Was ist der „Fair Value“ eines Futureskontraktes?

Die Berechnung des Fair Value eines Futureskontraktes ist nicht so kompliziert, wie es sich viele Trader vorstellen. In diesem Artikel möchte ich einige Hinweise geben.

Viele denken, dass die Differenz zwischen dem Future Preis eines Marktes und dem Preis des Kassa Produktes sich einfach zu nutze machen lässt. Dabei wird so vorgegangenen, dass der eine Markt gekauft und der andere Markt dagegen als Hedge verkauft wird.  Es kann dann gewartet werden, bis der Futureskontrakt ausläuft, wodurch ein Gewinn realisiert wird. So einfach ist das aber leider nicht!

Den Fair Value richtig verstehen

Es ist zwar richtig, dass der Futures Preis und der Kassa Preis immer zu Pari zurückkehren, doch es ist mehr zu tun als diese beiden Märkte einfach gegeneinander zu handeln. Daher ist es wichtig, zuerst einmal zu verstehen, was der Fair Value ist. Erst dann kann man beurteilen, ob der Future zu hoch oder zu niedrig handelt.

Ein Futures Kontrakt ist nichts anderes, als die Vereinbarung ,ein Produkt in der Zukunft zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.

Somit ist der Fair Value der theoretische Preis an dem der Futures Kontrakt handeln sollte, welcher sich aus dem heutigen Kassa Preis und den Haltekosten (Cost of Carry) zusammensetzt. Er beschreibt den Zusammenhang zwischen dem Kassakurs (Spot Preis) und dem Futures Preis.

Fair Value = Kassa Preis + Cost of Carry

Um Ihnen das einmal näher bringen zu können, zeige ich Ihnen das an einem fiktiven Beispiel anhand des Futures auf einen Kursindex der Aktienmarktes, d.h. Dividenden müssen entsprechend berücksichtigt werden, da diese nicht mit einfließen.

Berechnung des Fair Value eines Aktienindex-Futures

Bei einem Aktienindex gilt zu beachten, dass es neben den Zinszahlungen auch Dividendenzahlungen gibt und diese dementsprechend bei der Berechnung mit beachtet werden müssen.

Fair Value = Kassa Preis+ Zinskosten – Dividendenzahlungen

Wir haben November und unser Kassa Index steht bei 10.260, der Dezember Future steht aktuell bei 10.215, also 45 Punkte niedriger.

Die Zinskosten basieren auf dem Libor-Zinssatz bis zum Ablauf des Dezemberkontraktes. Um den täglichen Zinssatz zu kalkulieren, teilen wir diesen einfach durch 360.

Fair Value = Kassa + (Libor x Tage bis zum Verfall / 360) – Dividendenzahlungen

Angenommen der Libor-Zinssatz ist bei 1,6 Prozent und es sind noch 55 Tage bis der Future verfällt, dann sind die Zinsaufwendungen für die restlichen 55 Tage in diesem Fall: 1,6/360 * 55=0,24 Prozent

Beispiel zur Berechnung des Fair Value

Index Future Preis                 10.215

Index Kassa Preis                   10.260

Zinssatz (Libor)                      1,6%

Tage bis zum Verfall              55

Dividenden zahlbar                60
bevor Verfall (Wert
der Dividenden in
Index Punkten)

Zinsaufwendungen             0,00024
über die 55 Tage

Fair Value = Kassa +  (Libor x Tage bis zum Verfall / 360) – Dividendenzahlungen

Fair Value = (10.260 + 10260) x (0,00024 – 60) = 10.202,50

Index Futures vs Fair Value 10.215 – 10.202,50 = +12,5

Das bedeutet in unserem fiktivem Beispiel, dass der Future 12,5 Punkte zu hoch bepreist wäre (bezeichnet man als Premium).

Für Profis lassen sich Arbitrage-Gewinne erzielen

Somit würde sich ein Arbitragegewinn erzielen lassen, indem man Index Futures verkauft und zur gleichen Zeit die Aktien des den Index beinhalteten Portfolios in dem Verhältnis ihrer Gewichtung gekauft werden.

Dies hört sich natürlich recht einfach an, doch ist dies in der Praxis nicht so einfach umsetzbar. Zusätzlich müssen noch Transaktionskosten, Steuereffekte, bid-/ask spread, Leerverkaufsbeschränkungen usw. beachtet werden. Dies wird daher heute zum Großteil nur noch von Computern durchgeführt bzw. ist alles so weit vorgefertigt, dass der Trader nur noch eine Taste drücken muss, um den Vorgang komplett zu erledigen.

Bei Rohstoff-Futures gibt es noch weitere Kosten wie Lagerhaltungskosten, Versicherungskosten und Zinsverlust auf die Geldmittel, die man hätte reinvestieren können, wenn man die Rohstoffe direkt weiterverkauft hätte. Die Kosten variieren von Rohstoff zu Rohstoff. Beispielsweise ist die Lagerung und Versicherung von Öl wesentlich höher als die Lagerung und Versicherung von Baumwolle.

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