Ein Börsenbrief kostet im Abo schnell mehrere hundert Euro im Jahr, und du weißt vorher nicht, ob dir der Stil überhaupt liegt. Der Börsenkiosk löst genau dieses Problem: Dort kaufst du einzelne Ausgaben als PDF, ohne dich zu binden. Der günstigste Brief liegt bei wenigen Euro, der teuerste laufende bei unter zwanzig.
Ich habe mir das Angebot im September 2026 angesehen und jeden Titel einzeln geprüft. Dabei sind zwei Dinge aufgefallen, die anderswo nicht stehen: Das Sortiment ist kleiner, als viele Beschreibungen behaupten, und der Betreiber schließt in seinem Impressum jede inhaltliche Verantwortung für die Briefe aus. Beides gehört zur Einordnung dazu. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Börsenkiosk: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Der Börsenkiosk verkauft einzelne Börsenbrief-Ausgaben als PDF. Ein Abo ist nicht nötig. Betrieben wird das Portal von der StockKiosk GmbH in Düsseldorf, nach eigenen Angaben seit 2003.
- Im Sortiment stehen 28 Titel, davon 26 mit laufendem Einzelpreis. Die Preise reichen von 2,49 Euro für den täglichen Bernecker daily bis 18,99 Euro für Die Actien-Börse. Der mittlere Preis liegt bei 9,95 Euro.
- Neun der 26 Briefe kommen aus einem einzigen Haus. Die Bernecker Börsenbriefe stellen mehr als ein Drittel des Angebots. Insgesamt sind acht Verlage vertreten.
- Für 27 der 28 Titel gibt es eine kostenlose Leseprobe. Sie zeigt eine ältere Ausgabe vollständig. Wer will, kann für 23 Titel auch ein reguläres Abo abschließen.
- Der Börsenkiosk prüft die Inhalte der Briefe nicht. Im Impressum steht, es handle sich „ausschließlich um fremde Inhalte“, für deren Richtigkeit und Qualität keine Haftung übernommen wird.
- Eine App gibt es nur für iPhone und iPad. Sie ist kostenlos und wurde zuletzt im Dezember 2025 aktualisiert. Für Android existiert kein Gegenstück.
Was ist der Börsenkiosk?
Der Börsenkiosk ist ein Online-Marktplatz, auf dem einzelne Ausgaben von Börsenbriefen als PDF gekauft werden können, ohne ein Abonnement abzuschließen.
Ein Börsenbrief ist eine kostenpflichtige Publikation, in der ein Analyst oder eine Redaktion den Markt einordnet und konkrete Werte bespricht. Klassisch wird er im Jahresabo vertrieben. Das ist der Punkt, an dem der Börsenkiosk ansetzt: Er verkauft die einzelne Ausgabe, so wie ein Zeitschriftenkiosk das einzelne Heft verkauft.
Der Unterschied ist praktisch, nicht inhaltlich. Du bekommst dieselbe Ausgabe, die Abonnenten des Verlags erhalten, und zwar am selben Tag. Gekürzte Fassungen gibt es nach Angabe des Anbieters nicht. Der Preis je Ausgabe ist dafür höher, als wenn du dieselbe Ausgabe über ein Jahresabo beziehst.
Für wen sich das rechnet, hängt an der Häufigkeit. Wer zwei- oder dreimal im Jahr eine zweite Meinung sucht, fährt mit dem Einzelkauf günstiger. Wer jede Woche mitlesen will, zahlt beim Einzelabruf deutlich drauf. Die konkrete Rechnung dazu steht weiter unten.
Wer betreibt den Börsenkiosk?
Hinter Börsenkiosk.de steht die StockKiosk GmbH aus Düsseldorf. Das Impressum nennt als Anschrift die Schiessstraße 55 in 40549 Düsseldorf, als Geschäftsführer und redaktionell Verantwortlichen Mike Krekeler und als Registereintrag HRB 100097 beim Amtsgericht Düsseldorf. Eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ist ebenfalls angegeben.
Das Unternehmen ist kein Finanzdienstleister und steht unter keiner Finanzaufsicht. Es verkauft Publikationen, es gibt keine Anlageberatung und führt keine Konten. Für einen Marktplatz ist das der normale Zustand, und es ist trotzdem eine Information, die du kennen solltest: Bei Streit über den Inhalt eines Briefes ist die BaFin nicht die Anlaufstelle.
Nach eigenen Angaben läuft das Portal seit 2003. Auf der Seite „Über uns“ steht, seitdem seien „mehr als eine Million Ausgaben im PDF-Format abgerufen“ worden. Diese Zahl stammt vom Anbieter selbst und lässt sich von außen nicht prüfen. Belegbar ist nur das Alter: Der Anbieter wirbt auf der Startseite mit 23 Jahren Börsenkiosk.
Welche Börsenbriefe gibt es im Börsenkiosk?
Das Sortiment umfasst 28 Titel, von denen 26 laufend mit einem Einzelpreis angeboten werden. Die beiden übrigen sind Sonderausgaben von Der Privatinvestor: eine Jahresspezialausgabe und ein älterer Jahresbericht. Die folgende Übersicht zeigt alle 26 laufenden Briefe mit ihrem Preis, aufsteigend sortiert.
| Börsenbrief | Erscheint | Preis |
|---|---|---|
| Bernecker daily | täglich | 2,49 € |
| Money Mail | 3x pro Woche | 4,00 € |
| Termin-Börse daily | täglich | 4,59 € |
| Der Deutsche Unternehmer-Brief | 3x pro Woche | 4,99 € |
| Heibel-Ticker PLUS | wöchentlich | 5,00 € |
| FUCHS-BRIEFE | 2x pro Woche | 6,50 € |
| Value Visions | wöchentlich | 7,90 € |
| Bernecker MEDIA | unregelmäßig | 7,95 € |
| FUCHS-KAPITAL | wöchentlich | 8,30 € |
| OPTIONSSCHEIN TRADER | wöchentlich | 8,50 € |
| Austria Börsenbrief | wöchentlich | 8,75 € |
| Aktien-Spezialwerte | 14-täglich | 9,50 € |
| FUCHS-DEVISEN | wöchentlich | 9,90 € |
| Der Aktionärsbrief | wöchentlich | 9,99 € |
| Der Internationale | 14-täglich | 10,50 € |
| Die Termin-Börse | wöchentlich | 10,99 € |
| Hanseatischer Börsendienst | 14-täglich | 11,00 € |
| Bernecker ETF-Report | 14-täglich | 11,99 € |
| Frankfurter Börsenbrief | wöchentlich | 12,99 € |
| mein GELD.plus | monatlich | 13,00 € |
| Der Privatinvestor | wöchentlich | 13,90 € |
| EMERGING MARKETS INVESTOR | 2x im Monat | 16,70 € |
| HOT STOCKS EUROPE | 2x im Monat | 16,70 € |
| HOT STOCKS INVESTOR | 14-täglich | 16,70 € |
| BÖRSENSIGNALE | 14-täglich | 18,30 € |
| Die Actien-Börse | wöchentlich | 18,99 € |
Neun der 26 Briefe stammen von den Bernecker Börsenbriefen. Damit kommt mehr als ein Drittel des Angebots aus einem einzigen Haus: Bernecker daily, Termin-Börse daily, Der Deutsche Unternehmer-Brief, Der Aktionärsbrief, Bernecker MEDIA, Die Termin-Börse, Bernecker ETF-Report, Frankfurter Börsenbrief und Die Actien-Börse. Sechs weitere Briefe liefert der Börsenwerte IF Verlag, vier der Börse Inside Verlag, drei die FUCHSBRIEFE und drei die IFVE GmbH um Max Otte. Dazu kommen Heibel-Ticker PLUS von Stephan Heibel, Value Visions von Finx Media und BÖRSENSIGNALE von SWISSINVEST.
Wer einen bestimmten Namen sucht, sollte vorher nachsehen. Das Angebot verändert sich, und zwei früher prominente Titel sind heute nicht mehr dabei: der PLATOW Brief und die Cashkurs-Briefe von Dirk Müller. Der Anbieter nennt beide in seinem eigenen Seitentitel weiterhin als Beispiele, im Sortiment stehen sie nicht.

Filtern kannst du nach Bereich, Region, Verlag und Erscheinungsrhythmus. Als Bereiche stehen unter anderem Aktien, Anleihen, Devisen, ETF-Produkte, Rohstoffe und Zertifikate zur Wahl, als Regionen Deutschland, Europa, USA, Asien, Österreich, Emerging Markets und Welt. Für einen Bestand von 26 Titeln ist das reichlich fein gegliedert, es hilft aber, wenn du ein bestimmtes Thema suchst.
Preise: was die einzelnen Börsenbriefe kosten
Die 26 laufenden Briefe kosten zwischen 2,49 und 18,99 Euro je Ausgabe. Der mittlere Preis liegt bei 9,95 Euro. Vier Titel kosten weniger als fünf Euro, zehn liegen zwischen fünf und zehn Euro, sieben zwischen zehn und fünfzehn, fünf darüber. Alle Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer.
Der Preis hängt vor allem an der Erscheinungshäufigkeit. Ein täglicher Brief ist kurz und kostet entsprechend wenig, ein wöchentlicher ist umfangreicher. Deshalb steht der tägliche Bernecker daily mit 2,49 Euro am unteren Ende und die wöchentliche Actien-Börse mit 18,99 Euro am oberen.
Teurer wird es nur bei den Sonderausgaben. Die Jahresspezialausgabe 2026 von Der Privatinvestor kostet 169,00 Euro. Dafür bekommst du eine PDF-Ausgabe mit 124 Seiten, erschienen am 10. April 2026. Das ist kein laufender Brief, sondern ein einmaliger Jahresausblick.
Wann sich der Einzelkauf rechnet und wann nicht
Der Einzelabruf ist teuer, wenn du regelmäßig mitliest. Rechne es einmal durch: Der Bernecker daily erscheint an jedem Handelstag. Bei rund 250 Ausgaben im Jahr und 2,49 Euro je Stück kommst du auf etwa 620 Euro. Ein Jahresabo desselben Briefes liegt deutlich darunter, und genau deshalb bietet der Börsenkiosk beides an.
Umgekehrt ist er günstig, wenn du selten zugreifst. Wer viermal im Jahr vor einer größeren Entscheidung eine zweite Meinung einholt, zahlt bei einem Brief für rund zehn Euro etwa 40 Euro. Ein Jahresabo desselben Titels kostet ein Vielfaches. Der Einzelkauf ist also kein billigerer Weg zum selben Ziel, sondern ein anderer Anwendungsfall.

Bezahlen kannst du mit vier Methoden. Im Seitenfuß weist der Anbieter PayPal, Sofortüberweisung, Visa und Mastercard aus. Andere Verfahren wie Apple Pay, Google Pay oder Kauf auf Rechnung sind nicht im Angebot. In der Hilfe des Anbieters wird ausschließlich PayPal näher erklärt.
Einzelkauf, Abo und kostenlose Leseprobe
Für 27 der 28 Titel kannst du vorab kostenlos hineinlesen. Der Börsenkiosk zeigt dazu eine ältere Ausgabe vollständig an, ohne Anmeldung und ohne Zahlungsdaten. Nur bei einem Titel, Bernecker MEDIA, fehlt diese Möglichkeit. Für die Auswahl ist das der nützlichste Teil des Angebots, weil sich Stil und Tiefe eines Briefes anders kaum einschätzen lassen.
Ein reguläres Abo ist für 23 der 28 Titel buchbar. Es läuft dann zum selben Preis wie beim Verlag. Drei laufende Briefe gibt es ausschließlich im Einzelkauf: der Bernecker ETF-Report, Bernecker MEDIA und Die Termin-Börse. Wer einen dieser drei dauerhaft lesen will, muss ihn jede Ausgabe einzeln kaufen oder direkt beim Verlag abschließen.
Beim Abo ist dein Vertragspartner der Verlag, nicht der Börsenkiosk. Das steht so nicht auf der Bestellseite, ergibt sich aber aus dem Kündigungsformular: Dort heißt es, die Kündigung werde „direkt an den zuständigen Verlag weitergeleitet“. Für dich heißt das, dass Laufzeiten und Fristen aus den Bedingungen des jeweiligen Verlags kommen.
Gekaufte Ausgaben bleiben eine Zeit lang abrufbar. Der Anbieter beantwortet das in seiner Hilfe unter der Frage, wie lange sich ein bezahlter Brief erneut kostenlos aufrufen lässt. Die Ausgaben kommen als PDF, du brauchst also nur einen Reader. Sichere die Datei am besten direkt nach dem Kauf, dann bist du von der Frist unabhängig.
Infoservice und Brief-Alarm: Benachrichtigung bei neuen Ausgaben
Börsenbriefe erscheinen nicht zu festen Uhrzeiten, und genau dafür gibt es den Brief-Alarm. Du hinterlegst, welche Titel dich interessieren, und bekommst eine Mail, sobald eine neue Ausgabe verfügbar ist. Wahlweise sofort bei Erscheinen oder gebündelt zu einer festen Uhrzeit. Der Dienst heißt beim Anbieter Infoservice, die Funktion selbst Brief-Alarm.
Die zweite Funktion ist für Anleger mit festem Depot interessanter. Du kannst die ISIN einer Aktie hinterlegen, also ihre internationale Wertpapierkennnummer. Sobald in einem der Briefe ein Bericht zu genau diesem Wert erscheint, bekommst du Bescheid. Damit findest du gezielt eine Zweitmeinung zu einer Position, die du ohnehin hältst.
Der Infoservice ist kostenlos, verlangt aber ein Konto. Nötig sind eine Mailadresse und ein Passwort, danach folgt die übliche Bestätigung per Mail. Das ist getrennt vom Newsletter des Anbieters, auch wenn beides per Mail kommt.
Der Newsletter ist die Rabattschiene. Der Börsenkiosk wirbt damit, dass Abonnenten einzelne Briefe mit bis zu 80 Prozent Rabatt bekommen, als tagesaktuelles Angebot. Wer den Einzelkauf ernsthaft nutzt, sollte ihn deshalb abonnieren. Wer nur eine Benachrichtigung über neue Ausgaben will, braucht ihn nicht.
Die Börsenkiosk App gibt es nur für iPhone und iPad
Der Börsenkiosk hat eine eigene App, und sie steht bei der Suche nach der Marke ganz weit oben. Sie heißt BoersenKiosk, stammt vom Betreiber StockKiosk GmbH und ist kostenlos. Über sie lassen sich dieselben Ausgaben kaufen und lesen wie über die Website.
Sie wird gepflegt, aber sie ist ein reines Apple-Angebot. Die aktuelle Fassung trägt die Version 1.39 und wurde am 16. Dezember 2025 veröffentlicht. Sie ist rund 32 Megabyte groß und nur auf Deutsch verfügbar. Im ersten App Store steht sie seit April 2016.
Für Android gibt es kein Gegenstück. Im Google Play Store existiert kein Eintrag des Anbieters, und auch in der Google-Suche nach der App taucht ausschließlich der Apple App Store auf. Wenn du ein Android-Gerät nutzt, bleibt dir die mobile Website.
Bewertungen sagen hier so gut wie nichts aus. Im deutschen App Store stehen 3,5 von 5 Sternen, allerdings aus ganzen zwei Bewertungen. Aus einer so kleinen Zahl lässt sich weder ein Lob noch eine Kritik ableiten. Ich nenne den Wert nur, damit du ihn nicht anderswo als Qualitätsurteil serviert bekommst.
Was der Börsenkiosk ausdrücklich nicht leistet
Der Börsenkiosk prüft die Inhalte der Briefe nicht, und er sagt das selbst. Im Impressum steht wörtlich, bei sämtlichen Inhalten der Seite handle es sich „ausschließlich um fremde Inhalte“. Weiter heißt es, das Unternehmen hafte „nicht für die Richtigkeit, Qualität oder Vollständigkeit der von den Verlagen übertragenen Inhalte“. Jeder Verlag und jeder Autor sei für seine Inhalte selbst verantwortlich.
Das steht im Gegensatz zu dem, was über den Börsenkiosk oft geschrieben wird. In vielen Beschreibungen, auch in einer früheren Fassung dieses Artikels, hieß es, eine Redaktion prüfe die Quellen auf Seriosität und nehme nur die besten Briefe auf. Diese Zusage macht der Anbieter in seinen eigenen Rechtstexten nicht. Wer die Auswahl als Qualitätssiegel liest, liest mehr hinein, als dasteht.
Ebenso wenig ist die Auswahl eine Empfehlung. Ein Titel steht im Sortiment, weil ein Vertrag mit dem Verlag besteht, nicht weil er sich bewährt hat. Ob die Empfehlungen eines Briefes in der Vergangenheit aufgegangen sind, musst du selbst prüfen. Eine Übersicht dazu findest du in unserem Vergleich der Börsenbriefe.
Auf der als AGB verlinkten Seite fehlen die üblichen Verkaufsbedingungen. Dort stehen Urheberrecht, Marken, zwei Haftungsausschlüsse, ein Hinweis zu Prognosen und der Datenschutz. Eine Widerrufsbelehrung, Zahlungs- oder Lieferbedingungen habe ich dort nicht gefunden. Bei digitalen Inhalten kann das Widerrufsrecht unter bestimmten Voraussetzungen entfallen, eine Belehrung darüber gehört trotzdem dazu. Das ist keine juristische Bewertung, sondern der Stand am Prüftag. Wer stattdessen einen Brief mit eigenem Handelssystem sucht, findet ihn bei Goyax Premium.
Börsenkiosk Erfahrungen: was Nutzer berichten
Öffentliche Erfahrungsberichte zum Börsenkiosk gibt es praktisch nicht. Ein Trustpilot-Profil existiert nicht, ein früher hier genanntes Profil bei Webwiki ist ebenfalls verschwunden. Damit bleiben als einzige öffentliche Bewertungen die zwei Stimmen im App Store, und die tragen keine Aussage.
Für einen Anbieter, der seit über zwanzig Jahren am Markt ist, ist das ungewöhnlich wenig. Es ist kein Warnzeichen, sondern eine Folge des Geschäftsmodells: Wer eine einzelne PDF-Ausgabe für ein paar Euro kauft, schreibt darüber selten eine Bewertung. Es heißt aber, dass du dich auf fremde Erfahrungen hier nicht stützen kannst.
Mein eigener Eindruck aus der Prüfung ist zwiespältig. Der Kaufweg ist kurz und ohne Konto nutzbar, die Leseproben sind ein echter Vorteil, und die Produktseiten nennen Preis, Umfang und Erscheinungstag sauber. Auf der anderen Seite widerspricht sich die Seite an mehreren Stellen selbst.
Drei dieser Widersprüche sind mir aufgefallen. Der Seitentitel wirbt mit Platow und Dirk Müller, beide sind nicht mehr im Sortiment. Die Seite „Über uns“ nennt einen günstigsten Preis von 2,29 Euro, der günstigste Brief kostet 2,49 Euro. Und die Beschreibung der App führt Autoren auf, deren Briefe es dort nicht gibt. Das sind keine großen Beträge, aber es zeigt, dass die Texte seltener gepflegt werden als das Sortiment.
Vor- und Nachteile des Börsenkiosk im Schnellcheck
Bevor es zum Fazit geht, hier die wichtigsten Stärken und Schwächen des Angebots in seiner heutigen Form:
Vorteile
- Einzelne Ausgaben als PDF ohne Abo und ohne Kundenkonto kaufbar
- Kostenlose Leseprobe für 27 der 28 Titel, jeweils eine vollständige ältere Ausgabe
- Preise offen ausgewiesen, von 2,49 bis 18,99 Euro je Ausgabe inklusive Mehrwertsteuer
- Bekannte Namen im Sortiment, darunter Die Actien-Börse, Der Aktionärsbrief und Der Privatinvestor
- Brief-Alarm mit ISIN-Benachrichtigung, kostenlos und auf einzelne Werte einstellbar
- Deutsches Unternehmen mit vollständigem Impressum, Handelsregistereintrag und Telefonnummer
- Abo zum Verlagspreis für 23 Titel als Alternative zum Einzelkauf buchbar
Nachteile
- Der Betreiber schließt jede Haftung für Richtigkeit und Qualität der Briefe ausdrücklich aus
- Die Auswahl im Sortiment ist keine Qualitätsprüfung, sondern das Ergebnis von Verlagsverträgen
- Auf der als AGB verlinkten Seite fehlen Widerrufsbelehrung und Zahlungsbedingungen
- Nur 26 laufende Briefe von acht Verlagen, neun davon aus einem einzigen Haus
- Beim Abo ist der Verlag der Vertragspartner, Fristen und Laufzeiten kommen von dort
- App nur für iPhone und iPad, für Android gibt es kein Gegenstück
- So gut wie keine öffentlichen Nutzerbewertungen, kein Trustpilot-Profil
- Mehrere veraltete Angaben auf der Anbieterseite, darunter zwei nicht mehr geführte Titel
- Bei täglicher Nutzung ist der Einzelkauf deutlich teurer als ein Abo
Fazit: für wen sich der Börsenkiosk lohnt
Der Börsenkiosk löst ein echtes Problem, aber nur für eine bestimmte Nutzung. Wenn du ein paar Mal im Jahr eine zweite Meinung zu einer Position suchst oder einen Brief kennenlernen willst, bevor du dich für ein Jahr bindest, ist der Einzelabruf genau der richtige Weg. Zusammen mit den Leseproben lässt sich ein Titel so ohne Risiko prüfen.
Wer regelmäßig mitliest, fährt mit einem Abo günstiger. Bei täglich erscheinenden Briefen summiert sich der Einzelkauf auf mehrere hundert Euro im Jahr. Das ist kein Nachteil des Angebots, sondern seine Bauart: Der Kiosk verkauft das Heft, nicht das Abonnement.
Den größten Vorbehalt habe ich bei der Erwartung, die der Name weckt. Ein Kiosk sortiert nicht nach Qualität, er stellt ins Regal, was die Verlage liefern. Der Betreiber sagt das in seinem Impressum selbst. Wer im Sortiment eine redaktionelle Auswahl vermutet, sollte diesen Satz gelesen haben.
Ein Börsenbrief ersetzt keine eigene Entscheidung. Er liefert eine Einschätzung, und die kann falsch sein, egal wie bekannt der Autor ist. Wer Empfehlungen ungeprüft nachkauft, verlagert sein Risiko nicht, sondern gibt nur die Kontrolle ab. Wie du solche Quellen einordnest, steht in unserem Überblick zu Börsenbriefen.
Häufige Fragen zum Börsenkiosk
Was kostet eine Ausgabe im Börsenkiosk?
Zwischen 2,49 und 18,99 Euro, im Mittel rund 10 Euro. Am günstigsten ist der tägliche Bernecker daily mit 2,49 Euro, am teuersten die wöchentliche Actien-Börse mit 18,99 Euro. Alle Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer. Die Jahresspezialausgabe von Der Privatinvestor kostet als Sonderausgabe 169,00 Euro.
Brauche ich ein Abo, um einen Börsenbrief zu lesen?
Nein, der Einzelkauf ist der Regelfall. Du kaufst eine einzelne Ausgabe als PDF und gehst keine Verpflichtung ein. Wenn du willst, kannst du für 23 der 28 Titel zusätzlich ein reguläres Abo abschließen, das dann zum Preis des Verlags läuft.
Kann ich einen Börsenbrief vorher testen?
Ja, für 27 der 28 Titel gibt es eine kostenlose Leseprobe. Angezeigt wird eine vollständige ältere Ausgabe, ohne Anmeldung und ohne Zahlungsdaten. Nur bei Bernecker MEDIA fehlt diese Möglichkeit. Für die Auswahl ist das der beste Weg, weil sich Stil und Tiefe eines Briefes so wirklich einschätzen lassen.
Gibt es den Börsenkiosk als App?
Ja, aber nur für iPhone und iPad. Die kostenlose App heißt BoersenKiosk, stammt vom Betreiber selbst und wurde zuletzt im Dezember 2025 aktualisiert. Für Android gibt es keinen Eintrag im Play Store, dort bleibt nur die mobile Website.
Wer ist beim Abo mein Vertragspartner?
Der jeweilige Verlag, nicht der Börsenkiosk. Das Kündigungsformular des Anbieters sagt ausdrücklich, die Kündigung werde an den zuständigen Verlag weitergeleitet. Laufzeit und Kündigungsfrist richten sich deshalb nach den Bedingungen des Verlags.
Prüft der Börsenkiosk die Inhalte der Börsenbriefe?
Nein, und er sagt das in seinem Impressum selbst. Dort steht, es handle sich ausschließlich um fremde Inhalte, und es werde keine Haftung für Richtigkeit, Qualität oder Vollständigkeit übernommen. Ein Titel steht im Sortiment, weil ein Vertrag mit dem Verlag besteht, nicht weil er geprüft wurde.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1978. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.
Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Fremde Einschätzungen liest er als Gegenprobe, nicht als Anweisung. Wer jahrzehntelang selbst entscheidet, weiß, dass auch ein bekannter Name danebenliegen kann. Diese Haltung prägt die Einordnung in diesem Artikel: Ein Börsenbrief ist eine Meinung mit Aufwand dahinter, kein Ersatz für die eigene Prüfung. Mehr über ihn steht auf seiner Autorenseite.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.













