Social Trading verspricht dir den Blick in fremde Depots und auf Wunsch die automatische Kopie jeder Order, die dort aufgegeben wird. Das klingt nach einer Abkürzung an der Börse. Unser Kollege Dominik Schwarzer hat sie selbst genommen: 742 kopierte Trades in vier Monaten, und am Ende stand ein Verlust, kein Gewinn.
In diesem Guide erkläre ich dir, was Social Trading genau ist, wie sich Copy Trading, Mirror Trading und Zertifikate unterscheiden, was es kostet und was die BaFin dazu rät. Ich handle selbst seit 1980 und kopiere niemanden, deshalb schaue ich von außen auf die Plattformen. Die Anbieterangaben stammen von deren eigenen Seiten und aus unseren Einzeltests, Stand Oktober 2026. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
- Was es ist: Social Trading verbindet Börsenhandel mit einem sozialen Netzwerk. Du siehst Depots und Trades anderer Anleger, diskutierst sie und kannst sie auf Wunsch automatisch nachbilden lassen.
- Drei Wege zum Mitmachen: Copy Trading auf deinem eigenen Konto, ein Zertifikat auf das Musterdepot eines Traders oder eine Community ohne Kopierfunktion.
- Die Kosten: Bei eToro kopierst du ab 200 US-Dollar je Trader ohne Kopiergebühr. Klassische wikifolio-Zertifikate kosten 0,95 % im Jahr plus 5 bis 30 % Performancegebühr.
- Das größte Risiko: Du trägst das volle Marktrisiko, bei Zertifikaten kommt das Emittentenrisiko dazu. Prüfe außerdem, ob die angezeigte Performance offene Verluste enthält.
- Worauf du achtest: EU-Aufsicht, eine lange und vollständige Historie mit Drawdown, echtes Geld des Traders und der Ausschluss einer Nachschusspflicht.
Beim Social Trading treffen immer zwei Seiten aufeinander: Trader, die ihre Entscheidungen öffentlich machen, und Anleger, die ihnen folgen. Dazwischen steht die Plattform, die beide zusammenbringt und an den Orders mitverdient.
Signalgeber: die Trader, denen gefolgt wird
Ein Signalgeber ist ein Trader, dessen Depot und Handelsentscheidungen auf einer Social-Trading-Plattform als Vorlage für andere Anleger dienen.
Der Signalgeber zeigt seine Käufe und Verkäufe in einem öffentlich einsehbaren Musterdepot, zusammen mit Kennzahlen wie Rendite, maximalem Rückgang und Zahl der Kopierer. Eine Ausbildung oder Prüfung verlangen die meisten Plattformen nicht. Bei eToro kann dich jeder kopieren, sobald dein Profil öffentlich ist. Unter den Signalgebern finden sich deshalb Privatanleger ebenso wie Vermögensverwalter und Redaktionen von Finanzmedien.
Follower: die Anleger, die nachbilden
Als Follower suchst du dir einen oder mehrere Trader aus, legst einen Betrag fest und stimmst der automatischen Ausführung zu. Ab dann übernimmt dein Konto jede neue Position im gleichen Verhältnis. Setzt der Trader zwei Prozent seines Kapitals ein, setzt die Plattform zwei Prozent deines zugewiesenen Betrags ein. Bei eToro kannst du das Kopieren jederzeit pausieren, Geld nachschießen oder abziehen und einen Stopp für die gesamte Kopie festlegen.
Wer die Signale lieber selbst ausführt, statt einer Plattform zu folgen, nutzt eine Kopiersoftware zwischen zwei Handelskonten. Wie das bei MetaTrader und cTrader funktioniert, zeigen unsere Erfahrungen mit dem Forex Copier. Der Unterschied: Bei der Software trägst du auch die technische Verantwortung selbst.
Wie Plattform und Signalgeber verdienen
Die Plattform verdient an jeder ausgeführten Order, entweder über eine Gebühr oder über den Spread. Laut BaFin kann sie für die Orderübermittlung eine Provision erhalten, an der auch der Trader beteiligt sein kann. eToro bezahlt kopierte Trader im Popular-Investor-Programm direkt, bei wikifolio erhält der Trader einen Anteil der Gebühren seines Zertifikats.
Das hat Folgen für dich. Eine Plattform, die an Aktivität verdient, hat kein Interesse an ruhigen Konten. Das kann dazu führen, dass Ranglisten und Werbung spektakuläre Renditen und viele Trades in den Vordergrund stellen. Ein Signalgeber, der vor allem an seinen Kopierern verdient, steht unter Druck, auffällig zu bleiben. Beides musst du einrechnen, wenn du jemanden auswählst.
Copy Trading, Mirror Trading und Zertifikate: drei Wege, einem Trader zu folgen
Wie du am Erfolg eines anderen teilhast, hängt von der Plattform ab. Drei Modelle haben sich durchgesetzt, und sie unterscheiden sich vor allem darin, was du am Ende tatsächlich besitzt und welches Risiko du zusätzlich trägst.
Copy Trading: dein Konto handelt mit
Copy Trading ist die Variante des Social Trading, bei der dein Konto die Trades eines ausgewählten Traders automatisch und im gewählten Verhältnis übernimmt.
Die Positionen liegen auf deinem eigenen Konto beim Broker der Plattform. Gewinne und Verluste des Traders landen anteilig bei dir, in Echtzeit und ohne dass du eingreifen musst. Gehandelt wird dabei oft mit CFDs und im Forex-Handel, also mit Hebelprodukten. Das ist das Modell von eToro und NAGA.
Mirror Trading: eine Strategie statt einer Person
Mirror Trading bezeichnet meist das Spiegeln einer kompletten Handelsstrategie oder eines Algorithmus auf dein Konto statt der Einzelentscheidungen einer Person.
Du folgst hier einem Regelwerk. Ist die Strategie wirklich regelgebunden oder algorithmisch, spielt die Tagesform eines Menschen keine Rolle mehr. Das verlangt aber, dass du die Strategie verstehst. Die Begriffe werden nicht einheitlich verwendet: Manche Anbieter nennen das vollständige Spiegeln aller Trades eines Traders Mirror Trading und das Auswählen einzelner Trades Copy Trading. Frag im Zweifel nach, was die Plattform genau meint.
Zertifikate: du kaufst ein Wertpapier auf ein Musterdepot
Bei wikifolio kaufst du kein Konto, sondern ein Indexzertifikat auf das Musterdepot eines Traders. Rechtlich ist das eine Schuldverschreibung des Emittenten, in diesem Fall von Lang & Schwarz. Du kaufst es über dein normales Depot, etwa an der Börse Stuttgart, und die Umschichtungen des Traders kosten dich keine einzelnen Ordergebühren.
Die BaFin nennt den Haken deutlich: Dieses Modell spart Transaktionskosten, birgt aber ein Emittentenrisiko. Gerät die emittierende Bank in Schieflage, droht der Verlust deines Investments. wikifolio besichert die Zertifikate, die Besicherung mildert das Risiko laut Anbieter aber nur und beseitigt es nicht. Eine frühere Fassung dieses Artikels sprach von fehlendem Emittentenrisiko und einer Einlagensicherung. Das war falsch, Zertifikate sind keine Einlagen.
| Weg | Was du besitzt | Wie du zahlst | Zusätzliches Risiko |
|---|---|---|---|
| Copy Trading | eigene Positionen auf deinem Konto | Spread, teils Gebühr je Trade | Hebel, Nachschuss bei fehlendem Schutz |
| Mirror Trading | eigene Positionen nach Regelwerk | Spread, teils Strategiegebühr | Strategie passt nicht mehr zum Markt |
| Zertifikat | Forderung gegen den Emittenten | Zertifikategebühr, Performancegebühr | Emittentenrisiko |
Für Anleger aus Deutschland zählen eine Handvoll Plattformen, und sie arbeiten mit sehr verschiedenen Modellen. Die Konditionen im Detail vergleichen wir im Überblick der besten Trading-Plattformen und in den Einzeltests. Hier geht es um die Frage, wie du bei den Anbietern einem Trader folgst und wer sie beaufsichtigt.
| Anbieter | Modell | Aufsicht oder reguliertes Unternehmen | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| eToro | Copy Trading auf eigenem Konto | CySEC (Zypern) | nach eigener Angabe größte Community |
| wikifolio | Zertifikat auf Musterdepot | reguliert ist die Emittentin Lang & Schwarz, nicht die Plattform | Handel über dein normales Depot |
| NAGA | Copy Trading (Autocopy) | CySEC (Zypern) | börsennotierte Muttergesellschaft |
| ZuluTrade | Kopierplattform, Konto beim Partnerbroker | HCMC (Griechenland) | kein eigener Broker |
| CopyTrade Market | Vermögensverwalter handelt auf deinem Konto | BaFin-regulierter Verwalter | deutscher Anbieter |
| FollowMyMoney | Vermögensverwaltung im eigenen Bankdepot | BaFin-Erlaubnis | deutsches Depot |
eToro: der bekannteste Name
eToro ist für viele der Inbegriff von Social Trading. Das EU-Geschäft führt die eToro (Europe) Ltd mit Lizenz der zyprischen Aufsicht CySEC unter der Nummer 109/10. Über den CopyTrader kopierst du andere Nutzer in Echtzeit, bis zu 100 Trader gleichzeitig, und ein Newsfeed wie in einem sozialen Netzwerk zeigt dir, was die Community diskutiert.
Gehandelt werden echte Aktien und ETFs ebenso wie CFDs auf Devisen, Indizes, Rohstoffe und Kryptowährungen. Zum Üben gibt es ein virtuelles Portfolio, mit dem du das Kopieren ohne echtes Geld ausprobieren kannst. Kosten, Kundenschutz und Kritikpunkte stehen in unseren eToro Erfahrungen.
wikifolio aus Wien löst das Kopieren über ein Wertpapier. Die Plattform selbst, die wikifolio Financial Technologies AG, ist als IT-Dienstleister gemeldet, reguliert ist der Emittent der Zertifikate. Über 10.000 investierbare wikifolios decken fast jeden Ansatz ab, vom Dividendendepot bis zur Hebelstrategie.
Daneben gibt es eigene Kategorien: Vermögensverwalter-wikifolios von lizenzierten Profis und Dachwikifolios, die nur in andere wikifolios investieren. Die Auswahl ist groß, die Suche nach einem dauerhaft guten Trader trotzdem mühsam, weil viele Strategien nach schwachen Phasen aufgegeben werden.
NAGA: Autocopy mit Broker im Hintergrund
NAGA ist eher Broker als soziales Netzwerk. Die Muttergesellschaft The NAGA Group AG ist an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert, das europäische Geschäft läuft über eine zyprische Lizenz. Über die Funktion Autocopy spiegelst du Trader automatisch, laut Anbieter auf über 4.000 Instrumente einschließlich Aktien. Was das bei einem bekannten NAGA-Trader für dessen Follower bedeutet hat, dokumentiert unser Test des Finfluencers Flo Pharell.
ZuluTrade, CopyTrade Market und FollowMyMoney
ZuluTrade ist kein Broker, sondern eine Vermittlungsschicht: Du verbindest dein Konto bei einem Partnerbroker und kopierst darüber Strategien aus aller Welt. Beaufsichtigt wird ZuluTrade von der griechischen HCMC. Wie Kunden die Plattform bewerten, ist ernüchternd, dazu mehr im Erfahrungsbericht weiter unten.
Zwei deutsche Anbieter gehen einen anderen Weg. Bei CopyTrade Market führt ein BaFin-regulierter Vermögensverwalter die Strategie auf deinem eigenen Brokerkonto aus. Ähnlich arbeitet FollowMyMoney: Die FELS wealth GmbH hat eine BaFin-Erlaubnis und legt die Wertpapiere in ein eigenes Bankdepot, wie unsere Follow MyMoney Erfahrungen zeigen.
Nicht jeder Anbieter überlebt. Wie schnell ein Kopierdienst verschwinden kann, zeigt das Aus für CopyFX: RoboForex hat die Marke Ende 2025 aufgegeben und nimmt keine Kunden aus der EU mehr an. Prüfe deshalb vor jeder Einzahlung, ob die Lizenz noch besteht.
Viel Austausch findet außerhalb der Broker statt. In Telegram Trading Gruppen, in Facebook-Gruppen und in Börsenforen teilen Trader Einschätzungen und Signale, die jeder selbst umsetzt. Das ist Social Trading im engeren Sinn: Du liest mit, diskutierst und entscheidest allein.
Manche verlagern das Kopieren ganz in die reinen sozialen Netzwerke und setzen die Signale bei ihrem eigenen Broker um. Automatisch geht das mit einem Trade Copier, der Signale aus Telegram oder TradingView auf das eigene Handelskonto überträgt. Einen dritten Weg geht die Börsen-Community Märkte & Trends: Mitglieder teilen Marktideen und folgen einander, kopiert wird nichts.
Hier ist die Qualität der Informationen am schwersten zu prüfen. Die BaFin rät bei Anlagetipps in sozialen Medien, zuerst die Quelle zu prüfen: Wer seriös schreibt, erklärt, wer er ist und worauf sein Fachwissen beruht. Fremde Personen, die dich per Direktnachricht in eine Gruppe einladen, sind ein Warnsignal.
Registrierung und Nutzung der Plattform sind meist kostenlos, die Kosten entstehen beim Handeln und beim Halten. Die BaFin nennt eine Gebühr je Order oder den Spread, produktabhängige Kosten wie Übernachtgebühren bei CFDs oder Verwaltungsgebühren, erfolgsabhängige Performancegebühren und die Kosten des zugrunde liegenden Depots. Laufende Gebühren fallen also auch an, wenn gerade keine Order ausgeführt wird.
Der Spread ist die Differenz zwischen Briefkurs und Geldkurs, also zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Er fällt bei jedem kopierten Trade an und summiert sich bei aktiven Tradern schnell. Wie er entsteht, erklärt unser Beitrag zum Bid-Ask-Spread.
- eToro: Kopieren ab 200 US-Dollar je Trader, keine Kopiergebühr. Jede kopierte Position muss mindestens 1 US-Dollar groß sein, sonst wird sie nicht eröffnet. Die Kosten stecken in Spreads und gegebenenfalls Transaktionsgebühren.
- wikifolio: klassische wikifolios 0,95 % Zertifikategebühr im Jahr plus 5 bis 30 % Performancegebühr, Vermögensverwalter-wikifolios 0,5 bis 1,5 %. Dachwikifolios haben keine eigene Gebühr, tragen aber die Gebühren der enthaltenen Zertifikate. Die Performancegebühr fällt nur auf neue Höchststände an, dazu kommen die Kauf- und Verkaufsgebühren deiner Depotbank.
- ZuluTrade: laut Preisseite keine Abogebühr, verdient wird über Spread und Kommission des angebundenen Brokers.
- CopyTrade Market: keine Abo- oder Plattformgebühr, sondern eine Performance Fee je Strategie, also nur bei Gewinn.
- NAGA: zusätzlich zu den Handelskosten eine Gebühr je kopiertem Trade. Die aktuellen Sätze stehen in unserem Copy-Trading-Guide.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel zeigt, was Gebühren bei Zertifikaten ausmachen. Angenommen, die Strategie eines klassischen wikifolios erzielt vor Gebühren 10 % im Jahr und du hast 10.000 Euro investiert, bei 20 % Performancegebühr. Dann gehen grob 95 Euro Zertifikategebühr und 200 Euro Erfolgsgebühr ab, aus 1.000 Euro werden rund 705 Euro. Wichtig beim Lesen: Die veröffentlichte Performance eines wikifolios ist laut Anbieter bereits nach Gebühren angegeben, dort darfst du nichts mehr abziehen.
Ja, Social Trading ist in Deutschland legal, solange der Anbieter eine passende Erlaubnis hat. Die großen Plattformen arbeiten mit Lizenzen der BaFin oder einer anderen EU-Aufsicht wie der zyprischen CySEC oder der griechischen HCMC. Für das automatische Ausführen fremder Entscheidungen auf deinem Konto gelten je nach Modell die Regeln für Anlagevermittlung oder Vermögensverwaltung.
Die BaFin nennt in ihrer Verbraucherinformation die Punkte, die du an einer Plattform prüfen solltest. Die Liste ist kurz und deckt die meisten Fallen ab:
- Zulassung: Die Plattform ist von einer EU-Aufsichtsbehörde zugelassen.
- Kein Nachschuss: Eine Nachschusspflicht ist ausgeschlossen. Für CFDs schreibt das die Allgemeinverfügung der BaFin seit 2019 als Negativsaldoschutz vor, und zwar für das gesamte CFD-Konto.
- Risikoparameter: Stop-Loss- und Take-Profit-Aufträge lassen sich einstellen.
- Gerichtsstand: Ansprüche lassen sich im Streitfall durchsetzen, was außerhalb der EU schwierig sein kann.
- Demokonto: Du kannst die Plattform vorher ohne echtes Geld kennenlernen.
Steuerlich ist Kopieren dasselbe wie selbst handeln, entscheidend ist das gehandelte Produkt. Für in Deutschland steuerpflichtige Privatanleger sind Gewinne aus Aktien, Zertifikaten und CFDs Kapitalerträge mit 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Direkt gehaltene Kryptowährungen folgen anderen Regeln, sie gelten als private Veräußerungsgeschäfte. Weil die meisten Copy-Plattformen im EU-Ausland sitzen, führen sie keine deutsche Steuer ab, du gibst die Gewinne dann selbst in der Anlage KAP an. Bei wikifolio-Zertifikaten im deutschen Depot behält die Bank die Steuer in der Regel direkt ein.
Der Einstieg ist technisch in wenigen Minuten erledigt, die eigentliche Arbeit ist die Auswahl. Der Ablauf ist bei allen Plattformen ähnlich:
- Plattform wählen: Prüfe Aufsicht, Kostenmodell und die handelbaren Produkte anhand der BaFin-Punkte oben.
- Konto eröffnen: Registrierung, Identitätsprüfung und Einzahlung, bei wikifolio stattdessen der Kauf des Zertifikats über dein Depot.
- Erst beobachten: Nutze das Demokonto oder schau ein paar Wochen zu, wie ein Trader in schwachen Phasen handelt.
- Klein starten: Setze nur einen Betrag ein, dessen Totalverlust du verkraften würdest, verteilt auf mehrere Trader.
- Verlustgrenze setzen: Begrenze jede Kopie mit einem Stopp und prüfe regelmäßig, ob der Trader seiner Strategie treu bleibt.
Bei der Auswahl des Traders zählt die Datenbasis, nicht die Rendite. Die BaFin empfiehlt zu prüfen, nach welchen Kriterien die Plattform Trader zulässt, ob die Trader echtes Geld investieren und ob Kennzahlen wie maximaler Rückgang (Maximum Drawdown), Sharpe Ratio und Volatilität ausreichen und verständlich sind.
Aus meiner Sicht kommen zwei Punkte dazu. Erstens: Schau auf offene Positionen, nicht nur auf geschlossene. Ein Trader, der Verluste laufen lässt und Gewinne schnell mitnimmt, zeigt eine schöne Kurve, bis eine Position ihn sprengt. Zweitens: Eine lange Historie über mehrere Marktphasen schlägt drei spektakuläre Monate. Wie du Verluste begrenzt, steht im Beitrag zum Stop-Loss, die Grundlagen im Guide zum Risikomanagement.
Ein Social Trader ist ein Anleger, der sein Depot auf einer Plattform öffentlich führt, damit andere seine Trades verfolgen oder kopieren können.
Die Seite zu wechseln ist leicht. Bezahlt wird aber nur, wer die Regeln der Plattform erfüllt. Bei eToro kann dich jeder kopieren, ein monatliches Einkommen erhalten nur Nutzer, die ins Popular-Investor-Programm aufgenommen werden. Bei wikifolio wird dein Musterdepot erst zum Zertifikat, wenn Interessenten Kapital zusagen und ein Track Record vorliegt, und dann bekommst du eine gestaffelte Prämie aus den Gebühren.
Wer Follower gewinnen will, braucht eine nachvollziehbare Strategie, die er über Jahre durchhält. Wer täglich den Stil wechselt, verliert seine Kopierer schnell. Wie du eine solche Strategie aufbaust, zeigt der Beitrag zum Thema Tradingstrategie entwickeln. Bedenke dabei die Verantwortung: Deine Fehler kosten fremdes Geld, und enttäuschte Follower melden sich.
Social Trading wird oft als günstige Alternative zur Vermögensverwaltung beworben. Die BaFin bestätigt zwei Vorteile und warnt im selben Atemzug vor höheren Risiken. Wer statt jahrelang die gängigen Bücher zu lesen gleich in den Börsen- und Aktienhandel einsteigen will, sollte beide Seiten kennen.
Chancen des Social Trading
- Kleine Beträge: Du kannst mit wenig Kapital beginnen und es trotzdem auf mehrere Strategien verteilen.
- Niedrigere Kosten: Im Vergleich zur klassischen Vermögensverwaltung fallen die Gebühren oft geringer aus.
- Transparenz: Trades, Historie und Kennzahlen sind meist offen einsehbar, anders als bei vielen Fonds.
- Lerneffekt: Wer die kopierten Trades nachvollzieht, lernt Positionsgrößen und Timing aus der Praxis.
- Zeitersparnis: Die tägliche Marktanalyse übernimmt der Trader, nicht du.
Risiken des Social Trading
- Hebelprodukte: Viele Plattformen setzen auf CFDs und Forex, die schnell Verluste verursachen und ohne Schutz in einer Nachschusspflicht enden können.
- Kontrollverlust: Du räumst einem Fremden ein, über dein Geld mitzuentscheiden, in Echtzeit.
- Unvollständige Kennzahlen: Zählt ein Profil nur realisierte Ergebnisse, bleiben offene Verluste unsichtbar. Prüfe, was die Performance enthält.
- Emittentenrisiko: Bei Zertifikaten hängst du zusätzlich an der Zahlungsfähigkeit der Bank.
- Falsche Anreize: Plattformen und Signalgeber verdienen an Aktivität, nicht an deinem Erfolg.
Viele Social-Trading-Angebote drehen sich um Hebelprodukte, nicht um Aktien. Neben CFDs gehören je nach Plattform Futures, Optionsscheine und das Trading mit Kryptowährungen dazu, mit Long- und Short-Positionen. Mehr Handelskapital verschafft dir Social Trading trotz des Namens nicht, warum das so ist, ordnet unser Beitrag zum Trading mit Fremdkapital ein.
Erfahrungsbericht: Warum Social Trading bei Dominik nicht funktioniert hat
Unser Kollege Dominik Schwarzer hat Social Trading 2016 mit eigenem Geld getestet. Er handelte damals seit drei Jahren selbst bei CMC Markets und wollte zur Streuung einen Teil seines Kapitals von anderen verwalten lassen. Seine Wahl fiel auf ZuluTrade, angebunden an den Broker AAAfx. Nach vier Monaten und 742 kopierten Trades stand ein Verlust von rund 600 Euro. Der Screenshot darunter zeigt seinen Portfolioverlauf.
Verluste laufen lassen, Gewinne schnell nehmen
Die Trader taten genau das Gegenteil von dem, was erfolgreiche Händler empfehlen. Dominik verweist auf „Market Wizards“ von Jack D. Schwager: Verluste klein halten, Gewinne laufen lassen. Die bestplatzierten Trader auf der Plattform nahmen kleine Gewinne schnell mit und ließen Verlustpositionen oft bis minus 250 oder sogar 1.000 Pips laufen. Ihr Profil zeigte nur die realisierten Ergebnisse, die Schwankungen dazwischen nicht.
Für den Follower lief es umgekehrt. Sein Konto hatte für jeden Trade einen Stop-Loss, und der wurde in diesen Schwankungen immer wieder ausgelöst. Der extremste Fall: Ein Trader ließ eine Position bis minus 591 Pips laufen und schloss sie am Ende bei plus 4,5 Pips. Die Trades mit den geringsten Zwischenverlusten endeten bei 3,9, 17,5 und 15,3 Pips Gewinn. Beides zeigen die beiden Screenshots aus seinem Konto.
Hohe Margin und 742 Trades in vier Monaten
Um nicht ausgestoppt zu werden, hätte Dominik sehr viel Kapital hinterlegen müssen, oft 250 bis 500 US-Dollar Bewegungsraum pro Trade. Und selbst das hätte nicht gereicht: „Jeder neue Trade eines Traders kann die Höhe des notwendigen Kapitals jederzeit ändern“, schrieb er damals. Wer nur einen Teil der Trades kopiert, riskiert dazu, alle Verlierer mitzunehmen und den einen großen Gewinner zu verpassen. Genau deshalb reicht ein enger Stopp beim Kopieren von Tradern mit weiten Schwankungen nicht.
Die Bilanz laut seinem Bericht: 457 Trades endeten im Minus und nur 284 im Gewinn. Zusammen sind das 741, den 742. Trade weist der Bericht nicht aus. Die größten Gewinner brachten 133, 93,1 und 92,8 Pips, die größten Verlierer kosteten 477,5, 378,7 und 304 Pips. Unterm Strich stand der Verlust von rund 600 Euro.
Anrufe, Bonus und fehlende Transparenz
Nach den ersten Verlusten rief ein freundlicher Mitarbeiter an, um ihm bei den Einstellungen zu „helfen“. Im Nachhinein deutete Dominik die Anrufe als Versuch, ihn länger im Spiel zu halten. Der Bonus von AAAfx setzte das Zehnfache des Startkapitals als Umsatz voraus, für Einsteiger praktisch unerreichbar, und jede Auszahlung kostete eine Gebühr. Wer die Trader waren und ob sie mit echtem Geld handelten, konnte er nicht prüfen.
Sein Fazit fiel deutlich aus: „Gewinn durch Social Trading ist eine Fata Morgana.“ Die vollständige Trade-Historie mit allen 742 Positionen hat er als Tabelle zum Download veröffentlicht.
Was sich seitdem geändert hat
ZuluTrade ist heute von der griechischen HCMC beaufsichtigt und hat sein Gebührenmodell umgebaut. Ob die heutigen Profile offene Verluste einrechnen, haben wir nicht nachgemessen. Genau das ist aber die Frage, die du jeder Plattform stellen solltest. Bei Trustpilot kam ZuluTrade im September 2026 auf 1,3 von 5 Sternen aus 93 Bewertungen, wie unser verlinkter ZuluTrade-Test zeigt. Dominiks Erfahrung ist zehn Jahre alt, ihre Lehre gilt für jede Plattform.
Social Trading macht den Börsenhandel offener, und das ist ein echter Fortschritt. Du kannst erfahrenen Händlern über die Schulter schauen, mit kleinen Beträgen anfangen und deine Mittel auf mehrere Strategien verteilen. Mit regulierten Anbietern wie eToro, wikifolio oder den deutschen Vermögensverwaltern gibt es seriöse Wege dafür.
Eine Abkürzung zum Erfolg ist es nicht. Du trägst das volle Marktrisiko, oft mit Hebel, und die Ranglisten verraten dir weniger, als sie zeigen. Dominiks Test von 2016 ist das beste Beispiel: Er hat sorgfältig ausgewählt und trotzdem verloren, weil die Kurven der Trader damals die offenen Verluste nicht zeigten.
Mein Rat nach über vier Jahrzehnten an den Märkten: Nutze Social Trading als Lernwerkzeug, nicht als Autopilot. Starte im Demokonto, prüfe die Plattform an der Liste der BaFin, verteile dein Geld auf mehrere Trader und setze für jede Kopie eine Verlustgrenze. Wer die kopierten Trades nachvollzieht, baut nebenbei das Wissen auf, um irgendwann selbst zu entscheiden.
Häufige Fragen zum Social Trading
Social Trading ist Börsenhandel mit Elementen eines sozialen Netzwerks. Anleger sehen die Depots und Trades anderer Mitglieder einer Plattform, diskutieren sie und können sie auf Wunsch automatisch mit eigenem Geld nachbilden. Im engeren Sinn meint der Begriff nur den Austausch, das automatische Kopieren heißt dann Copy Trading.
Ja, Social Trading ist in Deutschland legal, wenn der Anbieter eine Erlaubnis der BaFin oder einer anderen EU-Aufsicht hat, etwa der zyprischen CySEC. Vorsicht gilt bei Plattformen außerhalb der EU, weil sich Ansprüche dort schwer durchsetzen lassen.
Bei eToro kopierst du ab 200 US-Dollar je Trader ohne zusätzliche Kopiergebühr, bezahlt wird über Spreads. Ein klassisches wikifolio-Zertifikat kostet 0,95 Prozent im Jahr plus eine Performancegebühr von 5 bis 30 Prozent, dazu kommen die Ordergebühren deiner Bank. Wichtiger als das Minimum ist, welchen Totalverlust du verkraften kannst.
Copy Trading ist eine Form des Social Trading. Beim Social Trading im engeren Sinn tauschst du dich aus und entscheidest selbst. Beim Copy Trading übernimmt dein Konto die Trades eines anderen automatisch und im gewählten Verhältnis.
Für Anfänger zählt zuerst die Aufsicht, dann das Produkt. Eine EU-regulierte Plattform mit Demokonto und Ausschluss der Nachschusspflicht ist Pflicht. Wer keine Hebelprodukte will, ist mit Zertifikaten über das eigene Depot oder einem BaFin-regulierten Vermögensverwalter oft besser bedient als mit einer CFD-Plattform.
Mit CFDs können Privatkunden in Deutschland nicht mehr verlieren, als auf ihrem CFD-Konto liegt, das schreibt der Negativsaldoschutz der BaFin vor. Er gilt für das ganze Konto, nicht für den Betrag einer einzelnen Kopie, dafür brauchst du einen eigenen Stopp. Andere Hebelprodukte ohne diesen Schutz können laut BaFin in einer Nachschusspflicht enden. Bei Zertifikaten kommt das Emittentenrisiko hinzu.
Social Trading lohnt sich als Lernwerkzeug und zur Streuung, nicht als Weg zu sicherem Geld. Wer mehrere sorgfältig geprüfte Trader mit langer Historie wählt, klein startet und Verlustgrenzen setzt, kann davon profitieren. Wer blind der Rangliste folgt, verliert oft, wie unser Erfahrungsbericht zeigt.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte. Social-Trading-Plattformen bewertet er bewusst von außen, mit dem Blick eines Praktikers, der selbst niemanden kopiert.
Seine Erfahrung reicht weit in die Geschichte der technischen Analyse. Kagels übersetzte Ende der 1980er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter und vertrat den US-Trader Joe Ross über 17 Jahre in Deutschland, wo er zehn Ross-Bücher übersetzte und verlegte. Bis heute gibt er eigene Seminare und private Einzelschulungen.
Für einen Guide über das Folgen fremder Trader ist diese Perspektive der Prüfstein: Kagels bewertet Plattformen und Signalgeber nach Transparenz, Aufsicht und Risikoverhalten, nicht nach ihrem Marketing. Die Angaben zu eToro und NAGA wurden im Oktober 2026 auf den Anbieterseiten geprüft, die übrigen stammen aus unseren Einzeltests. Bei den Kosten gilt der jeweils genannte Stand.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

















Was ist Social Trading? Die Definition
Social Trading ist eine Form des Börsenhandels, bei der Anleger die Depots, Trades und Einschätzungen anderer Mitglieder einer Online-Plattform einsehen, diskutieren und auf Wunsch mit eigenem Geld nachbilden.
So beschreibt es auch die BaFin in ihrer Verbraucherinformation: Ein Betreiber stellt die Plattform bereit, du wählst als Follower eine Handelsstrategie aus, und erst mit deiner Zustimmung werden die Entscheidungen des Traders automatisch in deinem Depot ausgeführt. Die Order geht dabei an einen Kooperationspartner, meist eine Bank oder einen Broker, der dein Social-Trading-Depot führt.
Der Begriff wird in zwei Weiten benutzt. Im engeren Sinn meint Social Trading nur den Austausch: Du liest Analysen und Positionen anderer und entscheidest selbst. Das automatische Übernehmen fremder Trades heißt dann Copy Trading, so grenzen wir es in unserem Guide zum Copy Trading ab. Im weiteren Sinn, und so verwenden ihn Plattformen, die BaFin und die Wikipedia, steht Social Trading als Oberbegriff für beides. Ein verbreitetes Synonym ist Social Investing.
Neu ist die Idee nicht. Plattformen wie eToro und wikifolio sind seit vielen Jahren am Markt. Verändert hat sich vor allem der Ort: Die Funktion steckt heute in der App, nicht mehr im Browser. Welche Anbieter das mobil am besten lösen, zeigt unser Vergleich der Trading-Apps.