Das Popgun Chartmuster ist eine kompakte Price-Action-Formation, die aus einer Inside Bar gefolgt von einer Outside Bar besteht. Die Idee dahinter ist einfach: Auf eine Phase der Kontraktion (Inside Bar) folgt eine explosive Ausdehnung der Kursspanne (Outside Bar) — und genau dieser Übergang von Enge zu Stärke liefert das Handelssignal.
Entwickelt wurde das Muster von Jeffrey Kennedy von Elliott Wave International, der es ursprünglich für Elliott-Wellen-Trader konzipiert hat, um den Start von Impulswellen zu erkennen. Es lässt sich jedoch auf jedem Markt und Zeitrahmen einsetzen — von Aktien über Futures bis zu Forex. In diesem Artikel lernst du die genauen Tradingregeln, die korrekte Stop-Loss-Platzierung und siehst anhand von Gewinn- und Verlusttrades, worauf es beim Popgun wirklich ankommt.
Popgun Chartmuster – das Wichtigste vorweg:
- Das Popgun Chartmuster besteht aus zwei aufeinanderfolgenden Kerzen: einer Inside Bar (Kontraktion der Kursspanne) gefolgt von einer Outside Bar (Ausdehnung der Kursspanne). Die Kombination zeigt, wie auf eine Phase der Unentschlossenheit eine impulsive Kursbewegung folgt.
- Entwickelt wurde das Muster von Jeffrey Kennedy von Elliott Wave International — ursprünglich für Elliott-Wellen-Trader konzipiert, um den Start von Impulswellen zu identifizieren. Es lässt sich jedoch auf jedem Markt und Zeitrahmen anwenden.
- Long-Signal: Inside Bar, gefolgt von einer Outside Bar, die über ihrer Eröffnung schließt → Kauf zum Schlusskurs der Outside Bar. Short-Signal: Inside Bar, gefolgt von einer Outside Bar, die unter ihrer Eröffnung schließt → Verkauf zum Schlusskurs der Outside Bar.
- Stop-Loss beim Long-Setup knapp unter dem Tief der Inside Bar, beim Short-Setup knapp über dem Hoch der Inside Bar. Kein Trailing Stop empfohlen — der Markt zieht nach einem Popgun oft schnell zurück. Lieber ein festes Kursziel an der nächsten relevanten Unterstützung oder Widerstandszone setzen.
- Das Popgun sollte nicht gehandelt werden, wenn die Outside Bar als Doji mit langen Schatten in beide Richtungen schließt — fehlendes Richtungssignal. Am zuverlässigsten ist das Setup als Trendfortsetzungs-Setup nach einem Pullback, nicht als eigenständiges Umkehrmuster.
Was ist das Popgun Chartmuster für Trader?
Jeffrey Kennedy von „Elliott Wave International“ ließ uns an seinem Popgun Chartmuster teilhaben. Er hatte diese Chartformation für Trader von Elliott Wellen vorgesehen, um Impulswellen zu finden.
Lesetipp: Für die professionelle Umsetzung von Elliott-Wellen-Analysen: Elliott Wellen Software im Vergleich – MotiveWave, AgenaTrader und MTPredictor aus der Praxis bewertet.
Elliott Wellen stellt eine Art von Zykusanalyse dar, die durch Wellenzählung erfolgt. Obgleich es sich dabei um eine untergeordnete Kategorie der technischen Analyse handelt, sind Elliott Wellen aufgrund ihrer Tiefe und Feinheiten als eine eigene Disziplin zu betrachten.
Um das Popgun Chartmuster zu traden, müssen Sie wissen, was eine Inside Bar und eine Outside Bar ist.
Eine Inside Bar ist ein Kursstab, der vollständig vom vorausgehenden Kursstab umfasst wird. Die Inside Bar stellt eine Schrumpfung der Handelsspanne und eine Unterbrechung der in eine bestimmte Richtung orientierten Tradingaktivität dar.
Eine Outside Bar ist ein Kursstab, der den vorausgehenden Kursstab vollständig umfasst. Die Outside Bar zeigt Stärke in beide Richtungen. Je nach Kontext ist sie eine Anzeichen für Stärke oder Vorbote für extreme Kursbewegungen.
Die Popgun Kerzenformation besteht aus einer Inside Bar, der eine Outside Bar folgt.
Tradingregeln für das Popgun Chartmuster
Trading Setup für eine Longposition
Eine Inside Bar
Eine Outside Bar, deren Schlusskurs über der Eröffnung liegt.
Kaufen Sie zum Schlusskurs der Outside Bar
Trading Setup für eine Shortposition
Eine Inside Bar
Eine Outside Bar, die unter der Eröffnung schließt
Verkaufen Sie zum Schlusskurs der Outside Bar
Stop-Loss und Kursziel beim Popgun Chartmuster
Stop-Loss-Platzierung
Die Platzierung des Stop-Loss richtet sich nach der Inside Bar — dem Kern der Formation:
Long-Setup: Stop-Loss knapp unterhalb des Tiefs der Inside Bar. Wird dieses Niveau unterschritten, hat der Markt die Kontraktion nach unten aufgelöst — die bullische Prämisse des Setups ist damit ungültig.
Short-Setup: Stop-Loss knapp oberhalb des Hochs der Inside Bar. Wird dieses Niveau überschritten, hat der Markt die Richtungsentscheidung zugunsten der Käufer getroffen.
Alternativ lässt sich der Stop auch unter dem Tief der gesamten Outside Bar (Long) bzw. über dem Hoch der Outside Bar (Short) platzieren — das erhöht etwas den Abstand, reduziert aber die Gefahr, durch vorübergehende Volatilität ausgestoppt zu werden.
Kursziel
Jeffrey Kennedy weist ausdrücklich darauf hin, dass der Markt nach einem Popgun Muster wie ein Korkenknaller korrigiert — oft schnell und dann wieder zurück. Trailing Stops sind daher nicht empfehlenswert. Setze stattdessen ein logisches, festes Kursziel: die nächste relevante Unterstützungs- oder Widerstandszone, eine vorherige Konsolidierung oder ein Fibonacci-Niveau. Das Beispiel im Gewinntrade unten zeigt, wie eine frühere Konsolidierungszone das perfekte Ziel abgesteckt hat.
Tradingbeispiele für das Popgun Chartmuster
Gewinntrade: Long Popgun Chartmuster

Das ist ein Tageschart vom Maxim Integrated Products Inc., eine an der NASDAQ notierte Aktie. In diesem Chart können Sie sehen, wie frühere Konsolidierungszonen als stabile Unterstützungs- und Widerstandsebenen fungieren.
1. Nach einem ausgeprägten Kursrückgang erschien ein Popgun Chartmuster an einem wichtigen Unterstützungsniveau. Das ist wirklich ein interessanter Trade, weil sich zweimal hintereinander Popgun Trading Setups ergeben haben. Demzufolge handelt es sich auch um eine Inside-Outside-Inside (IOI) Chartformation, die Al Brooks geschaffen und in seinen Price Action Trading Büchern publiziert hat.
2. Der Widerstandbereich, an dem sich zuvor eine Konsolidierung gebildet hatte, stellte das perfekte Gewinnziel für dieses Trading Setup dar.
3. Es kam zu einem raschen Kursrückgang mit einer Kurslücke nach unten, nachdem sich die Aktie einige Tage lang seitwärts bewegt hatte.
Obwohl dies nicht im Chart gekennzeichnet ist, fiel das Widerstandsniveau (obere punktierte Linie) mit dem 50% Retracement des Kursrückgangs vom obersten Kursbereich der Konsolidierung zusammen.
Nach Jeffrey Kennedy korrigiert der Markt nach einem Popgun Chartmuster wie ein Korkenknaller (engl. popgun). Daher ist es nicht empfehlenswert, Trailingstops, also nachgezogene Stopps, zu verwenden. Besser ist, wenn Sie zur Gewinnmitnahme ein logisches Kursziel setzen.
Die IOI-Variante: Inside – Outside – Inside
Im Gewinntrade-Beispiel oben fällt auf, dass sich zwei Popgun-Setups hintereinander gebildet haben. Diese Konstellation hat einen eigenen Namen: das IOI-Muster (Inside – Outside – Inside), geprägt von Al Brooks in seiner Price-Action-Reihe.
Das IOI entsteht, wenn:
1. Eine Outside Bar auftritt (die normale Außenkerze)
2. Ihr eine Inside Bar folgt (Kontraktion nach der Ausdehnung)
3. Die nächste Kerze diese Inside Bar wieder nach oben oder unten aufbricht
Im Verhältnis zum klassischen Popgun ist das IOI eine Bestätigung: Die zweite Konsolidierung zeigt, dass der Markt die erste Impulsbewegung verdaut und sich auf die Fortsetzung vorbereitet. Das IOI gilt daher als etwas zuverlässiger als ein einzelnes Popgun, weil es zwei Kontraktionsphasen mit einem klaren Auflösungsmoment kombiniert.
Für die Handelsregeln gilt dasselbe wie beim Popgun: Einstieg zum Schlusskurs der auflösenden Kerze, Stop-Loss unter dem Tief der letzten Inside Bar (Long) bzw. über dem Hoch (Short).
Verlusttrade

Nun wollen wir versuchen, eine Intraday-Popgun Chartformation zu finden. Das ist ein 30-Minuten Chart des EUR/USD Futures, der an der CME gehandelt werden.
Trotz starken bärischen Trendkerze wies der lange untere Schatten des Candlesticks auf Kaufdruck hin. Zusammen mit der bullischen Inside Bar, die folgte, hatten wir die Bestätigung, dass sich die abwärts gerichtete Kursbewegung wohl nicht fortsetzen wird.
Die Kurse mündeten in eine Konsolidierung ein und bewegten sich seitwärts, wie es aufgrund der Dojis erkennbar ist.
Die Outside Bar vollendete das Popgun Chartmuster. Aber es gelang nur knapp, dass die die Outside Bar unter der Eröffnung schloss, und zudem handelte es sich dabei um einen Doji. So war es nicht überraschend, dass sich das Signal nicht gut entwickelte.
Marktkontext: Wann ist das Popgun Chartmuster wirklich zuverlässig?
Das Popgun Chartmuster liefert das beste Signal, wenn es im richtigen Kontext auftritt. Jeffrey Kennedy konzipierte es als Werkzeug zur Identifikation von Impulswellen — das bedeutet: Das Muster sollte in Trendrichtung gehandelt werden, nicht gegen den Trend.
Drei Bedingungen für ein starkes Setup
1. Bestehender Trend: Vor dem Popgun sollte ein klarer Aufwärts- oder Abwärtstrend erkennbar sein. Ein bullisches Popgun nach einem bullischen Pullback in einem Aufwärtstrend ist deutlich zuverlässiger als ein Popgun, das isoliert in einer Seitwärtsphase auftritt.
2. Sinnvoller Marktkontext: Das Setup funktioniert besonders gut, wenn die Inside Bar in der Nähe einer Unterstützungs- oder Widerstandszone liegt — das Gewinntrade-Beispiel im Artikel zeigt dies deutlich. Die Kontraktion entsteht genau am relevanten Niveau, die Outside Bar löst es auf.
3. Klare Outside Bar ohne Doji-Charakter: Die Outside Bar muss eine eindeutige Richtung zeigen. Das heißt konkret: Sie schließt nahe am Hoch der Kerze (Long) oder nahe am Tief (Short) — nicht in der Mitte. Eine Outside Bar, die als Doji endet, gibt kein klares Signal und sollte nicht gehandelt werden, wie das Verlusttrade-Beispiel im Artikel illustriert.
Volumen als Bestätigung
Auf Märkten mit verlässlichen Volumendaten — zum Beispiel Aktien oder Futures — kann ein Anstieg des Volumens auf der Outside Bar die Aussagekraft des Setups deutlich erhöhen. Hohes Volumen bestätigt, dass hinter der Ausdehnungsbewegung echter institutioneller Druck steckt und kein bloßes Rauschen. Auf dem Forex-Spot-Markt ist dieses Signal weniger verlässlich, da dort kein zentralisiertes Volumen existiert.
Schlussbemerkung zum Popgun Chartmuster
Diese Chartformation ist auf die Veränderung der Handelsspanne von deren Schrumpfung zu deren Ausdehnung ausgerichtet und betrachtet die Veränderung als Anzeichen von Stärke. In Anbetracht dessen sollten wir Popgun Bar Chartmuster nur dann handeln, wenn der Outside Bar eine Richtung anzeigt und nicht, wenn der Outside Bar als Doji mit langen Schatten oben und unten vorliegt.
Im Allgemeinen sind Outside Bars wilde Gebilde. Die Price Action, die nach Outside Bars folgt, ist wahrscheinlich sehr heftig. Untersuchen Sie den Marktkontext zur Bestätigung, dass eine nachhaltige Impulswelle im Gange ist. Im Zweifelsfall warten Sie ab, bis sich weitere Price Action entwickelt hat.
Ich habe festgestellt, dass Popgun Bar Chartformationen, die nicht sofort durchstarten, dazu neigen, das Tief der Outside Bar (bei Long-Trades) testen, bevor es zu einer Aufwärtsbewegung kommt. Daher dient das Tief einer Outside Bar als Unterstützung für eventuelle Long-Trades. Im Fall von Short-Trades verhält es sich umgekehrt.
Jeffrey Kennedy ist ein Analyst von Elliott Waves, und er teilte diese Chartformation als eine Möglichkeit, Impulswellen innerhalb der Struktur von Elliott-Wellen zu traden.
Wenn Sie mehr über Elliott-Wellen erfahren möchten, sollten Sie das Standardwerk lesen: Elliott Wave Principle: Key to Market Behavior (Deutsche Ausgabe)
Hier weiterlesen:
Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: Popgun Bar Pattern Trading Setup
Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud
FAQ zum Popgun Chartmuster
Was ist das Popgun Chartmuster?
Das Popgun Chartmuster ist eine zweiteilige Price-Action-Formation, die aus einer Inside Bar gefolgt von einer Outside Bar besteht. Die Inside Bar zeigt Kontraktion und Unentschlossenheit, die nachfolgende Outside Bar löst diese Spannung durch eine starke Kursbewegung in eine Richtung auf. Das Handelssignal entsteht am Schlusskurs der Outside Bar: Schließt diese über ihrer Eröffnung, liegt ein Long-Signal vor; schließt sie darunter, ein Short-Signal.
Woher stammt der Name „Popgun”?
Das Popgun Chartmuster wurde von Jeffrey Kennedy von Elliott Wave International entwickelt und benannt. Der Name bezieht sich auf das typische Korrekturverhalten nach dem Setup: Der Markt schießt zwar an, zieht aber oft rasch wieder zurück — ähnlich einem Korkenknaller (englisch: popgun). Daher warnt Kennedy ausdrücklich davor, Trailing Stops zu verwenden, und empfiehlt stattdessen feste Kursziele.
Wie unterscheidet sich das Popgun vom normalen Outside Bar?
Ein normaler Outside Bar tritt auf, wenn eine Kerze das Hoch und Tief der vorangegangenen Kerze übertrifft — ohne spezifischen Vorläufer. Das Popgun Chartmuster ist spezifischer: Die Outside Bar muss zwingend einer Inside Bar folgen. Erst diese Kombination — Kontraktion, dann Ausdehnung — macht das Muster aussagekräftig. Ein Outside Bar nach einem normalen Trendstab ist kein Popgun.
Wo platziere ich den Stop-Loss beim Popgun?
Beim Long-Setup wird der Stop-Loss knapp unterhalb des Tiefs der Inside Bar gesetzt. Beim Short-Setup entsprechend knapp oberhalb des Hochs der Inside Bar. Alternativ kann der Stop auch unter dem Tief (Long) bzw. über dem Hoch (Short) der gesamten Outside Bar platziert werden — mit etwas mehr Puffer, aber höherem Verlustrisiko im Fehlfall.
Wann sollte ich das Popgun Chartmuster nicht handeln?
Das Setup ist unzuverlässig, wenn die Outside Bar als Doji mit langen Schatten nach oben und unten schließt — sie zeigt dann keine klare Richtungsentscheidung. Auch in stark gedrängten Kurszonen (Konsolidierungen, engen Ranges) ohne klaren Trendkontext ist das Muster weniger verlässlich. Ideal ist das Popgun als Trendfortsetzungssetup nach einem Pullback — also when der Outside Bar in Trendrichtung schließt.
Funktioniert das Popgun Chartmuster auf allen Zeitrahmen?
Grundsätzlich ja — das Muster lässt sich auf Tages-, Stunden- und auch Intraday-Charts (ab dem 15-Minuten-Chart) einsetzen. Auf dem Tageschart ist es besonders aussagekräftig, da Outside Bars hier eine impulsive Sitzung repräsentieren. Im Intraday-Bereich sollte man auf eine ausreichende Kerzenbreite achten: Doji-artige Outside Bars — wie das Verlustbeispiel im Artikel zeigt — liefern auch auf kleineren Zeitrahmen schlechte Signale.
Lesetipp: Wenn die Outside Bar kein klares Richtungssignal liefert und ein Fehlausbruch droht, bietet sich ein alternativer Ansatz an: Outside Bar Fehlsignal Strategie im Swing-Trading