Was tun, wenn Ihr Daytrading Broker versagt? (Update 2020)

Stellen Sie sich vor, dass Sie gerade einige ES-Futureskontrakte gekauft haben. Wie Sie es immer machen, haben Sie Ihre Stop-Loss Order abgeschickt, um Ihr Risiko zu begrenzen. Aber dann, ganz plötzlich, brach die Verbindung zu Ihrem Broker ab.

Sie konnten den Status Ihrer offenen Position nicht mehr nachprüfen. Sie konnten nicht nachschauen, ob Ihre Stop-Loss Order aktiv ist. Sie erhielten eine E-Mail von Ihrem Broker, die besagte, dass die Ausführungen aller Orders ausgesetzt wurden. Im Versuch, sich reinzuwaschen, erklärte Ihr Broker, dass sich Trader mit offenen Positionen an ihr Trade-Desk (Ressort, das für die Trades zuständig ist) wenden sollen, das 24 Stunden erreichbar ist.

Und stellen Sie sich mal vor: Sie könnten das Trade-Desk überhaupt nicht erreichen, weil Sie nicht durchkommen.

Toll. Was nun?

Als Daytrader zählt jeder Tick des Marktes. Totalausfälle und Verzögerungen sind teuer. Sie müssen lernen, wie Sie Ihre Interessen beim Trading schützen.

Sind Sie bereit, mit solchen Notfällen umzugehen?

(Ich schreibe diesen Artikel aufgrund der permanenten Zenfire-Geschichten, die viele Daytrader, einschließlich mich selbst, betreffen. Zenfire ist übrigens die Handelsplattform von Ninjatrader bzw. deren Datenfeed. Allerdings ist dieser Artikel darauf ausgerichtet, wie man mit Systemausfällen von Brokern umgeht und nicht auf die Zenfire-Probleme. Wenn Sie erfahren wollen, mit welchen Problemen es Nutzer von Zenfire zu tun haben, können Sie diesen Thread im Forum von Ninjatrader lesen.

Was kann schieflaufen mit Ihrem Daytrading Broker?

Die Besonderheiten dessen, was schieflaufen kann, hängt vom Markt ab, den Sie traden und von der Art des Brokers, mit dem Sie traden. Aber allgemein gilt: Wenn Trader nicht in der Lage sind, die Ein- und Ausstiege ihrer Positionen entsprechend ihrer Tradingstrategien zu vollziehen, dann geht es etwas schief.

Die Mitwirkung Ihres Brokers bei der Ausführung Ihrer Orders ist unterschiedlich. Sie kann darin bestehen, dass Ihr Broker die Order mit dessen eigenen Systemen zur Börse übermittelt oder durch eine Tradingplattform, die durch ein eigenständiges Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Ein Broker kann auch ein Market Maker sein, der die Gegenposition Ihres Trades einnimmt, insbesondere im Spot-Forexmarkt (Kassamarkt) oder beim Trading von CFDs.

Was auch immer hinter den Kulissen vor sich geht, in jedem Fall gilt, dass Sie sich an Ihren Broker halten müssen, wenn Sie selbst nicht handeln können. Das liegt daran, dass es die Aufgabe des Brokers ist, ein System für Sie zusammenzustellen, mit dem Sie traden können.

(Anders sieht es aus, falls Sie einen Fremdanbieter Ihrer Wahl in Anspruch nehmen und Ihr Broker eindeutig nichts damit zu tun hat. Ein Beispiel dafür ist Datenübertragung durch einen Fremdanbieter.)

Grundsätzlich gilt, dass unsere Fähigkeit zu traden beeinträchtigt ist, wenn wir nicht in der Lage sind:

  • die aktuellen Kursbewegungen zu verfolgen
  • die aktuellen Positionen zu verfolgen
  • Tradingorders auszuführen

Hilfe durch Ihren Daytrading Broker erhalten

Wenn Sie während Ihres Trading technische Probleme haben, müssen Sie zuallererst Verbindung mit Ihrem Broker aufnehmen. Sagen Sie ihm ganz genau, was nicht funktioniert und bitten Sie ihn, das Problem schnellstens zu beheben.

Nachfolgend haben wir die üblichen Wege, Ihren Broker um Hilfe zu ersuchen, in absteigender Reihenfolge bezüglich der Ansprechbarkeit aufgeführt:

  1. Telefon (alle Broker sollten einen Handelsschreibtisch (Trade Desk) haben, um in Notfällen erreichbar zu sein)
  2. Live Chat (einige Broker bieten einen Live Chat auf ihrer Website an)
  3. E-Mail
  4. Forum ( einige Broker unterhalten ein online Support-Forum für die Betreuung ihrer Kunden)

Stellen Sie die Kontaktinformationen Ihres Brokers zusammen und halten Sie diese bereit für Notfälle. Speichern Sie die Telefonnummer Ihres Brokers auf Kurzwahl. Speichern Sie den Live Chat und das Forum des Brokers als Desktop-Verknüpfungen.

Und wenn Sie nun Ihren Broker nicht erreichen oder wenn dieser nicht in der Lage ist, Ihnen zu helfen?

Verschwenden Sie Ihre Zeit dann nicht damit, Ihren Frust an dem armen Kerl auszulassen, der Ihren Anruf entgegennimmt. Ich kann Ihnen versichern, dass es eine Menge Trader in der Warteschleife gibt, die ihn anzuschreien werden. Und wenn das Problem technischer Art ist, wird wohl der Ärger auf Mitarbeiter an der vordersten Front nicht weiterhelfen.

Stattdessen wollen wir uns lieber damit beschäftigen, wie Sie sich in solchen Situationen selbst helfen können.

Was können wir tun, wenn unser Daytrading-Broker nicht weiterhilft?

Hören Sie mit dem Trading auf. Das ist die beste Möglichkeit, wenn Ihr Broker ausfällt. Warum sollten Sie das Risiko eingehen, mit einer unzuverlässigen Verbindung zu traden?

Allerdings ist dies keine Möglichkeit für Trader, die offene Positionen im Markt halten. Versuchen Sie Ihre Position mit einem anderen Broker abzusichern, wie es anschließend erörtert wird.

Aktivieren Sie eine Ersatz-Datenübertragung (Back-up). Dies wird Sie in die Lage versetzen, den Markt weiterhin zu beobachten, um über den Handelstisch Ihres Brokers Ihre Position ausführen zu lassen. In derartigen Situationen empfehle ich dringend, dass Sie Ihre laufenden Positionen schließen, aber keine neuen Trades beginnen.

Für einige Forex-Trader ist die Arbeit mit einer unterstützenden Datenübertragung heikel, weil sie es mit einem Dealing Desk zu tun haben. Ihr Broker gibt Ihnen die Bid- und Ask-Kurse an, zu denen Sie handeln können. Die externen Marktdaten stimmen nicht mit den Datenangaben Ihres Brokers überein. Aber meistens stellen die externen Daten eine akzeptable Annäherung zum Verfolgen Ihrer Positionen dar.

Traden Sie mit einem Ersatzbroker (Back-up). Wenn Sie nicht mit Ihrem primären Broker traden können, wechseln Sie zu Ihrem Ersatzbroker. Installieren Sie Ihre Tradingstrategie bei Ihrem Ersatzbroker. Überprüfen Sie, was Ihr Hauptbroker macht, bevor Sie wieder mit Ihren Tradingtransaktionen zu ihm überwechseln.

Vergewissern Sie sich, dass Ihr Tradingkonto bei Ihrem Ersatzbroker ausreichend kapitalisiert ist, um zu traden.

Ein Datenabo und Tradingkonto bei Ihrem Ersatzbroker zu haben, erhöht Ihre Kosten. Wenn Sie aber mit dem Risiko im Falle eines Ausfalls Ihres Daytrading Brokers zurechtkommen wollen, sollten Sie sich auf diese Kosten gefasst machen.

Sich mit einem Ersatzbroker absichern (Back-up). Wenn es unmöglich für Trader mit offenen Positionen ist, diese mit dem Hauptbroker zu schließen, sollten diese Trader ihre Postionen über einem Ersatzbroker absichern.

Absichern (Hedging) ist einfach. Wenn Sie eine Longposition bei Ihrem Hauptbroker halten, gehen Sie short bei Ihrem Ersatzbroker, um aus Ihrer bullischen Position auszusteigen. Für den Ausstieg aus einer Shortposition gilt das Gegenteil, indem Sie diese durch eine Longposition glattstellen.

Bevor Sie jedoch mit dem Hedging (Absichern) beginnen, gehen Sie die folgenden Fragen durch:

  • Haben Sie eine Position abzusichern? Die Systeme Ihres Brokers versagen. Sind Sie sich sicher, dass Sie derzeit tatsächlich eine aktive Tradingposition haben? Überprüfen Sie das gründlich!
  • Haben Sie einen aktiven Verluststopp und Limitorders für Ihr Gewinnziel? Wenn Ihr Verluststopp und Ihre Limitorders für das Gewinnziel aktiv sind, brauchen Sie Ihre Position nicht abzusichern.

Um diese Fragen zu beantworten, ist es hilfreich zu wissen, wo Ihre Orders platziert sind. Diesbezüglich gibt es nur wenige Möglichkeiten:

  • lokal platziert auf Ihrer Tradingplattform
  • auf einem Server des Brokers oder einem Tradingprogramm (Trading Engine) platziert
  • an der Börse platziert

Lokal platzierte Orders sind weg, sobald die Verbindung zu Ihrer Tradingplattform abbricht. Orders, die in Tradingprogrammen (Trade Engine) platziert werden, sind wirksam, solange das Tradingprogramm Orders ausführt. An Börsen platzierte Orders sind aktiv, bis sie gelöscht werden oder bis zum Schlusskurs, was von der Orderart abhängt.

Wo Ihre Orders platziert werden, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel vom Broker, der Tradingplattform, dem Tradingprogramm und der Börse. Fragen Sie Ihren Broker, damit er Ihnen den Vorgang der Orderübertragung erklärt. Eine klare Vorstellung über den Orderfluss zu haben, ist hilfreich, um besser auf technische Ausfälle reagieren zu können.

Sollen Sie Ihren Daytrading Broker wechseln?

Diese Frage stellen wir uns nach jedem Versagen des Brokers.

Wechseln Sie den  Broker nicht zu schnell. Kein Broker ist vollkommen. Der Wechsel erfordert Zeit und Mühe, und es gibt keinerlei Garantie, dass der nächste Broker nicht irgendwann auch Ausfälle haben wird.

Achten Sie stattdessen darauf, wie Ihr Broker bisher mit dem Problem umgegangen ist.

  • Haben sie sich angemessen bemüht, die Probleme zu bereinigen?
  • Waren sie offen und ehrlich bezüglich der Probleme?
  • Haben sie gegebenenfalls Entschädigung angeboten?

Die Antworten auf diese Fragen werden darüber entscheiden, ob Sie Ihren Daytrading Broker wechseln sollten.

Wenn Ihr Broker versagt, gemahnt sie dies in aller Deutlichkeit, dass Daytrading ein Geschäft ist. Unabhängig von Ihrer Trading Strategie hat dieses Geschäft viele Aspekte, und jeder Aspekt ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg Ihres Geschäfts.

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: What to do when your Daytrading Broker fails?

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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