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Das Popgun Chartmuster Trading Setup: Definition, Regeln und Beispiele (2026)

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2026

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24 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

KI für Trader Hauptkurs
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Das Popgun Chartmuster besteht aus einer Inside Bar und der darauf folgenden Outside Bar. Erst schrumpft die Kursspanne, dann dehnt sie sich schlagartig aus. Genau dieser Wechsel von Enge zu Weite ist das Signal. Der Schlusskurs der Outside Bar sagt dir, in welche Richtung du handelst.

Verwirrend wird es beim Zählen: Manche Quellen sprechen von zwei Kerzen, andere von drei. Beide beschreiben dieselbe Formation, sie fangen nur an einer anderen Stelle an zu zählen. Dieser Artikel räumt den Unterschied aus dem Weg, zeigt die Tradingregeln, die Stop-Loss-Platzierung und drei echte Beispiele aus dem DAX, davon eines mit Verlust.

Dazu kommt eine eigene Auswertung über 7.593 Tageskerzen, die zwei unbequeme Zahlen liefert: wie selten das Muster wirklich auftritt und wie wenig es ohne den passenden Filter taugt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Popgun Chartmuster: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Das Popgun Chartmuster besteht aus einer Inside Bar (die Spanne schrumpft) und einer darauf folgenden Outside Bar (die Spanne dehnt sich aus). Auf Unentschlossenheit folgt ein Impuls.
  • Zwei Kerzen oder drei? Beide Zählweisen meinen dasselbe Muster. Die englische Schule zählt Inside Bar plus Outside Bar, die deutsche Schule zählt die Mutterkerze mit. Es ändert nichts an der Formation.
  • Long-Signal: Die Outside Bar schließt über ihrer Eröffnung, Kauf zum Schlusskurs. Short-Signal: Sie schließt unter ihrer Eröffnung, Verkauf zum Schlusskurs.
  • Stop-Loss knapp unter dem Tief der Inside Bar (Long) oder knapp über deren Hoch (Short). Kein Trailing Stop, weil der Markt nach einem Popgun oft schnell zurückzieht. Besser ein festes Ziel an der nächsten Unterstützung oder Widerstandszone.
  • Meine Auswertung über 7.593 Tageskerzen aus sechs Märkten fand 154 Popguns, also etwa eines alle 49 Handelstage je Wert. Mit einem Ziel im Abstand des Stops lagen 44 Prozent im Gewinn, ohne Zusatzfilter also nicht besser als ein Münzwurf.
  • Der aussichtsreichste Filter: Die Outside Bar muss jenseits der Spanne der Inside Bar schließen. Damit stiegen die Treffer auf 48 Prozent, ohne den Filter fielen sie auf 39 Prozent. Der Abstand ist ein Hinweis, statistisch abgesichert ist er bei dieser Stichprobe nicht.
  • Nicht handeln, wenn die Outside Bar als Doji mit langen Schatten endet. Am besten funktioniert das Setup als Trendfortsetzung nach einem Pullback, nicht als eigenständiges Umkehrmuster.

Was ist das Popgun Chartmuster für Trader?

Das Popgun ist ein Zwei-Kerzen-Muster aus der Price Action, also aus der reinen Kursbewegung ohne Indikatoren. Es beschreibt einen sehr konkreten Ablauf: Der Markt beruhigt sich für eine Kerze und explodiert in der nächsten. Wer Chartmuster generell sortieren will, findet den Überblick in meinem Leitfaden zu Price Action Trading.

Das Popgun Chartmuster ist eine Zwei-Kerzen-Formation aus einer Inside Bar und einer unmittelbar folgenden Outside Bar. Sie signalisiert den Übergang von einer Phase der Kontraktion in eine impulsive Kursbewegung, deren Richtung der Schlusskurs der Outside Bar vorgibt.

Um das Muster sauber zu erkennen, brauchst du zwei Bausteine der Kerzenlehre. Beide sind einfach, werden aber oft verwechselt. Die Inside Bar steht für Ruhe, die Outside Bar für Bewegung.

Eine Inside Bar ist eine Kerze, deren Hoch unter dem Hoch und deren Tief über dem Tief der vorangegangenen Kerze liegt. Sie zeigt eine Verengung der Handelsspanne und eine Pause in der gerichteten Marktbewegung.

Die Inside Bar heißt im deutschen Sprachgebrauch auch Innenstab. Wie du diesen Innenstab einzeln handelst und welche Trefferquoten ein größerer Test dazu liefert, steht im Artikel zum Inside Bar Setup.

Eine Outside Bar ist eine Kerze, deren Hoch über dem Hoch und deren Tief unter dem Tief der vorangegangenen Kerze liegt. Sie umschließt die Vorgängerkerze vollständig und zeigt Stärke in beide Richtungen.

Für sich genommen ist eine Outside Bar kein Signal, sondern ein Warnschild. Sie steht für einen Handelstag, an dem Käufer und Verkäufer beide Anlauf genommen haben. Erst der Zusammenhang mit der vorausgegangenen Ruhephase macht daraus ein handelbares Muster.

Entwickelt hat das Popgun Jeffrey Kennedy von Elliott Wave International. Er suchte damit den Beginn von Impulswellen innerhalb der Elliott-Wellen-Analyse. Der ursprüngliche Beitrag auf elliottwave.com ist heute nicht mehr abrufbar. Ausführlich beschrieben hat das Setup danach Galen Woods in seinem englischsprachigen Beitrag Popgun Bar Pattern Trading Setup, den ich gemeinsam mit Gaby Boutaud übersetzt habe. Er ist die Grundlage dieses Artikels, die Beispiele und Zahlen hier sind meine eigenen.

Du musst dafür kein Elliott-Wellen-Experte sein. Die Wellenlehre ist eine Form der technischen Analyse, die Kursbewegungen in Wellen zählt. Das Popgun funktioniert auch ohne diesen Rahmen, weil es nur zwei Kerzenbeziehungen auswertet.

Zwei Kerzen oder drei? Die beiden Popgun-Definitionen

Wer „Popgun” googelt, stößt auf zwei scheinbar widersprüchliche Beschreibungen. Die eine spricht von zwei Kerzen, die andere von drei. Das ist der häufigste Stolperstein bei diesem Muster, und er löst sich schneller auf, als er aussieht.

Beide Definitionen beschreiben dieselbe Formation. Sie unterscheiden sich nur darin, ob die Mutterkerze mitgezählt wird, die die Inside Bar umschließt.

Die Zwei-Kerzen-Zählung stammt aus dem englischsprachigen Raum und benennt nur die beiden Kerzen, die das Signal tragen: Inside Bar und Outside Bar. Dass es davor eine größere Kerze geben muss, steckt bereits im Begriff Inside Bar, denn ohne Vorgängerkerze gibt es keine Innenkerze.

Die Drei-Kerzen-Zählung ist im deutschsprachigen Raum verbreitet, unter anderem bei TraderFox und in der Community von comdirect. Sie beschreibt das Muster aus der Sicht der mittleren Kerze: eine Kerze, die von der linken und der rechten vollständig eingeschlossen wird. Die rechte Kerze liefert den Auslöser.

ZählweiseWas gezählt wirdWer sie verwendet
Zwei KerzenInside Bar plus Outside Bar, die Mutterkerze bleibt ungenanntJeffrey Kennedy, Galen Woods
Drei KerzenMutterkerze, eingeschlossene Kerze, auslösende KerzeTraderFox, comdirect, WH SelfInvest

Praktisch heißt das: Du suchst in beiden Fällen nach genau demselben Bild im Chart. Eine Kerze, die kleiner ist als ihre Vorgängerin, gefolgt von einer Kerze, die diese kleine Kerze komplett umschließt. Der folgende DAX-Tageschart zeigt beide Sichtweisen an einem realen Beispiel.

Popgun Chartmuster im DAX-Tageschart am 21. April 2026 mit Mutterkerze, Inside Bar und Outside Bar
Popgun im DAX am 21. April 2026. Die drei markierten Kerzen sind dieselbe Formation, egal ob du zwei oder drei zählst. Datenquelle: Interactive Brokers.

Am 21. April 2026 lief das Muster im DAX wie im Lehrbuch ab. Die Mutterkerze vom 17. April spannte 24.146,58 bis 24.792,46 Punkte. Die Inside Bar vom 20. April blieb mit 24.290,00 bis 24.497,38 komplett darin. Die Outside Bar vom 21. April riss die Spanne dann auf 24.247,31 bis 24.606,84 auf.

Weil der Schluss bei 24.270,87 unter der Eröffnung von 24.508,20 lag, war es ein Short-Signal. Der Stop gehörte über das Hoch der Inside Bar auf 24.497,38, das ergibt 226,51 Punkte Risiko. Ein Ziel im selben Abstand lag bei 24.044,36 und wurde zwei Handelstage später erreicht.

Tradingregeln für das Popgun Chartmuster

Die Regeln sind bewusst knapp gehalten, weil das Muster selbst knapp ist. Zwei Kerzen, ein Schlusskurs, eine Richtung. Alles Weitere entscheidet der Marktkontext, nicht die Formation.

Trading Setup für eine Longposition

  • Eine Inside Bar bildet sich, ihre Spanne liegt vollständig innerhalb der Vorgängerkerze.
  • Eine Outside Bar folgt und umschließt die Inside Bar. Ihr Schlusskurs liegt über ihrer Eröffnung.
  • Kauf zum Schlusskurs der Outside Bar, also am Ende der Kerze, die das Signal erzeugt hat.

Trading Setup für eine Shortposition

  • Eine Inside Bar bildet sich, genau wie beim Long-Setup.
  • Eine Outside Bar folgt und schließt unter ihrer Eröffnung.
  • Verkauf zum Schlusskurs der Outside Bar, die Position wird also short eröffnet.

Drei Filter, die aus dem Muster ein Setup machen

Zu den nackten Regeln gehören drei Zusatzbedingungen, die in vielen deutschen Beschreibungen fehlen. In meiner eigenen Auswertung weiter unten war eine davon der einzige Filter mit messbarem Effekt.

  1. In Trendrichtung handeln. Ein bullisches Popgun im Aufwärtstrend ist etwas anderes als dasselbe Muster mitten in einer Seitwärtsphase.
  2. Die Outside Bar muss jenseits der Spanne der Inside Bar schließen. Beim Long-Setup also über deren Hoch, beim Short-Setup unter deren Tief. Ein Schluss innerhalb der alten Spanne ist ein halbherziger Ausbruch.
  3. Gedrängte Kurszonen meiden. In engen Ranges entstehen Inside und Outside Bars fast von selbst, ohne dass ihnen eine Kraftverschiebung zugrunde liegt.

Der zweite Punkt ist der wichtigste und der am leichtesten zu prüfende. Du siehst mit einem Blick, ob der Schlusskurs der Outside Bar über oder unter der alten Spanne liegt. Wie stark dieser Filter wirkt, zeigen die Zahlen im Abschnitt zur eigenen Auswertung.

Stop-Loss und Kursziel beim Popgun Chartmuster

Der Einstieg ist beim Popgun festgelegt, das Risiko nicht. Wo du den Stop setzt, entscheidet über die Größe deiner Position und darüber, wie oft dich normale Schwankungen aus dem Trade werfen.

Stop-Loss-Platzierung

Der Bezugspunkt ist die Inside Bar, nicht die Outside Bar. Sie ist der Kern der Formation, und ihr Bruch macht die ganze Prämisse ungültig.

  • Long-Setup: Stop knapp unter das Tief der Inside Bar. Fällt der Kurs darunter, hat der Markt die Kontraktion nach unten aufgelöst, und die bullische Idee ist erledigt.
  • Short-Setup: Stop knapp über das Hoch der Inside Bar. Steigt der Kurs darüber, haben die Käufer die Richtungsfrage für sich entschieden.

Als Alternative lässt sich der Stop hinter das Extrem der gesamten Outside Bar legen, also unter deren Tief beim Long-Trade oder über deren Hoch beim Short-Trade. Das kostet mehr Abstand, senkt aber die Gefahr, durch kurzfristige Schwankungen ausgestoppt zu werden.

Wie viel das ausmachen kann, zeigt der Verlusttrade weiter unten: Dort lag der enge Stop bei 0,90 Prozent Risiko und wurde getroffen, der weite Stop hätte bei 1,25 Prozent gehalten, und das Ziel fiel drei Handelstage später doch noch. Gemessen habe ich in der Auswertung trotzdem die enge Variante, weil sie die Regel im Original ist.

Kursziel

Jeffrey Kennedy hat dem Muster seinen Namen wegen des typischen Rückzugs nach dem Impuls gegeben. Ein Korkenknaller macht viel Lärm und ist schnell wieder still. Genau so verhält sich der Kurs oft nach einem Popgun: erst der Schub, dann die Gegenbewegung.

Daraus folgt eine klare Empfehlung: Kein Trailing Stop. Ein nachgezogener Stop wird bei diesem Muster überdurchschnittlich oft von der Gegenbewegung abgeräumt, bevor der eigentliche Zug läuft. Setze stattdessen ein festes Ziel an einer Stelle, die der Chart selbst vorgibt.

  • Die nächste Unterstützungs- oder Widerstandszone, also ein Niveau, an dem der Kurs früher schon gedreht hat.
  • Eine frühere Konsolidierung, weil alte Seitwärtsphasen als Bremse wirken.
  • Ein Fibonacci-Niveau, wenn du ohnehin mit Retracements arbeitest.

Wenn der Chart keine sinnvolle Zielmarke hergibt, ist das Chance-Risiko-Verhältnis die pragmatische Notlösung. Meine Auswertung nutzt dafür ein Ziel im Abstand des Stops, weil das die neutralste Messgröße ist und keine Chartinterpretation voraussetzt.

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Tradingbeispiele für das Popgun Chartmuster

Zwei Beispiele aus dem DAX-Tageschart, eines mit Gewinn und eines mit Verlust. Beide erfüllen alle Regeln aus dem Abschnitt oben, auch den Filter mit dem Schluss jenseits der Inside-Bar-Spanne. Der Unterschied liegt nicht in der Formation, sondern in dem, was der Markt danach tut.

Gewinntrade: Long Popgun im DAX

Popgun Chartmuster als Gewinntrade im DAX am 27. Dezember 2024 mit Einstieg, Stop und Kursziel
Popgun im DAX am 27. Dezember 2024. Die Outside Bar schließt am Tageshoch, das Ziel fällt vier Handelstage später. Datenquelle: Interactive Brokers.

Der DAX kam aus einem Rücksetzer in einem intakten Aufwärtstrend. Die Mutterkerze vom 20. Dezember 2024 spannte 19.649,87 bis 19.924,70 Punkte, die Inside Bar vom 23. Dezember blieb mit 19.805,57 bis 19.901,32 komplett darin. Eine ruhige Kerze, kaum Bewegung.

Am 27. Dezember löste die Outside Bar die Enge auf. Sie eröffnete bei 19.831,68, fiel zunächst auf 19.801,33 und damit unter das Tief der Inside Bar, drehte und schloss bei 19.984,32 praktisch auf dem Tageshoch. Ein sauberes Long-Signal, denn der Schluss lag über dem Hoch der Inside Bar.

  1. Einstieg zum Schluss der Outside Bar bei 19.984,32.
  2. Stop knapp unter das Tief der Inside Bar auf 19.805,57, also 178,75 Punkte oder 0,89 Prozent Risiko.
  3. Ziel im selben Abstand bei 20.163,07.

Danach passierte erst einmal wenig. Drei Handelstage lief der DAX seitwärts, ohne den Stop auch nur zu testen: Die Tiefs lagen bei 19.882,67, 19.833,82 und 19.868,14, alle über der Stopmarke. Am 6. Januar 2025 zog der Index dann auf 20.213,57 und nahm das Ziel mit.

Genau dieses Muster ist typisch: Der Popgun-Impuls kommt selten sofort. Wer hier einen Trailing Stop nachgezogen hätte, wäre in der Seitwärtsphase mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgestoppt worden, bevor die eigentliche Bewegung begann.

Verlusttrade: wenn der enge Stop zum Problem wird

Popgun Chartmuster als Verlusttrade im DAX am 7. März 2024 mit engem und alternativem Stop
Popgun im DAX am 7. März 2024. Der enge Stop wurde getroffen, der weite hätte gehalten, das Ziel fiel drei Tage später. Datenquelle: Interactive Brokers.

Der zweite Fall ist der lehrreichere, weil nichts falsch gemacht wurde. Die Mutterkerze vom 5. März 2024 reichte von 17.643,11 bis 17.746,57, die Inside Bar vom 6. März von 17.682,51 bis 17.745,16. Die Outside Bar vom 7. März schloss bei 17.842,85 weit über dem Hoch der Inside Bar. Auch der Filter war also erfüllt.

Der Stop lag bei 17.682,51, das Ziel bei 18.003,19. Am 8. März hielt sich der Index noch, am 11. März fiel er auf 17.662,55 und nahm den Stop mit. Ein Verlust von 0,90 Prozent, sauber nach Regel.

Der bittere Teil kommt danach: Der DAX drehte sofort wieder nach oben. Am 12. März stand er bei 17.965,11, am 14. März erreichte er 18.039,05 und damit das ursprüngliche Ziel. Wer den alternativen Stop unter dem Tief der Outside Bar bei 17.619,40 gewählt hätte, wäre nie ausgestoppt worden.

Daraus folgt keine Empfehlung für den weiten Stop, sondern eine ehrliche Abwägung. Der enge Stop kostet dich Trades wie diesen, hält das Risiko aber bei unter einem Prozent. Der weite Stop überlebt die Gegenbewegung, zwingt dich dafür zu einer kleineren Position. Beides ist vertretbar, nur beliebig wechseln solltest du nicht.

Was 7.593 Tageskerzen über das Popgun verraten

Über das Popgun kursieren viele Behauptungen und wenige Zahlen. Deshalb habe ich das Muster selbst auszählen lassen, mit den Regeln aus diesem Artikel und ohne nachträgliche Optimierung. Die Ergebnisse sind ernüchternd und in einem Punkt überraschend.

Die Datenbasis: 7.593 Tageskerzen aus sechs Märkten, nämlich DAX und EUR/USD sowie dem S&P-500-ETF, dem Nasdaq-100-ETF, dem Russell-2000-ETF und der Apple-Aktie, im Zeitraum August 2021 bis August 2026. Die Kursdaten stammen von Interactive Brokers.

Gemessen wurde streng nach Regel: Einstieg zum Schlusskurs der Outside Bar, Stop am Extrem der Inside Bar, Ziel im Abstand des Stops. Beobachtungsfenster zehn Handelstage. Trifft eine Kerze beide Marken, zählt sie konservativ als Verlust.

KennzahlErgebnisWert
Popgun-Signale insgesamtin 7.593 Tageskerzen154
Häufigkeit je Basiswertein Signal etwa alle49 Handelstage
Ziel vor Stop erreicht67 von 151 entschiedenen Signalen44 %
Mit Filter: Schluss jenseits der Inside Bar43 von 8948 %
Ohne diesen Filter24 von 6239 %
Nur DAX13 von 2650 %
Nur EUR/USD12 von 3435 %
Durchschnittliches Risiko je TradeAbstand Einstieg zu Stop1,1 %

Der erste Befund ist der wichtigste und der unbequemste: Ohne Zusatzbedingung liegt die Trefferquote bei einem Ziel im Abstand des Stops bei 44 Prozent. Statistisch ist das von einem Münzwurf nicht zu unterscheiden. Das Muster allein trägt keinen Vorteil.

Der zweite Befund verdient eine ehrliche Einordnung, keine Werbung. Popguns, deren Outside Bar jenseits der Spanne der Inside Bar schloss, kamen auf 48 Prozent, die übrigen auf 39 Prozent. Der Abstand zeigt in die erwartete Richtung, verfehlt die übliche Signifikanzschwelle aber deutlich. Als Auswahlregel brauchbar, als Beweis nicht.

Dazu gehört eine Bemerkung, die ich mir selbst schreiben musste: In einer kleineren Stichprobe sah derselbe Filter noch viel besser aus. Als nur die vier US-Werte drin waren, standen 54 gegen 35 Prozent. Mit DAX und EUR/USD schrumpfte der Vorsprung auf neun Punkte. Genau so verhalten sich Zufallsergebnisse, wenn die Datenbasis wächst.

Auffällig ist die Schieflage zwischen Long und Short. Long-Signale kamen auf 50 Prozent, Short-Signale nur auf 39 Prozent. Der Untersuchungszeitraum war überwiegend ein Aufwärtsmarkt, und genau das zeigt die Zahl: Das Popgun in Trendrichtung zu handeln ist keine Stilfrage, sondern messbar.

Zwischen den Märkten ist der Unterschied ebenfalls groß. Im DAX traf das Muster in der Hälfte der Fälle, auf EUR/USD nur in gut einem Drittel. Das passt zum Volumen-Argument weiter unten: Auf dem Devisenmarkt fehlt die Bestätigung, die eine Outside Bar an der Börse mitliefert.

Bemerkenswert ist zuletzt die Seltenheit. Ein Signal alle 49 Handelstage bedeutet grob zwei bis drei Popguns pro Jahr und Basiswert. Als alleinige Strategie taugt das Muster damit nicht. Es ist ein Zusatzwerkzeug für Situationen, die du ohnehin beobachtest.

Eine Methodenanmerkung zur konservativen Zählung: Am 14. Mai 2025 lieferte der DAX ein Short-Popgun, bei dem am Folgetag das Hoch über dem Stop und das Tief unter dem Ziel lag. Aus Tagesdaten lässt sich nicht sagen, was zuerst kam. Solche Fälle zähle ich als Verlust. Die echte Quote liegt also eher etwas über 44 als darunter.

Diese Auswertung ist ein Rückblick auf einen abgeschlossenen Zeitraum. Sie beschreibt, wie oft das Muster in dieser Stichprobe sein Ziel vor dem Stop erreicht hat, und lässt keinen Schluss auf künftige Ergebnisse zu.

Popgun-Varianten: Double PopGun, Double Inside und das IOI-Muster

Das einfache Popgun hat mehrere Verwandte, und die Begriffe werden munter durcheinandergeworfen. Drei davon begegnen dir regelmäßig: das Double PopGun, das Double Inside PopGun und das IOI-Muster von Al Brooks.

Die drei Varianten aus der Signalwerkzeug-Praxis

Der Softwareanbieter SignalWorks hat für die Handelsplattform NanoTrader drei Popgun-Varianten definiert und automatisiert. Die Systematik ist nützlich, weil sie die Zwischenformen benennt, für die es sonst keine Namen gibt.

  • Einfache PopGun: Zwei äußere Kerzen umschließen die mittlere Kerze vollständig. Das ist die Drei-Kerzen-Schreibweise des klassischen Popgun.
  • Double PopGun: Zwei aufeinanderfolgende Popguns, bei denen dieselbe Kerze in der Mitte für beide Formationen der Außenstab ist.
  • Double Inside PopGun: Zwei Außenstäbe umschließen zwei aufeinanderfolgende Innenstäbe. Die Ruhephase dauert hier zwei Kerzen statt einer.

Laut Anbieterbeschreibung erzeugt die Plattform Signale aus dem sogenannten PopGun-Kanal, also aus dem höchsten und tiefsten Preis der Formation. Gehandelt wird der Ausbruch daraus, nicht der Schlusskurs der Outside Bar. Das ist ein anderer Einstieg als der in diesem Artikel beschriebene.

Das IOI-Muster von Al Brooks

Wenn sich direkt nach dem Popgun noch eine Inside Bar bildet, entsteht ein eigenständiges Muster, das Al Brooks in seiner Price-Action-Reihe beschrieben hat. Es heißt ioi, gesprochen wie die drei Buchstaben.

Das IOI-Muster besteht aus einer Inside Bar, einer darauf folgenden Outside Bar und einer weiteren Inside Bar. Al Brooks ordnet es dem Breakout-Modus zu, weil sich die Kursspanne zweimal verengt und der Markt auf eine Auflösung wartet.

Die ersten beiden Kerzen eines IOI sind also exakt ein Popgun. Die dritte Kerze fügt eine zweite Ruhephase hinzu. Gehandelt wird der Ausbruch aus der Spanne, mit dem Stop hinter dem gegenüberliegenden Extrem.

Vor zu viel Zuversicht sei gewarnt: Der erste Ausbruch aus einem IOI scheitert häufig. Der Brooks Trading Course beziffert das auf etwa die Hälfte der Fälle. Ein zweiter Anlauf in dieselbe Richtung ist bei diesem Muster eher die Regel als die Ausnahme.

Der Unterschied klingt kleinlich, entscheidet aber darüber, welche Kerze deinen Stop trägt. Beim klassischen Popgun ist es die Inside Bar, beim IOI die zweite Inside Bar oder die Spanne der Outside Bar. Wer beides vermischt, misst am Ende zwei verschiedene Setups und wundert sich über die Ergebnisse.

Marktkontext: Wann ist das Popgun Chartmuster wirklich zuverlässig?

Das Popgun liefert sein bestes Signal im richtigen Umfeld. Kennedy hat es als Werkzeug für den Beginn von Impulswellen gebaut, und daraus folgt direkt: Das Muster gehört in Trendrichtung, nicht dagegen. Meine Auswertung stützt das mit dem Abstand zwischen Long- und Short-Ergebnissen.

Drei Bedingungen für ein starkes Setup

  1. Ein bestehender Trend. Vor dem Popgun sollte eine klare Richtung erkennbar sein. Ein bullisches Popgun nach einem Pullback im Aufwärtstrend ist deutlich belastbarer als eines, das isoliert in einer Seitwärtsphase auftaucht.
  2. Ein sinnvoller Ort im Chart. Besonders gut funktioniert das Setup, wenn die Inside Bar nahe an einer Unterstützungs- oder Widerstandszone liegt. Die Kontraktion entsteht dann genau am relevanten Niveau, und die Outside Bar löst es auf.
  3. Eine klare Outside Bar ohne Doji-Charakter. Sie muss nahe am Hoch schließen (Long) oder nahe am Tief (Short), nicht in der Mitte. Eine Outside Bar, die als Doji endet, gibt kein Richtungssignal.

Volumen als Bestätigung

Auf Märkten mit verlässlichen Volumendaten, also bei Aktien und Futures, erhöht ein Volumenanstieg auf der Outside Bar die Aussagekraft spürbar. Hohes Volumen spricht dafür, dass hinter der Ausdehnung echter Handelsdruck steckt und nicht bloß dünner Handel.

Auf dem Forex-Spot-Markt ist dieses Signal wenig wert, weil es dort kein zentrales Volumen gibt. Jeder Broker sieht nur seinen eigenen Ausschnitt. Dass EUR/USD in meiner Auswertung mit 35 Prozent das schwächste Ergebnis lieferte, passt genau dazu.

Vorteile und Nachteile des Popgun Chartmusters

Wie jedes Kerzenmuster hat das Popgun klare Stärken und ebenso klare Grenzen. Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, was in der Praxis für und was gegen den Einsatz spricht.

Vorteile des Popgun Chartmusters

  • Eindeutige Regeln: Einstieg, Stop und Signalrichtung stehen fest, sobald die Outside Bar geschlossen hat. Es gibt keinen Interpretationsspielraum.
  • Kleines Risiko: Der Stop sitzt am Extrem der Inside Bar und damit sehr nah am Einstieg. In meiner Auswertung lag das durchschnittliche Risiko bei rund 1,1 Prozent des Einstiegskurses.
  • Auf jedem Markt und Zeitrahmen anwendbar: Aktien, Futures, Devisen und Kryptowährungen, vom Tageschart bis in den Intraday-Bereich.
  • Ein Filter mit messbarer Richtung: Der Schluss jenseits der Inside-Bar-Spanne hob die Trefferquote von 39 auf 48 Prozent.

Nachteile des Popgun Chartmusters

  • Ohne Filter kein Vorteil: Über alle Signale hinweg lag die Trefferquote bei 44 Prozent und damit im Bereich des Zufalls.
  • Sehr selten: Etwa zwei bis drei Signale pro Jahr und Basiswert. Als alleinige Strategie reicht das nicht.
  • Enger Stop wird oft getroffen: Der typische Rückzug nach dem Impuls liegt genau dort, wo der Stop sitzt. Der DAX-Verlusttrade oben zeigt den Ablauf.
  • Auf Devisen schwächer: Ohne zentrales Volumen fehlt die Bestätigung. EUR/USD lieferte mit 35 Prozent das schlechteste Ergebnis im Test.
  • Uneinheitliche Definitionen: Zwei Zählweisen, drei Varianten und mehrere Einstiegsregeln machen es schwer, fremde Statistiken zu vergleichen.

Die Inside Bar des Popgun ist im Tageschart nichts anderes als ein Inside Day. Wie du dieses Kompressionsmuster einzeln handelst und wie das ID/NR4-Setup die Spanne noch weiter verengt, steht im Artikel zum Inside Day im Tageschart.

Popgun-Indikatoren, Scanner und Signaldienste

Weil das Muster selten auftritt, lohnt sich ein Scanner mehr als bei häufigen Formationen. Wer Popguns von Hand sucht, blättert lange. Im deutschsprachigen Raum gibt es dafür drei Wege, und sie unterscheiden sich stark in Preis und Anspruch.

Kostenloses TradingView-Skript

Auf TradingView liegt ein frei nutzbarer Popgun-Indikator des Autors Pfalztrader, veröffentlicht im Juli 2022. Er markiert Kerzen, die von zwei anderen eingeschlossen werden, arbeitet also mit der Drei-Kerzen-Definition. Der Quellcode ist geschützt und lässt sich nicht anpassen.

Wichtig ist der abweichende Auslöser: Laut Beschreibung gilt das Signal, sobald eine der folgenden fünf Kerzen über dem Hoch oder unter dem Tief der rechten Kerze schließt. Das ist eine Ausbruchslogik und nicht der Einstieg zum Schlusskurs, den dieser Artikel beschreibt. Wer beides mischt, vergleicht später Ergebnisse, die nicht vergleichbar sind.

Automatische Erkennung in einer Handelsplattform

Die Plattform NanoTrader von WH SelfInvest enthält ein Popgun-Paket, das die drei oben beschriebenen Varianten automatisch erkennt, den PopGun-Kanal einzeichnet und Signale erzeugt. Laut Anbieter lässt sich das Muster zusätzlich in einer höheren Zeiteinheit suchen und im kleineren Chart darstellen.

Der Anbieter bezeichnet das Muster ausdrücklich als Trendumkehrformation in Zeitfenstern ab 15 Minuten. Das steht im Gegensatz zu Kennedys Ansatz, der es als Trendfortsetzung versteht. Meine eigenen Zahlen sprechen für die Trendfortsetzung, weil Signale gegen den übergeordneten Trend deutlich schlechter abschnitten.

Signaldienst mit fertigen Trades

Wer nicht selbst suchen will, findet bei stock3 den Pop Gun Trader von Cordula Lucas. Die technische Analystin handelt Pop Guns nach eigenen Angaben seit 2008 und liefert Ein- und Ausstiegssignale auf DAX, Dow Jones, S&P 500, EUR/USD, Gold, Silber, WTI und Einzelaktien.

Der Dienst kostet 99,99 Euro monatlich oder 83,33 Euro pro Monat im Zwölf-Monats-Abo, mit einer 14-tägigen Testphase. Auf der Produktseite steht eine Kundenbewertung von 4,2 von 5 bei neun abgegebenen Bewertungen, also auf sehr dünner Basis.

Die Produktbeschreibung nennt Pop Guns eine äußerst profitable Kerzenformation. Das ist eine Anbieterangabe und keine belegte Aussage über das Muster als solches. Meine eigene Auswertung zeigt, dass die Formation ohne Zusatzfilter keinen Vorteil liefert. Was ein Signaldienst daraus macht, hängt an der Auswahl und am Risikomanagement der Person dahinter, nicht am Muster.

Für wen sich keiner dieser Wege lohnt: Wer ohnehin nur eine Handvoll Märkte beobachtet, findet die zwei bis drei Popguns pro Jahr auch ohne Werkzeug. Ein Scanner rechnet sich erst, wenn du breit über viele Kerzenformationen und Basiswerte suchst.

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Fazit: ein gutes Timing-Werkzeug, aber keine Strategie

Das Popgun beschreibt einen echten Vorgang am Markt: Die Handelsspanne schrumpft, dann dehnt sie sich aus. Solche Kraftverschiebungen sind der Kern der Price Action, und deshalb hat das Muster seinen Platz. Was es nicht ist: ein Signal, dem du blind folgen kannst. Am anderen Ende der Zeitskala steht das Cup and Handle Formation, das für dieselbe Aussage Monate statt drei Kerzen braucht.

Meine Auswertung über 7.593 Tageskerzen hat mich in zwei Punkten bestätigt und in einem korrigiert. Bestätigt hat sich, dass das Muster selten ist und dass es in Trendrichtung gehört. Korrigiert hat sie meine erste Einschätzung zum Filter: In der kleineren Stichprobe sah er stark aus, mit DAX und EUR/USD blieb ein ordentlicher, aber unspektakulärer Vorsprung übrig.

Wenn ich das Popgun einsetze, dann nicht als Einstiegssignal, sondern als Timing-Hilfe. Ich suche zuerst die Zone, an der ich ohnehin handeln will, eine Unterstützung oder einen Widerstand. Erst wenn sich dort ein Popgun bildet und die Outside Bar sauber jenseits der alten Spanne schließt, ist das ein Argument, genau an diesem Tag zu handeln.

Der Umgang mit dem Stop bleibt die Schwachstelle, und der DAX-Trade vom 7. März 2024 zeigt das besser als jede Theorie: enger Stop getroffen, drei Tage später lag der Kurs über dem Ziel. Kennedys Korkenknaller-Bild ist keine nette Metapher, sondern eine Warnung. Wer den Rücksetzer nicht in Kauf nehmen will, nimmt den weiteren Stop hinter der Outside Bar und dafür eine kleinere Position.

Und ein letzter Punkt, der beim Lesen fremder Statistiken hilft: Frag immer nach, welche Definition und welcher Einstieg gemeint sind. Zwei Kerzen oder drei, Schlusskurs oder Ausbruch, Trendfortsetzung oder Umkehr. Solange das nicht geklärt ist, vergleichst du Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben.

Auf das Popgun aufmerksam geworden bin ich über den englischsprachigen Beitrag von Galen Woods, den Gaby Boutaud und ich seinerzeit ins Deutsche übersetzt haben. Die Chartbeispiele, die Auswertung und die Einordnung in dieser Fassung stammen von mir.

FAQ zum Popgun Chartmuster

Was ist das Popgun Chartmuster?

Das Popgun Chartmuster ist eine zweiteilige Price-Action-Formation aus einer Inside Bar und einer darauf folgenden Outside Bar. Die Inside Bar zeigt Kontraktion und Unentschlossenheit, die Outside Bar löst diese Spannung durch eine starke Bewegung auf. Das Signal entsteht am Schlusskurs der Outside Bar: Schließt sie über ihrer Eröffnung, ist es ein Long-Signal, schließt sie darunter, ein Short-Signal.

Besteht das Popgun aus zwei oder drei Kerzen?

Aus beiden, je nachdem wer zählt. Beide Zählweisen beschreiben dieselbe Formation. Die englischsprachige Schule zählt nur Inside Bar und Outside Bar, weil die Mutterkerze im Begriff Inside Bar schon enthalten ist. Der deutschsprachige Raum zählt die Mutterkerze mit und kommt so auf drei Kerzen. Im Chart suchst du in beiden Fällen dasselbe Bild.

Woher stammt der Name „Popgun“?

Das Muster wurde von Jeffrey Kennedy von Elliott Wave International entwickelt und benannt. Der Name beschreibt das Verhalten nach dem Signal: Der Markt schießt an und zieht oft rasch wieder zurück, ähnlich einem Korkenknaller (englisch popgun). Deshalb warnt Kennedy vor Trailing Stops und empfiehlt feste Kursziele.

Wie unterscheidet sich das Popgun von einer normalen Outside Bar?

Eine normale Outside Bar entsteht, sobald eine Kerze Hoch und Tief der Vorgängerin übertrifft, ganz ohne besonderen Vorläufer. Das Popgun ist enger definiert: Die Outside Bar muss zwingend einer Inside Bar folgen. Erst die Reihenfolge aus Kontraktion und Ausdehnung macht das Muster aussagekräftig. Eine Outside Bar nach einer normalen Trendkerze ist kein Popgun.

Wo platziere ich den Stop-Loss beim Popgun?

Der Stop gehört an das Extrem der Inside Bar. Beim Long-Setup knapp unter deren Tief, beim Short-Setup knapp über deren Hoch. Alternativ kannst du ihn hinter das Extrem der gesamten Outside Bar legen. Das gibt mehr Luft, kostet aber Positionsgröße. In meiner Auswertung lag das Risiko bei der engen Variante im Schnitt bei rund 1,1 Prozent des Einstiegskurses.

Wie zuverlässig ist das Popgun Chartmuster?

In meiner eigenen Auswertung über 7.593 Tageskerzen aus sechs Märkten erreichten 44 Prozent der 154 Signale ihr Ziel im Abstand des Stops, bevor der Stop fiel. Das ist statistisch nicht besser als ein Münzwurf. Erst mit dem Filter, dass die Outside Bar jenseits der Inside-Bar-Spanne schließt, stieg der Wert auf 48 Prozent. Das Muster ist damit eine Timing-Hilfe, keine eigenständige Strategie.

Wann sollte ich das Popgun Chartmuster nicht handeln?

Nicht handeln solltest du es, wenn die Outside Bar als Doji mit langen Schatten nach oben und unten schließt, denn dann fehlt die Richtungsentscheidung. Auch in engen Ranges ohne klaren Trendkontext ist das Muster schwach. Am besten funktioniert es als Trendfortsetzung nach einem Pullback, also wenn die Outside Bar in Trendrichtung schließt.

Funktioniert das Popgun Chartmuster auf allen Zeitrahmen?

Grundsätzlich ja, vom Tageschart über Stundencharts bis in den Intraday-Bereich. Auf dem Tageschart ist es am aussagekräftigsten, weil eine Outside Bar dort eine ganze impulsive Handelssitzung abbildet. Im Intraday-Bereich brauchst du ausreichend Kerzenbreite: Doji-artige Outside Bars liefern auch dort schlechte Signale.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels handelt seit 1978 diskretionär nach Price Action und ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading. Er arbeitet ohne Automatik und ohne Indikatorbatterie, sondern liest Kursstruktur, Kerzen und Marktkontext. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.

Seine Spur in der deutschen Trading-Literatur ist lang. Ende der 1980er übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte alle zehn Ross-Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Für dieses Thema bringt er Praxis und Zahlen zusammen. Er kennt das Setup seit Jahren aus dem eigenen Handel und hat es für diese Fassung über 7.593 Tageskerzen aus sechs Märkten auszählen lassen. Die Chartbeispiele stammen aus dem DAX-Tageschart, die Ergebnisse stehen unbeschönigt im Artikel, auch da, wo sie gegen das Muster sprechen.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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