CoinMarketCap ist für viele die erste Adresse, wenn es um Kryptokurse geht. Die Seite zeigt Preise, Marktkapitalisierung und Handelsvolumen zu zehntausenden Coins und Token, und das kostenlos. Genau diese Reichweite macht sie aber auch zu einem Namen, den Betrüger gern missbrauchen.
Für diese Fassung habe ich die Plattform im August 2026 komplett neu durchgesehen. Dabei kam einiges ans Licht, das in keinem deutschen Ratgeber steht: Der Trending-Score eines Tokens lässt sich auf CoinMarketCap für $99 bis $3.999 kaufen. Die „Kauf“-Schaltflächen neben jedem Coin sind Partnerlinks. Und ein erheblicher Teil der Suchanfragen nach der Seite kommt von Menschen, die glauben, dort läge ihr Geld.
Du erfährst hier, wie du CoinMarketCap auf Deutsch und Euro umstellst, was die Seite kostet, warum sie keine Börse ist und woran du die gefälschten Kopien erkennst. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
CoinMarketCap.com: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Reine Datenseite, keine Börse: CoinMarketCap zeigt Kurse und Kennzahlen. Du kannst dort kein Konto mit Guthaben führen, nichts einzahlen und nichts auszahlen.
- Umfang: Die Seite führt 39.336 gerankte Kryptowährungen und 972 Börsen, getrackt werden nach eigener Angabe 58,32 Millionen Assets (Stand 27.08.2026).
- Kostenlos für Leser: Sämtliche Kursdaten, Ranglisten, das Portfolio und die Beobachtungsliste sind gratis. Geld kostet nur die Programmierschnittstelle ab $29 im Monat.
- Gehört Binance: Die Kryptobörse übernahm CoinMarketCap Ende März 2020. Der Eigentümer ist damit ein Marktteilnehmer, dessen Konkurrenten auf derselben Seite bewertet werden.
- Sichtbarkeit ist käuflich: Über die Funktion „Boost“ können Projekte ihren Trending-Score erhöhen, laut Preisliste für $99 bis $3.999 je nach Paket und Laufzeit.
- Vorsicht bei Nachahmern: Unter ähnlichen Namen laufen gefälschte Plattformen, die Einzahlungen annehmen und nichts zurückzahlen.
Was ist CoinMarketCap.com?
CoinMarketCap ist eine Datenplattform für Kryptowährungen, die Preise, Marktkapitalisierung und Handelsvolumen von Börsen weltweit einsammelt und daraus Durchschnittswerte und Ranglisten berechnet.
Die Seite verwahrt kein Geld und führt keine Aufträge aus. Sie ist ein Nachschlagewerk, vergleichbar mit einem Kursteil, nur eben für Kryptowährungen statt für Aktien. Wer handeln will, braucht eine Börse oder einen Broker.
Die Zahlen entstehen als gewichteter Durchschnitt über viele Handelsplätze. Das erklärt, warum der Preis auf CoinMarketCap fast nie exakt dem Preis entspricht, den du auf deiner eigenen Kryptobörse siehst. Für einen Marktüberblick reicht das, für die Ausführung einer Order ist immer der Kurs deines Handelsplatzes maßgeblich.
Wem CoinMarketCap gehört
Gegründet wurde die Seite im Mai 2013 von Brandon Chez. Ende März 2020 übernahm die Kryptobörse Binance das Unternehmen, der Gründer zog sich dabei aus der Geschäftsführung zurück. An dieser Eigentümerlage hat sich bis heute nichts geändert.
Das ist mehr als eine Fußnote. Die Börsenrangliste auf CoinMarketCap bewertet unter anderem direkte Wettbewerber des eigenen Eigentümers. Ein Interessenkonflikt ist damit angelegt, unabhängig davon, ob er im Einzelfall wirkt. Wer die Rangliste liest, sollte ihn kennen.
CoinMarketCap auf Deutsch und in Euro umstellen
Die häufigste Frage zu dieser Seite ist keine über Krypto, sondern eine über die Bedienung: Wie bekomme ich sie auf Deutsch und in Euro? CoinMarketCap startet im Standard auf Englisch und rechnet in US-Dollar. Beides lässt sich in wenigen Sekunden ändern, der Schalter ist nur gut versteckt.
Du findest ihn im Menü ganz rechts oben in der Kopfzeile, hinter dem Symbol mit den drei waagerechten Strichen. Dort stehen untereinander die Punkte Sprache und Währung. Ein Klick auf „Sprache“ öffnet die Liste, „Deutsch“ steht darin unter den europäischen Sprachen.

Für die Währung gilt derselbe Weg: Menü öffnen, „Währung“ anklicken, EUR auswählen. Danach stehen sämtliche Kurse, die Marktkapitalisierung und das Handelsvolumen in Euro statt in Dollar. Die Einstellung wird im Browser gespeichert und hält, solange du die Website-Daten nicht löschst.
- Menü öffnen: Symbol mit den drei Strichen, ganz rechts in der Kopfzeile.
- Sprache wählen: auf „Sprache“ klicken, dann „Deutsch“.
- Währung wählen: auf „Währung“ klicken, dann „EUR“.
- Direktweg: Die deutsche Fassung liegt auch fest unter der Adresse mit dem Zusatz /de/ hinter der Domain.
Warum die Seite trotzdem halb englisch bleibt
Die Übersetzung ist unvollständig, und das seit Jahren. Menüs, Kennzahlen und Tabellenköpfe erscheinen auf Deutsch. Redaktionelle Inhalte, Fehlermeldungen und große Teile der Hilfeseiten bleiben englisch. Manche Bezeichnungen sind zudem maschinell übersetzt und dadurch schief: Aus „Treasuries“ werden „Schatzkammern“, aus einem Ranking wird eine „Rangliste“ mit englischen Unterpunkten.
Für die reine Kursabfrage spielt das keine Rolle. Sobald du dich aber durch die Hilfe oder durch längere Beiträge arbeitest, brauchst du englische Grundkenntnisse. Wer das nicht will, ist mit einem deutschen Portal oder mit CoinGecko besser bedient, dessen deutsche Fassung weiter reicht.
Ist CoinMarketCap seriös?
Die kurze Antwort lautet: Die Seite selbst ist echt, ihre Daten sind brauchbar, und trotzdem ist Vorsicht angebracht. CoinMarketCap ist ein reales Unternehmen mit realem Betrieb, seine Kurse werden von Nachrichtenagenturen und Behörden zitiert. Die Probleme liegen woanders, nämlich bei der Frage, was auf der Seite bezahlt ist und was nicht.
Der Trending-Score lässt sich kaufen
Auf jeder Coin-Seite sitzt eine Schaltfläche mit der Aufschrift „Boost“. Wer sie anklickt, sieht eine Preisliste. Für $99 bekommt ein Token einen zehnfachen Schub für zwölf Stunden, für $3.999 einen sechshundertfachen für einen Tag. CoinMarketCap beschreibt die Wirkung selbst so: „Dieses Paket erhöht den Trending-Score des Tokens.“

| Paket | Laufzeit | Preis |
|---|---|---|
| 10x | 12 Stunden | $99 |
| 30x | 12 Stunden | $249 |
| 50x | 12 Stunden | $399 |
| 100x | 24 Stunden | $899 |
| 600x | 24 Stunden | $3.999 |
Das ist keine Unterstellung, sondern ein offizielles Produkt mit eigenen Geschäftsbedingungen. Die Konsequenz für dich ist einfach: Die Liste „Im Trend“ ist kein Marktsignal. Sie mischt echtes Nutzerinteresse mit bezahlter Platzierung, ohne dass am einzelnen Eintrag steht, welcher Fall vorliegt.
Die Kauf-Schaltflächen sind Partnerlinks
Neben jedem Coin steht eine blaue Schaltfläche „Kauf“. Sie sieht aus wie eine Funktion der Plattform, führt aber zu fremden Anbietern. Ein Blick in den hinterlegten Link zeigt Partnerprogramm-Kennungen von eToro, Kraken und Coinbase. CoinMarketCap verdient also an der Vermittlung, was in der Oberfläche nirgends ausgewiesen wird.
Bemerkenswert daran ist die Auswahl: Der Eigentümer heißt Binance, verlinkt wird trotzdem auf dessen direkte Wettbewerber. Das spricht gegen die verbreitete Annahme, die Seite sei ein reines Werbefenster für die Muttergesellschaft. Gegen kommerzielle Interessen spricht es nicht.
Was die Nutzerbewertungen zeigen
Auf Trustpilot steht CoinMarketCap bei 1,3 von 5 Punkten, gerechnet aus 854 Bewertungen (Stand 27.08.2026). 85 Prozent davon vergeben einen einzigen Stern. In den letzten zwölf Monaten kamen 72 neue Bewertungen dazu, der Wert ist also kein eingefrorener Altbestand.
Beim Lesen der Texte fällt allerdings auf, dass sich ein großer Teil gar nicht auf die echte Seite bezieht. Es geht um verlorene Einzahlungen, um blockierte Auszahlungen und um Support, der nicht antwortet. Alles Dinge, die CoinMarketCap überhaupt nicht anbietet. Der schlechte Wert misst deshalb zu einem guten Teil den Schaden der Fälschungen, nicht die Qualität des Originals.
Der Fall Shiba Inu
Einen belegten eigenen Fehler gibt es trotzdem. Im Januar 2022 warf das Team hinter Shiba Inu der Plattform öffentlich vor, auf der SHIB-Seite drei falsche Vertragsadressen zu führen. CoinMarketCap widersprach zunächst und erklärte, es handle sich um Adressen für kettenübergreifende Transaktionen. Am 8. Februar 2022 wurden sie dann doch entfernt.
Der Vorgang liegt inzwischen über vier Jahre zurück und taugt nicht als aktuelles Urteil. Die Lehre daraus gilt aber unverändert: Eine Vertragsadresse, die du zum Kauf eines Tokens brauchst, gehört immer gegen die offizielle Quelle des Projekts geprüft. Eine falsche Adresse kostet das eingesetzte Geld vollständig.
Kann man auf CoinMarketCap Geld einzahlen und auszahlen?
Nein. CoinMarketCap führt keine Kundenkonten mit Guthaben, nimmt keine Einzahlungen entgegen und zahlt kein Geld aus.
Diese Frage stellen trotzdem auffällig viele Menschen, und sie stellen sie meist in einer Notlage. Wer nach „CoinMarketCap Geld auszahlen“ sucht, sucht selten aus Neugier. In aller Regel steckt einer von zwei Fällen dahinter, und beide sind erklärbar.
Fall 1: Das Portfolio wird für ein Depot gehalten
CoinMarketCap bietet ein Portfolio an, in das du deine Bestände von Hand einträgst. Die Seite rechnet daraus Gewinn und Verlust aus. Optisch sieht das aus wie ein Depotauszug, mit Summen in Euro und Prozentwerten. Nur liegt dahinter kein einziger Coin.
Das Werkzeug ist ein Notizbuch, kein Konto. Es weiß nicht, wo deine Coins liegen, und es kann sie nicht bewegen. Wenn dort eine hohe Summe steht, heißt das nur, dass jemand diese Zahlen eingetippt hat. Ausgezahlt wird immer dort, wo die Coins tatsächlich liegen: bei deiner Börse, deinem Krypto-Broker oder in deiner Wallet.
Fall 2: Eine gefälschte Plattform trägt einen ähnlichen Namen
Der zweite Fall ist der ernstere. Betrüger bauen Seiten und Apps, deren Name dem Original bis auf einen Buchstaben gleicht. Ein dokumentiertes Beispiel ist cmarketcap.com, zu dem eine deutsche Kanzlei bereits im März 2023 einen Rechtstipp veröffentlichte. Geschädigte berichteten dort, keine Auszahlung zu erhalten und stattdessen eine Kaution von 20 Prozent der Summe zahlen zu sollen.
Das Muster ist immer dasselbe. Erst wächst ein angeblicher Gewinn, dann scheitert die Auszahlung an einer Gebühr, Steuer oder Kaution, die vorab überwiesen werden soll. Wer zahlt, verliert auch dieses Geld. Ein seriöser Anbieter verrechnet Gebühren mit dem Guthaben und verlangt nie eine Vorabzahlung.
Woran du eine gefälschte CoinMarketCap-Seite erkennst
- Es gibt ein Guthaben: Das echte CoinMarketCap führt keine Konten mit Geld. Sobald dir ein Kontostand angezeigt wird, den du abheben könntest, bist du nicht auf der Originalseite.
- Die Adresse weicht ab: Das Original läuft ausschließlich unter coinmarketcap.com. Jede Variante mit fehlendem Buchstaben, Bindestrich oder anderer Endung ist eine Fälschung.
- Vor der Auszahlung wird kassiert: Gebühr, Steuer, Kaution oder „Freischaltung“ vorab. Das ist immer ein Betrugsmerkmal, unabhängig vom Anbieter.
- Jemand betreut dich persönlich: Ein Berater per Chat oder Telefon, der dich zu Einzahlungen drängt. CoinMarketCap hat keine persönliche Kundenbetreuung und ruft niemanden an.
- Der Kontakt kam von außen: Über eine Anzeige, eine Chatgruppe oder eine angebliche Bekanntschaft. Rufe die Seite immer selbst über die Adresszeile auf.
Wenn du bereits Geld überwiesen hast, ist der wichtigste Schritt, keine weitere Zahlung zu leisten. Sichere Belege, Kontoauszüge und den Schriftverkehr, informiere deine Bank und erstatte Strafanzeige. Je früher eine Überweisung gemeldet wird, desto eher lässt sie sich im Einzelfall noch aufhalten.
Was CoinMarketCap kostet
Für normale Leser ist CoinMarketCap vollständig kostenlos. Kurse, Ranglisten, Charts, Portfolio, Beobachtungsliste, Kalender und sämtliche redaktionellen Inhalte stehen ohne Bezahlung bereit. Ein Konto brauchst du nur für die Funktionen, die etwas speichern müssen, also für Portfolio und Beobachtungsliste.
Weil die Seite keine Handelsplattform ist, gibt es auch keine Ordergebühren, keine Spreads und keine Depotkosten. Was du an Kosten trägst, fällt bei deiner Börse an, nicht hier. Was dort üblich ist, haben wir im Artikel zu den Tradingkosten aufgeschlüsselt.
Geld kostet nur die Programmierschnittstelle, über die Entwickler die Kursdaten automatisch abrufen. Auch davon gibt es eine kostenlose Stufe mit 15.000 Abrufen im Monat und über 60 Datenendpunkten, die für private Projekte meist ausreicht.
| Tarif | Preis pro Monat | Abrufe pro Monat |
|---|---|---|
| Basic | kostenlos | 15.000 |
| Builder | $29 | 150.000 |
| Startup | $79 | 450.000 |
| Growth | $299 | 2.000.000 |
| Professional | $699 | 5.000.000 |
| Enterprise | auf Anfrage | 30.000.000 |
Kostenpflichtig sind außerdem die Werbeprodukte für Projekte, allen voran der oben beschriebene Boost. Diese Angebote richten sich an Anbieter von Token, nicht an Anleger. Für dich als Leser entstehen daraus keine Kosten, wohl aber der Bedarf, die Trending-Liste mit Abstand zu lesen.
Der Aufbau der CoinMarketCap Webseite
Die Startseite folgt einem festen Muster. Ganz oben stehen die Gesamtdaten des Marktes, darunter die Navigation, darunter die Rangliste der größten Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung. Am unteren Rand läuft eine Leiste mit den wichtigsten Kennzahlen mit, die auf jeder Unterseite sichtbar bleibt.

Diese Fußleiste ist der schnellste Marktüberblick, den die Seite bietet. Sie nennt die Zahl der erfassten Kryptowährungen und Börsen, die Gesamtmarktkapitalisierung, das Tagesvolumen, die Dominanz von Bitcoin und Ethereum sowie die aktuellen Gasgebühren im Ethereum-Netz.
Kostenlose Angebote
Der Kern sind die Ranglisten. Kryptowährungen lassen sich nach Marktkapitalisierung, Volumen und Kursentwicklung sortieren, Börsen nach Volumen und Vertrauen. Dazu kommen Kategorien, in denen Token nach Themen gebündelt sind, und Listen wie „Zuletzt hinzugefügt“ oder „Gewinner und Verlierer“.
Das Portfolio und die Beobachtungsliste setzen ein kostenloses Konto voraus. Beide sind reine Verwaltungswerkzeuge: Du trägst ein, was dich interessiert, die Seite rechnet und zeigt an. Ein Kalender für Termine rund um Kryptowährungen gehört ebenfalls zum kostenlosen Umfang.
Produkte auf CoinMarketCap
Unter den Produkten steht ein Umrechner, der Kryptowährungen gegen Fiatgeld und gegeneinander umrechnet. Dazu kommen Widgets zum Einbetten in eigene Webseiten, ein Telegram-Bot und ein Newsletter.
Die App für Android und iOS bildet den Funktionsumfang der Webseite weitgehend ab, samt Portfolio, Beobachtungsliste und Kursalarmen. Sie ist kostenlos und der bequemere Weg, wenn du nur schnell einen Kurs nachsehen willst.
Lernen auf CoinMarketCap
Der Lernbereich heißt heute Akademie. Er sammelt Grundlagenartikel, Anleitungen, ein Glossar mit Fachbegriffen und Videos. Die Beiträge sind zum Teil auf Deutsch verfügbar und für den Einstieg brauchbar, bleiben inhaltlich aber allgemein.
Daneben gibt es „Lernen und verdienen“. Dort beantwortest du nach einem kurzen Kurs ein Quiz und erhältst dafür die behandelte Kryptowährung. Die Funktion ist an ein Binance-Konto gekoppelt, du brauchst also ein Konto bei der Muttergesellschaft. Die ausgeschütteten Beträge sind klein, der Weg dorthin führt aber zuverlässig zur Registrierung bei einer Börse.
Was CoinMarketCap im Trading taugt
Für den Kryptohandel ist CoinMarketCap ein Werkzeug für die Vorbereitung, nicht für die Ausführung. Es beantwortet die Fragen, die vor dem Trade stehen: Gibt es den Coin überhaupt, wie groß ist er, wo wird er gehandelt, wie viel Volumen läuft dort.
In den vergangenen Jahren sind allerdings Funktionen dazugekommen, die weiter reichen. Dazu gehören ein Angst-und-Gier-Index, ein Altcoin-Saison-Index, Übersichten zu Liquidationen und Finanzierungsraten im Derivatemarkt, Zuflüsse in Krypto-ETFs sowie fertige Auswertungen zu RSI und MACD.
Diese Werkzeuge ersetzen keine Analyseplattform. Sie sind Momentaufnahmen ohne Einstellmöglichkeiten, und die Charts auf den Coin-Seiten zeigen im Standard Linien statt Kerzen. Wer Kursverläufe ernsthaft liest, braucht Kerzencharts und damit ein anderes Programm.
Tokenomics richtig lesen
Tokenomics sind die wirtschaftlichen Eckdaten einer Kryptowährung: Umlaufmenge, Maximalmenge, Marktkapitalisierung und die Regeln, nach denen neue Einheiten entstehen oder vernichtet werden.

Auf jeder Coin-Seite stehen sie links neben dem Chart. Die wichtigste und am häufigsten missverstandene Kennzahl ist die Marktkapitalisierung. Sie ist das Produkt aus Kurs und Umlaufmenge, nicht das Geld, das je in ein Projekt geflossen ist. Ein Coin mit einer Milliarde Marktkapitalisierung hat keine Milliarde eingesammelt.
Daneben steht die vollständig verwässerte Bewertung. Sie rechnet mit der maximalen Menge statt mit der umlaufenden. Klafft zwischen beiden Werten eine große Lücke, kommen noch viele Einheiten auf den Markt. Das ist ein Verwässerungsrisiko und einer der Punkte, die sich hier in zehn Sekunden prüfen lassen.
Genauso schnell geprüft ist das Handelsvolumen im Verhältnis zur Marktkapitalisierung. Ein sehr niedriger Wert bedeutet dünne Liquidität, also weite Spannen zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Ein auffällig hoher Wert bei einem kleinen Coin ist umgekehrt ein Grund für Misstrauen, weil er auf künstlich erzeugtes Volumen hindeuten kann.
Gerade bei gehypten Meme-Coins lohnt dieser Datencheck, bevor du einem Influencer folgst. Warum das so ist, zeigt unser Erfahrungsbericht über Flo Pharell. Wie sich Kursziele seriös herleiten lassen, behandeln wir in der Bitcoin Prognose.
Alternativen zu CoinMarketCap
Es ist immer sinnvoll, zwei Quellen zu vergleichen, besonders bei kleinen Coins. Weichen die Angaben zu Umlaufmenge oder Volumen deutlich voneinander ab, ist das ein Warnzeichen. Die folgenden vier Seiten decken denselben Zweck ab, mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
| Anbieter | Besonderheit | Umfang laut eigener Angabe |
|---|---|---|
| CoinGecko | unabhängig, gehört keiner Börse, deutsche Oberfläche | 19.340 Kryptowährungen, 1.498 Börsen |
| LiveCoinWatch | schlanke Oberfläche, schnelle Ladezeiten, nur Englisch | keine Angabe auf der Startseite |
| Coinlib | Portfolio, Widgets und Vergleichswerkzeuge, nur Englisch | keine Angabe auf der Startseite |
| CoinCap | betrieben von ShapeShift, deutsche Sprachfassung | keine Angabe auf der Startseite |
Der wichtigste Name in dieser Liste ist CoinGecko. Die Seite ist der direkte Gegenspieler und in einem Punkt klar im Vorteil: Sie gehört keiner Kryptobörse. Beim Umfang liegt sie mit 19.340 gelisteten Kryptowährungen unter CoinMarketCap, führt mit 1.498 Börsen aber deutlich mehr Handelsplätze.
LiveCoinWatch ist die schlankeste Lösung, wenn es nur um Kurse geht. Der Nachteil ist die Werbung: Auf der Startseite stand beim Test ein großflächiges Banner für ein Krypto-Glücksspielangebot. Eine deutsche Fassung gibt es nicht.
Coinlib bietet ähnliche Werkzeuge wie CoinMarketCap, darunter Portfolio und Widgets, bleibt aber ebenfalls englischsprachig. CoinCap schließlich gehört zur ShapeShift AG und weist im Fußbereich ausdrücklich darauf hin, in keiner Verbindung zu CoinMarketCap zu stehen. Der Hinweis steht dort nicht ohne Grund, denn die Namen werden regelmäßig verwechselt.
Vor- und Nachteile von CoinMarketCap
CoinMarketCap ist ein Nachschlagewerk mit klarer Grenze. Es liefert Breite und Geschwindigkeit, und es liefert sie umsonst. Was es nicht liefert, ist Unabhängigkeit und Tiefe. Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, was du erwarten darfst und was nicht.
Vorteile von CoinMarketCap
- Größte Abdeckung am Markt: 39.336 gerankte Kryptowährungen und 972 Börsen. Auch sehr kleine Token sind meist zu finden.
- Vollständig kostenlos: Sämtliche Daten, Ranglisten und Werkzeuge stehen ohne Bezahlung bereit. Ein Konto brauchst du nur für Portfolio und Beobachtungsliste.
- Deutsch und Euro einstellbar: Sprache und Währung lassen sich in zwei Klicks umstellen. Die Kernansichten sind vollständig übersetzt.
- Schnelle Einordnung: Marktkapitalisierung, Umlaufmenge und Volumenverhältnis sagen in Sekunden, wie groß und wie liquide ein Coin ist.
- Kostenlose Schnittstelle: 15.000 Abrufe im Monat reichen für private Auswertungen und eigene Tabellen.
Nachteile von CoinMarketCap
- Gehört einer Kryptobörse: Eigentümer ist Binance. Die Seite bewertet damit Wettbewerber des eigenen Eigentümers.
- Trending-Liste ist käuflich: Über „Boost“ lässt sich der Trending-Score kaufen, ab $99. Am Eintrag ist das nicht erkennbar.
- Kauf-Schaltflächen sind Partnerlinks: Sie führen zu fremden Anbietern, ohne dass die Vergütung ausgewiesen wird.
- Übersetzung bleibt Stückwerk: Redaktionelle Inhalte und Hilfeseiten sind größtenteils englisch, einzelne Begriffe wirken maschinell übersetzt.
- Charts sind zu flach für Analyse: Im Standard Linien statt Kerzen, kaum Einstellmöglichkeiten. Für ernsthafte Chartarbeit ungeeignet.
- Der Name wird missbraucht: Gefälschte Seiten mit ähnlicher Adresse nehmen Einzahlungen an. Das Original hat damit nichts zu tun, der Schaden trifft trotzdem Nutzer.
Fazit zu CoinMarketCap.com
CoinMarketCap bleibt für den Marktüberblick erste Wahl. Keine andere kostenlose Seite deckt so viele Coins und Börsen ab, und für die Frage „Was ist dieser Token, wie groß ist er, wo wird er gehandelt“ brauchst du keine zweite Quelle. In dieser Rolle funktioniert die Seite seit über einem Jahrzehnt zuverlässig.
Zwei Dinge solltest du dabei im Kopf behalten. Erstens gehört die Plattform Binance, also einem Marktteilnehmer. Zweitens ist ein Teil der Sichtbarkeit auf der Seite bezahlt, von der Trending-Liste bis zu den Kauf-Schaltflächen. Beides macht die Daten nicht falsch, aber es macht die Hervorhebungen zu Werbung.
Praktisch heißt das: Nutze die harten Zahlen, also Kurs, Marktkapitalisierung, Umlaufmenge und Volumen. Behandle alles, was Aufmerksamkeit lenkt, mit Abstand. Und gleiche bei kleinen Coins mit CoinGecko ab, bevor du Geld einsetzt.
Der wichtigste Satz dieses Artikels ist aber ein anderer, und er richtet sich an alle, die über eine Suche nach Auszahlung hier gelandet sind: Auf CoinMarketCap liegt kein Geld. Wer dir dort ein Guthaben zeigt und eine Gebühr für dessen Freigabe verlangt, betrügt dich. Zahle nichts nach und sichere deine Belege.
Häufige Fragen zu CoinMarketCap
Wie stelle ich CoinMarketCap auf Deutsch um?
Öffne das Menü rechts oben in der Kopfzeile, erkennbar an den drei waagerechten Strichen. Dort steht der Punkt Sprache, dahinter wählst du „Deutsch“. Die deutsche Fassung ist außerdem direkt über die Adresse mit dem Zusatz /de/ erreichbar. Menüs und Kennzahlen sind danach übersetzt, längere redaktionelle Texte bleiben teilweise englisch.
Wie zeigt CoinMarketCap Kurse in Euro an?
Im selben Menü rechts oben findest du unter „Sprache“ den Punkt Währung. Wähle dort EUR aus. Danach stehen alle Kurse, die Marktkapitalisierung und das Handelsvolumen in Euro. Die Einstellung speichert der Browser und behält sie bei späteren Besuchen bei.
Kann ich auf CoinMarketCap Kryptowährungen kaufen?
Nicht direkt. CoinMarketCap ist eine Datenplattform und keine Börse. Die „Kauf“-Schaltflächen neben den Coins führen zu fremden Anbietern wie eToro, Kraken oder Coinbase und enthalten Partnerprogramm-Kennungen. Der Kauf findet also immer beim jeweiligen Anbieter statt, nicht auf CoinMarketCap.
Kann ich Geld von CoinMarketCap auszahlen lassen?
Nein. Die Seite führt keine Kundenkonten mit Guthaben. Das Portfolio ist ein Notizwerkzeug, in das du deine Bestände selbst einträgst, dahinter liegen keine echten Coins. Wird dir auf einer angeblichen CoinMarketCap-Seite ein auszahlbares Guthaben angezeigt, handelt es sich um eine Fälschung.
Kann man den Daten von CoinMarketCap vertrauen?
Das Unternehmen ist echt und seine Kursdaten sind brauchbar. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Eigentümer ist seit 2020 die Kryptobörse Binance, und Projekte können ihren Trending-Score über die Funktion „Boost“ ab $99 kaufen. Die Zahlen sind belastbar, die Hervorhebungen auf der Seite sind es nicht immer.
Warum hat CoinMarketCap so schlechte Trustpilot-Bewertungen?
Der Wert liegt bei 1,3 von 5 Punkten aus 854 Bewertungen (Stand 27.08.2026). Auffällig viele Texte beschreiben verlorene Einzahlungen und blockierte Auszahlungen, also Vorgänge, die es bei CoinMarketCap gar nicht gibt. Ein großer Teil der Kritik trifft damit gefälschte Seiten, die den Namen missbrauchen.
Was kostet CoinMarketCap?
Für Leser nichts. Kurse, Ranglisten, Portfolio, Beobachtungsliste und Kalender sind kostenlos. Kostenpflichtig ist nur die Programmierschnittstelle für Entwickler, die bei $29 im Monat beginnt. Auch davon gibt es eine Gratisstufe mit 15.000 Abrufen monatlich.
Wie viele Kryptowährungen listet CoinMarketCap?
Am 27.08.2026 waren es 39.336 gerankte Kryptowährungen und 972 Börsen. In der Fußleiste nennt die Seite zusätzlich 58,32 Millionen erfasste Assets. Diese deutlich höhere Zahl schließt sämtliche an dezentralen Börsen gehandelten Token ein, die kein Ranking erhalten.
Gibt es eine CoinMarketCap App?
Ja, für Android und iOS, und sie ist kostenlos. Die App bildet Kurse, Ranglisten, Portfolio und Beobachtungsliste ab und bietet Kursalarme. Fordert eine App unter diesem Namen eine Einzahlung, stammt sie nicht von CoinMarketCap.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading und handelt seit 1978 an den Finanzmärkten. Er arbeitet diskretionär nach Price Action, also ohne mechanisches Handelssystem, und ist in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten aktiv.
Ende der 1980er-Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für diese Fassung hat er die Plattform im August 2026 vollständig neu durchgesehen und dabei die Boost-Preisliste sowie die Partnerprogramm-Kennungen hinter den Kauf-Schaltflächen dokumentiert. Beides steht in keinem deutschen Ratgeber zu dieser Seite. Zusätzlich hat er die Trustpilot-Bewertungen und einen belegten Betrugsfall unter ähnlichem Namen ausgewertet.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.










