Die Kopf-Schulter-Formation ist die bekannteste Umkehrformation der technischen Analyse, und genau das ist ihr Problem: Sie wird häufiger gesehen als gehandelt. Ob sie trägt, entscheidet nicht die Optik, sondern die Nackenlinie.
Dieser Artikel geht der Reihe nach vor: Erkennungsregeln, klassische Handelsregeln mit Stopp und Kursziel, die Marktlogik dahinter, dann die Feinheiten aus der Praxis, von der Neigung der Nackenlinie über das Volumen beim Ausbruch bis zur umgekehrten Formation. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Kopf-Schulter-Formation: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) ist ein technisches Analyse-Chartmuster, das oft als Umkehrmuster betrachtet wird. Es besteht aus drei Kursspitzen, wobei die mittlere Kursspitze höher ist als die beiden anderen, die die “Schultern” des Musters bilden.
- Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation signalisiert oft eine Trendumkehr von einem Aufwärtstrend zu einem Abwärtstrend. Der Durchbruch der Nackenlinie wird als Bestätigung des Musters angesehen und signalisiert den Beginn eines Abwärtstrends.
- Es ist wichtig, dass Trader auch andere Faktoren wie das Handelsvolumen, die Dynamik und die Unterstützungs- und Widerstandsniveaus berücksichtigen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Die Kopf-Schulter-Formation gilt als eine der zuverlässigsten Trendumkehrformationen in der technischen Analyse. Laut dem Chartmuster-Forscher Thomas Bulkowski sind Head-and-Shoulders-Topbildungen die bärischen Chartformationen mit den besten Ergebnissen im Bullenmarkt, ein Grund, warum sie von professionellen und privaten Tradern gleichermaßen genau beobachtet wird.
In diesem Leitfaden erfährst du, wie du die klassische Kopf-Schulter-Formation (bärisch) und die umgekehrte Kopf-Schulter-Formation (bullisch) erkennst, wann du einsteigst, wo du deinen Stop-Loss platzierst und wie du das Kursziel berechnet. Mit zahlreichen Chartbeispielen und fortgeschrittenen Hinweisen, für Einsteiger und erfahrene Trader.
Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation oder kürzer Kopf-Schulter-Formation (engl. Head and Shoulders Pattern) hat einen einprägsamen Namen und ein auffallendes Aussehen.
Aber das folgende Zitat zeigt, dass die die Schulter-Kopf-Schulter-Formation mehr als nur ein nette Chartformation ist. Sie hat tatsächlich einen Nutzen für den Trader.
„Head-and-shoulders Topbildungen sind die bärischen Chartformationen im Bullenmarkt mit den besten Ergebnissen.“
Thomas Bulkowski (Autor von Encyclopedia of Chart Patterns)
Einführung zur Schulter-Kopf-Schulter Chartformation
Diese Anleitung, die gespickt ist mit Beispielen, deckt alles ab, was du über diese leistungsstarke Head-and-Shoulders-Chartformation wissen musst.
Um Verwirrung zu vermeiden, gilt die Erklärung in dieser Anleitung für die Kpf-Schulter-Formation mit Topbildung. Es handelt sich dabei um eine bärische Trendwendeformation.
Die bullische Entsprechung ist die Head-and-Shouders Bodenformation (umgekehrte Head-and-Shoulders Formation).
Mach dich mit der Head-and-Shoulders-Formation vertraut. Anschließend kannst du das gleiche Prinzip anwenden, um die umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausfindig zu machen und zu traden.
Wie erkennt man die Schulter-Kopf-Schulter Chartformation
Wesentliche Bestandteile
Diese Abbildung zeigt die Haupteigenschaften der Schulter-Kopf-Schulter Chartformation. Darunter werden die einzelnen Bestandteile erläutert.

1. Linke Schulter
- Diese muss der höchste Punkt des aktuellen Aufwärtstrends an diesem Punkt der Formation sein.
2. Linkes Tal (erster Kursrücksetzer = Pullback zur Nackenlinie)
- Der erste Rücksetzer nach der linken Schulter
- Sein Tief ist der erste Punkt der späteren Nackenlinie
- Der Kurs darf dabei den vorherigen Aufwärtstrend noch nicht brechen
3. Kopf
- Muss ein neues Hoch im Aufwärtstrend sein
- Muss höher sein als die linke Schulter
4. Rechtes Tal (zweiter Kursrücksetzer = Pullback zur Nackenlinie)
- Muss tiefer sein als die linke Schulter
5. Rechte Schulter
- Muss zwischen dem Kopf und dem linken Tal liegen
6. Nackenlinie
- Verbinde das linke und rechte Tal zur Bildung der Nackenlinie
- Es muss ein Ausbruch unter die Nackenlinie stattfinden, um die Schulter-Kopf-Schulter-Formation zu bestätigen. Wenn es zu einem Kursanstieg über den Kopf kommt, bevor die Nackenlinie unterschritten wird, ist die Formation ungültig geworden und somit hinfällig.
Praktischer Hinweis zum Erkennen der Schulter-Kopf-Schulter-Formation
Die Head-and-Shoulders Formation ist eine auffällige Erscheinung in einem Chart. Sie sieht wie ein Kopf mit Schultern aus.
Zudem müssen sich die beiden Schulterbereiche überlagern, wie es in der folgenden Abbildung veranschaulicht wird. (Vergewissere dich, dass die obigen Punkte 4 und 5 zutreffen.
Daher ist es eine wirksame Methode zum Erkennen eines Schulter-Kopf-Schulter-Chartmusters, in deinen Charts nach einem herausragenden Kopf und sich teilweise überlappenden Schultern zu suchen.
Danach schaust du dir die Formation genauer an, um herauszufinden, ob diese die oben angegebenen Kriterien erfüllt.
Klassische Tradingregeln für die Schulter-Kopf-Schulter-Formation
Die klassische Head-and-Shoulders Formation ist eine bärische Umkehrformation. Daher ist ein übergeordneter Aufwärtstrend erforderlich.
Das Kurszielpotenzial lässt sich zusätzlich mit einem Fibonacci Retracement gegenprüfen.
- Überprüf, ob sich der Markt in einem Aufwärtstrend befindet (Es sollte eine intakte Trendlinie für diesen Aufwärtstrend vorhanden sein.)
- Steig ein, wenn die Nackenlinie nach unten durchbrochen wird.
- Platzier einen Stop-Loss über der rechten Schulter.
- Miss die Entfernung zwischen dem Kopf und der Nackenlinie (X) aus.
- Trag diese Entfernung (X) von der Nackenlinie nach unten ab. Platzier die Limitorder für dein Kursziel an dieser ermittelten Stelle.
Warum funktioniert das Schulter-Kopf-Schulter-Chartmuster?
Im Grunde werden wir nie genau wissen, warum eine Chartformation funktioniert.
Aber es ist hilfreich, das Chartmuster als Kampf zwischen Käufern und Verkäufern zu betrachten.
Der Kopf liegt höher als die linke Schulter. Dies stärkt die Käufer und vermittelt ihnen die Zuversicht, in den Markt einzusteigen.
Wenn sich aber die rechte Schulter entwickelt, liegt diese tiefer als der Kopf. Dies steht für den Misserfolg des Marktes, den Aufwärtstrend fortzusetzen.
Natürlich reicht diese Unfähigkeit, den Trend fortzusetzen, nicht zur Rechtfertigung eines Trades aus. Die Käufer sind zwar enttäuscht, haben aber nicht resigniert. Allerdings haben die unsicheren Käufer Angst bekommen. Sie sind ängstlich und reagieren sensibel auf die Price Action, die nachfolgt.
In dieser Situation wird die Nackenlinie zum wichtigen Unterstützungsbereich. Sein Scheitern wird die Angst der Käufer anschwellen lassen. Sie werden anfangen zu verkaufen, und mehr Verkäufer werden sich beteiligen, was eine Kursumkehr bewirkt.
Dieselbe Psychologie aus Erschöpfung und Nachschub steckt hinter dem Wimpelmuster (Pennant). Dort endet die Pause allerdings in einer Fortsetzung statt in einer Umkehr.
Die Kopf-Schulter-Formation ist nur eines von vielen Mustern. Einen kompakten Überblick über die 10 wichtigsten Chartmuster findest du in unserem großen Guide.
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Fortgeschrittenes Verständnis der Head-and-Shoulders Chartformation
Wie es auch bei jedem anderen Chartmuster der Fall ist, gibt es Abstufungen, die du nur durch Erfahrung erlernen kannst. Daher werden nun praktische Beispiele erläutert und nicht Grafiken aus Fachbüchern wie bisher.
Diese Einblicke beschleunigen deinen Fortschritt. Aber bedenk, dass es sich lediglich um Richtlinien handelt. Wende sie mit Umsicht an.
Einstiegsmethoden
Du solltest immer abwarten, bis ein Ausbruch aus der Nackenlinie einen Einstieg auslöst.
Ein früherer Einstieg ist bei Fortsetzungs-Setups sinnvoll. Aber eine Head-and-Shoulders Chartformation zielt oft auf eine wichtige Trendumkehr ab.
Wenn du auf den Wechsel der Markttendenz ausgerichtet bist, wird ein frühzeitiger Einstieg nicht die insgesamt geringere Erfolgswahrscheinlichkeit ausgleichen. Weitere Bestätigung ist immer hilfreich.
Je nach Grad deiner Zuversicht kannst du den Auslöser deines Einstiegs modifizieren. Anstatt unmittelbar nach dem Ausbruch durch die Nackenlinie einzusteigen, solltest du stattdessen diese Auslöser in Erwägung ziehen.

Warte einen eindeutigen Ausbruch aus der Nackenlinie ab. Du kannst auf einen Kursstab warten, der zur Bestätigung des Ausbruchs unter der Nackenlinie schließt.
Warte mit dem Einstieg ab, bis die Nackenlinie erneut getestet wird. Wird die Nackenlinie durchbrochen, wird sie von der Unterstützung zum Widerstand wechseln. Daher kannst du eine Shortposition eröffnen, wenn der Markt wieder die Nackenlinie als Widerstand mit einem Kursrücksetzer (Pullback) austestet.
Allerdings folgt nach vielen Ausbrüchen aus der Nackenlinie ein plötzlicher Kursabsturz, ohne dass es zu einem erneuten Test kommt. Deshalb solltest du darauf gefasst sein, dass du einige der besten Setups einer Head-and-Shoulders-Formation verpasst.
Falls dies nicht der Fall ist, kannst du die Strategie anwenden, deine Positionsgröße zu halbieren, indem du aufgrund eines Ausbruchs aus der Nackenlinie nur mit der Hälfte deiner ursprünglichen Positionsgröße einsteigst. Wenn es dann zum erneuten Test der Nackenlinie kommt, steigst du mit dem verbleibenden Rest der Position in den Markt ein. Dieser Ansatz gewährleistet, dass du dabei bist, wenn der Markt zu einem extremen Kurssturz ansetzt.

Wenn die Nackenlinie nach unten gerichtet ist, handelt es sich nicht um einen optimalen Auslöser. Die Kurse müssen in diesem Fall zuvor stärker fallen, bevor sie die abwärts gerichtete Nackenlinie nach unten durchbrechen können. Dies bedeutet, dass sich der Einstieg verzögert.
Deshalb entscheiden sich manche Trader dafür, die Schulter-Kopf-Schulter-Chartformation mit einer abwärts gerichteten Nackenlinie auszulassen. Das empfehle ich dir auch, wenn die Nackenlinie steil nach unten gerichtet ist.
Eine Nackenlinie mit leichter Abwärtsneigung kannst du handeln, falls es noch andere unterstützende Faktoren gibt. Tatsächlich sind einige Trader davon überzeugt, dass die Formation am besten funktioniert, wenn die Nackenlinie nach unten gerichtet ist.
Wenn du dich für einen Trade entscheidest, solltest du das rechte Tal als Auslösungskurs verwenden.
Platzierung des Verluststopps
Der klassische Stopp-loss für eine Head-and-Shoulders-Formation befindet sich genau über der rechten Schulter.
In vielen Fällen wird diese Gepflogenheit jedoch zu einem weiten Stopp führen.
Ist der Verluststopp, den die rechte Schulter vorgibt, zu weit, ist es sinnvoll, einen engeren Stopp zu platzieren. Gleichzeitig solltest du eine konsequente Strategie zum Wiedereinstieg in einen Trade anwenden.
Es gibt viele logische Möglichkeiten, einen Verluststopp enger zu gestalten.
Du könntest eine bärische Kursformation verwenden oder das am nächsten gelegene Swing-Hoch zur Platzierung des Verluststopps nutzen. Ein Verluststopp, der auf der Volatilität gründet, funktioniert ebenfalls.
Das folgende Beispiel zeigt ein Swing-Hoch als Möglichkeit für einen engeren Stop-loss.

Die aggressivste Ausstiegsstrategie beruht auf Ungültigkeit der Strategie. Wenn sich der Schusskurs über der Nackenlinie befindet, wird das Chartmuster als ungültig betrachtet, so dass die Position geschlossen wird.
Aber dieser Ansatz könnte dich aufgrund von geringfügigen Zickzackbewegungen aus guten Trades vertreiben. Erwäg aus diesem Grund einen Wiedereinstieg, wenn die Price Action günstig ist.
Kursziel
Das geplante Kursziel der Schulter-Kopf-Schulter-Chartformation entspricht einem theoretischen Minimum. Behandle es in der Praxis als ermitteltes Kursziel, mit dem gearbeitet wird, bevor andere Informationen einbezogen werden.
Es ist wichtig, auf die wesentliche Unterstützung zu achten, die die Dynamik des Kursrückgangs behindern könnte. Prüf nach, ob es eine entscheidende Unterstützung zwischen der Head-and-Shoulders-Formation und dem Kursziel gibt. Wenn das der Fall ist, halt dich nicht stur an das Kursziel.
Ein ebenso maßgebender Faktor ist das Zusammentreffen. Dieses Konzept bezieht sich auf die Gemeinsamkeiten von Ergebnissen und unterschiedlichen Beobachtungen. Wenn das geplante Kursziel in den Unterstützungsbereich fällt, musst du ihm größeres Gewicht beimessen.

Im obigen Beispiel fällt das geplante Kursziel in den Unterstützungsbereich einer Konsolidierung. Daher war dies ein hervorragendes Kursziel für diesen Trade. (Wie ich in meinen Tradingkurs lehre, bieten Konsolidierungszonen eine Möglichkeit, Unterstützung und Widerstand zu erkennen.)
Bedenk, dass dein Kursziel fließend sein kann. Wenn die Kursbewegungen abgewürgt werden und sich eine ausgedehnte Konsolidierung entwickelt, kannst du zum Marktkurs aussteigen. Dann musst du nicht warten, bis dein Kursziel erreicht wird.
Betrachtungen zum Volumen
Der Ausbruch aus der Nackenlinie sollte mit einem plötzlichen Volumenanstieg verbunden sein. Dies ist ein entscheidender Faktor für hochkarätige Chartmuster. Er funktioniert gut als Filter, der minderwertige Setups aussondert.
Diesen starken Volumenanstieg kannst du mithilfe der Volumendarstellung oder mithilfe eines Volumenindikators wie den OBV (On-Balance Volume) erkennen.
Im folgenden Beispiel war der Volumenanstieg dezent, aber bedeutungsvoll. Es ist keine besonders ausgeprägte Volumensteigerung festzustellen. Stattdessen stieg das Volumen kontinuierlich, als die Kurse fielen und die Nackenlinie durchbrachen. Dies zeigt, dass die Bären stärker wurden.

(Die Volumenveränderungen, die sich von Kursstab zu Kursstab einstellten, wurden durch den die Chart-Hintergrundfarbe verändernden Indikator hervorgehoben. Grün bedeutet zunehmendes Volumen, und rot zeigt zurückgehendes Volumen an.)
Die Volumenstruktur vor dem Ausbruch aus der Nackenlinie ist weniger wichtig als das Volumen beim Nackenlinien-Ausbruch. Aber es ist dennoch hilfreich, die folgenden Richtlinien in deiner Analyse anzuwenden.
- Wenn der Kopf weniger Volumen zeigt (im Vergleich zur rechten Schulter), ist dies ein Anzeichen für Desinteresse am Aufwärtstrend.
- Wenn extrem hohes Volumen am Kopf auftritt, könnte dies ein Anzeichen für Erschöpfung sein. (Lies dazu Ankerzonen und Stoppender Umsatz)
Hinweise zum Trading von Trendwenden
Bevor du an einen Umkehrtrade denkst, musst du zuerst einen Trend finden, der die Möglichkeit einer Trendwende bietet.
Eine wirksame Methode, dies zu bewerkstelligen, besteht darin, einen Aktienscan zu verwenden. Es gibt zwei grundlegende Möglichkeiten, wie du das tun kannst:
- Hohe ADX-Werte
- X-Tage über dem X-Perioden exponentiellen gleitenden Durchschnitt (z.B. 50 Tage über dem 50-Tage EMA (Exponential Moving Average)
Mit diesen Scans kannst du dir eine Beobachtungsliste anlegen. Danach kannst du sie regelmäßig überprüfen, um mögliche Head-and-Shoulders Chartmuster ausfindig zu machen.
Ein Schulter-Kopf-Schulter Chartmuster benötigt einige Zeit, um sich auszubilden, so dass du nicht jeden Chart täglich prüfen musst. Häufige Checks sind erst dann erforderlich, nachdem sich das rechte Tal der Formation entwickelt hat.
Zieh in Erwägung, zur Bestätigung der Trendumkehr nach einer Indikator-Divergenz zu suchen. Bärische Divergenz und ein Schulter-Kopf-Schulter Chartmuster sind eine wirkungsvolle Vorgehensweise bei erwarteten Trendwenden.
Das folgende Beispiel zeigt eine Head-and Shoulders-Formation mit einer bärischen Divergence des MACD.

Halt nach Märkten Ausschau, die einen starken und raschen Kursanstieg aufweisen, bevor sich ein Head-and-Shoulders-Chartmuster entwickelt. Die darauf folgende Trendumkehr wird dann aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls stark ausfallen.
Allerdings erfordert eine bedeutende Trendumkehr eine aussagekräftige Schulter-Kopf-Schulter-Chartformation. Um die Trendumkehr eines starken Aufwärtstrends erwarten zu können, solltest du nach einem Head-and-Shoulders-Chartmuster suchen, das sich während eines längeren Zeitraums gebildet hat. In solchen Fällen ist es normal, einige Wochen abzuwarten, bis sich diese Formation vollständig entwickelt hat.
Du wirst lernen, dass Geduld der entscheidende Faktor beim Trading von Head-and-Shoulders-Formationen ist.
Tradingmöglichkeiten für Fortsetzungstrades
Die Schulter-Kopf-Schulter Chartformation ist üblicherweise eine Umkehrformation. Aber das bedeutet nicht, dass du sie nicht auch für Fortsetzungs- und Pullback-Trades verwenden kannst.
Eine kleine Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist ein möglicher Auslöser für einen Pullback-Trade (Kursrücksetzer).
Betrachte hierzu das folgende Beispiel.

Dieser Markt zeigt einen Abwärtstrend. Der Pullback (Kursrücksetzer) zum 20-Perioden EMA (exponentieller gleitender Durchschnitt) bildete auch ein kleines Schulter-Kopf-Schulter-Chartmuster aus.
Der Ausbruch durch die Nackenlinie war hier ein perfekter Auslöser für einen bärischen Pullback-Trade.
Richtlinien für die Ausgestaltung des besten Chartmusters
Diese Richtlinien beziehen sich darauf, wie die ideale Head-and-Shoulders-Formation aussehen sollte. Diese Richtlinien sind zwar hilfreich, aber du solltest dich nicht wie versessen darauf stürzen. Die Price Action und deren Kontext lesen zu können, ist wichtiger, als die Entdeckung des perfekten Chartmusters.
Gib den Schulter-Kopf-Schulter-Chartmustern mit nach oben gerichteten Nackenlinien eine stärkere Gewichtung.
Wenn die linke Schulter tiefer liegt als die rechte Schulter, betrachte das als Anzeichen für größeres Gewinnpotenzial.
Einige Trader verharren in der Geometrie. Sie halten symmetrisch aussehende Chartmuster für überlegen. Aber nach den Forschungen von Thomas Bulkowski zeigen „symmetrisch aussehende Formationen schlechtere Ergebnisse“.
Der Einfluss der Trendlinie
Benutzt du Trendlinien, um den Markt zu verfolgen?
Falls ja, achte darauf, wie die Head-and-Shoulders-Formation mit der Trendlinie in Wechselwirkung steht.

- Das ist eine aufwärts gerichtete Trendlinie, die den aktuellen Trend verfolgt.
- Das rechte Tal der Formation durchbricht die Trendlinie, was besagt, dass der Trend geschwächt ist.
- Dieser erneute Test der durchbrochenen bullischen Trendlinie als Widerstand führte zur Formation der rechten Schulter.
Dieses Beispiel zeigt, dass du die hohe Qualität einer Schulter-Kopf-Schulter-Chartformation durch die Trendlinie bestätigen lassen kannst.
Weitere Hinweise
Theoretisch funktionieren Chartformationen wie die Head-and-Shoulders in allen Zeitrahmen.
Aber in der Praxis benötigen die meisten starken Schulter-Kopf-Schulter-Formationen länger, um sich zu entwickeln. Daher konzentrieren sich die meisten Trader auf Tagescharts und Wochencharts, um Schulter-Kopf-Schulter-Formationen ausfindig zu machen.

Beachte, dass die bullische Version der Formation (die umgekehrte Head-and-Shoulders-Formation) längere Zeit benötigt, um sich zu entwickeln. Dies entspricht der allgemeinen Beobachtung in Bezug auf bodenbildende Chartmuster. Eine Trendumkehr in einem fallenden Markt erfordert mehr Zeit.
Die umgekehrte Kopf-Schulter-Formation (Inverse SKS)
Die umgekehrte Kopf-Schulter-Formation, auch Inverse Head and Shoulders oder SKS-Bodenformation genannt, ist das bullische Gegenstück zur klassischen Formation. Sie tritt am Ende eines Abwärtstrends auf und signalisiert eine Trendumkehr nach oben.
Aufbau der umgekehrten Kopf-Schulter-Formation
Statt drei Hochs besteht die umgekehrte Formation aus drei Tiefs:
Linke Schulter: Erstes Tief im Abwärtstrend, gefolgt von einer Erholung.
Kopf: Tieferes Tief als die linke Schulter, der tiefste Punkt der gesamten Formation.
Rechte Schulter: Tief auf ähnlichem Niveau wie die linke Schulter, aber höher als der Kopf.
Nackenlinie: Verbindungslinie der beiden Hochs zwischen den drei Tiefs. Ein Ausbruch über die Nackenlinie bestätigt die Formation und löst das Kaufsignal aus.
Tradingregeln für die umgekehrte SKS
Die Regeln spiegeln die klassische Formation:
1. Bestätige einen intakten Abwärtstrend vor der Formation.
2. Steige ein, wenn die Nackenlinie nach oben durchbrochen wird, idealerweise mit erhöhtem Volumen.
3. Platziere den Stop-Loss knapp unterhalb der rechten Schulter.
4. Berechne das Kursziel: Miss den Abstand vom Kopf (tiefstes Tief) zur Nackenlinie und trage ihn ab dem Ausbruchspunkt nach oben ab.
Besonderheiten der umgekehrten Formation
Bodenbildungen brauchen in der Regel mehr Zeit als Topbildungen, das entspricht der allgemeinen Beobachtung, dass Märkte schneller fallen als steigen. Plane daher beim Trading der umgekehrten SKS mehr Geduld ein.
Ein Retest der Nackenlinie nach dem Ausbruch ist häufig, die ehemalige Widerstandslinie wird dann zur Unterstützung und bietet oft einen zweiten, günstigeren Einstiegspunkt. Achte auch hier auf bärisches Volumen beim Ausbruch: Ein Anstieg mit höherem Volumen stärkt die Aussagekraft der Formation deutlich.
Mögliche Tücken bei dem Schulter-Kopf-Schulter Chartmuster vermeiden
Fixier dich nicht auf den Namen der Head-and-Shoulders-Chartformation. Die Bezeichnung ist nicht wichtig, außer für die schnelle Einführung von Anfängern. Häufig kann man die besten Setups aufgrund unterschiedlicher Formationen und Begriffe erklären.
(Betrachte die Chartformation des Triple Top (dreifaches Hoch). Daran kannst du Folgendes sehen: Wenn der Kopf dieser Formation sehr tief liegt, sieht er fast wie die beiden Schultern aus.)
Erkenn an, dass alle Chartmuster eine Verbindung von Swing-Pivots und Trendlinien darstellen. Im Fall der Head-and-Shouders-Formation handelt es sich um eine Verbindung von drei Swing-Hochs, zwei Swing-Tiefs und einer Nackenlinie.
Wenn du Erfahrung hinzugewinnst, kannst du deine eigenen Regeln zum Erkennen von Swings und Chartmustern wie das Schulter-Kopf-Schulter-Chartmuster bestimmen.
(Anmerkung an meine Tradingkurs-Teilnehmer: Die rechte Schulter sollte ein getestetes Hoch sein, das wahrscheinlich nach dem Ausbruch aus der Nackenlinie zum gültigen Hoch wird.)
Die eigenen Regeln bestimmen?
Ja, du kannst von den klassischen Regeln abweichen. Achte einfach darauf, dass du konsequent und stimmig vorgehen. Das ist der beste Weg, um Verwirrung und Unübersichtlichkeit zu vermeiden, was Chartmuster zuweilen darstellen.
Schließlich bist du es, der für dein Tradingkonto verantwortlich ist und es handelt, und nicht die Autoren von Büchern über die technische Analyse.
Fühl dich nicht genötigt, jede Schulter-Kopf-Schulter-Formation zu traden, die du findest. Nimm nur die besten Trades. Dieser Rat gilt insbesondere für Umkehrtrades. Umkehr-Setups sind aufgrund ihres hohen Gewinnpotentials sinnvoll. Gib dich also nicht mit Setups zufrieden, die ein schwaches Gewinn-Risiko-Verhältnis aufweisen.
Du musst nicht dauernd eine Chartformation handeln. Du kannst Chartmuster auch für die Analyse verwenden.
Ein wohlgeformter Kopf und wohlgeformte Schultern schlagen beispielsweise fehl bei der Umkehr eines bullischen Trends.
Was hat dieser Fehlschlag zu bedeuten? Was sagt er dir über die aktuelle Price Action?
Bedenk auch, dass es sich beim Head-and-Shoulders einfach um ein Chartmuster handelt. Es ist ein nützliches Instrument, aber es erklärt die Märkte nicht.
Weitere Quellen
- Ein schlüssiges Price Action Konzept, um Swings zu definieren und Trendlinien zu zeichnen, ist hilfreich, um Schulter-Kopf-Schulter Chartmuster zu analysieren: Schau dafür in meinen Tradingkurs.
- Video von Investopedia, das die Head-and-Shoulders-Formation erklärt. In den Beispielen gibt es einige komplexe Head-and-Shoulders-Chartmuster.
- Auf der Website von Thomas Bulkowski erfährst du mehr darüber
- Buch von Thomas Bulkowski: Encyclopedia of Chart Patterns (Deutsche Übersetzung)
- Buch ebenfalls von Thomas Bulkowski: Visual Guide to Chart Patterns
Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: Head-and-Shoulders Pattern Trading Guide
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud
Fazit: die Nackenlinie entscheidet, nicht die Optik
Die Kopf-Schulter-Formation wird häufiger gesehen als gehandelt. Drei Hochs mit einem höheren in der Mitte finden sich in jedem Chart. Was daraus einen Trade macht, ist allein der Bruch der Nackenlinie, bestätigt durch ein deutliches Volumen.
Die Feinheiten sind keine Kür. Eine steil abwärts geneigte Nackenlinie entwertet das Setup, ein übersehener Unterstützungsbereich zwischen Formation und Kursziel macht das gemessene Ziel unerreichbar, und Symmetrie ist laut Bulkowskis Auswertungen eher ein Nachteil als ein Gütesiegel.
Behandle das gemessene Kursziel deshalb als theoretisches Minimum und nicht als Versprechen. Und behandle die Formation als das, was sie ist: ein Bild davon, wie den Käufern nacheinander die Argumente ausgehen.
Häufige Fragen zur Kopf-Schulter-Formation
Was ist eine Kopf-Schulter-Formation?
Die Kopf-Schulter-Formation (auch SKS-Formation oder Head and Shoulders Pattern) ist eine der bekanntesten Trendumkehrformationen der technischen Analyse. Sie besteht aus drei Hochs: zwei niedrigeren Schultern links und rechts sowie einem höheren Kopf in der Mitte. Das Muster signalisiert das mögliche Ende eines Aufwärtstrends und den Beginn eines Abwärtstrends.
Wie erkenne ich eine Kopf-Schulter-Formation im Chart?
Suche nach drei aufeinanderfolgenden Hochs, bei denen das mittlere (der Kopf) deutlich höher liegt als die beiden äußeren (die Schultern). Verbinde die beiden Tiefs zwischen den Hochs, das ergibt die Nackenlinie. Die Formation ist erst bestätigt, wenn der Kurs die Nackenlinie nach unten durchbricht. Wichtig: Die beiden Schultern müssen sich im Kursbereich überlappen.
Wie berechnet man das Kursziel der Kopf-Schulter-Formation?
Miss den Abstand vom Kopf zur Nackenlinie (X). Trage diesen Abstand vom Ausbruchspunkt an der Nackenlinie nach unten ab, das ergibt das rechnerische Mindestkursziel. Achte darauf, ob sich zwischen Nackenlinie und Kursziel wichtige Unterstützungszonen befinden, die den Kursrückgang abbremsen könnten.
Was ist die umgekehrte Kopf-Schulter-Formation?
Die umgekehrte Kopf-Schulter-Formation (Inverse SKS) ist das bullische Gegenstück. Sie bildet sich am Ende eines Abwärtstrends und besteht aus drei Tiefs, wobei das mittlere (der Kopf) tiefer liegt als die beiden Schultern. Ein Ausbruch über die Nackenlinie nach oben bestätigt die Formation und signalisiert eine mögliche Trendumkehr nach oben.
Wie zuverlässig ist die Kopf-Schulter-Formation?
Die Kopf-Schulter-Formation gilt laut Forschungen von Thomas Bulkowski als eine der zuverlässigsten bärischen Umkehrformationen im Bullenmarkt. Sie ist jedoch kein garantiertes Signal, ein Ausbruch mit erhöhtem Volumen, das Fehlen starker Unterstützungszonen darunter und eine bestehende MACD-Divergenz erhöhen die Aussagekraft deutlich. Formationen, bei denen der Kurs vor dem Nackenliniendurchbruch über den Kopf steigt, werden ungültig.
Wo platziere ich den Stop-Loss bei der Kopf-Schulter-Formation?
Der klassische Stop-Loss liegt knapp über der rechten Schulter. Ist dieser Abstand zu groß, kann alternativ das nächste Swing-Hoch unterhalb der rechten Schulter als engerer Stopp genutzt werden, kombiniert mit einer klaren Wiedereinstiegsstrategie. Ein volatilitätsbasierter Stop (z.B. auf Basis des ATR) ist ebenfalls eine sinnvolle Option.
Über den Autor: Galen Woods
Galen Woods ist Price-Action-Daytrader und Betreiber von Trading Setups Review. Sein Schwerpunkt liegt auf Kursstab-Analyse und dem Handel ohne Indikatoren, sein Wissen gibt er im Kurs „Day Trading With Price Action” weiter.
Auf kagels-trading.de erscheinen seit Jahren über 100 seiner Beiträge in deutscher Übersetzung. Sie decken Setups, Chartformationen und Handelstechniken ab, die er an eigenen Marktbeispielen entwickelt hat.
Für dieses Thema ist er einschlägig, weil er die Formation nicht über ihre Form definiert, sondern über das, was die Käufer an der Nackenlinie tun. Deshalb steht hier neben den Regeln auch, wann ein sauber aussehendes Muster trotzdem kein Trade ist.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.










