Bei wikifolio kaufst du kein Depot, sondern ein Zertifikat auf die Handelsideen eines anderen. Das klingt nach einer Abkürzung: Jemand handelt besser als du, du hängst dich dran. Genau diese Verkürzung führt aber zu den Enttäuschungen, die man in Foren liest. Denn zwischen dem Musterdepot auf der Plattform und dem Wertpapier in deinem Depot liegen ein Emittent, zwei Gebührenarten und ein Rechtskonstrukt, das die meisten Anleger nie nachlesen.
Dieser Artikel erklärt beides: wie das Produkt technisch funktioniert und was es dich wirklich kostet. Du erfährst, warum die viel zitierte Gebühr von 0,95 Prozent nur für einen Teil der wikifolios gilt, was die Besicherung leistet und wo sie aufhört, und woran du ein solide geführtes wikifolio von einem Zufallstreffer unterscheidest. Die Zahlen stammen aus dem Hilfecenter und dem Impressum des Anbieters, Stand September 2026. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Wikifolio: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Kein Depot, sondern ein Zertifikat: Du kaufst eine Inhaberschuldverschreibung von Lang & Schwarz, die das Musterdepot eines Traders nachbildet. Die Aktien darin gehören dir nicht.
- Die Gebühr ist nicht fix: Klassische wikifolios kosten 0,95 Prozent im Jahr, Vermögensverwalter-wikifolios 0,5 bis 1,5 Prozent, Dachwikifolios 0,0 Prozent. Dazu kommen bei klassischen wikifolios 5 bis 30 Prozent Performancegebühr.
- Die Plattform selbst ist keine Finanzaufsicht unterstellt: Die wikifolio Financial Technologies AG ist als IT-Dienstleister gemeldet. Reguliert ist der Emittent Lang & Schwarz, nicht die Plattform.
- Besichert, aber nicht risikofrei: Ein Treuhänder verwertet im Insolvenzfall hinterlegte Wertpapiere. Reicht der Erlös nicht, bleibt eine Unterdeckung bestehen.
- Nur jedes dritte wikifolio ist überhaupt handelbar: Von 34.848 wikifolios sind 10.327 investierbar. Die Plattform zählt 543.501 Nutzer und nennt 64 Milliarden Euro Handelsvolumen seit dem Start 2012.
Was ist wikifolio?
wikifolio ist eine österreichische Online-Plattform, auf der Trader ihre Handelsstrategien als öffentliches Musterdepot führen und Anleger über ein Zertifikat an deren Wertentwicklung teilnehmen können. Wer Musterdepots lieber mit echten Wertpapieren im eigenen Depot nachbildet statt über ein Zertifikat, findet bei RoboVisor Strategien mit konkreten Handelssignalen.
Der entscheidende Punkt steckt im Wort „Zertifikat“. Das Musterdepot auf der Plattform ist ein virtuelles Portfolio. Es enthält keine echten Wertpapiere. Erst die Lang & Schwarz Aktiengesellschaft macht daraus ein handelbares Produkt, indem sie ein Zertifikat mit eigener ISIN herausgibt, dessen Kurs dem Musterdepot folgt. Einen anderen Weg geht ZuluTrade, wo das Kapital auf dem eigenen Brokerkonto bleibt, wie unser Testbericht zeigt.
Für dich als Anleger heißt das: Du wirst nicht Miteigentümer der Aktien im wikifolio. Du hältst eine Inhaberschuldverschreibung, also eine Forderung gegen den Emittenten. Das ist rechtlich etwas völlig anderes als ein ETF-Anteil, bei dem das Fondsvermögen als Sondervermögen geschützt ist.
Betreiber ist die wikifolio Financial Technologies AG mit Sitz in der Berggasse 31 in 1090 Wien. Sie ist im Firmenbuch unter der Nummer 311504 w eingetragen. Vorstand sind Andreas Kern als Gründer und CEO sowie Wolfgang Seidl als CTO. Zu den Gesellschaftern zählen Speedinvest mit 22 Prozent, VHB ventures mit 15 Prozent, NewAlpha Asset Management mit 11 Prozent, die PostFinance mit 10 Prozent und Lang & Schwarz mit 5 Prozent.
Die Plattform ging 2012 an den Start. Nach eigenen Angaben zählt sie heute 543.501 Nutzer und 34.848 wikifolios, von denen 10.327 investierbar sind. Das Handelsvolumen seit dem Start beziffert der Anbieter auf 64 Milliarden Euro.

Wie wikifolio funktioniert: vom Musterdepot zum Zertifikat
Der Weg von der Handelsidee zum kaufbaren Wertpapier läuft immer über dieselben vier Stationen. Wer sie kennt, versteht auch, warum manche wikifolios monatelang existieren, ohne dass man sie kaufen kann.
- Der Trader legt ein Musterdepot an. Er startet mit einem virtuellen Guthaben und kauft darin Aktien, Hebelprodukte, Fonds oder ETFs. Echtes Geld fließt dabei nicht.
- Das wikifolio sammelt Vormerkungen. Erst wenn genug Interessenten unverbindlich Kapital zusagen und ein Track Record vorliegt, wird es zur Emission freigegeben. Deshalb sind zwei Drittel aller wikifolios nicht handelbar.
- Lang & Schwarz gibt das Zertifikat heraus. Das Papier bekommt eine eigene ISIN und wird an der Börse Stuttgart, außerbörslich bei Lang & Schwarz oder an der BX Swiss handelbar.
- Du kaufst über dein normales Depot. Der Vorgang gleicht einem Aktienkauf. Es genügt ein Stück, und du kannst mit Market Order oder mit Limit arbeiten.

Handelt der Trader anschließend in seinem Musterdepot, zieht der Zertifikatskurs nach. Alle Käufe und Verkäufe sind auf der Plattform einsehbar, samt Zeitpunkt und Begründung, wenn der Trader eine schreibt. Diese Transparenz ist der eigentliche Unterschied zu einem klassischen Fonds, der seine Positionen nur mit Verzögerung offenlegt.
Ein Trader kann sein wikifolio auch stilllegen: Das Portfolio der TradingBrothers steht heute bei 100 Prozent Cash und wird nicht mehr bespielt, bleibt im Traderprofil aber sichtbar.
Ein Punkt wird dabei regelmäßig übersehen: Die Kurse im Musterdepot stammen von Lang & Schwarz. Bewertet wird zu deren Tagesschlusskursen. In engen Werten kann das vom Referenzbörsenkurs abweichen, und genau dort entstehen die Differenzen, über die Anleger sich später wundern.
Was kostet wikifolio? Alle Gebühren im Überblick
Die Nutzung der Plattform ist kostenlos, das Zertifikat ist es nicht. Registrierung, Suche und das Führen eines eigenen wikifolios kosten nichts. Gebühren entstehen erst, wenn du ein wikifolio-Zertifikat kaufst. Sie werden nicht abgebucht, sondern täglich im Kurs verrechnet. Du siehst sie also nie auf deiner Abrechnung.
Die oft zitierten 0,95 Prozent gelten nur für klassische wikifolios. Der Anbieter führt in seinem Hilfecenter fünf verschiedene Sätze, zuletzt aktualisiert am 10. Juni 2026. Wer die Kosten eines konkreten Papiers wissen will, muss auf dessen Detailseite nachsehen.
| wikifolio-Typ | Gebühr p. a. | Erfolgsgebühr |
|---|---|---|
| Klassische wikifolios | 0,95 % | 5 bis 30 % |
| Vermögensverwalter | 0,5 bis 1,5 % | 0 % |
| Paradise, Gliders | 0,1 % | 0 % |
| Dachwikifolios | 0,0 % | 0 % |
| wikifolioAG | variabel | 0 % |
Die Performancegebühr fällt nur bei einem neuen Jahreshöchststand an. Fachlich heißt das High Watermark. Steht dein wikifolio am Jahresende unter seinem bisherigen Höchstkurs, zahlst du keine Erfolgsgebühr. Berechnet wird sie ausschließlich auf die Differenz zwischen altem und neuem Höchststand, nicht auf den gesamten Gewinn.
Von dieser Gebühr behält der Trader bis zu 50 Prozent. Der genaue Anteil hängt vom investierten Kapital ab und ist gestaffelt. Bei Dachwikifolios entfällt die Performancegebühr ganz, dort erhält der Trader stattdessen bis zu 10 Prozent der Gebühren, die in den enthaltenen Zertifikaten bereits angefallen sind.
Rechne die Kosten deiner Depotbank dazu. Kauf und Verkauf des Zertifikats lösen die üblichen Ordergebühren aus. Innerhalb des wikifolios handelt der Trader dagegen kostenfrei, seine Umschichtungen kosten dich also keine Transaktionsgebühr. Ausgabeaufschläge erhebt wikifolio nicht.
Ein Rechenbeispiel macht die Größenordnung greifbar. Legst du 10.000 Euro in ein klassisches wikifolio mit 20 Prozent Performancegebühr an und steigt es im Jahr um 10 Prozent, gehen rund 95 Euro Zertifikategebühr und rund 200 Euro Erfolgsgebühr ab. Aus 1.000 Euro Bruttogewinn werden so grob 705 Euro, bevor die Abgeltungsteuer greift.
Ist wikifolio seriös?
Die Frage lässt sich nicht mit einem Wort beantworten, weil zwei Unternehmen beteiligt sind. Die Plattform und der Emittent haben völlig verschiedene Rollen und einen völlig verschiedenen Aufsichtsstatus. Wer beides in einen Topf wirft, kommt zu einem falschen Ergebnis.
Die Plattform untersteht keiner Finanzaufsicht
Das Impressum der wikifolio Financial Technologies AG nennt als Aufsichtsbehörde das Magistratische Bezirksamt des IX. Bezirkes. Als Berufsrecht steht dort die Gewerbeberechtigung für Dienstleistungen der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik. Das ist ein Gewerbeamt und ein IT-Gewerbe, nicht die österreichische FMA und keine Wertpapierdienstleistung.
Google klassifiziert das Unternehmen in seinem Wissenspanel folgerichtig als „Softwareentwickler in Wien“. Das ist kein Vorwurf und bei Plattformbetreibern der Normalfall. Es hat aber eine praktische Folge: Bei Streit über die Plattform selbst ist die Finanzaufsicht nicht dein Ansprechpartner, weil wikifolio keine Anlageberatung und keine Vermögensverwaltung erbringt.
Reguliert ist der Emittent
Das Wertpapier, das du kaufst, stammt von der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft. Sie ist ein deutsches, BaFin-beaufsichtigtes Institut und börsennotiert. Geschäftlich steht sie stabil da: Für 2025 meldete sie ein Rekordergebnis, das erste Quartal 2026 war nach eigenen Angaben das umsatzstärkste ihrer Geschichte. Für das Gesamtjahr 2026 hat sie ihre Prognose allerdings gesenkt und erwartet ein leicht bis moderat schwächeres Handelsergebnis als 2025.
Was die Besicherung leistet und wo sie aufhört
Die Besicherung bedeutet, dass Lang & Schwarz für alle ausgegebenen wikifolio-Zertifikate Wertpapiere oder Guthaben in entsprechender Höhe hinterlegt und verpfändet, die ein Treuhänder im Insolvenzfall ausschließlich für die Zertifikatsgläubiger verwertet.
Das ist deutlich mehr, als ein gewöhnliches Zertifikat bietet. Bei den meisten Zertifikaten stehst du im Insolvenzfall als einfacher Gläubiger da. Hier werden die Sicherheiten jeden Abend abgeglichen, auf separaten Konten gehalten und von einem Treuhänder geprüft, der auch den Besicherungsgrad berechnet. Für dich als Anleger ist das kostenlos, die Kosten tragen Lang & Schwarz und wikifolio.
Vollständig verschwindet das Emittentenrisiko damit nicht. Der Anbieter formuliert es selbst zurückhaltend: Reicht der Verwertungserlös nicht aus, um alle Ansprüche zu decken, bleibt eine Unterdeckung, die aus dem allgemeinen Vermögen von Lang & Schwarz zu bedienen wäre. Auch Kurs- und Währungsrisiken deckt die Besicherung nicht ab. Wer liest, wikifolio-Zertifikate seien „sicher“, liest eine Verkürzung.
Umgekehrt ist die verbreitete Warnung vor dem drohenden Totalverlust ebenso verkürzt. Sie beschreibt ein unbesichertes Zertifikat. Die Wahrheit liegt dazwischen, und genau dieser Zwischenraum ist der Grund, warum die Frage so oft falsch beantwortet wird.
Was Nutzerbewertungen hergeben
Auf Trustpilot steht wikifolio bei 4,6 von 5 Punkten aus 162 Bewertungen. Die Verteilung liegt bei 76 Prozent fünf Sternen, 10 Prozent vier, 6 Prozent drei sowie je 4 Prozent zwei und einem Stern. Bei Google kommen 4,2 von 5 aus 22 Bewertungen zusammen.
Diese Zahlen tragen weniger, als sie scheinen. 162 Bewertungen stehen mehr als einer halben Million registrierter Nutzer gegenüber, das sind gut 0,03 Prozent. Das Unternehmen hält seit Juni 2025 ein kostenpflichtiges Trustpilot-Abonnement und lädt Kunden aktiv zur Bewertung ein, was den Schnitt erfahrungsgemäß hebt. Bewertet wird zudem die Plattform, nicht der Anlageerfolg eines einzelnen Zertifikats.
So unterscheidest du solide von riskanten wikifolios
Die Plattform ist ein Marktplatz, kein Qualitätsfilter. wikifolio prüft die Handelsidee auf Formulierung und Plausibilität, bewertet sie aber nicht. Ob eine Strategie taugt, entscheidest du. Die folgenden Punkte sind auf jeder Detailseite in wenigen Minuten prüfbar.
- Alter des wikifolios: Eine Strategie, die erst zwölf Monate läuft, hat noch keinen Bärenmarkt überstanden. Achte auf mindestens drei bis fünf Jahre Historie, die einen echten Rückschlag enthält.
- Maximaler Rückgang statt Rendite: Der Maximum Drawdown zeigt den größten Verlust vom Hoch zum Tief. Er sagt mehr darüber, ob du die Strategie durchhältst, als die Jahresrendite.
- Handelsaktivität: Sieh dir an, wann der Trader zuletzt gehandelt und kommentiert hat. Ein wikifolio, das seit Monaten unberührt liegt, wird nicht mehr betreut.
- Real-Money-Kennzeichen: Trader mit diesem Status haben mindestens 5.000 Euro eigenes Geld in ihr eigenes Zertifikat investiert und weisen das alle drei Monate per Depotauszug nach. Das ist kein Qualitätssiegel, aber ein Interessengleichlauf.
- Investiertes Kapital: Ein Zertifikat mit sehr geringem Volumen kann im Handel breite Spannen zwischen An- und Verkaufskurs haben. Das kostet dich beim Ein- und Ausstieg Geld.
- Passt die Handelsidee zum Depot: Ein wikifolio auf Hebelprodukte ist kein Basisinvestment. Prüfe, welche Werte erlaubt sind und ob das zu deiner übrigen Streuung passt.

Die Rangliste ist dabei der schlechteste Ratgeber. Verbraucherschützer kritisieren seit Jahren, dass Ranglisten Anleger zum Wechseln verleiten, sobald ihr Papier zurückfällt. Oben stehen zudem regelmäßig die spekulativsten Strategien, weil hohe Schwankung kurzfristig die höchsten Renditen produziert. Wer der Liste folgt, kauft systematisch nach dem Anstieg.
Eine Performancegebühr macht einen Trader nicht besser. Sie belohnt ihn im Erfolgsfall, bestraft ihn im Misserfolg aber nicht. Diese Asymmetrie ist der Kernkritikpunkt an erfolgsabhängigen Vergütungen und gilt hier genauso wie bei Hedgefonds.
Vorteile und Nachteile von wikifolio
wikifolio löst ein echtes Problem und schafft dabei ein neues. Der Zugang zu fremden Strategien ist so einfach wie ein Aktienkauf, ähnlich wie beim Copy Trading, die Verpackung als Zertifikat bringt aber Kosten und Risiken mit, die ein Fonds nicht hat. Die folgende Gegenüberstellung fasst beides zusammen.
Vorteile von wikifolio
- Volle Transparenz: Jeder Kauf und Verkauf ist mit Zeitpunkt einsehbar, oft samt Begründung des Traders. Ein klassischer Fonds legt seine Positionen nur verzögert offen.
- Kauf über das eigene Depot: Du brauchst kein zusätzliches Konto und keine Einzahlung bei einem neuen Anbieter. Das Zertifikat liegt bei deiner Hausbank.
- Kleine Beträge möglich: Die Mindestinvestition beträgt ein Stück. Damit sind auch spezialisierte Strategien ohne großes Kapital zugänglich.
- Besicherung über einen Treuhänder: Lang & Schwarz hinterlegt Sicherheiten, die im Insolvenzfall ausschließlich den Zertifikatsgläubigern zustehen. Das bieten die wenigsten Zertifikate.
- Keine Kosten im Musterdepot: Die Umschichtungen des Traders lösen für dich keine Ordergebühren aus, egal wie oft er handelt.
- Große Auswahl: Über 10.000 investierbare wikifolios decken vom Dividendendepot bis zur Hebelstrategie fast jeden Ansatz ab.
Nachteile von wikifolio
- Kein Sondervermögen: Du hältst eine Forderung gegen den Emittenten. Die Besicherung mildert das Emittentenrisiko, beseitigt es laut Anbieter aber nicht vollständig.
- Zwei Gebühren übereinander: Zertifikategebühr und Performancegebühr können zusammen deutlich über den Kosten eines ETF liegen, besonders in schwankenden Jahren.
- Kein Qualitätsfilter: Jeder Volljährige kann ein wikifolio eröffnen. Die Prüfung betrifft die Formulierung der Handelsidee, nicht ihre Eignung.
- Strategien werden aufgegeben: Läuft es schlecht, verlieren Trader die Lust. Ein unbetreutes wikifolio läuft weiter, ohne dass jemand auf Marktänderungen reagiert.
- Ranglisten verleiten zum Wechseln: Die Bestenliste belohnt hohe Schwankung und begünstigt damit den Kauf nach dem Anstieg.
- Die Plattform ist nicht finanzaufsichtlich beaufsichtigt: Sie ist als IT-Dienstleister gemeldet. Reguliert ist allein der Emittent.
Die wikifolio-App: was sie kann und was nicht
Es gibt eine offizielle App, und sie wird regelmäßig übersehen. Mehrere Testberichte behaupten bis heute, wikifolio biete keine an. Tatsächlich liegt die wikifolio Smart News App im App Store und seit Mai 2025 auch bei Google Play. Sie ist kostenlos und werbefrei.
Der Name sagt, was sie ist: eine Nachrichten- und Analyse-App, keine Handels-App. Sie filtert nach Anbieterangabe die relevantesten Beiträge aus über 100 Nachrichten pro Tag, zeigt Kauf- und Verkaufssignale der Top-Trader, liefert Kennzahlen wie KGV und Dividendenrendite zu mehr als 1.000 Aktien und lässt dich wikifolios sowie eine Watchlist verfolgen.
Kaufen kannst du dein Zertifikat in der App nicht. Die Order läuft weiterhin über deine Depotbank. Wer eine App sucht, um wikifolio-Zertifikate zu handeln, braucht die App seines Brokers, nicht diese hier. Diese Unterscheidung erklärt die widersprüchlichen Angaben in vielen Testberichten.
Im App Store steht die iOS-Fassung bei 4,5 von 5 Punkten aus 109 Bewertungen. Zuletzt aktualisiert wurde sie am 19. August in der Version 1.20.0. Sie setzt iOS 15.5 voraus und ist auf Deutsch und Englisch verfügbar.
wikifolio automatisieren: API und TraderFox-Anbindung
Für Trader, die ihr wikifolio regelbasiert führen wollen, gibt es zwei offizielle Wege. Beide richten sich an wikifolio-Trader, nicht an Anleger. Wer nur Kursdaten abgreifen will, findet dafür keinen freigegebenen Zugang.
Der erste Weg ist die offizielle Trading-API. Sie arbeitet mit einem Client-Schlüssel und einem Nutzer-Schlüssel und erlaubt es, Orders im eigenen wikifolio programmgesteuert zu platzieren. Für die Anbindung existieren frei verfügbare Wrapper, unter anderem in Python.
Der zweite Weg ist die Kooperation mit TraderFox. Bestehende Kunden von TraderFox können ein neu erstelltes wikifolio über einen Benutzerschlüssel mit einem Regelwerk in SystemFolio verknüpfen, das das Portfolio anschließend automatisiert verwaltet. Voraussetzung sind ein SystemFolio-Zugang, Euro als Basiswährung, ein virtuelles Startbudget von mindestens einer Million Euro und ein Anlageuniversum, das ausschließlich Aktien enthält.
Wichtig ist die Grenze in den Geschäftsbedingungen. Automatisierte Zugriffe auf die Plattform sind laut AGB nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung erlaubt. Wer einen inoffiziellen Wrapper einsetzt, um Daten abzuziehen, bewegt sich außerhalb dieser Regelung und riskiert die Sperrung seines Kontos.
Selbst wikifolio-Trader werden
Ein eigenes wikifolio anzulegen kostet nichts und ist in wenigen Minuten erledigt. Bis daraus ein handelbares Zertifikat wird, liegt allerdings eine Strecke, an der die meisten scheitern. Von 34.848 wikifolios haben es nur 10.327 bis zur Investierbarkeit geschafft.
Für die Veröffentlichung brauchst du eine bestätigte E-Mail-Adresse und eine ausformulierte Handelsidee. Die Idee wird von einem Mitarbeiter geprüft. Für den Status investierbar kommt eine Legitimation per Ausweis, Adresse und Telefonnummer hinzu, danach erscheint dein Klarname im Profil.
Zusätzlich muss das wikifolio Vormerkungen sammeln. Gefordert sind mindestens zehn Vormerkungen mit zusammen mindestens 2.500 Euro unverbindlich zugesagtem Kapital sowie 21 Tage Track Record. Erst dann emittiert Lang & Schwarz.
Verdienen kannst du an der Performancegebühr. Sie fällt nur bei einem neuen Jahreshöchststand an, und du erhältst davon bis zu 50 Prozent, gestaffelt nach investiertem Kapital. Ab 100 Euro angesammelter Prämie kannst du eine Auszahlung beantragen. Bei einem Dachwikifolio gibt es stattdessen eine Erlösbeteiligung von bis zu 10 Prozent.
Mit dem Real-Money-Status hebst du dich sichtbar ab. Dafür investierst du mindestens 5.000 Euro eigenes Geld in das Zertifikat deines eigenen wikifolios und weist das per Depotauszug nach, auf dem Name, Datum, ISIN und Betrag erkennbar sind. Der Status gilt drei Monate und muss danach erneut belegt werden.
Fazit: Für wen sich wikifolio eignet
wikifolio ist ein durchdachtes Produkt mit einer ehrlichen Schwachstelle. Die Transparenz ist echt und in dieser Form selten: Du siehst jeden Trade, jede Umschichtung und meist auch die Begründung. Die Besicherung über einen Treuhänder geht deutlich über das hinaus, was ein normales Zertifikat bietet. Beides sind belegbare Stärken, keine Werbeversprechen.
Die Schwachstelle ist die Kostenstruktur in Verbindung mit der Auswahl. Zertifikategebühr und Performancegebühr zusammen verlangen von einer Strategie, dass sie den Markt spürbar schlägt, nur um einen ETF einzuholen. Bei über 10.000 investierbaren wikifolios ohne Qualitätsfilter ist die Auswahl der eigentliche Arbeitsschritt, und den nimmt dir niemand ab.
Sinnvoll ist wikifolio als Beimischung für Anleger, die eine bestimmte Strategie bewusst wollen. Wer einen Ansatz sucht, den er selbst nicht umsetzen kann oder will, und wer bereit ist, ein einzelnes wikifolio über Jahre zu begleiten, bekommt hier einen einfachen Zugang. Als Kern des Depots taugt es nicht, dafür sind Kosten und Einzelrisiko zu hoch.
Ungeeignet ist die Plattform für alle, die der Rangliste folgen wollen. Wer alle paar Monate in das gerade beste wikifolio wechselt, zahlt bei jedem Wechsel Ordergebühren, kauft nach dem Anstieg und trägt die Erfolgsgebühr des vorherigen Höchststands mit. Diese Kombination hat schon viele der Erfahrungsberichte produziert, die man in Foren liest.
Häufige Fragen zu wikifolio
Wie seriös ist wikifolio?
Die wikifolio Financial Technologies AG ist ein eingetragenes österreichisches Unternehmen mit Sitz in Wien und der Firmenbuchnummer 311504 w. Sie untersteht allerdings keiner Finanzaufsicht, sondern ist als IT-Dienstleister gemeldet. Reguliert ist der Emittent Lang & Schwarz, ein BaFin-beaufsichtigtes und börsennotiertes Institut. Die Zertifikate sind zusätzlich über einen Treuhänder besichert.
Ist wikifolio kostenlos?
Die Nutzung der Plattform ist kostenlos. Registrierung, Suche und das Führen eines eigenen wikifolios kosten nichts. Gebühren entstehen erst beim Kauf eines wikifolio-Zertifikats: eine Zertifikategebühr zwischen 0,0 und 1,5 Prozent im Jahr und bei klassischen wikifolios eine Performancegebühr von 5 bis 30 Prozent.
Welche Gebühren fallen bei wikifolio an?
Klassische wikifolios kosten 0,95 Prozent Zertifikategebühr im Jahr plus 5 bis 30 Prozent Performancegebühr. Vermögensverwalter-wikifolios liegen bei 0,5 bis 1,5 Prozent ohne Erfolgsgebühr, Portfolio Paradise und Gliders bei 0,1 Prozent, Dachwikifolios bei 0,0 Prozent. Dazu kommen die Ordergebühren deiner Depotbank.
Kann man mit wikifolio Geld verdienen?
Als Anleger verdienst du, wenn das Zertifikat im Kurs steigt, abzüglich der Gebühren. Als Trader erhältst du bis zu 50 Prozent der Performancegebühr deines wikifolios, allerdings nur bei einem neuen Jahreshöchststand. Ab 100 Euro angesammelter Prämie ist eine Auszahlung möglich. Eine Garantie auf Gewinne gibt es in beiden Rollen nicht.
Gibt es eine wikifolio-App?
Ja. Die wikifolio Smart News App ist kostenlos für iOS und seit Mai 2025 auch für Android verfügbar. Sie liefert Nachrichten, Kennzahlen zu über 1.000 Aktien sowie die Handelssignale der Top-Trader. Zertifikate kaufen kannst du darin nicht, das läuft weiterhin über deine Depotbank.
Wo kann ich wikifolio-Zertifikate kaufen?
Über nahezu jede Bank und jeden Online-Broker. Handelsplätze sind die Börse Stuttgart, der außerbörsliche Handel bei Lang & Schwarz und die BX Swiss für den Handel in Schweizer Franken. Die Mindestinvestition beträgt ein Stück, Limit- und Stop-Orders sind möglich.
Was ist der Unterschied zwischen wikifolio und einem ETF?
Ein ETF-Anteil ist Sondervermögen und im Insolvenzfall der Fondsgesellschaft geschützt. Ein wikifolio-Zertifikat ist eine Inhaberschuldverschreibung, also eine Forderung gegen Lang & Schwarz, die über einen Treuhänder besichert, aber kein Sondervermögen ist. Hinzu kommt die Erfolgsgebühr, die ein Index-ETF nicht kennt.
Über den Autor
Ich handle seit 1980 an den Finanzmärkten und habe in dieser Zeit viele Produkte gesehen, die einen einfachen Zugang zu fremder Expertise versprechen. wikifolio gehört zu den ehrlicheren davon, weil es offenlegt, was der Trader tut. Genau deshalb habe ich für diesen Artikel das Hilfecenter und das Impressum des Anbieters gelesen statt fremder Testberichte.
Der Punkt, der mich beim Prüfen am meisten gestört hat, ist die Gebührendarstellung im Netz. Fast überall stehen 0,95 Prozent als feste Größe. Tatsächlich reicht die Spanne von 0,0 bis 1,5 Prozent, und welcher Satz gilt, hängt vom Typ des wikifolios ab. Wer das nicht auf der Detailseite nachsieht, rechnet mit der falschen Zahl.
Meine persönliche Einschätzung: Das Konstrukt ist sauber gebaut, die Auswahl bleibt das Problem. Ein Marktplatz mit über 10.000 handelbaren Strategien ohne Qualitätsfilter verlagert die schwierigste Arbeit auf den Anleger. Wer diese Arbeit nicht leisten will, ist mit einem breit streuenden Indexfonds besser bedient.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels verfasst und von Christian Möhrer fachlich geprüft. Alle Angaben zu Gebühren, Unternehmensdaten und Besicherung stammen aus dem Hilfecenter, dem Impressum und den Unternehmensangaben von wikifolio.com sowie aus Pflichtmitteilungen der Lang & Schwarz AG, Stand September 2026.











