Neuer Gastautor Christian Möhrer, Handelsstil: Optionen auf US-Aktien

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Christian Möhrer

Liebe Leser,

ein herzliches Hallo aus dem Vogelsbergkreis und vielen Dank an Karsten Kagels für die Gelegenheit, mich als Gastautor vorstellen zu können.

Mein Name ist Christian Möhrer. Ich habe meine Karriere an der Börse am 14.04.2010 mit einem CFD Trade auf den DAX begonnen.

Bis zu diesem Tag war mein Verhältnis zum Geld eher zweckgebunden. Ich habe es halt gebraucht, um es ausgeben zu können.

Glücklicherweise habe ich mit dem älter werden einen Reifeprozess durchlaufen, der als Ergebnis eine positive Entwicklung der Persönlichkeit und des kleinen Handelskontos nach sich zog.

Finanzen lieber selbst gemacht

Auslöser für die Entscheidung, mein Geld selbst zu verwalten, waren diverse Enttäuschungen mit Beratern einer bestimmten Branche.

Es hat mich schon überrascht, dass die gelobte staatliche Förderung privater Altersvorsorge sich auffallend mit der Höhe der Gebühren und Provisionen deckt.

Nach der Lektüre des ersten Kontoauszugs und des Kleingedruckten war ich um eine Erfahrung reicher. Danach habe ich beschlossen, dort kein weiteres Geld hinterherzuwerfen.

Die Lektion war sehr einfach: Wenn ich mich nicht selbst um eine Art Vermögensaufbau kümmere, tun das andere für mich.

Dabei landet ein Großteil des Geldes häufig bei dem, der sich kümmert.

Dazu kamen in der Zeit auch Nachrichten, dass die Anbieter zu kämpfen haben, den sogenannten Garantiezins auch garantieren zu können.

Zeitgleich habe ich in meiner umfangreichen Bibliothek aus Weltliteratur, Groschenromanen und Disneycomics auch einen dicken Wälzer gefunden, der das Wort Geldanlage im Titel hatte. Hier wurde von A bis Z wirklich alles behandelt und erklärt.

So fand ich in der Art einer Erleuchtung heraus, dass nahezu jede Rendite durch Handelsgeschäfte in einem Markt generiert wird.

Der Film „Die Glücksritter“ kam mir wieder in den Sinn, doch diesmal traf mich neben dem Humor die Erkenntnis, dass der Börsenhandel eine Art offenes Geheimnis darstellt.

Jeder weiß, dass es Börsen gibt und fast alles dort gehandelt wird, aber damit Geld zu verdienen, ist nur Eingeweihten möglich.

Damit war ein brennendes Verlangen in mir geweckt, die Mechanismen erfolgreichen Börsenhandels zu ergründen.

Meine angeborene Liebe zum Lesen habe ich fortan auf circa 90% Fachbücher konzentriert und ein theoretisches Fundament gebildet.

Auf in den praktischen Handel

Nun sollten der Theorie auch praktische Erfahrungen folgen. Mit dem Siegeszug des Internet ergab sich auch eine Schwemme von günstigen Brokern. Diese lockten mittlerweile auch mit kostenfreien Ausbildungsangeboten, so dass ich mich in die Grundlagen schnell hinein fuchsen konnte.

Als begehrtes Ziel meiner Handlungen entpuppte sich natürlich der DAX, aber auch obskure Märkte wie Bauholz und diverse andere Reize lagen vor meinem erfahrungslosen Horizont.

Das mehr von Aktionismus geprägte Handeln hinterliess seine Spuren, weckte jedoch auch den Ehrgeiz, es besser zu machen.

Durch Kontakt mit erfahrenen Händlern und Besuche von Veranstaltungen mit mehr oder weniger bekannten Größen der Szene konnte ich meine Fehler gut herausarbeiten.

Dennoch fehlte ein roter Faden. Ich wusste nun, was nicht funktionierte. Die Ansätze der gängigsten Theorien funktionierten für mich aber auch nicht, was völlig logisch ist.

Jeder Händler sieht im Chart andere Punkte und Marken oder interpretiert Fundamentaldaten auf Basis seiner Erfahrungen.

So kann eine schlüsselfertige Strategie für den Urheber sehr gut funktionieren, der Anfänger wird doch von seiner eigenen Realität (man nennt es Bauchgefühl oder fehlgeleitete Intuition) irritiert. Daraus ergibt sich dann eine Rendite, die von der erwarteten deutlich abweichen kann.

Trading neben dem Beruf

Aus der Summe der Erfahrungen habe ich mir eine Strategie gebaut, die sich einen Pool von erschwinglichen US-Aktien herausfiltert, die einem Aufwärtstrend folgen.

Der US-Markt bildet für mich aus einer Reihe von Gründen bis heute den Schwerpunkt:

  • Es gibt genug Aktien, um in den meisten Fällen aussichtsreiche Kandidaten zu filtern
  • Das gehandelte Volumen ist deutlich höher als beispielsweise im deutschen Markt
  • Die Öffnungszeiten der Börsen sind für Berufstätige in unserer Zeitzone ideal
  • Ich persönlich kann die Trends vieler Aktien dort besser einschätzen als die Bewegungen eines Sektors oder Index

Passend dazu fand ich einen Broker, der CFDs auf US-Aktien und Gebühren im Cent-Bereich angeboten hat. Das ist meinem kleinen Konto sehr entgegengekommen und die Strategie ging auf.

Die Trades liefen meist im Bereich von vier bis acht Wochen. Dazu hatte ich immer eine mobile Watchlist der Aktien, um die Entwicklung im Blick zu behalten.

Eines besonderen Tages waren einige Aktien gut im Gewinn. Am Abend hab ich mich dann ins Konto eingeloggt, um mir die Charts anzusehen und den Großteil der Gewinne mitzunehmen.

Nun gesellte sich eine neue Erfahrung hinzu, der Leser mag sich an die Kritik an bestimmten Anbietern vom Anfang des Artikels erinnern.

Ungeplante Erkenntnisse

An diesem Tag erfuhr ich, dass Anbieter sich über nahezu alle Bereiche sehr ähneln.

Der Broker hatte zwischenzeitlich die Gebühren (nennen wir es im Anbieterdeutsch:) angepasst, so dass für einen Kauf oder Verkauf jeweils zehn Dollar fällig wurden.

Ich habe im Portfolio pro Position mit circa 20 Dollar initialem Risiko (Stoploss) und circa 30-50 Dollar Gewinnmitnahme gearbeitet.

Nun kann sich jeder ausrechnen, was bei der neuen Gebührenstruktur mit meiner Strategie passiert ist.

Nach ein bisschen Email-Verkehr habe ich den Großteil der abgebuchten Gebühren zurückerstattet bekommen, mein Konto dann verständlicherweise geschlossen.

Der nächste Exkurs führte mich in die Welt der Derivate, in Deutschland werden ja Optionsscheine in allen möglichen Varianten angeboten.

Als ich mir ein Bild der Möglichkeiten gemacht hatte, haben sich doch ein paar Scheine gefunden, die ich mit meinem Handelsansatz verbinden konnte.

Rasch war ein neuer Broker gefunden, der in Deutschland ansässig ist.

Diesmal wurden die Transaktionen auch direkt an der Börse durchgeführt, und nicht ein Pakt mit dem Anbieter geschlossen.

Auch hier ließ die nächste Erfahrung nicht lange auf sich warten.

Durch den Hebel habe ich überwiegend Derivate gehandelt, die den Stoploss bereits im Produkt enthielten.

Der Gewinn war theoretisch unbegrenzt, und durch meine Chartanalyse bin ich im Gewinnfall wie gehabt ausgestiegen.

Die Auswahl der Produkte wich leider sehr stark von der Anzahl interessanter Aktien ab.

Dadurch gab es weniger Trades, und ich musste die Filter anpassen, damit ich nicht vergebens einen Pool von 40 Aktien auf verfügbare Derivate durchsuchte.

Zwischen Erwartung und Realität

Der A-ha Effekt gestaltete sich auch hier ähnlich: Durch ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Aktie ergab sich ein guter Kursanstieg über einige Tage.

Zum Wochenausklang wollte ich die Gewinne mitnehmen und habe im Geiste schon den Kontostand leuchten gesehen.

Zu meinem Verwundern fand ich keine großartige Änderung. Es war eher so, als hätte ich genau dieses Derivat nicht gehandelt, und der Kontostand die Kursentwicklung der übrigen Derivate gezeigt.

Was war passiert?

Nach gründlicher Untersuchung (die der geneigte Trader ja VOR dem Handel machen sollte!) fand ich heraus, dass Derivate salopp gesagt Vertragskonstruktionen eines >Anbieters< sind.

In diesem Konstrukt war nun eine Klausel vorhanden, die dem Emittenten (auch nur ein anderes Wort für Anbieter) erlaubt, das Produkt zu kündigen. Das hat er dann auch getan.

In meiner Blauäugigkeit habe ich darauf vertraut, dass sich das Produkt so verhält, wie es von den Kennzahlen her zu erwarten gewesen wäre. Hat es ja auch.

Das Emittentenrisiko habe ich inhaltlich darauf begrenzt, dass besagter Anbieter pleite geht und das Geld halt wieder bei einem landet, der sich kümmert.

Das Vertragswerk hat mir nun eine weitere Möglichkeit beschert. Hier könnte man zu dem Schluss kommen, dass viele Anbieter unterschiedlicher Finanzprodukte die gleiche Schule besucht haben.

Meine Reise in die Welt der Optionen

Mit diesem nun wirklich reichen Erfahrungsschatz von Dingen, die es zu beachten und idealerweise zu vermeiden gilt, ging ich erneut auf die Suche.

Es musste doch Möglichkeiten geben, mein Geld bis zum Rentenalter zu vermehren.

Und in der fast unüberschaubaren Fülle des Angebots bin ich erneut fündig geworden.

Es gibt Produkte, die es ermöglichen, selbst als Anbieter zu agieren.

Diese als Optionen bekannten Derivate lassen sich zu einer Vielzahl an Strategien kombinieren.

So kann der Trader seine Marktmeinung auf viele Arten umsetzen und das maximale Risiko begrenzen.

Als Grundbausteine des Optionshandels gibt es den Put und den Call. Diese lassen sich bei einem geeigneten Broker jeweils auf der Käufer- und Verkäuferseite handeln.

In den nächsten Artikeln möchte ich diese Grundbausteine ausführlich vorstellen.

Danach zeige ich, wie sich die einzelnen Positionen sinnvoll zu weiteren Strategien kombinieren lassen.

Damit lassen sich dann Marktmeinungen auf aussichtsreiche Basiswerte umsetzen. Und in vielen Fällen lässt sich sogar ein Sicherheitspuffer integrieren. 

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