Vorgetäuschte Kursbewegungen gegen den Trend mit Gleitenden Durchschnitten erkennen

Mark Fischer hat in seinem Buch The Logical Trader das Tradingsetup „Moving Average Fake-out“ eingeführt. Diese Tradingstrategie verwendet gleitende Durchschnitte, um vorgetäuschte Kursbewegungen gegen den Trend zu erkennen, die er „Fake-outs“ nennt.

Wie Mark Fisher erwähnt, kann dieser Ansatz für eine Tradingposition oder eine Tradingtendenz genutzt werden.

Die gleitenden Durchschnitte  (Moving Average, engl. MA) dieser Strategie basieren nicht auf Schlusskursen, sondern verwenden den Durchschnitt eines Pivotpunktes (repräsentativer Kurs) pro Kursstab.

Pivotpunkt = (Hoch + Tief + Schlusskurs) / 3

Tradingregeln für den Gleitenden Durchschnitt Fake-out

Longposition Fake-out

  1. Alle drei einfachen gleitenden Durchschnitte (SMAs) des Pivotpunktes sind nach oben gerichtet, also ansteigend (14-Perioden, 30-Perioden, 50-Perioden).
  2. Pullback (Rücksetzer) nach unten zum 14-Perioden SMA, ohne den 30-Perioden SMA zu unterschreiten.
  3. Longposition eröffnen, sobald die Kurse über das tiefste vorangegangenae Hoch steigen, welches sich über dem 14-Perioden SMA befindet.

Shortposition Fake-out

  1. Alle drei einfachen gleitenden Durchschnitte (SMAs) des Pivotpunktes sind nach unten gerichtet, also absteigend (14-Perioden, 30-Perioden, 50-Perioden).
  2. Pullback (Rücksetzer) nach oben zum 14-Perioden SMA, ohne den 30-Perioden SMA zu überschreiten.
  3.  Shortposition eröffnen, sobald die Kurse unter das höchste vorangegangene Tief fallen, welches sich unter dem 14-Perioden SMA befindet.

Trading Beispiele für den Gleitenden Durchschnitt Fake-out

Gewinntrade – bullisches Setup

Gleitender Durchschnitt Fake-Out AON Tageschart

Bullische Gleitende Durchschnitte (MAs) des Pivotpunkte | Rücksetzer zum 14-Tage SMA | Long gehen, als das vorherige Tageshoch genommen wird.

Dies ist ein Tageschart von AON Corporation, notiert an der NYSE. Die Farbe der gleitenden Durchschnitte veranschaulicht deren Richtung.

Die Neigungsrichtung bzw. die Ausrichtung der drei gleitenden Durchschnitte weist nach oben, und die Kurse steigen weiterhin über die gleitenden Durchschnitte. Eine seitwärts verlaufende Kursbewegung zum 14-Perioden gleitenden Durchschnitt ergab ein Fake-out-Setup.

Wir platzieren eine Buy Stop Order über dem Hoch des ersten Kursstabes, der den 14-Perioden gleitenden Durchschnitt austestete. Die Order der AON-Aktie wurde am folgenden Tag ausgelöst, was uns in einen längeren Aufwärtstrend brachte.

Der Candlestick des Trade Setups, der den 14-Perioden gleitenden Durchschnitt austestete, wies einen langen unteren Schatten auf. Das war ein Anzeichen für eine bullische Unterstützung nach dem Fake-out des gleitenden Durchschnitts. Am darauf folgenden Tag erschien ein bullischer Outside-Kursbalken (Outside Bar), was die Unterstützung am gleitenden Durchschnitt bestätigte.

Verlusttrade – bullisches Setup

Gleitender Durchschnitt Fake-Out - Verlusttrade Kospi Tageschart

Gleitende Durchschnitte (MAs) bestätigen Aufwärtsbewegung. | Rücksetzer zum 14-Perioden Gleitenden Durchschnitt. | Der Handel eröffnet mit einer Aufwärtskurslücke über dem Hoch des Vortages und Kaufstop-Aufträge werden ausgeführt.

Das ist ein Chart des Korea Composite Stock Price Index (KOSPI), der alle Aktien enthält, die im Bereich des Aktienmarktes der Korea Exchange notiert sind.

Die drei gleitenden Durchschnitte sind nach oben ausgerichtet, also ansteigend und bestätigen die bullische Price Action. Danach fand ein Pullback (Rücksetzer) nach unten zum 14-Perioden gleitenden Durchschnitt statt. Zwei Tage lang überlagerten die Kurse diesen gleitenden Durchschnitt, bevor sie mit einer Kurslücke nach oben abhoben und die Kauforder auslösten. Die blaue waagerechte Linie markiert den Einstiegskurs.

Die Kursbewegung lief sofort gegen unsere Position. Einige Tage später zwang uns eine ausgeprägte Kurslücke nach unten zum Ausstieg mit einem Verlust.

Dieses Fake-out-Setup war begründet. Der erste Kursstab, der den 14-Perioden gleitenden Durchschnitt testete, war ein bullischer Umkehrkursstab (Reversal Bar). Der bärische Inside-Kursstab (Inside Bar), der danach folgte, stellte den zweiten erfolglosen Versuch dar, die Kurse nach unten zu treiben. Das waren bullische Hinweise.

Allerdings war der extreme Aufwärtsschub vor dem Pullback beunruhigend. Solche extremen Kursbewegungen führen entweder zu einer Trendwende oder zu träger und lustloser Price Action. Alle drei Kursstäbe, die nach unserem Einstieg folgten, entwickelten eine Kurslücke nach oben, bevor sie unter der Eröffnung schlossen. Dies sind Anzeichen für starken Verkaufsdruck, was dem aufmerksamen Trader eine Warnung sein sollte, vor der großen Kurslücke nach unten auszusteigen.

Schlussbemerkungen zur Strategie des Gleitenden Durchschnitt Fake-out

Das Trade Setup des Fake-out mit drei gleitenden Durchschnitten ist eine Pullback-Tradingstrategie. Die Verwendung von mehreren gleitenden Durchschnitten ist normalerweise unnötig.

Nur ein Gleitender Durchschnitt: Wie man mit dem 20-Perioden Gleitenden Durchschnitt tradet

Das Prinzip je mehr, desto besser läßt sich nicht auf die Anzahl der gleitenden Durchschnitte anwenden.

Glücklicherweise verwendet dieses Trade Setup nur drei gleitende Durchschnitte, was das Höchstmaß dessen ist, was mein Gehirn verarbeiten kann. Außerdem sind die Perioden 14, 30 und 50 alles mittlere Perioden, die relativ aussagekräftig sind.

Ein kurzer Zeitraum des gleitenden Durchschnitts ist eine enge Annäherung an den Kurs selbst und dient lediglich dazu, die Beobachtung der Price Action zu erschweren. Andererseits ist ein langer Zeitraum verzögert als Trendindikator und geradezu hilflos, was das Ausfiltern von Konsolidierungen anbelangt.

Wenn man sich jedoch auf die Neigung bzw. Ausrichtung dieser mittleren gleitenden Durchschnitte konzentriert, dann hat Mark Fisher eine nette Zusammenstellung von mehreren gleitenden Durchschnitten geschaffen.

Betrachten Sie den obigen KOSPI-Chart. Trotz des Verlusttrades konnten uns die gleitenden Durchschnitte vor der späteren Seitwärtsbewegung bewahren, da die Ausrichtungen der gleitenden Durchschnitte kaum dafür gesprochen haben, einen Trade einzugehen.

Ein wesentliches Merkmal des Fake-out Setups von Mark Fisher ist die Verwendung von Pivotpunkten anstelle von Schlusskursen für die gleitenden Durchschnitte. Dies macht im Grunde kaum einen Unterschied, außer etwas Glättung der gleitenden Durchschnitte. Tatsächlich ist der tägliche Schlusskurs wichtiger, da es sich dabei um den Preis handelt, zu dem sehr viele Marktteilnehmer am Ende jeder Handelssitzung beitragen.

Aber für Intraday-Charts, insbesondere für die nicht auf Zeit beruhenden Charts, wozu auch die Tick- und Volumencharts mit ihren beliebigen Schlusskursen gehören, ist die Verwendung von Pivotpunkten sinnvoll.

Mark Fisher hat die Methode des Fake-out mit den gleitenden Durchschnitten als Möglichkeit empfohlen, um andere Trading Strategien in seinem Buch zu erweitern.

Lesen: The Logical Trader

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: Moving Average Fake-Out

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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