VDAX-NEW: So liest du das Angstbarometer des DAX

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

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14 Min

Heiko Zeh

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Heiko Zeh

Karsten Kagels

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Karsten Kagels

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Der DAX schwankt jeden Tag, aber wie stark er in den nächsten Wochen schwanken wird, steht in keinem Kurschart. Genau das misst der VDAX-NEW. Er ist der Volatilitätsindex des DAX und übersetzt die Preise von DAX-Optionen in eine einzige Zahl: die erwartete Schwankungsbreite für die kommenden 30 Tage.

Drei Fragen beantwortet dieser Artikel. Was der Indexstand konkret bedeutet, wie du ihn in DAX-Punkte umrechnest und warum du den VDAX-NEW anders als den amerikanischen VIX nicht direkt handeln kannst. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

VDAX-NEW: das Wichtigste in 30 Sekunden

Der VDAX-NEW ist das Angstbarometer des deutschen Aktienmarktes. Diese fünf Punkte beantworten die häufigsten Fragen dazu:

  • Was er misst: die vom Optionsmarkt erwartete Schwankungsbreite des DAX für die nächsten 30 Kalendertage, angegeben in Prozentpunkten pro Jahr.
  • Aktueller Stand: Am 7. September 2026 notiert der VDAX-NEW bei 16,37 Punkten. Das liegt im ruhigen Bereich unter 20.
  • Faustregel: Unter 20 ist der Markt ruhig, über 30 herrscht Anspannung. Der Rekordwert liegt bei 93,30 Punkten vom 16. März 2020.
  • Gegenläufig zum DAX: Fällt der DAX schnell, steigt der VDAX-NEW. Deshalb eignet er sich als Stimmungsmesser, nicht als Kaufsignal.
  • Nicht handelbar: Auf den VDAX-NEW gibt es weder Futures noch Zertifikate oder ETFs. Wer Volatilität handeln will, weicht auf den VSTOXX oder den VIX aus.

Was ist der VDAX-NEW?

Der VDAX-NEW ist ein Volatilitätsindex, der die vom Optionsmarkt erwartete Schwankungsbreite des DAX für die kommenden 30 Kalendertage in Prozentpunkten ausdrückt.

Der VDAX-NEW misst eine Erwartung, keinen Kurs. Er wird nicht aus vergangenen DAX-Bewegungen berechnet, sondern aus den Preisen von DAX-Optionen an der Terminbörse Eurex. Optionen werden teurer, wenn die Marktteilnehmer mit größeren Bewegungen rechnen. Diese Preise lassen sich in eine Volatilität zurückrechnen, und genau diese Größe heißt implizite Volatilität.

In der Praxis heißt der Index Angstbarometer. Der Grund ist sein Verhalten in fallenden Märkten: Wenn der DAX schnell einbricht, sichern sich Anleger über Put-Optionen ab. Diese Nachfrage treibt die Optionspreise und damit den VDAX-NEW nach oben. Der Index steigt also typischerweise dann, wenn der DAX fällt. Diese gegenläufige Beziehung ist der Kern seiner Aussagekraft.

Der Index sagt nichts über die Richtung. Ein Wert von 30 bedeutet, dass der Markt eine große Bewegung erwartet. Ob sie nach oben oder nach unten geht, steht nicht darin. Wer den VDAX-NEW als Kauf- oder Verkaufssignal liest, überfordert ihn.

Wer berechnet und veröffentlicht den Index?

Entwickelt wurde der VDAX-NEW von der Deutschen Börse und Goldman Sachs. Die fortlaufende Berechnung begann laut dem offiziellen Leitfaden am 18. April 2005. Berechnet wird an jedem Handelstag der Eurex zwischen 9:15 Uhr und 17:30 Uhr MEZ, und zwar minütlich. Über eine Rückrechnung stellt die Deutsche Börse eine Zeitreihe bis zum 2. Januar 1992 bereit.

Geführt wird der Index heute unter dem Dach von STOXX. Die Indexgesellschaft der Deutschen Börse Group listet ihn unter dem Kürzel V1X mit der ISIN DE000A0DMX99. Für dich als Leser ändert das nichts an der Berechnung, es erklärt aber, warum du den Index bei manchen Anbietern als V1X findest.

Wo findest du die aktuellen Werte?

Der Indexstand ist kostenlos einsehbar. Ein Datenabo brauchst du dafür nicht. Diese Anbieter zeigen den VDAX-NEW mit Chart und Historie:

  • Deutsche Börse: die Seite des Indexanbieters mit Realtime-Kurs
  • onvista: Chart, 52-Wochen-Spanne und historische Kurse
  • stock3: Realtime-Kurs mit Analysen zum DAX-Umfeld

VDAX und VDAX-NEW: Wo liegt der Unterschied?

Den alten VDAX gibt es nicht mehr. Er wurde am 29. Juli 2016 zum letzten Mal berechnet und schloss bei 17,92 Punkten. Wenn heute jemand vom VDAX spricht, meint er in aller Regel den VDAX-NEW. Viele Kursseiten und selbst einzelne Lexika führen beide Namen weiterhin synonym, was die Verwirrung am Leben hält.

Der wichtigste Unterschied ist der Zeithorizont. Der alte VDAX bezog sich auf 45 Tage, der VDAX-NEW auf 30 Tage. Damit ist er direkt mit dem amerikanischen VIX vergleichbar, der ebenfalls auf 30 Tage rechnet. Ein zweiter Unterschied liegt in der Datenbasis:

MerkmalVDAX (alt)VDAX-NEW
Zeithorizont45 Tage30 Tage
Optionsbasisnur am Geldam Geld und aus dem Geld
Statuseingestellt 29.07.2016wird berechnet

Die breitere Optionsbasis ist der eigentliche Fortschritt. Der alte VDAX zog nur Optionen heran, deren Basispreis ungefähr auf dem aktuellen DAX-Stand lag. Der VDAX-NEW nimmt zusätzlich Optionen mit weit entfernten Basispreisen hinzu. Dadurch erfasst er auch, was der Markt für extreme Bewegungen verlangt, und reagiert in Stressphasen deutlich empfindlicher.

Wie wird der VDAX-NEW berechnet?

Die eigentliche Indexberechnung ist aufwendig. Sie bildet im Kern die Quadratwurzel aus der Rate eines synthetischen Varianzswaps und stützt sich auf alle DAX-Optionen, die am Geld und aus dem Geld notieren. Weil die Optionen feste Verfallstermine haben, der Index aber immer exakt 30 Tage abbilden soll, wird zwischen zwei Laufzeiten interpoliert. Die vollständigen Formeln stehen im Leitfaden der Deutschen Börse.

Für die Praxis brauchst du diese Formeln nicht. Viel nützlicher ist die Rückrechnung: Wie viele DAX-Punkte Schwankung stecken in einem VDAX-NEW-Stand von 16? Dafür genügt eine Zeile.

Vom Indexstand zur erwarteten Schwankungsbreite

Der VDAX-NEW ist auf ein ganzes Jahr hochgerechnet. Er sagt also nicht, dass der DAX in 30 Tagen um 16,37 Prozent schwankt, sondern dass die auf ein Jahr annualisierte Schwankung bei diesem Wert liegt. Um auf 30 Tage zu kommen, rechnest du mit der Wurzel aus dem Zeitverhältnis:

DAX-Stand × VDAX-NEW × Wurzel aus (30 / 365)

Im Nenner stehen 365 Kalendertage, nicht 360. Der Leitfaden der Deutschen Börse rechnet ausdrücklich mit dem Standardjahr und mit Kalendertagen, nicht mit Handelstagen. Der Unterschied klingt klein, macht bei einem DAX-Stand von 26.006,53 aber rund 4 Punkte in der Schwankungsbreite aus.

VDAX-NEW Schwankungsbreite berechnen in drei Schritten mit Formel und Beispielrechnung für den DAX
So rechnest du einen VDAX-NEW-Stand in eine erwartete DAX-Spanne um

Das Ergebnis ist eine Spanne, keine Prognose. Mit einem DAX bei 26.006,53 Punkten und einem VDAX-NEW von 16,37 ergibt die Rechnung rund 1.221 Punkte. Erwartet wird der DAX damit in den nächsten 30 Tagen zwischen 24.786 und 27.227 Punkten.

Was die Spanne wirklich aussagt

Die Spanne deckt eine Standardabweichung ab. Das ist der Punkt, an dem die meisten Darstellungen zu weit gehen. Statistisch bleibt der DAX in rund 68 von 100 Fällen innerhalb dieser Spanne. In etwa 32 Fällen läuft er darüber hinaus, und zwar nach oben wie nach unten.

Wer die Spanne als Grenze liest, verrechnet sich. Sie ist kein Deckel und kein Boden, sondern eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Für das Trading im DAX ist sie trotzdem nützlich: Sie liefert eine sachliche Größenordnung dafür, wie weit ein Stop-Loss vom Einstieg entfernt liegen sollte, damit ihn normales Marktrauschen nicht auslöst.

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Wie du den VDAX-NEW einordnest

Ein einzelner Indexstand sagt wenig. Aussagekräftig wird er erst im Vergleich mit der eigenen Geschichte. Die folgenden Zonen haben sich in der Praxis bewährt, sie sind eine Orientierung und keine amtliche Einteilung.

VDAX-NEW Zonen von ruhigem Markt unter 20 bis Panik über 50 mit den historischen Extremwerten
Die Zonen des VDAX-NEW mit den belegten Extremwerten seit 2020
StandMarktlageBedeutung
unter 20ruhigAbsicherung ist günstig
20 bis 30normalder Regelfall
30 bis 50angespanntAbsicherung wird teuer
über 50Paniksehr selten

Die Extremwerte zeigen, wie selten die oberen Zonen sind. Sein Allzeithoch erreichte der VDAX-NEW mit 93,30 Punkten am 16. März 2020, auf dem Höhepunkt des Corona-Crashs. Der höchste Tagesschlusskurs lag am selben Tag bei 86,01 Punkten. Zum Vergleich: Das 52-Wochen-Hoch der vergangenen zwölf Monate liegt bei 35,58 Punkten vom 23. März 2026, das Tief bei 13,53 Punkten vom 23. Dezember 2025.

Nicht der Stand ist das Signal, sondern die Veränderung. Ein Sprung von 14 auf 22 Punkte innerhalb weniger Tage ist ein deutlicheres Warnzeichen als ein ruhiger Stand von 28. Im ersten Fall hat sich die Einschätzung des Marktes gerade geändert, im zweiten ist sie seit Wochen stabil.

Kann man den VDAX-NEW handeln?

Auf den VDAX-NEW gibt es weder Futures noch Optionen, Zertifikate oder ETFs. Der Index lässt sich beobachten, aber nicht direkt kaufen oder verkaufen.

Das ist der häufigste Irrtum rund um diesen Index. Wer vom amerikanischen VIX kommt, erwartet ein handelbares Produkt: Dort gibt es Futures, Optionen und eine ganze Familie börsengehandelter Papiere. Für den VDAX-NEW gilt das nicht. Die Eurex führt in ihrem Volatilitätssegment ausschließlich Produkte auf den VSTOXX, also den Volatilitätsindex des EURO STOXX 50, dazu Varianzfutures auf denselben Index. Der VDAX-NEW kommt in dieser Produktliste nicht vor.

Welche Wege dir stattdessen bleiben

Für europäische Volatilität führt der Weg über den VSTOXX. Er misst dieselbe Größe für den EURO STOXX 50 und läuft weitgehend parallel zum VDAX-NEW, weil deutsche Werte den europäischen Leitindex stark prägen. Auf ihn gibt es Futures und Optionen an der Eurex. Beides sind Terminmarktprodukte mit Nachschusspflicht und nichts für den Einstieg.

Für einen Absicherungsgedanken reicht meistens der Blick. Der praktische Nutzen des VDAX-NEW liegt nicht darin, ihn zu handeln, sondern darin, mit ihm andere Entscheidungen zu treffen: die Positionsgröße anzupassen, einen Stop weiter zu legen oder den Kauf eines volatilitätsempfindlichen Hebelprodukts zu verschieben.

Vorsicht bei angeblichen VDAX-Papieren. Wenn dir ein Produkt als „VDAX-Zertifikat“ oder „VDAX-ETF“ begegnet, lohnt ein Blick in die Produktunterlagen. In aller Regel bezieht es sich auf den VSTOXX oder den VIX, nicht auf den deutschen Index.

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Der VDAX-NEW in der Praxis

Für welche Produkte er nützlich ist

Am meisten bringt er bei allem, was auf Volatilität reagiert. Der Preis eines Optionsscheins hängt nicht nur vom DAX-Stand ab, sondern auch von der erwarteten Schwankung. Steigt sie, wird der Schein teurer, ohne dass sich der Basiswert bewegt hat. Wer bei einem hohen VDAX-NEW kauft, zahlt diesen Aufschlag mit und verliert ihn wieder, sobald sich der Markt beruhigt.

Bei Knock-out-Produkten ist der Zusammenhang ein anderer. Ein Knock-out-Zertifikat reagiert kaum auf die implizite Volatilität, dafür trifft es die tatsächliche Schwankung umso härter: Je größer die Ausschläge, desto wahrscheinlicher wird die Knock-out-Schwelle berührt. Ein hoher VDAX-NEW ist deshalb ein Argument für einen größeren Abstand zur Schwelle.

Für Sparpläne und langfristige Anlagen taugt er nicht. Wer einen ETF-Sparplan bedient oder ein Zertifikat über Jahre halten will, gewinnt aus einer 30-Tage-Erwartung nichts. Der Anlagehorizont passt schlicht nicht zum Messzeitraum.

Meine Erfahrungen mit dem Index

Ich nutze den VDAX-NEW als Preisfilter, nicht als Signalgeber. Bevor ich ein Hebelprodukt mit Volatilitätseinfluss kaufe, sehe ich nach, wo der Index steht. Notiert er deutlich über seinem Durchschnitt der letzten Wochen, kaufe ich einen Aufschlag mit, der sich später gegen mich dreht. In solchen Phasen greife ich eher zu einem Knock-out mit weitem Abstand als zu einem Optionsschein.

Der zweite Einsatz ist die Einordnung von Kursrutschen. Fällt der DAX deutlich, während der VDAX-NEW kaum steigt, ist das für mich ein Zeichen für eine geordnete Bewegung. Springt er dagegen sprunghaft an, sichern sich große Adressen gerade ab. Das ändert nicht meine Richtung, aber meine Positionsgröße.

Vorteile und Nachteile des VDAX-NEW

Der VDAX-NEW ist ein guter Stimmungsmesser und ein schlechtes Handelssignal. Diese beiden Seiten werden regelmäßig vermischt. Die folgende Gegenüberstellung trennt sie und stützt sich auf die belegten Angaben aus diesem Artikel.

Vorteile des VDAX-NEW

  • Er blickt nach vorn. Anders als eine historische Volatilität misst er die Erwartung des Optionsmarktes für die kommenden 30 Tage.
  • Er ist kostenlos und minütlich aktuell. Der Stand ist bei der Deutschen Börse und bei jedem Datenanbieter frei einsehbar, ohne Depot und ohne Datenabo.
  • Er lässt sich in DAX-Punkte übersetzen. Mit einer Formel wird aus der abstrakten Prozentzahl eine konkrete Spanne, mit der sich Stops planen lassen.
  • Er hat eine lange Historie. Die Rückrechnung reicht bis zum 2. Januar 1992, aktuelle Werte lassen sich also gegen mehr als drei Jahrzehnte einordnen.
  • Er reagiert genau dann, wenn es zählt. In Stressphasen steigt er sprunghaft, wie der Rekordwert von 93,30 Punkten im März 2020 zeigt.

Nachteile des VDAX-NEW

  • Er ist nicht handelbar. Es gibt weder Futures noch Optionen, Zertifikate oder ETFs auf den Index. Anders als beim VIX bleibt nur das Ausweichen auf den VSTOXX.
  • Er nennt keine Richtung. Ein hoher Stand sagt, dass eine große Bewegung erwartet wird, aber nicht, wohin sie geht.
  • Die Spanne wird leicht überschätzt. Sie deckt nur eine Standardabweichung ab, der DAX läuft in rund 32 von 100 Fällen darüber hinaus.
  • Er passt nur zu kurzen Zeiträumen. Für Sparpläne und langfristige Positionen ist eine 30-Tage-Erwartung ohne Aussagekraft.
  • Die Namensverwirrung besteht fort. Viele Seiten führen VDAX und VDAX-NEW synonym, obwohl der alte Index seit 2016 nicht mehr berechnet wird.
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Weitere Indikatoren für die Marktstimmung

Der VDAX-NEW misst nur eine Facette. Er zeigt, was der Optionsmarkt erwartet, also überwiegend professionelle Adressen. Für ein vollständigeres Bild lohnt der Blick auf drei weitere Indikatoren, die andere Gruppen und andere Märkte abbilden.

  • EUWAX Sentiment: misst über die Hebelprodukte der Börse Stuttgart, ob Privatanleger gerade auf steigende oder fallende DAX-Kurse setzen.
  • Put-Call-Ratio: setzt gehandelte Verkaufsoptionen ins Verhältnis zu Kaufoptionen. Werte deutlich über 1 gelten als pessimistisch.
  • Fear and Greed Index: bündelt sieben Einzelindikatoren des US-Marktes zu einer Skala von 0 bis 100. Unter 25 herrscht Angst, über 75 Gier.

Die Indikatoren widersprechen sich regelmäßig, und das ist ihr Wert. Wenn Profis über den Optionsmarkt Absicherung kaufen, während Privatanleger weiter auf steigende Kurse setzen, ist das eine Information für sich. Ein einzelner Indikator liefert diese Spannung nie.

Eine eigene Erhebung liefert dazu die deutsche Anlegerseite. Die Sentiment-Analyse des Heibel-Tickers stützt sich auf eine wöchentliche Umfrage unter Privatanlegern, die seit 2014 in Kooperation mit dem Handelsblatt läuft.

Fazit: Ein Stimmungsmesser mit klaren Grenzen

Der VDAX-NEW beantwortet eine einzige Frage sehr gut. Er sagt dir, wie stark der Markt in den nächsten 30 Tagen mit Bewegung rechnet, und übersetzt diese Erwartung in eine Zahl, die du in DAX-Punkte umrechnen kannst. Als Filter vor dem Kauf eines volatilitätsempfindlichen Produkts ist er damit sehr nützlich.

Als Handelssignal taugt er nicht. Er nennt keine Richtung, er ist nicht handelbar, und seine Spanne ist eine Wahrscheinlichkeitsaussage und keine Grenze. Wer mehr aus ihm herauslesen will, überfordert ihn.

Am stärksten ist er im Zusammenspiel. Zusammen mit einem Indikator für die Privatanlegerstimmung und einem Blick auf den Optionsmarkt ergibt sich ein Bild, das keiner der drei allein liefert. Genau so setze ich ihn ein: als eine Stimme von mehreren, nie als alleinige Grundlage für einen Trade.

Häufige Fragen zum VDAX-NEW

Was bedeutet ein VDAX-NEW von 20 Punkten?

Der Wert ist auf ein ganzes Jahr hochgerechnet. Ein Stand von 20 bedeutet, dass der Optionsmarkt für die kommenden 30 Tage eine annualisierte Schwankung von 20 Prozent erwartet. Umgerechnet auf die 30 Tage sind das rund 5,7 Prozent Schwankungsbreite. Werte unter 20 gelten als ruhige Marktlage.

Ist der VDAX-NEW dasselbe wie der VIX?

Nein, beide messen dieselbe Größe auf verschiedenen Märkten. Die Methode ist vergleichbar und beide beziehen sich auf 30 Tage. Der VDAX-NEW bildet die erwartete Schwankung des DAX ab, der VIX die des S&P 500. In Krisen laufen beide meist parallel.

Kann ich in den VDAX-NEW investieren?

Nein, es gibt keine handelbaren Produkte auf diesen Index. Weder Futures noch Optionen, Zertifikate oder ETFs beziehen sich auf den VDAX-NEW. Die Eurex listet in ihrem Volatilitätssegment ausschließlich Produkte auf den VSTOXX. Angebliche VDAX-Papiere beziehen sich fast immer auf den VSTOXX oder den VIX.

Wird der alte VDAX noch berechnet?

Nein, er wurde 2016 eingestellt. Die letzte Berechnung fand am 29. Juli 2016 statt, der Schlussstand lag bei 17,92 Punkten. Der alte Index bezog sich auf 45 Tage und nur auf Optionen am Geld. Wer heute vom VDAX spricht, meint in aller Regel den VDAX-NEW.

Wie hoch stand der VDAX-NEW im Rekord?

Sein Allzeithoch erreichte er im Corona-Crash. Am 16. März 2020 stieg der Index auf 93,30 Punkte. Der höchste Tagesschlusskurs lag am selben Tag bei 86,01 Punkten.

Wann wird der VDAX-NEW aktualisiert?

An jedem Handelstag der Eurex, und zwar minütlich. Berechnet wird zwischen 9:15 Uhr und 17:30 Uhr MEZ. Die fortlaufende Berechnung läuft seit dem 18. April 2005, eine Rückrechnung reicht bis zum 2. Januar 1992.

Steigt der VDAX-NEW immer, wenn der DAX fällt?

Meistens, aber nicht zwingend. Der Zusammenhang ist gegenläufig, weil Anleger bei fallenden Kursen Absicherung kaufen und damit die Optionspreise treiben. Ein langsamer Rückgang über mehrere Wochen kann den Index dagegen unverändert lassen.

Über den Autor: Heiko Zeh

Heiko Zeh ist Profi-Trader und leitender Analyst bei Kagels Trading. Sein Schwerpunkt liegt auf Hebelprodukten und der praktischen Bewertung von Optionsscheinen, Knock-Outs und Zertifikaten. Er bringt über 30 Jahre Markterfahrung mit und ist Signalgeber für das Optionsschein- und Zertifikate-Swingtrading.

In seinen Beiträgen geht es um die Konstruktion der Produkte selbst. Wie ein Basispreis zustande kommt, wo die Kosten stecken und an welcher Stelle ein Produkt etwas anderes tut, als sein Name verspricht. Für diesen Artikel hat er den Leitfaden der Deutschen Börse zum VDAX-NEW, die Produktliste der Eurex sowie die aktuellen Indexstände von Deutscher Börse und onvista ausgewertet.

Weitere Beiträge von Heiko Zeh stehen auf seiner Autorenseite. Eine Übersicht seiner Artikel findest du hier. Fachlich geprüft wurde dieser Artikel von Karsten Kagels, Gründer von Kagels Trading und seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader an den Märkten.

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