Kaum ein Trading-Buch wird im deutschsprachigen Raum so oft empfohlen wie „Das große Buch der Markttechnik“ von Michael Voigt. Es gilt vielen Einsteigern als Pflichtlektüre, manche nennen es die Bibel der Markttechnik. Der Autor selbst sieht diesen Begriff kritisch, weil sein Ansatz auf der Dow-Theorie aus dem 19. Jahrhundert aufbaut und nichts grundlegend Neues behauptet.
Das Buch ist ein Brocken: rund 700 Seiten, erstmals erschienen im November 2006, inzwischen in der 13. Auflage. Es kostet so viel wie drei normale Fachbücher und verlangt Wochen statt Abende. Bevor du das Geld und vor allem die Zeit investierst, solltest du wissen, was dich erwartet und wo die Grenzen liegen.
Ich handle seit 1978 an den Finanzmärkten, überwiegend diskretionär nach Price Action, also nach reiner Kursanalyse ohne Indikatoren. Voigts Ansatz liegt genau in diesem Feld. Deshalb ordne ich das Buch hier nicht als Inhaltsangabe ein, sondern danach, was es einem Trader in der Praxis bringt und wem es nichts nützt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
„Das große Buch der Markttechnik“: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Worum es geht: Voigt erklärt, wo im Markt Bewegung entsteht, statt vorherzusagen, wohin der Kurs läuft. Alles baut auf der Abfolge von Hochs und Tiefs auf.
- Der Aufbau ist ungewöhnlich: Jedem Fachteil geht ein Romanteil voraus, in dem der Praktikant Philip in einem Handelsbüro lernt. Gut ein Viertel des Buchs ist Erzählung.
- Kernwerkzeuge: 1-2-3-Punkte-Zählung, Innenstäbe, Umkehrstäbe und eine ausführliche Behandlung der Stopp-Setzung, die im Buch vor den Einstiegen kommt.
- Umfang und Preis: rund 700 Seiten, 39,90 Euro als Hardcover beim Verlag, gebraucht ab etwa 30 Euro. Als E-Book erhältlich, nicht als Hörbuch.
- Für wen es taugt: Einsteiger und Fortgeschrittene, die Marktverständnis aufbauen wollen. Nicht geeignet, wenn du fertige Einstiegssignale oder eine schnelle Anleitung suchst.
Was Markttechnik nach Michael Voigt bedeutet
Die meisten Einsteiger landen zuerst bei Indikatoren. Sie fragen, ob man nach Fibonacci handeln soll, nach Elliott-Wellen, nach RSI oder MACD. Manche stürzen sich auf den CoT-Report. Das führt fast immer ins Leere, weil die Grundlage fehlt: ein Verständnis davon, wie Kurse überhaupt entstehen.
Genau dort setzt Voigt an. Er dreht die übliche Frage um. Statt zu fragen, wohin der Kurs läuft, fragt er, wo Bewegung entstehen kann. Das klingt nach einer Nuance, ändert aber die ganze Herangehensweise: Du suchst nicht mehr nach einer Prognose, sondern nach Stellen im Chart, an denen viele Marktteilnehmer zum Handeln gezwungen sind.
Markttechnik ist ein Analyseansatz, der Kursbewegungen ausschließlich über die Abfolge von Hochs und Tiefs beurteilt und daraus Trendrichtung und Trendstärke ableitet.
In „Das große Buch der Markttechnik“ ordnet Voigt seinen Ansatz als moderne Weiterentwicklung der Dow-Theorie ein, die Charles Dow Ende des 19. Jahrhunderts formuliert hat. Ob man die technische Analyse als Teil der Markttechnik sieht oder umgekehrt, spielt für die Praxis keine Rolle. Wichtig ist, die Merkmale zu verstehen und das eigene Handeln daran auszurichten.
Er stellt im Vorwort ausdrücklich klar, dass seine Markttechnik nicht der einzige funktionierende Weg ist. Es ist seine Sichtweise auf den praktischen Handel, die er in ihre Bestandteile zerlegt und wieder zusammensetzt. Diese Ehrlichkeit ist selten in einem Buch, das als Standardwerk gehandelt wird. Wer den vollständigen Überblick über die Methode sucht, findet ihn in unserem Leitfaden zur Markttechnik im Trading.
Die 1-2-3-Punkte-Zählung ist eine Methode der Markttechnik, mit der die Wendepunkte eines Trends durchnummeriert werden, um Einstiege und Stopps eindeutig zu bestimmen.
Wer ist Michael Voigt?
Michael Voigt arbeitete als Trader in einem international tätigen Handelsbüro, als er begann, sein Wissen zu notieren. Nebenbei gab er Workshops und Seminare für fortgeschrittene Trader. Aus diesen Kursen zog er eine Erkenntnis, die das Buch prägt: Es gibt zu viele unterschiedliche Handelsstile, um sie alle in einer Anleitung zu vermitteln.
Also ging er in die Tiefe statt in die Breite. Im Zentrum steht Fachwissen, das auch Fortgeschrittenen häufig fehlt. Voigt teilt sein Buch dafür in zwei Bereiche: die Markttechnik als Ausgangspunkt des Handelns und die Qualität im Trading, also die Zusammenführung von Erfahrung und Wissen in der Anwendung.
Heute beschreibt er sich auf seiner eigenen Seite als Händler, Autor, Coach und Referent und bietet weiterhin Seminare an. Neben dem Hauptwerk stammen von ihm die achtteilige Reihe „Der Händler“, das Arbeitsbuch zur Markttechnik und der Band „140 Gedanken, die Ihren persönlichen Handelsstil bereichern werden“ aus dem Jahr 2020. Ein buchbares Seminar steht dort allerdings derzeit nicht: Der letzte datierte Termin lag im Januar 2025, das Aufbau-Seminar trägt seit Längerem den Vermerk „coming soon“. Wer eine Präsenzveranstaltung sucht, findet die Alternativen in unserer Übersicht zu Anbietern von Trading Seminaren.
| Titel | Das große Buch der Markttechnik |
| Untertitel | Auf der Suche nach der Qualität im Trading |
| Autor | Michael Voigt |
| Verlag | FinanzBuch Verlag |
| Erstauflage | November 2006 |
| Aktuelle Auflage | 13. Auflage |
| Umfang | rund 700 Seiten, Hardcover |
| ISBN | 978-3-89879-125-0 |
| Preis | 39,90 Euro (Verlagspreis) |
| Formate | Hardcover und E-Book, kein Hörbuch |
Im folgenden Video spricht Voigt selbst über sein Buch und darüber, warum er den Romanteil eingebaut hat. Wer unsicher ist, ob ihm der Erzählstil liegt, bekommt hier in wenigen Minuten ein gutes Gefühl dafür.
Zur Struktur des Buchs
Voigt ist mit dem Aufbau ein bewusstes Risiko eingegangen. Jedem Fachteil geht ein Romanteil voraus. Diese Erzählung baut Kapitel für Kapitel aufeinander auf und beschreibt den Werdegang eines Praktikanten in einem Handelsbüro. Im Mittelpunkt steht Philip, betreut von den erfahrenen Händlern Hofner und Sander.
Der Romanteil ist kein Lückenfüller, auch wenn er zunächst so wirkt. Er ist ein Spiegel für den Leser. Fachbücher erklären Techniken und Bausteine, aber sie schreiben nichts darüber, was du fühlst, wenn der Markt gegen dich läuft. Genau diese Lücke füllt die Erzählung. Spätestens nach dem zweiten Kapitel erkennt sich fast jeder Anfänger in Philip wieder.
Ein Romanteil im Fachbuch ist eine erzählende Passage, die ein Fachthema emotional vorbereitet, bevor es systematisch erklärt wird.
Gut ein Viertel des Buchs entfällt auf diese Erzählung, der Rest auf den fachlichen Teil. Das ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Wer nur die Methodik will, empfindet die Romanteile als Ballast und überspringt sie. Wer sie liest, versteht die Fachteile schneller, weil er das Problem vorher gefühlt hat.
Was in den acht Kapiteln steht
Das Buch führt in acht Kapiteln vom Marktverständnis zur Selbsteinschätzung. Der Weg ist streng aufeinander aufgebaut: Wer Kapitel 3 überspringt, versteht Kapitel 5 nicht. Ein neuntes, kurzes Kapitel schließt nur noch die Erzählung ab.
Kapitel 1 und 2: wie Kurse entstehen
Das erste Kapitel enthält nur Erzählung. Philip halbiert sein Echtgeld-Konto in wenigen Wochen, setzt je nach Gefühl auf Long oder Short und hält Markttechnik für eine Art Magie. Didaktisch ist das sinnvoll, weil du beim ersten Fachteil bereits mitten im Geschehen bist.
Im zweiten Kapitel kommt der erste harte Fachteil, und er ist der wichtigste des ganzen Buchs. Voigt behauptet gleich im ersten Satz, dass Kurse selten bis gar nicht auf externe Ereignisse zurückgehen. Für den markttechnisch orientierten Handel nennt er diesen Glauben haltlos. Ohne den vorangehenden Romanteil wäre diese Aussage kaum nachvollziehbar.
Stattdessen führt er die Kursentwicklung auf die Motivationen von Käufern und Verkäufern sowie auf die Orderarten zurück. Anhand einfacher Rechenbeispiele zeigt er, wie sich Ordervolumen, Limits, Market-Orders und vor allem Stops im Orderbuch auswirken und daraus der Kurs entsteht. Für jeden, der das vorher nicht durchdrungen hat, ist das der eigentliche Aha-Moment.
Kapitel 3 und 4: Trendaufbau, 1-2-3 und Innenstäbe
Kapitel 3 liefert die erste Antwort auf Voigts Leitfrage. Er behandelt zunächst die Schwächen der üblichen Werkzeuge: Trendlinien sind subjektiv, Trendfolge-Indikatoren laufen hinterher und filtern Seitwärtsphasen schlecht heraus.
Danach kommt der Trendaufbau selbst. Aufwärtstrend heißt höhere Hochs und höhere Tiefs, Abwärtstrend tiefere Tiefs und tiefere Hochs. Das ist schnell erklärt. Interessant wird es dort, wo Voigt zeigt, wo Institutionelle und wo Anfänger einsteigen: Anfänger handeln meist erst aufgrund einer bereits gelaufenen Bewegung, Institutionelle aufgrund einer zu erwartenden. Wer diesen Unterschied verinnerlicht, sieht Charts danach anders.
Bewegung und Korrektur sind in der Markttechnik relative Begriffe: Was in der kleineren Zeiteinheit eine Bewegung ist, kann in der größeren eine Korrektur sein.
Im letzten Abschnitt folgt die 1-2-3-Punkte-Zählung, anderswo als a-b-c bekannt. Sie legt fest, wo Einstiege und Stopps liegen und warum der Markt zwischenzeitlich gegen dich laufen muss. Kapitel 4 vertieft das mit Trendbrüchen, der SKS-Formation und Dreiecken, bevor der Fachteil zu den Innenstäben kommt.
Ein Innenstab ist eine Kursperiode, deren Hoch und Tief vollständig innerhalb der Spanne der vorangegangenen Periode liegen.
Voigt erklärt die Innenstäbe bewusst anhand von Bars statt Candlesticks, was die späteren Chartbeispiele leichter lesbar macht. Er zeigt ihre Beziehung zu Außenstäben, die Verschachtelung mehrerer Innenstäbe und warum sie keine klassische Seitwärtsphase sind, obwohl sie so aussehen.
Kapitel 5: Stopps kommen vor den Einstiegen
Mit über 150 Seiten allein im Fachteil ist Kapitel 5 das umfangreichste des Buchs. Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Voigt behandelt die Stopps vor den Einstiegen und begründet das ausführlich. Er unterscheidet Verlustbegrenzungsstopp, Gewinnsicherungsstopp und Gewinnmitnahmestopp und zerlegt jede Art weiter in ihre Funktionsweise.
Diese Gewichtung ist der stärkste didaktische Zug des Buchs. Die meisten Einsteiger denken zuerst über den Einstieg nach und über den Ausstieg gar nicht. Voigt dreht das um, und er verbindet die Stopp-Wahl mit dem Handelsziel: Trendhandel, Bewegungshandel und Ausbruchshandel verlangen unterschiedliche Stopps.
Der Einstiegs-Fachteil baut konsequent auf den Stopps auf. Im Mittelpunkt steht wieder das 1-2-3-Prinzip, ergänzt um den Umkehrstab, Tageslinien, Trendlinien und Pivot-Linien. Ein dritter Teil führt beides zusammen und zeigt es an Beispielen mit Einstieg, Stopp, Positionsaufbau und Zeiteinheiten.
Ein Umkehrstab ist eine Kursperiode, die zunächst in Trendrichtung läuft, dann dreht und gegen den vorherigen Trend schließt.
Der Romanteil dieses Kapitels weicht vom Schema ab und stellt die Trading-Psychologie in den Vordergrund. Es geht um Schuldzuweisungen an den Markt, den Umgang mit Verlusten, um Angst, Gier und Langeweile. Hofner fordert Geduld ein, statt alle Zeiteinheiten unruhig nach Chancen abzusuchen.
Kapitel 6 bis 8: Beispiel-Trades, Fehler und Qualität
Kapitel 6 übersetzt die Theorie in die Praxis. Voigt zeigt elf durchgerechnete Trades mit den Überlegungen davor, der Zielsetzung und dem Management während der Position. Der Romanteil führt parallel das Risikomanagement ein, dazu Positionsgrößen und das Trading-Tagebuch.
Kapitel 7 nimmt sich die teuersten Gewohnheiten vor. Voigt behandelt Trading-Fehler von der falschen Chart-Darstellung bis zur schwankenden Positionsgröße, dazu die typischen 10-Stunden-Tage und das All-In als letzte Verzweiflungstat. Der zweite Fachteil fragt, ob markttechnisches Trading überhaupt automatisiert werden kann.
Voigts Antwort ist differenziert und aus meiner Sicht richtig: Teilautomatisierung funktioniert. Erkennt der Trader ein 1-2-3 und setzt die Order, kann die Software den Trade mit Stopp, Trailing-Stopp und Ausstieg selbständig führen. Die Signalauswahl aber bleibt beim Menschen, weil Erfahrung Trades filtert, die ein System nicht filtern kann.
Kapitel 8 ist das persönlichste und schwierigste. Voigt sagt, Trading bestehe zu zwei Dritteln aus Psychologie, will aber ausdrücklich nicht beim Psychologen enden. Wer diesen Teil vertiefen möchte, liest dazu passend unsere Rezension zur Tradingpsychologie von Norman Welz. Er zerlegt Qualität, Mut, Verzicht und Intelligenz feiner, als man es erwartet, und schließt mit dem Umgang mit Emotionen: Schmerz beim Verlust-Trade lässt sich nicht vermeiden, das Leiden schon, sobald du einen Verlust als Verlust annimmst und nicht als Angriff.
Vorteile und Nachteile des Buchs
Nach 19 Jahren am Markt lässt sich das Buch nüchtern einordnen. Es hat klare Stärken, die kein anderes deutschsprachiges Werk in dieser Form bietet, und es hat Schwächen, die dir vor dem Kauf niemand verschweigen sollte.
Vorteile des großen Buchs der Markttechnik
- Marktverständnis statt Signale: Das Buch erklärt, wie Kurse entstehen, bevor es über Einstiege spricht. Diese Reihenfolge findest du in kaum einem anderen Einsteigerwerk.
- Stopps vor Einstiegen: Über 150 Seiten allein zu Stopp-Arten und ihrer Anwendung. Das ist genau die Gewichtung, die Anfängern fehlt.
- Der Romanteil funktioniert: Er macht psychologische Fehler nachvollziehbar, über die andere Bücher nur abstrakt schreiben.
- Ehrlich in der Selbsteinordnung: Voigt nennt seinen Ansatz ausdrücklich eine Sichtweise, nicht den einzigen Weg.
- Nachschlagewert: Auch Fortgeschrittene finden beim Blättern vergessene Zusammenhänge, besonders bei Zeiteinheiten und Positionsaufbau.
Nachteile des großen Buchs der Markttechnik
- Der Umfang schreckt ab: Rund 700 Seiten sind ein Projekt über Wochen. Wer nebenbei lesen will, kommt nicht durch.
- Kein Nachschlagewerk im Schnellzugriff: Die Kapitel bauen strikt aufeinander auf. Querlesen funktioniert nicht, das Arbeitsbuch schließt diese Lücke nur teilweise.
- Der Erzählstil ist ausschweifend: Manche Passagen wiederholen sich. Wer nur die Methodik sucht, empfindet den Romanteil als Ballast.
- Keine konkreten Setups zum Nachhandeln: Du bekommst Prinzipien, keine fertigen Regelwerke mit Filtern und Kennzahlen.
- Der Stand ist 2006: Aktuelle Themen wie Orderflow-Tools, Krypto oder algorithmischer Handel kommen nicht vor, weil es sie so noch nicht gab.
Für wen sich das Buch lohnt und für wen nicht
Der häufigste Fehlkauf entsteht durch eine falsche Erwartung. Das Buch ist kein Strategiebuch, obwohl es überall als solches empfohlen wird. Es ist ein Grundlagenwerk über Marktmechanik mit einem starken psychologischen Teil.
Es lohnt sich für dich, wenn du gerade traden lernst und merkst, dass dir das Fundament fehlt. Ebenso, wenn du seit Jahren handelst, aber deine Verluste nicht erklären kannst. Und es lohnt sich, wenn du ohne Indikatoren arbeiten willst, weil Voigts Ansatz genau darauf hinausläuft und dir die Denkweise dahinter liefert.
Nichts für dich ist es, wenn du fertige Einstiegssignale oder eine Anleitung für das Wochenende suchst. Auch für reine Investoren mit langem Horizont bringt es wenig, weil der Bezug durchgehend auf aktivem Handel in kleineren Zeiteinheiten liegt. Wer bereits nach Price Action handelt und die Marktmechanik durchdrungen hat, findet vor allem Bestätigung statt Neuland.
Als Ergänzung passt der Klassiker gut neben Bücher zur Chartanalyse und zur Trading-Psychologie. Einen breiteren Überblick über lohnende Titel geben unsere Trading-Bücher im Vergleich.
Wer statt Markttechnik den reinen Intraday-Handel sucht, findet die passenden Titel in unserer Übersicht der Daytrading-Bücher.
Was das Buch kostet und wo du es bekommst
Das Hardcover kostet beim FinanzBuch Verlag 39,90 Euro und ist dort sofort lieferbar. Denselben Preis rufen die großen Buchhändler auf, weil in Deutschland die Buchpreisbindung gilt. Ein Preisvergleich lohnt sich also nur beim Gebrauchtkauf: Dort startet das Buch je nach Zustand bei etwa 30 Euro.
Als E-Book ist der Titel ebenfalls erhältlich. Ich rate trotzdem zur gedruckten Fassung, und zwar aus einem praktischen Grund: Das Buch besteht zu großen Teilen aus Chartsequenzen mit eingezeichneten Punkten. Auf einem E-Reader musst du ständig zoomen und verlierst dabei genau den Überblick, um den es inhaltlich geht.
Ein Hörbuch des Hauptwerks gibt es nicht, und das ist nachvollziehbar. Voigts erzählende Titel sind dagegen vertont, mit über elf beziehungsweise dreizehn Stunden Spieldauer. Welche das sind und was sie taugen, steht in unserer Übersicht der Hörbücher für Trader.
Häufig wird nach einer PDF-Fassung gesucht. Was dabei in den Suchergebnissen auftaucht, sind überwiegend nicht autorisierte Kopien auf Dokumenten-Plattformen. Der Download ist urheberrechtlich problematisch, die Dateien sind meist unvollständig, schlecht gescannt und veraltet. Die legale digitale Fassung ist das E-Book über den Verlag und die üblichen Händler.
Bei Amazon kommt das Buch aktuell auf 4,5 von 5 Sternen bei 556 Bewertungen. Wir vergeben selbst keine Sternewertungen, aber die Verteilung stützt das Bild aus der Praxis: sehr viel Zustimmung, und die Kritik dreht sich fast immer um denselben Punkt, nämlich den Umfang.
Das große Arbeitsbuch der Markttechnik
Zum Hauptwerk gehört ein eigenständiges Arbeitsbuch, das Voigt 2014 nachgeschoben hat. Das große Arbeitsbuch der Markttechnik umfasst 480 Seiten und kostet 39,99 Euro, als E-Book ab 34,99 Euro. Der Untertitel beschreibt den Zweck genau: die Suche nach dem eigenen Handelsstil als persönliches Projekt.
Inhaltlich ist es kein zweites Lehrbuch, sondern ein Trainingsband. Es enthält 270 Basis- und Spezialfragen mit je vier Antwortmöglichkeiten, von denen genau eine stimmt. Zu den Fragen gehören Charts und grafische Darstellungen, ergänzt um farblich markierte Hinweise unter „Merke“, „Beachte“ und „Tipp“. Ein beiliegendes Lösungslineal erspart das ständige Blättern.
Die acht Kapitel folgen dem Hauptwerk: markttechnische Grundlagen, Handelsausrichtung, übergeordneter Trendverlauf, Geldmanagement, fachliche Unschärfe, zwei Todsünden, Handels- gegen Arbeitsstil und zum Schluss „Dinge, über die man selten redet“. Der letzte Teil bringt kurze Geschichten zu Themen wie Trading und Familie, die in Fachbüchern sonst fehlen.
Der praktische Nutzen hängt stark vom Vorwissen ab. Ohne das Hauptwerk fehlen die Grundlagen und die Querverweise, dann wird das Arbeitsbuch schnell zur Rätselsammlung. Mit Handelserfahrung dagegen deckt es Lücken auf, die man beim Lesen nicht bemerkt, besonders bei verschachtelten Innenstäben und der zugehörigen Stopp-Frage.
Ein Punkt gehört ehrlich dazu: Das Arbeitsbuch ist teurer als das Hauptwerk und liefert keinen neuen Stoff. Es ist ein Trainingsgerät, kein Wissensgewinn. Wer das Hauptwerk gelesen und verstanden hat, kann es sich sparen. Wer merkt, dass er beim Lesen zustimmt, es am Chart aber nicht anwenden kann, findet hier genau das passende Werkzeug.
Fazit: ein Grundlagenwerk, das seinen Ruf verdient
„Das große Buch der Markttechnik“ ist kein Buch, das man durchliest und abhakt. Es ist ein Grundlagenwerk, das die Reihenfolge richtig setzt: erst verstehen, wie Kurse entstehen, dann über Stopps nachdenken, dann über Einstiege und erst am Ende über sich selbst. Diese Reihenfolge ist der eigentliche Wert, nicht die einzelnen Techniken.
Der Romanteil bleibt der umstrittenste Teil, und er ist gleichzeitig der Grund, warum das Buch bei Einsteigern so gut funktioniert. Voigt beschreibt Trading-Ängste so genau, dass man sich regelrecht ertappt fühlt. Wissen, das man einmal gefühlt hat, sitzt tiefer als Wissen, das man nur gelesen hat.
Kritisch bleiben zwei Dinge. Der Umfang verlangt eine echte Entscheidung: Wer nicht bereit ist, mehrere Wochen dranzubleiben, sollte das Geld sparen. Und der Stand von 2006 zeigt sich dort, wo es um Werkzeuge geht. Die Marktmechanik, die Voigt beschreibt, hat sich in 19 Jahren nicht geändert, das technische Umfeld dagegen deutlich.
Unterm Strich gehört das Buch für mich in jedes Regal eines Traders, der ohne Indikatoren arbeiten will. Für Einsteiger ist es eine der besten Investitionen, die sie machen können, sofern sie wissen, dass sie Marktverständnis kaufen und keine Signale. Fortgeschrittene finden beim Blättern mehr, als sie erwarten.
Häufige Fragen zu „Das große Buch der Markttechnik“
Für wen ist „Das große Buch der Markttechnik“ geeignet?
Das Buch richtet sich an Einsteiger und Fortgeschrittene, die den Markt verstehen wollen, statt fertige Signale zu übernehmen. Wer nach einer schnellen Anleitung oder konkreten Setups sucht, ist mit einem kompakteren Strategiebuch besser bedient.
Wie viele Seiten hat das Buch und was kostet es?
Der Verlag gibt rund 700 Seiten im Hardcover an, der Preis liegt bei 39,90 Euro. Gebraucht startet der Titel bei etwa 30 Euro. Als E-Book ist er ebenfalls erhältlich.
Gibt es „Das große Buch der Markttechnik“ als PDF oder Hörbuch?
Eine autorisierte PDF-Fassung gibt es nicht, und ein Hörbuch des Hauptwerks existiert ebenfalls nicht. Die legale digitale Ausgabe ist das E-Book über den Verlag und die üblichen Händler. PDF-Dateien aus Suchergebnissen sind überwiegend nicht autorisierte Kopien.
Was ist die 1-2-3-Punkte-Zählung?
Die 1-2-3-Zählung nummeriert die Wendepunkte eines Trends durch. Punkt 1 markiert den Beginn der Bewegung, Punkt 2 ihr Extrem, Punkt 3 das Ende der Korrektur. Daraus ergeben sich Einstieg und Stopp ohne subjektive Trendlinie.
Lohnt sich zusätzlich das große Arbeitsbuch der Markttechnik?
Nur mit Vorwissen aus dem Hauptwerk. Das Arbeitsbuch bringt 270 Prüfungsfragen mit Charts, aber keinen neuen Stoff. Wer die Methodik verstanden hat und sie am Chart nicht anwenden kann, findet darin das passende Training.
Ist das Buch von 2006 heute noch aktuell?
Die Marktmechanik ist zeitlos, das technische Umfeld nicht. Kursentstehung, Trendaufbau und Stopp-Logik gelten unverändert. Orderflow-Werkzeuge, Krypto und algorithmischer Handel kommen im Buch nicht vor.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels handelt seit 1978 an den Finanzmärkten und führt die Kagels Trading GmbH. Sein Schwerpunkt liegt auf diskretionärem Handel nach Price Action, also der Kursanalyse ohne Indikatoren, überwiegend in den Forex-Majors und -Minors. Die Elliott-Wellen-Theorie hat er 1989 als Erster ins Deutsche übersetzt, handelt heute jedoch nicht mehr nach ihr.
Für kagels-trading.de bespricht er seit Jahren Börsen- und Trading-Literatur und ordnet sie aus der Sicht eines aktiven Traders ein. Die Linie ist dabei immer dieselbe: Substanz vor Menge, und ein ehrlicher Hinweis darauf, für wen ein Titel nicht taugt. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Voigts Markttechnik liegt fachlich direkt in seinem Feld, weil beide Ansätze ohne Indikatoren auskommen und die Abfolge von Hochs und Tiefs in den Mittelpunkt stellen. Für diese Überarbeitung im August 2026 wurden alle bibliografischen Angaben beim FinanzBuch Verlag gegengeprüft und die frühere Angabe von 662 Seiten korrigiert.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer fachlich geprüft und von Karsten Kagels final geprüft.






















