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Change of Character (CHoCH) einfach erklärt (2026)

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

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17 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

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Der Change of Character, kurz CHoCH, ist der Moment, in dem ein Trend zum ersten Mal aus dem Takt gerät. Der Kurs bricht ein Swing-Level, also ein markantes Hoch oder Tief, und zwar gegen die Richtung, in die er bisher gelaufen ist. Damit endet die saubere Abfolge aus Hochs und Tiefs, die den Trend getragen hat.

Genau hier geht in vielen Erklärungen etwas durcheinander, und dieser Artikel war davon selbst betroffen. Ein CHoCH ist keine bestätigte Trendwende. Er ist das erste Warnsignal, mehr nicht. Die Wende steht erst, wenn der Markt in der neuen Richtung nachlegt. Wer den CHoCH schon für die Umkehr hält, steigt gegen einen Trend ein, der noch läuft.

Du liest hier, woran du einen gültigen CHoCH erkennst, warum der Kerzenschluss darüber entscheidet und nicht der Docht, wie sich CHoCH von BOS und MSS unterscheidet und an welcher Stelle ein Einstieg überhaupt sinnvoll wird. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Change of Character (CHoCH): das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Definition: Ein CHoCH ist der erste Bruch eines Swing-Levels gegen die laufende Trendrichtung.
  • Aussage: Er ist ein Warnsignal, keine bestätigte Wende. Der Trend könnte drehen, sicher ist es nicht.
  • Gültigkeit: Es zählt der Schlusskurs jenseits des Levels. Ein bloßer Docht reicht nicht.
  • Abgrenzung: Ein BOS bricht in Trendrichtung und bestätigt die Fortsetzung. Der MSS meint meist dasselbe wie der CHoCH.
  • Bestätigung: Erst wenn nach dem CHoCH ein BOS in der neuen Richtung folgt, hat sich die Struktur wirklich gedreht.
  • Handel: Nicht den Bruch handeln, sondern den Rücklauf danach, etwa in einen Orderblock oder ein Fair Value Gap.

Was ist ein Change of Character (CHoCH)?

Ein Change of Character (CHoCH) ist der erste Bruch eines vorherigen Swing-Hochs oder Swing-Tiefs entgegen der laufenden Trendrichtung und gilt als frühes Warnsignal für eine mögliche Trendwende, solange diese nicht bestätigt ist.

Dahinter steckt eine einfache Beobachtung. Ein Trend ist nichts anderes als eine Folge von Hochs und Tiefs. Im Aufwärtstrend liegt jedes Hoch über dem vorigen und jedes Tief ebenfalls, im Abwärtstrend ist es gespiegelt. Solange diese Folge hält, hält der Trend.

Der CHoCH ist der Moment, in dem die Folge reißt. Im Aufwärtstrend unterschreitet der Kurs das letzte höhere Tief. Im Abwärtstrend überschreitet er das letzte tiefere Hoch. Der Markt tut damit zum ersten Mal etwas, das nicht mehr zum bisherigen Muster passt.

Wichtig ist, was daraus noch nicht folgt. Der CHoCH sagt nicht, dass der Trend gedreht hat. Er sagt, dass der Trend seine Struktur nicht mehr verteidigt. Das ist ein Unterschied, der über Gewinn und Verlust entscheidet: Ein großer Teil aller CHoCH löst sich wieder auf, und der alte Trend läuft weiter. Deshalb ist der CHoCH ein Filter und kein Einstiegssignal.

Der Begriff stammt aus den Smart Money Concepts, nicht aus der klassischen Chartlehre. Nachzulesen ist er in unserem Überblick zu den Smart Money Concepts. Die Sache selbst ist deutlich älter: Dass ein Trend endet, wenn seine Folge aus Hochs und Tiefs bricht, stand schon in der Chartliteratur, lange bevor jemand die Abkürzung CHoCH geschrieben hat.

change of character im trading dargestellt im kerzenchart
Der Change of Character deutet nachhaltig auf eine neue Trendstruktur hin.
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CHoCH im Chart erkennen

Bevor du einen CHoCH findest, musst du die Struktur lesen können. Das geht ohne Indikator und ohne Software. Du brauchst nur die markanten Hochs und Tiefs, also die Punkte, an denen der Kurs sichtbar gedreht hat.

  • Aufwärtstrend: höhere Hochs (HH) und höhere Tiefs (HL).
  • Abwärtstrend: tiefere Hochs (LH) und tiefere Tiefs (LL).

Der Bezugspunkt ist immer das letzte Gegenlevel, nicht irgendein Hoch oder Tief. In einem Aufwärtstrend schaust du auf das letzte höhere Tief. In einem Abwärtstrend auf das letzte tiefere Hoch. Nur der Bruch dieses einen Levels ist ein CHoCH.

Daraus ergeben sich zwei Fälle. Ein bullischer CHoCH entsteht, wenn der Kurs im Abwärtstrend über das letzte tiefere Hoch schließt. Ein bärischer CHoCH entsteht, wenn der Kurs im Aufwärtstrend unter das letzte höhere Tief schließt. Beide Male bricht der Kurs gegen die Richtung, in der er bisher lief.

In der Praxis scheitert das meist nicht am Konzept, sondern an der Auswahl der Levels. Wer jedes kleine Zwischenhoch als markant behandelt, findet auf jeder Zeiteinheit ständig einen CHoCH. Brauchbar sind nur die Punkte, die auch im herausgezoomten Chart noch als Wendepunkt erkennbar sind. Ein guter Test: Wenn du das Level erst findest, nachdem du danach gesucht hast, ist es keins.

Wann ein CHoCH gültig ist

Die häufigste Fehlerquelle ist nicht das falsche Level, sondern der falsche Zeitpunkt. Der Kurs sticht kurz durch ein Swing-Level, dreht wieder um und schließt auf der alten Seite. Auf dem Chart bleibt ein langer Docht stehen. Ein CHoCH ist das nicht.

Ein CHoCH gilt erst als gültig, wenn eine Kerze jenseits des Swing-Levels schließt. Ein Docht, der das Level nur anschneidet, reicht nicht aus.

Diese Regel ist der kleinste gemeinsame Nenner der ernstzunehmenden Quellen zum Thema. Der Grund dahinter ist praktisch: Ein Docht zeigt, dass jemand das Level getestet hat und zurückgewiesen wurde. Ein Schlusskurs darüber oder darunter zeigt, dass der Markt das neue Niveau für die Dauer der Kerze akzeptiert hat. Das eine ist ein abgewehrter Angriff, das andere ein Stellungswechsel.

Zwei weitere Merkmale trennen einen belastbaren CHoCH von einem beliebigen:

  • Klarer Impuls statt Zurückpendeln: Der Bruch geschieht mit einer sichtbaren Bewegung, oft mit größeren Kerzenkörpern als zuvor. Ein zähes Hin und Her um das Level ist ein Warnzeichen.
  • Vorheriger Liquiditätsabgriff: Häufig läuft der Kurs kurz vorher noch einmal in ein bekanntes Hoch oder Tief und holt dort Stops ab. Ein Liquidity Sweep ist keine Bedingung, erhöht aber die Aussagekraft deutlich.

Und selbst ein technisch sauberer CHoCH bleibt ein Warnsignal. Die Wende ist erst bestätigt, wenn der Markt in der neuen Richtung nachlegt, also nach dem Bruch ein weiteres Hoch oder Tief in dieselbe Richtung setzt. Bis dahin ist offen, ob aus der Irritation ein Trendwechsel wird oder nur eine Korrektur.

Marco Reis von NOC Trading erklärt, woran ein valider CHoCH im Chart zu erkennen ist.

CHoCH, BOS und MSS: der Unterschied

Drei Abkürzungen beschreiben denselben Vorgang, nämlich den Bruch eines vorherigen Hochs oder Tiefs. Unterschieden werden sie allein durch die Richtung dieses Bruchs. Wer sie verwechselt, handelt ein Fortsetzungssignal als Wendesignal.

SignalRichtung des BruchsAussage
Break of Structure (BOS)Mit dem TrendFortsetzung
Change of Character (CHoCH)Gegen den TrendMögliche Wende
Market Structure Shift (MSS)Gegen den TrendMögliche Wende
Dieselbe Struktur, drei Begriffe: entscheidend ist die Richtung des Bruchs.

Der Break of Structure (BOS) bricht ein Level in Trendrichtung. Im Aufwärtstrend ist das ein neues höheres Hoch. Ein BOS bestätigt also genau das, was der CHoCH infrage stellt: dass der Trend intakt ist.

Beim Market Structure Shift (MSS) lohnt eine ehrliche Einordnung. In den meisten Quellen meint MSS dasselbe wie CHoCH, also den ersten Bruch gegen den Trend. Manche Trader benutzen den Begriff enger und verlangen zusätzlich einen kräftigen Impuls mit Preislücke. Beide Lesarten sind im Umlauf, und keine ist die offizielle. Im Zweifel lohnt der Blick darauf, was jemand konkret zeigt, statt auf die Abkürzung.

In der Praxis greifen die Signale ineinander. Ein Trendwechsel beginnt mit einem CHoCH und ist erst mit dem nächsten BOS in der neuen Richtung abgeschlossen. Nach einem bärischen CHoCH heißt das konkret: ein tieferes Hoch, danach ein tieferes Tief. Erst diese beiden Punkte zusammen sind eine neue Struktur.

Einordnung im Smart Money Konzept

Der Change of Character ist kein isoliertes Signal, sondern ein Baustein in einem größeren Denkmodell. Das Smart Money Konzept geht davon aus, dass große Marktteilnehmer ihre Positionen nicht am offenen Markt aufbauen können, ohne Spuren zu hinterlassen. Wer eine große Order platzieren will, braucht eine Gegenseite, und die findet sich dort, wo viele Stopps liegen.

Daraus ergibt sich eine wiederkehrende Abfolge. Zuerst läuft der Kurs in eine Zone mit vielen Stopps und löst sie aus. Dann kippt die Struktur, der CHoCH wird sichtbar. Anschließend bleibt eine Zone zurück, in die der Kurs oft noch einmal zurückkehrt. Der CHoCH sitzt in dieser Kette in der Mitte, nicht am Anfang.

Bei aller Systematik gehört eine Einschränkung dazu. Das Modell ist eine Deutung, kein Nachweis. Niemand außerhalb der großen Adressen sieht deren Orderbücher. Was man im Chart sieht, ist ein Muster, das sich mit institutionellem Verhalten erklären lässt, aber nicht damit belegt ist. Es funktioniert als Beschreibung von Preisverhalten. Als Blick hinter die Kulissen taugt es nicht, auch wenn es oft so verkauft wird.

Für die Praxis heißt das: Nutze die Abfolge als Ablaufplan, nicht als Beweisführung. Eine Trendumkehr erkennt man an der Struktur, nicht an der Erzählung darüber, wer sie ausgelöst hat.

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Bullische & bärische CHoCH

Ein CHoCH entfaltet seine Aussage erst im Zusammenhang mit der vorherigen Struktur. Deshalb lohnt der Blick auf beide Richtungen im Detail. Entscheidend ist jedes Mal dieselbe Frage: Welches Level wurde gebrochen, und hat eine Kerze dahinter geschlossen?

Bullisches Beispiel (Trendwechsel nach oben)

Der Markt läuft im Abwärtstrend, also mit tieferen Hochs und tieferen Tiefs. Dann fällt der Kurs ein letztes Mal unter ein vorheriges Tief, dorthin, wo die Stopps der Käufer liegen. Statt weiter zu fallen, dreht er von dort impulsiv nach oben und schließt über dem letzten tieferen Hoch.

  • Struktur: Der Abwärtstrend verliert seine Ordnung, es entsteht kein neues Tief mehr.
  • Signal: Der Schlusskurs über dem letzten Lower High ist der bullische CHoCH.
  • Offen bleibt: ob daraus ein Aufwärtstrend wird. Bestätigt ist das erst mit einem höheren Tief und einem weiteren höheren Hoch.
change of character im trading dargestellt im Kerzenchart als bullischer choch
Ein bullischer Change of Character (CHoCH)

Bärisches Beispiel (Trendwechsel nach unten)

Gespiegelt im Aufwärtstrend: Der Markt bildet höhere Hochs und höhere Tiefs. Ein letzter Anstieg greift die Stopps über einem bekannten Hoch ab. Danach fehlen die Anschlusskäufe, der Kurs fällt zurück und schließt unter dem letzten höheren Tief.

  • Struktur: Die Aufwärtsfolge bricht, Käufer setzen kein neues Hoch mehr durch.
  • Signal: Der Schlusskurs unter dem letzten Higher Low ist der bärische CHoCH.
  • Offen bleibt: ob ein Abwärtstrend folgt. Dafür braucht es anschließend ein tieferes Hoch und ein tieferes Tief.
change of character im trading dargestellt im Kerzenchart als bärischer choch
Ein bärischer Change of Character (CHoCH)

In beiden Fällen ist der CHoCH ein Wendepunkt, kein Fahrplan. Er markiert die Stelle, an der sich das Verhalten des Marktes ändert. Was daraus wird, entscheidet sich erst danach.

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Ein- & Ausstieg mit CHoCH

Der Bruch selbst ist der schlechteste Einstiegspunkt. Genau dort ist die Bewegung am weitesten gelaufen, der sinnvolle Stopp am weitesten entfernt und die Wahrscheinlichkeit eines Rücklaufs am höchsten. Handelbar wird ein CHoCH erst danach.

Einstieg nach einem CHoCH

  • CHoCH bestätigen: Eine Kerze hat jenseits des relevanten Swing-Levels geschlossen, nicht nur ein Docht.
  • Rücklauf abwarten: Der Kurs kehrt in die Zone zurück, aus der der Bruch kam, typischerweise in einen Orderblock oder ein Fair Value Gap.
  • Reaktion verlangen: In der Zone muss der Markt sichtbar reagieren, etwa durch eine Ablehnung mit langem Docht oder durch anziehendes Momentum in die neue Richtung.
  • Risiko definieren: Der Stopp gehört hinter den Punkt, der die Idee widerlegt, also hinter das Extrem der Umkehrzone.

Der Vorteil dieses Ablaufs liegt nicht in der Trefferquote, sondern im Abstand zum Stopp. Wer im Rücklauf einsteigt, hat einen kürzeren Weg bis zum Ausstiegspunkt und kann dieselbe Idee mit kleinerem Risiko handeln. Der Preis dafür: Ein Teil der Bewegungen kommt nie zurück, und diese Trades findet man dann nicht. Weitere Bausteine für den Aufbau solcher Setups sammelt unser Überblick zu Trade Setups.

change of character im trading einstieg und retest auf orderblock; einstieg bei 50% des orderblocks im kerzenchart
Setup für einen Einstieg in den neuen Trend mit Retest auf den Orderblock.

Ausstieg bei einem gegenläufigen CHoCH

In die andere Richtung ist der CHoCH oft nützlicher als beim Einstieg. Als Ausstiegssignal muss er nicht recht behalten, er muss nur früh genug warnen.

  • Long-Position: Der Kurs schließt unter dem letzten höheren Tief. Das ist ein bärischer CHoCH und ein Anlass, Gewinne zu sichern oder den Stopp nachzuziehen.
  • Short-Position: Der Kurs schließt über dem letzten tieferen Hoch. Spiegelbildlich derselbe Fall.

Der Unterschied zwischen beiden Anwendungen wird selten ausgesprochen, ist aber der eigentliche Punkt. Beim Einstieg kostet ein falscher CHoCH Geld, beim Ausstieg kostet er nur entgangenen Gewinn. Deshalb darf man beim Ausstieg deutlich empfindlicher reagieren als beim Einstieg.

change of character im trading ausstieg an vergangenen hochs im kerzenchart
Ausstieg erfolgt an markantem Hoch.

Orderblocks & Liquidity Sweeps

Ein CHoCH steht selten allein. In der Praxis sitzt er zwischen zwei anderen Bausteinen: davor der Liquiditätsabgriff, danach die Zone, in die der Kurs zurückkehrt.

Der Liquidity Sweep geht dem CHoCH häufig voraus. Der Kurs läuft dabei über ein bekanntes Hoch oder unter ein bekanntes Tief, löst die dort liegenden Stopps aus und dreht anschließend. Diese Bewegung sieht aus wie ein Ausbruch und ist keiner. Sie liefert die Gegenseite, die für große Orders nötig ist.

Der Orderblock bleibt nach dem CHoCH zurück. Gemeint ist die letzte deutliche Kerze gegen die neue Richtung, also etwa die letzte Aufwärtskerze vor einem bärischen Bruch. Diese Zone wird häufig noch einmal angelaufen, bevor der Kurs weiterläuft.

Daraus ergibt sich der Ablauf, auf den strukturbasierte Trader warten:

  • Sweep: Stopps werden über einem Hoch oder unter einem Tief abgeholt.
  • CHoCH: Der Kurs schließt gegen die alte Trendrichtung jenseits des letzten Gegenlevels.
  • Rücklauf: Der Kurs kehrt in den Orderblock oder das Fair Value Gap zurück.
  • Entscheidung: Reagiert die Zone, entsteht ein Einstieg mit definiertem Risiko. Reagiert sie nicht, war es kein Setup.

Der letzte Punkt ist der wichtigste und wird am häufigsten übergangen. Ein Ablauf, der nicht zu Ende läuft, ist kein halbes Signal, sondern gar keins. Wer den Einstieg trotzdem nimmt, weil die ersten drei Schritte gepasst haben, handelt eine Erwartung statt eines Setups.

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CHoCH in verschiedenen Zeiteinheiten

Marktstruktur ist fraktal: Dasselbe Muster taucht im Monatschart auf wie im Ein-Minuten-Chart. Genau das macht den CHoCH flexibel und zugleich gefährlich, denn er sieht auf jeder Zeitebene gleich überzeugend aus.

Der Unterschied liegt nicht im Bild, sondern in der Tragweite. Ein CHoCH im Tageschart beschreibt eine Verschiebung, die Wochen tragen kann. Ein CHoCH im Fünf-Minuten-Chart beschreibt eine Bewegung, die in einer Stunde erledigt sein kann. Beide sind formal gültig, aber sie beantworten verschiedene Fragen.

  • Daytrading: CHoCH auf M5 bis M15, eingeordnet in die Struktur des Stunden- oder Vier-Stunden-Charts.
  • Swing Trading: CHoCH auf H4 oder im Tageschart, eingeordnet in die Wochenstruktur.
  • Sehr kurze Zeiteinheiten: Auf M1 entstehen ständig Strukturbrüche. Der Anteil an Fehlsignalen steigt dort so stark, dass der Filter seinen Zweck verliert.

Die praktische Regel lautet: erst die höhere Zeiteinheit lesen, dann die kleinere handeln. Ein CHoCH, der in die Richtung der übergeordneten Struktur zeigt, ist ein Rückenwind-Signal. Ein CHoCH gegen den übergeordneten Trend ist meistens nur eine Korrektur, die sich lokal wie eine Wende anfühlt. Welche Zeitebene welche Aufgabe übernimmt, ordnet unser Guide zu den Trading-Zeiteinheiten ein.

Häufige Fehler

Die meisten Verluste mit diesem Muster entstehen nicht daran, dass jemand den Bruch übersieht. Sie entstehen daran, dass ein gültiger Bruch überschätzt wird. Fünf Fehler tauchen dabei immer wieder auf.

1. Den CHoCH für die Wende halten

Das ist der teuerste Fehler, und er steckt schon in vielen Erklärungen. Ein CHoCH ist der erste Zweifel, nicht das Ergebnis. Wer ihn als bestätigte Umkehr liest, positioniert sich gegen einen Trend, der statistisch häufiger weiterläuft als dreht. Die Bestätigung ist der nächste BOS in der neuen Richtung, nicht der Bruch selbst.

2. Den Docht als Bruch werten

Ein Kurs, der ein Level anschneidet und darunter zurückschließt, hat es nicht gebrochen. Ohne Schlusskurs jenseits des Levels gibt es keinen CHoCH. Dieser eine Filter entfernt einen erheblichen Teil aller Fehlsignale und kostet nichts außer Geduld bis zum Kerzenschluss.

3. Beliebige Levels verwenden

Nicht jedes Zwischenhoch ist ein Strukturpunkt. Wer die Levels großzügig wählt, findet immer einen CHoCH, und zwar in beide Richtungen gleichzeitig. Brauchbar sind nur markante Wendepunkte, die auch ohne Suche ins Auge fallen.

4. Ohne Rücklauf einsteigen

Der Einstieg direkt auf den Bruch bedeutet den weitesten Stopp und den schlechtesten Preis. Der Rücklauf in die Zone ist der eigentliche Handelsmoment. Kommt er nicht, entfällt der Trade. Das ist kein verpasstes Setup, sondern ein nicht eingetretenes.

5. Gegen die höhere Zeiteinheit handeln

Ein CHoCH im 15-Minuten-Chart wirkt eindeutig. Läuft der Tageschart weiter im alten Trend, wird er in aller Regel überrollt. Die kleine Zeiteinheit liefert das Timing, die große entscheidet über die Richtung.

Fazit: der CHoCH ist eine Warnung, kein Einstiegssignal

Der Change of Character leistet genau eine Sache zuverlässig: Er zeigt an, dass ein Trend aufgehört hat, seine eigene Struktur zu verteidigen. Das ist wertvoll, aber es ist weniger, als dem Signal oft zugeschrieben wird.

Wer ihn richtig einsetzt, benutzt ihn als Filter und als Ausstiegssignal. Als Filter beantwortet er die Frage, ob eine Richtung noch verlässlich ist. Als Ausstiegssignal warnt er früh genug, um Gewinne zu sichern. In beiden Rollen darf er sich irren, ohne dass es teuer wird.

Als Einstiegssignal für sich genommen taugt er dagegen nicht. Dafür fehlt ihm die Bestätigung, und die liefert erst der nächste Strukturbruch in der neuen Richtung. Zwischen dem CHoCH und dieser Bestätigung liegt der Rücklauf, und genau dort entscheidet sich, ob aus der Irritation ein Trade wird.

Aus über vier Jahrzehnten am Chart nehme ich vor allem eines mit: Der Wert eines Strukturbruchs liegt darin, was er ausschließt, nicht darin, was er verspricht. Ein CHoCH sagt dir zuverlässig, worauf du dich nicht mehr verlassen solltest. Was stattdessen kommt, muss der Markt erst noch zeigen.

Häufige Fragen zu Change of Character (CHoCH)

Was ist ein CHoCH?

Ein CHoCH (Change of Character) ist der erste Bruch eines vorherigen Swing-Levels gegen die laufende Trendrichtung. Im Aufwärtstrend heißt das: Der Kurs schließt unter dem letzten höheren Tief. Er ist ein Warnsignal für eine mögliche Wende, keine bestätigte Umkehr.

Was ist der Unterschied zwischen CHoCH und BOS?

Der BOS bricht ein Level in Trendrichtung und bestätigt damit die Fortsetzung. Der CHoCH bricht ein Level gegen den Trend und warnt vor einer Wende. Eine echte Umkehr zeigt sich erst, wenn nach dem CHoCH ein BOS in der neuen Richtung folgt.

Worin liegt der Unterschied zwischen CHoCH und MSS?

In den meisten Quellen meinen beide Begriffe dasselbe, nämlich den ersten Strukturbruch gegen den Trend. Manche Trader fassen den MSS enger und verlangen zusätzlich einen kräftigen Impuls mit Preislücke. Eine verbindliche Definition gibt es nicht, deshalb lohnt der Blick auf das gezeigte Chartbeispiel statt auf die Abkürzung.

Wann gilt ein CHoCH als gültig?

Entscheidend ist der Kerzenschluss: Eine Kerze muss jenseits des gebrochenen Swing-Levels schließen. Ein Docht, der das Level nur anschneidet, reicht nicht. Zusätzlich stärken ein klarer Impuls und ein vorheriger Liquidity Sweep die Aussagekraft.

Wie nutze ich CHoCH für den Einstieg?

Nicht auf den Bruch selbst einsteigen. Sinnvoll ist der Rücklauf danach, etwa in einen Orderblock oder ein Fair Value Gap, und zwar erst dann, wenn der Markt in dieser Zone sichtbar reagiert. Der Stopp gehört hinter das Extrem der Umkehrzone.

Tritt ein CHoCH immer nach einem Liquidity Sweep auf?

Oft, aber nicht zwingend. Häufig holt der Kurs kurz vorher Stopps über einem Hoch oder unter einem Tief ab. Das verstärkt die Aussagekraft, ist aber keine Voraussetzung. Entscheidend bleibt der Schlusskurs jenseits des Swing-Levels.

Auf welcher Zeiteinheit funktioniert der CHoCH am besten?

Das Muster ist fraktal und funktioniert auf jeder Zeitebene, trägt aber unterschiedlich weit. Im Daytrading sind M5 bis M15 üblich, im Swing Trading H4 und der Tageschart. Auf M1 steigt der Anteil an Fehlsignalen so stark, dass der Filter seinen Zweck verliert.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading und handelt seit 1980 an den Finanzmärkten. Er arbeitet diskretionär nach Price Action, also ohne mechanisches Handelssystem, und ist vor allem in Forex aktiv, dazu in Aktienindizes und Rohstoffen. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Marktstruktur nutzt er täglich als Richtungsfilter, ohne Strukturbrüche mechanisch zu handeln. Für diese Überarbeitung wurde die Rolle des CHoCH gegen vier unabhängige Fachquellen geprüft und mit unseren Artikeln zu Break of Structure und Market Structure Shift abgeglichen. Aus über vier Jahrzehnten Marktpraxis kennt er vor allem die Stellen, an denen solche Muster regelmäßig versagen.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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