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Liquidity Sweep erklärt: Bedeutung, Trading & Anwendung (2026)

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2026

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9 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

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Wenn der Kurs ein markantes Tief kurz unterschreitet und danach scharf nach oben dreht, ist das selten Zufall. Der Markt hat sich Liquidität geholt: Genau unter diesem Tief lagen die Stop-Loss-Orders der Käufer und die Verkaufsaufträge der Ausbruchshändler. Diesen Vorgang nennt man Liquidity Sweep. Im Buchstabenprofil hinterlassen solche Bewegungen sichtbare Spuren, siehe Single Prints im Market Profile.

Ich handle seit 1978 nach dem reinen Kursverlauf, und kaum ein Muster wiederholt sich so zuverlässig wie das Abfischen von Stops an offensichtlichen Marken. In diesem Artikel zeige ich dir, was ein Liquidity Sweep ist, wie du ihn von einem echten Ausbruch unterscheidest und wie du daraus ein regelbasiertes Setup ableitest.

Der Begriff stammt aus den Smart Money Concepts, die auf Michael Huddleston, den Inner Circle Trader (ICT), zurückgehen. Das Prinzip ist deutlich älter als das Label: Schon der Wyckoff Spring beschrieb vor rund 100 Jahren denselben Mechanismus. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

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Liquidity Sweep: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Bedeutung: Ein Liquidity Sweep ist eine gezielte Bewegung über ein markantes Hoch oder unter ein markantes Tief, die dort liegende Stop-Orders auslöst. Danach dreht der Kurs häufig scharf um.
  • Dahinter steckt: Institutionelle Marktteilnehmer brauchen die ausgelösten Orders als Gegenseite, um große Positionen zu füllen, ohne den Preis gegen sich zu bewegen.
  • Erkennen: Langer Docht über das Level, schnelle Rückkehr in die Spanne, danach oft ein Strukturbruch, ein Fair Value Gap oder ein Orderblock.
  • Vorsicht: Nicht jeder Sweep dreht. Zieht der Kurs durch, war es ein Liquidity Run. Ohne Bestätigung gibt es keinen Einstieg.

Was ist ein Liquidity Sweep?

Ein Liquidity Sweep ist eine gezielte Preisbewegung über ein markantes Hoch oder unter ein markantes Tief, die dort liegende Stop-Loss- und Pending-Orders auslöst, bevor der Kurs häufig scharf in die Gegenrichtung dreht.

Über Hochs und unter Tiefs sammeln sich Aufträge wie an kaum einer anderen Stelle im Chart: Stop-Loss-Orders, also Schutzaufträge bestehender Positionen, und Pending Orders, vorab platzierte Aufträge von Ausbruchshändlern. Diese Bereiche sind Sammelstellen von Liquidität, und genau diese Liquidität benötigen große Marktteilnehmer, um ihre umfangreichen Orders zu platzieren.

Der entscheidende Punkt: Die Bewegung über das Level erfolgt nicht zufällig. Sie wird oft gezielt herbeigeführt, um diese Liquidität zu „ernten“. Erst danach setzt die eigentliche Bewegung ein, meist in die Gegenrichtung. Für unerfahrene Trader wirkt das wie ein Fehlausbruch. Für institutionelle Händler ist es ein effizienter Einstieg auf Kosten der Masse.

Im Kontext der Smart Money Concepts unterscheidet man zwei Arten von Liquidität, je nachdem, ob die Orders über den Hochs oder unter den Tiefs des Marktes liegen:

Buy Side Liquidity bezeichnet die Ansammlung von Kauforders oberhalb markanter Hochs, vor allem Stop-Losses von Short-Positionen und Kauf-Stopps von Ausbruchshändlern.

Sell Side Liquidity bezeichnet die Ansammlung von Verkaufsorders unterhalb markanter Tiefs, vor allem Stop-Losses von Long-Positionen und Verkaufs-Stopps von Ausbruchshändlern.

Warum liegen dort so viele Orders? Wer short ist, sichert sich über dem letzten Hoch ab. Wer long ist, legt seinen Stop-Loss unter das letzte Tief. Und Breakout-Trader stellen ihre Einstiegsaufträge genau über beziehungsweise unter diese Marken. Drei Gruppen, ein Preisbereich: So entsteht ein Cluster.

Ein Liquidity Pool im Trading ist eine Preiszone, in der sich besonders viele Stop- und Pending-Orders sammeln, typischerweise über gleichen Hochs, unter gleichen Tiefs oder an runden Kursmarken.

liquidity sweep zonen: buy side liquidity ueber gleichen hochs, sell side liquidity unter gleichen tiefs
Buy Side Liquidity über gleichen Hochs, Sell Side Liquidity unter gleichen Tiefs: Dort sammeln sich die Stop-Orders.

Liquidity Sweep vs. Liquidity Run

Ein Liquidity Sweep und ein Liquidity Run sehen im ersten Moment identisch aus: Der Markt durchbricht ein markantes Hoch oder Tief und löst die dort liegenden Stop-Orders aus. Der Unterschied zeigt sich erst in der Reaktion danach.

Ein Liquidity Run liegt vor, wenn der Markt nach dem Auslösen der Stop-Orders nicht umkehrt, sondern mit dem gewonnenen Momentum in dieselbe Richtung weiterläuft.

Beim Sweep wird die Liquidität geholt, doch der Markt dreht direkt danach: ein klassischer Fehlausbruch mit klarer Ablehnung des Levels. Für dich ist das die Basis für ein antizyklisches Setup, etwa ein Reversal zurück in die Spanne.

Beim Run verstärkt sich das Momentum nach dem Bruch, und es folgt eine echte Trendfortsetzung. In diesem Fall eignet sich der Rücklauf in die Ausbruchszone oder in ein Fair Value Gap als prozyklischer Einstieg.

Kurz gesagt: Beim Sweep kehrt der Kurs um, beim Run läuft er weiter. Der Sweep liefert ein Umkehrsignal, der Run bestätigt den Trend.

MerkmalLiquidity SweepLiquidity Run
Reaktion nach dem Levelbruchschnelle Rückkehr in die SpanneKurs zieht weiter durch
Typisches Kerzenbildlanger Docht, Ablehnungvolle Kerzenkörper, Anschlussorders
Setup-Richtungantizyklisch (Umkehr)prozyklisch (Fortsetzung)

liquidity sweep und liquidity run im vergleich: umkehr nach dem levelbruch gegen trendfortsetzung
Gleicher Levelbruch, zwei Ausgänge: Der Sweep dreht zurück in die Spanne, der Run setzt den Trend fort.

Im Krypto-Handel wird dieses Prinzip sichtbar gemacht, indem Zonen mit vielen gehebelten Positionen eingefärbt werden. Wie belastbar das ist, klärt der Beitrag zur Liquidation Heatmap.

Liquidity Sweep vs. Liquidity Grab: wo der Unterschied liegt

Beide Begriffe beschreiben das Abholen von Stop-Orders an markanten Marken, und viele Trader verwenden sie synonym. Wer genauer hinschaut, findet in der SMC-Literatur aber eine gängige Abgrenzung über Tempo und Ausdehnung der Bewegung.

Ein Liquidity Grab ist das besonders schnelle Abholen von Stop-Orders, oft innerhalb einer einzigen Kerze mit langem Docht, während ein Sweep meist eine breitere Bewegung mit anschließender Rückkehr über das Level beschreibt.

In der Praxis ist die Trennung weniger wichtig als das Prinzip dahinter: In beiden Fällen hat der Markt Liquidität jenseits eines Levels eingesammelt, und du wartest auf dieselbe Bestätigung, bevor du handelst. Lass dich von den Begriffen nicht verwirren. Entscheidend ist, was der Kurs nach dem Levelbruch tut.

Wie große Marktteilnehmer Liquidity Sweeps nutzen

Große Akteure wie Investmentbanken, Hedgefonds oder Market Maker handeln Positionen mit enormem Volumen. Um solche Orders abzuwickeln, brauchen sie vor allem eines: Liquidität. Und die finden sie dort, wo viele Retail-Trader ihre Stop-Loss- und Breakout-Orders platzieren.

Der Markt folgt dabei nicht einfach Angebot und Nachfrage. Er bewegt sich von Zonen dünner Liquidität zu Zonen dichter Liquidität. Diese Zonen liegen fast immer an offensichtlichen technischen Marken:

  • Unter Swing-Tiefs: Dort sammelt sich Sell Side Liquidity aus Stop-Losses der Long-Positionen.
  • Über markanten Hochs: Dort liegt Buy Side Liquidity aus Stopps der Shorts und Kauforders der Ausbruchshändler.
  • An engen Seitwärtsphasen: Konsolidierungen bündeln Orders auf beiden Seiten der Range.
  • An runden Kursmarken: Psychologische Niveaus wie 1,1000 im Euro oder 15.000 im Index ziehen Cluster von Aufträgen an.

Ein Sonderfall sind Equal Highs und Equal Lows: mehrfach getestete, fast gleich hohe Extrempunkte, die jeder Marktteilnehmer im Chart sieht und die deshalb besonders viel Liquidität anziehen:

Equal Highs und Equal Lows sind zwei oder mehr nahezu gleich hohe Hochs beziehungsweise Tiefs, die im Smart-Money-Ansatz als sichtbare Liquiditätsmagnete gelten.

Der typische Ablauf eines Liquidity Sweeps

  • 1. Liquiditätspool identifizieren: Über Volumenprofile, Orderbuch-Daten oder schlicht die historische Struktur erkennen große Adressen, wo sich Stop-Cluster befinden.
  • 2. Gezielter Anlauf: Der Preis wird in Richtung der Zone gedrückt, mal langsam „angesogen“, mal als schneller Spike.
  • 3. Stops werden ausgelöst: Über dem Hoch oder unter dem Tief feuern die Stop-Losses, dazu kommen Marktorders der Breakout-Trader. Es entsteht ein kurzer Liquiditätsschub.
  • 4. Absorption durch das Smart Money: Die großen Adressen stellen sich gegen die ausgelöste Richtung und nehmen das Volumen auf. Während Retail-Stops automatisch verkaufen, kaufen die Großen, oder umgekehrt.
  • 5. Richtungswechsel: Ist die Liquidität eingesammelt und kommen keine neuen Orders nach, dreht der Preis oft scharf und schnell.

Ein institutioneller Trader, der 500 Future-Kontrakte oder mehrere Millionen in einem Forexpaar handeln will, kann das nicht mitten in der Spanne tun, ohne den Preis massiv gegen sich zu bewegen. Er braucht ein Umfeld, in dem viele Marktteilnehmer gleichzeitig handeln, freiwillig oder gezwungen. Genau das passiert am Liquiditätspool.

Ein einfaches Beispiel:

  • Trader A ist long und hat seinen Stop-Loss knapp unter dem letzten lokalen Tief.
  • Trader B wartet auf den Bruch dieses Tiefs, um short einzusteigen.
  • Der Bruch: Fällt der Preis unter das Tief, wird A ausgestoppt (Marktverkauf), und B verkauft ebenfalls. Beide liefern dieselbe Orderseite.
  • Die Gegenseite: Genau diese Verkaufsorders geben dem institutionellen Käufer die Liquidität, um seine große Kauforder zu füllen, ohne den Preis sofort nach oben zu treiben.

Abgrenzung zur reinen Stop-Loss-Jagd

Liquidity Sweeps sind kein böswilliges Manöver gegen einzelne Trader. Das oft zitierte „Stop Hunting“, also die angebliche Jagd von Brokern auf die Stops ihrer Kunden, trifft den Mechanismus nicht: Es geht nicht darum, dich zu ärgern, sondern darum, dass große Orders Gegenliquidität brauchen. Weil dieses Muster immer wieder auftritt, lässt es sich systematisch beobachten und nutzen.

Der Wyckoff Spring ist im Kern ein Liquidity Sweep unter eine Unterstützung, bevor der Kurs nach oben dreht. Das Konzept trug nur einen anderen Namen, rund 100 Jahre bevor ICT es populär machte.

Lesetipp: Was bedeutet Price Action Trading?

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Liquidity Sweep erkennen: die Checkliste

Ob ein Levelbruch ein Sweep war, erkennst du nie an der Bruchkerze allein, sondern an der Reaktion danach. Diese fünf Merkmale haben sich bewährt:

  • Langer Docht statt Kerzenkörper: Der Bereich jenseits des Levels wird abgelehnt, die Kerze schließt zurück in der Spanne.
  • Schnelle Rückkehr: Der Kurs hält sich nicht über dem Hoch beziehungsweise unter dem Tief. Je schneller die Rückkehr, desto klarer das Signal.
  • Kein Anschlussvolumen: Nach dem Bruch fehlen Folgekäufe oder Folgeverkäufe. Der vermeintliche Ausbruch bleibt ohne Substanz.
  • Strukturbruch in die Gegenrichtung: Nach dem Sweep bricht der Kurs ein internes Hoch oder Tief, oft als Market Structure Shift oder Change of Character sichtbar.
  • Frische Zonen entstehen: Die Umkehrbewegung hinterlässt ein Fair Value Gap oder einen Orderblock, in den der Kurs später zurücklaufen kann.

Fehlen Rückkehr und Strukturbruch, gilt die Grundregel aus dem Vergleich oben: Dann war es kein Sweep, sondern ein Run, und du stellst dich nicht gegen die Bewegung.

Ein Sweep braucht immer ein Level, das er reißen kann. Woher diese Marken kommen, zeigt der Beitrag über das Einzeichnen von Unterstützung und Widerstand.

Es gibt Indikatoren, die dir das Suchen abnehmen. LuxAlgo erkennt Liquiditätsabgriffe automatisch und zeichnet sie ein, als Teil des Price-Action-Pakets. Unsere LuxAlgo Erfahrungen zeigen, wie zuverlässig diese automatische Erkennung im Alltag ist.

Als Retail-Trader profitieren: Schritt für Schritt

Ein Liquidity Sweep ist kein Einstiegssignal im klassischen Sinn, sondern ein Hinweis auf eine gezielte Liquiditätsabholung. Dein Vorteil: Du läufst der Bewegung nicht hinterher, sondern erkennst die Absicht dahinter und stellst dich an die Seite des Smart Money, nachdem es zugeschlagen hat.

So gehst du vor:

  • 1. Relevante Hochs und Tiefs markieren: Achte auf offensichtliche Extrempunkte, an denen sich Stop-Orders sammeln. Nutze höhere Zeiteinheiten wie H1, H4 oder den Tageschart für den Kontext.
  • 2. Auf den Sweep warten: Der Preis überschreitet die Marke kurz, hält sie aber nicht. Typisch sind lange Dochte und eine schnelle Rejection.
  • 3. Bestätigung suchen: Ein Sweep allein reicht nicht. Warte auf einen Strukturbruch, ein frisches Fair Value Gap oder einen Orderblock als Rücklaufzone.
  • 4. Auf den Pullback warten: Steige nicht direkt nach dem Sweep ein. Der Rücklauf in die bestätigte Zone bietet ein deutlich besseres Chance-Risiko-Verhältnis.
  • 5. Stop-Loss taktisch setzen: Lege ihn knapp hinter das gesweepte Hoch oder Tief. Kehrt der Markt dorthin zurück, war die Annahme falsch, und du wirst kontrolliert ausgestoppt.
  • 6. Kursziel bewusst definieren: Ziel ist ein CRV von mindestens 2:1. Ideale Zielbereiche sind ungeschlossene FVGs auf höherer Zeitebene, die gegenüberliegende Liquiditätszone oder das letzte Struktur-Level.
Kaspareit Trading erklärt auf seinem YouTube-Kanal das Konzept des Liquidity Sweep

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So nutze ich Liquidity Sweeps in meinem Trading

In meiner täglichen Vorbereitung markiere ich eine feste Karte aus Kursmarken: Vortageshoch und Vortagestief, Wochenhoch und Wochentief, dazu runde Marken und offene Gaps. Genau an diesen Levels sammeln sich die Stops, und genau dort beobachte ich, wie der Markt ankommt: Zieht er durch, oder holt er nur die Liquidität und wird abgewiesen?

Ein Sweep an einem dieser Levels ist für mich nie allein ein Einstiegsgrund. Ich warte darauf, dass der Markt die Gegenrichtung bestätigt, bevor ich handle, und setze den Stop hinter den Extrempunkt des Sweeps. Fehlt die Bestätigung, bleibt der Trade liegen. Geduld ist an diesen Marken der eigentliche Vorteil. Am häufigsten handle ich diese Situationen in den Forex-Majors und -Minors sowie in Aktienindizes und Rohstoffen wie Gold.

liquidity sweep handeln: setup mit sweep unter das tief, strukturbruch, pullback-einstieg, stop und ziel
Das komplette Setup: Sweep unter das Tief, Strukturbruch, Einstieg im Pullback, Stop unter dem Sweep-Tief.

Unterschiedliche Zeithorizonte

Ein großer Vorteil von Liquidity Sweeps ist ihre Fraktalität: Das gleiche Prinzip zeigt sich auf allen Zeitebenen. Fraktal bedeutet, dass sich eine Struktur unabhängig vom Maßstab wiederholt. Ein Sweep im 5-Minuten-Chart läuft nach demselben Muster ab wie einer im Wochenchart, nur mit anderen Zielen, Risiken und Haltedauern.

Diese Grenzen gelten auch für bezahlte Ausbildungen, die auf Liquiditätszonen aufbauen. Ein Beispiel dafür, was der Kurs von Roman Decker bietet, zeigt die Prüfung seines Smart-Money-Angebots.

Daytrading

Im Intraday-Handel treten Sweeps besonders häufig rund um die Session-Öffnungen auf, etwa zum London- oder New-York-Open. Ein Klassiker: Der Markt sweept das Hoch der Asia-Session und dreht direkt danach. Auch die Opening Range der ersten Handelsminuten liefert solche Marken. Schnelle Bewegungen mit Volumenspitzen lassen sich auf M1 bis M15 gezielt nutzen.

liquidity sweep intraday: sweep ueber das asia-hoch zum london-open mit anschliessender umkehr
Der Intraday-Klassiker: Das Asia-Hoch wird zum London-Open gesweept, danach folgt die eigentliche Bewegung.

Swingtrading

Für Swing-Trader auf Tages- und Wochenbasis treten Sweeps an Schlüsselstellen nach starken Trends auf. Wird ein markantes Wochenhoch leicht überstiegen und klar abgelehnt, kann das eine mittelfristige Umkehr einleiten. Wer geduldig auf Strukturbruch, FVG oder Orderblock wartet, findet Setups mit starkem CRV.

Positionstrading

Auch langfristige Trader profitieren: Sweeps über mehrjährige Hochs oder Tiefs, etwa Allzeithochs, zeigen oft strategische Umschichtungen großer Adressen. Solche Ereignisse liefern Hinweise auf Trendwechsel auf Monatsbasis und eignen sich für Positionstrades mit längerer Haltedauer.

Kritische Betrachtung: die Grenzen des Konzepts

So wirkungsvoll das Konzept ist, es hat klare Grenzen. Wer jeden Spike als Smart-Money-Signal liest, handelt impulsiv statt systematisch. Die vier häufigsten Fallen:

Nicht jeder Sweep führt zur Umkehr

Ein verbreiteter Irrglaube: Sobald ein Hoch oder Tief überschritten wird, müsse der Markt drehen. In der Praxis läuft der Preis oft einfach weiter, als Liquidity Run. Wer vorschnell gegen den Trend handelt, riskiert unnötige Verluste.

Fehldeutungen durch fehlenden Kontext

Sweeps entfalten ihre Aussagekraft nur im richtigen Umfeld. Ohne Blick auf den größeren Zeitrahmen, die Marktstruktur und die begleitende Preisaktion wird ein vermeintlicher Sweep schnell zur Falle. Besonders Anfänger werten jeden Docht als Einstieg.

Gegen den Trend zu handeln bleibt riskant

Ein Sweep bedeutet nicht automatisch einen Richtungswechsel. Wer sich gegen eine starke Trendbewegung stellt, braucht eine besonders saubere Bestätigung. Blind gehandelte Rejections ohne strukturelle Unterstützung gehören zu den Hauptgründen gescheiterter Umkehr-Setups.

Sind Liquidity Sweeps überhaupt real?

Berechtigte Frage, die in Trader-Foren immer wieder auftaucht. Niemand kann in die Orderbücher der Banken schauen, und im Nachhinein lässt sich fast jede Bewegung als „Sweep“ erzählen: Das macht das Konzept schwer falsifizierbar. Real ist der Mechanismus dahinter trotzdem: Stop-Orders an offensichtlichen Marken sind belegbare Fakten der Marktstruktur, und große Orders brauchen Gegenliquidität. Behandle den Sweep deshalb als Wahrscheinlichkeits-Werkzeug, nicht als Beweis für eine Verschwörung gegen dich.

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Fazit: Liquidity Sweeps verraten die Spuren des Smart Money

Liquidity Sweeps gehören zu den zentralen Mechanismen institutionellen Tradings. Wer versteht, dass sich der Markt nicht zufällig, sondern in Richtung gesammelter Liquidität bewegt, liest Preisbewegungen klarer, vermeidet Fehlausbrüche und findet strukturierte Setups.

Ob im 5-Minuten-Chart oder im Wochenprofil: Sweeps zeigen, wo der Markt absorbiert, bevor die eigentliche Bewegung beginnt. Voraussetzung ist, dass du sie im Kontext erkennst, auf Bestätigung wartest und sie mit Konzepten wie Fair Value Gaps, Orderblocks und Strukturbrüchen kombinierst.

Ein Liquidity Sweep ist kein garantierter Umkehrpunkt, aber ein wertvoller Hinweis darauf, wo das Smart Money aktiv wird. Diesen Vorteil gewinnst du nicht durch mehr Indikatoren, sondern durch tieferes Marktverständnis.

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Häufige Fragen zu Liquidity Sweeps

Wie erkenne ich, ob es sich um einen echten Liquidity Sweep handelt?

Ein echter Sweep zeigt eine schnelle Rejection nach dem Überschreiten des Hochs oder Tiefs, oft mit Umkehrkerze, Strukturbruch oder einem frischen Fair Value Gap. Ein echter Ausbruch zeigt dagegen Momentum und Anschlussorders.

Ist ein Liquidity Sweep bullisch oder bearisch?

Das hängt von der Seite ab: Ein Sweep unter ein markantes Tief mit schneller Rückkehr spricht für steigende Kurse, ein Sweep über ein Hoch mit Ablehnung für fallende. Verbindlich wird der Bias erst mit einer Bestätigung, etwa einem Strukturbruch.

Was ist der Unterschied zwischen Liquidity Sweep und Liquidity Grab?

Viele Trader nutzen beide Begriffe synonym. Wer trennt, meint mit dem Grab das blitzschnelle Abholen der Stops innerhalb einer einzelnen Docht-Kerze und mit dem Sweep die breitere Bewegung über das Level mit anschließender Rückkehr.

Auf welcher Zeiteinheit funktionieren Liquidity Sweeps am besten?

Das Konzept ist fraktal: Es funktioniert auf M1 genauso wie auf dem Tages- oder Wochenchart. Wichtig ist, dass du die Struktur der jeweiligen Zeitebene verstehst und den Sweep im Kontext bewertest.

Muss ich sofort nach dem Sweep in den Markt einsteigen?

Nein, im Gegenteil: Geduld ist entscheidend. Warte auf eine Bestätigung wie einen Strukturbruch und auf den Rücklauf in eine klare Zone, etwa ein Fair Value Gap oder einen Orderblock.

Kann ich Liquidity Sweeps automatisiert erkennen?

Es gibt SMC-Indikatoren, die Liquiditätszonen und Equal Highs/Lows markieren, etwa der Alphamonics ABCD-Scanner, der Sweeps als Scoring-Faktor nutzt. Das visuelle Verständnis der Preisstruktur ersetzen solche Tools nicht, sie unterstützen nur.

Sind Liquidity Sweeps real oder ein Mythos?

Der Mechanismus ist real: Große Orders brauchen Gegenliquidität, und Stop-Cluster an markanten Levels existieren nachweisbar. Ein Mythos ist eher die Vorstellung, jede Bewegung sei gezielt gegen Retail-Trader gerichtet. Nutze das Konzept als Wahrscheinlichkeits-Werkzeug.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1978. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.

Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Liquiditätszonen gehören zu den Grundbausteinen seiner täglichen Chartvorbereitung: Vortages- und Wochenextreme, runde Marken und offene Gaps bilden die Level-Karte, an der er Sweeps beobachtet und handelt. Die Beispiele in diesem Artikel stammen aus dieser täglichen Praxis, nicht aus der Theorie.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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