Das 80/20-Paretoprinzip im Börsenhandel angewendet

Das 80/20 Paretoprinzip im BörsenhandelZu Beginn meiner Tradingkarriere saß ich oftmals nahezu 13 Stunden ununterbrochen am Rechner, um den Märkten hinterherzujagen.

Los ging es um 9 Uhr morgens mit dem Handel von deutschen Aktien, gegen 15.30 Uhr wurde zu den Amis gewechselt und dann bis 22 Uhr die US-Aktienmärkte gehandelt.

Diese Phase zog sich über mehrere Monate hin und hat mich finanziell nicht wirklich voran gebracht.

Ganz im Gegenteil: Ich war ausgebrannt, müde, antriebslos und hatte eigentlich gar keine Lust mehr auf den Börsenhandel. Erst im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dass  „MEHR“ Handel nicht unbedingt „MEHR“ Geld bringt und entsprechend meinen Arbeitsstil umgestellt.

Das 80/20 Paretoprinzip für Trader kurz erklärt

Heute trade ich im Schnitt nur noch 2-3 Stunden am Tag, die restliche Zeit beschäftige ich mich mit anderen Dingen, wie Vor- oder Nachbereitung, Lesen von Fachliteratur oder dem Schreiben meines Tradingblogs Tradevolution.net. Meine Arbeitsweise orientiert sich dabei am sogenannten Paretoprinzip, welches besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse mit nur 20 Prozent des Aufwands erreichbar sind. Dieses Prinzip wird universell in vielen verschiedenen Branchen angewendet, und ich werde euch heute zeigen, wie ich es im Eigenhandel umsetze.

1. Fokussierung auf wenige Märkte

Heutzutage handle ich fast ausschließlich die US-Aktienmärkte und lasse DAX, Forex  und Co. links liegen. Dadurch erspare ich mir zum einen sehr viel Zeit, da ich diese Märkte nicht mehr im Detail beobachten muss, zum anderen fokussiere ich mich auf die US-Aktienmärkte umso mehr. Mir entgehen so weniger Chancen an den US-Märkten, ich habe ein besseres Marktgefühl und bin deutlich ausgeglichener. Es spricht nichts dagegen, als Trader mehrere Märkte auf dem Schirm zu haben, wenn man jedoch versucht, in jedem Markt jede Bewegung handeln zu wollen, verbringt man fast seine gesamte Zeit vor dem Rechner und verliert zumindest „emotionales Kapital“.

2. Handel nur innerhalb bestimmter Zeitfenster

Die US-Aktienbörsen haben nach deutscher Zeit von 15.30 Uhr bis 22.00 Uhr geöffnet. Als erfahrener Breakout-Trader weiß ich, dass die meiste Action zwischen 15.30 Uhr und 18.00 Uhr stattfindet. Wenn eine Aktie ausbricht, dann in ca. 8 von 10 Fällen innerhalb dieses Zeitfensters. Und deshalb sitze ich auch nur von 15.30 Uhr bis 18.00 Uhr am Rechner. Die restliche Zeit lasse ich mich durch Alarme benachrichtigen und handle dann gegebenfalls die Ausbrüche.

Welches Zeitfenster für euren Markt und eure Strategie am besten/effektivsten ist, müsst ihr entscheiden. Wenn ihr jedoch eure vergangenen Trades auswertet, werdet ihr sicherlich feststellen, dass ihr die Mehrzahl eurer Trades immer im gleichen Zeitfenster tätigt. Warum nicht von vornherein auf dieses Zeitfenster fokussieren und die restliche Zeit z.B. Fehltrades auswerten und nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen?

3. Handel nur in bestimmten Marktphasen

Es gibt immer mal wieder Marktphasen, in denen meine Handelsansätze nicht wirklich funktionieren (z.B. wenn die  Märkte trendlos seitwärts laufen), weshalb ich in dieser Zeit auch nur sehr wenig bis gar nicht handle. Das kann sogar so weit gehen, dass ich mich bewusst nicht an den Rechner setze. um so potentielle Fehltrades zu vermeiden.

Auch bei diesem Ansatz braucht man natürlich wieder die Erfahrung und ein gutes Marktgefühl, um beurteilen zu können, ob ein Markt synchron mit dem eigenen Handelsansatz läuft oder nicht. Ich kenne zum Beispiel einen Aktienhändler, welcher nur Longpositionen im Swing-Trading eingeht, wenn der S&P 500 über dem EMA 20 handelt und dieser am steigen ist. Mit so einem einfachen Filter kann man im Vorhinein viele Handelstage verkürzen oder sich sogar – ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen – frei nehmen.

4. Kein Handel bei News Events oder in Low-Volume-Perioden

Alle paar Wochen Mittwochs tagt die US-Notenbank FED. Die Tage davor sind meist von wenig Volatilität, die Tage danach von höhere Volatilität und abrupten Richtungswechseln der Märkte geprägt. Aufgrund dessen versuche ich, den Handel in diesen Phasen zu vermeiden, und beschränke mich auf das Management offener Positionen.

Auch gibt es länger anhaltende Marktphasen wie z.B. um Weihnachten und in den Sommermonaten, in welchen ich aufgrund fehlenden Volumens kaum handle. Während dieser Zeit sind viele Wall Street Jungs im Urlaub, und entsprechend fallen die Handelsumsätze. und das Momentum im Markt nimmt rapide ab. Ich als Privathändler kann dann ebenfalls kürzer treten und mich mit anderen Dingen beschäftigen.

Ergebnis: Weniger Handel, evtl. sogar mehr Ertrag

Wenn ich obige „Nicht-Handeln“-Filter kombiniere, komme ich auf eine deutlich reduzierte Handelszeit gegenüber jemanden, der meint, jeden Handelstag voll mitnehmen zu müssen. Verdiene ich dadurch weniger Geld? Meiner Erfahrung nach nicht.

Ich fokussiere mich ganz bewusst auf diejenigen Phasen/Zeitfenster, in denen zum einen die meiste Action gegeben und zum anderen die Erfolgswahrscheinlichkeit am größten ist. Gleichzeitig werden Marktphase herausgefiltert, in denen es vermehrt zu Fehltrades kommt. Durch das „Mehr“ an Freizeit bin ich außerdem ausgeglichener und fokussierter, wenn es drauf ankommt.

Das 80/20 Paretoprinzip funktioniert mit Sicherheit auch bei eurem Handelsansatz. Probiert es aus! Weitere Artikel rund um das Thema Trading findet ihr im Archiv meines Blogs Tradevolution.net. Read you :-)

Mit besten Trader-Grüßen

Euer Pasa

 

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