Die zehn Gebote für Price Action Trader (Update 2021)

Trader tun alles Mögliche, um an den Märkten Geld zu verdienen. Sie kaufen sich bessere Computer, wechseln Ihren Broker und springen von einem Markt zum anderen. Aber eines wird häufig übersehen, und zwar das, was die Charts ausmacht: die Price Action.

Egal, ob Sie ein erfahrener Trader oder ein Anfänger sind. Sie dürfen das Wichtigste des Price Action Trading nicht vergessen: die Einfachheit.

Behalten Sie diese 10 Gebote des Price Action Trading im Auge, wenn Sie traden. Sie werden Ihnen dabei behilflich sein, auf konsequente Weise nur die besten Trades einzugehen und aufgeschlossen für neue Möglichkeiten zu sein.

1. Sie sollen die Kursanalyse zuerst vornehmen.

Wie sieht es mit der momentanen Kursentwicklung aus? Stellen Sie sich vor, welche weitere Kursentwicklung Sie erwarten.

Denken Sie darüber nach, was es bedeutet, wenn sich die Kursentwicklung in der von Ihnen erwarteten Weise vollzieht. Überlegen Sie, was es heißt, wenn dies nicht der Fall ist.

Schauen Sie zuerst auf die Kurse. Die Analyse geht vor, und zwar bevor Sie Ihre Augen auf den von Ihnen bevorzugten gleitenden Durchschnitt richten. Sie müssen Ihre Analyse mit den Kursen begründen und nicht mit von den Kursen abgeleiteten Faktoren.

Je mehr Sie mit der Price Action selbst herausfinden, desto einfacher wird Ihr Tradingansatz. Und die einfachere Lösung ist die bessere.

2. Sie sollen die Indikatoren nicht verteufeln.

Price Action Trader verteufeln Indikatoren gerne und bezeichnen alle Indikatoren als nutzlos. Dieses Gebot verbietet diese Vorgehensweise.

Anstatt alle Indikatoren  aus dem Fenster zu werfen, beantworten Sie die folgenden Fragen:

  • Warum sollen Sie diesen Indikator verwenden?
  • Warum ist es besser, diesen Indikator zu nutzen, anstatt ausschließlich den Kurs?
  • Welchen Nutzen hat der Indikator für Ihre Analyse?

Wenn der Indikator nützlich für Ihre Analyse ist und Gewinne bringt, verwenden Sie ihn. Erfolgreiche Trader interessieren sich mehr für Gewinne als für die Bezeichnung „Price Action Trader“.



3. Sie sollen Ihre Charts nicht überladen.

Zu viele Indikatoren im Trading

Sie denken vielleicht, dass ich mit Überladen der Charts mit Indikatoren so etwas wie das obige Beispiel meine. Das ist zwar richtig, aber man kann seine Charts auch mit Price Action Instrumenten überladen.

Zum Beispiel können Sie es mit Trendlinien übertreiben.

Überladen mit Trendlinien

Das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen  können Sie auf alles in Ihrem Chart anwenden. Unabhängig davon, wie viele Indikatoren Sie Ihrem Chart hinzufügen, besitzen Sie nur zwei Augen und ein Gehirn.

Je mehr Faktoren Sie Ihrem Chart aufladen, desto mehr leidet Ihre analytische Fähigkeit darunter. Jeder weitere Indikator, durch den Sie Ihren Chart ergänzen, hat weniger Nutzen als der vorherige.

Auf der Seite „Clutters Anonymous“ (Anonyme Messies) wird Unordnung beschrieben als „Alles, was wir nicht brauchen, wollen oder nutzen, das Zeit, Energie oder Raum benötigt und unsere Klarheit und Gelassenheit zugrunde richtet.“

Trading sauber und klar halten

Halten Sie Ihre Charts klar und sauber, so dass Sie den Weg zum Erfolg wahrnehmen können.

Bewahren Sie Ihre Zeit, Ihre Energie und Ihren Raum für die Instrumente, die Sie zum Traden brauchen.

4. Sie sollen sich nicht zwanghaft mit den Namen von Kursformationen beschäftigen.

„Ist das eine Pin Bar? Oh, das ist eine bullische Engulfing Candlestickformation.“

„Nun, das entspricht nicht der Definition des Super-Chartmusters auf Seite XX im Handbuch der Bezeichnungen für Chartmuster .“

Denken Sie in solchen Begriffen? Wenn dem so ist, schreiben Sie den Bezeichnungen von Chartmustern zu viel Bedeutung zu. Mit den phantasievollen Namen, die man Chartformationen gibt, ist es allzu einfach zu glauben, dass diese Namen diesen Formationen Macht verleihen. Blicken Sie hinter die Begriffe.

Für einen Neuling, der gerade damit begonnen hat, die Namen der gebräuchlichen Formationen zu erlernen, ist es sicherlich nützlich. Auch wenn Sie über Trading schreiben oder darüber sprechen, müssen Sie die Bezeichnungen kennen.

Aber wenn Sie mit dem Trading Geld verdienen wollen, müssen Sie überhaupt keine Bezeichnungen kennen. Konzentrieren Sie sich auf das Kursverhalten und nicht auf Head-and-Shoulders.

Denken Sie über die Art der Price Action nach, die Sie ausfindig machen wollen.

Ihr Interesse ist nicht darauf gerichtet, eine Pin Bar zu finden. Sie sind daran interessiert, Verkaufsdruck zu entdecken. Sie wollen keinen Double Top erkennen, sondern Sie wollen die Zurückweisung bzw. den Rücklauf vom letzten Swing-Hoch des Marktes sehen.

„Was ist der Name? Das Ding, das wir eine Rose nennen, würde unter jedem Namen ebenso lieblich riechen.“

William Shakespeare (aus „Romeo und Julia“)

Wenn Sie den Markt gut genug analysiert haben, werden Sie erkennen, dass sich die gleichen Formationen laufend wiederholen. Trotzdem werden tagtäglich Menschen versuchen, sich dafür bezahlen zu lassen, dass sie den Chartformationen jeweils neue Namen geben. Diese Bezeichnungen werden sie sogar als Handelsmarken amtlich eintragen lassen. Und es hat den Anschein, dass sie mehr Zeit damit verbringen, ihre Handelsmarken zu verteidigen, als die besagten Chartformationen zu traden.

Vergessen Sie die Namen.

5. Sie sollen nicht in illiquiden Märkten traden.

Price Action Tradingtechniken wurden aufgrund der Beobachtung entwickelt, wie sich die Kurse in den verschiedenen Märkten bewegen. Das ist aber nicht alles: Diese Beobachtungen wurden in liquiden Märkten angestellt, etwa in wichtigen Aktienmärkten und in den E-Minis.

Die illiquiden Märkte wie die Penny Stocks (Kleinaktien: Euro-Raum unter 1 Euro; USA unter 5 Dollar) verhalten sich anders. Price Action Techniken in illiquiden Märkten zu praktizieren, ist nicht gerade vernünftig.

Außerdem sind die Tradingkosten in illiquiden Märkten höher. Demzufolge ist es schwieriger, die Gewinne abzuzapfen, die Sie wollen.

6. Sie sollen den Trend der Kurse respektieren.

Um es mit anderen Worten auszudrücken: Berücksichtigen Sie den Gesamtzusammenhang. Achten Sie auf den Trend oder die Abwesenheit eines Trends. Der Marktkontext kommt immer vor den Einzelheiten.

Ihr Tradingvorteil ergibt sich stets daraus, dass Sie die Markttendenz richtig erkennen. Wie zum Beispiel oben zu sehen ist, funktionieren in einem bärischen Markt die meisten Short-Setups, und die meisten Long-Setups scheitern.

Das bedeutet folgendes: Selbst mit dem besten bullischen Setup, das es gibt, gilt es, wenn der Trend des Marktes bärisch ist, nochmals nachzudenken und unbedingt abzuwarten, bis eine Bestätigung erfolgt.

Allerdings heißt Respekt nicht, kritiklos zu folgen. Es bedeutet, dass Sie den Gesamtzusammenhang nicht vergessen dürfen, wobei die Price Action bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle spielt. Aber das gilt nicht absolut. Das trifft für fast alles zu, was mit dem Markt zusammenhängt.

7. Sie sollen Unterstützung und Widerstand des Marktes respektieren.

Ja, ein Price Action Trader ist in diesem Sinne respektvoll.

Wenn es um die Trade-Einstiege und Ausstiege geht, passen Sie gut auf Unterstützung und Widerstand auf. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Bullen und Bären um diese Bereiche kämpfen.

Bei den besten Setup-Einstiegen werden Sie häufig erfahren, dass Unterstützung und Widerstand mit diesen übereinstimmen.

Für die Gewinnmitnahme platzieren Sie nicht nur eine beliebige Gewinnziel Limit Order. Unterstützung und Widerstand bieten logische Möglichkeiten zur Gewinnmitnahme für Short- und Longpositionen gleichermaßen.

Wie es auch bei Preistrends der Fall ist, können Sie immer aus trifftigen Gründen mit Unterstützung und Widerstand nicht einverstanden sein.

8. Sie sollen das Risiko mithilfe von Chartformationen kontrollieren.

Das ist die Haupteigenschaft des Price Action Trading. Durch Beobachtung des Kursverlaufs können Sie für Ihre Trades natürliche Stop-Loss-Punkte finden.

Wenn Sie eine Shortposition aufgrund einer bärischen Kursformation eröffnen, wie mit dem Trend-Bar Fehlsignal unten gezeigt wird, bietet das Hoch der Formation ein untergeordnetes Widerstandslevel. Das ist der natürliche Bereich für einen Verluststopp.

Risikokontrolle im Trading
1. Bärisches Trend Bar Fehlsignal. 2. Short hier 3. Stop-Loss am Hoch des Kursmusters | Trade-Risiko

Chartmuster führen uns in den Markt hinein. Aber wenn Sie einen durch die Chartformation vorgegebenen Verluststopp für den Ausstieg verwenden, nutzen Sie deren größten Vorteil, indem Sie Ihr Risiko bestimmen.

Dies ist ein grundlegender Baustein Ihres Risiko-Managements. Mit unserem festgelegten Trade-Risiko und Tradingkapitel ist eine vernünftige Postionsgröße möglich.

9. Sie sollen die Volatilität der Kurse analysieren.

Price Action ist ohne die Analyse der Volatilität der Kurse (Handelsspanne) nicht möglich. Die Analyse der Kurspanne führt uns zu Kursmustern der Volatilität wie dem NR4, NR7 und WR7.

Noch wichtiger ist, dass die Analyse der täglichen Handelsspanne einen entscheidenden Richtwert zur Gewinnmitnahme darstellt.

Kennen Sie die durchschnittliche Handelsspanne des Marktes, den Sie traden? Kennen Sie den durchschnittlichen Mittelwert der täglichen Handelsspanne des Marktes? Kennen Sie die Verteilung der täglichen Handelsspanne?

Wenn das nicht der Fall ist, riskieren Sie ein unrealistisches Kursziel.

Beispielsweise hat die tägliche Handelsspanne des Marktes, den Sie handeln, in den letzten 10 Jahren nie den Wert von 50 überschritten. Als Daytrader haben Sie es erfreulicherweise geschafft, am Tief der Handelssitzung zu kaufen. Das ist gut. Aber dann haben Sie ein Kursziel von 60 Ticks festgelegt.

Es ist zwar nicht unmöglich, dass der Markt Ihr Ziel von 60 Ticks erreicht, aber ist das die Tradingart, die Sie wollen? Ist das „einmal in 10 Jahren“ tatsächlich die Art von Wahrscheinlichkeit, die Sie praktizieren möchten?

Als Forex-Trader können Sie den „Forex Volatility Calculator“ benutzen, der auf dieser Seite vorgestellt wird, um die verschiedenen Währungspaare zu analysieren.

10. Sie sollen Ihre eigenen Gebote haben.

Erfolgreiche Trader, die lange in den Märkten überleben, sind äußerst unabhängig.

Wenn Sie diese Gebote lesen, wird Ihr Verstand wahrscheinlich  schon protestiert und widersprochen haben.

Das ist toll, wenn Sie trifftige Gründe haben, um Widerspruch einzulegen.

Trading ist mit Unsicherheit behaftet, und die Märkte sind heimtückisch. Niemandem zu trauen, ist eine gute Regel zum Leben. Ihre eigenen Gebote zu haben, ist besser, als sich blind auf meine zu verlassen.

Versuchen Sie, ob Sie es hinbekommen, Ihre eigenen Gebote aufzuschreiben. Sie werden Ihre eigene Tradingerfahrung und Persönlichkeit widerspiegeln. Gehen Sie davon aus, dass sich diese im Laufe der Zeit langsam entwickeln, während Sie als Trader Fortschritte machen.

Die Vorteile des Price Action Trading sind für Sie erreichbar. Wenn Sie diese Ratschläge beachten, werden Sie sich mithilfe einer einfacheren Methode in einen flexibleren Trader verwandeln. Konsequente und wohlüberlegte Aktionen werden Sie als Price Action Trader voranbringen und zum Erfolg führen.

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Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: The 10 Commandments of Price Action Trading

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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