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Was sind Anleihen? Staatsanleihen, Zinsen und ETFs einfach erklärt

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2026

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21 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

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Wer eine Anleihe kauft, kauft ein Versprechen: fester Zins, festes Enddatum, Geld zurück. Genau das macht sie für viele Anleger interessant und für viele Trader lange Zeit langweilig. Diese Zeit ist vorbei. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt wieder über 3 Prozent und damit so hoch wie zuletzt vor rund fünfzehn Jahren. Am Anleihemarkt wird gerade wieder Geld verdient und verloren.

Dieser Artikel erklärt, wie Anleihen funktionieren, warum ihr Kurs fällt, wenn die Zinsen steigen, und was Staatsanleihen von Unternehmensanleihen unterscheidet. Dazu kommt der Teil, den die meisten Ratgeber weglassen: wie Trader den Zinsmarkt tatsächlich handeln, nämlich über den Euro Bund Future und über Anleihen-ETFs. Alle Zahlen stammen aus Primärquellen und tragen ein Stand-Datum.

Eine Vorwarnung gleich am Anfang: sicher heißt bei Anleihen nicht schwankungsfrei. Wer eine Anleihe bis zum Ende hält und der Schuldner zahlt, bekommt sein Geld zurück. Wer vorher verkauft, verkauft zum Marktpreis, und der kann deutlich unter dem Einstieg liegen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Anleihen: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Grundprinzip: Eine Anleihe ist ein Kredit in Wertpapierform. Du leihst Geld, bekommst Zinsen, am Laufzeitende den Nennwert zurück.
  • Aktuelle Renditen: zehnjährige Bundesanleihe 3,30 % (24.08.2026, Bundesbank), zehnjährige US-Treasury 4,74 %, dreißigjährige 5,27 % (21.08.2026, US-Finanzministerium).
  • Marktgröße Deutschland: 1.371,5 Mrd. Euro an umlaufenden Bundesanleihen, rund 66 % der Bundesschulden (Deutsche Finanzagentur).
  • Der wichtigste Mechanismus: Steigt der Marktzins, fällt der Kurs bestehender Anleihen. Bei langen Laufzeiten kostet ein Prozentpunkt schnell zweistellige Kursprozente.
  • Zugang: über jeden Broker an der Börse, als Einzelanleihe oder ETF. Direkt beim Bund kaufen geht seit Ende 2012 nicht mehr.
  • Für Trader: Der Zinsmarkt wird über den Euro Bund Future gehandelt, nicht über einzelne Anleihen.

Was sind Anleihen?

Eine Anleihe ist ein verzinstes Wertpapier, mit dem sich ein Staat, ein Unternehmen oder eine öffentliche Institution Geld am Kapitalmarkt leiht. Der Käufer wird Gläubiger, erhält über die Laufzeit feste Zinsen und bekommt am Ende den Nennwert zurück.

Drei Größen beschreiben jede Anleihe. Der Nennwert ist der Betrag, der am Ende zurückgezahlt wird, bei deutschen Papieren meist 1.000 Euro oder ein Vielfaches davon. Der Kupon ist der feste Zinssatz auf diesen Nennwert, ausgezahlt meist einmal im Jahr. Die Laufzeit legt fest, wann Schluss ist. Mehr braucht es für den Einstieg nicht.

Der Unterschied zur Aktie ist grundsätzlich. Mit einer Aktie kaufst du einen Anteil am Unternehmen und trägst dessen Gewinne und Verluste mit. Mit einer Anleihe kaufst du eine Forderung. Läuft das Geschäft glänzend, bekommst du trotzdem nur deinen Kupon. Geht der Schuldner pleite, stehst du aber vor den Aktionären in der Reihe.

Neu ist das Konstrukt nicht. Als erste Frühform einer Staatsanleihe gilt ein Kredit, den der venezianische Doge Vitale Michiel II. im Jahr 1156 bei seinen eigenen Bürgern aufnahm, verzinst mit 4 Prozent. Städte und Königshäuser finanzierten damit über Jahrhunderte vor allem eines: Kriege. Die Grundmechanik von damals steht heute noch in jedem Anleiheprospekt.

Ein Wort zur Sprache, weil sie oft verwirrt. Anleihe, Bond, Schuldverschreibung, Obligation und Rentenpapier meinen dieselbe Sache. Der Rentenmarkt hat entsprechend nichts mit Altersvorsorge zu tun, sondern ist schlicht der Handelsplatz für Anleihen.

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Was sind Staatsanleihen?

Eine Staatsanleihe ist eine Anleihe, bei der ein Staat der Schuldner ist. Der Staat leiht sich damit Geld für seinen Haushalt und zahlt es über Zinsen und Rückzahlung an die Anleger zurück.

Der Ablauf ist immer derselbe. Das Finanzministerium legt die Bedingungen fest: Kupon, Laufzeit und Volumen. Danach wird die Anleihe über eine Auktion an Banken ausgegeben, die sogenannte Bietergruppe. Erst danach landet sie an der Börse, wo Privatanleger sie kaufen können. Der Staat verkauft also nicht an dich, sondern an die Banken. Du kaufst im zweiten Schritt.

Wie sicher eine Staatsanleihe ist, hängt allein am Schuldner. Deutschland trägt bei allen drei großen Ratingagenturen die Bestnote AAA, also die höchste Bonitätsstufe. Die USA haben sie seit Mai 2025 bei keiner der drei mehr. Schwellenländer zahlen deutlich höhere Zinsen, weil der Markt ein Ausfallrisiko einpreist. Der Zinsaufschlag ist keine Prämie, er ist eine Risikoeinschätzung.

Dass ein Staat nicht zahlt, ist selten, aber nicht theoretisch. Griechenland schnitt 2012 privaten Gläubigern rund die Hälfte des Nominalwerts ab, Argentinien war seit 2001 mehrfach zahlungsunfähig. Auch ein Staat kann ausfallen, er tut es nur seltener als ein Unternehmen. Wer sich mit Ausfallrisiken im Depot beschäftigt, findet die Grundlagen im Artikel über das Klumpenrisiko im Depot.

Die Arten von Anleihen

Unterschieden wird vor allem nach dem Schuldner und nach der Besicherung. Beides zusammen bestimmt, wie viel Zins es gibt. Je unsicherer die Rückzahlung, desto höher der Kupon.

  • Staatsanleihen: vom Staat ausgegeben. In Deutschland heißen sie Bundesanleihen, in den USA Treasuries. Bonität und Zins hängen am Land.
  • Unternehmensanleihen: von Konzernen begeben, meist mit höherem Kupon als Staatspapiere. Der Aufschlag bezahlt das Insolvenzrisiko des Emittenten.
  • Pfandbriefe: deutsche Besonderheit, gedeckt durch Hypotheken oder öffentliche Kredite. Fällt die Bank aus, haftet zusätzlich der Deckungsstock. Deshalb niedrige Zinsen bei hoher Sicherheit.
  • Inflationsindexierte Anleihen: Kupon und Rückzahlung werden an die Teuerung gekoppelt. Sie schützen die Kaufkraft, in den USA als TIPS bekannt.
  • Nachranganleihen: stehen im Insolvenzfall hinter allen anderen Gläubigern. Höherer Zins, deutlich höheres Risiko. Häufig von Banken begeben.
  • Nullkuponanleihen: zahlen keine laufenden Zinsen. Du kaufst unter dem Nennwert, die Rendite steckt in der Differenz zum Rückzahlungsbetrag.
  • Hochzinsanleihen: Papiere unterhalb der Investment-Grade-Schwelle, im Markt Junk Bonds genannt. Zweistellige Kupons sind möglich, Totalausfälle ebenso.

Wie weit das letzte Segment tragen kann, zeigt ein Klassiker der Wall Street. Die Übernahme der Fluglinie TWA durch Carl Icahn lief 1988 über hochverzinste Ramschanleihen, deren Schuldenlast am Ende beim übernommenen Unternehmen blieb. Der hohe Kupon war kein Geschenk, er war der Preis für ein Risiko, das jemand tragen musste.

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Warum Anleihekurse fallen, wenn die Zinsen steigen

Das ist der Punkt, an dem die meisten Einsteiger aussteigen. Dabei steckt dahinter nur eine simple Überlegung: Der Kupon einer laufenden Anleihe ist festgenagelt, der Marktzins ist es nicht. Wenn neue Anleihen mehr Zins bieten, will niemand die alte zum vollen Preis. Also sinkt ihr Kurs so weit, bis beide gleich attraktiv sind.

Ein Rechenbeispiel macht es greifbar. Du kaufst eine Anleihe über 1.000 Euro Nennwert mit 3 Prozent Kupon und zehn Jahren Laufzeit. Das sind 30 Euro Zins pro Jahr. Jetzt steigt der Marktzins auf 4 Prozent, neue Papiere zahlen also 40 Euro. Deine Anleihe zahlt weiter 30. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss ihr Preis fallen: Der Käufer soll auf seinen Einsatz ebenfalls 4 Prozent verdienen, aus 30 Euro Kupon plus dem Aufschlag bei der Rückzahlung.

MarktzinsSituationKurs
3 %Kupon passt zum Markt1.000 €
4 %Kupon zu niedrigca. 919 €
5 %Kupon deutlich zu niedrigca. 846 €
2 %Kupon über Marktca. 1.090 €
Anleihe mit 1.000 Euro Nennwert, 3 Prozent Kupon, zehn Jahre Restlaufzeit. Barwert der Zahlungen zum jeweiligen Marktzins, gerundet.

Ein Prozentpunkt Zinsanstieg kostet hier also gut 8 Prozent Kurs. Das ist der Grund, warum 2022 ein Anleihejahr mit zweistelligen Verlusten möglich war, obwohl kein einziger Schuldner ausgefallen ist.

Das Zinsänderungsrisiko bezeichnet die Gefahr, dass eine bereits gekaufte Anleihe an Kurswert verliert, weil der Marktzins gestiegen ist. Es trifft jeden, der vor der Fälligkeit verkaufen muss, und wächst mit der Restlaufzeit des Papiers.

Entscheidend ist die Restlaufzeit. Je länger eine Anleihe noch läuft, desto mehr Zinszahlungen sind vom neuen Marktzins betroffen und desto heftiger reagiert der Kurs. Bei zwei Jahren Restlaufzeit kostet derselbe Prozentpunkt nur rund 2 Prozent Kurs, bei dreißig Jahren kann er zweistellig werden. Wer keine Kursschwankungen will, bleibt kurz.

Und der Trost zum Schluss: Der Kursverlust ist nur real, wenn du verkaufst. Hältst du bis zur Fälligkeit und der Schuldner zahlt, bekommst du exakt den Nennwert. Zwischendurch kann dein Depotauszug trotzdem unschön aussehen.

Rendite, Zinsen & Laufzeit

Kupon und Rendite sind nicht dasselbe, und die Verwechslung kostet Geld. Der Kupon ist der feste Zins auf den Nennwert. Die Rendite ist das, was du tatsächlich bekommst, gemessen an deinem Kaufpreis und der Restlaufzeit. Kaufst du unter Nennwert, liegt die Rendite über dem Kupon. Kaufst du darüber, darunter.

Die Rendite bis Endfälligkeit gibt an, wie viel Prozent pro Jahr eine Anleihe einbringt, wenn du sie zum aktuellen Kurs kaufst und bis zur Rückzahlung hältst. Sie verrechnet alle Kupons, den Kaufpreis und den Rückzahlungsbetrag zu einer einzigen Jahresprozentzahl.

In Kursportalen steht sie oft als YTM abgekürzt, nach dem englischen Yield to Maturity. Für den Vergleich zweier Anleihen ist das die Zahl, auf die es ankommt, nicht der Kupon.

Beim Kauf zwischen zwei Zinsterminen kommen Stückzinsen dazu, also der anteilige Zins seit der letzten Ausschüttung. Den zahlst du dem Verkäufer obendrauf und bekommst ihn beim nächsten Kupontermin zurück. Ein Nachteil ist das nicht, nur ein Posten, der die Abrechnung im ersten Moment unübersichtlich macht.

Die Laufzeit steuert beides: Zins und Risiko. Kurzläufer schwanken wenig und zahlen meist weniger. Langläufer zahlen in normalen Marktphasen mehr, reagieren dafür deutlich stärker auf Zinsänderungen. Wie sich das Zinsniveau selbst entwickelt, ordnet unsere laufend aktualisierte Zinsprognose zur Bundesanleihe-Rendite ein.

Steuerlich sind Kupons und Kursgewinne Kapitalerträge und unterliegen der Abgeltungsteuer. Was das konkret kostet und welcher Freibetrag gilt, rechnet unser Guide zur Abgeltungsteuer auf Zinsen und Kursgewinne vor.

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Bundesanleihen: der Referenzmarkt vor der Haustür

Eine Bundesanleihe ist eine Schuldverschreibung der Bundesrepublik Deutschland mit einer Laufzeit von 7 bis 30 Jahren. Sie gilt als Referenzwert für das Zinsniveau im Euroraum und trägt die höchste Bonitätsnote AAA.

Wenn in Deutschland vom Zinsniveau die Rede ist, ist fast immer die zehnjährige Bundesanleihe gemeint. Sie ist der Maßstab, an dem Kredite, Hypotheken und Unternehmensanleihen im Euroraum gemessen werden. Aktuell rentiert sie bei 3,30 Prozent (Stand: 24. August 2026, Deutsche Bundesbank), dem höchsten Niveau seit rund fünfzehn Jahren.

Der Markt ist groß. Nach Zahlen der Deutschen Finanzagentur laufen derzeit 1.371,5 Milliarden Euro an Bundesanleihen um. Sie machen rund 66 Prozent der gesamten Bundesschulden aus, allein die zehnjährigen Papiere etwa 34 Prozent. Emittiert wird mit Laufzeiten von 7, 10, 15, 20 und 30 Jahren.

Wie so ein Papier konkret aussieht, zeigt die jüngste Emission: Die Anleihe DE000BU2Z064 läuft bis zum 15. August 2036, trägt einen Kupon von 3,00 Prozent und war zuletzt am 19. August 2026 am Markt. Umlaufend sind 18 Milliarden Euro. Diese Angaben stehen für jede Bundesanleihe öffentlich in der Datenbank der Finanzagentur.

Schuldenbremse und Sondervermögen

Wie viel Deutschland überhaupt aufnehmen darf, regelt die Schuldenbremse im Grundgesetz. Sie begrenzt die jährliche Neuverschuldung, kennt aber Ausnahmen. Am 25. März 2025 trat eine Grundgesetzänderung in Kraft, die zwei davon geschaffen hat.

Erstens ein Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität über 500 Milliarden Euro, verteilt auf zwölf Jahre. Zweitens eine Bereichsausnahme: Ausgaben für Verteidigung, Zivilschutz und Nachrichtendienste zählen oberhalb von einem Prozent der Wirtschaftsleistung nicht mehr gegen die Schuldenbremse. Das ältere Bundeswehr-Sondervermögen von 100 Milliarden Euro aus dem Jahr 2022 ist weitgehend verplant.

Für Anleger ist die Rechnung schlicht: Mehr Emissionen bedeuten mehr Angebot, und mehr Angebot drückt tendenziell auf die Kurse, also nach oben auf die Renditen. Genau dieser Zusammenhang gehört zu den Treibern des Zinsanstiegs seit 2025. An der Bonität ändert er bislang nichts: Deutschland trägt weiterhin bei S&P, Moody’s und Fitch das AAA-Rating.

Blick über die Grenze: USA und Norwegen

Der größte und liquideste Staatsanleihemarkt der Welt sind die US-Treasuries. Sie rentieren durchweg höher als deutsche Papiere: zehn Jahre bei 4,74 Prozent, dreißig Jahre bei 5,27 Prozent (Stand: 21. August 2026, US-Finanzministerium). Wer dort investiert, trägt zusätzlich das Währungsrisiko zwischen Euro und Dollar, das die Rendite in beide Richtungen verändern kann. Alle Details dazu stehen im Detailbeitrag über US-Staatsanleihen und ihre Renditen.

Ein interessanter Sonderfall ist Norwegen. Das Land hat dank seines Staatsfonds kaum Finanzierungsbedarf und begibt trotzdem eigene Staatsanleihen. Der Grund ist strukturell: Ohne funktionierenden heimischen Anleihemarkt gibt es keine verlässliche Zinskurve in norwegischen Kronen, an der sich Banken und Unternehmen orientieren können. Für Anleger bedeutet das erstklassige Bonität bei spürbar geringerer Liquidität als bei Bunds oder Treasuries.

In diesem Video erklärt Marc Friedrich, was Anleihen sind.
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Wie kann man Anleihen kaufen?

Der Weg führt über die Börse. Du brauchst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker, dann kaufst du Anleihen wie eine Aktie: über die Wertpapierkennnummer oder die ISIN, mit Stückzahl und Limit.

Ein verbreiteter Irrtum vorweg: Direkt beim Bund kaufen geht nicht mehr. Bis Ende 2012 konnten Privatanleger bei der Finanzagentur ein kostenloses Schuldbuchkonto führen und Bundeswertpapiere gebührenfrei erwerben. Dieses Angebot wurde eingestellt, ebenso die speziell für Privatanleger gedachten Papiere wie Bundesschatzbriefe. Seitdem läuft alles über Bank oder Broker.

Gehandelt wird an Plätzen wie Xetra und der Börse Frankfurt oder außerbörslich direkt mit einem Händler. Der Kurs steht dabei nicht in Euro, sondern in Prozent des Nennwerts. Ein Kurs von 96,50 heißt: Du zahlst 965 Euro für 1.000 Euro Nennwert, dazu die Stückzinsen.

Worauf du vor dem Kauf schaust, sind vier Angaben: Rendite bis Endfälligkeit, Restlaufzeit, Rating des Emittenten und die kleinste handelbare Stückelung. Der letzte Punkt wird gern übersehen. Viele Unternehmensanleihen starten bei 100.000 Euro Mindestanlage und sind für Privatanleger damit schlicht nicht erreichbar.

Die Grenzen gehören dazu: Der Handel in einzelnen Anleihen ist deutlich weniger liquide als der Aktienhandel. Die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs ist oft breiter, bei kleinen Emissionen findet sich manchmal tagelang kein Gegenpart. Wer flexibel bleiben will, ist mit einem ETF besser bedient als mit einer exotischen Einzelanleihe.

Anleihen-ETFs

Ein Anleihen-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der viele Anleihen bündelt und einen Rentenindex nachbildet. Statt ein einzelnes Papier auszuwählen, kaufst du mit einem Anteil einen ganzen Korb aus oft hunderten Anleihen.

Für die Praxis heißt das: Du gibst die Kontrolle über den einzelnen Schuldner ab und bekommst dafür Streuung ohne Aufwand.

Drei Dinge sprechen dafür. Ein ETF streut über viele Schuldner, ist während der Börsenzeiten jederzeit handelbar und kostet meist unter 0,2 Prozent im Jahr. Vor allem aber löst er das Stückelungsproblem: Anleihen, die einzeln 100.000 Euro Mindestanlage verlangen, sind im ETF ab wenigen Euro zugänglich.

Ausgewählt wird nach drei Achsen. Erstens der Schuldnertyp: Staatsanleihen der Eurozone, US-Treasuries oder Unternehmensanleihen. Zweitens die Bonität, also Investment Grade oder Hochzins. Drittens die Laufzeit, von Kurzläufer-ETFs bis zu Produkten auf zwanzigjährige Papiere. Auch inflationsgeschützte Varianten gibt es.

Ein Unterschied zur Einzelanleihe ist wichtig und wird häufig übersehen: Ein Anleihen-ETF hat kein Fälligkeitsdatum. Er verkauft auslaufende Papiere und kauft neue nach. Den Trost „am Ende bekomme ich meinen Nennwert zurück” gibt es hier also nicht. Steigen die Zinsen, bleibt der Kursverlust im ETF stehen, bis der Markt dreht. Genau das war 2022 zu besichtigen.

Beim Kauf auf das Fondsdomizil achten: US-domizilierte ETFs sind für Privatanleger im EU-Raum nicht handelbar, weil ihnen das vorgeschriebene Basisinformationsblatt fehlt. Warum das so ist und welche Alternativen es gibt, erklärt unser Artikel zu den PRIIPs-Regeln.

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Anleihen, Festgeld oder Aktien: was wann passt

Die häufigste Frage vor dem ersten Anleihekauf lautet nicht „wie funktioniert das”, sondern „warum nicht einfach Festgeld“. Berechtigt. Bei kurzen Laufzeiten liegen die Konditionen oft dicht beieinander, und Festgeld ist bis 100.000 Euro je Bank gesetzlich abgesichert.

Der Unterschied zeigt sich, sobald du vorzeitig an dein Geld willst. Festgeld ist bis zum Ende gebunden, eine Anleihe kannst du börsentäglich verkaufen. Der Preis dafür ist das Kursrisiko: Du bekommst den Marktpreis, nicht deinen Einstand. Flexibilität gegen Schwankung, das ist der ganze Handel.

MerkmalFestgeldAnleihe
Vorzeitig rausneintäglich
Kursrisikokeinsja
AbsicherunggesetzlichBonität
Zinsbindung 10 Jahreselten3,30 %
Festgeld mit zehn Jahren Zinsbindung wird kaum angeboten. Die Renditeangabe gilt für die zehnjährige Bundesanleihe, Stand 24. August 2026 (Deutsche Bundesbank). Die gesetzliche Einlagensicherung greift bis 100.000 Euro je Bank.

Gegenüber Aktien ist die Rolle eine andere. Anleihen liefern keinen Vermögensaufbau, sie liefern Planbarkeit. Im klassischen 60/40-Depot, also 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen, sollen sie die Ausschläge des Aktienteils dämpfen. In den meisten Krisen funktioniert das, weil Anleger in Panik in sichere Staatspapiere flüchten.

Verlassen sollte man sich darauf nicht. 2022 fielen Aktien und Anleihen gleichzeitig, weil die Notenbanken die Zinsen im Rekordtempo anhoben. Der Dämpfer versagte genau in dem Moment, für den er gedacht war. Die negative Korrelation ist eine Tendenz, kein Naturgesetz, und sie bricht ausgerechnet bei Inflationsschocks.

Anleihen handeln: der Euro-Bund-Future

Wer den Zinsmarkt aktiv handelt, kauft keine einzelnen Anleihen. Der Markt dafür ist zu eng und die Spannen sind zu breit. Gehandelt wird der Euro-Bund-Future, ein Terminkontrakt an der Eurex und das Zinsbarometer der Eurozone.

Der Euro-Bund-Future ist ein standardisierter Terminkontrakt auf eine fiktive Bundesanleihe mit 6 Prozent Kupon und einer Restlaufzeit zwischen 8,5 und 10,5 Jahren. Sein Nominalwert beträgt 100.000 Euro, der Kurs wird in Prozent dieses Nominalwerts notiert.

Die Logik ist umgekehrt zur Rendite und genau deshalb verwirrend. Steigt der Future, fallen die Zinsen. Fällt er, steigen sie. Er ist ein Kursinstrument, und Anleihekurse bewegen sich gegenläufig zu den Renditen. Wer auf steigende Zinsen setzt, geht im Bund-Future short.

Die Größe sollte man vorher durchrechnen. Bei 100.000 Euro Nominalwert entspricht ein voller Kurspunkt 1.000 Euro Gewinn oder Verlust je Kontrakt. Eine Tagesspanne von einem halben Punkt, wie sie in ruhigen Wochen normal ist, sind also 500 Euro. Das ist kein Einsteigerinstrument, sondern ein Hebelprodukt mit allem, was dazugehört.

Was ihn für Trader trotzdem interessant macht: Er reagiert unmittelbar auf geldpolitische Nachrichten und damit auf EZB-Zinsentscheide, Inflationsdaten und den Fed-Zinsentscheid. Er läuft oft vor dem Aktienmarkt und liefert damit einen Frühindikator. Die laufende Chartanalyse dazu steht in unserer Bund-Future-Prognose.

Für wen das nichts ist: Wer ein Depot aufbaut und Zinsen kassieren will, braucht keinen Future. Der Kontrakt zahlt keinen Kupon, er läuft aus und muss gerollt werden. Er dient der Spekulation auf Zinsbewegungen, nicht dem Vermögensaufbau. Wie man die Positionsgröße dafür sauber bestimmt, steht im Artikel zum Risikomanagement im Trading.

Vorteile & Nachteile von Anleihen

Anleihen sind weder das sichere Sparbuch noch die verstaubte Altlast, als die sie in der Nullzinsphase galten. Sie haben klare Stärken und ebenso klare Schwächen. Beides gehört auf den Tisch, bevor Geld fließt.

Vorteile von Anleihen

  • Planbare Erträge: Kupon und Rückzahlungstermin stehen beim Kauf fest. Du weißt vom ersten Tag an, was du bekommst.
  • Rückzahlung zum Nennwert: Wer bis zur Fälligkeit hält, bekommt 100 Prozent zurück, sofern der Schuldner zahlt. Kursverluste dazwischen sind dann nur Papier.
  • Geringere Schwankung: Kurzlaufende Staatsanleihen bewegen sich deutlich ruhiger als Aktien. Ein Prozentpunkt Zinsanstieg kostet bei zwei Jahren Restlaufzeit nur rund 2 Prozent Kurs.
  • Vorrang im Insolvenzfall: Gläubiger werden vor Aktionären bedient. Das macht eine Anleihe desselben Unternehmens strukturell sicherer als dessen Aktie.
  • Wieder auskömmliche Renditen: Nach Jahren bei null zahlt die zehnjährige Bundesanleihe wieder über 3 Prozent.

Nachteile von Anleihen

  • Zinsänderungsrisiko: Steigende Marktzinsen drücken die Kurse. Bei dreißigjährigen Papieren kostet ein Prozentpunkt über 17 Prozent Kurs.
  • Inflationsrisiko: Der Kupon ist nominal fix. Liegt die Teuerung darüber, verlierst du real Kaufkraft, obwohl auf dem Papier alles stimmt.
  • Ausfallrisiko: Griechenland strich privaten Gläubigern 2012 rund die Hälfte des Nominalwerts. Bei Unternehmens- und Nachranganleihen ist das Risiko deutlich höher.
  • Begrenztes Potenzial: Nach oben ist bei der Rendite bis Endfälligkeit Schluss. Kurssprünge wie bei Aktien gibt es nicht.
  • Enger Handel: Außerhalb der großen Staatspapiere ist die Liquidität dünn, die Geld-Brief-Spanne breit und die Mindeststückelung oft sechsstellig.
  • Kein Dämpfer im Inflationsschock: 2022 fielen Aktien und Anleihen gemeinsam. Die Absicherungsfunktion versagte genau dann, als sie gebraucht wurde.

Fazit: Anleihen sind wieder ein Markt, kein Parkplatz

Zehn Jahre lang waren Anleihen für die meisten Anleger uninteressant, weil es nichts zu verdienen gab. Das hat sich gedreht. Mit gut 3 Prozent auf zehn Jahre zahlt die Bundesanleihe wieder einen Zins, der eine Entscheidung wert ist, und die Kursbewegungen des Zinsmarktes sind so groß wie lange nicht.

Wer Planbarkeit sucht, kauft eine Einzelanleihe guter Bonität und hält sie bis zum Ende. Dann ist der Kupon das Ergebnis und der Kurs dazwischen egal. Wer breit streuen will, nimmt einen ETF und akzeptiert dafür, dass es kein Fälligkeitsdatum gibt. Beides sind saubere Wege, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.

Ich beobachte die Zinsmärkte seit meinen Anfangsjahren, und ich handele sie über Futures, nicht über Einzelanleihen. Für mich ist der Bund-Future in erster Linie ein Frühindikator: Was dort passiert, erreicht Aktien und Devisen meist mit Verzögerung. Wer nur ein Depot bestückt, braucht diesen Teil nicht. Wer aktiv handelt, sollte den Zinsmarkt trotzdem im Blick behalten.

Ein Punkt zum Schluss, der oft untergeht: Der einzige Weg, bei einer soliden Anleihe wirklich Geld zu verlieren, ist der vorzeitige Verkauf oder ein Schuldner, der nicht zahlt. Alles andere ist Schwankung. Wer diese beiden Risiken kennt, kennt das Wesentliche.

Häufige Fragen zu Anleihen und Staatsanleihen

Wie viel Zinsen gibt es aktuell bei Staatsanleihen?

Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert bei 3,30 Prozent (Stand: 24. August 2026, Deutsche Bundesbank). US-Treasuries zahlen mehr: 4,74 Prozent auf zehn Jahre und 5,27 Prozent auf dreißig Jahre (21. August 2026, US-Finanzministerium). Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Kupon und Rendite. Der Kupon ist der feste Zins auf den Nennwert, die Rendite rechnet zusätzlich deinen Kaufpreis und die Restlaufzeit mit ein.

Kann ich als Privatperson Staatsanleihen kaufen?

Ja, über jedes Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Der Kauf funktioniert wie bei einer Aktie, über die ISIN und mit Limit. Direkt beim Staat geht es dagegen nicht mehr: Die Deutsche Finanzagentur hat ihre kostenlosen Schuldbuchkonten für Privatanleger Ende 2012 eingestellt, zusammen mit den speziell für Privatanleger gedachten Papieren wie den Bundesschatzbriefen.

Werden Anleihen immer zu 100 Prozent zurückgezahlt?

Nur, wenn du bis zur Fälligkeit hältst und der Schuldner zahlungsfähig bleibt. Beide Bedingungen müssen erfüllt sein. Wer vorher verkauft, bekommt den aktuellen Börsenkurs, und der liegt bei gestiegenen Zinsen unter dem Nennwert. Und auch Staaten können ausfallen: Griechenland strich privaten Gläubigern 2012 rund die Hälfte des Nominalwerts.

Kann man mit Staatsanleihen Geld verlieren?

Ja, auf drei Wegen. Erstens durch Kursverluste bei steigenden Zinsen, wenn du vor Fälligkeit verkaufst. Bei einer zehnjährigen Anleihe kostet ein Prozentpunkt Zinsanstieg rund 8 Prozent Kurs, bei dreißig Jahren über 17 Prozent. Zweitens real durch Inflation, wenn die Teuerung über dem Kupon liegt. Drittens durch einen Zahlungsausfall des Staates, was selten vorkommt, aber nicht ausgeschlossen ist.

Was ist der Unterschied zwischen Staats- und Unternehmensanleihen?

Der Schuldner. Bei Staatsanleihen leihst du einem Land Geld, bei Unternehmensanleihen einem Konzern. Unternehmensanleihen zahlen in der Regel einen höheren Kupon, weil das Insolvenzrisiko höher ist als bei einem Staat mit guter Bonität. Der Zinsaufschlag ist also keine Prämie, sondern die Bezahlung für ein zusätzliches Risiko. Ein weiterer Praxisunterschied: Viele Unternehmensanleihen starten bei 100.000 Euro Mindeststückelung und sind für Privatanleger direkt nicht erreichbar.

Anleihe oder Anleihen-ETF: was ist besser?

Das hängt davon ab, ob du ein festes Enddatum brauchst. Eine Einzelanleihe wird zu einem bekannten Termin zum Nennwert zurückgezahlt, ein ETF nicht. Er tauscht auslaufende Papiere laufend gegen neue und hat deshalb keine Fälligkeit. Dafür streut er über viele Schuldner, kostet meist unter 0,2 Prozent im Jahr und umgeht das Problem hoher Mindeststückelungen. Für planbare Rückzahlung nimm die Einzelanleihe, für breite Streuung den ETF.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und schreibt auf kagels-trading.de über Märkte, Handelsmethoden und Werkzeuge für Trader. Er handelt seit 1978 diskretionär nach Price Action, ohne automatisierte Systeme.

Sein Schwerpunkt liegt auf Forex, Aktienindizes und Rohstoffen. Ende der 1980er-Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche, später war er über 17 Jahre Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und Verleger von dessen zehn Büchern. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Die Zinsmärkte gehören seit seinen Anfangsjahren zu seinen Heimatmärkten, gehandelt über Futures statt über einzelne Anleihen. Für diesen Beitrag hat er alle Renditen, Volumina und Emissionsdaten am 24. August 2026 direkt gegen die Statistiken der Deutschen Bundesbank, der Deutschen Finanzagentur und des US-Finanzministeriums geprüft.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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