Am 24. Juni 2026 hat Binance seinen Antrag auf eine EU-Lizenz zurückgezogen. Sieben Tage später endete die Übergangsfrist der europäischen Krypto-Verordnung MiCA. Damit ist die größte Kryptobörse der Welt in Europa das, was sie vorher nie offiziell war: ein Anbieter ohne Zulassung. Für deutsche Nutzer ändert das die wichtigste Frage. Sie lautet nicht mehr “lohnt sich Binance”, sondern “was passiert mit meinem Guthaben”.
Dieser Bericht beantwortet beides mit Belegen statt mit Vermutungen. Wir haben das offizielle ESMA-Register aller in Europa zugelassenen Krypto-Dienstleister heruntergeladen und nachgesehen, wer darin steht und wer nicht. Dazu kommen die Mitteilung von Binance im Wortlaut, die Einordnung der BaFin und geprüfte Alternativen mit Lizenznummer. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Binance: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Keine EU-Lizenz: Binance steht nicht im ESMA-Register der zugelassenen Krypto-Dienstleister. Geprüft am 8. September 2026 gegen alle 341 Einträge.
- Antrag zurückgezogen: Am 24. Juni 2026 zog Binance seinen MiCA-Antrag in Griechenland zurück und sucht seither ein anderes EU-Land.
- Stichtag war der 1. Juli 2026: Seither dürfen Anbieter aus Drittstaaten ihre Dienste in der EU nach BaFin-Angaben nicht mehr aktiv anbieten.
- Guthaben bleibt zugänglich: Binance sagt zu, dass Kundengelder sicher und jederzeit erreichbar bleiben. Eine Einlagensicherung gibt es trotzdem nicht.
- 84 lizenzierte Anbieter allein in Deutschland: Wer eine regulierte Alternative sucht, hat die größte Auswahl in ganz Europa.
- Trustpilot zeigt keinen Score mehr: Das Portal hat die Gesamtnote wegen eines Richtlinienverstoßes gesperrt. 82 Prozent der 6.192 Bewertungen vergeben einen Stern.
Was ist Binance? Die Kryptobörse erklärt
Binance ist eine Handelsplattform für Kryptowährungen, auf der Nutzer digitale Münzen wie Bitcoin gegen andere Münzen oder gegen staatliches Geld tauschen. Gemessen am täglichen Handelsvolumen ist sie die größte der Welt.
Die Zahlen, mit denen Binance selbst wirbt, sind gewaltig. Auf der eigenen Startseite nennt das Unternehmen 329,8 Millionen Nutzer und ein Handelsvolumen von rund 72 Milliarden US-Dollar in 24 Stunden. Zum Vergleich: Das ist etwa das Zwanzigfache dessen, was an einem durchschnittlichen Tag über die Frankfurter Wertpapierbörse läuft.
Gegründet wurde die Börse 2017 von Changpeng Zhao. Er trat Ende 2023 zurück, nachdem sich Binance in den USA in einem Strafverfahren wegen Verstößen gegen Geldwäscheauflagen schuldig bekannt hatte. Seither führt Richard Teng das Unternehmen. Diese Vorgeschichte erklärt einen Teil der heutigen Zurückhaltung europäischer Aufsichtsbehörden.
Kein Hauptsitz, und das ist kein Zufall
Binance hat bis heute keinen eindeutigen Firmensitz. Das Unternehmen arbeitet aus mehreren Rechtsräumen gleichzeitig, unter anderem über eine maltesische Holding und eine Lizenz auf den Bahamas. Wer wissen will, mit welcher Gesellschaft er einen Vertrag schließt, findet darauf keine einfache Antwort.
Für den Leser ist das keine Formalie, sondern der Kern des Risikos. Ohne bekannten Sitz gibt es keinen eindeutigen Gerichtsstand und keine zuständige Aufsichtsbehörde, an die man sich im Streitfall wenden kann. Genau diese Unklarheit wollte die EU mit MiCA beenden.
Ist Binance in Deutschland legal?
Die Nutzung ist für dich nicht strafbar, das Angebot des Anbieters aber nicht erlaubt. Diese Unterscheidung klingt spitzfindig und ist trotzdem entscheidend. Die Pflicht zur Erlaubnis trifft das Unternehmen, nicht den Kunden. Wer bei Binance ein Konto hat, macht sich nicht strafbar. Er verliert aber den Schutz, den ein zugelassener Anbieter mitbringt. Eine Übersicht der Krypto-Broker mit MiCA-Lizenz haben wir zusammengestellt.
Was am 1. Juli 2026 passiert ist
MiCA ist seit Ende 2024 der einheitliche Rechtsrahmen für Krypto-Dienstleister in der EU. Die Abkürzung steht für Markets in Crypto-Assets. Wer eine solche Zulassung in einem Mitgliedstaat erhält, darf damit in allen 27 Staaten arbeiten. Für Bestandsanbieter gab es eine Übergangsfrist. Sie endete am 1. Juli 2026.
Die BaFin beschreibt die Folge in ihrem Fachartikel vom 25. August 2026 knapp. Zum Stichtag stellten unlizenzierte Anbieter aus der EU ihre Tätigkeit ein, und Unternehmen aus Drittstaaten durften ihre Dienste in der EU nicht mehr aktiv anbieten. Binance ist ein solches Unternehmen aus einem Drittstaat. Was die BaFin als deutsche Finanzaufsicht genau tut, erklären wir gesondert. Die vollständige Einordnung steht im Fachartikel der BaFin.
Was Binance selbst dazu sagt
Binance hat den Rückzug am 24. Juni 2026 selbst öffentlich gemacht. In einer Mitteilung mit dem Titel “Important Update for Our European Users” schreibt das Unternehmen, es habe seinen Antrag bei der griechischen Aufsichtsbehörde HCMC zurückgezogen und werde die Zulassung in einem anderen EU-Staat verfolgen. Welcher das sein soll, steht dort nicht. Die Mitteilung ist im Blog von Binance nachlesbar.
Zwei Sätze aus dieser Mitteilung sind für dich wichtig. Der erste lautet sinngemäß, dass die Guthaben sicher bleiben und jederzeit zugänglich sind. Der zweite räumt ein, dass Nutzer je nach Land und Kontostatus unterschiedlich betroffen sein können. Binance kündigt an, Betroffene direkt zu benachrichtigen. Wer keine Nachricht bekommen hat, sollte trotzdem nachsehen.
Was das ESMA-Register zeigt
Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA führt ein öffentliches Verzeichnis aller zugelassenen Anbieter. Es liegt als Datei zum Herunterladen bereit und wird wöchentlich aktualisiert. Wir haben es am 8. September 2026 geladen und durchsucht. Das Ergebnis ist eindeutig und in zwei Richtungen aussagekräftig. Das Register findest du auf den MiCA-Seiten der ESMA.
| Prüfung | Ergebnis | Bedeutung |
|---|---|---|
| Liste der zugelassenen Anbieter | 341 Einträge, kein Binance | Keine Erlaubnis in der EU |
| Liste der auffälligen Anbieter | 167 Einträge, kein Binance | Keine Warnung der Aufsicht |
| Zulassungen in Deutschland | 84 Anbieter | Größte Auswahl in Europa |
Der zweite Befund ist so wichtig wie der erste. Binance fehlt in der Liste der zugelassenen Anbieter, steht aber auch nicht auf der Liste der Unternehmen, gegen die europäische Aufseher Verstöße festgestellt haben. Wer daraus einen Betrugsvorwurf machen will, findet dafür im Register keine Grundlage. Es fehlt eine Erlaubnis, mehr sagt der Befund nicht.
Die drei Risiken, die daraus folgen
Ohne Zulassung entfallen drei Schutzmechanismen, die du bei einer deutschen Bank hättest. Sie greifen unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Plattform technisch funktioniert.
- Keine Einlagensicherung: Die gesetzliche Sicherung von 100.000 Euro gilt für Bankguthaben, nicht für Kryptowerte bei einer Börse. Sie gälte auch bei einem lizenzierten Anbieter nicht.
- Kein deutscher Rechtsweg: Ohne Sitz und ohne Aufsicht in der EU ist unklar, welches Gericht zuständig wäre und an welche Beschwerdestelle du dich wenden kannst.
- Keine Aufsicht über die Reserven: Ob den Kundenguthaben jederzeit echte Vermögenswerte gegenüberstehen, prüft in Europa niemand. Bei lizenzierten Anbietern ist genau das Aufsichtsaufgabe.
Was deutsche Nutzer jetzt noch tun können
Hier ist eine ehrliche Grenze nötig. Binance kommuniziert die konkreten Einschränkungen nicht öffentlich, sondern individuell per E-Mail an betroffene Konten. Was für dein Konto gilt, hängt nach Angaben des Unternehmens von deinem Wohnsitzland und deinem Kontostatus ab. Wir können deshalb nicht für jeden Einzelfall sagen, welche Funktion noch verfügbar ist.
Was sich belegen lässt, ist die Richtung. Ein Anbieter ohne Zulassung darf in der EU nach dem Stichtag keine neuen Kunden aktiv gewinnen und keine regulierten Dienste mehr anbieten. Das Abziehen vorhandener Guthaben bleibt davon unberührt, denn eine geordnete Abwicklung ist genau das, was die Aufsicht erwartet.
Drei Schritte sind unabhängig von deinem Kontostatus sinnvoll. Sie kosten wenig Zeit und verhindern, dass du von einer Frist überrascht wirst.
- Posteingang prüfen: Auch den Spam-Ordner und die Benachrichtigungen in der App. Binance kündigt an, Betroffene direkt anzuschreiben.
- Bestand dokumentieren: Kontoauszüge und Transaktionslisten jetzt exportieren, solange der Zugang unverändert funktioniert. Für die Steuererklärung brauchst du sie ohnehin.
- Auszahlungsweg testen: Mit einem kleinen Betrag prüfen, ob der gewohnte Weg noch funktioniert, bevor es um den ganzen Bestand geht.
Guthaben abziehen: So kommst du an dein Geld
Es gibt zwei Wege, und sie führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Welcher der richtige ist, hängt davon ab, ob du deine Kryptowerte behalten oder sie in Euro tauschen willst. Wer beides verwechselt, zahlt unnötig Gebühren oder löst eine Steuerpflicht aus.
Weg 1: Kryptowerte auf eine andere Adresse senden
Dabei bleiben die Münzen Münzen und wechseln nur den Aufbewahrungsort. Ziel ist entweder eine eigene Wallet oder das Konto bei einem lizenzierten Anbieter. Es fällt eine Netzwerkgebühr an, die je nach Blockchain stark schwankt. Ein steuerpflichtiger Vorgang ist ein reiner Transfer zwischen eigenen Adressen in der Regel nicht, weil kein Verkauf stattfindet.
Ein Fehler bei der Adresse ist nicht umkehrbar. Deshalb gilt hier dieselbe Regel wie bei jeder Überweisung in einem fremden System: erst einen kleinen Testbetrag senden, ankommen lassen, dann den Rest. Wer eine eigene Wallet nutzt, findet die Grundlagen in unserem Bericht zu MetaMask.
Weg 2: In Euro tauschen und auf das Bankkonto überweisen
Hier verkaufst du zuerst und überweist danach. Der Verkauf ist der entscheidende Schritt, denn er kann steuerpflichtig sein. In Deutschland sind Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowerten nach einer Haltedauer von über einem Jahr steuerfrei, darunter zählen sie zu den privaten Veräußerungsgeschäften. Wer kurz vor der Jahresgrenze steht, sollte das nachrechnen, bevor er verkauft.
Die Reihenfolge lässt sich auch umdrehen. Wer die Haltefrist nicht brechen will, sendet die Kryptowerte unverkauft zu einem lizenzierten Anbieter und entscheidet dort später über den Verkauf. Das ist in vielen Fällen die ruhigere Lösung, weil sie den Zeitdruck aus der Entscheidung nimmt.
Binance Kurzcheck: Vor- und Nachteile
Die Bewertung fällt heute anders aus als vor dem Stichtag. Die technischen Stärken der Plattform sind unverändert. Was sich geändert hat, ist ihre rechtliche Stellung in Europa, und die wiegt für deutsche Nutzer schwerer als jede Gebührentabelle.
Vorteile von Binance
- Größte Auswahl am Markt: mehr als 500 handelbare Kryptowährungen, darunter viele, die es sonst nirgends gibt
- Sehr hohe Liquidität: rund 72 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen in 24 Stunden sorgen für enge Spannen zwischen An- und Verkaufskurs
- Niedrige Handelsgebühren: 0,1 Prozent im Spothandel, mit dem hauseigenen Token BNB weniger
- Eigener Sicherungsfonds: der SAFU-Fonds hält nach Unternehmensangaben 15.000 Bitcoin, Stand Februar 2026
- Breites Funktionsangebot: Futures, Staking, Handelsroboter und Programmierschnittstelle in einer Oberfläche
Nachteile von Binance
- Keine EU-Zulassung: Binance fehlt im ESMA-Register aller 341 zugelassenen Anbieter, geprüft am 8. September 2026
- Zugang für EU-Nutzer eingeschränkt: seit dem Stichtag 1. Juli 2026 dürfen Anbieter aus Drittstaaten ihre Dienste hier nicht mehr aktiv anbieten
- Kein deutscher Rechtsschutz: ohne Sitz und Aufsicht in der EU gibt es keine zuständige Beschwerdestelle
- Trustpilot-Note gesperrt: das Portal zeigt wegen eines Richtlinienverstoßes keinen Gesamtwert mehr an
- Kundenservice als Dauerkritik: lange Wartezeiten und Standardantworten sind der häufigste Vorwurf in den Bewertungen
- Für Einsteiger überladen: die Oberfläche zeigt Profifunktionen, die Anfänger nicht brauchen und teuer missverstehen können
Für wen die Plattform trotzdem noch infrage kommt
Es gibt eine Gruppe, für die Binance weiter relevant bleibt. Das sind erfahrene Nutzer außerhalb der EU und Menschen, die gezielt Nischen-Token handeln, die bei regulierten Anbietern gar nicht gelistet sind. Wer in Deutschland lebt und einfach Bitcoin oder Ether kaufen will, hat dagegen keinen Grund mehr, das Risiko einzugehen.
Die Plattform im Überblick
Binance ist keine reine Handelsplattform, sondern ein ganzes Bündel von Diensten. Das erklärt die Beliebtheit und zugleich die Unübersichtlichkeit. Wer nur kaufen und halten will, sieht sich einer Oberfläche gegenüber, die für aktive Trader gebaut ist.
Weboberfläche und App
Die Weboberfläche bietet zwei Ansichten. Eine einfache für den schnellen Kauf und eine klassische mit Orderbuch, Chart und Ordertypen. Das Orderbuch zeigt, welche Kauf- und Verkaufsaufträge gerade offen sind. Wer lieber mit gewohnter Chartsoftware arbeitet, kann die Kurse auch über TradingView verfolgen. Die Abbildung darunter zeigt beide Ansichten. Wer verstehen will, welche Auftragsarten es gibt, findet das in unserer Übersicht der Ordertypen.
Handelsroboter und Schnittstelle
Für automatisierten Handel gibt es zwei Wege. Fertige Handelsroboter in der Oberfläche und eine Programmierschnittstelle für eigene Programme, an die auch externe Dienste wie 3Commas und Cryptohopper andocken. Beides ist mächtig und beides birgt Risiken: Ein Roboter handelt auch dann weiter, wenn die Marktlage sich grundlegend ändert. Wer das Thema vertiefen will, findet eine Einordnung in unserem Beitrag zu Trading Bots.
Handelbare Kryptowährungen und Märkte
Der Spothandel ist das Kerngeschäft. Spot bedeutet, dass du die Münze sofort kaufst und danach besitzt, ohne Hebel und ohne Laufzeit. Mehr als 500 Kryptowährungen stehen zur Auswahl. Die Grafik darunter zeigt die meistgehandelten Münzen. Eine Einordnung, was hinter den einzelnen Kryptowährungen steckt, gibt unsere Übersicht. Diese Breite ist der stärkste sachliche Grund, der für die Plattform spricht.
Futures und Hebelprodukte
Hier wird es für Privatanleger gefährlich. Binance erlaubt im Futures-Handel Hebel, die weit über dem liegen, was europäische Anbieter Privatkunden bieten dürfen. Ein Hebel vervielfacht Gewinn und Verlust gleichermaßen. Bei hohen Hebeln genügt eine kleine Kursbewegung in die falsche Richtung, um den Einsatz vollständig zu verlieren. Ohne konsequent gesetzten Stop-Loss ist das kaum beherrschbar.
Genau diese Grenze ist einer der Gründe für die europäische Regulierung. Zugelassene Anbieter in der EU unterliegen Vorgaben zum Anlegerschutz, die es außerhalb nicht gibt. Wer Hebelprodukte handeln will, sollte die Mechanik vorher verstanden haben. Unsere Einführung in den Futures-Handel erklärt die Grundlagen.
Staking und Zinsangebote
Beim Staking stellst du Münzen zur Verfügung und bekommst dafür eine Vergütung. Das klingt nach Zinsen, ist aber etwas anderes: Die Rendite wird in derselben schwankenden Währung ausgezahlt, und das Guthaben ist oft für eine feste Frist gebunden. Fällt der Kurs in dieser Zeit, hilft die beste Rendite nichts.
Binance Gebühren: Was der Handel kostet
Die Grundgebühr im Spothandel liegt bei 0,1 Prozent je Seite. Das gilt für Kauf und Verkauf getrennt. Wer den hauseigenen Token BNB zur Gebührenzahlung nutzt, bekommt einen Rabatt. Vieltrader zahlen über ein Stufenmodell weniger. Damit gehört Binance zu den günstigsten Anbietern am Markt. Welcher Auftragstyp dabei anfällt, macht einen Unterschied: Eine Market Order wird sofort ausgeführt, kostet aber oft mehr als ein Limit.
Der Rabatt über den eigenen Token hat einen Haken, den die Werbung nicht nennt. Um ihn zu bekommen, musst du BNB halten. Dieser Token schwankt im Kurs wie jede andere Kryptowährung. Ein Kursverlust kann die Ersparnis bei den Gebühren schnell übersteigen. Der Rabatt ist damit kein sicherer Vorteil, sondern eine zusätzliche Wette.
Die teuerste Position steht selten in der Gebührentabelle. Es sind die Kosten für Ein- und Auszahlungen. Eine Zahlung per Kreditkarte kostet bei Kryptobörsen üblicherweise ein Vielfaches der Handelsgebühr, und die Netzwerkgebühr beim Versenden hängt an der jeweiligen Blockchain. Wer Kosten vergleicht, muss diese Posten mitrechnen.
Ist Binance seriös? Sicherheit im Praxistest
Seriosität und Zulassung sind zwei verschiedene Fragen. Eine Plattform kann technisch solide arbeiten und trotzdem ohne Erlaubnis tätig sein. Umgekehrt schützt eine Lizenz nicht vor jedem Fehler. Wir trennen deshalb, was belegbar ist, von dem, was Vermutung bleibt.
Der eigene Sicherungsfonds
Binance unterhält seit 2018 einen eigenen Notfallfonds namens SAFU. Nach Angaben auf der Startseite umfasst er 15.000 Bitcoin, Stand Februar 2026. Die Adresse der zugehörigen Wallet veröffentlicht das Unternehmen, der Bestand ist also in der Blockchain nachprüfbar. Beim Angriff auf die Börse im Jahr 2019 wurden Kunden daraus tatsächlich entschädigt.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Der Fonds ist eine freiwillige Zusage des Unternehmens, kein gesetzlicher Anspruch. Und niemand kontrolliert von außen, ob er im Ernstfall eingesetzt wird. Das unterscheidet ihn grundlegend von einer gesetzlichen Einlagensicherung.
Was technisch überzeugt
Auf der technischen Seite gibt es wenig zu bemängeln. Die Plattform bietet Zwei-Faktor-Anmeldung, Adresslisten für Auszahlungen und Warnungen bei ungewöhnlichen Anmeldungen. Der größte Teil der Kundengelder liegt nach Unternehmensangaben in Cold Storage, also in Speichern ohne Internetverbindung. Seit 2019 ist kein größerer Angriff mit Kundenverlusten bekannt geworden.
Binance Erfahrungen: Was Nutzer berichten
Die Bewertungslage ist ungewöhnlich, und das ist selbst der Befund. Trustpilot zeigt für Binance keinen Gesamtwert mehr an. Das Portal schreibt, die Bewertung sei wegen eines Verstoßes gegen die eigenen Richtlinien nicht verfügbar, und vermerkt zusätzlich, man habe gefälschte Bewertungen entfernt. Geprüft am 8. September 2026.
Die einzelnen Stimmen sind weiter einsehbar, und sie sind eindeutig. Von 6.192 Bewertungen vergeben 82 Prozent einen Stern und 6 Prozent fünf. Die jüngste stammt vom 30. August 2026. Eine solche Verteilung ist aussagekräftiger als jeder Mittelwert, weil sie zeigt, dass es kaum Zwischentöne gibt. Das Profil liegt öffentlich bei Trustpilot.

Der Kundenservice ist die häufigste Kritik
Ein Muster zieht sich durch fast alle negativen Berichte. Nutzer beschreiben lange Wartezeiten, Standardantworten und Schwierigkeiten, im Problemfall einen Menschen zu erreichen. Besonders häufig genannt werden gesperrte Konten und ins Stocken geratene Auszahlungen. Auch der Testbericht von BTC-Echo und die Diskussionen im Forum r/Finanzen zeichnen dieses Bild. Wer Kurse und Handelsvolumen unabhängig prüfen will, findet sie bei CoinMarketCap.
Bei der Deutung ist Vorsicht geboten. Bewertungsportale ziehen unzufriedene Nutzer stärker an als zufriedene, und die Sperrung des Gesamtwerts zeigt, dass in diesem Profil auch manipulierte Beiträge gelandet sind. Belegt ist deshalb nur das Muster der Kritik, nicht ihr genauer Umfang. Der Screenshot darüber stammt aus dem August 2025 und zeigt den damaligen Stand.
Positive Stimmen gibt es auch
Wer keine Probleme hat, lobt vor allem drei Dinge. Die Ausführung von Aufträgen auch bei hohen Handelsvolumen, die niedrigen Gebühren und die Auswahl an Münzen. Diese Stimmen stammen typischerweise von Nutzern, die seit Jahren dabei sind und nie den Kundenservice gebraucht haben. Das ist eine ehrliche Einordnung: Solange nichts schiefgeht, funktioniert die Plattform gut.
Regulierte Alternativen zu Binance
Die Auswahl ist größer, als die meisten vermuten. Im ESMA-Register stehen 341 zugelassene Anbieter, davon allein 84 in Deutschland. Damit hat Deutschland die meisten Zulassungen aller EU-Staaten. Die folgenden drei sind für Privatanleger am zugänglichsten, jeweils mit dem Datum ihrer Zulassung aus dem Register. Einen breiteren Überblick gibt unser Vergleich der Kryptobörsen.
Bitpanda
Der Wiener Anbieter ist über mehrere Gesellschaften zugelassen. Im Register stehen die Bitpanda GmbH in Österreich seit dem 9. April 2025 und die Bitpanda Asset Management GmbH in Deutschland seit dem 24. Januar 2025. Neben Kryptowerten sind dort auch Aktien, ETFs und Edelmetalle handelbar. Details stehen in unserem Bericht zu Bitpanda.
Kraken
Kraken hält seine EU-Zulassung über eine irische Gesellschaft. Im Register steht die Payward Europe Solutions Limited seit dem 25. Juni 2025. Das ist eine wichtige Korrektur gegenüber älteren Darstellungen, die Kraken in Deutschland über einen Partner verorten. Die Handelsoberfläche richtet sich eher an erfahrene Nutzer. Mehr dazu in unserem Test zu Kraken.
BSDEX
Die kleinste, aber deutscheste Lösung kommt aus Stuttgart. Betreiber ist die Baden-Württembergische Wertpapierbörse GmbH, zugelassen seit dem 3. Juli 2025. Die Auswahl an Münzen ist deutlich kleiner als bei Binance. Dafür sind Betreiber, Aufsicht und Gerichtsstand eindeutig deutsch. Unsere Einschätzung steht unter BSDEX.
Eine Warnung zum Schluss dieses Abschnitts. Eine Zulassung ist kein Gütesiegel für Kursgewinne und schützt nicht vor Kursverlusten. Sie regelt, wer haftet, wer beaufsichtigt wird und an wen du dich im Streitfall wendest. Das Risiko der Anlage selbst bleibt vollständig bei dir. Auch Pionex, BingX und Blofin arbeiten ohne EU-Zulassung, dasselbe gilt für Hyperliquid.
| Anbieter | Zulassung seit | Sitz der Gesellschaft |
|---|---|---|
| Bitpanda GmbH | 9. April 2025 | Österreich |
| Payward Europe Solutions (Kraken) | 25. Juni 2025 | Irland |
| BW Wertpapierbörse (BSDEX) | 3. Juli 2025 | Deutschland |
| Binance | keine Zulassung | kein fester Sitz |
Welche Börsen eine MiCA-Zulassung haben, lässt sich im Register nachprüfen. Einen Auszug mit Aufsicht und Zulassungsdatum für Kraken, Coinbase, Bitvavo und weitere Anbieter enthält unser Überblick, wie Krypto-Trading seit MiCA funktioniert.
Eine zugelassene Alternative sitzt in Luxemburg. Coinbase betreut deutsche Kunden über die Coinbase Luxembourg S.A. mit CSSF-Zulassung. Was die Börse kostet und wo ihre Grenzen liegen, zeigt der Testbericht zu Coinbase.
Fazit: Für wen sich Binance 2026 noch lohnt
Für Anleger in Deutschland ist die Antwort deutlich geworden. Binance bietet weiterhin die größte Auswahl und niedrige Gebühren. Es fehlt aber die EU-Zulassung, und ohne sie fehlt der Rahmen, der im Problemfall zählt: eine zuständige Aufsicht, ein klarer Gerichtsstand und eine Beschwerdestelle. Bei 84 zugelassenen Anbietern allein in Deutschland ist dieser Nachteil kaum noch zu rechtfertigen.
Wer bereits ein Guthaben dort hat, sollte nicht in Panik verfallen. Binance sagt zu, dass die Bestände sicher und erreichbar bleiben, und das Unternehmen steht auf keiner Warnliste der ESMA. Sinnvoll ist trotzdem, den Posteingang zu prüfen, die Unterlagen zu sichern und den Auszahlungsweg einmal zu testen, solange kein Zeitdruck herrscht.
Wer neu einsteigt, hat keinen Grund mehr für diesen Umweg. Die lizenzierten Alternativen decken alles ab, was ein Privatanleger braucht, und sie tun es unter deutschem oder europäischem Recht. Der einzige verbleibende Grund für Binance sind Nischen-Token, die anderswo nicht gelistet sind. Das ist ein Spezialfall, kein Normalfall. Wer aktiv handeln will, sollte sich vorher mit den Grundlagen des Daytradings befassen.
Häufige Fragen zu Binance
Ist Binance in Deutschland verboten?
Nein. Verboten ist die Nutzung für dich nicht. Die Erlaubnispflicht trifft das Unternehmen, nicht den Kunden. Seit dem MiCA-Stichtag am 1. Juli 2026 dürfen Anbieter aus Drittstaaten ihre Dienste in der EU aber nicht mehr aktiv anbieten. Binance hat keine EU-Zulassung.
Ist mein Guthaben bei Binance noch sicher?
Binance erklärt in seiner Mitteilung vom 24. Juni 2026, die Guthaben blieben sicher und jederzeit zugänglich. Eine gesetzliche Einlagensicherung gibt es dafür nicht, und keine europäische Aufsicht prüft die Reserven. Auf der ESMA-Warnliste steht Binance allerdings ebenfalls nicht.
Wie komme ich an mein Geld bei Binance?
Es gibt zwei Wege. Du kannst deine Kryptowerte an eine eigene Wallet oder zu einem lizenzierten Anbieter senden, dann bleiben sie Kryptowerte. Oder du verkaufst sie in Euro und überweist auf dein Bankkonto. Der Verkauf kann steuerpflichtig sein, der reine Transfer in der Regel nicht.
Hat Binance eine MiCA-Lizenz?
Nein. Binance hat seinen Antrag bei der griechischen Aufsicht am 24. Juni 2026 zurückgezogen und sucht seither ein anderes EU-Land. Im ESMA-Register standen am 8. September 2026 341 zugelassene Anbieter, Binance war keiner davon.
Welche Krypto-Börsen haben eine EU-Lizenz?
Sehr viele. Im ESMA-Register stehen 341 Anbieter, davon 84 in Deutschland. Für Privatanleger am zugänglichsten sind Bitpanda (seit 9. April 2025), Kraken über Payward Europe Solutions (seit 25. Juni 2025) und die BSDEX (seit 3. Juli 2025).
Warum zeigt Trustpilot keine Bewertung für Binance an?
Das Portal hat den Gesamtwert wegen eines Verstoßes gegen seine Richtlinien gesperrt und teilt mit, es habe gefälschte Bewertungen entfernt. Die einzelnen Stimmen bleiben sichtbar: Von 6.192 Bewertungen vergeben 82 Prozent einen Stern.
Muss ich Gewinne von Binance versteuern?
Ja. In Deutschland gehören Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowerten zu den privaten Veräußerungsgeschäften. Nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr sind sie steuerfrei, darunter steuerpflichtig. Das gilt unabhängig davon, ob die Börse eine Lizenz hat.
Über den Autor: Bjarne Claussen
Bjarne Claussen schreibt seit 2023 für Kagels Trading. Seine Schwerpunkte sind Kryptowährungen, Prop Trading, algorithmischer Handel und Makrothemen. Den Einstieg in die Märkte fand er über Kryptowährungen, heute handelt er vor allem Rohöl und den S&P 500.
Er arbeitet mit einer datengetriebenen Strategie und baut seine Auswertungen selbst. Für Backtests, also das Prüfen einer Handelsidee an historischen Kursen, nutzt er eigene Pipelines in Python. Diese Arbeitsweise prägt auch seine Berichte: Zahlen werden gegen die Quelle geprüft, nicht aus Anbietertexten übernommen.
Für diesen Bericht wurde das Register der ESMA am 8. September 2026 vollständig heruntergeladen und ausgewertet. Die Angaben zur Regulierung stammen aus diesem Register und aus dem Fachartikel der BaFin vom 25. August 2026. Die Aussagen von Binance sind der Unternehmensmitteilung vom 24. Juni 2026 und der eigenen Website entnommen. Alle Belege sind im Text verlinkt. Wer von einer Börse USDC auf einen Prognosemarkt überweist, verlässt den regulierten Rahmen. Wie das bei Polymarket in Deutschland rechtlich aussieht, haben wir gesondert geprüft.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.















