Praktische Tipps für den Trading-Alltag (2022)

Beim Traden kommt es in erster Linie darauf an, kostspielige Fehler zu vermeiden, die mühsam über lange Zeit aufgebaute Gewinne binnen kurzem vernichten können. Mit einer guten Vorbereitung beim Blick auf die Märkte, auf fundamentale Kennzahlen und Chartformationen lassen sich Fehlerquoten reduzieren.

Anfängern sei empfohlen zunächst einmal im Papertrading zu simulieren und die Software kennenzulernen. Das Papertrading kann die Erfahrung im richtigen Handel nicht ersetzen, weil die Nerven nicht
verrücktspielen können. Drawdowns gehören aber dazu, da sie eine Folge normaler Schwankungen an der Börse sind.

Auf jeden Fall lohnt es sich das Money Management im Griff zu haben, das Konto nicht zu überstrapazieren und erst einmal mit kleinen Positionsgrößen zu starten.

Weitere Erfolgsfaktoren im Online-Trading

Ruhe & Mindset

Voraussetzung für erfolgreiches Trading ist ein Mindestmaß an Konzentration. Manche Personen benötigen dafür absolute Stille, andere bevorzugen entspannende Hintergrundmusik.

Man sollte auch nicht traden, wenn es Ärger im Beruf oder in der Familie gab. Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder autogenes Training können darüber hinaus helfen, sich auf die komplexe Thematik zu fokussieren.

Im Idealfall zieht man sich in ein separates Arbeitszimmer zurück, in dem Hardware, Fachliteratur und eigene Notizen zur Verfügung stehen.

Integration in den Alltag und Vorwissen

Es gibt viele Spielarten des Trading, mit den verschiedensten Instrumenten, Assetklassen und Märkten. Es lohnt sich zu überlegen, was zur eigenen Persönlichkeit, dem Zeitbudget und zum Vorwissen passt. Zu unterscheiden wäre zwischen:

Daytrading und Swingtrading: Während der Daytrader nach Börsenschluss alle Trades schließt, nach dem Motto „Nur Bares ist Wahres“, lassen Swingtrader Gewinne gerne möglichst lange laufen. Das Schließen der Trades begrenzt einerseits die Gewinne, andererseits bewahrt es auch davor, über Nacht von unvorhersehbaren Kurssprüngen überrascht zu werden.

Während langfristige Investoren vorwiegend auf fundamentale Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis sowie Entwicklung von Umsatz und Gewinn schauen, orientieren sich Trader stärker an der Chartanalyse. Sie versuchen extrem überverkaufte oder übergekaufte Marktsituationen zu ihren Gunsten auszunutzen. Dabei orientieren sie sich an Unterstützungs- und Widerstandslinien, gleitenden Durchschnitten, Fibonacci-Retracements und Kerzenformationen.

Generell gilt: je kurzfristiger ein Trade konzipiert ist, umso irrelevanter sind die Fundamentaldaten. Sie interessieren sich auch nicht sonderlich für die aktuelle Nachrichtenlage, da sie davon ausgehen, dass das Schwarmwissen der Märkte der beste Frühindikator ist.

Warnsignale seien am besten im Chart abzulesen, noch bevor Journalisten die Themen aufgreifen. Day- und Swingtrader vermeiden es meist, auch Positionen während der Veröffentlichung zu halten, weil die Märkte hier oft mit großen, unvorhersehbaren Kurssprüngen reagieren. Deshalb schließen sie diese zuvor, beziehungsweise achten bei der Eröffnung des Trades, dass noch ausreichend zeitlicher Spielraum besteht.

Anfänger traden am liebsten die heimischen deutschen oder europäischen Märkte, da sie der Meinung sind, die Unternehmen, Indizes und die Wirtschaftslage am besten einschätzen zu können. Vorteile haben aber auch die US-Märkte, da sie einerseits deutlich liquider sind und eine weitaus größere Auswahl an Wertpapieren besteht. Hinzu kommen die Handelszeiten, die bis in den späten Abend reichen und so auch für die Berufstätigen hierzulande ideal sind.

Grundsätzlich ist es am besten, die Werte dort zu handeln, wo sie zu Hause sind. Die Heimatbörse bietet in der Regel die beste Liquidität und wickelt daher zu den fairsten Preisen ab. Wichtig ist es für das Trading Echtzeitdaten der relevanten Märkte zu abonnieren. Das ist ein weiterer Grund sich auf die liquiden Märkte in Europa und in den Vereinigten Staaten zu konzentrieren. Für exotische Nischenmärkte kann es
notwendig sein, Zusatz-Abos für Live-Daten für die jeweilige Handelsplattform zu bestellen.

Zur Wahl stehen eine Vielzahl von Instrumenten wie Aktien, Optionen, Futures oder CFDs, die jeweils einem spezifischen Regelwerk folgen. Bevor man mit dem Trading beginnt, sollte man sich in die Materie eingelesen haben.

Nach dem Motto „Nicht alle Eier in einen Korb“ sollten sich Trader auch mit verschiedenen Assetklassen beschäftigen. So gibt es die Möglichkeit neben Basiswerten auf Unternehmen auch solche auf Währungen und Rohstoffe zu handeln. Die Diversifizierung sollte auch auf anderen Ebenen stattfinden.

Gerade Anfänger neigen dazu, sich auf heimische Aktien oder gar auf die des eigenen Arbeitgebers zu konzentrieren. Doch das kann eine Falle sein. Im Falle einer wirtschaftlicher Rezession könnten sowohl der
Arbeitsplatz als auch das Kapital an der Börse in Gefahr geraten.

Ähnlich sieht es aus mit einer zu starken Fokussierung auf einzelne Branchen. Wer Daimler-Aktien besitzt, braucht nicht unbedingt noch die von General Motors oder Renault dazu. Besser ist es, das Risiko zu streuen und sowohl zyklische als auch antizyklische Werte zu handeln.

In die gleiche Richtung geht die Idee, einen Teil des Depots in starken Fremdwährungen wie US-Dollar oder Schweizer Franken zu halten. Kritiker des Euro bevorzugen diese Idee angesichts des Quantitative Easing (lockere Geldpolitik) der Europäischen Zentralbank und der Schuldenpolitik südeuropäischer Staaten als Schwachwährung, die früher oder später zusammenbrechen könnte.

Außerdem gibt es die Möglichkeit auf fallende Kurse zu setzen, um damit das Depot zu hedgen. Banken bieten hierzu üblicherweise Short-ETFs an. Bei einem Broker können zu diesem Zweck auch Leerverkäufe, und geeignete Optionen wie Long Puts und Covered Calls gehandelt werden.

Sinnvoll ist es den Trading-Tag, mit einer sogenannten Morgenroutine zu beginnen, um die Lage an den Märkten zu checken und Warnsignale zu erkennen. Das Trading sollte nie ohne eine konkrete Strategie erfolgen. Am besten ist es ein Regelwerk mit konkreten Handlungsanweisungen für sich selbst zu erstellen. Dieses sollte zu jedem Trade folgende Fragestellungen enthalten:

  • Welche Erwartung liegt dem Trade zugrunde?
  • Wann steige ich ein?
  • Welche Strategie nutze ich?
  • Was ist das Ziel des Trades?
  • Wo setze ich Gewinnmitnahmen, wo platziere ich Stopp-Loss-Marken?
  • Welches Risiko bin ich bereit, für das Gesamtdepot einzugehen?

Ein wichtiger Teil der Vorbereitung ist das Screening. Mit Hilfe geeigneter Tools – zum Beispiel finviz.com, siehe weiter unten – lässt sich die Spreu vom Weizen trennen. Das Aussuchen von Basiswerten, die zu Strategie, Marktsituation und Kontogröße passen kann am Anfang sehr aufwändig sein.

Erfahrene Trader haben im Laufe der Zeit Watchlists aufgebaut, auf die sie dann je nach Stimmung der Märkte zurückgreifen. Die Trading-Plattformen, aber auch diverse Online-Tools, bieten häufig die Möglichkeit Alarme bei Erreichen bestimmter Kursmarken unterhalb der eigentlichen Trigger zu setzen. Sollte die Konstellation bei Auslösung des Alarms immer noch stimmig sein, legt sich der Trader auf die Lauer und versucht, möglichst punktgenau beim Erreichen des Kauf- oder Verkaufssignals einzusteigen.

Beim Schließen des Trades geht man im Idealfall analog vor, um das Maximum an Gewinn herauszuholen beziehungsweise, um Verluste zu minimieren. Es gehört viel Disziplin, sich strikt an ein Regelwerk zu halten, weil es in vielen Fällen doch gut geht, wenn man die Kriterien für den Stopp Loss aufweicht. Die Gefahr besteht darin, nach dem Prinzip Hoffnung so weit nachzugeben bis der Verlust tatsächlich ein zuvor nie geplantes Ausmaß angenommen hat.

Hardware

Das technische Equipment sollte dem Stand der Technik entsprechen. Zu nennen wäre hier zunächst ein leistungsfähiger PC oder Laptop. Im Idealfall stehen mindestens zwei Bildschirme zur Verfügung, so dass es möglich ist, verschiedene Ansichten gleichzeitig im Blick zu haben. Eine stabile Internetverbindung ist ebenfalls dringend erforderlich. Wer von unterwegs auf einem Laptop handelt, holt sich zum Beispiel ein
iPhone mit Vertrag und richtet sich einen Hotspot für den Klapprechner ein.

Die aktuellen, im Oktober 2020 auf den Markt gebrachten Modelle iPhone 12 mini, iPhone 12 und
iPhone 12 Pro aus dem Hause Apple bieten Bluetooth-, NFC- und WLAN-Anschlüsse. Bei den Displays wird ein innovatives Glas namens „Ceramic Shield“ verbaut. Laut Apple soll die Widerstandsfähigkeit viermal so hoch sein. Das ist natürlich keine Garantie, dass es nicht kaputtgeht, wenn es herunterfällt. An einer Schutzhülle für das wertvolle Teil sollte man nicht sparen.

Neumodische Features wie Face ID, Apple Pay, MagSafe sind auch dabei. Mit den Datenstandards LTE und 5G ist man verbindungstechnisch auf der Höhe der Zeit und für Innovationen – etwa rund um das Internet der Dinge – bestens gerüstet. Vieltelefonierer nutzen am besten eine Flatrate für Anrufe ins Fest- und die Mobilfunknetze.

Für das Traden benötigt man ein hohes Datenvolumen, da die Versorgung mit Echtzeitdaten eine gewisse
Bandbreite erfordert. Es sollte nicht zu knapp dimensioniert sein, um nicht gegen Monatsende nur noch mit gedrosselter Geschwindigkeit per GPRS auf das Internet zugreifen zu können. Wer vorwiegend im ländlichen Raum unterwegs ist, sollte darauf achten einen Anbieter mit guter Netzabdeckung zu wählen.

Sinnvoll ist es, sich vor Vertragsabschluss auf Karten im Internet zu informieren, wie es um die Verbindungsqualität in den relevanten Gebieten bestellt ist. Das Traden auf dem Smartphone selbst ist unabhängig vom verwendeten Modell mit Vorsicht zu genießen, da die Ansichten erheblich
reduziert sind, so dass Informationen verloren gehen können. Auch das Wechseln zwischen verschieden Ansichten ist deutlich erschwert. Außerdem würde es extremer Fingerfertigkeit bedürfen, einen Trade aufzusetzen.

Besser ist es daher, die Setups vorab auf dem PC oder Laptop zu erstellen und nur das Anpassen der Werte für Gewinnmitnahmen und Stopp Loss auf dem Handy vorzunehmen. Tablet PCs sind ein Kompromiss, aber kein Ersatz, der professionelles Trading erlauben würde.

Software

Der Trader sollte mit der von ihm gewählten Handelsplattform vertraut sein, um seine Setups sorgfältig planen zu können, diese richtig aufzusetzen und bei Bedarf auch kurzfristig schließen zu können. Natürlich sollten die Programme auf dem Computer aktuell sein, um die bestmögliche Leistung zu
bieten und kein Einfallstor für Hacker darzustellen. Ein Virenscanner gehört selbstverständlich ebenfalls dazu.

Noch ein Tipp zum Thema Datensicherheit. Zugangsdaten zu Banken, Brokern und anderen
passwortpflichtigen Diensten sollten weder im Browser noch an der Pinnwand im Büro notiert werden. Die Zeitschrift Chip hat eine gute Übersicht geeigneter Passwort-Manager dazu erstellt. Im Idealfall synchronisiert der Trader die Zugangsdaten zwischen Computer und Smartphone, so dass auch unterwegs jederzeit ein Zugriff auf alle Tools möglich ist.

Lesezeichen im Browser

Beim Online-Trading können wir eine Vielzahl von Quellen anzapfen, über die wir unsere Informationen beziehen. Kein Mensch kann sie alle im Kopf behalten. Empfehlenswert ist es Bookmarks (Lesezeichen) im Browser zu den wichtigsten Quellen zu setzen. Beispiele:

  • der Aktienscreener voarauf aubauenden Finviz: hier lassen sich Aktien nach sehr vielen unterschiedlichen Kriterien filtern und darauf aufbauende Watchlists erstellen. 
  • Boersengefluester.de: zur Analyse der Leerverkaufspositionen bei deutschen Aktien. Ein hoher Short-Float-Anteil deutet darauf hin, dass viele Trader die weitere Entwicklung des Kursverlaufs bärisch eingeschätzt haben. Sollte sich dies wider deren Erwarten kurzfristig umkehren, sind sie gezwungen, kurzfristig zu höheren Preisen zurückzukaufen. Daraus kann sich eine sehr dynamische Aufwärtsbewegung entstehen. Das Phänomen wird als Short Squeeze bezeichnet. Ein Beispiel dafür ist die Kursentwicklung der Aktie von Gamestop, die sich vom 13. bis zum 28. Januar 2021 um über 1900
    Prozent verteuerte. Das Wertpapier der US-Kette für Unterhaltungssoftware und Computerspiele war in der Spitze mit bis zu 120 Prozent leerverkauft. Es lohnt sich auf solche Daten zu achten. Bei US-Aktien findet wir die Daten schneller und übersichtlicher bei finviz.
  • Aktienfinder.net: ein sehr hilfreiches Tool für die Fundamentalanalyse. Es gibt viele kostenlose Informationen, aber auch eine kostenpflichtige Vollmitgliedschaft – hier gibt es einen detaillierten Erfahrungsbericht

Steuern

Generell ist es ratsam, dass Konto in der Währung des Heimatlandes zu führen, für EU-Bürger also in Euro. Das erspart eine Menge Streitereien mit dem Finanzamt zum Thema Umrechnen. Andernfalls müsste ja für jeden Trade der zum Zeitpunkt der Ausführung aktuelle Wechselkurs zugrunde gelegt werden.

Die Steuererklärung ist zumindest für Steuerpflichtige in Deutschland etwas komplexer als wenn die Beträge direkt von den Bankbelegen in die Anlage KAP übertragen werden, zumal viele Broker ihren Sitz im
Ausland haben. Im Netz kursieren einige Vorlagen, was zu berücksichtigen wird.

Es bleibt eine Riesenfummelei, zumal der Bundesfinanzminister immer neue Ideen hat. So wurde veranlasst, dass ab dem Steuerjahr 2020 für Privatpersonen, der Verlustabzug auf 20.000 Euro beschränkt wird. Viele
Strategien -gerade solche, die das Risiko beschränken – sind damit hinfällig. Begründet wird dies, dass Privatanleger „geschützt“ werden sollen. Steuerexperten sind der Meinung, dass die Regelung
verfassungswidrig und haben geklagt. Bis jedoch eine letztgültige Entscheidung getroffen ist, werden Jahre ins Land gehen.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, sucht sich einen Steuerberater, der selbst tradet. Immerhin gibt es Fortschritt hinsichtlich der Belege. Viele Finanzämter erwarten nicht, die Belege in Papierform zu erhalten. Immerhin können leicht ein paar Hundert Seiten zusammenkommen. Oft genügt es, eine pdf-Datei mit den relevanten als USB-Stick an die Behörde zu senden.

Fazit:

Trader sollten aus Fehlern lernen, das Trader-Leben aber ist zu kurz, um alle Fehler selbst zu machen. Eine gute Vorbereitung kann helfen, schmerzhafte Verluste zu vermeiden und sich auch an kleinen Gewinnen zu erfreuen.