Fed Zinsentscheid 2026: Termine, aktueller Leitzins und Prognose

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2026

|

12 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

Live Webinar: Mit Optionsstrategien monatliches Einnahmen generien - kostenloses Ticket sichern >>

Empfehlung:

Die Federal Reserve hat am 17. Juni 2026 den Leitzins zum vierten Mal in Folge bei 3,50–3,75% belassen — diesmal einstimmig mit 12:0 und erstmals unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Der neue Dot Plot signalisiert erstmals eine mögliche Zinserhöhung statt einer Senkung. Für Trader und Anleger, die US-Aktien, Währungen oder Rohstoffe handeln, ist der Fed Zinsentscheid einer der wichtigsten Termine im Wirtschaftskalender.

Auf dieser Seite findest Du den aktuellen Stand des Fed Zinsentscheids, die Ergebnisse der letzten FOMC-Sitzungen, alle Termine für 2026/2027 und eine Einordnung der geldpolitischen Lage. Wir erklären, wie die Fed funktioniert, was der Dot Plot und die Summary of Economic Projections bedeuten — und welche Auswirkungen die Zinsentscheidungen auf die Märkte haben.

Alle Angaben in diesem Artikel werden regelmäßig aktualisiert und basieren auf offiziellen Quellen der Federal Reserve sowie auf den Marktdaten führender Datenanbieter. Mehr über unsere redaktionellen Standards erfahren Sie in unseren redaktionellen Richtlinien.

Fed Zinsentscheid aktuell in 30 Sekunden

  • Aktueller Leitzins: 3,50–3,75% (Federal Funds Rate), unverändert seit dem 10. Dezember 2025
  • Letzte Entscheidung (17. Juni 2026): Vierte Zinspause in Folge, erstmals unter neuem Vorsitzenden Kevin Warsh — einstimmig 12:0
  • Neue Inflationsprognose: Die Fed hat ihre PCE-Inflationserwartung für 2026 von 2,7% auf 3,6% angehoben — der US-Verbraucherpreisindex lag im Mai bei 4,2%
  • Dot Plot dreht auf Erhöhung: Der Median-Leitzins zum Jahresende liegt bei 3,8% — das impliziert eine Zinserhöhung statt der zuvor erwarteten Senkung
  • Nächste Sitzung: 28.–29. Juli 2026 (ohne neue Projektionen)

Wann ist der nächste Fed Zinsentscheid?

Die nächste FOMC-Sitzung findet am 28. und 29. Juli 2026 statt. Bei dieser Sitzung werden keine neuen Wirtschaftsprojektionen veröffentlicht. Die Veröffentlichung erfolgt am 29. Juli um 20:00 Uhr MESZ, die Pressekonferenz beginnt um 20:30 Uhr MESZ. Die nächste Sitzung mit aktualisiertem Dot Plot und SEP ist am 15.–16. September 2026.

Die nächsten Termine des Fed Zinsentscheids 2026

TerminSEP / Dot Plot
28.–29. Juli 2026Nein
15.–16. September 2026Ja
27.–28. Oktober 2026Nein
8.–9. Dezember 2026Ja
26.–27. Januar 2027Nein
16.–17. März 2027Ja
27.–28. April 2027Nein
8.–9. Juni 2027Ja
27.–28. Juli 2027Nein
14.–15. September 2027Ja
26.–27. Oktober 2027Nein
7.–8. Dezember 2027Ja

Der Zinsentscheid wird jeweils am zweiten Sitzungstag um 20:00 Uhr MESZ veröffentlicht. Etwa drei Wochen später erscheinen die FOMC Minutes. Quelle: federalreserve.gov

Lesetipp: Das CME FedWatch Tool erklärt

Aktueller Fed Zinsentscheid: Juni 2026 — Warshs Premiere

Am 17. Juni 2026 hat die Federal Reserve den Leitzins zum vierten Mal in Folge unverändert bei 3,50–3,75% belassen. Es war die erste Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh, der am 22. Mai vereidigt worden war. Die Abstimmung fiel einstimmig 12:0 aus — ein deutlicher Kontrast zur umstrittenen 8:4-Entscheidung im April.

Warsh krempelt die Fed-Kommunikation um

Warsh kürzte das geldpolitische Statement deutlich und strich die bisherige Forward Guidance. Das Statement enthält keine Hinweise mehr auf künftige Zinssenkungen oder -erhöhungen — die sogenannte „easing bias”-Formulierung, die im April noch drei Gegenstimmen provoziert hatte, ist ersatzlos gestrichen. Warsh kündigte außerdem fünf Task Forces an, die bis Jahresende zentrale Bereiche der Fed überprüfen sollen: Kommunikation, Bilanzpolitik, Datenquellen, Produktivität und Arbeitsmarkt sowie die Ursachen der Inflation.

Besonderes Aufsehen erregte, dass Warsh als erster Fed-Vorsitzender keinen eigenen Dot Plot einreichte. In der Pressekonferenz sagte er: Er halte den Dot Plot in seiner aktuellen Form nicht für hilfreich bei der Gestaltung der Geldpolitik. Die übrigen 18 Teilnehmer reichten ihre Prognosen wie gewohnt ein.

FOMC Pressekonferenz am 17. Juni 2026

Neue Projektionen: Inflation fast doppelt so hoch wie erwartet

Die Summary of Economic Projections vom Juni zeichnen ein dramatisch verändertes Bild gegenüber März. Die Fed erwartet für 2026 jetzt eine PCE-Inflation von 3,6% statt zuvor 2,7%. Die Kern-PCE-Inflation wurde auf 3,3% angehoben. Gleichzeitig senkte die Fed ihre Wachstumsprognose leicht auf 2,2% (von 2,4%) und die Arbeitslosenquote auf 4,3%.

Die Summary of Economic Projections (SEP) ist die vierteljährliche Wirtschaftsprognose der Fed mit Schätzungen zu Inflation, Wachstum, Arbeitslosigkeit und dem erwarteten Zinspfad.

Der Dot Plot hat sich um 180 Grad gedreht: Der Median-Leitzins zum Jahresende liegt bei 3,8% — das entspricht einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Neun von 18 Teilnehmern erwarten den Zins Ende 2026 über dem aktuellen Niveau, sechs davon sogar zwei Erhöhungen. Zinssenkungen werden erst ab 2027 erwartet.

Der Dot Plot ist eine grafische Darstellung der individuellen Zinserwartungen der FOMC-Teilnehmer für die kommenden Jahre. Im Juni 2026 reichten nur 18 von 19 Teilnehmern einen Dot ein — Vorsitzender Kevin Warsh verzichtete bewusst darauf.

Die Ursache für die drastische Revision ist vor allem der Ölpreisschock durch den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus. Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) lag im Mai bei 4,2% — der höchste Stand seit April 2023. Der Arbeitsmarkt bleibt gleichzeitig robust: Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen, deutlich über den Erwartungen.

Marktreaktion: Abverkauf zum Handelsschluss

Die Märkte reagierten zunächst verhalten, drehten dann aber in der letzten Handelsstunde deutlich ins Minus. Der S&P 500 und der Nasdaq erreichten ihre Tagestiefs in den Schlussminuten, als sich die Tragweite des hawkischen Dot Plots durchsetzte. Die kurzfristigen Anleiherenditen stiegen sprunghaft. Der US-Dollar legte kräftig zu, während EUR/USD und der Goldpreis unter Druck gerieten — beide reagieren typisch negativ auf steigende US-Realzinsen. Am Terminmarkt preist das CME FedWatch Tool eine Wahrscheinlichkeit von rund 61% für eine Zinserhöhung im Oktober ein.

Fed Leitzins Verlauf 2025–2026 mit drei Senkungen und vier Zinspausen bei 3,50–3,75 Prozent inklusive erster Sitzung unter Kevin Warsh
Fed Leitzins 2025–2026: Drei Senkungen im Herbst 2025, gefolgt von vier Zinspausen in 2026 (Quelle: Federal Reserve)

Lesetipp: Ölpreisprognose aktuell — WTI & Brent Chartanalyse

Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust

Kompakt erklärt, mit Praxisbeispielen und klaren Einstiegssignalen – kostenlos als PDF.

Diese 10 Chartmuster entscheiden über Gewinn oder Verlust

55-Candlesticks E-Book

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.

Fed Zinsentscheid April 2026

Am 29. April 2026 beließ die Fed den Leitzins bei 3,50–3,75%. Die Abstimmung fiel mit 8 zu 4 Stimmen aus — der stärkste Dissens seit Oktober 1992. Stephen Miran stimmte für eine Senkung, Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan stimmten gegen den „easing bias” im Statement. In seiner letzten Pressekonferenz als Vorsitzender kündigte Jerome Powell an, als Fed-Gouverneur im Board zu bleiben. Am selben Tag bestätigte das Senate Banking Committee Kevin Warshs Nominierung mit 13:11. Die volle Senatsbestätigung folgte am 13. Mai 2026. Miran verließ anschließend den Fed-Vorstand, um Warsh Platz zu machen.

FOMC-Abstimmung April 2026 mit 8 zu 4 Stimmen – vier Gegenstimmen erstmals seit Oktober 1992
FOMC-Abstimmung April 2026: Der Dissens von 8:4 löste sich im Juni unter Warsh zu einem einstimmigen 12:0 auf (Quelle: Federal Reserve)

Fed Zinsentscheid Prognose 2026: Kommt eine Zinserhöhung?

Die Diskussion hat sich seit Juni grundlegend verändert: Statt „wann kommt die nächste Senkung?” lautet die Frage jetzt „kommt eine Zinserhöhung?

Der neue Dot Plot signalisiert eine Erhöhung auf 3,8% zum Jahresende. Die Futures-Märkte preisen eine rund 61-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung im Oktober ein. Entscheidend werden die Inflationsdaten der kommenden Monate: Bleibt der CPI über 4%, steigt der Druck auf die Fed, tatsächlich zu erhöhen. Fällt der Ölpreis durch eine Entspannung an der Straße von Hormus deutlich, könnte sich das Bild wieder drehen.

Warsh selbst hielt sich in der Pressekonferenz bewusst zurück und betonte die Datenlage als Entscheidungsgrundlage. Er bekräftigte das 2%-Inflationsziel und sagte, eine Überprüfung dieses Ziels komme erst in Frage, wenn es wieder erreicht sei. Gleichzeitig warnte Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan öffentlich, dass „später in diesem Jahr höhere Zinssätze erforderlich sein könnten”.

Die europäische Seite der Zinsentwicklung mit Chartanalyse der Bundesanleihe-Rendite findest Du in unserer Zinsprognose 2026.

Mehrere Faktoren sprechen aktuell für eine straffere Geldpolitik:

  • CPI bei 4,2% im Mai — höchster Stand seit April 2023
  • PCE-Inflation von der Fed auf 3,6% für 2026 angehoben (zuvor 2,7%)
  • Der Arbeitsmarkt bleibt mit 172.000 neuen Stellen im Mai überraschend robust
  • Die Zollpolitik der US-Regierung treibt die Verbraucherpreise zusätzlich
  • Warsh hat als neuer Fed-Chef noch keine klare geldpolitische Linie erkennen lassen

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt die Iran-Diplomatie. Am 15. Juni vereinbarten die USA und der Iran ein vorläufiges 14-Punkte-Abkommen zur Öffnung der Straße von Hormus — die formelle Unterzeichnung steht für Freitag an. Sollte der Ölpreis dadurch deutlich fallen, könnte der Inflationsdruck nachlassen und die Erhöhungs-Erwartung kippen.

Fed Dot Plot Juni 2026 zeigt Median-Zinspfad von 3,75% auf 3,8% Ende 2026 — erstmals signalisiert der Dot Plot eine Zinserhöhung statt einer Senkung
Fed Dot Plot Juni 2026: Der Median-Zinspfad signalisiert erstmals eine Erhöhung auf 3,8% — 9 von 18 Teilnehmern erwarten höhere Zinsen, Vorsitzender Warsh reichte keinen eigenen Dot ein (Quelle: Federal Reserve SEP)

13 Trading-Indikatoren, die du kennen musst

19-Indikatoren E-Book

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.

Das sind die wichtigsten Indikatoren für erfolgreiche Trader!

Hole dir jetzt das kostenlose E-Book und lerne, worauf es wirklich ankommt.

19-Indikatoren E-Book

Wir achten den Datenschutz. Austragung problemlos möglich.

Was ist der Fed Zinsentscheid?

Der Fed Zinsentscheid ist die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve über den Zielbereich der Federal Funds Rate — den Leitzins, zu dem sich amerikanische Banken über Nacht gegenseitig Geld leihen.

Das Bild zeigt das Gebäude der Federal Reserve - hier wird der Zinsentscheid beschlossen.
Gebäude der Federal Reserve in der USA

Das Federal Open Market Committee (FOMC) trifft diese Entscheidung achtmal im Jahr. Das Gremium besteht aus zwölf stimmberechtigten Mitgliedern: den sieben Mitgliedern des Board of Governors, dem Präsidenten der Federal Reserve Bank von New York und vier der übrigen elf regionalen Notenbankpräsidenten, die im Rotationsverfahren abstimmen.

Das Federal Open Market Committee (FOMC) ist das geldpolitische Entscheidungsgremium der US-Notenbank, das über die Höhe des Leitzinses und die Ausrichtung der Geldpolitik abstimmt.

Die Fed verfolgt ein duales Mandat: maximale Beschäftigung und stabile Preise. Durch Anhebung oder Senkung des Leitzinses steuert sie die Kreditkosten in der gesamten Wirtschaft. Höhere Zinsen verteuern Kredite und bremsen die Nachfrage, niedrigere Zinsen machen Geld billiger und stimulieren Konsum und Investitionen.

Die Federal Funds Rate ist der Leitzins der Fed — der Zinssatz, zu dem Banken sich über Nacht gegenseitig Geld leihen.

Der Zinsentscheid wird jeweils am zweiten Sitzungstag um 20:00 Uhr MESZ (14:00 Uhr Eastern Time) in einem geldpolitischen Statement veröffentlicht. Unmittelbar danach, um 20:30 Uhr MESZ, gibt der Fed-Vorsitzende eine Pressekonferenz. Bei vier der acht Sitzungen veröffentlicht die Fed zusätzlich ihre Wirtschaftsprognosen (Summary of Economic Projections) inklusive des Dot Plots. Etwa drei Wochen nach jeder Sitzung erscheinen die FOMC Minutes — das detaillierte Sitzungsprotokoll, das von Tradern genau analysiert wird.

Wie funktioniert der Fed Zinsentscheid?

Die Federal Reserve ist die Zentralbank der Vereinigten Staaten und steuert die Geldpolitik der größten Volkswirtschaft der Welt.

Der Prozess folgt einem festen Ablauf. In den Wochen vor jeder Sitzung analysiert die Fed eine Vielzahl von Wirtschaftsindikatoren: Arbeitsmarktdaten (Non-Farm Payrolls), Inflationsdaten (CPI, PPI, PCE), BIP-Wachstum, Konsumausgaben und die Lage an den Finanzmärkten. Auf Basis dieser Daten erstellen die FOMC-Mitglieder ihre individuellen Einschätzungen. Detaillierte Informationen zur Geldpolitik veröffentlicht die Fed auf ihrer offiziellen Website.

In der sogenannten Blackout Period — etwa zehn Tage vor der Sitzung — dürfen FOMC-Mitglieder keine öffentlichen Kommentare zur Geldpolitik abgeben. Für Trader ist das relevant, weil in dieser Phase das Handelsvolumen typischerweise sinkt und die Volatilität vor dem Zinsentscheid steigt. Wer den Zinsentscheid aktiv handeln will, findet in unserem Überblick zu Trading-Strategien passende Ansätze — insbesondere im Bereich News Trading.

Die zweitägige Sitzung selbst findet in Washington statt. Am ersten Tag werden die wirtschaftliche Lage und die Risiken diskutiert, am zweiten Tag wird abgestimmt. Das Ergebnis wird um 20:00 Uhr MESZ in einem kurzen geldpolitischen Statement veröffentlicht. In der anschließenden Pressekonferenz um 20:30 Uhr MESZ erläutert der Vorsitzende die Entscheidung und beantwortet Fragen der Presse.

Bei vier Sitzungen im Jahr (März, Juni, September, Dezember) veröffentlicht die Fed zusätzlich die Summary of Economic Projections mit dem Dot Plot. Diese Sitzungen gelten als besonders marktrelevant, weil sie den erwarteten Zinspfad für die kommenden Jahre abbilden. Etwa drei Wochen nach jeder Sitzung erscheinen die FOMC Minutes — das detaillierte Sitzungsprotokoll, das häufig zusätzliche Marktbewegungen auslöst.

Historischer Verlauf der Federal Funds Rate von 1954 bis 2026 mit Zinshochs über 19 Prozent in den 1980er Jahren und dem aktuellen Niveau bei 3,50 bis 3,75 Prozent
Federal Funds Rate im historischen Verlauf seit 1954: Der aktuelle Leitzins von 3,50–3,75% liegt nahe am langfristigen Durchschnitt (Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis, FRED)

Wie beeinflusst der Fed Zinsentscheid die Märkte?

Der Fed Zinsentscheid hat weitreichende Auswirkungen — sowohl auf die US-Wirtschaft als auch auf die globalen Finanzmärkte. Wer die Zusammenhänge zwischen Geldpolitik und Kursbewegungen von Grund auf verstehen will, findet in unserem Guide zum Traden lernen einen umfassenden Einstieg. Für erfahrene Trader sind vor allem vier Kanäle relevant.

Kreditkosten und Konsum

Der Leitzins bestimmt die Basis für alle kurzfristigen Zinssätze in der US-Wirtschaft. Steigt er, werden Kredite für Unternehmen und Verbraucher teurer — Konsum und Investitionen gehen zurück. Fällt er, wird Geld billiger, was die Wirtschaft stimuliert. Dieser Mechanismus ist der wichtigste Transmissionskanal der Geldpolitik.

Aktienmärkte

Zinssenkungen machen Aktien tendenziell attraktiver, weil Anleiherenditen sinken und die Risikoprämie für Aktien steigt. Zinserhöhungen wirken umgekehrt: Anleihen werden als Alternative zu Aktien attraktiver, Bewertungsniveaus geraten unter Druck. Besonders zinsempfindlich reagieren Wachstums- und Technologieaktien, wie der Abverkauf am Tag des Juni-Zinsentscheids zeigte.

US-Dollar und Wechselkurse

Höhere US-Zinsen ziehen internationales Kapital an und stärken den US-Dollar. Das drückt den EUR/USD-Kurs und verteuert für europäische Anleger den Kauf von US-Assets. Umgekehrt kann eine Zinssenkung den Dollar schwächen — was wiederum den Goldpreis stützt, der traditionell invers zum Dollar korreliert.

Anleihenmarkt und Renditen

Die Fed-Politik beeinflusst direkt die Renditen von US-Staatsanleihen. Die Rendite der 10-jährigen Treasury gilt als globaler Referenzzins und wirkt sich auf Hypothekenzinsen, Unternehmensanleihen und die Finanzierungskosten der US-Regierung aus.

Die Zinsentscheidungen der Fed wirken sich nicht nur auf die Finanzmärkte aus, sondern auch auf die Zinsen für Sparanlagen und Kredite. Steigende US-Zinsen erhöhen tendenziell das globale Zinsniveau — auch in Europa. Wer sein Kapital abseits der Börse parken will, findet in unserem Festgeld Vergleich aktuelle Zinssätze und Anbieter.

peter zöller

Fed Zinsentscheid und EZB — die Unterschiede

Für Trader in der DACH-Region ist der Vergleich zwischen Fed und EZB besonders relevant, weil beide Notenbanken die wichtigsten Währungen beeinflussen und ihre Entscheidungen direkt auf den EUR/USD-Wechselkurs wirken.

Die Fed steuert die Geldpolitik mit einem einzigen Leitzins — der Federal Funds Rate. Die EZB arbeitet mit drei Leitzinsen: Hauptrefinanzierungssatz (aktuell 2,40%), Einlagefazilität (2,25%) und Spitzenrefinanzierungsfazilität (2,65%).

Am 11. Juni 2026 hat die EZB die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben — die erste Zinserhöhung seit Herbst 2023, als Reaktion auf den Iran-bedingten Inflationsanstieg. Damit bewegen sich beide Notenbanken in Richtung strafferer Geldpolitik. Die Zinsdifferenz zwischen Fed (3,75%) und EZB (2,25% Einlagensatz) liegt bei 1,50 Prozentpunkten. Diese Differenz treibt weiterhin Kapitalströme in den Dollar und macht US-Anleihen für europäische Investoren attraktiver. Für europäische Trader wirkt sich die Zinsdifferenz auch auf den DAX aus, da steigende US-Zinsen Kapital aus europäischen Aktien abziehen können.

Beide Notenbanken stehen 2026 vor dem gleichen Dilemma: Der Iran-Krieg und die steigenden Energiepreise treiben die Inflation, während die Wachstumsaussichten sich eintrüben. Ein vorläufiges Abkommen zwischen den USA und dem Iran zur Öffnung der Straße von Hormus wurde am 15. Juni angekündigt — die formelle Unterzeichnung steht aber noch aus.

Mein Fazit zum Fed Zinsentscheid

Der Fed Zinsentscheid vom 17. Juni 2026 markiert eine Zäsur: Der neue Vorsitzende Kevin Warsh hat bei seinem Debüt die Fed-Kommunikation radikal umgebaut — kürzeres Statement, keine Forward Guidance, kein eigener Dot, fünf Task Forces. Die Ära Powell ist endgültig vorbei.

Inhaltlich hat sich die Lage dramatisch verschoben. Die Inflationsprognose der Fed ist von 2,7% auf 3,6% gestiegen, der Dot Plot signalisiert erstmals eine Zinserhöhung statt einer Senkung. Für Forex-Trader war die Marktreaktion am Mittwochabend ein klares Signal: Dollar stärker, Euro und Gold unter Druck, Aktien zum Handelsschluss auf Tagestief.

Für meine eigene Trading-Praxis verschieben sich die Koordinaten. Der Ölpreis bleibt der dominante Faktor — aber jetzt kommt die konkrete Möglichkeit einer Zinserhöhung hinzu, die die Märkte bis Oktober beschäftigen wird. Wer den Fed Zinsentscheid als Trader nutzen will, sollte die FOMC-Termine fest in seinen Trading-Plan aufnehmen. Besonders die September-Sitzung (15.–16. September) mit neuen Projektionen wird zeigen, ob die Fed tatsächlich erhöht oder die Erhöhungs-Erwartung wieder kippt.

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt die Iran-Diplomatie. Das vorläufige Abkommen vom 15. Juni könnte den Ölpreis drücken und damit die Inflationserwartungen drehen. Trump warnte am selben Tag allerdings, die USA könnten sofort zurück zum militärischen Vorgehen übergehen, falls ihm das Abkommen nicht gefalle. Solange diese Unsicherheit besteht, bleibt die Volatilität an den Zinsmärkten hoch.

Häufige Fragen zum Fed Zinsentscheid

Was ist der Fed Zinsentscheid?

Der Fed Zinsentscheid ist die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve über den Leitzins (Federal Funds Rate). Das FOMC trifft diese Entscheidung achtmal im Jahr und legt damit fest, zu welchem Zinssatz sich amerikanische Banken über Nacht Geld leihen können. Die Entscheidung hat weitreichende Auswirkungen auf die Finanzmärkte, Kreditzinsen und den Wert des US-Dollars.

Um wie viel Uhr wird der Fed Zinsentscheid veröffentlicht?

Der Zinsentscheid wird um 20:00 Uhr MESZ (14:00 Uhr Eastern Time) in einem geldpolitischen Statement veröffentlicht. Die anschließende Pressekonferenz des Fed-Vorsitzenden beginnt um 20:30 Uhr MESZ. Hinweis: Aufgrund der unterschiedlichen Zeitumstellung zwischen Deutschland und den USA kann der Termin um eine Stunde abweichen.

Wie oft findet der Fed Zinsentscheid statt?

Das FOMC tagt achtmal im Jahr, jeweils an zwei aufeinanderfolgenden Tagen (Dienstag/Mittwoch). Bei vier dieser Sitzungen (März, Juni, September, Dezember) veröffentlicht die Fed zusätzlich ihre Wirtschaftsprojektionen und den Dot Plot. Die genauen Termine werden vorab auf der Website der Federal Reserve veröffentlicht.

Wann ist der nächste Fed Zinsentscheid?

Die nächste FOMC-Sitzung findet am 28.–29. Juli 2026 statt. Bei dieser Sitzung werden keine neuen Wirtschaftsprojektionen veröffentlicht. Die nächste Sitzung mit aktualisiertem Dot Plot und SEP ist am 15.–16. September 2026.

Was ist der Unterschied zwischen Fed und EZB?

Die Fed steuert die US-Geldpolitik mit einem einzigen Leitzins (Federal Funds Rate, aktuell 3,50–3,75%). Die EZB arbeitet mit drei Leitzinsen für die Eurozone (Einlagensatz aktuell 2,25%). Beide Notenbanken haben 2026 auf den Iran-bedingten Inflationsanstieg reagiert — die EZB mit einer Zinserhöhung im Juni, die Fed mit einem hawkischen Signal im Dot Plot.

Was bedeutet der Dot Plot der Fed?

Der Dot Plot zeigt die individuellen Zinserwartungen der FOMC-Teilnehmer als Punkte auf einer Grafik. Jeder Punkt repräsentiert die Prognose eines Mitglieds für den Leitzins zum Jahresende. Im Juni 2026 reichten nur 18 von 19 Teilnehmern einen Dot ein — der neue Vorsitzende Kevin Warsh verzichtete bewusst darauf. Der Median aller Punkte gilt als wichtigster Orientierungswert für den erwarteten Zinspfad.

Was ist die Blackout Period vor dem Fed Zinsentscheid?

Die Blackout Period beginnt etwa zehn Tage vor jeder FOMC-Sitzung. In dieser Phase dürfen FOMC-Mitglieder keine öffentlichen Kommentare zur Geldpolitik abgeben. Für Trader ist das relevant, weil in dieser Zeit das Handelsvolumen typischerweise sinkt und sich die Marktteilnehmer auf den Zinsentscheid vorbereiten. Nach dem Zinsentscheid endet die Blackout Period automatisch.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 aktiv an den Finanzmärkten. Sein Schwerpunkt liegt auf Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten, die er als diskretionärer Price-Action-Trader analysiert. Als langjähriger Vertreter von Joe Ross in Deutschland übersetzte und veröffentlichte er alle zehn Ross-Bücher und brachte in den späten 1980er Jahren die Elliott-Wellen-Literatur von Robert Prechter erstmals auf Deutsch heraus.

Seit 1996 handelt Karsten über Interactive Brokers und verfolgt die Zinsentscheidungen der Federal Reserve seit über vier Jahrzehnten aus der Perspektive eines aktiven Traders. Seine Einschätzungen basieren auf der Kombination von technischer Analyse und der Beobachtung geldpolitischer Rahmenbedingungen — nicht auf akademischen Modellen, sondern auf praktischer Markterfahrung.

Für die Inhalte auf kagels-trading.de gelten strenge redaktionelle Standards: Alle Fakten werden gegen Primärquellen geprüft, Zahlen nur aus offiziellen Quellen übernommen und spekulative Aussagen klar als solche gekennzeichnet. Mehr dazu in unseren redaktionellen Richtlinien.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.