Was tun, wenn Ihr Daytrading Broker versagt? (Update 2022)

Stellen Sie sich vor, dass Sie gerade einige ES-Futures-Kontrakte gekauft haben. Sie haben Ihre Stop-Loss Order wie immer abgeschickt, um Ihr Risiko zu begrenzen. Aber dann brach ganz plötzlich die Verbindung zu Ihrem Broker ab.

Sie konnten den Status Ihrer offenen Position nicht mehr nachprüfen. Sie konnten nicht nachschauen, ob Ihre Stop-Loss Order aktiv war. Zudem erhielten Sie eine E-Mail von Ihrem Broker, die besagte, dass die Ausführungen aller Orders ausgesetzt wurden. Im Versuch, sich reinzuwaschen, erklärte Ihr Broker, dass sich Trader mit offenen Positionen an ihr Trade-Desk – das Ressort, das für die Trades zuständig ist – wenden sollen, das 24 Stunden erreichbar ist.

Und stellen Sie sich mal vor: Sie können das Trade-Desk überhaupt nicht erreichen, weil Sie wegen der hohen Anzahl an Hilfe suchenden Tradern nicht durchkommen.

Toll. Was nun?

Als Daytrader zählt jeder Tick des Marktes. Totalausfälle und Verzögerungen sind teuer. Sie müssen lernen, wie Sie Ihre Interessen beim Trading schützen.

Sind Sie bereit, mit solchen Notfällen umzugehen?

Anm.: Ich schreibe diesen Artikel wegen der permanenten Zenfire-Geschichten, die viele Daytrader und auch mich selbst betreffen. Zenfire ist übrigens die Handelsplattform von Ninjatrader bzw. deren Datenfeed. Allerdings ist dieser Artikel darauf ausgerichtet, wie man mit Systemausfällen von Brokern umgeht und nicht auf die Zenfire-Probleme.



Was kann schieflaufen mit Ihrem Daytrading-Broker?

Was genau schieflaufen kann, hängt vom Markt ab, in dem Sie traden und von der Art Ihres Brokers. Im Allgemein gilt: Wenn Trader nicht in der Lage sind, die Ein- und Ausstiege ihrer Positionen entsprechend ihrer Trading-Strategien zu vollziehen, dann stimmt etwas nicht.

Die Mitwirkung Ihres Brokers bei der Ausführung Ihrer Orders ist unterschiedlich. Sie kann darin bestehen, dass Ihr Broker die Order mit dessen eigenen Systemen zur Börse übermittelt. Alternativ können die Systeme auch durch eine externe Trading-Plattform mit eigenständigem Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Ein Broker kann auch ein Market Maker sein, der die Gegenposition Ihres Trades einnimmt. Dies gilt insbesondere im Spot-Forex-Markt (Kassa-Markt) oder beim Trading von CFDs.

Was auch immer hinter den Kulissen vor sich geht: In jedem Fall gilt, dass Sie sich an Ihren Broker halten müssen, wenn Sie selbst nicht handeln können. Es ist die Aufgabe Ihres Brokers ein System für Sie zusammenzustellen, mit dem Sie traden können. Die Sache sieht ganz anders aus, falls Sie einen Fremdanbieter Ihrer Wahl in Anspruch nehmen und Ihr Broker eindeutig nichts damit zu tun hat. Ein Beispiel dafür ist Datenübertragung durch einen Fremdanbieter.

Grundsätzlich gilt, dass unsere Fähigkeit zu traden beeinträchtigt ist, wenn wir nicht in der Lage sind:

  • die aktuellen Kursbewegungen zu verfolgen,
  • die aktuellen Positionen zu verfolgen oder
  • Trading Orders auszuführen.

Hilfe durch Ihren Daytrading-Broker erhalten

Wenn Ihnen beim Trading technische Probleme begegnen, dann müssen Sie zuallererst Kontakt mit Ihrem Broker aufnehmen. Sagen Sie ihm ganz genau, was nicht funktioniert und bitten Sie ihn, das Problem schnellstens zu beheben.

Nachfolgend haben wir die üblichen Wege aufgeführt, um Hilfe von Ihrem Broker zu ersuchen (in absteigender Reihenfolge):

  1. Telefon – alle Broker sollten einen Handelsschreibtisch (Trade Desk) haben, um in Notfällen erreichbar zu sein.
  2. Live Chat – einige Broker bieten einen Live Chat auf ihrer Website an.
  3. E-Mail
  4. Forum – einige Broker unterhalten ein Online-Support-Forum für die Betreuung ihrer Kunden.

Stellen Sie die Kontaktinformationen Ihres Brokers zusammen und halten Sie diese für Notfälle griffbereit. Speichern Sie die Telefonnummer Ihres Brokers auf Kurzwahl. Zusätzlich können Sie den Live Chat und das Forum des Brokers als Desktop-Verknüpfungen speichern.

Was, wenn Sie Ihren Broker trotzdem nicht erreichen? Oder was sollten Sie tun, wenn dieser nicht in der Lage ist, Ihnen zu helfen?

Verschwenden Sie Ihre Zeit dann nicht damit, Ihren Frust an dem armen Kerl auszulassen, der Ihren Anruf entgegennimmt. Ich kann Ihnen versichern, dass es eine Menge Trader in der Warteschleife gibt, die ihn anschreien werden. Und wenn das Problem technischer Art ist, dann wird der Ärger auf Mitarbeiter an der vordersten Front wohl nicht weiterhelfen.

Stattdessen wollen wir uns lieber damit beschäftigen, wie Sie sich in solchen Situationen selbst helfen können.

Was können wir tun, wenn unser Daytrading-Broker nicht weiterhilft?

Setzen Sie das Trading vorerst aus

Das ist die beste Möglichkeit, wenn Ihr Broker ausfällt. Warum sollten Sie das Risiko eingehen, mit einer unzuverlässigen Verbindung zu traden?

Allerdings ist dies keine Möglichkeit für Trader, die offene Positionen im Markt halten. Versuchen Sie Ihre Position mit einem anderen Broker abzusichern, wie weiter unten erörtert.

Aktivieren Sie eine Ersatz-Datenübertragung (Backup)

Dies wird Sie in die Lage versetzen, den Markt weiterhin zu beobachten, um Ihre Position über den Handelstisch Ihres Brokers ausführen zu lassen. In derartigen Situationen empfehle ich dringend, dass Sie Ihre laufenden Positionen schließen, aber keine neuen Trades beginnen!

Für einige Forex-Trader ist die Arbeit mit einer unterstützenden Datenübertragung heikel, da sie es mit einem Dealing Desk zu tun haben. Ihr Broker gibt Ihnen die Bid- und Ask-Kurse an, zu denen Sie handeln können. Die externen Marktdaten stimmen nicht mit den Datenangaben Ihres Brokers überein. Aber meistens stellen die externen Daten eine akzeptable Annäherung zum Verfolgen Ihrer Positionen dar.

Sich mit einem Ersatzbroker absichern (Backup)

Ist es unmöglich für Trader ihre offenen Positionen mit dem Hauptbroker zu schließen, dann sollten sie ihre Postionen über einem Ersatzbroker absichern.

Absichern (Hedging) ist einfach. Halten Sie eine Long Position bei Ihrem Hauptbroker, dann gehen Sie bei Ihrem Ersatzbroker short, um aus Ihrer bullischen Position auszusteigen. Für den Ausstieg aus einer Short Position gilt das Gegenteil – diese stellen Sie durch eine Long Position glatt.

Gehen Sie jedoch folgende Fragen durch, bevor Sie mit dem Hedging (Absichern) beginnen:

  • Haben Sie eine Position abzusichern? Die Systeme Ihres Brokers versagen. Sind Sie sich sicher, dass Sie derzeit tatsächlich eine aktive Trading-Position haben? Überprüfen Sie das gründlich!
  • Haben Sie einen aktiven Stop-Loss und Limit Orders für Ihr Gewinnziel? Sind Ihr Stop-Loss und Ihre Limit Orders für das Gewinnziel aktiv, so brauchen Sie Ihre Position nicht abzusichern.

Um diese Fragen zu beantworten, ist es hilfreich zu wissen, wo Ihre Orders platziert sind. Diesbezüglich gibt es nur wenige Möglichkeiten:

  • lokal auf Ihrer Trading-Plattform,
  • auf einem Server des Brokers oder einem Trading-Programm (Trading Engine) oder
  • an der Börse.

Lokal platzierte Orders sind weg, sobald die Verbindung zu Ihrer Trading-Plattform abbricht. Orders, die in Trading-Programmen (Trade Engine) platziert werden, sind wirksam, solange das Trading-Programm Orders ausführt. An Börsen platzierte Orders sind aktiv, bis sie gelöscht werden oder bis zum Schlusskurs, was von der Orderart abhängt.

Wo Ihre Orders platziert werden, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel vom Broker, der Trading-Plattform, dem Trading-Programm und der Börse. Fragen Sie Ihren Broker, damit er Ihnen den Vorgang der Orderübertragung erklärt. Eine klare Vorstellung über den Orderfluss zu haben ist hilfreich, um besser auf technische Ausfälle reagieren zu können.

Der kurzfristige Wechsel zu Ihrem Ersatzbroker

Sie können nicht mit Ihrem primären Broker traden? Dann wechseln Sie zu Ihrem Ersatzbroker. Installieren Sie Ihre Trading-Strategie bei Ihrem Ersatzbroker. Überprüfen Sie, was Ihr Hauptbroker macht, bevor Sie mit Ihren Trading-Transaktionen zurückwechseln.

Vergewissern Sie sich, dass Ihr Trading-Konto bei Ihrem Ersatzbroker ausreichend kapitalisiert ist!

Ein Datenabo und Trading-Konto bei einem Ersatzbroker zu haben, erhöht natürlich Ihre Kosten. Wollen Sie im Falle eines Ausfalls Ihres Daytrading-Brokers gewappnet sein, dann sollten Sie sich auf diese Kosten gefasst machen.

Sollen Sie Ihren Daytrading-Broker wechseln?

Diese Frage stellen wir uns nach jedem Versagen des Brokers. Aber wechseln Sie den Broker nicht zu schnell. Kein Anbieter ist vollkommen. Der Wechsel erfordert Zeit und Mühe, und es gibt keinerlei Garantie, dass der nächste Broker nicht irgendwann auch Ausfälle haben wird.Diese Frage stellen wir uns nach jedem Versagen des Brokers.

Achten Sie stattdessen darauf, wie Ihr Broker bisher mit dem Problem umgegangen ist:

  • Haben sie sich angemessen bemüht, die Probleme zu bereinigen?
  • Waren sie offen und ehrlich bezüglich der Probleme?
  • Haben sie gegebenenfalls eine Entschädigung angeboten?

Die Antworten auf diese Fragen werden darüber entscheiden, ob Sie Ihren Daytrading-Broker wechseln sollten.

Versagt Ihr Broker, so zeigt dies nur noch einmal, dass Daytrading ein Geschäft ist. Unabhängig von Ihrer Trading-Strategie hat dieses Geschäft viele Aspekte und jeder von ihnen ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg Ihres Geschäfts.

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: What to do when your Daytrading Broker fails?

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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