Der Kurs schiebt sich über ein Widerstandsniveau, das seit Wochen hält. Die Kauforder ist ausgelöst, zwei Kerzen später steht der Markt wieder darunter, und der Stop ist weg. Genau diese Situation heißt Fake Out, auf Deutsch Fehlausbruch. Sie kostet Trader mehr Geld als jede andere Standardsituation im Chart.
Fehlausbrüche sind kein Zufall und kein Pech. Sie entstehen an Stellen, an denen viele Stop-Loss-Orders liegen, und sie folgen einem Muster, das sich lesen lässt. Wer die drei Warnsignale kennt, steigt bei einem Teil dieser Ausbrüche gar nicht erst ein: schwaches Volumen, fehlender Kerzenschluss und eine Divergenz im RSI. Wie stark das erste Signal wiegt, zeigt das Tasse-mit-Henkel-Formation: Dort ist der Ausbruch ohne Volumenanstieg der häufigste Fehlausbruch.
Dieser Text zeigt dir, wie Fakeouts entstehen, an welchen Stellen im Chart sie sich häufen und wie du sie mit Volumen, RSI und Candlestick-Mustern vorab filterst. Dazu kommt die Moving Average Fake-out Strategie von Mark Fisher: ein Regelwerk, das den Fehlausbruch nicht meidet, sondern als Einstieg nutzt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Fake Out Trading: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Definition: Ein Fake Out ist ein Ausbruch über eine Unterstützung oder einen Widerstand, der sich nicht hält und in die Gegenrichtung dreht. Im Deutschen heißt er Fehlausbruch oder Scheinausbruch.
- Ursache: Hinter den markanten Hochs und Tiefs liegen gebündelte Stop-Loss-Orders. Größere Marktteilnehmer holen sich dort die Liquidität, die sie für ihre eigenen Positionen brauchen.
- Drei Warnsignale: schwaches Volumen beim Ausbruch, ein Ausbruch nur mit dem Docht statt mit dem Kerzenschluss und eine RSI-Divergenz. Keines ist für sich sicher, gemeinsam filtern sie einen großen Teil der Fehlausbrüche.
- Handelbar statt nur vermeidbar: Kehrt der Kurs hinter das gebrochene Level zurück, entsteht ein Kontra-Setup mit engem Stop hinter dem Fehlausbruchs-Extrem und entsprechend gutem Chance-Risiko-Verhältnis.
- Fertiges Regelwerk: Die Moving Average Fake-out Strategie von Mark Fisher nutzt drei gleitende Durchschnitte über 14, 30 und 50 Perioden, berechnet auf Pivotpunkte statt auf Schlusskurse.
Was ist ein Fakeout? Fehlausbruch einfach erklärt
Ein Fake Out ist ein Kursausbruch über eine Unterstützung oder einen Widerstand, der sich nicht hält und kurz darauf in die entgegengesetzte Richtung dreht.
Von einem Fakeout, auf Deutsch Fehlausbruch, spricht man im Trading, wenn der Kurs kurzzeitig ein wichtiges Support- oder Resistance-Level durchbricht und dann in die entgegengesetzte Richtung dreht. Auf den ersten Blick sieht der Ausbruch echt aus. Die schnelle Umkehr erwischt jeden, der zu früh eingestiegen ist, auf dem falschen Fuß.
Der Vorgang hat mehrere Namen, die dasselbe meinen: Scheinausbruch, False Breakout und im englischen Sprachgebrauch Fake Out. Läuft er nach oben und reißt Käufer mit, heißt er Bullenfalle, nach unten entsprechend Bärenfalle.
Fehlausbrüche treten in jedem Markt auf, egal ob Aktien, Forex, Futures oder Kryptowährungen. Besonders häufig sind sie in volatilen Phasen und rund um Nachrichtenereignisse, wenn der Markt heftig auf neue Informationen reagiert. Wie der geglückte Gegenfall aussieht, zeigt der Ratgeber zum Breakout Trading.
Eine Bullenfalle ist ein Fehlausbruch nach oben, der Käufer anlockt und dann nach unten dreht. Eine Bärenfalle ist dasselbe Muster gespiegelt: ein Bruch nach unten, der Verkäufer anzieht und wieder nach oben läuft.

Ein Beispiel für einen Fakeout findest du im obigen DAX-Chart. Der Kurs bricht unter das Support-Level bei 17.640 und schließt sogar unter dem 200er gleitenden Durchschnitt (SMA). Viele Trader dürften versucht haben, diesen Bruch zu shorten. Statt weiter zu fallen, dreht der Kurs nach oben und kehrt über das alte Support-Level zurück. Diese schnelle Rückkehr ist das eigentliche Erkennungszeichen.
Im oberen Teil des Charts siehst du den Gegenfall: einen tragfähigen Breakout über ein Resistance-Level, gefolgt von einem Retest. Der alte Widerstand hält danach als neue Unterstützung. Ein echter Ausbruch kommt zurück und wird bestätigt, ein Fehlausbruch kommt zurück und läuft durch.
Warum entstehen Fakeouts? Stop-Loss-Hunting erklärt
Stop-Loss-Hunting bezeichnet das gezielte Anlaufen von Kursbereichen, in denen viele Stop-Loss-Orders liegen, um die dort ausgelösten Gegenaufträge als Liquidität für den eigenen Einstieg zu nutzen.
Fakeouts entstehen, wenn der Markt durch ein wichtiges Support- oder Resistance-Level bricht und dabei eine Welle von Stop-Loss-Orders auslöst. Diese Stopps sind Gegenaufträge: Wer long ist und ausgestoppt wird, verkauft. Genau diese erzwungenen Gegenaufträge sind die Liquidität, die ein großer Marktteilnehmer braucht, um eine Position in nennenswerter Größe aufzubauen.
Dasselbe Abgreifen von Liquidität steht meist am Anfang eines Strukturbruchs. Wie du dabei einen belastbaren von einem falschen Market Structure Shift unterscheidest, zeigt der Ratgeber dazu.
Viele Trader nennen das Stop-Loss-Hunting, also das gezielte Anlaufen solcher Liquiditätszonen. Der Preis bricht scheinbar aus, doch statt den Ausbruch fortzusetzen, nutzen größere Adressen die zusätzlichen Orders für ihren eigenen Einstieg. Der Kurs stabilisiert sich und dreht. Wer auf den Ausbruch gesetzt hat, sitzt dann bereits im Verlust.
Umgekehrt gilt dasselbe für die echte Wende. Neun Werkzeuge aus Price Action, Indikatoren und Volumen helfen dabei, eine echte Trendumkehr von der falschen zu unterscheiden. Der Unterschied zwischen Umkehr und Fehlausbruch ist die Frage, ob der Kurs jenseits des Levels Fuß fasst.
Besonders anfällig sind Stellen, an denen vorherige Tiefs oder Hochs abgeräumt werden. Dort liegen die Stopps am dichtesten. Fehlausbrüche häufen sich deshalb an:
- Support- und Resistance-Level, die schon mehrfach gehalten haben. Je öfter ein Level angelaufen wurde, desto mehr Stopps liegen dahinter.
- Trendkanäle und gleitende Durchschnitte. Beide sind bewegliche Linien, an denen viele Trader dieselbe Order platzieren. Wie du eine solche Begrenzung sauber zeichnest, steht im Beitrag zum Trendkanal.
- Klassische Chartmuster mit klarer Ausbruchskante, allen voran das Dreieck und die Kopf-Schulter-Formation. Ihre Nackenlinien und Kanten sind im Chart eindeutig, deshalb liegen die Stopps dort besonders dicht beieinander.
- Ränder einer Handelsspanne. Hoch und Tief einer Range sind die am leichtesten erkennbaren Marken überhaupt, und genau deshalb die am häufigsten abgeräumten.
Im Smart-Money-Vokabular heißt dieses gezielte Abholen der Stops Liquidity Sweep: Der Markt bricht ein markantes Hoch oder Tief, sammelt die dort liegenden Orders ein und dreht. Der Sweep ist die Ursache, der Fehlausbruch das, was du im Chart davon siehst.
Fakeout erkennen: vier Prüfungen vor dem Einstieg
Eine hundertprozentig sichere Methode gibt es nicht. Vier Prüfungen erhöhen die Treffsicherheit aber deutlich, und drei davon kannst du in wenigen Sekunden am Chart abarbeiten.
Volumenanalyse
Ein tragfähiger Ausbruch wird von einem deutlichen Anstieg des Volumens begleitet. Bleibt das Volumen auf Normalniveau, obwohl der Kurs ein wichtiges Level durchbricht, fehlt dem Ausbruch die Beteiligung. Ausbrüche ohne Volumen halten selten. Wie du Volumen im Chart praktisch liest, steht im Beitrag zu Handelsvolumen und Kursbewegungen.
RSI-Divergenz
Eine RSI-Divergenz liegt vor, wenn der Kurs ein neues Hoch oder Tief bildet, der Relative Strength Index diesen Extremwert aber nicht bestätigt.
Der Relative Strength Index (RSI) warnt vor Fakeouts, wenn eine Divergenz vorliegt: Der Preis bildet ein neues Hoch oder Tief, der RSI bestätigt es nicht. Das zeigt nachlassendes Momentum. Der Kurs kommt noch weiter, aber mit immer weniger Kraft dahinter.
Candlestick-Muster
Pin Bars, Doji und Engulfing Candles direkt an einem Schlüsselbereich sind ein starkes Warnsignal. Alle drei zeigen dasselbe: Der Markt war jenseits des Levels und wurde zurückgedrängt. Details zu den einzelnen Formationen findest du beim Pin Bar Setup, beim Doji und beim Engulfing-Muster.
Kerzenschluss statt Docht
Ein Ausbruch gilt erst als bestätigt, wenn eine Kerze jenseits des Levels schließt. Reicht nur der Docht darüber hinaus und der Schlusskurs bleibt innerhalb, ist der Ausbruch gescheitert.
Das ist die schnellste Prüfung von allen und die, die am häufigsten übersprungen wird. Ein Docht über dem Widerstand bedeutet: Der Markt war oben und wurde zurückgedrängt. Genau deshalb warnt die Candlestick-Darstellung hier früher als jeder Indikator, der auf Schlusskursen rechnet.
Praktisch heißt das: nicht auf den Bruch handeln, sondern auf den Schluss. Der Preis dafür ist ein etwas späterer Einstieg. Der Gegenwert ist, dass die reinen Docht-Ausbrüche komplett wegfallen, und das ist der größte Einzelblock unter den Fehlausbrüchen.
Strukturwechsel als Bestätigung
Ein Strukturwechsel liegt vor, wenn der Kurs nach dem gescheiterten Ausbruch das letzte relevante Gegenhoch oder Gegentief bricht.
Die ersten drei Prüfungen warnen, diese bestätigt. Solange der Kurs nur zurückkommt, kann es noch ein normaler Rücksetzer sein. Erst wenn er die letzte Gegenbewegung überschreitet, hat sich die Richtung im Chart tatsächlich gedreht. Wer den Fehlausbruch handeln will, hat hier sein spätestes Signal.
Fakeout traden: Einstieg, Stop und Kursziel
Ein erkannter Fehlausbruch ist nicht nur eine Warnung, sondern ein eigenständiges Setup. Der Reiz liegt in der Geometrie: Das Extrem des gescheiterten Ausbruchs ist ein klar definierter Punkt, hinter den der Stop-Loss passt. Dadurch wird der Risikoteil des Trades klein, während das Ziel auf der gegenüberliegenden Seite der Handelsspanne liegt.
Der Einstieg ist die Rückkehr, nicht der Bruch. Solange der Kurs außerhalb des Levels steht, ist der Ausbruch noch intakt. Erst wenn eine Kerze wieder innerhalb der alten Spanne schließt, ist der Ausbruch gescheitert. Dieser Schlusskurs ist das Signal, nicht das kurze Zurückschnappen darunter.
Der Stop gehört hinter das Extrem des Fehlausbruchs, also über das Fake-Hoch beim Short und unter das Fake-Tief beim Long. Ein paar Punkte Abstand sind Pflicht: Genau auf dem Extrem liegt die nächste Liquiditätsschicht, und die wird gern ein zweites Mal abgeholt. Wie viel Abstand sinnvoll ist, hängt an der Schwankungsbreite des Marktes, nicht an der gewünschten Positionsgröße.
Das Kursziel ergibt sich aus der Struktur, die der Ausbruch verlassen wollte. Bei einer Range ist das die Gegenseite, bei einer Trendlinie der letzte relevante Schwungpunkt. Weil der Stop eng liegt und das Ziel weiter entfernt, entsteht hier oft ein Chance-Risiko-Verhältnis jenseits von 1:2. Wie du dieses Verhältnis sauber berechnest, statt es aus dem Wunschgewinn rückzurechnen, steht im Ratgeber zum Chance-Risiko-Verhältnis.
Die Grenze dieses Setups gehört dazu: Fehlausbrüche in einer engen, richtungslosen Seitwärtsphase produzieren Signale in beide Richtungen, und die Trefferquote fällt spürbar. Das Setup lebt von markanten Leveln mit Vorgeschichte, nicht von jeder kleinen Spanne im Fünf-Minuten-Chart.
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Moving Average Fake-out: die Strategie von Mark Fisher
Mark Fisher hat in seinem Buch The Logical Trader das Tradingsetup Moving Average Fake-out eingeführt. Es verwendet gleitende Durchschnitte, um vorgetäuschte Kursbewegungen gegen den Trend zu erkennen und als Einstieg zu nutzen.
Nach Fishers Darstellung lässt sich der Ansatz auf zwei Arten einsetzen: für eine einzelne Tradingposition oder als Richtungsfilter für die gesamte Handelsentscheidung.
Die gleitenden Durchschnitte dieser Strategie basieren nicht auf Schlusskursen. Sie verwenden stattdessen den Pivotpunkt jedes Kursstabes, also einen Mittelwert aus Hoch, Tief und Schluss.
Pivotpunkt = (Hoch + Tief + Schlusskurs) / 3
Tradingregeln für den Gleitenden Durchschnitt Fake-out
Longposition Fake-out
- Alle drei gleitenden Durchschnitte steigen: die einfachen SMAs über 14, 30 und 50 Perioden, berechnet auf den Pivotpunkt.
- Rücksetzer zum 14-Perioden-SMA, ohne dass der Kurs den 30-Perioden-SMA unterschreitet.
- Einstieg über dem Signalhoch: Die Longposition wird eröffnet, sobald die Kurse über das tiefste vorangegangene Hoch steigen, das über dem 14-Perioden-SMA liegt.
Shortposition Fake-out
- Alle drei gleitenden Durchschnitte fallen: die einfachen SMAs über 14, 30 und 50 Perioden, berechnet auf den Pivotpunkt.
- Rücksetzer zum 14-Perioden-SMA, ohne dass der Kurs den 30-Perioden-SMA überschreitet.
- Einstieg unter dem Signaltief: Die Shortposition wird eröffnet, sobald die Kurse unter das höchste vorangegangene Tief fallen, das unter dem 14-Perioden-SMA liegt.
Lesetipp: Der 50 GD: Erklärung und Beispiele
Trading Beispiele für den Gleitenden Durchschnitt Fake-out
Gewinntrade: bullisches Setup

Der Chart zeigt die AON Corporation im Tageschart, notiert an der NYSE. Die Farbe der gleitenden Durchschnitte gibt jeweils deren Richtung an.
Alle drei gleitenden Durchschnitte weisen nach oben, und die Kurse notieren darüber. Eine seitwärts verlaufende Pause am 14-Perioden-SMA ergibt das Fake-out-Setup.
Die Buy Stop Order liegt über dem Hoch des ersten Kursstabes, der den 14-Perioden-SMA austestet. Sie wird am Folgetag ausgelöst und führt in einen längeren Aufwärtstrend.
Der Kursstab des Setups hatte einen langen unteren Schatten, ein Zeichen für Käufer am gleitenden Durchschnitt. Am Folgetag bestätigte ein bullischer Outside Bar diese Unterstützung. Zwei unabhängige Hinweise auf dieselbe Aussage sind mehr wert als ein einzelnes Signal.
Verlusttrade: bullisches Setup

Dieser Chart zeigt den Korea Composite Stock Price Index (KOSPI), der alle an der Korea Exchange notierten Aktien umfasst.
Die drei gleitenden Durchschnitte sind nach oben gerichtet und bestätigen die bullische Price Action. Danach folgt ein Pullback zum 14-Perioden-SMA. Zwei Tage lang überlagern die Kurse diesen Durchschnitt, bevor sie mit einer Kurslücke nach oben abheben und die Kauforder auslösen. Die blaue Waagerechte markiert den Einstiegskurs.
Die Bewegung lief sofort gegen die Position. Wenige Tage später erzwang eine ausgeprägte Kurslücke nach unten den Ausstieg mit Verlust.
Das Setup war trotzdem begründet. Der erste Kursstab am 14-Perioden-SMA war ein bullischer Umkehrkursstab. Der bärische Inside Bar danach war der zweite gescheiterte Versuch, die Kurse nach unten zu drücken. Beides sprach für Käufer.
Lesetipp: Mehr zu Reversal Bar und Inside Bar als Price Action Einstiegsmuster, mit konkreten Regeln und Chartbeispielen.
Beunruhigend war der extreme Aufwärtsschub vor dem Pullback. Solche Übertreibungen enden entweder in einer Trendwende oder in zäher, richtungsloser Price Action. Die drei Kursstäbe nach dem Einstieg eröffneten jeweils mit einer Kurslücke nach oben und schlossen unter der Eröffnung. Das ist Verkaufsdruck, und es war das Signal, vor der großen Abwärtslücke auszusteigen.
5 häufige Fehler beim Traden von Breakouts und Fakeouts
- Zu viele Trades pro Breakout: Denselben vermeintlichen Ausbruch mehrfach zu handeln, verdoppelt den Verlust, ohne die Wahrscheinlichkeit zu verbessern. Begrenze die Versuche pro Level auf einen, höchstens zwei.
- Zu eng gesetzte Stop-Losses: Viele Trader legen ihre Stop-Losses direkt an Key-Levels wie Unterstützung oder Widerstand. Genau dort werden sie vom Fehlausbruch eingesammelt, bevor der Kurs in die erwartete Richtung läuft.
- Nicht auf den Kerzenschluss warten: Erst der Schlusskurs jenseits des Levels zählt, nicht der Docht. Noch sicherer ist ein Retest des Levels. Der Preis dafür sind die Ausbrüche, die ohne Rücksetzer durchlaufen.
- Nachrichten ignorieren: Rund um Konjunkturdaten und Zinsentscheide läuft der Kurs durch jedes technische Level. Ein Fehlausbruchs-Setup hat gegen den Nachrichtenimpuls keine Grundlage.
- Mangelndes Risikomanagement: Fakeouts sind volatil, und ohne Stop-Loss-Order wird aus einem kalkulierten Verlust schnell ein großer. Die Grundregeln dazu stehen im Ratgeber zum Risikomanagement.
Vor- und Nachteile beim Handel von Fehlausbrüchen
Fehlausbrüche als Setup zu handeln hat einen klaren mechanischen Vorteil und einen ebenso klaren psychologischen Preis. Beides gehört nebeneinander, bevor du das Muster in deinen Handelsplan aufnimmst.
Vorteile beim Handel von Fehlausbrüchen
- Eng definierter Stop: Das Extrem des gescheiterten Ausbruchs ist ein harter Punkt im Chart, kein geschätzter Abstand. Der Risikoteil des Trades ist damit vor dem Einstieg bekannt.
- Gutes Chance-Risiko-Verhältnis: Enger Stop und ein Ziel auf der Gegenseite der Handelsspanne ergeben häufig ein Verhältnis jenseits von 1:2.
- Handel gegen die Masse: Die ausgestoppten Ausbruchskäufer werden zu erzwungenen Gegenparteien. Ihre Glattstellungen treiben die Bewegung, in die du eingestiegen bist.
- Marktübergreifend gültig: Das Muster funktioniert in Aktien, Forex, Futures und Kryptowährungen gleichermaßen, weil überall Stopps an denselben markanten Stellen liegen.
Nachteile beim Handel von Fehlausbrüchen
- Der Einstieg fühlt sich falsch an: Du kaufst, während der Chart eben noch nach unten gebrochen ist. Wer auf Bestätigung durch die Bewegung wartet, kommt zu spät und zahlt den weiten Stop.
- Zweiter Anlauf ist häufig: Dasselbe Extrem wird oft ein zweites Mal angelaufen. Ein Stop direkt am Fehlausbruchs-Hoch wird dabei mitgenommen, obwohl die Richtung stimmte.
- Untauglich in engen Seitwärtsphasen: Ohne markantes Level mit Vorgeschichte entstehen Signale in beide Richtungen. Die Trefferquote fällt dort deutlich.
- Nachrichten hebeln die Technik aus: Bei Zinsentscheiden oder Konjunkturdaten läuft der Kurs durch jedes Level. Ein technischer Fehlausbruchs-Trade hat gegen den Nachrichtenimpuls keine Grundlage.
Fazit zur Strategie des Gleitenden Durchschnitt Fake-out
Das Fake-out-Setup mit drei gleitenden Durchschnitten ist im Kern eine Pullback-Tradingstrategie. Mehrere gleitende Durchschnitte sind normalerweise unnötig, und mehr davon macht ein System nicht besser.
Drei sind allerdings noch handhabbar, und die Perioden 14, 30 und 50 liegen alle im mittleren Bereich. Sie reagieren schnell genug, um brauchbar zu sein, und träge genug, um eine Richtungsaussage zu tragen.
Ein sehr kurzer gleitender Durchschnitt klebt am Kurs und erschwert die Beobachtung der Price Action eher, als dass er hilft. Ein sehr langer hinkt hinterher und filtert Konsolidierungen praktisch gar nicht heraus. Der mittlere Bereich ist der brauchbare Kompromiss.
Wer sich auf die Ausrichtung dieser mittleren Durchschnitte konzentriert und nicht auf jede Kreuzung, hat mit Fishers Zusammenstellung ein sauber definiertes Regelwerk.
Der KOSPI-Chart oben zeigt das gut. Trotz des Verlusttrades haben die gleitenden Durchschnitte danach vor der Seitwärtsphase bewahrt: Ihre Ausrichtung sprach schlicht nicht mehr für einen Einstieg. Ein Filter, der Trades verhindert, ist auch ein Ergebnis.
Das auffälligste Merkmal von Fishers Setup ist die Verwendung von Pivotpunkten statt Schlusskursen. Im Tageschart macht das kaum einen Unterschied, außer einer leichten Glättung. Der Schlusskurs ist dort sogar die wichtigere Größe, weil die meisten Marktteilnehmer zum Sitzungsende ihre Entscheidung treffen.
Anders sieht es bei Intraday-Charts aus, vor allem bei den nicht zeitbasierten Charts. Tick- und Volumencharts haben beliebige Schlusskurse, weil ihre Balken nicht nach der Uhr enden. Dort ist der Pivotpunkt die stabilere Grundlage.
Fisher selbst empfiehlt die Fake-out-Methode als Ergänzung zu anderen Strategien, nicht als eigenständiges Handelssystem. Genau so würde ich sie auch einsetzen: als zusätzlichen Filter für Einstiege, die ich ohnehin am Chart im Blick habe.
Lesen: The Logical Trader
Quelle: Teile dieses Artikels wurden im Original von Galen Woods veröffentlicht: Moving Average Fake-Out. Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud.
FAQ zum Fake Out Trading
Was ist ein Fake Out im Trading?
Ein Fakeout (oder Fehlausbruch) entsteht, wenn der Kurs kurzzeitig ein wichtiges Support- oder Resistance-Level durchbricht, dann aber schnell wieder in die Gegenrichtung dreht. Trader, die auf den vermeintlichen Ausbruch gesetzt haben, werden auf dem falschen Fuß erwischt. Fakeouts treten in allen Märkten auf: Aktien, Forex, Futures und Krypto.
Wie erkenne ich einen Fakeout?
Drei Werkzeuge helfen besonders zuverlässig: Volumenanalyse (echte Ausbrüche haben hohes Volumen, fehlt es, ist Vorsicht geboten), RSI-Divergenz (Preis macht ein neues Hoch/Tief, RSI bestätigt es nicht) und Candlestick-Muster wie Pin Bars, Doji oder Engulfing Candles nahe wichtiger Kursmarken. Keines dieser Signale ist perfekt, aber in Kombination steigt die Treffsicherheit deutlich.
Was ist Stop-Loss-Hunting und wie hängt es mit Fakeouts zusammen?
Stop-Loss-Hunting bezeichnet das gezielte Anlaufen von Kursleveln, an denen viele Stop-Loss-Orders liegen. Größere Marktteilnehmer nutzen die dadurch entstehende Liquidität, um eigene Positionen aufzubauen. Das führt dazu, dass der Preis nach dem scheinbaren Ausbruch schnell wieder umkehrt. Fakeouts sind oft das Resultat dieses Mechanismus.
Was ist die Moving Average Fake-out Strategie?
Die Moving Average Fake-out Strategie geht auf Mark Fisher zurück. Sie nutzt vorgetäuschte Kursbewegungen gegen einen gleitenden Durchschnitt gezielt als Einstiegssignal: Bricht der Kurs kurz unter (oder über) einen Moving Average und kehrt danach schnell zurück, wird dieser Fehlausbruch als Kontra-Trend-Trade gehandelt, mit klar definierten Ein- und Ausstiegsregeln.
Lassen sich Fakeouts vollständig vermeiden?
Nein, Fakeouts sind unvermeidbar. Kein Trader kann sie zu 100 % ausschließen. Was du tun kannst: durch Backtesting herausfinden, bei welchen Setups Fakeouts besonders häufig auftreten, klare Einstiegsregeln definieren und Bestätigungssignale (Volumen, RSI, Candlesticks) einfordern, bevor du eine Position eröffnest.
Wie kann ich Fakeouts profitabel handeln?
Wer Fakeouts erkennt, kann sie aktiv als Kontra-Trend-Setup handeln: Wartest du ab, bis der vermeintliche Ausbruch scheitert und der Kurs wieder über das gebrochene Level zurückkehrt, steigst du in Richtung der ursprünglichen Bewegung ein. Die Moving Average Fake-out Strategie bietet dafür einen konkreten Regelrahmen, inklusive Stop-Loss-Platzierung und Kursziel.
In welchen Märkten kommen Fakeouts besonders häufig vor?
Fakeouts treten in allen liquiden Märkten auf. Besonders häufig sind sie im Forex-Markt, im Futures-Handel (z. B. DAX, S&P 500) und bei Kryptowährungen, also überall dort, wo volatile Phasen und Nachrichtenereignisse für schnelle Kursbewegungen sorgen.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading. Er handelt seit 1978 diskretionär nach Price Action, überwiegend in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten.
Ende der 1980er übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für dieses Thema qualifiziert ihn die tägliche Arbeit an Unterstützungen und Widerständen: Fehlausbrüche sind die Standardsituation, an der sich diskretionäres Lesen des Charts von mechanischem Ausbruchshandel trennt. Die hier gezeigten Chartbeispiele stammen aus seiner eigenen Marktbeobachtung im DAX.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.











