der Börse Stuttgart gelisteten Aktien sowie Derivate wie Optionsscheine und Indexzertifikate, die von der Société Générale emittiert werden. Eine besondere Funktion: Jedes der beiden Depots kann einmal pro Woche auf den Startwert zurückgesetzt werden. Das ermöglicht es, auch riskantere Strategien auszuprobieren, ohne das gesamte fiktive Vermögen auf einen Schlag zu verlieren.
Das Börsenspiel findet üblicherweise im vierten Quartal eines jeden Jahres statt und lockt mit attraktiven Gewinnen, die jährlich variieren.
Webseite: trader-boersenspiel.de
Investspiel
Investspiel ist ein dauerhaft verfügbares Online-Börsenspiel, in dem Teilnehmer gegen Freunde, Familie oder Schulklassen antreten und Aktien, Kryptowährungen und Rohstoffe handeln können.
Das Spiel richtet sich sowohl an Privatpersonen als auch an Schulklassen und bietet einen unkomplizierten Einstieg in den simulierten Wertpapierhandel. Das Startkapital und die Spielparameter können individuell angepasst werden, was Investspiel besonders flexibel macht.
Webseite: investspiel.de
Börsenspiel oder Musterdepot – was ist der Unterschied?
Neben Börsenspielen gibt es eine weitere Möglichkeit, den Aktienhandel risikofrei zu üben: das Musterdepot. Beide Ansätze arbeiten mit fiktivem Geld – unterscheiden sich aber in wichtigen Punkten.
Ein Börsenspiel ist in der Regel als Wettbewerb konzipiert, zeitlich begrenzt und fokussiert auf kurzfristige Performance. Die Teilnehmer messen sich in Ranglisten und können Preise gewinnen. Das fördert den Ehrgeiz, verleitet aber auch zu unrealistisch spekulativem Verhalten.
Ein Musterdepot (auch Demokonto oder Paper-Trading-Konto genannt) ist dagegen ein persönliches Übungskonto ohne Wettbewerbscharakter. Hier geht es um das individuelle Erlernen und Testen von Strategien – ohne Zeitdruck und ohne den Anreiz, maximale Rendite in kürzester Zeit zu erzielen.
Für Einsteiger, die grundlegende Börsenmechanismen kennenlernen möchten, ist ein Börsenspiel ein guter erster Schritt. Wer dagegen gezielt eine eigene Handelsstrategie entwickeln und unter realistischen Bedingungen testen will, ist mit einem Musterdepot bei einem regulierten Broker besser beraten. Idealerweise nutzt man beide Formate nacheinander – erst das Börsenspiel zum Einstieg, dann das Demokonto zur Vertiefung.
Geschichte der Börsenspiele
Die Geschichte der Online-Börsenspiele beginnt im Jahr 1983, als die Sparkassenorganisation mit dem Planspiel Börse erstmals einen strukturierten Börsenwettbewerb für Schüler und Studenten durchführte. Damals nahmen rund 4.500 Teams teil, das Startkapital betrug 50.000 DM und gehandelt werden konnten 73 Wertpapiere.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Konzept stetig weiter. Ab 1999 wurden auch in anderen europäischen Ländern ähnliche Planspiele eingeführt. Mit der Verbreitung des Internets und der zunehmenden Verfügbarkeit von Echtzeitkursen entstanden zahlreiche neue Börsenspielvarianten – von bankgestützten Wettbewerben über App-basierte Simulationen bis hin zu dauerhaft verfügbaren Online-Plattformen.
Heute haben allein beim Planspiel Börse der Sparkassen über eine Million Teams teilgenommen. Die Bandbreite an Börsenspielen reicht von pädagogischen Formaten für Schulklassen bis hin zu anspruchsvollen Wettbewerben mit Hebelprodukten und mehrphasigen Spielkonzepten.
Fazit: Lohnt sich die Teilnahme an einem Börsenspiel?
Aus meiner Perspektive als aktiver Trader seit 1978 sage ich: Ja, ein Börsenspiel lohnt sich – aber man sollte sich über die Grenzen im Klaren sein. Der risikofreie Rahmen ist ideal, um erste Börsenerfahrungen zu sammeln, den Umgang mit Orderarten zu üben und ein Gefühl für Kursbewegungen zu entwickeln.
Gleichzeitig darf man den Lerneffekt nicht überschätzen. Wer in einem Börsenspiel erfolgreich ist, wird nicht automatisch an der echten Börse Gewinne erzielen. Der entscheidende Unterschied liegt im psychologischen Faktor: Angst vor Verlusten, Gier nach Gewinnen und der Druck, mit eigenem Geld zu handeln, verändern das Verhalten fundamental. Diese Erfahrung kann kein Börsenspiel simulieren.
Meine Empfehlung: Nutze ein Börsenspiel als Einstieg, um die Grundlagen zu verstehen. Wechsle dann zu einem Musterdepot bei einem regulierten Broker, um deine Strategie unter realistischeren Bedingungen zu testen. Und wenn du dich bereit fühlst, beginne mit einem kleinen Echtgeldkonto – denn nur dort lernst du den Umgang mit den Emotionen, die über langfristigen Börsenerfolg entscheiden. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel zum Thema Traden lernen.
Häufige Fragen zu Börsenspielen
Was ist ein Börsenspiel?
Ein Börsenspiel ist eine Online-Simulation, bei der Teilnehmer mit fiktivem Geld den Handel an der Börse üben. Die Kursdaten basieren auf realen Marktbewegungen, es besteht jedoch kein finanzielles Risiko.
Welche Börsenspiele gibt es kostenlos?
Die meisten Börsenspiele sind kostenlos. Zu den bekanntesten zählen das Planspiel Börse der Sparkassen, Trading Masters, Best Brokers (App), das VR-Börsenspiel sowie informunity. Eine Übersicht findet sich in der Vergleichstabelle weiter oben im Artikel.
Kann man bei Börsenspielen echtes Geld gewinnen?
Direkt durch den Handel im Börsenspiel nicht – die erzielten Gewinne sind rein fiktiv. Allerdings loben viele Anbieter Preise für die besten Teilnehmer aus. Diese reichen von Sachpreisen über Trading-Guthaben bis hin zu Geldbeträgen im fünfstelligen Bereich.
Sind Börsenspiele realistisch?
Bedingt. Die Kursdaten basieren auf realen Marktwerten, und viele Spiele simulieren auch Ordergebühren und Limits. Allerdings fehlt der psychologische Druck des realen Handels, und die fiktiven Transaktionen haben keinen Einfluss auf die tatsächlichen Marktpreise.
Was ist der Unterschied zwischen einem Börsenspiel und einem Demokonto?
Ein Börsenspiel ist meist als Wettbewerb mit Ranglisten und Preisen konzipiert. Ein Demokonto (Musterdepot) ist ein individuelles Übungskonto bei einem Broker ohne Wettbewerbscharakter. Beide arbeiten mit fiktivem Geld, unterscheiden sich aber in Zielsetzung und Rahmenbedingungen.
Welches Börsenspiel eignet sich am besten für Anfänger?
Für absolute Einsteiger eignen sich das Planspiel Börse der Sparkassen (insbesondere für Schüler und Studenten) und die App Best Brokers (für alle Altersgruppen). Beide bieten einen unkomplizierten Einstieg mit guter Grundfunktionalität.
Was bringt ein Börsenspiel wirklich?
Ein Börsenspiel vermittelt grundlegende Börsenmechanismen und ermöglicht es, verschiedene Strategien risikofrei zu testen. Der Lerneffekt ist real – hat aber Grenzen, weil der emotionale Faktor des echten Handels fehlt. Als Vorbereitung auf den Einstieg in den realen Börsenhandel sind Börsenspiele dennoch empfehlenswert.
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Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er ist seit 1978 aktiv an den Finanzmärkten tätig und handelt als diskretionärer Price-Action-Trader Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.
In den späten 1980er-Jahren übersetzte Karsten Kagels die Elliott-Wave-Literatur von Robert Prechter ins Deutsche. Anschließend war er über 17 Jahre als Repräsentant von Joe Ross in Deutschland tätig und übersetzte sowie veröffentlichte alle 14 Trading-Bücher von Ross in deutscher Sprache.
In diesem Artikel ordnet Karsten Kagels Börsenspiele aus der Perspektive eines erfahrenen diskretionären Traders ein und erklärt, warum der risikofreie Rahmen zwar einen guten Einstieg bietet, aber den echten Handel mit all seinen psychologischen Herausforderungen nicht ersetzen kann.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer geprüft.



