Der Kurs läuft seit Tagen nach oben. Du willst rein, aber jeder Einstieg fühlt sich zu teuer an. Dann dreht der Markt für zwei, drei Kerzen nach unten. Genau dieser Moment ist der Pullback, und er ist der Grund, warum viele Trader überhaupt erst eine Chance auf ein vernünftiges Chance-Risiko-Verhältnis bekommen. Du steigst nicht am Hoch ein, sondern ein Stück darunter. Dein Stop liegt näher, dein möglicher Gewinn bleibt gleich.
Das Problem: Ein Rücksetzer sieht am Anfang genauso aus wie eine beginnende Trendwende. In diesem Artikel bekommst du zehn erprobte Pullback-Strategien mit Chartbeispielen, dazu die Regeln für Stop und Gewinnmitnahme und eine Methode, mit der du Rücksetzer in drei Schritten abarbeitest. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Pullback Trading: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Ein Pullback ist eine kurze Gegenbewegung im laufenden Trend. Er bricht die Trendstruktur nicht, sondern unterbricht sie nur
- Der Vorteil liegt im Chance-Risiko-Verhältnis: Du steigst näher am Stop ein, das Ziel bleibt gleich weit entfernt
- Die meisten Rücksetzer enden zwischen dem 38,2er und dem 61,8er Fibonacci-Level. Geht ein Pullback tiefer als 78,6 Prozent, wird eine Trendwende wahrscheinlicher
- Bewährte Werkzeuge sind Trendlinien und Kanäle, Gleitende Durchschnitte wie der 20er EMA sowie ADX und RSI zur Trendprüfung
- Der Stop gehört hinter das Extrem des Rücksetzers, nicht auf ein rundes Kursniveau. Bricht der Kurs dort durch, war es kein Pullback
- Pullback-Trading funktioniert in allen Märkten, in denen es Trends gibt: Aktien, Forex, Futures, Rohstoffe und Krypto
Was ist ein Pullback im Trading?
Ein Pullback ist eine kurze Gegenbewegung innerhalb eines bestehenden Trends. Der Kurs läuft eine Zeit lang entgegen der Trendrichtung, bricht die Trendstruktur dabei aber nicht. Danach nimmt er den ursprünglichen Trend wieder auf.
Im Aufwärtstrend heißt das: Der Kurs fällt für einige Kerzen, bildet aber kein tieferes Tief als beim letzten Rücksetzer. Im Abwärtstrend steigt er kurz an, ohne ein höheres Hoch zu erzeugen. Solange diese Struktur hält, ist der Trend intakt.
Andere Begriffe meinen dasselbe. Im Deutschen sagt man Rücksetzer oder Korrektur, in der Chartanalyse Retracement. Alle beschreiben dieselbe Bewegung: eine Pause gegen die Richtung, aus der es danach weitergeht.
Pullback oder Trendwende? So unterscheidest du beides
Das ist die teuerste Frage im Pullback-Trading. Denn am Anfang sehen beide Bewegungen identisch aus. Der Unterschied zeigt sich erst an der Marktstruktur: Ein Pullback lässt das letzte relevante Extrem stehen. Eine Trendwende nimmt es mit.
Drei Hinweise helfen dir bei der Einordnung. Erstens die Tiefe: Rücksetzer über 78,6 Prozent der vorherigen Bewegung sind verdächtig. Zweitens die Dauer: Zieht sich die Gegenbewegung deutlich länger hin als der Impuls davor, verliert der Trend an Kraft. Drittens das Volumen: Steigt es in der Gegenbewegung stark an, stehen echte Verkäufer dahinter und nicht nur Gewinnmitnahmen. Sicherheit gibt dir keiner dieser Punkte, aber zusammen ergeben sie ein brauchbares Bild.
Wie du eine echte Umkehr erkennst, haben wir in den Reversal-Chartmustern zusammengestellt.
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Pullback-Trading Strategien
Pullback-Trading ist ein Dauerbrenner, bei Einsteigern wie bei Profis. Der Grund ist einfach: Wer auf Rücksetzer wartet, handelt automatisch mit dem Trend statt gegen ihn. Und weil du näher am Stop einsteigst, bekommst du ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis als beim Einstieg auf dem Hoch.
In diesem Artikel bekommst du zehn Pullback-Strategien, die sich in der Praxis bewährt haben. Jede mit Grundidee, Chartbeispiel und dem Link zur ausführlichen Anleitung.
Brauchst du wirklich zehn Strategien? Nein. Du brauchst eine, die zu dir passt. Die anderen neun zeigen dir, welche Varianten es gibt.
Welche das ist, hängt von dir ab. Von den Instrumenten, die du sicher liest. Von deinem Markt. Und davon, ob du lieber mit reinen Kursverläufen oder mit Indikatoren arbeitest. Deshalb lohnt sich der Überblick, bevor du dich festlegst.
Die ausgewählten Strategien bieten Vielfalt und fallen (mehr oder weniger) in folgende drei Hauptkategorien:
- Price Action und Linien,
- Gleitende Durchschnitte und
- andere Indikatoren.
Der Aufbau ist bei jeder Strategie gleich. Zuerst die Grundidee, dann ein Chartbeispiel. Wenn dich eine Methode überzeugt, folge dem Link zur Detailanleitung. Dort stehen die vollständigen Regeln und weitere Beispiele.
Pullbacks sind oft der Einstiegspunkt in ein Chartmuster. Wie du die passenden Formationen erkennst und handelst, zeigt unser Chartmuster-Guide.
Price Action und Linien
Wenn du ohne Indikatoren arbeiten willst, ist dieser Abschnitt für dich. Die drei folgenden Strategien nutzen nur Trendlinien, Kanäle und Retracement-Linien. Du findest Pullbacks also allein dadurch, dass du Linien in den Chart zeichnest. Mehr zur Denkweise dahinter findest du im Price Action Trading.
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Strategie 1: Pullback-Trading mit Trendlinien und Channels
Diese Strategie ist die schlichteste im ganzen Artikel. Du ziehst eine Trendlinie, um den Trend zu bestimmen. Dann legst du einen Kanal darüber. Berührt der Kurs die untere Kanallinie, ist der Markt kurzfristig überverkauft. Genau dort suchst du deinen Einstieg.

Mit diesen beiden Swing-Tiefs haben wir eine Trendlinie geschaffen, um den Aufwärtstrend zu verfolgen.
Diese Unterschreitungen der bärischen Kanäle sind Anzeichen für eine überverkaufte Situation. Diese fungieren hier als Pullback-Einstiege.
Weitere Beispiele findest du in der Anleitung zu Trendlinie und Kanal.
Strategie 2: Die Trendlinien-Methode von John Hill
John Hill nutzt Trendlinien anders als die meisten. Ihn interessiert nicht die Linie selbst, sondern ihr Neigungswinkel. Der verrät ihm, wie viel Momentum im Rücksetzer steckt. Flache Linien bedeuten schwachen Gegendruck, steile Linien starken.
Eingestiegen wird erst, wenn der Gegentrend ins Stocken gerät. Das setzt voraus, dass der Pullback mindestens zwei Zacken hat. Bei einem glatten, einbeinigen Rücksetzer greift die Methode nicht. Sie ist also nur für komplexe Pullbacks gedacht.
Wie das im Chart aussieht, zeigt der Beitrag zur Trendlinien-Theorie beim Pullback-Trading.

1. Zeichne zwei Trendlinien mit dem Trendtief als Ausgangspunkt. Die zweite Linie war hier flacher. Das bullische Momentum ließ also nach.
2. Unter dieser Voraussetzung war ein Pullback-Einstieg möglich, als der Markt die zweite Trendlinie durchbrach.
Strategie 3: Pullback zum 50 %-Retracement (-Korrektur)
Diese Strategie bedient sich des 50 %-Retracements eines Preisschubes als Unterstützung bzw. Widerstand.
1. Suche zuerst eine starke, gerade Kursbewegung.
2. Trage darüber den Retracement-Bereich von 50 bis 61,8 Prozent ab und warte, bis die Korrektur diese Zone erreicht. Die Grundlagen dazu stehen bei den Fibonacci-Zahlen.

1. Die richtige Auswahl des Kursschubs ist entscheidend für das Funktionieren dieser Retracement-Strategie. In diesem Beispiel war der Kursschub maßgeblich, da er aus der lang anhaltenden, engen Handelsspanne ausbrach.
2. Mit diesem Kursschub haben wir den 50 %-Retracement-Bereich eingegrenzt. Die Kurse bewegten sich abwärts und der Markt fand Unterstützung innerhalb des Korrekturbereichs. Eine Möglichkeit des Einstiegs bestand darin, innerhalb dieses genannten Bereichs Buy Limit Orders zu platzieren.
Lesetipp: Heikin-Ashi Pullback-Strategie
Gleitende Durchschnitte
Gleitende Durchschnitte liefern viel Nutzen für wenig Aufwand. Ein Gleitender Durchschnitt ist schnell erklärt und erledigt zwei Aufgaben gleichzeitig: Er zeigt die Trendrichtung und markiert gleichzeitig die Zone, in der ein Rücksetzer typischerweise endet. Deshalb steckt er in so vielen einfachen Handelsstrategien.
Vier Ansätze arbeiten mit diesem Werkzeug. Die ersten beiden kommen mit einem einzigen Durchschnitt aus. Die anderen beiden kombinieren zwei, wobei der langsamere den Trend vorgibt und der schnellere den Einstieg.
Strategie 4: Candlestick mit Gleitendem Durchschnitt
Hier dient der Gleitende Durchschnitt als bewegliche Unterstützung. Die Methode ist einfach, wenn du Candlesticks lesen kannst. Du brauchst nur zwei Bausteine, die zusammenfallen müssen:
Der Markt zieht sich zum Gleitenden Durchschnitt zurück.
Der Markt bildet eine Candlestick-Formation aus.
Das löst ein typisches Anfängerproblem. Viele suchen im ganzen Chart nach Candlestick-Formationen und handeln jedes Muster, das sie finden. Hier schaust du nur an einer Stelle hin: dort, wo der Kurs den Gleitenden Durchschnitt erreicht. Das reduziert die Zahl der Signale deutlich und hebt ihre Qualität.
Wenden wir uns nun dem folgenden Beispiel zu:

Der Gleitende Durchschnitt folgt dem Aufwärtstrend und bietet einen Unterstützungsbereich.
Das Zusammentreffen mit der Engulfing-Formation und dem Gleitenden Durchschnitt weist auf zuverlässige Pullback-Einstiege hin.
Strategie 5: Der zweiseitige Pullback und Gleitender Durchschnitt
Al Brooks hat diesen Ansatz bekannt gemacht. In seiner Buchreihe über Price Action läuft er unter M2B und M2S. Der Gleitende Durchschnitt stützt wie bei Strategie 4 den Trend. Der Unterschied liegt im Auslöser: Statt auf eine bestimmte Kerze wartest du auf einen zweibeinigen Rücksetzer, also eine Gegenbewegung mit zwei Zacken.
Der folgende Chart veranschaulicht, wie ein zweiseitiger Pullback aussieht.

Diese Strategie verwendet einen 20er exponentiellen Gleitenden Durchschnitt (EMA). Falls die Kursentwicklung hauptsächlich unter dem Gleitenden Durchschnitt bleibt, so halten wir nach zweibeinige Pullbacks Ausschau, die nach oben gerichtet sind.
Dies sind zwei Beispiele für zweibeinige Pullbacks zum Gleitenden Durchschnitt. Die zwei Beine des Pullbacks sind gekennzeichnet.
Mit diesem Ansatz versuchen Trader, am Ende des zweiten Beins in einen Pullback-Trade einzusteigen.
Strategie 6: Gewichteter Gleitender Durchschnitt mit dem Gleitenden Durchschnitt nach Hull
Diese beeindruckende Strategie mit zwei Gleitenden Durchschnitten stammt von einem bekannten Forum-Thread. Dabei werden zwei Gleitende Durchschnitte verwendet:
Ein langfristig orientierter Gewichteter Gleitender Durchschnitt, um die Markttendenz anzuzeigen.
Ein Gleitender Durchschnitt nach Hull, um Kursbewegungen zu verfolgen.

Wir berücksichtigen ausschließlich Setups in Richtung des Gewichteten Gleitenden Durchschnitts. Das höhere Hoch und höhere Tief bestätigt eine bullische Marktstruktur.
Jeder Schlusskurs über dem Gleitenden Durchschnitt von Hull bietet einen Long-Einstieg nach einem Pullback. Vorausgesetzt, die bullische Kursausrichtung ist noch gegeben.
Die vollständigen Regeln zu dieser Kombination stehen in der JJRVAT-Methode.
Strategie 7: Trading-Setup 9/30
Das 9/30-Setup wird oft Einsteigern empfohlen, da es einfach zu verstehen ist. Die beiden Gleitenden Durchschnitte in dieser Strategie sind:
9er Exponentiell Gleitender Durchschnitt (EMA)
30er Gewichteter Gleitender Durchschnitt (WMA)
Die Kreuzung der beiden Linien gibt den Trend vor. Danach entscheidet der Kursverlauf über die Art des Einstiegs. Es gibt eine aggressive und eine konservative Variante. Der folgende Chart zeigt beide nacheinander.

Eine bullische Kreuzung weist auf einen möglichen Aufwärtstrend hin.
Ein aggressiver Einstieg ist angebracht, wenn sich die Signal-Kerze mit einem 9er Exponentiell Gleitenden Durchschnitt (EMA) überlappt.
Ein konservativer Einstieg ratsam, wenn sich der Signal-Candlestick unter dem 9er Exponentiell Gleitenden Durchschnitt (EMA) befindet.
Befindet sich die vollständige Kerze unterhalb des 30er Gewichteten Gleitenden Durchschnitts, so wird das Pullback-Setup ungültig.
Weitere Beispiele findest du in diesen beiden Anleitungen:
3 Möglichkeiten, um das 9/30-Trading-Setup zu verbessern
Andere Indikatoren
Jetzt kommen die Indikator-Strategien. Drei Ansätze, die mit Trading-Indikatoren arbeiten statt mit reinen Linien.
Ein Hinweis vorweg: halte es einfach. Jeder Indikator legt sich wie ein Filter zwischen dich und den Kursverlauf. Er rechnet aus alten Kursen etwas Neues aus und hinkt damit immer hinterher. Nimm deshalb nur die Werkzeuge, die dir wirklich eine Antwort liefern, die du im nackten Chart nicht siehst.
Strategie 8: Das System des Heiligen Grals (ADX)
Das Holy-Grail-Setup stammt von Linda Raschke. Es nutzt den ADX-Indikator, um zu prüfen, ob überhaupt ein tragfähiger Trend vorliegt. Steht das fest, bestimmt ein Gleitender Durchschnitt den Zeitpunkt des Einstiegs. Mehr zu ihrem Ansatz steht bei den Trading-Regeln von Linda Raschke.
Ein ADX, der über 30 steigt, weist auf einen starken Trend hin. Der Aufwärtstrend ist in diesem Beispiel offenkundig.
Diese Fälle von Pullbacks zum 20er Einfachen Gleitenden Durchschnitt (SMA) waren potenzielle Long-Einstiege.
Strategie 9: Die versteckte Divergenz des RSI
Die klassische RSI-Divergenz ist auf Trendwende-Setups ausgerichtet. Die versteckte Divergenz signalisiert hingegen Trendfolge-Trades.

Der folgende Chart zeigt einen bärischen Retracement-Trade:

Der RSI-Darstellung entsprechend hat sich das Momentum nach oben bewegt.
Allerdings hat die Price Action kein neues Swing-Hoch entwickelt. Bei dieser Formation handelt es sich um eine bärische versteckte Divergenz. Man kann diese einsetzen, um einen Pullback-Einstieg in einem Abwärtstrend zeitlich exakt abzustimmen.
Strategie 10: Handelsbereiche beim Pullback mit dem Heiken-Ashi
Heiken-Ashi glättet den Chart. Statt der echten Kurse zeigt die Darstellung gemittelte Werte. Dadurch verschwindet ein Teil des Rauschens und der Trend tritt klarer hervor. Der Preis dafür: Eröffnung und Schluss stimmen nicht mehr mit den echten Kursen überein. Wie die Kerzen genau berechnet werden, steht in unserer Heikin-Ashi-Analyse.
Die Idee ist, mit Heikin-Ashi eine Zone abzustecken. Also den Bereich, in dem der Rücksetzer mit hoher Wahrscheinlichkeit ausläuft. Der folgende Chart zeigt die Kerzen, aus denen sich diese Zone ergibt.

Eine sogenannte rasierte Heiken-Ashi-Kerze, die also im oberen Kerzenbereich keinen Docht oder oberen Schatten aufweist, bedeutet bärisches Momentum. Hier entspricht sie einem ausgeprägten bärischen Pullback.
Wir bestimmen eine Zonen-Kerze, sobald wir erkennen, dass obere Schatten auftreten.
Nun können wir uns auf die Zonen-Kerzen konzentrieren, um Unterstützungsbereiche zu ermitteln. Anschließend können wir im aktuellen Candlestick-Chart nach Pullback-Einstiegen innerhalb dieser Zone suchen.
Die vollständige Zonen-Methode mit weiteren Chartbeispielen findest du im Abschnitt zu den Heiken-Ashi-Strategien.
Zusammenfassung Pullback Strategien
Die 10 Pullback-Strategien im Überblick
Die Tabelle zeigt dir auf einen Blick, welche Strategie mit welchem Werkzeug arbeitet und für wen sie sich eignet.
| Strategie | Werkzeug | Einstiegssignal | Passt zu |
| 1. Trendlinien und Kanäle | Trendlinie, Kanal | Berührung der Kanalunterseite | Einsteiger |
| 2. Trendlinien-Methode nach John Hill | Zwei Trendlinien | Bruch der zweiten, flacheren Linie | Komplexe Pullbacks |
| 3. 50-Prozent-Retracement | Fibonacci-Zone | Kurs erreicht 50 bis 61,8 Prozent | Swing-Trader |
| 4. Candlestick am Gleitenden Durchschnitt | 1 GD, Candlesticks | Umkehrkerze am Durchschnitt | Candlestick-Leser |
| 5. Zweibeiniger Pullback | 20er EMA | Ende des zweiten Beins | Price-Action-Trader |
| 6. Gewichteter GD mit Hull | 2 GD | Schluss über dem Hull-Durchschnitt | Trendfolger |
| 7. Setup 9/30 | 9er EMA, 30er WMA | Rücksetzer nach der Kreuzung | Einsteiger |
| 8. Holy Grail nach Linda Raschke | ADX, 20er SMA | Pullback bei ADX über 30 | Starke Trends |
| 9. Versteckte RSI-Divergenz | RSI | Höheres Tief im Kurs, tieferes im RSI | Indikator-Trader |
| 10. Heiken-Ashi-Zonen | Heiken-Ashi | Kurs erreicht die Zonen-Kerze | Daytrader |
Alle zehn Strategien lösen dieselbe Aufgabe. Sie suchen den Punkt, an dem zwei Dinge im Gleichgewicht sind:
der Gewissheit, dass der Trend noch anhält und
einem besseren Chance-Risiko-Verhältnis.
Je tiefer der Rücksetzer, desto besser dein Chance-Risiko-Verhältnis. Denn dein Stop liegt näher am Einstieg. Aber ein tiefer Rücksetzer ist auch ein Warnzeichen. Er kann bedeuten, dass der Trend die Kraft verliert. Genau dieser Zielkonflikt macht Pullback-Trading anspruchsvoll. Es gibt keine Zahl, die immer stimmt. Es gibt nur die Balance, die zu deinem Markt und deiner Zeiteinheit passt.
Such dir eine Strategie aus und teste sie. Nicht alle zehn. Eine. Wenn sie zu deinem Markt und deiner Zeiteinheit passt, arbeite sie so lange durch, bis du ihre Schwächen kennst. Erst dann lohnt sich die nächste.
Die Links zu den zehn Strategien sind zur leichteren Handhabung unten angeführt:
- Pullback-Trading mit Trendlinien und Channels
- Die Trendlinien-Methode von John Hill
- Pullback zum 50 %-Retracement
- Candlestick mit Gleitendem Durchschnitt
- Der zweibeinige Pullback und Gleitender Durchschnitt
- Gewichteter Gleitender Durchschnitt mit dem Gleitenden Durchschnitt nach Hull
- Trading-Setup 9/30
- Ein System des Heiligen Grals (ADX)
- Die verborgene Divergenz des RSI
- Handelsbereiche beim Pullback mit dem Heiken-Ashi
Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: 10 Pullback Trading Strategies You Must Know
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud
Lesetipp: Die 7 besten Trading-Strategien
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Verbesserte Pullback-Formation über drei Kursstäbe
Pullback-Trading ist die Lieblingsdisziplin vieler Price-Action-Trader. Es gibt dutzende Wege, einen Rücksetzer zu definieren. Einer der einfachsten ist der Pullback über drei Kursstäbe.
Lee Leibfarth hat diese Formation verbessert. Veröffentlicht hat er das im August 2008 in der Zeitschrift Futures & Options Trader. Wir arbeiten hier mit seiner Variante, nicht mit der Grundform.
Trading-Regeln für die verbesserte Pullback-Formation über drei Kursstäbe
Zur Trendbestimmung nutzt Leibfarth den TRIX. Das ist ein dreifach geglätteter exponentieller Gleitender Durchschnitt. Durch die dreifache Glättung fallen kurzfristige Ausschläge heraus, und übrig bleibt die grobe Richtung. Der Preis dafür ist eine deutliche Verzögerung.
Formation für eine Long-Position:
Der 9-Perioden TRIX befindet sich über seiner Signallinie (Signallinie = 3-Perioden Gleitender Durchschnitt von TRIX).
Es liegt ein abwärts gerichteter Pullback über drei Kursstäbe vor (drei aufeinander folgende Kursstäbe, die unter der Eröffnung schließen).
Steig einen Tick über dem letzten Kursstab der Drei-Stäbe-Formation ein.
Formation für eine Short-Position:
Der 9-Perioden TRIX befindet sich unter der Signallinie (Signallinie = 3-Perioden Gleitender Durchschnitt von TRIX).
Es liegt ein aufwärts gerichteter Pullback über drei Kursstäbe vor (drei aufeinander folgende Kursstäbe, die über der Eröffnung schließen).
Steig einen Tick unter dem letzten Kursstab der Drei-Stäbe-Formation ein.
Trade-Beispiele für die aus drei Kursstäben bestehende Pullback-Formation
Gewinn-Trade: bullische Formation

Das ist ein Tages-Chart von Apple Inc. (AAPL). Das untere Diagramm zeigt den TRIX-Indikator. Die TRIX-Linie ist schwarz, die Signallinie rot.
1. Der schwarze TRIX steigt über seine rote Signallinie und bestimmt damit einen Aufwärtstrend.
2. Kurz danach bekamen wir einen abwärts gerichteten Pullback aus drei Kursstäben.
3. Der erste Kursstab war ein Doji, der zweite hatte einen längeren Körper, der dritte war ein klarer bärischer Trendstab. Jeder Stab war stärker als der davor. Trotzdem wurde das letzte Swing-Tief nicht erreicht. Für Trader mit Blick auf den Marktkontext war das ein bullisches Zeichen. Wichtig außerdem: der TRIX blieb bullisch.
Der Einstieg lag über dem Hoch des dritten Kursstabs. Weil der Markt danach direkt weiterlief, war dieser Trade praktisch nicht mehr zu verlieren. Egal, wie du dein Trade-Management aufgesetzt hättest.
Verlust-Trade: bullische Formation

Dieses Beispiel zeigt den Tageschart des SPY. Das ist ein ETF auf den S&P 500. Leibfarth selbst testete seine Strategie am E-Mini-Future mit vielversprechenden Ergebnissen. Dieser konkrete Trade ging trotzdem schief, und genau deshalb steht er hier.
1. Der TRIX überstieg seine Signallinie, was ein Hinweis auf einen Aufwärtstrend war.
2. Wir bekamen einen abwärts gerichteten Pullback, der aus drei Kerzen bestand. Der letzte Kursstab war eine Outside Bar. Outside Bars sind normalerweise keine guten Signalkurstäbe. Wir bezogen zwei Tage danach eine Kaufposition, als sich eine aufwärts gerichtete Kurslücke einstellte, die unsere Buy Stop Order über der Outside Bar auslöste.
3. Nach unserem Einstieg gab es mehrere Tage mit nach unten gerichteten Kurslücken, wobei die entsprechenden Kursstäbe dann über der Eröffnung schlossen. Allerdings bewegte sich der Markt eindeutig seitwärts. Der Trend setzte sich also nicht fort.
Dieser Trade endete bestenfalls bei plus minus null. Nur mit einem sehr kleinen Gewinnziel wäre etwas übrig geblieben.
Das Prinzip dahinter ist übertragbar. Du nimmst eine einfache Formation aus dem Kursverlauf und schärfst sie mit ein oder zwei Zusatzregeln nach. Welche Regeln das sind, hängt davon ab, wie du selbst handelst.
Der TRIX taugt in diesem Fall gut als Trendfilter. Und der Einstieg per Stopp-Order über dem letzten Kursstab hat einen praktischen Nebeneffekt: Formationen, aus denen in Wirklichkeit ein Trendwechsel wird, lösen die Order gar nicht erst aus.
Achtung bei längeren Rücksetzern. Zieht sich ein Pullback über deutlich mehr als drei Kursstäbe, spricht das eher für eine Trendwende oder eine beginnende Seitwärtsphase als für eine Fortsetzung.
Der TRIX ist nur ein Teil von Leibfarths Strategie. Er hat zusätzlich zwei Sets von Ausstiegsregeln getestet, eines für kurzfristige Trades und eines für Trendfolger. Beide verbesserten das Ergebnis der Formation. Sein Originalartikel enthält die Details.
Die Drei taucht in der Chartanalyse auffällig oft auf. Elliott-Wellen zählen drei Impulswellen. Es gibt Umkehrformationen aus drei Stäben. Und dutzende Candlestick-Muster bestehen aus drei Kerzen, darunter die Three White Soldiers und die Three Black Crows.
Ein weiteres Price Action Pullback-Trading-Setup ist der zweibeinige Pullback zum Gleitenden Durchschnitt von Al Brooks.
Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: Improved Three Bar Pullback Pattern
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud
Risikobegrenzung und Gewinnmitnahme bei Pullback-Handelsstrategien
Pullback-Trading ist weit verbreitet. Einsteiger mögen es, weil die Regeln überschaubar sind. Erfahrene Trader schätzen es, weil es sie zwingt, auf der Seite des Trends zu bleiben.
Der Einstieg ist der leichte Teil. Entscheidend ist, was danach passiert. Du brauchst eine Regel, die dein Risiko begrenzt, und eine zweite, die deine Gewinne sichert. Ohne beides ist auch das beste Setup wertlos.
Drei Bausteine gehören zu jedem Pullback-Trade:
Die folgenden Charts zeigen das System der Börsenhändler. Das ist eine ausgereifte Pullback-Strategie, die wir im Trading-System der Börsenhändler ausführlich erklären. Kennst du sie, liest du die Beispiele leichter.
Die Techniken selbst sind aber nicht daran gebunden. Du kannst sie auf jede Pullback-Strategie übertragen.
Platzieren des ersten Verluststopps
Ein Anfangsstopp ist Pflicht. Er begrenzt erstens deinen Verlust auf einen Betrag, den du vorher kennst. Zweitens brauchst du ihn, um überhaupt ein Chance-Risiko-Verhältnis ausrechnen zu können. Wie du ihn technisch platzierst, steht in der Anleitung zur Stop-Loss-Order.
Verluststopp aufgrund von Kursmustern
Bei Pullback-Setups richtet sich der Stop nach dem Kursmuster. Der Gedanke dahinter: Das Muster, das dich in den Trade gebracht hat, entscheidet auch, wann der Trade widerlegt ist. Bricht die Formation, ist deine Annahme falsch. Dann willst du raus.
Das passt zur Logik des Pullbacks. Du gehst davon aus, dass der Trend weiterläuft. Also setzt du den Stop dorthin, wo diese Annahme kippt.

Im Beispiel liegt der Stop einen Tick über der Setup-Kerze. Für das Daytrading ist das meist richtig. Auf größeren Zeitrahmen brauchst du mehr Abstand, sonst holt dich schon normales Rauschen heraus. Wirst du oft knapp ausgestoppt und der Markt läuft danach in deine Richtung, ist ein Volatilitäts-Stop die bessere Wahl.
Gewinnziele mit Limit-Orders platzieren
Die Festlegung eines Gewinnziels hilft bei einem disziplinierten Ausstieg. Dies ist der beste Weg, Gier und Zweifel zu bekämpfen.
Gewinnziele liegen an Widerstand und Unterstützung. Du findest sie an früheren Unterstützungs- und Widerstandszonen, an wichtigen Pivots und an Marken, die sich aus Chartmustern ergeben.
Bei einer Long-Position setzt du dein Ziel unter den nächsten Widerstand. Dort drehen die Kurse erfahrungsgemäß gegen deine Long-Position.
Bei einer Short-Position gilt das Gegenteil. Dein Ziel liegt über der nächsten Unterstützung, weil der Markt dort gegen deine Short-Position drehen kann.
Erst Ziel und Stop zusammen ergeben eine Zahl. Nämlich das Chance-Risiko-Verhältnis des Setups. Liegt es unter 1:1, lohnt der Trade in der Regel nicht.
Das konservativste Ziel ist das letzte Kursextrem. Also der Punkt, an dem der Trend vor dem Rücksetzer stand. Denn genau das ist deine Annahme: dass der Trend dorthin zurückkehrt. Im folgenden Chart markieren die blauen Flächen Konsolidierungszonen.

Manchmal ist ein festes Ziel aber die falsche Wahl. Läuft ein Trend weit, verschenkst du damit den größten Teil. Wir haben zehn Arten der Gewinnmitnahme gegenübergestellt. Wenn du Gewinne laufen lassen willst, brauchst du das nächste Werkzeug: den nachgezogenen Stop.
Den Verluststopp nachziehen
Ein Trailing-Stop wandert mit dem Kurs mit. Läuft der Markt für dich, zieht der Stop nach. Läuft er gegen dich, bleibt er stehen. Damit erfüllt er drei Aufgaben gleichzeitig:
Er vermindert Ihr Risiko im Lauf der Zeit.
Er sichert deine Gewinne ab.
Er lässt Gewinne laufen, wenn der Trend weiterträgt.
Eine Frage musst du dabei beantworten: Wie dicht soll der Stop am Kurs kleben? Daran entscheidet sich, ob die Technik funktioniert.
Beide Extreme kosten Geld. Ist der Stop zu eng, wirft dich schon eine normale Gegenbewegung aus dem Trade. Ist er zu weit, gibst du am Ende einen großen Teil des Gewinns zurück. Dazwischen liegt der brauchbare Bereich, und den musst du für deinen Markt selbst finden.
Wir betrachten nun zwei geläufige Möglichkeiten, um Verluststopps im Rahmen von Pullback-Setups zu verschieben.
Verschieben des Stopps nach jedem Kursstab
Das Nachziehen nach jedem Kursstab ist die aggressive Variante. Sie funktioniert nur, wenn du mit einer schnellen, geraden Bewegung rechnest. Solche Bewegungen sind die Ausnahme, nicht die Regel.
Der folgende Chart zeigt alle drei Einstiegsstufen. Wir nehmen an, du gehst konservativ vor und steigst nur bei einem Signal der Stufe 1 ein.

Der Ansatz begrenzt Verluste hart. Er hält dich auch nur kurz im Markt. Dafür bringt er in den meisten Fällen keine großen Gewinne.
Der Grund: Ein Stop unter jeder einzelnen Kerze würgt den Trade ab. Schon eine einzige Gegenkerze reicht. Praktikabler ist eine Zwischenlösung. Du ziehst den Stop nur nach ausgewählten Kursstäben nach, etwa nach besonders großen Kerzen.
Für Leser meines Kurses: Ein Beispiel ist der Wide Range Bar Trail, der in Volume 4, Chapter 2.2.3 erklärt wird.
Verschiebung nach jeder Kurswelle
Das Nachziehen nach Kurswellen gibt dem Trade mehr Luft. Der Stop folgt nicht jeder Kerze, sondern nur den größeren Bewegungen. Das respektiert den Kursverlauf und lässt Raum für Zufallsgewinne. Auf dem Tageschart ist das meist die bessere Wahl.

Das Nachziehen nach Kurswellen ist schwieriger, als es aussieht. Zuerst musst du definieren, was bei dir überhaupt eine Welle ist. Dann brauchst du eine Regel für den Zeitpunkt:
Zählt ein flacher Rücksetzer gegen den Trend schon als neue Welle?
Ziehst du den Stop nach, sobald sich eine Welle gebildet hat?
Oder erst, wenn der Kurs das letzte Trendextrem überschreitet?
Egal, wofür du dich entscheidest: halte dich daran. Der teuerste Fehler ist, den Stop im laufenden Trade nach Gefühl zu verschieben. Eine mittelmäßige Regel, konsequent angewendet, schlägt die perfekte Regel, die du bei Stress über Bord wirfst.
Beide Charts zeigen die Anpassung am Kursverlauf. Wenn du lieber mit einer festen Formel arbeitest, sieh dir den Parabolic SAR an. Der Indikator wurde genau für diesen Zweck entwickelt.
Ratschlag für unerfahrene Trader
Der häufigste Fehler ist emotionales Handeln. Sobald echtes Geld im Markt liegt, wird jede Regel verhandelbar. Dagegen hilft nur eines: Du legst Stop und Ziel vor dem Einstieg fest und rührst sie nicht mehr an. Ganz rein, ganz raus.
Ändere immer nur eine Sache auf einmal. Wer gleichzeitig Einstieg, Stop und Ziel anpasst, weiß hinterher nicht, was den Unterschied gemacht hat. Dann lernst du aus hundert Trades genau nichts.
Untersuchungsmöglichkeiten für erfahrene Trader
Kombiniere Trailing-Stop und Gewinnziel-Order, statt dich für eines zu entscheiden.
Pass das Gewinnziel nach dem Einstieg an das Momentum an.
Steig mit einer Market-Order aus, wenn nach langer Konsolidierung eine extreme Kursbewegung mit ebenso extremem Volumen kommt. Das ist ein Warnzeichen für eine Trendwende.
Trailing-Stop oder Gewinnziel? Das hängt am Restpotenzial des Trades. Beim Daytrading kurz vor Handelsschluss bringt es nichts, Gewinne laufen lassen zu wollen. Dann nimmst du den Gewinn mit einer Ziel-Order mit.
Schlussbemerkung
Du musst nicht jeden Cent mitnehmen. Ein Teil des Gewinns geht bei fast jedem Trade an den Markt zurück. Das ist normal und kein Grund, das System zu ändern.
Was zählt, ist die positive Erwartung über viele Trades. Steht die, wächst dein Konto auch mit einer Trefferquote unter 50 Prozent. Erst danach lohnt es sich, über die Positionsgröße nachzudenken.
Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: How to limit Risk and take Profit for Pullback Trading Strategies
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud
13 Trading-Indikatoren, die du kennen musst

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Pullback-Trading-Methode in drei Schritten
Diese Methode stammt aus einem Udemy-Kurs von Richard Deutsch. Sie nutzt den Keltner-Channel, um die Trenddynamik zu messen und handelbare Rücksetzer zu finden. Die Auswahl der besten Pullbacks läuft danach über den reinen Kursverlauf. Der Kurs stammt aus dem Jahr 2019 und ist seitdem nicht aktualisiert worden. Die Methode selbst funktioniert unabhängig davon.

Hinweis: Ich habe das Quellenmaterial auf der Grundlage meiner Beobachtungen interpretiert, um die nachfolgenden Handelsregeln zu entwickeln. Daher kann es zu geringfügigen Abweichungen zur Originalmethode kommen.
Die drei Schritte
Wie lauten diese drei Schritte?
1. Bestimme mit dem Keltner-Channel den Trend und finde belastbare Rücksetzer. Was der Kanal genau misst, steht im Beitrag zum Keltner-Channel.
2. Wähle den konkreten Einstieg über den Kursverlauf aus.
3. Setz Stop und Gewinnziel anhand des Kursverlaufs und des ATR. Der Average True Range misst, wie weit sich ein Markt üblicherweise pro Kerze bewegt, und liefert dir damit einen realistischen Stop-Abstand.
Sehen wir uns die drei Schritte im Einzelnen an.
Schritt 1: Anwärter für einen Pullback ermitteln
Kern dieser Methode ist der Keltner-Channel. Er legt sich als Band um den Kurs und wird aus einem Gleitenden Durchschnitt plus einem Vielfachen der durchschnittlichen Schwankungsbreite gebildet. Damit zeigt er zwei Dinge zugleich: wie stark der Trend ist und wie viel Bewegung gerade normal ist.
Richtig eingestellt fängt der Kanal fast alle Kursbewegungen ein. Genau das macht ihn nützlich. Läuft der Kurs aus dem Band heraus, ist die Bewegung ungewöhnlich stark. Das wertet die Methode als Trendsignal.
Empfohlene Einstellungen für den Keltner-Channel:
15-Perioden Exponentieller Gleitender Durchschnitt (EMA = Exponential Moving Average)
15-Perioden ATR (Average True Range)
2-facher multipler ATR
Jetzt wartest du den Rücksetzer ab. Er zählt aber nur, wenn er in einem bestimmten Zielbereich endet. Definiert wird der über zwei Größen: wie tief der Pullback geht und wie lange er dauert. Achte besonders auf Rücksetzer, die:
20 % bis 80 % des Keltner-Channels erreichen;
Innerhalb von 3 bis 15 Kursstäben stattfinden
Schritt 2: Trade-Einstieg
Liegt der Kurs im Zielbereich, brauchst du ein Signal. Zwei kommen dafür in Frage:
Der Kursstab (oder die Kursstäbe) zeigen kurzfristig eine Trenddynamik in Richtung des Trends.
Der Kursstab (oder die Kursstäbe) bilden eine „Pin Bar“ mit einer langen Lunte und einem starken Schlusskurs. Dieser weist wieder zurück in die Richtung des vorherrschenden bzw. ursprünglichen Trends.
Lesetipp: Pin Bar und andere Price Action Muster für präzise Trade-Einstiege – inkl. Regeln, Einstiegssignale und Chartbeispiele.
Schritt 3: Stop-Loss und Gewinnmitnahme
Der Stop liegt hier mindestens 2,5 ATR entfernt. Das ist bewusst weit. Komplexe Rücksetzer mit mehreren Zacken brauchen Zeit und Raum. Ein enger Stop würde dich aus genau den Trades werfen, für die diese Methode gebaut ist.
Das Gewinnziel liegt im gleichen Abstand wie der Stop. Damit startest du mit einem Chance-Risiko-Verhältnis von 1:1. Läuft der Trade in deine Richtung, kannst du den Stop nachziehen und das Verhältnis verbessern.
Pullback-Trading-Regeln in drei Schritten
Wir fassen die Handelsregeln zusammen:
Setup für einen Long-Pullback
Die Kurse übersteigen die Obergrenze des Keltner-Channels.
Die Kurse bewegen sich im Zuge eines Pullbacks in den Zielbereich.*
Warte auf das Long-Einstiegssignal im Kursverlauf.
Setup für einen Short-Pullback
Die Kurse fallen unter die Untergrenze des Keltner-Channels.
Die Kurse ziehen sich in die Kursspanne des Zielbereichs zurück.*
Warte auf das Short-Einstiegssignal im Kursverlauf.
*20 % bis 80 % des Keltner-Channels befinden sich innerhalb von 3 bis 15 Kursstäben.
Trading-Beispiele
In den folgenden Charts bilden die blauen Linien den wichtigsten Keltner-Channel, auf den wir uns bei der Trendermittlung verlassen.
Im Chart siehst du einen zweiten Keltner-Channel. Die orange gestrichelten Linien markieren damit den Zielbereich. Das ist optional. Solange du die Methode noch nicht im Gefühl hast, hilft die Markierung beim Erkennen.
Gewinntrade
Dieses Beispiel zeigt zwei erfolgreiche Daytrading-Setups unter Verwendung der 3-stufigen Pullback-Methode:

Diese aufeinander folgenden Schlusskurse unter dem Keltner-Channel bestätigen die abwärts gerichtete Trenddynamik.
Nach fünf bullischen Kursstäben erreichte der Pullback den Zielbereich (innerhalb des orangefarbenen Kanals). Von diesem Zeitpunkt an bewegte sich der Markt seitwärts.
Der vorherige Candlestick signalisierte Unsicherheit in Form eines Doji. Aber diese abwärts gerichteten Trend-Kursstäbe zeigten die mit dem Trend übereinstimmende Dynamik (Momentum), die wir für einen Short-Einstieg benötigten.
Die Kurse fielen wieder unter den Keltner-Channel. Mit dieser Entwicklung wurden die Voraussetzungen für ein weiteres Short-Pullback-Setup geschaffen.
Dieser bärische Pin-Kursstab an der Linie des Exponentiell Gleitenden Durchschnitts (50 % des Keltner-Channels) bot einen hervorragenden Short-Einstieg.
Beide Setups erreichten hier das standardmäßige Gewinnziel von 2,5 ATR.
Verlust-Trade

1. Unter dem Keltner-Channel entwickelte sich eine längere Reihe von Candlesticks. Diese Formation ist ein überzeugendes Beispiel für abwärts driftende Kräfte. Sie schuf den Rahmen, den wir für einen Short-Pullback-Einstieg brauchten.
2. Der Kursverlauf verlangsamte sich, obwohl der Markt neue Tiefs erreichte. Achte auf die überlappenden unteren Schatten der Kerzen. Für einen gesunden Abwärtstrend spricht das nicht.
3. Dennoch waren die technischen Bedingungen für einen Abwärtstrend gegeben. Diese bärische „Outside-Bar“ bot einen möglichen Einstieg für die 3-stufige Pullback-Methode.
Der Einstieg scheiterte fast sofort. Hier gab es immerhin klare Warnzeichen, wie in Punkt zwei beschrieben. Oft gibt es die nicht. Auch ein perfekt aussehendes Setup kann direkt gegen dich laufen.
Solche Verluste gehören zum Geschäft. Wer versucht, jeden Verlust-Trade zu vermeiden, baut sich am Ende so viele Filter ein, dass gar kein Signal mehr übrig bleibt.
Schlussbemerkung zur Pullback-Trading-Methode in drei Schritten
Die Methode ist eine Vorlage, kein fertiges System. An allen drei Schritten kannst du schrauben, ohne die Grundlogik zu zerstören.
Den Pin-Bar-Einstieg kannst du austauschen. Nimm die Kursformation, die du sicher erkennst. Eine Formation, die du zuverlässig liest, schlägt jede theoretisch bessere, bei der du zögerst.
Zähl die Kerzen im Pullback. Das ist die einfachste Art, die Komplexität eines Rücksetzers zu messen. Eine zweite Möglichkeit: Du zählst die Zacken innerhalb der Korrektur. Beides sagt dir, ob du es mit einem glatten oder einem zähen Pullback zu tun hast.
Der Originalkurs geht deutlich weiter. Dort erklärt Richard Deutsch unter anderem seine Begründung für die Platzierung von Stop und Gewinnziel. Diese Details haben wir in den Beispielen oben bewusst ausgespart.
Wenn dir die Methode zusagt, findest du die Originalfassung in Richard Deutschs Videokurs auf Udemy.
Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: 3-Step Pullback Trading Method
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud
Vor- und Nachteile des Pullback-Tradings
Pullback-Trading ist kein Selbstläufer. Die folgende Gegenüberstellung zeigt dir, wo die Methode ihre Stärken hat und an welchen Stellen sie regelmäßig Geld kostet.
Vorteile
- Besseres Chance-Risiko-Verhältnis als der Einstieg am Hoch
- Du handelst mit dem Trend statt gegen ihn
- Der Stop hat eine klare Stelle: hinter dem Extrem des Rücksetzers
- Funktioniert in jedem Markt, in dem es Trends gibt
- Kommt mit einem einzigen Indikator aus
Nachteile
- Jeder Pullback kann eine beginnende Trendwende sein
- In starken Trends kommt der Kurs oft gar nicht zurück
- Seitwärtsmärkte erzeugen laufend Fehlsignale
- Das Timing des Wiedereinstiegs bleibt Ermessenssache
- Warten auf das Setup verlangt Geduld und Disziplin
Fazit: Pullback-Trading lohnt sich, wenn du den Trend zuerst prüfst
Pullback-Trading dreht die übliche Reihenfolge um. Du suchst nicht den Ausbruch, sondern wartest, bis der Markt dir einen günstigeren Preis anbietet. Das verbessert dein Chance-Risiko-Verhältnis und hält dich auf der Seite des Trends. Beides zusammen ist der Grund, warum die Methode seit Jahrzehnten funktioniert.
Der Preis dafür ist Unsicherheit am Einstiegspunkt. Kein Werkzeug sagt dir vorher, ob der Rücksetzer endet oder in eine Trendwende übergeht. Deshalb steht am Anfang immer die Prüfung der Marktstruktur und erst danach das Setup. Wer diese Reihenfolge umdreht, handelt Rücksetzer in Trends, die es nicht mehr gibt.
Fang mit einer Strategie an, nicht mit zehn. Nimm die, die zu deinem Markt und deiner Zeiteinheit passt. Für Einsteiger sind das meist Trendlinien und Kanäle oder das 9/30-Setup. Wer Candlesticks sicher liest, fährt mit der Kombination aus Umkehrkerze und Gleitendem Durchschnitt gut. Handle sie so lange, bis du ihre Schwächen aus eigener Erfahrung kennst.
Und halte die Stop-Regel ein. Der Stop gehört hinter das Extrem des Rücksetzers. Nicht knapp davor, weil das billiger aussieht. Wird er dort erreicht, war deine Annahme über den Trend falsch, und genau dafür ist er da. Wie du die passende Strategie für deinen Handelsstil findest, zeigt unsere Übersicht der Trading-Strategien.
Häufige Fragen zum Pullback-Trading
Was ist ein Pullback im Trading?
Ein Pullback ist eine kurze Gegenbewegung innerhalb eines bestehenden Trends. Der Kurs läuft eine Zeit lang entgegen der Trendrichtung, bricht die Trendstruktur dabei aber nicht, und nimmt danach den ursprünglichen Trend wieder auf. Im Deutschen wird er auch Rücksetzer, Korrektur oder Retracement genannt.
Welcher Indikator eignet sich am besten für Pullback-Trading?
Den einen besten Indikator gibt es nicht. In der Praxis bewährt haben sich der 20er EMA als dynamische Unterstützung, der ADX zur Prüfung der Trendstärke und der RSI für versteckte Divergenzen. Wichtiger als die Wahl des Indikators ist, dass du nur einen einsetzt und dessen Verhalten in deinem Markt kennst.
Wie unterscheide ich einen Pullback von einer Trendumkehr?
Ein Pullback lässt das letzte relevante Hoch oder Tief stehen, eine Trendumkehr nimmt es mit. Drei Hinweise helfen: Rücksetzer tiefer als 78,6 Prozent der vorherigen Bewegung sind verdächtig, eine Gegenbewegung die länger dauert als der Impuls davor zeigt nachlassende Kraft, und stark steigendes Volumen in der Gegenbewegung spricht für echte Verkäufer statt für Gewinnmitnahmen.
Wie tief geht ein normaler Pullback?
Die meisten Rücksetzer enden zwischen dem 38,2er und dem 61,8er Fibonacci-Level der vorherigen Bewegung. Das 50er Level gilt als häufigste Umkehrzone. Ab 78,6 Prozent wird eine Trendwende deutlich wahrscheinlicher.
Was ist ein komplexer Pullback?
Ein komplexer Pullback besteht aus mehreren Zacken statt aus einer geraden Gegenbewegung. Typisch sind zwei Beine, zwischen denen der Kurs kurz in Trendrichtung zurückläuft. Diese Form ist schwerer zu handeln, bietet aber oft den besseren Einstieg, weil sie mehr kurzfristige Positionen ausschüttelt.
Welche Zeiteinheit eignet sich für Pullback-Trading?
Pullbacks treten in jeder Zeiteinheit auf. Daytrader arbeiten meist im 5- oder 15-Minuten-Chart, Swing-Trader im Stunden- oder Tageschart. Sinnvoll ist, den Trend eine Stufe höher zu bestimmen als den Einstieg. Wer im 15-Minuten-Chart einsteigt, prüft die Richtung im Stundenchart.
Funktioniert Pullback-Trading auch bei Aktien und Krypto?
Ja. Die Methode setzt nur voraus, dass es im Markt überhaupt Trends gibt. Sie funktioniert bei Aktien, Forex, Futures, Rohstoffen und Kryptowährungen gleichermaßen. Unterschiede gibt es bei der Volatilität: In Krypto fallen Rücksetzer deutlich tiefer aus, weshalb dort ein weiterer Stop nötig ist.
Über den Autor: Galen Woods
Galen Woods ist Price-Action-Daytrader und Betreiber von Trading Setups Review. Mehr als 100 Beiträge auf Kagels Trading stammen aus seiner Feder. Sein Schwerpunkt liegt auf Setups, die sich in klaren Regeln beschreiben und im Chart nachprüfen lassen.
Für diesen Artikel hat er zehn Pullback-Strategien aus unterschiedlichen Quellen zusammengestellt, darunter Ansätze von Linda Raschke, Al Brooks und John Hill. Jede Strategie ist mit einem realen Chartbeispiel belegt, inklusive der Verlust-Trades. Die Originalfassungen erschienen auf seiner eigenen Website, die deutsche Übersetzung stammt von Karsten Kagels und Gaby Boutaud.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.








