Ordertypen: die wichtigsten Orderarten für Trader und aktive Anleger (2026)

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026

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16 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

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Kaufen, verkaufen, absichern: Alles, was du an der Börse tust, läuft über eine Order. Trotzdem behandeln viele Anleger die Orderauswahl als lästige Formalie im Orderticket und klicken einfach auf „Kaufen”. Damit verschenkst du Kontrolle. Denn der Ordertyp entscheidet, zu welchem Kurs du in den Markt kommst, wie du wieder herauskommst und wie viel du in hektischen Marktphasen verlierst.

Der Unterschied ist schnell erklärt: Eine Market Order garantiert dir die Ausführung, aber nicht den Preis. Eine Limit Order garantiert den Preis, aber nicht die Ausführung. Und eine Stop Order wartet, bis der Markt einen von dir festgelegten Auslösekurs erreicht. Wer diese drei Mechanismen versteht, versteht fast alle Orderarten, denn die Profi-Varianten sind Kombinationen daraus.

In diesem Guide erkläre ich dir alle wichtigen Ordertypen und Orderzusätze: von der einfachen Market Order bis zur Iceberg Order. Ich handle seit 1978 an den Märkten und nutze diese Werkzeuge täglich in der eigenen Trading-Praxis. Du bekommst also keine Lexikon-Definitionen, sondern die Einordnung, wann welche Order sinnvoll ist und wo ihre Grenzen liegen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Ordertypen: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Market Order: Sie wird sofort zum nächsten handelbaren Kurs ausgeführt. Die Ausführung ist sicher, der Preis nicht.
  • Limit Order: Sie wird nur zu deinem Wunschkurs oder besser ausgeführt. Der Preis ist sicher, die Ausführung nicht.
  • Stop Order: Sie löst erst ab einem Auslösekurs aus: als Stop Buy für den Einstieg in Ausbrüche, als Stop Loss zur Verlustbegrenzung. Der Trailing Stop zieht den Auslösekurs automatisch nach.
  • Orderzusätze wie Fill or Kill oder Good till cancelled steuern zusätzlich, wie lange eine Order gilt und ob Teilausführungen erlaubt sind.

Was ist eine Order?

Eine Order ist der verbindliche Auftrag an einen Broker oder eine Bank, ein Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen.

Die Beispiele in diesem Guide funktionieren in jedem Markt, vom Aktienkauf bis zum Daytrading im DAX-Future.

Ohne Broker läuft an der Börse nichts. Als Privatanleger hast du keinen direkten Zugang zum Börsenhandel, deine Order geht deshalb immer über einen Broker oder eine Bank an den Handelsplatz. Dort trifft sie im Orderbuch auf die Aufträge der anderen Marktteilnehmer. Aus Angebot und Nachfrage entsteht der Kurs, zu dem deine Order ausgeführt wird.

Die gleichen Ordertypen nutzt du auch im Handel mit CFDs, dort führt sie der Broker direkt aus statt über die Börse.

Dabei lohnt der Blick auf Geld- und Briefkurs: Der Geldkurs ist der beste Kaufpreis der anderen Seite, der Briefkurs der beste Verkaufspreis. Die Spanne dazwischen, der Spread, ist ein versteckter Kostenfaktor jeder Order und wird umso wichtiger, je öfter du handelst.

Ein Ordertyp (auch Orderart) legt fest, zu welchen Bedingungen eine Börsenorder ausgeführt wird: sofort zum Marktpreis, zum Wunschkurs oder erst ab einem Auslösekurs.

Kann ich eine Order ändern oder löschen?

Ja, solange sie noch nicht ausgeführt wurde. Alle gängigen Broker erlauben das unbegrenzte Setzen, Ändern und Löschen offener Orders. Deine offenen Aufträge findest du in der Orderübersicht deines Depots. Nur bei der Market Order ist das Zeitfenster praktisch null, weil sie sofort ausgeführt wird. Ausgeführte Orders lassen sich grundsätzlich nicht mehr zurücknehmen.

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Welche Ordertypen gibt es?

Sechs Ordertypen bilden das Fundament, praktisch jede weitere Orderart ist eine Kombination oder Verfeinerung dieser Grundtypen. Die offizielle Referenz für den elektronischen Handel liefert die Deutsche Börse für Xetra, dort sind Market Orders und Limit Orders die beiden zugelassenen Basistypen der Preisbildung.

OrdertypFunktionTypischer Einsatz
Market Ordersofort zum nächsten Kursschneller Ein- oder Ausstieg
Limit Ordernur zum Wunschkurs oder bessergeduldiger Einstieg, Teilgewinne
Stop Order (Stop Buy / Sell Stop)wird ab Auslösekurs zur Market OrderAusbrüche handeln
Stop-Loss-Orderverkauft ab Auslösekurs bestensVerluste begrenzen
Stop-Limit-Orderwird ab Auslösekurs zur Limit OrderPreiskontrolle beim Stop
Trailing StopAuslösekurs folgt dem Kurs automatischGewinne laufen lassen

Welche dieser Typen dir tatsächlich zur Verfügung stehen, hängt vom Broker ab. Neo-Broker bieten oft nur die Basis, Profi-Plattformen dagegen Dutzende Varianten. Eine Übersicht dazu findest du weiter unten in der Broker-Tabelle.

Die Market Order: sofort zum nächsten Kurs

Eine Market Order ist ein unlimitierter Auftrag, der sofort zum nächsten handelbaren Kurs ausgeführt wird.

Die Market Order ist der Direktkauf unter den Ordertypen: Du nimmst den Preis, den der Markt dir gerade bietet. Beim Kauf heißt das an deutschen Börsen „billigst”, beim Verkauf „bestens”. Ausführlich erklären wir sie im Artikel zur Market Order.

Market Order im Orderpanel von TradingView mit Kauf- und Verkaufskurs
Market Order im Orderpanel von TradingView: Der Auftrag wird sofort zum nächsten Kurs ausgeführt.

Ihre Stärke ist die höchste Ausführungspriorität: Market Orders werden vor allen anderen Orders bedient. Es gibt kein Ausführungsrisiko, angenommene Orders werden auch ausgeführt. Genau deshalb eignet sie sich gut, um offene Positionen schnell zu schließen. Für Langfristanleger spielt der exakte Einstiegskurs ohnehin eine untergeordnete Rolle.

Die Grenzen musst du trotzdem kennen. Der größte Haken ist die fehlende Preiskontrolle:

  • Kein garantierter Preis: Ausgeführt wird zum nächsten Kurs, nicht zum angezeigten. Bei schnellen Bewegungen entsteht Slippage, also die Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungskurs.
  • Gefahr bei illiquiden Werten: Bei marktengen Aktien mit weitem Spread kann der nächste Kurs deutlich vom letzten abweichen. Hier ist eine Market Order die teuerste Variante.
  • Kaum stornierbar: Wegen der sofortigen Ausführung bleibt praktisch kein Zeitfenster, um die Order zurückzunehmen.

Market on Open und Market on Close

Zwei Varianten steuern den Zeitpunkt statt den Preis. Die Market-on-Open-Order (MOO) wird automatisch zur Handelseröffnung ausgeführt, die Market-on-Close-Order (MOC) möglichst nahe am Schlusskurs. Beide nutzen Trader, die gezielt die liquiden Auktionsphasen am Anfang und Ende des Handelstages handeln wollen.

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Die Limit Order: nur zu deinem Wunschkurs

Eine Limit Order ist ein Auftrag, der nur zum festgelegten Limitkurs oder besser ausgeführt wird.

Mit dem Limit tauschst du Geschwindigkeit gegen volle Kontrolle über den Preis. Die Order wartet im Orderbuch, bis der Markt dein Limit erreicht. Tut er das nie, verfällt die Order am Ende ihrer Gültigkeit unausgeführt. Das ist der Preis der Preiskontrolle: Der Markt kann ohne dich davonlaufen.

  • Buy Limit: Das Kauflimit liegt unter dem aktuellen Kurs. Du willst den Wert günstiger einsammeln, etwa an einer Unterstützung oder nach einem Rücksetzer.
  • Sell Limit: Das Verkaufslimit liegt über dem aktuellen Kurs. So nimmst du Teilgewinne an vorher definierten Marken mit oder eröffnest eine Short-Position in eine Aufwärtsbewegung hinein.
Buy Limit Order als Pending Order im MetaTrader Orderfenster
Buy Limit Order im MetaTrader: Die Order wartet unterhalb des aktuellen Kurses auf ihre Ausführung.

In der Praxis platzieren viele Trader ihre Kauflimits an markanten technischen Marken. Rücklaufzonen aus dem Fibonacci Retracement sind ein Klassiker: Das 61,8-Prozent-Level ist eine beliebte Zone für Buy-Limit-Orders in Trendrichtung.

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Die Stop Order: Stop Buy und Sell Stop

Eine Stop Order ist ein Auftrag, der bei Erreichen des Stop-Kurses automatisch zu einer Market Order wird.

Die Stop Order dreht die Logik der Limit Order um. Du steigst nicht günstiger ein, sondern erst wenn der Markt deine These bestätigt. Erfahrene Trader sprechen davon, in den Markt „eingestoppt” zu werden. Nach dem Auslösen gilt die Market-Order-Logik: Ausgeführt wird zum nächsten Kurs, nicht zwingend exakt am Stop-Niveau.

Die Stop Buy Order (je nach Broker auch Start Buy genannt) liegt über dem aktuellen Kurs. Sie kauft erst, wenn der Wert eine wichtige Marke nach oben durchbricht, etwa einen Widerstand oder ein altes Hoch. Damit handelst du Ausbrüche, ohne den ganzen Tag auf den Chart zu starren. Auch beim News Trading ist das nützlich, wenn du erst bei bestätigter Marktreaktion einsteigen willst.

Die Sell Stop Order ist das Spiegelbild: Sie liegt unter dem aktuellen Kurs und verkauft erst, wenn der Markt eine Unterstützung nach unten durchbricht. Dahinter stehen zwei Einsatzzwecke. Als Einstiegsorder eröffnet sie eine Short-Position in den Abwärtsbruch hinein, mehr dazu im Artikel über Leerverkäufe. Als Ausstiegsorder sichert sie eine bestehende Long-Position ab, dann heißt sie Stop Loss.

Die Stop-Limit-Order: Stop mit Preiskontrolle

Eine Stop-Limit-Order wird bei Erreichen des Stop-Kurses zur Limit Order und kombiniert damit Auslösekurs und Preiskontrolle.

Der Unterschied zur normalen Stop Order steckt im zweiten Schritt. Statt einer Market Order wird beim Auslösen eine Limit Order mit von dir gesetztem Limit ins Orderbuch gelegt. Damit verhinderst du, dass dich ein Kursrutsch zu einem deutlich schlechteren Kurs ausführt, als der Stop vorsah.

Der Schutz hat eine Kehrseite, und die musst du kennen: Fällt der Kurs schnell durch dein Limit hindurch, wird die Order nicht ausgeführt. Du sitzt dann weiter auf der Position, während der Markt fällt. Beim Absichern von Verlusten ist die Stop-Limit-Order deshalb ein zweischneidiges Schwert: Preiskontrolle gegen Ausführungsgarantie.

Stop Loss und Trailing Stop: Verluste begrenzen, Gewinne sichern

Der Stop Loss ist die wichtigste Anwendung der Stop-Logik: Er verkauft deine Position automatisch bestens, sobald der Kurs dein Stop-Niveau erreicht. Er ist damit die Versicherung gegen den großen Verlust, gerade wenn du nicht ständig auf den Markt schauen kannst. Am Wochenende und über Feiertage schützt er allerdings nur begrenzt: Eröffnet der Markt mit einem Gap unter deinem Stop, wird zum nächsten Kurs ausgeführt, nicht an deiner Marke.

Wo der Stop sinnvoll liegt, ist eine technische Frage, keine Prozentfaustregel. Pauschale Abstände führen dazu, dass dich normales Marktrauschen aus guten Positionen wirft. Besser orientierst du den Stop an Marktstruktur und Volatilität: unterhalb der letzten relevanten Unterstützung oder über einen ATR-basierten Volatilitäts-Stop. Die komplette Anleitung mit Strategien für den initialen Stop findest du im Artikel zum Stop-Loss richtig setzen, die Einbettung ins große Ganze im Guide zum Risikomanagement.

Ein Trailing Stop ist eine Stop Order, deren Auslösekurs dem Kurs automatisch in einem festen Abstand folgt.

Läuft die Position in deine Richtung, zieht der Trailing Stop das Stop-Niveau automatisch hinterher, in Prozent oder Punkten. Läuft der Kurs zurück, bleibt der Stop stehen. So musst du im Daytrading und Swing Trading nicht ständig manuell nachziehen und lässt Gewinne laufen, ohne den Ausstieg zu verpassen. Wie du Ausstiege insgesamt planst, zeigt der Artikel zum Trade-Ausstieg.

Ganz ohne Haken ist auch der Trailing Stop nicht: In volatilen Seitwärtsphasen wirft dich der nachgezogene Stop oft zu früh aus Positionen, die danach weiterlaufen. Der Abstand entscheidet, und der gehört wie der initiale Stop an die Volatilität des Wertes angepasst.

13 Trading-Indikatoren, die du kennen musst

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Die Ordergültigkeit: wie lange deine Order lebt

Die Ordergültigkeit bestimmt, wie lange eine Order aktiv bleibt, etwa nur für den Handelstag (Day Order) oder bis auf Widerruf (GTC).

Neben Typ und Kurs legst du bei jeder Order fest, wie lange sie im Orderbuch liegen darf. Die wichtigsten Varianten:

  • Day Order (tagesgültig): Die Order verfällt automatisch am Ende des Handelstages, wenn sie bis dahin nicht ausgeführt wurde. Wann der Handel an den wichtigsten Börsen endet, zeigt die Übersicht der Börsenzeiten.
  • Good till cancelled (GTC): Die Order bleibt aktiv, bis sie ausgeführt oder von dir gelöscht wird. Broker begrenzen das meist auf 90 bis 360 Tage, je nach Anbieter und Handelsplatz.
  • Good till Date (GTD): Die Order gilt bis zu einem von dir festgelegten Datum und verfällt danach.
  • Good after Time (GAT): Die Order wird erst ab einem festgelegten Zeitpunkt aktiv. Diese Variante bieten vor allem Profi-Plattformen an.
Ordergültigkeit: Übersicht der Gültigkeitsdauer-Optionen einer Order
Die Gültigkeitsdauer entscheidet, wie lange eine Order im Orderbuch aktiv bleibt.

Für Daytrader sind tagesgültige Orders der Standard, offene GTC-Orders über Nacht passen selten zum kurzfristigen Ansatz. Langfristanleger nutzen GTC-Limits dagegen gezielt, um geduldig auf ihre Einstiegskurse zu warten.

Weitere Orderarten für erfahrene Trader

Über die Basistypen hinaus bieten viele Broker sogenannte intelligente Ordertypen an: Kombinationen aus mehreren Orders, die Einstieg, Absicherung und Gewinnmitnahme automatisch verknüpfen. Nicht jeder Broker führt jede Variante, die Bezeichnungen unterscheiden sich zudem von Anbieter zu Anbieter.

Eine OCO-Order (One cancels the other) verknüpft zwei Orders, von denen eine automatisch gelöscht wird, sobald die andere ausgeführt wurde.

  • OCO-Order: Der Klassiker unter den Kombi-Orders. Typischer Einsatz: ein Sell Limit über dem Kurs für die Gewinnmitnahme plus ein Stop Loss darunter. Wird eine Seite ausgeführt, löscht das System die andere.
  • Bracket Order: Sie legt beim Einstieg sofort eine komplette Klammer um die Position: Hauptorder plus Take-Profit-Order plus Stop-Order in einem Schritt. Das erzwingt Disziplin, weil Ausstieg und Absicherung von Anfang an feststehen.
  • If-Done- und Next-Order: Beide regeln die Reihenfolge verketteter Orders. Die Folgeorder wird erst aktiv, wenn die Basisorder vollständig ausgeführt ist, etwa ein Stop Loss, der erst nach dem Kauf scharf geschaltet wird.
  • Iceberg Order und Hidden Order: Werkzeuge für Großvolumen. Die Iceberg Order zeigt im Orderbuch nur die Spitze des Gesamtvolumens, die Hidden Order bleibt komplett unsichtbar. Für private Trader spielen beide praktisch keine Rolle.
  • Market if touched (MIT): Eine Order, die beim Berühren des Trigger-Preises zur Market Order wird. Anders als die Stop Order kauft sie unterhalb beziehungsweise verkauft sie oberhalb des aktuellen Kurses, also antizyklisch am Wunschniveau.
  • Market to Limit (MTL): Sie startet als Market Order. Kann nur ein Teil ausgeführt werden, wandelt sich der Rest in eine Limit Order zum Preis der ersten Teilausführung. Das verhindert Teilausführungen zu immer schlechteren Kursen.
  • Market with Protection (MWP): Eine Variante aus dem Futures-Handel. Der nicht ausgeführte Rest einer Market Order wird automatisch in eine Limit Order nahe am Marktpreis umgewandelt.

Lesetipp: Die vollständige Liste aller Ordertypen bei Interactive Brokers zeigt, wie umfangreich das Angebot einer Profi-Plattform ausfallen kann.

Orderzusätze: Ausführung und Gültigkeit steuern

Ein Orderzusatz ist eine Zusatzbedingung, die Gültigkeit oder Ausführung einer Order steuert, zum Beispiel Fill or Kill oder Good till cancelled.

Orderzusätze sind keine eigenen Ordertypen, sondern Bedingungen, die du an bestehende Orders anhängst. Die Gültigkeits-Zusätze (GTC, GTD, GAT) hast du oben schon kennengelernt. Die übrigen wichtigen Zusätze steuern das Ausführungsverhalten:

  • All or None (AON): Die Order wird nur vollständig oder gar nicht ausgeführt, Teilausführungen sind ausgeschlossen. Willst du 5.000 Aktien kaufen und es stehen nur 4.999 zum Verkauf, passiert nichts. Der Zusatz eignet sich für den Aktienhandel in marktengen Werten, bei denen viele kleine Teilausführungen unnötige Gebühren verursachen würden.
  • Fill or Kill (FOK): Die verschärfte Variante: sofort vollständig ausführen oder komplett löschen. Die Order wartet nicht bis Tagesende, sondern verfällt augenblicklich. Verbreitet im Handel mit Futures und Optionen.
  • Immediate or Cancel (IOC): Wie FOK, aber Teilausführungen sind erlaubt. Was sofort ausführbar ist, wird ausgeführt, der Rest wird gelöscht.

Orderzusatz „variabel”: fortlaufender Handel statt Einheitskurs

An deutschen Handelsplätzen begegnet dir außerdem der Zusatz „variabel”. Er stammt aus dem klassischen Parketthandel und bedeutet, dass deine Order im fortlaufenden Handel ausgeführt wird: Kurse entstehen den ganzen Handelstag über laufend neu. Das Gegenstück ist der Kassa-Handel mit nur einer Kursfeststellung pro Tag, dem Einheitskurs. Auf Xetra übernehmen heute die Eröffnungs- und Schlussauktion diese Funktion. Für dich als Trader ist „variabel” fast immer die richtige Wahl, weil die Order schneller und näher am aktuellen Markt ausgeführt wird.

Welche Broker bieten welche Ordertypen?

Das Orderangebot unterscheidet sich drastisch zwischen den Anbietern. Prüfe deshalb vor der Depoteröffnung, ob die Ordertypen deiner Strategie verfügbar sind. Ein Überblick über die Anbieterlandschaft steht im Online-Broker-Vergleich.

Broker / PlattformOrdertypenEinschränkungen
Trade RepublicMarket, Limit, Stopkein Trailing Stop, Krypto nur per Market Order
Interactive Brokersalle Basis- und Profi-Orders (OCO, Bracket, MIT, MOC und mehr)Plattform anspruchsvoll für Einsteiger
MetaTrader-Broker (CFD-Broker)Market, Buy/Sell Limit, Buy/Sell Stop, Stop-Limit (MT5), Trailing StopTrailing Stop läuft lokal, nur bei laufender Plattform
Klassische Banken wie comdirectMarket, Limit, Stop, Stop-Limit, Trailing Stop, Kombi-OrdersAngebot je nach Handelsplatz unterschiedlich

Trade Republic nennt die verfügbaren Orderarten in den eigenen Support-Seiten: Market, Limit und Stop. Für Einsteiger reicht das, wer aber mit Trailing Stops oder Kombi-Orders arbeitet, braucht einen Broker mit breiterem Angebot. Beim MetaTrader gilt eine Besonderheit: Der Trailing Stop wird clientseitig auf deinem Rechner nachgezogen und funktioniert nur, solange die Plattform läuft.

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Fazit: Ordertypen sind dein Handwerkszeug

Ordertypen entscheiden nicht über deine Strategie, aber über die Qualität ihrer Umsetzung. Die Market Order kauft dir Geschwindigkeit, die Limit Order Preiskontrolle, die Stop-Familie automatisiert Einstieg und Absicherung. Wer die Mechanik dahinter versteht, macht weniger teure Flüchtigkeitsfehler im Orderticket.

Aus über 45 Jahren Trading-Praxis kann ich dir zwei Dinge mitgeben. Erstens: Handle nie eine Position ohne geplanten Ausstieg, der Stop Loss gehört zur Order wie der Einstiegskurs. Zweitens: Prüfe dein Depot einmal ehrlich darauf, ob dein Broker die Orders deiner Strategie überhaupt anbietet. Ein fehlender Trailing Stop oder eine fehlende OCO-Order ist ein legitimer Grund, den Anbieter zu wechseln.

Häufige Fragen zu Ordertypen

Welche Ordertypen gibt es?

Die sechs Grundtypen sind Market Order, Limit Order, Stop Order (Stop Buy und Sell Stop), Stop-Loss-Order, Stop-Limit-Order und Trailing Stop. Dazu kommen Kombi-Orders wie OCO oder Bracket und Orderzusätze wie Fill or Kill, die Gültigkeit und Ausführung steuern.

Was ist der Unterschied zwischen Stop-Loss- und Stop-Limit-Order?

Der Stop Loss verkauft nach dem Auslösen bestens zum nächsten Kurs: Die Ausführung ist sicher, der Preis nicht. Die Stop-Limit-Order legt nach dem Auslösen eine Limit Order ins Buch: Der Preis ist kontrolliert, aber bei einem schnellen Kursrutsch durch das Limit bleibt die Position unverkauft.

Wann nutze ich eine Market Order und wann eine Limit Order?

Die Market Order passt, wenn die Ausführung wichtiger ist als der Preis, etwa beim schnellen Schließen einer Position in liquiden Werten. Die Limit Order passt, wenn der Preis wichtiger ist als die Ausführung, etwa beim geduldigen Einstieg an einer technischen Marke.

Welche Orderzusätze gibt es?

Die wichtigsten Zusätze sind All or None, Fill or Kill und Immediate or Cancel für das Ausführungsverhalten sowie Good till cancelled, Good till Date und Good after Time für die Gültigkeit. An deutschen Handelsplätzen kommt der Zusatz „variabel” für den fortlaufenden Handel dazu.

Kann ich eine Order ändern oder löschen?

Ja. Solange eine Order nicht ausgeführt wurde, kannst du sie bei allen gängigen Brokern kostenlos ändern oder löschen. Nach der Ausführung ist keine Rücknahme mehr möglich. Bei der Market Order bleibt wegen der sofortigen Ausführung praktisch kein Zeitfenster.

Was sind intelligente Ordertypen?

Als intelligente Ordertypen bezeichnen Börsen und Broker Kombinationen aus mehreren Orders, die automatisch zusammenspielen. Die bekanntesten sind der Trailing Stop, die OCO-Order (eine Ausführung löscht die andere) und die Bracket Order (Einstieg, Gewinnziel und Stop in einem Schritt).

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.

In den späten 1980er-Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und brachte dessen zehn Bücher ins Deutsche. Zwischen 2000 und 2010 gab er Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Jede Order in diesem Artikel hat Karsten in fast fünf Jahrzehnten Handelspraxis selbst unzählige Male eingesetzt: von der ersten Limit Order am Telefon bis zu Bracket Orders auf modernen Plattformen. Die Einordnungen, wann welcher Ordertyp sinnvoll ist, stammen aus dieser täglichen Praxis, nicht aus der Theorie.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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