Ein Diplom-Physiker baut in den frühen 1990er Jahren ein Börsenmodell aus vier Zahlen, die jeder nachschlagen kann: Leitzins, Inflation, Dollarkurs und Jahreszeit. Mehr steckt im Gebert-Indikator nicht drin. Kein Chartmuster, keine Bilanzanalyse, keine Prognose. Vier Ja-Nein-Fragen, einmal im Monat beantwortet, ergeben eine Punktzahl zwischen null und vier.
Genau diese Sparsamkeit macht den Indikator interessant und angreifbar zugleich. Du kannst ihn in zehn Minuten selbst nachrechnen, ohne Abo und ohne Software. Dieser Artikel zeigt dir die vier Regeln, den tagesaktuellen Stand und die Stellen, an denen das Modell in der Praxis Federn lässt. Dazu die Kosten des GebertBriefs, mit dem Thomas Gebert seine Signale verkauft. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Gebert-Indikator und GebertBrief erklärt in 30 Sekunden
- Der Gebert-Indikator bewertet vier Kriterien mit je einem Punkt: Leitzins, Inflation, Euro-Dollar-Kurs und Saisonalität.
- Kaufsignal bei drei Punkten, Verkaufssignal beim Rückfall auf einen Punkt. Dazwischen bleibt die bestehende Position unverändert.
- Aktueller Stand: 1 von 4 Punkten (Signal: nicht investiert), automatisch aktualisiert am 29.08.2026. Nur die erfüllten Kriterien zählen, ab drei Punkten steht das Modell auf Kaufen.
- Historische Performance: Wer seit 1996 den Signalen folgte, steigerte sein Depot laut Börsenmedien AG um 4.403 Prozent.
- Der GebertBrief ist der Börsenbrief zum Modell. Jahresabo 494 Euro, Probeabo 48 Euro für einen Monat.
- Vorsicht bei den Namen: Der Anbieter nennt das Vier-Faktoren-Modell „Börsenindikator”. Der „Gebert-Indikator” im engeren Sinn misst dort die US-Wirtschaftstätigkeit.
- Anlegertyp: Buy-and-Hold-Anleger mit langem Horizont, die wenige Signale pro Jahr umsetzen wollen. Für aktive Trader liefert das Modell zu wenig.
Was ist der Gebert-Indikator?
Der Gebert-Indikator ist ein regelbasiertes Timing-Modell für den deutschen Aktienmarkt. Er bewertet vier volkswirtschaftliche Kriterien mit jeweils einem oder null Punkten und leitet aus der Gesamtpunktzahl zwischen null und vier ein Kauf- oder Verkaufssignal für den DAX ab.
Entwickelt hat ihn der Diplom-Physiker Thomas Gebert in den frühen 1990er Jahren. Er kam nicht aus der Chartanalyse, sondern aus der Messtechnik. Sein Ansatz war der eines Naturwissenschaftlers: erst historische Daten sammeln, dann Hypothesen testen, dann verwerfen, was nicht trägt. Übrig blieben vier Größen, die sich in Geberts Tests als statistisch belastbar erwiesen.
Der Indikator sagt bewusst nichts über einzelne Aktien. Er beantwortet nur eine Frage: Ist das Umfeld für den Aktienmarkt gerade freundlich oder feindlich? Bei freundlichem Umfeld wird investiert, bei feindlichem geht das Kapital in Cash. Zwischen zwei Signalen passiert nichts. Genau das unterscheidet ihn von den meisten technischen Indikatoren, die tägliche Signale erzeugen.

Wichtig für die Einordnung: Der Gebert-Indikator ist kein Handelssystem für kurzfristige Trades. Er erzeugt im Schnitt nur wenige Signale pro Jahr. Wer täglich handeln will, findet hier nichts. Für Anleger, die ihr Depot ein- oder zweimal im Jahr umschichten, ist die geringe Signalfrequenz dagegen der eigentliche Vorteil.
Die vier Kriterien des Gebert-Indikators im Detail
Jedes der vier Kriterien ist eine Ja-Nein-Frage. Es gibt keine Gewichtung, keine Zwischenstufen und keine Ermessensspielräume. Zwei Menschen, die dieselben Daten nachschlagen, kommen zwingend auf dieselbe Punktzahl. Das ist die Stärke des Modells und der Grund, warum du es ohne Abo selbst führen kannst.
Kriterium 1: der Leitzins
Ein Punkt, wenn die letzte Änderung des EZB-Leitzinses eine Senkung war. Null Punkte, wenn zuletzt erhöht wurde. Entscheidend ist die Richtung der letzten Bewegung, nicht die absolute Höhe des Zinses. Eine Zinspause ändert nichts: Der Wert der letzten Änderung bleibt gültig, bis die EZB tatsächlich handelt.
Die Logik dahinter: Billiges Geld schiebt Investitionen an und macht Anleihen als Konkurrenz zur Aktie unattraktiver. Der Effekt ist gut dokumentiert, aber er wirkt mit Verzögerung und nicht in jedem Zyklus gleich stark.
Kriterium 2: die Inflation
Ein Punkt, wenn die Inflationsrate niedriger liegt als im gleichen Monat des Vorjahres. Null Punkte, wenn sie höher liegt. Gemessen wird die Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat, nicht gegenüber dem Vormonat. Die Zahl liefert das Statistische Bundesamt monatlich.
Fallende Teuerung gibt der Notenbank Spielraum und entlastet die Kaufkraft. Steigende Teuerung erhöht den Druck auf die Zinsen. Dieses Kriterium und der Leitzins hängen in der Praxis eng zusammen, laufen aber nicht synchron: Die Inflation dreht meist deutlich vor dem Zins.
Kriterium 3: der Euro-Dollar-Kurs
Ein Punkt, wenn der Euro gegenüber dem Dollar schwächer notiert als vor zwölf Monaten. Null Punkte bei einem stärkeren Euro. Ein schwacher Euro verbilligt deutsche Produkte im Ausland und stützt damit die Gewinne der exportlastigen DAX-Konzerne.
Das Kriterium hat eine klare Schwachstelle: Es unterstellt, dass der DAX ein Exportindex bleibt. Der Zusammenhang war über Jahrzehnte stabil, ist aber keine Naturkonstante.
Kriterium 4: die Saisonalität
Ein Punkt in den Monaten November bis April, null Punkte von Mai bis Oktober. Das ist die alte Börsenregel „Sell in May” in Regelform gegossen. Der saisonale Effekt ist in langen Zeitreihen messbar, wenn auch schwächer als die Faustregel suggeriert. Mehr dazu im Beitrag über saisonal wiederkehrende Muster am Aktienmarkt.
Anders als die drei übrigen Kriterien ist die Saisonalität vollständig vorhersehbar. Du weißt heute schon, dass dieser Punkt am 1. November wieder aufleuchtet. Das nimmt dem Indikator einen Teil seiner Überraschung und erklärt, warum viele Signalwechsel im Frühjahr und Spätherbst fallen.
So wird der Gebert-Indikator berechnet
Die vier Punkte werden addiert. Das Ergebnis liegt immer zwischen null und vier. Aus dieser Summe entsteht das Signal, und zwar mit einer Regel, die häufig falsch wiedergegeben wird.
| Punkte | Signal | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| 3 oder 4 | Kaufen | Einstieg in den deutschen Aktienmarkt |
| 2 | Halten | Der bestehende Zustand bleibt unverändert |
| 0 oder 1 | Verkaufen | Ausstieg, das Kapital geht in Cash |
Der häufigste Fehler steckt in der mittleren Zeile. „Halten” heißt hier nicht „investiert bleiben”. Es heißt: Der zuletzt eingenommene Zustand gilt weiter. Wer bei zwei Punkten in Cash war, bleibt in Cash. Wer investiert war, bleibt investiert. Der Indikator ist also ein Schwellenmodell mit Hysterese, kein Ampelsystem mit drei gleichwertigen Zuständen.
Der praktische Effekt ist erheblich. Zwischen dem Kaufsignal bei drei Punkten und dem Verkaufssignal bei einem Punkt liegt eine Pufferzone. Sie verhindert, dass das Modell bei jedem kleinen Datenwackler hin und her schaltet. Der Preis dafür: Ein- und Ausstiege kommen spät.
Berechnet wird monatlich, üblicherweise zum Monatsanfang mit den dann verfügbaren Daten. Es existieren auch wöchentliche Varianten des Modells, etwa in einzelnen Zertifikaten. Die Grundregeln bleiben dabei gleich, nur die Prüffrequenz steigt.
Gebert-Indikator aktuell: der Stand heute
Weil alle vier Eingangsgrößen öffentlich sind, lässt sich der Stand jederzeit nachrechnen. Der folgende Kasten tut genau das und wird automatisch aus den amtlichen Quellen nachgezogen, sobald sich einer der vier Werte ändert. Prüfe die Zahlen gern selbst nach, genau das ist der Reiz an diesem Modell.
Signal: nicht investiert (Verkaufsbereich). Kaufsignal ab drei Punkten, Verkaufssignal beim Rückfall auf einen Punkt.
Automatisch berechnet aus den Daten der EZB (Einlagesatz, Referenzkurse) und der Deutschen Bundesbank (Verbraucherpreisindex). Stand 29.08.2026.
Ein Blick nach vorn lohnt sich, weil zwei der vier Kriterien berechenbar sind. Die Saisonalität springt jedes Jahr am 1. November auf einen Punkt und fällt am 1. Mai wieder weg. Ein Teil der Signalwechsel steht also schon im Kalender, ohne dass sich an der Wirtschaftslage etwas geändert hätte. Für einen Wechsel des Signals müssen dann noch Zins oder Inflation mitspielen.
Genau hier lohnt sich das Selbstrechnen. Du siehst nicht nur den Stand, sondern auch, wie weit das Modell vom nächsten Signalwechsel entfernt ist. Ein Abonnent, der nur die Zahl geliefert bekommt, hat diese Information nicht.
Die vier Datenquellen für deine eigene Rechnung
Alle Werte sind kostenlos und amtlich verfügbar. Du brauchst dafür weder ein Abo noch eine Datenbank, vier Lesezeichen im Browser reichen aus.
- Leitzins: die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank, nachlesbar in unserer Übersicht zum EZB-Zinsentscheid. Gesucht ist nur die Richtung der letzten Änderung.
- Inflation: die monatliche Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes zum Verbraucherpreisindex. Gesucht ist die Jahresteuerungsrate.
- Euro-Dollar: die Referenzkurse der EZB. Vergleiche den aktuellen Monat mit demselben Monat des Vorjahres.
- Saisonalität: ein Blick auf den Kalender. November bis April zählt, Mai bis Oktober nicht.
Ein Hinweis zur Sorgfalt: Die Inflationszahl wird zunächst als Schätzung veröffentlicht und später bestätigt oder revidiert. Wer sehr nah an der Schwelle rechnet, sollte den endgültigen Wert abwarten. Bei einem Abstand von 0,8 Prozentpunkten wie im aktuellen Fall spielt das keine Rolle.
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Börsenindikator oder Gebert-Indikator? Zwei Namen, zwei Systeme
An dieser Stelle wird es unübersichtlich, und zwar nicht durch die Schuld der Leser. Thomas Gebert hat zwei verschiedene Indikatoren entwickelt, und im allgemeinen Sprachgebrauch sind ihre Namen durcheinandergeraten.
Der Anbieter selbst trennt beide sauber. Auf der Verkaufsseite des GebertBriefs steht der Börsenindikator für das Vier-Faktoren-Modell aus Inflation, Jahreszeit, Dollarkurs und Zins. Der Gebert-Indikator misst dort etwas völlig anderes: den Stand der US-Wirtschaftstätigkeit. Aus ihm leitet Gebert ab, ob offensiv oder defensiv investiert wird, also welche Branchen ins Depot kommen.
| Börsenindikator | Gebert-Indikator | |
|---|---|---|
| Misst | Inflation, Jahreszeit, Dollar, Zins | US-Wirtschaftstätigkeit |
| Antwort auf | Investiert sein? | Offensiv oder defensiv? |
| Ergebnis | Punktzahl 0 bis 4 | Ausrichtung des Depots |
In der Praxis meint fast jeder das Vier-Faktoren-Modell, wenn er „Gebert-Indikator” sagt. Auch die Börsenmedien AG selbst schreibt in ihrem Verkaufstext, wer „seit 1996 den Signalen des Gebert-Indikators” gefolgt sei, habe 4.403 Prozent erzielt, und meint damit das Vier-Faktoren-Modell. Der von Morgan Stanley aufgelegte Index heißt konsequenterweise Gebert-Börsenindikator Index und vereint beide Namen.
Für dich als Leser heißt das zweierlei. Erstens: Wenn irgendwo vom Gebert-Indikator die Rede ist, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das Vier-Punkte-Modell gemeint, und so verwenden wir den Begriff in diesem Artikel auch. Zweitens: Wer ein Zertifikat kauft oder ein Abo abschließt, sollte im Kleingedruckten nachsehen, welches der beiden Systeme tatsächlich dahintersteht.
Wer ist Thomas Gebert?
Thomas Gebert ist Diplom-Physiker, Buchautor und verantwortlicher Redakteur des GebertBriefs. Er gilt als einer der Pioniere der quantitativen Börsenanalyse in Deutschland und war nach Darstellung des Verlags der Erste hierzulande, der Börsenstrategien systematisch an historischen Kursdaten prüfte.

Eine Korrektur an dieser Stelle, weil sie im Netz oft anders steht: Gebert wird häufig als „Dr. Thomas Gebert” geführt. Weder die Börsenmedien AG noch das Expertenprofil bei DER AKTIONÄR nennen einen Doktortitel, beide führen ihn als Diplom-Physiker. Wir haben den Titel in diesem Artikel deshalb entfernt.
Neben dem Börsenindikator gehen die 16-Wochen-Strategie und eine Kurzfristanalyse auf ihn zurück. Auf seinen Börsenindikator legten sowohl Merrill Lynch als auch Morgan Stanley Zertifikate auf, was für ein Modell aus der Privatanleger-Ecke ungewöhnlich ist. Heute ist Gebert zusätzlich Verwaltungsrat der Schweizer Vermögensverwaltung Point Capital Group und schreibt als freier Mitarbeiter für DER AKTIONÄR, BÖRSE ONLINE und €uro am Sonntag.
Für die Einordnung des Indikators ist dieser Hintergrund relevant. Gebert verkauft seine Signale, er verwaltet damit kein fremdes Geld nach diesen Regeln. Das ist kein Vorwurf, sondern ein Geschäftsmodell. Es bedeutet aber, dass die veröffentlichte Performance eine Modellrechnung ist und keine testierte Rendite eines realen Fonds.
Was ist der GebertBrief?
Der GebertBrief ist ein Börsenbrief der Börsenmedien AG, in dem Thomas Gebert die Signale seiner Indikatoren als konkrete Depotempfehlungen veröffentlicht. Abonnenten erhalten regelmäßige PDF-Reports mit dem Stand der Indikatoren, den Transaktionen im Musterdepot und Marktanalysen.
Der Dienst ist damit die bequeme Variante des Modells. Du bekommst das fertige Signal statt der Rohdaten. Wer die vier Kriterien ohnehin selbst nachschlägt, zahlt beim Abo vor allem für das Musterdepot und die Aktienauswahl, nicht für die Indikatorzahl.
- PDF-Report mit Übersicht zum Musterdepot und allen Transaktionen
- Alle Ergebnisse des Börsenindikators und des Gebert-Indikators
- Marktanalysen und Anlagetipps zur Umsetzung der Signale
- Online-Zugang zum Ausgabenarchiv
Die Performance-Zahlen und was sie aussagen
Die Börsenmedien AG nennt zwei Zahlen. Erstens: Wer seit 1996 den Signalen folgte, steigerte sein Depot um 4.403 Prozent. Zweitens: Seit dem 13. April 2014 steht der GebertBrief bei plus 221 Prozent gegen plus 96 Prozent beim DAX.
Beide Zahlen stammen vom Anbieter und sind nicht unabhängig testiert. Bei der 1996er-Zahl kommt hinzu, dass sie einen Zeitraum von rund drei Jahrzehnten abdeckt, in dem die ersten Jahre reine Rückrechnung sind. Die 2014er-Zahl ist die ehrlichere Referenz, weil sie den Zeitraum des tatsächlich veröffentlichten Dienstes abbildet. Eine Verdreifachung gegen eine Verdopplung beim Index bleibt auch dann ein respektables Ergebnis.

Die 16-Wochen-Strategie
Neben dem Börsenindikator führt Gebert die 16-Wochen-Strategie. Sie beruht auf der Beobachtung, dass sich Kursverläufe in wiederkehrenden Zyklen von 16 Wochen anordnen lassen. Das Jahr wird dabei fortlaufend in Wochen 1 bis 16 durchnummeriert, danach beginnt die Zählung von vorn.
In Geberts Auswertung fallen die Wochen 13, 14 und 15 überdurchschnittlich freundlich aus, während die Wochen 8, 11 und 16 schwächer tendieren. Umgesetzt wird das über DAX-ETFs, in schwachen Phasen auch über Short-Produkte.
Hier ist Skepsis angebracht, und zwar mehr als beim Börsenindikator. Eine Zyklusnummerierung ohne volkswirtschaftliche Begründung ist genau die Art Muster, die in historischen Daten leicht zu finden und schwer zu bestätigen ist. Der Börsenindikator hat für jedes seiner vier Kriterien eine ökonomische Erklärung. Die 16-Wochen-Strategie hat das nicht.
Kosten des GebertBriefs
Die Börsenmedien AG bietet zwei Varianten an. Der Preisunterschied pro Monat ist erheblich, deshalb lohnt der genaue Blick.
| Variante | Laufzeit | Preis |
|---|---|---|
| Jahresabo | 12 Monate | 494 Euro, rund 41 Euro im Monat |
| Probeabo | 1 Monat | 48 Euro |
Das Probeabo hat sich geändert. Früher bot der Verlag ein dreimonatiges Probeabo für 138 Euro an, das gibt es nicht mehr. Heute ist die Einstiegsvariante auf einen Monat verkürzt. Wer den Dienst testen will, hat damit deutlich weniger Zeit: Bei monatlicher Signalberechnung erlebt man in einem Monat unter Umständen keinen einzigen Signalwechsel.
Rechne den Preis gegen deine Depotgröße. 494 Euro im Jahr entsprechen bei einem Depot von 20.000 Euro rund 2,5 Prozent jährlicher Zusatzkosten, bei 100.000 Euro sind es 0,5 Prozent. Für kleine Depots frisst das Abo einen erheblichen Teil der erhofften Mehrrendite auf. Für wen der Dienst nicht passt, steht weiter unten bei den Grenzen.
Zur Einordnung in den Markt: Der GebertBrief liegt damit im mittleren bis oberen Bereich dessen, was deutsche Börsenbriefe kosten.
Gebert-Indikator handeln: Zertifikat, wikifolio und ETF
Du musst den Indikator nicht selbst umsetzen. Es gibt Produkte, die die Signale automatisch abbilden. Jedes davon hat eigene Kosten und eigene Risiken, und keines ist mit dem Indikator identisch.
Der Gebert-Börsenindikator Index
Morgan Stanley hat auf das Modell einen Index aufgelegt, den Gebert-Börsenindikator Index mit der ISIN DE000SLA2UB5. Er ist selbst nicht handelbar, dient aber als Basiswert für Zertifikate.
Bemerkenswert ist die Konstruktion. In grünen Phasen investiert der Index in die zehn trendstärksten Aktien der 100 größten deutschen Unternehmen, kombiniert das Timing-Modell also mit einer Relative-Stärke-Auswahl. In roten Phasen geht er nicht schlicht in Cash, sondern hält 20 Prozent Gold, 20 Prozent ShortDAX, 20 Prozent Bundesanleihen und 40 Prozent Cash.
Das ist eine wichtige Abweichung vom reinen Modell. Wer ein solches Zertifikat kauft, kauft nicht den Gebert-Indikator, sondern eine Strategie, die ihn als einen Baustein verwendet. Die Rendite kann deshalb deutlich von der veröffentlichten Indikator-Performance abweichen, in beide Richtungen.
wikifolio und ETF-Umsetzung
Auf wikifolio existiert seit 2015 ein Zertifikat, das die Signale nachbildet. Bei wikifolio-Zertifikaten kommen Zertifikategebühr und eine erfolgsabhängige Vergütung dazu, dazu das Emittentenrisiko der ausgebenden Bank.
Einen echten Gebert-ETF gibt es nicht. Wer die Strategie mit ETFs umsetzen will, tut das selbst: In grünen Phasen ein DAX-ETF, in roten Phasen Tagesgeld oder Geldmarkt-ETF. Das ist die kostengünstigste Variante und die einzige ohne Emittentenrisiko, verlangt aber, dass du die Signale selbst führst und diszipliniert umsetzt.
Meine Einschätzung dazu: Wenn das Modell nur wenige Signale im Jahr liefert und die Berechnung zehn Minuten dauert, ist die Eigenumsetzung mit zwei ETFs der ehrlichste Weg. Jede Verpackungsschicht kostet Gebühren und verwässert die Regel, die den Reiz des Modells ausmacht.
Grenzen und Kritik am Gebert-Indikator
Kein Modell aus vier Zahlen kann einen Markt vollständig beschreiben. Das weiß Gebert selbst, und es gehört zu einer ehrlichen Darstellung dazu. Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, was der Indikator leistet und wo er an seine Grenzen stößt.
Stärken des Gebert-Indikators
- Vollständig nachprüfbar: alle vier Eingangsgrößen sind öffentlich und kostenlos verfügbar. Du bist auf keine Blackbox angewiesen.
- Keine Ermessensentscheidung: die Regeln lassen keinen Interpretationsspielraum. Damit fällt der größte Fehlerherd im Anlegerverhalten weg.
- Sehr geringer Aufwand: eine Prüfung im Monat, wenige Signale im Jahr. Das passt zu berufstätigen Anlegern.
- Ökonomisch begründet: jedes Kriterium hat eine volkswirtschaftliche Logik und ist nicht bloß ein gefundenes Muster.
- Institutionell ernst genommen: mit Merrill Lynch und Morgan Stanley haben zwei Investmentbanken Produkte darauf aufgelegt.
Schwächen des Gebert-Indikators
- Signale kommen spät: monatliche Berechnung und Pufferzone bedeuten, dass Crashs und Erholungen erst mit Verzögerung beantwortet werden.
- Nur ein Markt: das Modell zielt auf den DAX. Für US-Werte, Anleihen oder Rohstoffe gibt es keine geprüfte Regel.
- Performance ist nicht testiert: die 4.403 Prozent seit 1996 sind eine Modellrechnung des Anbieters, kein Ergebnis eines geprüften Fonds.
- Der Exportzusammenhang kann kippen: das Dollar-Kriterium unterstellt, dass ein schwacher Euro dem DAX hilft. Diese Beziehung ist keine Konstante.
- Lange Durststrecken sind möglich: steht das Modell über Monate in Cash, während der Markt steigt, ist das psychologisch schwer durchzuhalten.
Auch andere Analysten haben das Modell auf die Probe gestellt. Robert Rethfeld widmete dem Indikator im Wellenreiter eine eigene Wochenendkolumne unter dem Titel „Gebert-Indikator vor der Bewährungsprobe”.
Für wen das Modell nicht passt
Drei Gruppen sollten die Finger davon lassen. Erstens aktive Trader: Wer Positionen über Tage oder Wochen hält, bekommt aus einem Monatsmodell keine verwertbaren Signale. Zweitens Anleger mit kleinen Depots: Bei 10.000 Euro Depotwert kostet das Jahresabo rund fünf Prozent, das muss die Strategie erst einmal zusätzlich verdienen.
Drittens jeder, der Signalen nicht folgen kann, wenn es unangenehm wird. Der schwierigste Moment eines regelbasierten Modells ist nicht der Verlust, sondern das Zusehen: Wenn der Indikator in Cash steht und der DAX vier Monate lang steigt, wird die Regel zur Zumutung. Wer dann eingreift, hat kein Modell mehr, sondern ein Bauchgefühl mit Tabelle.
Meine Sicht als diskretionärer Trader: Ich handele selbst nicht regelbasiert, sondern lese Kursverläufe. Trotzdem halte ich den Gebert-Indikator für eines der ehrlicheren Modelle im deutschen Markt, gerade weil er so wenig verspricht und so leicht überprüfbar ist. Ein Werkzeug zur groben Einordnung des Marktumfelds ist er. Ein Ersatz für eine durchdachte Anlagestrategie ist er nicht.
Fazit: ein sparsames Modell mit klaren Ansagen und klaren Grenzen
Der Gebert-Indikator gehört zu den wenigen Börsenmodellen, die man in fünf Minuten versteht und in zehn Minuten selbst nachrechnen kann. Vier öffentliche Zahlen, vier Ja-Nein-Fragen, eine Punktzahl. Den jeweils aktuellen Punktestand rechnet diese Seite automatisch aus den amtlichen Quellen mit.
Was mir an dem Ansatz gefällt, ist seine Sparsamkeit. Gebert hat vier Größen behalten und alles andere weggelassen. In einem Markt, in dem jeder Anbieter mit immer mehr Datenpunkten wirbt, ist das eine erfrischende Gegenposition. Dass zwei Investmentbanken Produkte darauf aufgelegt haben, spricht ebenfalls für die Substanz.
Was ich zurückhaltender sehe, sind die Zahlen drumherum. Die 4.403 Prozent seit 1996 sind eine Anbieterrechnung, kein testiertes Ergebnis, und ein guter Teil davon ist Rückrechnung. Die 221 Prozent seit April 2014 gegen 96 Prozent im DAX halte ich für die aussagekräftigere Zahl. Auch die 16-Wochen-Strategie überzeugt mich weniger als der Börsenindikator, weil ihr die ökonomische Begründung fehlt.
Mein Rat, wenn dich das Modell interessiert: Führe den Indikator drei bis sechs Monate selbst, bevor du über ein Abo nachdenkst. Du brauchst dafür vier Lesezeichen und eine Tabelle. Danach weißt du erstens, ob du die Signale überhaupt umsetzen würdest, und zweitens, ob dir die Aktienauswahl im GebertBrief die 494 Euro im Jahr wert ist.
Häufige Fragen zum Gebert-Indikator
Wie hoch ist der aktuelle Stand des Gebert-Indikators?
Der Stand wird auf dieser Seite automatisch aus den amtlichen Quellen nachgezogen und steht im Kasten im Abschnitt zum aktuellen Stand. Berechnet wird er aus vier Kriterien: Richtung der letzten EZB-Leitzinsänderung, Inflationsrate gegenüber dem Vorjahresmonat, EUR/USD gegenüber dem Vorjahresmonat und der Jahreszeit. Ab drei Punkten gilt ein Kaufsignal, beim Rückfall auf einen Punkt ein Verkaufssignal.
Was ist der Gebert-Indikator?
Der Gebert-Indikator ist ein regelbasiertes Timing-Modell für den deutschen Aktienmarkt, entwickelt vom Diplom-Physiker Thomas Gebert. Er bewertet vier Kriterien mit je einem oder null Punkten: Leitzins, Inflation, Euro-Dollar-Kurs und Saisonalität. Aus der Summe zwischen null und vier ergibt sich ein Kauf- oder Verkaufssignal für den DAX.
Wie berechne ich den Gebert-Indikator selbst?
Du brauchst vier öffentlich verfügbare Angaben. Erstens die Richtung der letzten EZB-Leitzinsänderung: War es eine Senkung, gibt es einen Punkt. Zweitens die Inflationsrate des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zum Vorjahresmonat: Ist sie gefallen, gibt es einen Punkt. Drittens den EUR/USD-Kurs gegenüber dem Wert vor zwölf Monaten: Ist der Euro schwächer, gibt es einen Punkt. Viertens den Kalender: In den Monaten November bis April gibt es einen Punkt. Die Summe ergibt den Indikatorstand.
Wie oft wird der Gebert-Indikator berechnet?
Die klassische Berechnung erfolgt monatlich, üblicherweise zum Monatsanfang mit den dann verfügbaren Daten. Es existieren auch wöchentliche Varianten, etwa in einzelnen Zertifikaten. Die Regeln bleiben dabei identisch, nur die Prüffrequenz steigt.
Was bedeutet ein Stand von 2 Punkten?
Bei zwei Punkten passiert nichts. Der zuletzt eingenommene Zustand bleibt bestehen: Wer investiert war, bleibt investiert, wer in Cash war, bleibt in Cash. Das Kaufsignal entsteht erst bei drei Punkten, das Verkaufssignal beim Rückfall auf einen Punkt. Diese Pufferzone verhindert häufiges Hin und Her.
Gibt es ein Zertifikat oder einen ETF auf den Gebert-Indikator?
Morgan Stanley hat den Gebert-Börsenindikator Index mit der ISIN DE000SLA2UB5 aufgelegt, auf den Zertifikate handelbar sind. Auf wikifolio existiert seit 2015 ein Zertifikat, das die Signale nachbildet. Einen eigenen Gebert-ETF gibt es nicht. Wichtig: Der Morgan-Stanley-Index kombiniert das Timing-Modell mit einer Relative-Stärke-Auswahl und weicht deshalb vom reinen Indikator ab.
Was kostet der GebertBrief?
Die Börsenmedien AG bietet zwei Varianten an: ein Jahresabo über zwölf Monate für 494 Euro, das entspricht rund 41 Euro im Monat, und ein Probeabo über einen Monat für 48 Euro. Das frühere dreimonatige Probeabo für 138 Euro wird nicht mehr angeboten. Stand der Preise ist der 23. August 2026.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading. Er handelt seit 1978 an den Finanzmärkten und arbeitet als diskretionärer Price-Action-Trader, also ohne mechanisches Regelwerk. Seine Schwerpunkte liegen auf Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten.
Ende der 1980er Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte alle zehn Ross-Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für diesen Artikel ist dieser Hintergrund in einer Hinsicht nützlich: Karsten bewertet regelbasierte Modelle wie den Gebert-Indikator bewusst von außen, aus der Perspektive eines Traders, der seine Entscheidungen selbst trifft. Diese Distanz erlaubt eine Einschätzung der Stärken und Grenzen ohne das Interesse, ein eigenes System zu verkaufen.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.










