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Tradegate Gebühren: was der Handel über die Berliner Börse wirklich kostet

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

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16 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

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Wer nach den Gebühren von Tradegate sucht, sucht meistens die falsche Zahl. Die Börse selbst stellt Privatanlegern nichts in Rechnung. Kein Börsenentgelt, keine Maklercourtage, kein Transaktionsentgelt. Der Betrag, der am Ende auf deiner Abrechnung steht, kommt fast vollständig von deinem Broker.

Genau daran scheitern die meisten Vergleiche. Zwei Anleger kaufen dieselbe Aktie zur selben Sekunde über Tradegate, und der eine zahlt einen Euro, der andere zwölf. Der Unterschied liegt allein im Depot, nicht am Handelsplatz. In diesem Artikel steht, aus welchen vier Bausteinen sich die Kosten zusammensetzen, was die wichtigsten deutschen Broker für eine Order über Tradegate verlangen und wann sich der Umweg über Xetra trotzdem lohnt. Alle Zahlen stammen aus den aktuellen Preisverzeichnissen der Anbieter, nicht aus Vergleichsportalen.

Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Tradegate Gebühren: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Die Börse ist für dich kostenlos: Die Tradegate Exchange erhebt von Privatanlegern kein Börsenentgelt und keine Courtage. Was du zahlst, berechnet dein Broker.
  • Die Spanne ist groß: Eine Order über 1.000 Euro kostet je nach Depot zwischen 0,00 Euro und 12,40 Euro.
  • Der zweite Posten wird übersehen: Viele Broker berechnen zusätzlich zur Ordergebühr ein Handelsplatzentgelt. Bei Tradegate entfällt es häufig, aber nicht überall.
  • Der Spread ist der versteckte Kostenblock: Die Geld-Brief-Spanne taucht auf keiner Abrechnung auf und kostet bei engen Werten trotzdem oft mehr als die Ordergebühr.
  • Gehandelt wird von 7:30 bis 22:00 Uhr, deutlich länger als im Xetra-Kernhandel.

Was kostet der Handel an der Tradegate Exchange?

Die Frage lässt sich für die Börse selbst in einem Satz beantworten.

Die Tradegate Exchange erhebt von Privatanlegern kein eigenes Börsenentgelt und keine Maklercourtage. Für die Nutzung des Handelsplatzes fallen damit keine Kosten an, die der Anleger direkt an die Börse zahlt.

Das ist kein Marketingversprechen, sondern das Geschäftsmodell. Tradegate verdient an den Handelsumsätzen der angebundenen Institute, nicht an Einzelgebühren der Privatanleger. Die Börse in Berlin firmiert heute als Tradegate BSX und gehört mehrheitlich zur Deutschen Börse AG. Wer mehr über die Struktur wissen will, findet die Details im Artikel zur Tradegate Exchange.

Die Maklercourtage ist die Vermittlungsgebühr, die ein Skontroführer für das Zusammenführen von Kauf- und Verkaufsaufträgen an einer Präsenzbörse berechnet. An vollelektronischen Handelsplätzen wie der Tradegate Exchange fällt sie nicht an.

An klassischen Präsenzbörsen wie Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg ist die Courtage üblich und wird dir in der Wertpapierabrechnung als Fremdkosten weitergereicht. Dieser Posten entfällt hier komplett. Genau das macht Tradegate für kostenbewusste Anleger interessant.

Trotzdem ist der Handel nicht gratis. Die Kosten wandern nur von der Börse zum Broker. Wo genau sie entstehen, zeigen die nächsten vier Posten.

Wie hoch sind die Kosten für den Kauf und Verkauf von Aktien bei Tradegate?

Deine Wertpapierabrechnung setzt sich aus bis zu vier Posten zusammen. Nur der erste ist auf den Broker-Webseiten prominent zu sehen, die anderen drei stehen im Kleingedruckten oder gar nicht.

1. Die Ordergebühr. Das ist der Preis, den dein Broker für die Ausführung berechnet. Manche nehmen einen Festbetrag, andere einen Grundpreis plus Prozentanteil vom Ordervolumen.

Die Ordergebühr ist das Entgelt, das ein Broker für die Ausführung eines Wertpapierauftrags berechnet. Sie fällt pro Order an und ist unabhängig davon, ob der Auftrag zum Kauf oder zum Verkauf erteilt wurde.

2. Das Handelsplatzentgelt. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Dieser Posten ist der eigentliche Grund, warum Tradegate bei vielen Depots günstiger ist als eine Regionalbörse. Er heißt je nach Broker Handelsplatzentgelt, Ausführungsentgelt oder börsenplatzabhängiges Entgelt.

Das Handelsplatzentgelt ist ein pauschaler Aufschlag, den ein Broker zusätzlich zur Ordergebühr für die Nutzung eines bestimmten Börsenplatzes berechnet. Bei Tradegate entfällt es bei mehreren deutschen Brokern vollständig.

Bei der DKB kostet die Ausführung über Tradegate, Gettex und Quotrix nichts, während für Xetra und die Regionalbörsen 2,50 Euro fällig werden. Bei der ING läuft Tradegate im Direkthandel und ist damit ebenfalls entgeltfrei. comdirect dagegen berechnet für Tradegate 0,0025 Prozent, mindestens 2,50 Euro, weil dort eine börsliche Order vorliegt.

3. Der Spread. Die Differenz zwischen Geldkurs und Briefkurs, also zwischen dem, was du beim Verkauf bekommst, und dem, was du beim Kauf zahlst. Er erscheint auf keiner Rechnung und kostet trotzdem echtes Geld. Wie du ihn berechnest, steht im Artikel zum Bid-Ask-Spread.

4. Fremdkosten und Abwicklung. Manche Broker geben eine Fremdkostenpauschale weiter, etwa einen Euro pro Transaktion. Bei Namensaktien kommt gelegentlich ein Umschreibeentgelt dazu, üblicherweise unter einem Euro.

Für ETFs gilt dieselbe Rechnung. Tradegate erhebt auch dort kein eigenes Entgelt, die Kosten entstehen bei Broker und Spread. Hinzu kommt die laufende Verwaltungsgebühr des Fonds, die aber unabhängig vom Handelsplatz anfällt.

Tradegate Gebühren: die vier Kostenbausteine von Ordergebühr bis Spread
Die Börse selbst nimmt nichts. Alle vier Kostenbausteine entstehen beim Broker oder im Spread.

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Tradegate Gebühren im Broker-Vergleich

Damit die Zahlen vergleichbar bleiben, steht in der Tabelle jeweils, was eine Order über 1.000 Euro an der Tradegate Exchange kostet. Alle Angaben stammen aus den Preis- und Leistungsverzeichnissen der Anbieter, Stand August 2026.

BrokerDepotgebührOrder über 1.000 Euro
tradegate.direct0,00 €0,00 €
Consorsbank0,00 €0,95 €
DEGIRO0,00 €3,90 €
Smartbroker+0,00 €4,00 €
LYNX0,00 €5,80 €
ING0,00 €7,40 €
DKB0,00 €10,00 €
comdirect0,00 €12,40 €

Tradegate Gebühren im Broker-Vergleich: Kosten einer Order über 1.000 Euro
Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Depot liegt bei identischer Order der Faktor zwölf.

Zwei Dinge fallen auf. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter liegt bei identischer Order der Faktor zwölf. Und die Reihenfolge hat wenig mit der Größe des Hauses zu tun: Die Consorsbank unterbietet mit 0,95 Euro je Order über Tradegate die meisten Neobroker.

Bei comdirect kommen die 12,40 Euro so zustande: 4,90 Euro Grundentgelt plus 0,25 Prozent vom Ordervolumen ergeben rechnerisch 7,40 Euro, das Mindestentgelt von 9,90 Euro greift jedoch bis 2.000 Euro Ordervolumen. Dazu kommt das börsenplatzabhängige Entgelt von mindestens 2,50 Euro. Daneben führt comdirect ein zweites Modell, das Pure Depot, mit einem Grundentgelt von 1,00 Euro je Inlandsorder und kostenloser Depotführung. Das Preisverzeichnis listet dafür einen eigenen Abschnitt ohne Prozentanteil und ohne Handelsplatzentgelt. Wer das nutzen will, sollte sich die Konditionen für börsliche Orders vor der Depoteröffnung bestätigen lassen. Eine Einordnung des Anbieters findest du in unserem Beitrag zur comdirect.

Bei der DKB staffelt sich das Orderentgelt nach Volumen: 10,00 Euro bis 5.000 Euro, 15,00 Euro darüber, 30,00 Euro ab gut 20.000 Euro. Weil das Ausführungsentgelt für Tradegate laut Preis- und Leistungsverzeichnis der DKB entfällt, bleibt es bei diesen Beträgen. Für große Orders ist das rechnerisch günstig, für kleine teuer. Mehr zum Anbieter steht im Artikel zur DKB.

Nicht jeder Broker bietet Tradegate überhaupt an. Scalable Capital führt Orders über die European Investor Exchange, gettex und Xetra aus, Tradegate steht dort nicht zur Auswahl. Wer den Handelsplatz gezielt nutzen will, prüft das vor der Depoteröffnung. Ein Überblick über die Anbieter findet sich in unserem Online-Broker-Vergleich.

Comdirect Tradegate Gebühren

Die comdirect rechnet dreiteilig, und das macht sie für kleine Orders vergleichsweise teuer. Das Mindestentgelt ist hier die entscheidende Zahl, nicht der beworbene Grundpreis.

Das Mindestentgelt ist der Betrag, den ein Broker pro Order mindestens berechnet, auch wenn die prozentuale Rechnung einen niedrigeren Wert ergibt. Es bestimmt die tatsächlichen Kosten bei kleinen Ordervolumina.

Im Standarddepot besteht die Orderprovision aus einem Grundentgelt von 4,90 Euro plus 0,25 Prozent des Ordervolumens. Nach unten greift ein Mindestentgelt von 9,90 Euro bis 2.000 Euro Ordervolumen, nach oben ein Höchstentgelt von 59,90 Euro. Wer 500 Euro investiert, zahlt also nicht 6,15 Euro, sondern 9,90 Euro.

Dazu kommt das börsenplatzabhängige Entgelt. Für Tradegate, Xetra, Stuttgart, gettex, Quotrix und die LS Exchange berechnet comdirect 0,0025 Prozent, mindestens 2,50 Euro. An den Regionalbörsen sind es 0,005 Prozent, mindestens 5 Euro. Nachzulesen im Preis- und Leistungsverzeichnis von comdirect. Bei Sparplanausführungen entfällt der Posten.

Umgehen lässt er sich über das LiveTrading, den außerbörslichen Direkthandel von comdirect. Dort sparst du Börsenentgelt und Courtage, die Orderprovision bleibt gleich. Der Preis dafür: Du handelst nicht mehr über die Tradegate Exchange, sondern direkt mit einem Handelspartner, und die Handelsüberwachung der Börse greift dann nicht.

Die Depotführung kostet für Depots, die ab dem 15. Juli 2026 eröffnet wurden, nichts. Ältere Depots zahlen 1,95 Euro im Monat, außer es laufen mindestens zwei Trades im Quartal oder es besteht ein Girokonto unter derselben Kundennummer. Die früher verbreitete Angabe „drei Jahre kostenlos” gilt nicht mehr.

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Smartbroker+ Tradegate Gebühren

Aus dem Smartbroker ist inzwischen Smartbroker+ geworden, mit der Baader Bank als abwickelndem Institut. Die Konditionen haben sich dabei deutlich verändert, ältere Vergleiche im Netz sind überholt.

Eine Order über Tradegate kostet pauschal 4,00 Euro, unabhängig vom Volumen. Denselben Preis verlangt Smartbroker+ für die LS Exchange und Baader Trading. Ein Handelsplatzentgelt kommt bei Tradegate nicht dazu, anders als bei Xetra, wo 4,00 Euro plus 0,01 Prozent, mindestens 1,50 Euro anfallen.

Deutlich günstiger ist der Hausplatz: Über gettex handelst du ab 500 Euro Ordervolumen für 0,00 Euro, darunter für 1,00 Euro. Wer preisbewusst ist, nutzt bei Smartbroker+ also gettex und nicht Tradegate. Sparpläne auf Aktien, ETFs und Fonds sind kostenlos, die Depotführung ebenfalls, wie die Konditionsübersicht von Smartbroker+ ausweist.

Die Grenze des Angebots: Der günstige gettex-Tarif gilt nur für einen Teil des Produktuniversums, und wer gezielt die Liquidität von Tradegate braucht, zahlt den vollen Satz. Eine vollständige Aufstellung steht in unserer Übersicht zu den Smartbroker Kosten.

Trade Republic und Tradegate

Bei Trade Republic lässt sich Tradegate nicht gezielt ansteuern. Der Handelsplatz ist dort das Ausweichsystem, nicht die Regel.

Der Handel mit Aktien, ETFs und Anleihen läuft standardmäßig über die LS Exchange, ein elektronisches Handelssystem an der Börse Hamburg. Fällt dieses System aus, weicht Trade Republic für Aktien und ETFs auf Tradegate aus. Seit 2026 gibt es zusätzlich die Ausführungsmodi Bestpreis und Direktpreis, bei denen der Anleger entweder den Algorithmus entscheiden lässt oder selbst eine Börse aus einer Liste wählt.

Kostenseitig ist Trade Republic schlicht: Keine Orderprovision, dafür 1,00 Euro Fremdkostenpauschale je Transaktion. Die Depotführung ist kostenfrei.

Für wen das nichts ist: Wer aus Liquiditätsgründen bewusst an einem bestimmten Handelsplatz ausführen will, ist bei einem Broker mit freier Börsenwahl besser aufgehoben. Die vollständigen Konditionen stehen in unserem Artikel zu den Trade Republic Kosten.

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Tradegate Aktienkauf Gebühren

Beim Kauf und beim Verkauf gilt dieselbe Rechnung. Die Ordergebühr fällt in beide Richtungen an, ein Rabatt für Verkäufe existiert bei keinem der genannten Broker.

Ein Beispiel mit echten Zahlen. Du kaufst Aktien für 1.000 Euro über die Tradegate Exchange und verkaufst sie später wieder. Bei der Consorsbank zahlst du zweimal 0,95 Euro, zusammen 1,90 Euro. Bei comdirect im Standarddepot zweimal 12,40 Euro, zusammen 24,80 Euro. Die Differenz von knapp 23 Euro ist deine Position, bevor der erste Kurs sich bewegt hat.

Bei Teilausführungen lohnt ein Blick ins Kleingedruckte. Wird deine Order in mehreren Stücken ausgeführt, berechnen comdirect, DKB und die meisten anderen die Gebühr bei taggleichen Teilausführungen nur einmal. Zieht sich die Ausführung über mehrere Handelstage, fällt sie pro Tag erneut an. Bei Limit-Orders in engen Werten ist das ein realer Kostenfaktor.

Wer regelmäßig kleine Beträge investiert, sollte prüfen, ob ein Sparplan die bessere Wahl ist. Bei comdirect entfällt dort das börsenplatzabhängige Entgelt, bei Smartbroker+ und der Consorsbank sind Sparpläne ganz oder zeitweise kostenlos.

Tradegate oder Xetra: was ist günstiger?

Die kurze Antwort: Bei den meisten deutschen Brokern ist Tradegate günstiger, weil das Handelsplatzentgelt entfällt. Die längere Antwort hängt davon ab, was du handelst und wann. Entscheidend sind zwei Größen: das Entgelt und der Spread.

Bei der DKB kostet die Ausführung über Xetra 2,50 Euro, über Tradegate nichts. Bei der ING sind es 2,90 Euro für Xetra gegen 0,00 Euro im Direkthandel über Tradegate. Bei Smartbroker+ kommen bei Xetra 0,01 Prozent, mindestens 1,50 Euro obendrauf, bei Tradegate nicht. Nur bei comdirect sind beide Plätze gleich teuer, dort gilt für Xetra und Tradegate derselbe Satz von 0,0025 Prozent, mindestens 2,50 Euro.

Der Gebührenvorteil ist aber nur die halbe Rechnung. In der Xetra-Kernzeit sind die Spreads bei liquiden Standardwerten häufig enger, und Xetra ist der Referenzmarkt für die deutsche Kursfeststellung. Bei einer großen Order in einem DAX-Wert kann der bessere Ausführungskurs die zwei Euro Handelsplatzentgelt schnell aufwiegen.

So würde ich es aufteilen:

  • Kleine bis mittlere Orders außerhalb der Xetra-Kernzeit: Tradegate. Der Handel läuft von 7:30 bis 22:00 Uhr, Xetra nur von 9:00 bis 17:30 Uhr.
  • Große Orders in liquiden Standardwerten während der Kernzeit: Xetra. Der engere Spread wiegt das Entgelt auf.
  • Nebenwerte und ETFs mit dünnem Orderbuch: vergleichen. Bei beiden Plätzen den Geld-Brief-Abstand vor der Order ansehen, nicht die Gebührentabelle.

Wer beides kombiniert, fährt am besten: das Depot nach den Ordergebühren wählen, den Handelsplatz je nach Tageszeit. Welche Plätze es in Deutschland gibt, steht in der Handelsplatz-Übersicht, die genauen Zeiten unter Xetra Handelszeiten und Tradegate Handelszeiten.

Gibt es bei Tradegate versteckte Kosten?

Versteckte Gebühren im Sinne von Klauseln im Kleingedruckten gibt es nicht. Der teuerste Posten steht trotzdem auf keiner Abrechnung. Es ist der Spread.

Der Spread ist die Differenz zwischen dem Geldkurs, zu dem du verkaufen kannst, und dem Briefkurs, zu dem du kaufst. Er wird nicht separat berechnet, sondern ist bereits im Ausführungskurs enthalten.

Rechne es einmal durch. Bei einer Order über 1.000 Euro und einem Spread von 0,2 Prozent verlierst du 2,00 Euro, allein durch die Spanne. Das ist mehr als die Ordergebühr bei der Consorsbank und das Doppelte des Handelsplatzentgelts bei comdirect. Bei Nebenwerten und in den Randzeiten wird die Spanne deutlich breiter, gerade zwischen 7:30 und 9:00 Uhr sowie nach 17:30 Uhr, wenn Xetra als Referenz fehlt.

Zwei weitere Posten gehören zur Wahrheit dazu. Slippage entsteht, wenn deine Market-Order zu einem schlechteren Kurs ausgeführt wird als angezeigt. Wie das zustande kommt, steht im Artikel zur Slippage. Und Mistrade-Regelungen greifen, wenn ein Kurs nicht marktgerecht war: Die Order kann nachträglich aufgehoben werden, was bei einer bereits geschlossenen Gegenposition unangenehm wird.

Was Tradegate dagegen tatsächlich nicht berechnet: Depotgebühren, Kontoführungsentgelte und Gebühren für Ein- oder Auszahlungen. Die Börse führt keine Kundenkonten, das macht ausschließlich dein Broker.

tradegate.direct: Handel ganz ohne Ordergebühr

Seit einiger Zeit tritt die Tradegate AG auch direkt als Anbieter für Privatanleger auf. Damit fällt der Broker als Kostenstelle komplett weg.

Über tradegate.direct entfallen die Ordergebühren dauerhaft, Depot und Verrechnungskonto sind inklusive. Gehandelt wird über die Tradegate BSX von 7:30 bis 22:00 Uhr, eine Sparplan-Funktion gehört dazu. Anbieter ist die Tradegate AG, ein Berliner Institut mit Vollbankstatus.

Bleibt die Frage, woran der Anbieter verdient. Die Antwort steht in den eigenen Angaben: am Spread. Es können marktübliche Spreads anfallen, nach Anbieterangabe in vielen Fällen auch keine. Wer die Nullgebühr nutzen will, sollte also den Geld-Brief-Abstand vergleichen, statt sich auf die Null zu verlassen.

Für wen das nichts ist: Wer an mehreren Börsenplätzen handeln, US-Werte an ihrer Heimatbörse kaufen oder Derivate außerbörslich ordern will, braucht weiterhin ein klassisches Depot. Ein Ein-Börsen-Depot ist eine Einschränkung, auch wenn es nichts kostet.

Fazit: die Gebühr entsteht im Depot, nicht an der Börse

Nach 45 Jahren am Markt fällt mir bei Gebührenfragen vor allem eines auf: Anleger vergleichen den Handelsplatz und übersehen ihr eigenes Depot. Bei Tradegate ist das besonders auffällig, weil die Börse selbst nichts nimmt und die gesamte Spanne von null bis über zwölf Euro allein aus den Broker-Konditionen entsteht.

Wer viel handelt, sollte zwei Zahlen kennen: die eigene durchschnittliche Ordergröße und das Mindestentgelt des Brokers. Aus dieser Kombination ergibt sich, ob ein Festpreismodell oder eine prozentuale Staffel günstiger ist. Bei 500 Euro je Order ist ein Anbieter mit 0,95 Euro pauschal unschlagbar, bei 20.000 Euro sieht die Rechnung anders aus.

Und der wichtigste Satz zum Schluss: Rechne den Spread mit. Eine Ordergebühr von null Euro ist kein Argument, wenn die Spanne breiter ist als anderswo. Wer regelmäßig in denselben Werten handelt, sollte vor der Order beide Kurse ansehen. Das kostet zehn Sekunden und ist über ein Jahr gerechnet mehr wert als jeder Gebührenvergleich.

Häufige Fragen zu den Tradegate Gebühren

Was kostet eine Order bei Tradegate?

Die Börse selbst berechnet nichts. Was du zahlst, hängt vom Broker ab: Eine Order über 1.000 Euro kostet bei der Consorsbank 0,95 Euro, bei DEGIRO 3,90 Euro, bei Smartbroker+ 4,00 Euro und bei comdirect bis zu 12,40 Euro. Über tradegate.direct fällt keine Ordergebühr an.

Welche Gebühren fallen bei Tradegate an?

Für dich als Anleger entstehen bis zu vier Posten: die Ordergebühr des Brokers, ein mögliches Handelsplatzentgelt, der Spread und gegebenenfalls eine Fremdkostenpauschale. Ein Börsenentgelt oder eine Maklercourtage der Tradegate Exchange gehören ausdrücklich nicht dazu.

Ist Tradegate teurer als Xetra?

In der Regel nicht. Bei DKB, ING und Smartbroker+ ist Tradegate günstiger, weil dort das Handelsplatzentgelt entfällt, das für Xetra anfällt. Bei comdirect kosten beide Plätze dasselbe. Dafür sind die Spreads bei liquiden Werten in der Xetra-Kernzeit von 9:00 bis 17:30 Uhr oft enger.

Welche Nachteile hat Tradegate?

Der wichtigste Punkt ist die Kursqualität in den Randzeiten. Vor 9:00 Uhr und nach 17:30 Uhr fehlt Xetra als Referenzmarkt, die Geld-Brief-Spanne wird breiter. Dazu kommt, dass nicht jeder Broker Tradegate anbietet: Scalable Capital etwa führt Orders nur über EIX, gettex und Xetra aus.

Kann ich bei Trade Republic gezielt über Tradegate handeln?

Nein. Bei Trade Republic läuft der Handel mit Aktien und ETFs standardmäßig über die LS Exchange an der Börse Hamburg. Tradegate dient dort als Ausweichplatz, wenn die Handelssysteme der LS Exchange ausfallen.

Was kostet die Depotführung bei Tradegate?

Die Börse führt keine Depots, deshalb entstehen dort auch keine Depotgebühren. Das Depot führt immer dein Broker. Bei Consorsbank, DKB, ING, Smartbroker+ und DEGIRO ist die Depotführung kostenlos, bei comdirect gilt das für Depots, die ab dem 15. Juli 2026 eröffnet wurden.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1980. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.

Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Handelsplatzkosten sind für ihn kein Nebenthema, sondern Teil der Rechnung, die über die Profitabilität eines Handelsansatzes entscheidet. Die Gebühren in diesem Artikel stammen aus den Preis- und Leistungsverzeichnissen der Anbieter, abgerufen im August 2026, nicht aus Vergleichsportalen oder Anbieterwerbung.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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