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Cup and Handle Formation: Wie du die Tasse mit Henkel erkennst und handelst

Zuletzt aktualisiert: 01. September 2026

|

16 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

KI für Trader Hauptkurs
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Eine Tasse mit Henkel erkennst du im Chart schneller als die meisten anderen Formationen. Der Kurs fällt, rundet sich unten aus, läuft zum alten Hoch zurück und macht dort noch einmal eine kleine Pause. Genau diese Pause ist der Henkel. Danach bricht der Kurs aus, so jedenfalls die Theorie.

Die Theorie ist der einfache Teil. Schwieriger wird es bei den Zahlen dahinter. Die verbreiteten Statistiken zu diesem Muster stammen aus idealtypischen Setups, nicht aus dem Handelsalltag. Dieselbe Quelle, die einen durchschnittlichen Anstieg von 54 Prozent ausweist, hat an anderer Stelle nachgemessen: Bei 47 Prozent der Fälle fällt der Kurs nach dem Ausbruch wieder deutlich zurück. Beide Zahlen stimmen. Sie messen nur nicht dasselbe.

In diesem Artikel bekommst du die Originalregeln von William O’Neil, die nachgerechneten Trefferquoten mit ihren Grenzen und eine klare Anleitung für Einstieg, Stop und Kursziel. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Cup and Handle Pattern: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Fortsetzungsmuster, keine Umkehrformation: Das Cup and Handle braucht einen Aufwärtstrend davor. Ohne Vortrend ist es kein gültiges Setup.
  • Zwei Bausteine: die U-förmige Tasse und der kleine Henkel am rechten Rand. Ein V-förmiger Boden zählt nicht.
  • Die Maße nach O’Neil: Tasse 1 bis 6 Monate, Henkel 1 bis 4 Wochen, Rücksetzer im Henkel 30 bis 50 Prozent des letzten Anstiegs.
  • Der Einstieg liegt über dem Hoch des Henkels, idealerweise bei steigendem Volumen. Der Stop gehört unter das Henkeltief.
  • Das Kursziel ist die Tassenhöhe, vom Ausbruchspunkt nach oben abgetragen. Nach den Auswertungen von Thomas Bulkowski erreichen das 61 Prozent der idealtypischen Fälle.
  • Der ehrliche Teil: Bei 47 Prozent der untersuchten Muster fiel der Kurs nach dem Ausbruch wieder spürbar zurück. Fast ein Viertel schaffte nie mehr als 15 Prozent.

Was ist das Cup and Handle Pattern?

Das Cup and Handle Pattern ist eine bullische Fortsetzungsformation, bei der ein Kurs nach einem Aufwärtstrend eine runde, U-förmige Konsolidierung durchläuft (die Tasse) und danach in einer kleinen, flacheren Korrektur ausläuft (der Henkel), bevor er über das alte Hoch ausbricht.

Vergleich der Chartmuster 'Cup and Handle' und 'Inverted Cup and Handle'. Links zeigt das Bild das klassische 'Cup and Handle'-Muster mit einer aufsteigenden Preisbewegung nach dem Ausbruch. Rechts wird das umgekehrte Muster ('Inverted Cup and Handle') dargestellt, das zu einem fallenden Preis führt. Beide Muster beinhalten eine Tassenformation (Cup) und eine Griffphase (Handle) vor dem Breakout
Bullisches und inverses Cup-and-Handle-Muster im Vergleich

Beschrieben hat das Muster William J. O’Neil, der Gründer von Investor’s Business Daily, in seinem 1988 erschienenen Buch How to Make Money in Stocks. O’Neil suchte nach Aktien, die vor einer neuen Aufwärtsphase stehen. Die Tasse mit Henkel war eines der Muster, das ihm dabei immer wieder auffiel.

O’Neil hat die Formation nie für sich allein betrachtet. Sie ist bei ihm der charttechnische Teil eines größeren Rasters, der CAN SLIM Methode, die das Chartbild zusätzlich an Gewinnwachstum und relativer Stärke misst.

Der Name beschreibt genau das, was du siehst. Die Tasse entsteht, wenn der Kurs von einem Hoch abfällt, unten in eine runde Bodenbildung übergeht und anschließend zurück zum Ausgangsniveau klettert. Der Henkel ist die kurze Verschnaufpause direkt darunter. Er sieht aus wie ein kleiner abwärts gerichteter Kanal.

Wichtig ist die Einordnung als Fortsetzungsmuster. Du liest gelegentlich, die Formation gehöre zu den Umkehrformationen. Das trifft die Sache nicht. O’Neil hat sie ausdrücklich als Muster innerhalb eines bestehenden Aufwärtstrends beschrieben, und auch die Definition bei Wikipedia setzt einen vorangegangenen Anstieg voraus. Ohne diesen Trend fehlt dem Setup seine Grundlage, und die veröffentlichten Trefferquoten gelten dann nicht. Warum Fortsetzungsmuster ihre besten Trefferquoten ausgerechnet in einer länger laufenden Hausse liefern, ordnet unser Beitrag zum Bullenmarkt ein.

Es gibt auch die gespiegelte Variante. Beim inversen Cup and Handle steht die Tasse auf dem Kopf, der Ausbruch erfolgt nach unten. Sie ist das seltenere und deutlich schwächere Muster. Weiter unten stehen die Zahlen zu beiden Varianten nebeneinander.

Deutlich schneller als die Tasse mit Henkel bildet sich das Wimpel Chartmuster. Es braucht nur wenige Tage statt Wochen und folgt derselben Logik aus Vorbewegung und Konsolidierung. Cup and Handle ist eines von zehn Mustern, die jeder Trader kennen sollte. Den vollständigen Vergleich findest du in unserer Anleitung zu Chartmustern im Trading.

Wie die Tasse mit Henkel entsteht

Die Formation baut sich in vier Schritten auf, und sie braucht Zeit. Nach O’Neil vergehen zwischen dem ersten Hoch und dem Ausbruch ein bis sechs Monate. Thomas Bulkowski, der die Formation an historischen Kursdaten nachgerechnet hat, lässt eine größere Spanne zu: 7 bis 65 Wochen für die Tasse.

Cup and Handle Formation mit den Maßen: Tasse 1 bis 6 Monate, Henkel 1 bis 4 Wochen, Rücksetzer 30 bis 50 Prozent, Kursziel in Höhe der Tasse
Die Maße der Cup-and-Handle-Formation nach William O’Neil, Trefferquoten nach Thomas Bulkowski
PhaseWas im Chart passiertDauer
VortrendDer Kurs steigt und erreicht ein Hoch. Dieses Hoch wird der linke Tassenrand.Wochen bis Monate
TasseDer Kurs gibt nach, bildet unten eine runde Wende und läuft zum alten Hoch zurück. Das Volumen fällt.1 bis 6 Monate
HenkelAm rechten Tassenrand setzt der Kurs leicht zurück, meist in einem flachen Abwärtskanal.1 bis 4 Wochen
AusbruchDer Kurs überwindet das Henkelhoch, das Volumen zieht deutlich an.wenige Tage

Der Boden entscheidet über die Gültigkeit. Eine echte Tasse hat einen gerundeten oder flachen Boden. Fällt der Kurs steil und dreht sofort wieder hoch, entsteht ein V. Das ist kein Cup and Handle. Die runde Form zeigt, dass sich Käufer und Verkäufer über einen längeren Zeitraum angenähert haben. Ein V zeigt eine Panikreaktion und danach eine ebenso schnelle Gegenbewegung.

Auch die Tiefe der Tasse hat eine Grenze. Je tiefer der Einbruch, desto mehr Anleger sitzen auf Verlusten und verkaufen beim Rücklauf zum alten Hoch. Eine flache bis mittlere Tasse ist deshalb das bessere Setup als eine sehr tiefe.

Tageschart der Adidas-Aktie mit dem 'Cup and Handle'-Muster. Der Chart zeigt einen Aufwärtstrend, gefolgt von einer runden Bodenbildung (Cup) und einer leichten Konsolidierungsphase (Handle), bevor es zum Ausbruch kommt. Die Begriffe 'Cup', 'Handle' und 'Ausbruch' sind im Chart markiert.
Tageschart der Adidas-Aktie mit einem Cup-and-Handle-Muster

Der Henkel liegt in der oberen Hälfte. Das ist Bulkowskis Kriterium. Rutscht die kleine Korrektur bis in die untere Hälfte der Tasse ab, ist es kein Henkel mehr, sondern ein neuer Abverkauf. O’Neil formuliert dasselbe über den Rücksetzer: 30 bis 50 Prozent des Anstiegs, der am rechten Tassenrand entstanden ist.

Denselben Gedanken beschreibt Minervinis VCP-Muster: Der Henkel ist dort die letzte von mehreren Konsolidierungen, deren Rücksetzer von Welle zu Welle flacher ausfallen.

Cup and Handle handeln: Einstieg, Stop und Kursziel

Drei Marken legst du fest, bevor du einsteigst: den Einstieg über dem Henkelhoch, den Stop unter dem Henkeltief und das Kursziel in Höhe der Tasse. Alle drei liest du direkt aus dem Chart ab, nicht aus einem gewünschten Chance-Risiko-Verhältnis. Das Prinzip, die Höhe der Formation als Kursziel abzutragen, funktioniert bei Dreiecksformationen nach demselben Muster.

Bullisches Cup and Handle

Tageschart des Währungspaares EUR/USD mit einem potenziellen 'Cup and Handle'-Muster. Der Chart zeigt einen vorherigen Aufwärtstrend, eine runde Bodenbildung (Cup) und eine Konsolidierungsphase (Handle). Ein möglicher Kursausbruch nach oben wird als Bestätigung des Musters markiert. Das erwartete Kursziel entspricht der Höhe des Cups. Das Volumen ist in den letzten Wochen gesunken.
Tageschart EUR/USD mit einem potenziellen Cup-and-Handle-Muster
  • Muster prüfen: Aufwärtstrend davor, U-förmige Tasse, Henkel in der oberen Hälfte. Fehlt eines davon, lass das Setup aus.
  • Einstieg: Kaufe erst, wenn der Kurs über dem Hoch des Henkels schließt. Ein Ausschlag über die Linie im Tagesverlauf reicht nicht.
  • Stop: unter das Tief des Henkels. Bei sehr engen Henkeln kannst du stattdessen unter den letzten markanten Zwischenboden gehen. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Stop-Loss-Order.
  • Kursziel: Miss die Tassenhöhe vom Boden bis zum Rand und trage sie vom Ausbruchspunkt nach oben ab.

Inverses Cup and Handle (die bärische Variante)

Tageschart des Währungspaares EUR/USD mit einem bärischen 'Cup and Handle'-Muster. Der Chart zeigt einen Abwärtstrend, gefolgt von einer runden Top-Bildung (Cup) und einer kurzen Konsolidierungsphase (Handle). Der Ausbruch nach unten bestätigt das Muster, und das erwartete Kursziel entspricht der Höhe des Cups. Ein geringes Handelsvolumen während der Cup-Formation ist ebenfalls markiert.
Tageschart EUR/USD mit einem inversen Cup-and-Handle-Muster
  • Muster prüfen: Abwärtstrend davor, umgekehrt U-förmige Tasse, Henkel in der unteren Hälfte der Formation.
  • Einstieg: Verkaufe erst, wenn der Kurs unter dem Tief des Henkels schließt.
  • Stop: über das Hoch des Henkels.
  • Kursziel: die Tassenhöhe vom Ausbruchspunkt nach unten abtragen.

Die inverse Variante ist deutlich schwächer. Bulkowski weist für sie eine Fehlerquote von 18 Prozent aus, gegenüber 5 Prozent beim bullischen Muster, und einen durchschnittlichen Rückgang von 17 Prozent statt eines Anstiegs von 54 Prozent. Wer beide Varianten gleich behandelt, unterschätzt das Risiko der bärischen Seite erheblich.

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Was das Volumen über den Ausbruch verrät

Das Volumen ist der wichtigste Filter dieser Formation. Es unterscheidet einen tragfähigen Ausbruch von einem Fehlausbruch, und es kostet dich keinen zusätzlichen Indikator.

In der Tasse soll das Volumen fallen. Während der Kurs die runde Bodenbildung durchläuft, sinkt das Interesse. Verkäufer sind weitgehend raus, neue Käufer noch nicht da. Ein Volumen, das während der Tasse konstant hoch bleibt, ist ein Warnzeichen: Dann wird noch aktiv Ware abgegeben.

Im Henkel soll es weiter austrocknen. Der Henkel ist eine Konsolidierung ohne Verkaufsdruck. Zieht das Volumen dort spürbar an, während der Kurs fällt, verkaufen echte Marktteilnehmer. Das Setup verliert damit seine Grundlage, unabhängig davon, wie sauber die Form aussieht.

Am Ausbruchstag muss das Volumen springen. Das ist der Punkt, an dem du entscheidest. Ein Ausbruch über das Henkelhoch bei durchschnittlichem oder schwachem Volumen ist die häufigste Form des Fehlausbruchs bei diesem Muster. Als grobe Marke: Das Tagesvolumen sollte deutlich über dem Durchschnitt der letzten Wochen liegen. Wie du solche Fehlausbrüche erkennst, haben wir gesondert beschrieben.

Bei Devisen funktioniert das nur eingeschränkt. Der Forex-Markt ist dezentral, ein echtes Gesamtvolumen gibt es dort nicht. Dein Chart zeigt das Tickvolumen deines Brokers, also die Anzahl der Kursänderungen. Das ist ein Näherungswert und in der Aussage schwächer als das Volumen einer Aktie an einer Börse. Die Grundlagen dazu stehen in unserem Beitrag zur Volumen-Analyse im Trading.

Wie zuverlässig ist das Cup and Handle Pattern?

Zu dieser Formation gibt es belastbare Zahlen. Thomas Bulkowski hat Chartmuster über Jahrzehnte an historischen Kursdaten ausgewertet und veröffentlicht die Ergebnisse. Für das Cup and Handle sehen sie auf den ersten Blick sehr gut aus.

KennzahlBullischInvers
Untersuchte Fälle913556
Fehlerquote5 %18 %
Durchschnittliche Bewegung+54 %−17 %
Kursziel erreicht61 %62 %
Rückkehr zur Ausbruchslinie62 %67 %
Rang unter allen Mustern3 von 396 von 36

Diese Zahlen haben eine wichtige Einschränkung. Bulkowski weist sie ausdrücklich für perfekte Trades aus. Gemeint sind idealtypisch erkannte Muster mit idealem Ein- und Ausstieg. In der Praxis erkennst du ein Muster selten perfekt, und du steigst selten am optimalen Punkt aus.

Dieselbe Quelle liefert die Gegenprobe. In einer separaten Auswertung von 300 Cup-and-Handle-Mustern zwischen 1990 und März 2024 kam heraus: Bei 47 Prozent der Fälle fiel der Kurs nach dem Ausbruch wieder deutlich zurück. 23 Prozent stiegen nie mehr als 15 Prozent, bevor sie drehten. Das ist fast jedes zweite Muster mit einem spürbaren Rücksetzer und fast jedes vierte, das kaum vom Fleck kommt.

Beide Zahlenreihen widersprechen sich nicht. Die 54 Prozent beschreiben, wie weit die erfolgreichen Fälle laufen. Die 47 Prozent beschreiben, wie oft du unterwegs ausgestoppt werden kannst. Für deine Planung ist die zweite Zahl die wichtigere: Sie sagt dir, dass ein Stop unter dem Henkeltief regelmäßig gezogen wird und dass ein Teilausstieg auf halbem Weg zum Kursziel eine begründete Entscheidung ist.

Meine Einordnung nach vier Jahrzehnten am Markt: Ich handle Chartmuster nicht mechanisch. Was diese Formation trotzdem brauchbar macht, ist nicht ihre Trefferquote, sondern die klare Marke. Henkelhoch und Henkeltief liegen eindeutig im Chart. Du weißt vor dem Einstieg, wo du falsch liegst. Genau das fehlt vielen Setups, die auf dem Papier bessere Quoten haben.

Vor- und Nachteile des Cup and Handle Patterns

Die Formation hat klare Stärken und ebenso klare Grenzen. Beide hängen an derselben Eigenschaft: Sie braucht Zeit und eine eindeutige Form.

Wofür das Cup and Handle gut ist

  • Eindeutige Marken: Einstieg, Stop und Ziel liest du direkt aus dem Chart ab. Kein Ermessen, keine Indikatoreinstellung.
  • Sichtbar ohne Werkzeug: Du erkennst die Form im nackten Chart, ohne zusätzlichen Indikator und ohne Abo.
  • Marktübergreifend: Sie tritt in Aktien, Indizes, Rohstoffen und im Devisenhandel auf.
  • Gut dokumentiert: Zu wenigen Formationen gibt es so belastbare Auswertungen wie zu dieser.

Wo das Cup and Handle an Grenzen stößt

  • Langsam: Von der ersten Kursspitze bis zum Ausbruch vergehen oft mehrere Monate. Für kurzfristige Ansätze ist das Muster ungeeignet.
  • Auslegungssache: Wann ist ein Boden rund und wann ein V? Zwei Trader kommen hier zu verschiedenen Antworten.
  • Häufige Rücksetzer: In 47 Prozent der ausgewerteten Fälle fiel der Kurs nach dem Ausbruch wieder deutlich zurück.
  • Selten in Reinform: Perfekte Tassen mit sauberem Henkel sind die Ausnahme. Die meisten Kandidaten sind Grenzfälle.

Die häufigsten Fehler beim Cup and Handle

Die meisten Fehlschläge haben nicht mit dem Muster zu tun, sondern mit der Auswahl. Diese fünf Punkte kosten am meisten Geld.

  1. Kein Vortrend: Eine runde Bodenbildung nach einem langen Abwärtstrend ist kein Cup and Handle. Sie sieht nur so aus. Die veröffentlichten Trefferquoten gelten für Fortsetzungsmuster im Aufwärtstrend.
  2. V statt U: Ein schneller Absturz mit sofortiger Erholung erfüllt die Form nicht. Ohne die runde Wende fehlt die Ausgleichsphase, aus der das Muster seine Wirkung zieht.
  3. Zu früh gekauft: Der Einstieg gehört über das Henkelhoch, nicht in den Henkel hinein. Wer die Bodenbildung vorwegnimmt, handelt eine Vermutung.
  4. Volumen ignoriert: Ein Ausbruch ohne Volumenanstieg ist der Standardfall des Fehlausbruchs bei dieser Formation.
  5. Zu tiefer Henkel: Sinkt der Henkel unter die Mitte der Tasse, ist es kein Henkel mehr. Das Setup ist dann gescheitert, bevor es begonnen hat.

10 Tipps für mehr Erfolg mit dem Cup and Handle

Diese zehn Punkte gehen über die reine Formerkennung hinaus. Sie entscheiden darüber, ob aus einem Muster ein handelbares Setup wird.

  1. Trend prüfen: Vor der Tasse muss ein Aufwärtstrend stehen. Je jünger dieser Trend ist, desto eher markiert das Muster eine Fortsetzung und keine Erschöpfung.
  2. Form und Tiefe: Die Tasse gehört U-förmig und nicht zu tief. Ein V-Boden ist eine zu scharfe Umkehr und qualifiziert sich nicht.
  3. Henkel begrenzen: Der Rücksetzer bleibt bei 30 bis 50 Prozent des letzten Anstiegs. Je flacher er ausfällt, desto belastbarer ist der Ausbruch.
  4. Zwei Zeitebenen nutzen: Die Form beurteilst du im Wochenchart, den Einstieg im Tageschart. Auf einer Ebene allein siehst du entweder die Form nicht oder den Ausbruch zu spät.
  5. Bestätigung suchen: Ein gleitender Durchschnitt bestätigt den Trend, während der Relative Strength Index (RSI) und der MACD überkaufte Lagen sichtbar machen. Eine Übersicht bietet unser Beitrag zu technischen Indikatoren.
  6. Marktumfeld beachten: In einem breiten Aufwärtsmarkt lösen sich Ausbrüche nach oben häufiger auf. In einer Korrekturphase des Gesamtmarktes scheitern dieselben Setups reihenweise.
  7. Risiko begrenzen: Der Stop steht vor dem Einstieg fest. Rechne aus, wie viel dich der Weg vom Einstieg bis zum Stop kostet, und richte die Positionsgröße danach aus.
  8. Geduld haben: Warte den Schlusskurs über dem Henkelhoch ab. Ein zu früher Einstieg nimmt Kursbewegungen vorweg, die noch gar nicht stattgefunden haben.
  9. Zurücktesten: Sieh dir an, wie sich das Muster in deinem Markt in den letzten Jahren verhalten hat. Ein Backtest über 20 Fälle sagt dir mehr über deine Umsetzung als jede fremde Statistik.
  10. Volumen und Ziel zusammen lesen: Der Ausbruch braucht einen Volumenanstieg, und das Kursziel entspricht der Distanz vom rechten Tassenrand zum Tassenboden.
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Wie du Cup-and-Handle-Setups findest

Ein Muster, das Monate braucht, findest du nicht durch Chartblättern. Drei Wege sind praktikabel.

Der Screener nach Kursverhalten. Kein Standard-Screener filtert direkt nach Tasse mit Henkel. Was funktioniert, ist die Annäherung über Kennzahlen: Werte nahe ihrem 52-Wochen-Hoch, die in den letzten sechs Monaten einen Rücksetzer von 15 bis 35 Prozent hatten und aktuell in einer engen Spanne laufen. Diese Liste ist kurz genug, um sie von Hand durchzusehen.

Der Wochenchart als Ausgangspunkt. Weil die Formation Monate dauert, ist der Tageschart zu klein, um sie im Ganzen zu sehen. Im Wochenchart erkennst du die runde Form in wenigen Sekunden. Für den Einstieg wechselst du dann zurück auf den Tageschart.

Die Beobachtungsliste statt der Suche. Der zuverlässigste Weg ist eine feste Liste von 30 bis 50 Werten, die du regelmäßig durchgehst. Muster, die du über Wochen mitwachsen siehst, beurteilst du besser als solche, die dir ein Filter fertig vorlegt.

Mein Fazit zum Cup and Handle Pattern

Das Cup and Handle ist ein solides, aber langsames Muster. Seine Stärke liegt nicht in einer besonders hohen Trefferquote, sondern in der Eindeutigkeit der Marken. Henkelhoch, Henkeltief und Tassenhöhe stehen im Chart, bevor du den ersten Euro riskierst.

Die Statistik solltest du zweimal lesen. Ein durchschnittlicher Anstieg von 54 Prozent klingt nach einem Selbstläufer. Dieselbe Datenbasis sagt aber auch, dass fast die Hälfte der Ausbrüche erst einmal wieder zurückfällt. Wer beides kennt, plant seinen Stop und seine Teilausstiege anders als jemand, der nur die erste Zahl gesehen hat.

Für wen sich das Muster eignet: für Positionstrader und Anleger mit Wochenhorizont. Wer im Tagesgeschäft handelt, findet in Wimpeln, Flaggen und Kerzenmustern die passenderen Werkzeuge.

Was ich selbst anders mache: Ich handle Formationen nicht nach Schema. Wenn ich eine Tasse mit Henkel im Chart sehe, interessiert mich weniger die Form als die Frage, wo die Liquidität liegt und wer beim Ausbruch aussteigen muss. Die Formation ist dann eine Landkarte, kein Signal.

Häufige Fragen zum Cup and Handle Pattern

Ist das Cup and Handle ein bullisches Muster?

Ja. Das klassische Cup and Handle ist ein bullisches Fortsetzungsmuster. Es steht innerhalb eines Aufwärtstrends und signalisiert dessen Fortsetzung, sobald der Kurs über das Hoch des Henkels ausbricht. Die gespiegelte Variante mit Ausbruch nach unten heißt inverses Cup and Handle und ist bärisch.

Was passiert typischerweise nach einem Cup and Handle?

Nach dem Ausbruch über das Henkelhoch steigt der Kurs im Idealfall um die Höhe der Tasse. Nach den Auswertungen von Thomas Bulkowski erreichen 61 Prozent der idealtypischen Fälle dieses Ziel. Ebenso häufig kommt es aber zu einem Rücksetzer: In 47 Prozent von 300 untersuchten Mustern fiel der Kurs nach dem Ausbruch wieder deutlich zurück.

Was ist das Gegenteil des Cup-and-Handle-Musters?

Das Gegenstück ist das inverse Cup and Handle, auch umgekehrte Tasse mit Henkel genannt. Dort bildet der Kurs eine umgekehrt U-förmige Tasse und bricht nach unten aus. Es ist mit einer Fehlerquote von 18 Prozent deutlich unzuverlässiger als die bullische Variante mit 5 Prozent.

Wie lange dauert die Bildung eines Cup-and-Handle-Musters?

Nach William O’Neil dauert die Tasse ein bis sechs Monate, der Henkel eine bis vier Wochen. Thomas Bulkowski lässt für die Tasse eine größere Spanne von 7 bis 65 Wochen zu. Ein Muster, das in wenigen Tagen entsteht, erfüllt die Kriterien nicht.

Wie hoch ist die Trefferquote des Cup and Handle Patterns?

Bulkowski weist für 913 idealtypische Fälle im Bullenmarkt eine Fehlerquote von 5 Prozent und einen durchschnittlichen Anstieg von 54 Prozent aus. Diese Zahlen gelten für perfekt erkannte Muster mit optimalem Ein- und Ausstieg. In einer praxisnäheren Auswertung von 300 Mustern fielen 47 Prozent nach dem Ausbruch wieder zurück, und 23 Prozent stiegen nie mehr als 15 Prozent.

Funktioniert das Muster in allen Märkten und Zeitrahmen?

Die Formation tritt in Aktien, Indizes, Rohstoffen und im Devisenhandel auf. Zuverlässiger ist sie in höheren Zeitrahmen, also im Tages- und Wochenchart. Im Devisenhandel fehlt allerdings ein echtes Gesamtvolumen, weshalb die Volumenbestätigung dort nur eingeschränkt funktioniert.

Welche Indikatoren passen zum Cup and Handle?

Am wichtigsten ist das Volumen, weil es den Ausbruch bestätigt. Ergänzend helfen ein gleitender Durchschnitt zur Trendbestätigung sowie RSI oder MACD, um überkaufte Lagen zu erkennen. Die Formation selbst liefert Einstieg, Stop und Ziel bereits ohne Indikator.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading und handelt seit 1978 an den Finanzmärkten. Er arbeitet diskretionär nach Price Action, also ohne mechanisches Handelssystem, und ist in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten aktiv.

Ende der 1980er-Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Für diesen Artikel hat er die Originalregeln von William O’Neil gegen die veröffentlichten Auswertungen von Thomas Bulkowski gestellt und beide Zahlenreihen getrennt eingeordnet. Als Price-Action-Trader beurteilt er die Formation von außen: Er handelt keine Chartmuster nach Schema, kennt aber aus über vier Jahrzehnten Marktpraxis, woran Ausbrüche scheitern.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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