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Umkehrstab im Trading: erkennen, einordnen und richtig handeln

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2026

|

15 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

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Der Umkehrstab ist einer der wenigen Begriffe der Markttechnik, den fast jeder Trader schon gelesen hat und kaum jemand sauber definieren kann. Mal heißt es, die Kerze müsse besonders groß sein. Mal, sie zähle nur nach einem langen Trend. Beides klingt einleuchtend, und beides ließ sich in meinen Daten nicht bestätigen.

Ich handle seit 1980 nach Price Action, und Umkehrstäbe gehören zu den Formationen, auf die ich täglich achte. Für diesen Artikel habe ich sie zum ersten Mal durchgerechnet: 5.075 Tageskerzen aus vier Märkten, 1.843 Umkehrstäbe, jeder einzeln ausgewertet. Auf dieser Seite zeige ich dir, woran du einen Umkehrstab erkennst, was er statistisch leistet und welche verbreitete Regel dabei durchfällt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Umkehrstab: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Zwei Bedingungen: Die Kerze verletzt das Hoch oder Tief der Vorkerze und schließt in der anderen Hälfte ihrer eigenen Spanne.
  • Kein seltenes Ereignis: In meinem Test war jeder dritte Handelstag ein Umkehrstab, genau 36,3 Prozent. Allein deshalb kann er kein Handelssignal sein.
  • Der Vorsprung ist klein: 33,5 Prozent Trefferquote gegen 30,4 Prozent bei einem Zufallseinstieg mit derselben Stopplogik.
  • Die Bestätigung ist der Hebel: Wer erst einsteigt, wenn die Folgekerze das Extrem des Umkehrstabs bricht, kommt auf 38,7 Prozent und einen positiven Erwartungswert.
  • Zwei Faustregeln fielen durch: Weder der lange Vortrend noch die besonders große Kerze verbesserten das Ergebnis. Beide machten es schlechter.

Was ist ein Umkehrstab?

Ein Umkehrstab ist eine Kerze, die das Hoch oder das Tief der vorangegangenen Kerze überschreitet und dann in der entgegengesetzten Hälfte ihrer eigenen Spanne schließt. Er zeigt, dass eine Kursbewegung über das bisherige Extrem hinauslief, sich dort aber nicht halten konnte.

Der englische Begriff lautet reversal bar. Im deutschsprachigen Raum wurde der Umkehrstab vor allem durch die Markttechnik bekannt, wie sie Michael Voigt beschreibt. Wie sein Ansatz insgesamt aufgebaut ist, zeigt unser Überblick zur Markttechnik.

Inhaltlich beschreibt der Umkehrstab einen gescheiterten Ausbruch. Der Markt läuft über die alte Marke, findet dort aber keine Anschlusskäufe. Wer kurz vorher eingestiegen ist, sitzt bis zum Schluss der Kerze im Minus. Diese Ablehnung ist die Information, nicht die Form der Kerze.

Der Umkehrstab ist ein Oberbegriff, kein einzelnes Muster. Hammer, Shooting Star, Pin Bar und Engulfing können alle die Bedingungen erfüllen. Der Umkehrstab beschreibt die Beziehung zur Vorkerze, die Candlestick-Muster beschreiben die Form. Wo die einzelnen Formationen stehen, zeigt unsere Übersicht der wichtigsten Kerzenformationen.

Woran du einen Umkehrstab erkennst

Zwei Bedingungen müssen zusammenkommen. Fehlt eine davon, ist es keine Umkehrkerze, sondern eine beliebige Kerze mit Docht. Die Unterscheidung wirkt kleinlich, sortiert aber sehr viele Kerzen aus.

Umkehrstab Aufbau: bärischer und bullischer Umkehrstab mit Vorkerze, Extremverletzung und Schlusskurs in der Gegenhälfte
Aufbau des bärischen und des bullischen Umkehrstabs

Erstens wird das Extrem der Vorkerze verletzt. Beim bärischen Umkehrstab liegt das Hoch über dem Vortageshoch, beim bullischen das Tief unter dem Vortagestief. Ein Berühren reicht nicht, die Marke muss überschritten werden.

Zweitens liegt der Schluss in der anderen Hälfte. Beim bärischen Umkehrstab schließt der Kurs unter der Mitte zwischen Hoch und Tief der Kerze, beim bullischen darüber. Genau das drückt aus, dass die Bewegung zurückgeholt wurde.

Die Farbe der Kerze spielt keine Rolle. Sie ergibt sich aus der Lage von Eröffnung und Schluss, während die Definition auf der Mitte der Spanne beruht. Ein bärischer Umkehrstab kann grün sein, ein bullischer rot.

Die Größe der Kerze gehört nicht zur Definition. Viele Darstellungen verlangen einen besonders großen Kursstab. Ich habe das gemessen, und das Ergebnis spricht dagegen. Die Zahlen dazu stehen weiter unten im Abschnitt zum Test.

Der Umkehrstab im Chart: drei Beispiele

Umkehrstäbe entstehen besonders häufig an alten Hochs und Tiefs. Dort liegen die Stopporders, dort wird ein Ausbruch versucht, und dort scheitert er auch. Wie du diese Marken sauber einzeichnest, zeigt unser Artikel zu Unterstützung und Widerstand.

Ein aktuelles Beispiel aus dem DAX

Umkehrstab im DAX-Tageschart am 14. August 2026 mit Vortageshoch und anschließendem Kursrückgang
DAX-Tageschart: der bärische Umkehrstab vom 14. August 2026

Am 14. August 2026 bildete der DAX einen bärischen Umkehrstab. Das Tageshoch lag bei 26.541 Punkten und damit über dem Vortageshoch von 26.490. Der Schluss bei 26.440 lag unter der Kerzenmitte von 26.473. Beide Bedingungen waren erfüllt.

Auffällig ist, wie unscheinbar diese Kerze aussieht. Sie ist klein, die Spanne beträgt nur 136 Punkte. In den folgenden vier Handelstagen fiel der Index dann bis auf 25.914 Punkte, also um 526 Punkte. Genau solche Fälle sind der Grund, warum die Regel „nur große Umkehrstäbe zählen” in meinem Test durchfiel.

Der Umkehrstab am Ende einer Aufwärtsbewegung

Umkehrstab am Ende einer Aufwärtsbewegung im EUR/USD-Tageschart am alten Hoch
EUR/USD, Tageschart: Umkehrstab am Hoch, 8. Mai 2014

Im EUR/USD-Tageschart bildete der Markt am 8. Mai 2014 einen großen Umkehrstab. Im Laufe des Tages wurde das Hoch vom 13. März bei 1,3967 überschritten, danach brach der Kurs ein. Die vorangegangene Aufwärtsbewegung war damit beendet, es folgte eine mehrmonatige Abwärtsbewegung.

Ein Umkehrstab am Ende einer Aufwärtsbewegung hat eine relativ hohe Eröffnung und einen tiefen Schlusskurs. Eine präzise messbare Ausprägung dieser Form ist das Topping-Tail-Muster mit einem Docht über der Hälfte der Kerze.

Der Umkehrstab am Ende einer Abwärtsbewegung

Umkehrstab am Ende einer Abwärtsbewegung im AUD/CAD-Tageschart unter dem alten Tief
AUD/CAD, Tageschart: Umkehrstab am Tief, 2. Januar 2014

Im Tageschart des Währungspaares AUD/CAD entstand am 2. Januar 2014 ein bullischer Umkehrstab. Sein Tagestief lag knapp unter dem Dezembertief, im Tagesverlauf drehte der Kurs und schloss nahe am Tageshoch. Danach folgte ein kräftiger Anstieg.

Beide Beispiele zeigen dasselbe Muster. Vor der eigentlichen Umkehr steht ein falscher Ausbruch über die alte Marke. Das ist kein Zufall, sondern die Mechanik hinter der Formation.

Umkehrstab, Pin Bar, Hammer und Engulfing: die Abgrenzung

Diese Begriffe überschneiden sich, sie sind aber nicht dasselbe. Der Unterschied liegt darin, worauf sich die Definition bezieht: auf die Beziehung zur Vorkerze oder auf die Form der Kerze selbst.

MusterBezugBedingung
UmkehrstabVorkerzeExtrem verletzt, Schluss gegenläufig
Pin BarFormDocht deutlich länger als der Körper
HammerForm, LageKörper oben, Docht unten, nach Abwärtstrend
EngulfingKörperUmschließt den Körper der Vorkerze
Inside BarVorkerzeHoch und Tief innerhalb der Vorkerze

Der Umkehrstab und die Inside Bar sind Gegenstücke. Die Inside Bar bleibt vollständig innerhalb der Vorkerze, der Umkehrstab bricht aus ihr heraus und kommt zurück. Beide beschreiben eine Beziehung, keine Form.

Eine Kerze kann mehrere Bezeichnungen gleichzeitig tragen. Ein Hammer, dessen Docht unter das Vortagestief reicht und der im oberen Bereich schließt, ist zugleich ein bullischer Umkehrstab. Für die Auswertung ist das kein Problem, für die Kommunikation schon: Zwei Trader können dieselbe Kerze unterschiedlich benennen und meinen dasselbe.

Wie zuverlässig ist der Umkehrstab? 5.075 Tageskerzen im Test

Zu kaum einer Formation kursieren so viele unbelegte Faustregeln. Ich habe sie deshalb an echten Kursdaten gemessen, statt sie weiterzureichen. Der Aufbau ist bewusst einfach gehalten, damit du ihn nachvollziehen kannst.

Umkehrstab Trefferquoten im Vergleich zur Basisrate aus 5.075 Tageskerzen
Trefferquoten des Umkehrstabs im Test gegen einen Zufallseinstieg

Der Testaufbau

Die Datenbasis sind 5.075 Tageskerzen aus vier Märkten. Enthalten sind DAX, EUR/USD sowie die ETFs SPY und IWM auf den S&P 500 und den Russell 2000, jeweils von September 2021 bis August 2026. Datenquelle ist Interactive Brokers.

Als Umkehrstab zählte jede Kerze, die beide Bedingungen erfüllt. Der Einstieg erfolgt zum Schlusskurs, der Stopp liegt am Extrem des Umkehrstabs, das Ziel beim doppelten Risiko. Wird innerhalb von zehn Kerzen weder Stopp noch Ziel erreicht, zählt der Fall als offen.

Ohne Vergleichsmaßstab ist eine Trefferquote wertlos. Ich habe deshalb dieselbe Auswertung mit einem Zufallseinstieg gerechnet: gleiche Stopplogik, gleiches Ziel, nur der Tag zufällig gewählt. Diese Basisrate liegt bei 30,4 Prozent und einem Erwartungswert von minus 0,09 R.

Das Ergebnis: ein kleiner Vorsprung

Der Umkehrstab kam auf 33,5 Prozent Trefferquote. Das sind 3,1 Prozentpunkte über der Basisrate, bei 1.843 ausgewerteten Signalen. Der Erwartungswert lag bei plus 0,01 R, also praktisch bei null.

Die wichtigste Zahl steht aber woanders. Von 5.075 Handelstagen waren 1.843 ein Umkehrstab, also 36,3 Prozent. Mehr als jeder dritte Tag. Eine Formation, die so häufig auftritt, kann für sich genommen kein Handelssignal sein, egal wie plausibel die Erklärung dahinter klingt.

Was den Unterschied macht: die Bestätigung

Der stärkste Hebel im ganzen Test war der Einstiegszeitpunkt. Statt zum Schlusskurs zu kaufen, wartet man auf eine Stopporder jenseits des Umkehrstab-Extrems. Erst wenn die Folgekerze das Tief eines bärischen Umkehrstabs bricht, wird die Position ausgelöst.

Damit stieg die Trefferquote auf 38,7 Prozent und der Erwartungswert auf plus 0,16 R. Der Grund ist kein Rechentrick: Von den 1.843 Umkehrstäben lösten nur 1.180 überhaupt aus. Die übrigen 663 Fälle wurden von der Folgekerze nie bestätigt und blieben damit außen vor.

Die Richtung macht dabei einen deutlichen Unterschied. Bullische Umkehrstäbe mit Bestätigung kamen auf 41,8 Prozent und plus 0,25 R, bärische auf 35,7 Prozent und plus 0,07 R. Ohne Bestätigung lag der bärische Umkehrstab mit 30,0 Prozent exakt auf dem Niveau des Zufallseinstiegs.

Zwei verbreitete Faustregeln, die durchfielen

Erstens der lange Vortrend. Fast jede Darstellung schreibt, ein Umkehrstab sei nach einer längeren Bewegung aussagekräftiger. Beschränkt man die Auswertung auf Umkehrstäbe am Hoch oder Tief der letzten 20 Tage, sinkt die Trefferquote auf 31,0 Prozent. Der Filter half nicht, er kostete.

Zweitens die große Kerze. Auch der Bestandstext dieses Artikels behauptete jahrelang, Umkehrstäbe mit hoher Volatilität seien bedeutsamer. Verlangt man eine Kerzenspanne von mindestens dem Anderthalbfachen der ATR über 14 Tage, fällt die Trefferquote auf 29,4 Prozent und damit unter die Basisrate. Mit Bestätigung wurde es sogar noch schlechter.

Auch der strengste Regelsatz half nicht. Toby Crabel hat mit Upthrust und Spring eine präzisere Variante beschrieben, die zusätzlich die beiden Vorschlusskurse und die Vortagesspanne einbezieht. Sie kam auf 30,9 Prozent, kombiniert mit dem 20-Tage-Filter sogar nur auf 20,3 Prozent bei 77 Fällen.

Wo der Umkehrstab funktioniert und wo nicht

Zwischen den Märkten liegen deutliche Unterschiede. Der DAX kam auf 36,2 Prozent, der Russell-2000-ETF auf 35,4 und der S&P-500-ETF auf 33,7 Prozent. EUR/USD fiel mit 28,1 Prozent unter die Basisrate.

Die folgende Tabelle fasst alle Varianten zusammen. Der Erwartungswert (EW) sagt, was ein Trade im Mittel einbringt, gemessen in Vielfachen des Risikos. Ein EW von plus 0,16 R heißt: Pro Trade bleiben im Schnitt 16 Prozent des eingesetzten Risikos übrig. Die Zahl der Signale je Zeile steht in der Grafik weiter oben.

VarianteTrefferEW
Zufallseinstieg30,4 %−0,09 R
Einstieg zum Schluss33,5 %+0,01 R
nur am 20-Tage-Extrem31,0 %−0,07 R
nur ab 1,5-facher ATR29,4 %−0,12 R
mit Bestätigung38,7 %+0,16 R
bullisch, bestätigt41,8 %+0,25 R
bärisch, bestätigt35,7 %+0,07 R

Ein Wort zur Einordnung dieser Zahlen. Fünf Jahre und vier Märkte sind eine begrenzte Stichprobe, und der Zeitraum enthielt überwiegend steigende Aktienmärkte. Das erklärt vermutlich einen Teil des Vorsprungs der bullischen Signale. Die Zahlen sind ein Anhaltspunkt, keine Garantie für die Zukunft.

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Wie du einen Umkehrstab handelst

Aus dem Test folgt eine klare Reihenfolge. Sie besteht aus vier Schritten, und der zweite ist der, an dem die meisten Trader ungeduldig werden.

  • Erst die Marke, dann die Kerze: Ein Umkehrstab an einer beliebigen Stelle im Chart ist ein Zufallsereignis. Interessant wird er an einem alten Hoch oder Tief, an einer runden Marke oder an einer Trendlinie.
  • Auf die Bestätigung warten: Die Order kommt als Stopporder knapp jenseits des Umkehrstab-Extrems. Wird sie nicht ausgelöst, findet der Trade nicht statt. In meinem Test betraf das mehr als ein Drittel aller Signale.
  • Der Stopp gehört an das andere Extrem: Bei einem bärischen Umkehrstab über das Hoch der Kerze, bei einem bullischen unter ihr Tief. Wird es gebrochen, ist die Ablehnung widerlegt und der Grund für den Trade entfallen.
  • Das Ziel realistisch wählen: Beim doppelten Risiko lag die Trefferquote bei 33,5 Prozent, beim Anderthalbfachen bei 40,7 Prozent und beim Dreifachen bei nur noch 23,5 Prozent. Der Erwartungswert war zwischen dem Anderthalb- und dem Zweifachen am höchsten.

Die Positionsgröße richtet sich nach dem Abstand zum Stopp, nicht nach der Überzeugung. Umkehrstäbe mit weiter Spanne erzwingen einen weiten Stopp und damit eine kleinere Position. Wie du das rechnest, steht in unserem Artikel zur Stop-Loss-Order.

Ein Umkehrstab beendet eine Bewegung, er startet nicht automatisch die Gegenbewegung. In vielen Fällen folgt eine Seitwärtsphase. Wer das Muster als Trendwende-Garantie liest, wird regelmäßig enttäuscht. Was eine echte Wende ausmacht, behandelt unser Artikel zum Erkennen einer Trendumkehr.

Häufige Fehler beim Handel mit Umkehrstäben

Die meisten Fehler entstehen nicht beim Erkennen, sondern beim Einordnen. Die Form ist eindeutig, und genau diese Eindeutigkeit verleitet dazu, sie überall im Chart zu sehen.

  • Jeden Umkehrstab handeln: Bei 36,3 Prozent aller Tage ergibt das mehrere Signale pro Woche und Markt. Die Gebühren fressen den kleinen statistischen Vorsprung auf, bevor er wirkt.
  • Zum Schlusskurs einsteigen: Der Unterschied zwischen 33,5 und 38,7 Prozent besteht allein darin, ob man die Folgekerze abwartet. Das ist der billigste Filter des ganzen Musters.
  • Die große Kerze für ein starkes Signal halten: In meinem Test war das Gegenteil der Fall. Ein weiter Kursstab bedeutet vor allem einen weiten Stopp und damit ein schlechteres Verhältnis von Chance und Risiko.
  • Den bärischen Umkehrstab wie den bullischen behandeln: Ohne Bestätigung lag die bärische Variante genau auf dem Zufallsniveau. Wer short handelt, braucht die Bestätigung zwingend.
  • Den Zeitrahmen zu klein wählen: Je kürzer die Kerze, desto häufiger entsteht das Muster aus reinem Rauschen. Der Test lief auf Tageskerzen.

Vor- und Nachteile des Umkehrstabs

Nach 1.843 ausgewerteten Signalen lässt sich das Muster nüchtern einordnen. Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, wofür der Umkehrstab taugt und wo seine Grenzen liegen.

Vorteile des Umkehrstabs

  • Eindeutig prüfbar: Beide Bedingungen lassen sich aus vier Kursen ablesen. Es gibt nichts zu interpretieren und nichts einzustellen.
  • Klare Marken: Einstieg und Stopp ergeben sich direkt aus Hoch und Tief der Kerze.
  • Messbarer Vorsprung: Mit Bestätigung lag die Trefferquote 8,3 Prozentpunkte über der Basisrate, bei positivem Erwartungswert.
  • Universell einsetzbar: Das Muster entsteht in Indizes, Devisen, Aktien und Rohstoffen und in jedem Zeitrahmen.
  • Guter Filter für bestehende Setups: An einer vorher markierten Zone liefert er das Timing, das eine reine Zonenstrategie nicht hat.

Nachteile des Umkehrstabs

  • Viel zu häufig: Mehr als jeder dritte Handelstag erfüllt die Bedingungen. Ohne Filter ist das kein Signal, sondern Rauschen.
  • Allein wertlos: Der Erwartungswert ohne Bestätigung lag bei plus 0,01 R und damit im Bereich des Zufalls.
  • Bärisch deutlich schwächer: Ohne Bestätigung lag die Short-Seite mit 30,0 Prozent genau auf dem Niveau eines Zufallseinstiegs.
  • Nicht in jedem Markt gleich: In EUR/USD lag die Trefferquote mit 28,1 Prozent unter der Basisrate.
  • Uneinheitlich definiert: Je nach Quelle gelten zusätzliche Bedingungen. Zwei Trader können dieselbe Kerze unterschiedlich bewerten.
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Fazit: Der Umkehrstab ist ein Filter, kein Signal

Der Umkehrstab beschreibt einen gescheiterten Ausbruch, und das ist eine echte Information. Als eigenständiges Einstiegssignal trägt er trotzdem nicht. 33,5 Prozent Trefferquote gegen 30,4 Prozent im Zufallstest sind zu wenig, um darauf eine Strategie zu bauen.

Zwei Dinge verändern das Bild deutlich. Wer auf die Bestätigung durch die Folgekerze wartet, kommt auf 38,7 Prozent und einen positiven Erwartungswert. Und wer den Umkehrstab nur an vorher markierten Kursmarken handelt, reduziert die Zahl der Signale auf ein handhabbares Maß.

Zwei Faustregeln solltest du dagegen streichen. Weder der lange Vortrend noch die besonders große Kerze verbesserten das Ergebnis in meinem Test, beide verschlechterten es. Das DAX-Beispiel vom August 2026 zeigt es exemplarisch: Der unscheinbarste Kursstab der Woche leitete einen Rückgang um 526 Punkte ein.

So setze ich ihn selbst ein. Ich suche zuerst die Marke und schaue dann, ob der Markt dort abgelehnt wird. Der Umkehrstab ist in dieser Reihenfolge ein Timing-Werkzeug. Umgekehrt, also von der Kerze zur Marke, funktioniert es nicht. Wie sich die einzelnen Kerzenmuster in das größere Bild einfügen, zeigt unser Überblick zum Traden von Candlestick-Formationen.

Häufige Fragen zum Umkehrstab

Was ist ein Umkehrstab im Trading?

Ein Umkehrstab ist eine Kerze, die das Hoch oder das Tief der vorangegangenen Kerze überschreitet und dann in der entgegengesetzten Hälfte ihrer eigenen Spanne schließt. Er zeigt einen gescheiterten Ausbruch über eine bestehende Marke.

Wie erkennt man einen Umkehrstab?

Über zwei Bedingungen. Erstens muss das Extrem der Vorkerze verletzt werden, beim bärischen Umkehrstab das Hoch, beim bullischen das Tief. Zweitens muss der Schluss in der anderen Hälfte zwischen Hoch und Tief der Kerze liegen.

Wie zuverlässig ist ein Umkehrstab?

In meiner Auswertung über 5.075 Tageskerzen lag die Trefferquote bei 33,5 Prozent gegenüber 30,4 Prozent bei einem Zufallseinstieg mit derselben Stopplogik. Wartet man auf die Bestätigung durch die Folgekerze, steigt sie auf 38,7 Prozent.

Ist ein Umkehrstab dasselbe wie eine Pin Bar?

Nein. Die Pin Bar ist über ihre Form definiert, also über einen Docht, der deutlich länger ist als der Körper. Der Umkehrstab ist über die Beziehung zur Vorkerze definiert. Eine Kerze kann beides gleichzeitig sein.

Wo setzt man den Stopp bei einem Umkehrstab?

An das andere Extrem der Kerze. Bei einem bärischen Umkehrstab über das Hoch, bei einem bullischen unter das Tief. Wird diese Marke gebrochen, ist die Ablehnung widerlegt.

Sind große Umkehrstäbe aussagekräftiger?

In meinem Test nicht. Beschränkt auf Kerzen mit mindestens der anderthalbfachen ATR über 14 Tage sank die Trefferquote auf 29,4 Prozent und damit unter die Basisrate eines Zufallseinstiegs.

Funktioniert der Umkehrstab in jedem Zeitrahmen?

Die Definition gilt in jedem Zeitrahmen, die Aussagekraft nicht. Je kürzer die Kerze, desto häufiger entsteht das Muster aus Rauschen. Der Test lief auf Tageskerzen.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1980. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.

Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Die Auswertung in diesem Artikel stammt aus seiner eigenen Rechnung. Sie umfasst 5.075 Tageskerzen aus vier Märkten und wurde für diesen Beitrag erstellt. Die Einordnung der Ergebnisse, besonders zur Bestätigung und zur Stopplatzierung, beruht auf jahrzehntelanger praktischer Handelserfahrung.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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