Branchen-ETFs: So kann man mit Investments in bestimmte Sektoren profitieren

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Karsten Kagels

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Investieren in Branchen-ETFs – das Wichtigste vorweg

  • Branchen-ETFs sind passive Aktienfonds, deren Ziel es ist, die Performance eines spezifischen Wirtschaftszweigs oder einer Industrie nachzubilden.
  • Anleger:innen haben die Möglichkeit, gezielt in Sektoren zu investieren, von denen sie überzeugt sind, dass sie ein hohes Wachstumspotenzial haben.
  • Je nach Krise oder Konjunkturphase entwickeln sich spezielle Branche – etwa Technologie, Finanzen, Konsumgüter oder Energie – unterschiedlich.
  • Von einer alleinigen Investition (All-In) in eine einzelne Branche ist jedoch abzuraten, nur weil ein positiver Trend für wahrscheinlich gehalten wird.
  • Langfristig orientierte Anleger:innen, die für das Alter vorsorgen möchten, sollten auf eine maximal breite Streuung in die ganze investierbare Welt achten – hierbei können Branchen-ETFs eine sinnvolle Ergänzung sein.

Was sind Branchen-ETFs und was nicht?

Branchen-ETFs (und Themen-ETFs) sind eine spezielle Art von börsengehandelten
Aktienfonds
, die sich auf bestimmte Branchen und Sektoren konzentrieren. Im Gegensatz zu
den deutlich bekannteren Welt-ETFs, die zumeist in über Tausend (manchmal sogar
mehrere Tausend) Unternehmen weltweit investieren, konzentrieren sich Branchen-ETFs
ausschließlich auf Unternehmen eines spezifischen Sektors wie z. B.

  • Telekommunikation
  • Technologie
  • Finanzen
  • Gesundheitswesen
  • Gaming (Videospiele, E-Sport)

Definition: Was genau sind Themen-ETFs?

Themen-ETFs sind eine besondere Spielart von Branchen-ETFs, die in den letzten Jahren immer beliebter wurden. Diese Finanzprodukte investieren in Unternehmen, deren Geschäftsmodelle stark von einem bestimmten Trend-Thema abhängen. So lassen sich z. B. ETFs zu Themen finden wie „Digitalisierung“, „Cloud Computing“, „Cyber Security“, „Kryptowährungen“ u.v.m.

Wenn solche Branchen-ETFs ins Gespräch kommen, wird oft darauf hingewiesen, dass man
mit diesen „Wachstumsthemen“ oder „Megatrends“ überdurchschnittliche Renditen erzielen kann. Also bieten diese speziellen ETFs die Möglichkeit, Gewinne zu erzielen, die über die allgemeine Entwicklung der Weltwirtschaft oder andere Branchen hinausgehen.

Prinzipiell ist das richtig. Wer in der Theorie auf das richtige „thematische Pferd“ setzt, kann durch die Investition in eine bestimmte Branche die Performance eines breit gestreuten Welt-ETFs übertreffen. Dabei wird gerne verschwiegen, dass eine solche Strategie (im Fachjargon als Branchen-Rotations-Strategie bezeichnet) auch Nachteile mit sich bringt, die interessierte Anleger:innen kennen sollten – besonders im Vergleich zu einer breiten Streuung in die ganze Welt:

  • Klumpenrisiko: Da Branchen-ETFs nur in Unternehmen einer bestimmten Branche
    investieren, sind sie anfälliger für branchenspezifische Risiken. Wenn eine Branche
    schlecht abschneidet, leidet die Performance.
  • Mangelnde Streuung: Branchen-ETFs investieren oft nur eine sehr begrenzte
    Anzahl von Unternehmen. Streng genommen könnte man sagen, dass Investments
    in nur 30 oder 40 Unternehmen wenig mit weltweit gestreuten ETFs zu tun haben,
    die oft in Tausende Unternehmen investieren und damit eine echte Diversifikation
    bieten.
  • Erforderliches Branchen-Know-how: Um erfolgreich in Branchen-ETFs zu
    investieren, ist es erforderlich, nicht nur Fachkenntnisse über die verschiedenen
    Sektoren zu haben, sondern auch über Konjunkturzyklen. Regelmäßiges Kaufen und
    Verkaufen gehört dann dazu (Branchen-Rotation, anstelle von Buy-and-Hold).

Was haben Konjunkturzyklen und Branchen-ETFs gemeinsam?

Nach der gängigen wirtschaftlichen Lehrmeinung entwickeln sich Konjunkturzyklen in
Aufschwung- und Abschwungphasen, ähnlich wie Jahreszeiten. In diesen Phasen sind
bestimmte Branchen an der Börse besonders gefragt oder eben weniger.

In Aufschwungphasen sind Branchen wie Luxusgüter und Unterhaltungselektronik oft
sehr erfolgreich, da ihre Produkte häufiger gekauft werden. In Abschwungphasen hingegen
lässt die Nachfrage nach Luxusartikeln nach. Stattdessen profitieren Unternehmen, die
Lebensmittel, Hygieneartikel oder Energie bereitstellen, da ihre Produkte unabhängig von
der Konjunktur benötigt werden. Man spricht hier von Basiskonsumgütern (oder eben von
antizyklischen Konsumgütern), die egal, ob Krieg oder Krieg, eigentlich immer von
Menschen gebraucht und konsumiert werden, weil sie lebensnotwendig sind.

Eine Möglichkeit, von solchen ökonomischen Zusammenhängen zu profitieren, besteht
darin, antizyklisch zu investieren – also mit Branchen- und oder Themen-ETFs. Je nach
Konjunkturzyklus kaufen Anleger:innen Aktien von dieser oder jener Branche. Geht der Zyklus zu Ende, heißt es: verkaufen. Folgende Tabelle zeigt auf, in welchen Marktphasen,
welche Branchen (nach der Theorie) wachsen (können).

Konjunktur-ZyklusErklärungGeeignete Branchen (laut Theorie)
Wirtschaftler
Aufschwung

(nach der
Rezession)
Verbraucher fangen an, mehr zu
konsumieren und die Industrie produziert
mehr Produkte (mehr Dienstleistungen).
Finanzen
Technologie
(zyklische)
Konsumgüter
Hochkonjunktur
(Höhepunkt der
Wachstumsphase)
Die Wachstumsphase befindet sich auf
einem Höhepunkt. Konsumenten verfügen
über Kapital.
Luxusgüter
Elektronik
(Unterhaltung)
Technologie
Wirtschaftlicher
Abschwung
Erste Krisenanzeichen machen sich breit.
Gehälter sinken, Unternehmen verkaufen
weniger.
Basiskonsum
(antizyklisch)
Energie
Versorger
Rezession
(z. B. Krieg oder
Krisenzeit)
Verbraucher halten ihr Geld eher
beisammen. Unternehmen produzieren
weniger, bis die Rezession überwunden
scheint.
Basiskonsum,
Gesundheit,
Energie
Telekommunikation
Konjunkturzyklen und Branchen-ETFs

Wann sind ETF-Investments besonders sinnvoll?

Für eine erfolgreiche Geldanlage mit ETFs sind zwei entscheidende Faktoren zu beachten:

  1. eine breite Diversifizierung, z. B. durch weltweite Aktien
  2. ein langer Anlagezeitraum von 15 Jahren oder mehr

Breit gestreute Aktien-ETFs bieten langfristig attraktive Renditen, da sie Anleger:innen
gezielt von der Wertschöpfung der gesamten Wirtschaft profitieren lassen. Bei
Branchen-ETFs hingegen kommt es viel mehr auf das richtige Timing an – und auch
darauf, dass der für wahrscheinlich gehaltene positive Trend letzten Endes auch eintritt.
Beides ist gerade für Laien oft unmöglich.

Wenn die Weltwirtschaft wächst, beispielsweise durch Handel, Investitionen und
Innovationen, spiegelt sich das in steigenden Umsätzen und Gewinnen wider. Dies gilt
jedoch nicht für jedes einzelne Unternehmen oder eine einzelne Branche, sondern für den
breiten Markt. Dieser hat sich in den letzten 150 Jahren schließlich von jeder Krise erholt.

Es ist wichtig zu beachten, dass passive Aktienfonds grundsätzlich immer ein Renditebringer
in jedem Portfolio und dass ETFs relativ sicher sind. Allerdings besteht immer ein gewisses
Verlustrisiko aufgrund von Unternehmensinsolvenzen (z. B. Wirecard) und abrupte Marktschwankungen (z. B. Corona-Pandemie). Je kürzer der Anlagezeitraum ist und je
weniger Diversifizierung im Portfolio vorhanden ist, desto höher sind diese Risiken.

QUI Renditedreieck
Rendite mit ETFs funktioniert langfristig, aber viele Risiken lassen sich nur mit einem möglichst
breit aufgestellten Portfolio eliminieren. Quelle: © quirion

Fazit zum Thema Branchen-ETFs

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Renditen mit ETFs langfristig funktionieren.
Allerdings lassen sich viele Risiken nur durch ein breit diversifiziertes Welt-Portfolio
eliminieren, das über einen langen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren kontinuierlich bespart
wird. Dabei können Branchen-ETFs als zusätzlicher Baustein hilfreich sein. Wer nur in
Branchen-ETFs investiert, setzt sich dagegen einem hohen Klumpenrisiko aus. Allerdings
sind bei einem richtigen Timing auch höhere Gewinne möglich.

Das magische Dreieck der Geldanlage verdeutlicht vielmehr, dass eine Geldanlage ohne
Schwankungen und Volatilität kein Risiko aufweisen würde. Allerdings ist es auch damit
nicht möglich, Renditen zu erzielen, die von Interesse sind. ETFs enthalten Aktien, die
naturgemäß einem Kursrisiko unterliegen. Diese systematischen Risiken von ETFs können
jedoch mit zwei Ansätzen weitgehend eliminiert werden:

  1. dem prognosefreien Investieren (= passive statt aktive Fonds)
  2. der breiten Streuung über Länder, Branchen und Unternehmensgrößen weltweit

Beide Ansätze funktionieren jedoch nur, wenn Anleger:innen langfristig investieren. Es ist
wichtig zu beachten, dass der Anlagezeitraum oft wichtiger ist als der Betrag, der investiert wird. Ab einer Investitionsdauer von 15 Jahren sinkt das Risiko, mit ETFs einen Totalausfall
zu erleiden, nahezu auf null.

Interessanterweise ist es sogar so, dass je länger jemand in ein breit gestreutes
ETF-Portfolio investiert, desto wahrscheinlicher wird es, eine durchschnittliche Rendite
von 6 % bis 7 % pro Jahr zu erzielen. Bei Anlagezeiträumen zwischen 15 und 20 Jahren
sind solche Renditen sehr wahrscheinlich – zumindest basierend auf vergangenen Daten.
Somit bietet ein breit diversifiziertes Portfolio in die ganze Welt das beste Verhältnis aus zu
erwartender Rendite und zu erwartendem Risiko. Branchen-ETFs sollten daher besser als
„Ergänzung“ und nicht als Anlagestrategie gedacht werden.

Karsten Kagels