Der Fear and Greed Index (auf Deutsch: Angst-und-Gier-Index, auch als F&G Index abgekürzt) ist ein von CNN Business entwickelter Stimmungsindikator, der auf einer Skala von 0 (extreme Angst) bis 100 (extreme Gier) die vorherrschende Emotion am US-Aktienmarkt misst. Er fasst sieben Marktindikatoren – darunter VIX-Volatilität, Put/Call-Ratio und Marktmomentum – zu einem einzigen tagesaktuellen Wert zusammen.
Gerade in turbulenten Marktphasen suchen Anleger und Trader nach einer schnellen Orientierung: Ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Kaufen – oder droht weiterer Abverkauf? Der Fear and Greed Index liefert genau diese Einschätzung. Extreme Angst war historisch oft ein besserer Einstiegszeitpunkt als extreme Gier – doch die Interpretation erfordert Erfahrung und Kontext.
In diesem Artikel erklären wir die Berechnung aller 7 Indikatoren, zeigen eine Interpretationstabelle mit konkreten Handlungsempfehlungen, beleuchten den Index für DAX-Anleger und den Krypto-Markt und beantworten die häufigste Frage: Wann sollte man laut Fear and Greed Index kaufen oder verkaufen?
Wo steht der Fear and Greed Index aktuell?
Der Fear and Greed Index von CNN Business steht am 23. September 2026 bei 35 von 100 Punkten, das entspricht der Stufe Angst. Der Krypto-Index von Alternative.me liegt bei 71 Punkten.
CNN berechnet den US-Wert einmal je Handelstag, Alternative.me den Krypto-Wert einmal täglich. Beide Werte auf dieser Seite werden arbeitstäglich nachgezogen.
Ein einzelner Tageswert sagt für sich genommen wenig aus. Erst der Vergleich mit den Vorwochen zeigt, ob die Stimmung gerade dreht oder nur schwankt. Genau dafür stehen die Werte für Vortag, Vorwoche und Vormonat direkt daneben. Ab welchen Punktzahlen es für Trader interessant wird, steht weiter unten in der Interpretationstabelle.
Fear and Greed Index: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Stimmungsindikator: Der Fear and Greed Index misst die vorherrschende Emotion am US-Aktienmarkt auf einer Skala von 0 (extreme Angst) bis 100 (extreme Gier)
- Herausgeber: CNN Business veröffentlicht den Index kostenlos und einmal je Handelstag
- 7 Indikatoren: Market Momentum, Stock Price Strength, Stock Price Breadth, Put/Call-Ratio, VIX-Volatilität, Safe Haven Demand und Junk Bond Demand – alle gleichgewichtet
- Interpretation: Werte unter 20 signalisieren extreme Angst und waren historisch oft günstige Kaufzeitpunkte, Werte über 80 warnen vor Überhitzung
- Historische Extreme: Tiefstand von 1 im Corona-Crash (12.03.2020), Tiefstand von 12 in der Finanzkrise (17.09.2008)
- DAX-Anleger: Kein eigener DAX-Index, aber der VDAX-New und Sentix bieten vergleichbare Sentiment-Daten für den deutschen Markt
- Krypto-Variante: Alternative.me und CoinMarketCap bieten eigene Fear-and-Greed-Indizes für Bitcoin und Altcoins
- Einordnung: Der Index ist ein ergänzendes Hilfsmittel – kein eigenständiges Kauf- oder Verkaufssignal
Angst und Gier im Trading: Warum der Index wichtig ist
Bekannterweise werden Investoren von zwei Grundemotionen getrieben: Angst (Fear) und Gier (Greed). Diese Emotionen haben einen markanten Einfluss auf die Börsenkurse. Zu viel Angst kann die Aktien weltweit unter das Niveau sinken lassen, auf dem sie sich aus fundamentaler bzw. wirtschaftlicher Sicht befinden sollten. Bei der Gier ist genau das Gegenteil der Fall – sie führt dazu, dass die Aktienkurse zu weit nach oben getrieben werden.
Warren Buffetts berühmter Ratschlag fasst dieses Prinzip zusammen: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.” Der Fear and Greed Index liefert genau diese Information als tagesaktuellen Zahlenwert.
Man kann die Marktphasen als einen sich wiederholenden Kreislauf darstellen: Mit steigenden Kursen entsteht Gier, dem Mut folgt Euphorie – wir befinden uns in der Endphase der Trendbewegung. Doch dann folgt die Enttäuschung, der Trend setzt sich nicht fort, und mit den ersten Abverkäufen setzt die Angst ein. Am Tiefpunkt herrscht Pessimismus – und der Kreislauf beginnt von vorne.

Die Verhaltensökonomie (Behavioral Finance) hat diesen Kreislauf wissenschaftlich untermauert: Anleger unterliegen systematischen kognitiven Verzerrungen wie dem Herdenverhalten, der Verlustaversion und dem Overconfidence-Bias. In Gier-Phasen überschätzen sie ihre Fähigkeiten und ignorieren Warnsignale, in Angst-Phasen verkaufen sie zu spät und zu günstig. Der Fear and Greed Index macht diese emotionalen Extreme sichtbar – und kann helfen, sich von der Masse zu lösen, statt ihr blind zu folgen. Wer tiefer in dieses Thema einsteigen möchte, findet eine ausführliche Übersicht in unserem Artikel zur Trading-Psychologie.
Der Fear and Greed Index lässt sich auch als Messinstrument für das übergeordnete Risk-on / Risk-off Sentiment verstehen: Extreme Gier markiert typische Risk-on-Phasen, extreme Angst entspricht einem Risk-off-Umfeld mit Kapitalflucht in sichere Häfen wie Staatsanleihen und Gold.
Den Gedanken hinter dem Index gab es lange vor dem Index. André Kostolany beschrieb dieselbe Mechanik mit den zittrigen und hartgesottenen Händen: Liegt der Großteil der Aktien bei den Ungeduldigen, ist der Markt überkauft, und schon eine kleine Störung löst eine Verkaufswelle aus.
Angst und Gier sind auch der Stoff, aus dem Börsensprüche gemacht sind. Fast jede der bekannten Börsenweisheiten beschreibt am Ende ein Verhaltensmuster – welche davon einer Überprüfung standhalten, zeigt der Faktencheck.
Wie wird der Fear and Greed Index interpretiert?
Die Werte des Index werden in fünf Zonen eingeteilt, die jeweils eine bestimmte Marktstimmung widerspiegeln:
| Wertebereich | Stimmung | Bedeutung für Anleger |
|---|---|---|
| 0–24 | Extreme Fear (Extreme Angst) | Markt möglicherweise überverkauft – historisch oft günstige Kaufgelegenheiten |
| 25–44 | Fear (Angst) | Vorsichtige Stimmung, Anleger sind zurückhaltend |
| 45–55 | Neutral | Keine eindeutige Richtung, rationale Strategien bevorzugen |
| 56–74 | Greed (Gier) | Steigende Risikobereitschaft, mögliche Anzeichen für überkauften Markt |
| 75–100 | Extreme Greed (Extreme Gier) | Markt möglicherweise überhitzt – erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Korrektur |
Wichtig: Diese Zonen sind Orientierungshilfen und keine automatischen Handelssignale. Ein Wert im Bereich „Extreme Angst” bedeutet nicht zwangsläufig, dass sofort gekauft werden sollte – der Markt kann noch weiter fallen.
Die Berechnung des Fear and Greed Index: 7 Indikatoren
Der Fear and Greed Index wird aus sieben gleichgewichteten Indikatoren berechnet. Für jeden Indikator wird untersucht, wie weit dieser von seinem historischen Durchschnitt abweicht. Dies wird dann ins Verhältnis gesetzt zu seiner normalen Schwankungsbreite. Jeder Indikator erzeugt einen Wert auf einer Skala von 0 bis 100. Der Gesamtindex ist der gleichgewichtete Durchschnitt aller sieben Teilwerte.
Market Momentum – Das Momentum des Marktes
Hier wird der aktuelle Stand des S&P 500 Index mit seinem gleitenden 125-Tage-Durchschnitt verglichen. Liegt der Index über diesem Durchschnitt, signalisiert das eine positive Marktdynamik (Greed). Liegt er darunter, deutet das auf eine nachlassende Dynamik hin (Fear). Mehr zur aktuellen Entwicklung des S&P 500 finden Sie in unserer S&P 500 Kursprognose.
Stock Price Strength – Die Stärke des Aktienmarktes
Dieser Indikator misst das Verhältnis der Aktien an der New York Stock Exchange (NYSE), die neue 52-Wochen-Hochs erreichen, gegenüber denen mit neuen 52-Wochen-Tiefs. Überwiegen die Hochs deutlich, spricht das für Gier. Überwiegen die Tiefs, herrscht Angst.
Stock Price Breadth – Die Marktbreite
Der McClellan Volume Summation Index vergleicht das Handelsvolumen steigender Aktien mit dem Volumen rückläufiger Aktien an der NYSE. Ein niedriger oder negativer Wert signalisiert, dass breite Verkaufswellen stattfinden – ein klassisches Angst-Signal. Aus derselben Datenfamilie stammt der McClellan Oszillator, der als eine von vier Bedingungen in das Hindenburg Omen eingeht.

Put and Call Options – Das Put/Call-Verhältnis
Dieser Indikator vergleicht das Handelsvolumen von Verkaufsoptionen (Puts) mit dem von Kaufoptionen (Calls). Optionen sind Verträge, die Anlegern das Recht geben, Aktien zu einem vereinbarten Preis und Datum zu kaufen oder zu verkaufen. Steigt das Put/Call-Ratio über 1, deutet das auf eine zunehmende Absicherungsaktivität und damit auf steigende Nervosität hin.
Market Volatility – Die Marktvolatilität (VIX)
Das bekannteste Maß für die Marktstimmung ist der CBOE Volatility Index (VIX). Er misst die erwarteten Kursschwankungen der S&P-500-Optionen in den nächsten 30 Tagen. Der VIX sinkt häufig an Tagen, an denen der breite Markt steigt, und klettert, wenn die Kurse fallen. In Haussemärkten ist er tendenziell niedriger, in Baissemärkten höher. In Deutschland wird zur Messung der Volatilität der VDAX genutzt, der die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite des DAX ausdrückt.

Safe Haven Demand – Die Nachfrage nach sicheren Häfen
Hier wird die Differenz zwischen den Renditen von Aktien und US-Staatsanleihen über die letzten 20 Handelstage berechnet. Entwickeln sich Anleihen besser als Aktien, fliehen Anleger offensichtlich aus Risikoanlagen in sichere Häfen – ein Signal für Angst.

Junk Bond Demand – Die Nachfrage nach Hochzinsanleihen
Gemessen wird der Rendite-Spread (Renditedifferenz) zwischen Hochzinsanleihen (Junk Bonds) und Investment-Grade-Anleihen. Ein enger Spread zeigt, dass Anleger bereit sind, für nur wenig zusätzliche Rendite mehr Risiko einzugehen – ein Zeichen für Gier. Ein weiter Spread deutet auf Zurückhaltung und Angst hin.

Während der Fear & Greed Index die aktuelle Marktstimmung misst, zeigt das CME Fed Watch Tool die konkreten Zinserwartungen der Marktteilnehmer für die nächsten Fed-Sitzungen – beide Tools ergänzen sich bei der Einschätzung der Marktlage.
| Einzelindikator | Heute |
|---|---|
| Market MomentumS&P 500 im Verhältnis zu seinem 125-Tage-Durchschnitt | 40Angst |
| Stock Price StrengthNeue 52-Wochen-Hochs im Verhältnis zu neuen Tiefs an der NYSE | 2Extreme Angst |
| Stock Price BreadthHandelsvolumen steigender im Verhältnis zu fallenden Aktien | 0Extreme Angst |
| Put/Call-RatioVerhältnis von Put- zu Call-Optionen | 48Neutral |
| MarktvolatilitätVIX im Verhältnis zu seinem 50-Tage-Durchschnitt | 50Neutral |
| Safe Haven DemandRendite von Aktien im Verhältnis zu Staatsanleihen, 20 Tage | 58Gier |
| Junk Bond DemandRenditeaufschlag von Hochzins- zu Investment-Grade-Anleihen | 48Neutral |
CNN bringt jeden der sieben Indikatoren auf dieselbe Skala von 0 bis 100. Der Gesamtwert oben im Artikel ist der Durchschnitt aus allen sieben. Quelle: CNN Business.
Wann kaufen und verkaufen? Strategien mit dem Fear and Greed Index
Die Frage „Fear and Greed Index – wann kaufen?” ist eine der häufigsten Suchanfragen zu diesem Thema. Hier sind drei bewährte Ansätze:
Contrarian-Strategie: Gegen die Masse handeln
Die klassische Contrarian-Strategie nutzt extreme Indexwerte als antizyklische Signale. Fällt der Index unter 20 (Extreme Fear), suchen Contrarian-Investoren nach Kaufgelegenheiten. Steigt er über 80 (Extreme Greed), sichern sie Gewinne oder reduzieren Positionen. Historisch war ein Indexstand unter 18 häufig mit einer Bodenbildung am Aktienmarkt verbunden.
Bestätigung für bestehende Analysen
Der Fear and Greed Index eignet sich hervorragend als Bestätigungsindikator. Wenn Ihre technische oder fundamentale Analyse ein Kaufsignal liefert und der Index gleichzeitig im Fear-Bereich liegt, erhöht das die Wahrscheinlichkeit eines günstigen Einstiegs. Umgekehrt mahnt ein Extreme-Greed-Umfeld zur Vorsicht, selbst wenn die Charts bullisch aussehen.
Besonders in Kombination mit der technischen Analyse liefert der Fear and Greed Index wertvolle Hinweise — beispielsweise in unserer wöchentlich aktualisierten S&P 500 Prognose.
Timing für Nachkäufe bei langfristigen Anlegern
Langfristige Investoren, die regelmäßig in ETFs oder Aktien investieren, können den Index als Timing-Hilfe für Zusatzkäufe nutzen. In Phasen extremer Angst wird der reguläre Sparplan um eine zusätzliche Einmalanlage ergänzt. Auch hier gilt: Der Index ist ein Hilfsmittel und kein eigenständiges System.
Fear and Greed Index: Historische Extremwerte und Wendepunkte
Historisch hat der Fear and Greed Index einige der wichtigsten Wendepunkte am Aktienmarkt gut eingefangen:
Am 17. September 2008 – dem Höhepunkt der Finanzkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers – fiel der S&P 500 auf ein Dreijahrestief, und der Fear and Greed Index sank auf 12. Der Index erholte sich auf 28, bevor die Aktien am 9. März 2009 die endgültige Talsohle erreichten.
Am 12. März 2020 – inmitten des Corona-Crashs – erreichte der Index seinen historischen Tiefstand von 1. Der Dow Jones verlor an diesem Tag knapp zehn Prozent und verzeichnete den schwersten Einbruch seit 1987. Fast ebenso starke Verluste erlitten Nasdaq und S&P 500. Doch wenige Wochen später begann eine der stärksten Erholungsrallys der Börsengeschichte.

Diese Beispiele zeigen: Extreme Angst war historisch oft ein besserer Kaufzeitpunkt als extreme Gier – allerdings mit dem Vorbehalt, dass der genaue Tiefpunkt im Voraus nie erkennbar ist.
Für Rohstoffmärkte wie Kupfer spielt die Marktstimmung eine besondere Rolle, da spekulative Positionierung die Preise kurzfristig stark beeinflussen kann — mehr dazu in unserer Analyse und Prognose zum Kupferpreis.
Fear and Greed Index für den DAX: was deutsche Anleger stattdessen nutzen
Einen offiziellen Fear and Greed Index für den DAX gibt es nicht. CNN berechnet den Index ausschließlich für den US-Aktienmarkt. Wer die Stimmung am deutschen Markt messen will, muss auf andere Kennzahlen ausweichen. Keine davon ist ein Eins-zu-eins-Ersatz, denn jede misst nur einen Teilaspekt der Marktstimmung.
Viele Trader nehmen deshalb einfach den US-Wert, weil der DAX angeblich eng an der Wall Street hängt. Wir haben nachgerechnet, ob das trägt. Grundlage sind die Schlusskurse von DAX und S&P 500 aus fünf Jahren: 1.238 gemeinsame Handelstage und 249 Wochen, Stand 21. August 2026. Der Wert in der Tabelle ist die Korrelation. Sie misst, wie stark sich zwei Kurse gemeinsam bewegen: 1 bedeutet vollständigen Gleichlauf, 0 bedeutet keinen erkennbaren Zusammenhang.
| Betrachtung | 5 Jahre | 12 Monate |
|---|---|---|
| Tagesrenditen am selben Handelstag | 0,46 | 0,54 |
| DAX heute gegen S&P 500 am Vortag | 0,21 | 0,12 |
| Wochenrenditen | 0,63 | 0,73 |
Das Ergebnis fällt eindeutiger aus, als die gängige Faustregel vermuten lässt. Auf Wochensicht laufen beide Märkte spürbar im Gleichschritt, zuletzt mit 0,73. Für das Timing am nächsten Morgen taugt der US-Wert dagegen kaum: 0,12 heißt, dass der gestrige Wall-Street-Schluss fast nichts darüber verrät, wie der DAX heute läuft. Als Stimmungsbarometer über mehrere Wochen ist der amerikanische Index also brauchbar. Als Signal für den nächsten Handelstag ist er es nicht.
Für den deutschen Markt gibt es drei etablierte Stimmungsmesser. Der VDAX-New ist das deutsche Gegenstück zum VIX und misst die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite des DAX für die kommenden 30 Tage. Sentix befragt wöchentlich institutionelle und private Anleger und veröffentlicht daraus einen eigenen Sentiment-Index für den DAX. Die Euwax-Sentiment-Analyse der Börse Stuttgart wertet aus, ob Privatanleger dort gerade eher auf steigende oder fallende Kurse setzen.
In der Praxis lohnt die Kombination mehr als der Ersatz. Wer den US-Index als grobes Marktklima liest und die deutschen Kennzahlen für die Feinabstimmung nutzt, bekommt das vollständigere Bild. Wie sich die Lage im DAX aktuell darstellt, ordnen wir laufend in unserer DAX-Prognose ein.
Krypto Fear and Greed Index: Bitcoin und Altcoins
Neben dem klassischen Fear and Greed Index für Aktien existieren auch Krypto-Varianten, die die Stimmung am Kryptowährungsmarkt messen. Die bekanntesten sind:
Alternative.me bietet den am weitesten verbreiteten Crypto Fear & Greed Index, der täglich aktualisiert wird. Statt auf Anleihen und Optionsmärkte greift er auf Faktoren wie die Bitcoin-Volatilität, das Handelsvolumen, die Social-Media-Stimmung, die Bitcoin-Dominanz und Google-Trends-Daten zurück.
CoinMarketCap veröffentlicht einen eigenen Index, der ebenfalls auf einer Skala von 0 bis 100 arbeitet und zusätzlich die Preis-Momentum-Daten der Top-10-Kryptowährungen einbezieht.

Der wesentliche Unterschied zum CNN-Index: Kryptomärkte reagieren noch emotionaler als Aktienmärkte. FOMO (Fear of Missing Out) spielt eine besonders große Rolle – in Phasen extremer Gier steigen viele unerfahrene Anleger ein, was die Überbewertung verstärkt. Umgekehrt können Panikverkäufe bei „Extreme Fear” besonders heftig ausfallen. Wer die aktuelle Bitcoin-Stimmung einordnen möchte, findet weitere Informationen in unserer Bitcoin-Prognose.
Fear and Greed Index: die Quellen im Vergleich
Der Index läuft nicht in Echtzeit. CNN berechnet den Wert für den US-Aktienmarkt einmal je Handelstag aus den sieben Einzelindikatoren. Der Krypto-Index von Alternative.me wird ebenfalls einmal täglich neu gesetzt. Wer während des Handelstages mehrfach nachsieht, bekommt deshalb meist denselben Wert.
| Quelle | Markt | Was du dort bekommst |
|---|---|---|
| CNN Business | US-Aktien | Der Originalwert, dazu alle sieben Einzelindikatoren und der Verlauf. Kostenlos, auf Englisch. |
| Alternative.me | Bitcoin, Altcoins | Tageswerte seit 2018 plus eine offene Schnittstelle für eigene Auswertungen. |
| CoinMarketCap | Bitcoin, Altcoins | Eigener Krypto-Index mit Verlaufschart, teilweise auf Deutsch. |
| Diese Seite | Beide | US-Wert und Krypto-Wert nebeneinander auf Deutsch, arbeitstäglich nachgezogen. |
Dass sich die Werte unterscheiden, ist normal und kein Fehler. CNN und Alternative.me messen verschiedene Märkte und rechnen mit verschiedenen Zutaten. Aktien und Kryptowährungen können gleichzeitig in völlig unterschiedlichen Stimmungslagen stecken. Wer beide Werte nebeneinander liest, erkennt genau diese Abweichungen. Sie sind oft aufschlussreicher als jeder Einzelwert.
Eine offizielle App gibt es von CNN nicht. Im App-Store finden sich mehrere Nachbauten von Drittanbietern. Sie greifen dieselben öffentlichen Daten ab, sind aber weder von CNN geprüft noch von CNN betrieben. Für den täglichen Blick reicht die Webseite vollkommen aus.
Vorteile und Grenzen des Fear and Greed Index
Vorteile
- Einfachheit: Ein einziger Wert fasst sieben Marktindikatoren zusammen und ist sofort interpretierbar
- Kostenlos und tagesaktuell: Der Index wird täglich von CNN Business veröffentlicht und ist frei zugänglich
- Konträres Signal: Extreme Werte haben sich historisch als nützliche Warnsignale für Übertreibungen bewährt
- Breite Datenbasis: Die sieben Teilindikatoren decken verschiedene Marktsegmente ab (Aktien, Optionen, Anleihen, Volatilität)
Grenzen und Kritik
- Kein Timing-Instrument: Der Index zeigt extreme Stimmungen an, aber nicht den exakten Wendepunkt. Märkte können länger in Extremzonen verharren als erwartet
- US-zentriert: Der Index bildet ausschließlich den US-Markt ab und berücksichtigt keine europäischen oder asiatischen Märkte
- Nachlaufend: Die Teilindikatoren reagieren teilweise verzögert auf schnelle Marktbewegungen
- Self-Fulfilling Prophecy: Da der Index weltweit beachtet wird, können extreme Werte selbst Kauf- oder Verkaufsentscheidungen auslösen und damit die Bewegung verstärken
- Keine fundamentale Bewertung: Der Index misst Stimmung, nicht den tatsächlichen Wert von Unternehmen. Ein hoher Greed-Wert bedeutet nicht zwangsläufig, dass Aktien überbewertet sind
Wie wenig ein einzelner Kontraindikator taugt, zeigt ein Extrembeispiel aus den USA. Ein Fonds, der systematisch gegen die Tipps des TV-Moderators Jim Cramer wettete, verlor elf Monate lang Geld, während der S&P 500 stieg. Die Zahlen stehen im Inverse-Cramer-ETF im Datencheck.
Fazit zum Fear and Greed Index
Der Fear and Greed Index findet nicht umsonst weltweit hohe Beachtung und liefert einen schnellen, übersichtlichen Einblick in die aktuell vorherrschende Emotion am US-Aktienmarkt.
Bei extremer Angst am Markt sollte man sich frei machen von der allgemeinen Panik und geduldig auf mögliche Kaufkurse warten. Sobald der Index unter 18 fällt, kann oft mit einer ersten Bodenbildung gerechnet werden.
Extreme Gier sollte zur Vorsicht aufrufen – weitere Käufe wollen gut überdacht sein. Ein Wert über 90 kann ein guter Indikator für eine mögliche Topbildung sein.
Doch hier sollte nicht blind gekauft oder verkauft werden. Der Fear and Greed Index ist, wie jeder andere Indikator auch, nur ein Hilfsmittel und kann zusätzliche Hinweise liefern. Er entfaltet seine größte Wirkung in Kombination mit technischen Indikatoren und einer soliden Kenntnis der Trading-Psychologie. Ich nutze den Index seit Jahren als zusätzliches Stimmungsbarometer in meinem diskretionären Trading – nicht als Signalgeber, sondern als Kontrollinstanz, um meine eigene Markteinschätzung gegen das vorherrschende Sentiment abzugleichen.
FAQ zum Fear and Greed Index
Wo finde ich den aktuellen Fear and Greed Index?
Den aktuellen Stand des Fear and Greed Index veröffentlicht CNN Business tagesaktuell und kostenlos auf seiner Website unter edition.cnn.com/markets/fear-and-greed. Der Wert wird während der US-Handelszeiten laufend aktualisiert, sobald neue Marktdaten vorliegen.
Wie wird der Fear and Greed Index berechnet?
Der Index setzt sich aus sieben gleichgewichteten Indikatoren zusammen: Market Momentum (S&P 500 vs. 125-Tage-Durchschnitt), Stock Price Strength, Stock Price Breadth (McClellan Volume Summation Index), Put/Call-Ratio, VIX-Volatilität, Safe Haven Demand und Junk Bond Demand. Jeder Indikator erzeugt einen Wert von 0 bis 100, der Gesamtindex ist ihr gleichgewichteter Durchschnitt.
Was ist ein guter Fear and Greed Index Wert?
Es gibt keinen universell „guten” Wert. Für Contrarian-Investoren sind Werte unter 20 (Extreme Fear) interessant, da sie historisch oft mit Kaufgelegenheiten zusammenfielen. Werte über 80 (Extreme Greed) mahnen zur Vorsicht. Ein neutraler Bereich um 50 deutet auf einen ausgewogenen Markt hin.
Gibt es einen Fear and Greed Index für den DAX?
CNN berechnet den Fear and Greed Index nur für den US-Markt. Für den deutschen Aktienmarkt können Anleger den VDAX-New (Volatilität) und den Sentix-Sentiment-Index als vergleichbare Stimmungsindikatoren heranziehen. Da DAX und S&P 500 stark korrelieren, ist der CNN-Index auch für DAX-Anleger ein nützlicher Orientierungswert.
Gibt es einen Krypto Fear and Greed Index?
Ja, Alternative.me und CoinMarketCap bieten eigene Fear-and-Greed-Indizes für den Kryptomarkt. Diese nutzen andere Datenquellen als der CNN-Index: Krypto-Volatilität, Handelsvolumen, Social-Media-Stimmung, Bitcoin-Dominanz und Google-Trends-Daten fließen in die Berechnung ein.
Wann sollte man laut Fear and Greed Index kaufen?
Ein Indexstand unter 20 (Extreme Fear) war historisch oft ein günstiger Zeitpunkt für antizyklische Käufe. Allerdings sollte der Index nie als alleiniges Kaufsignal genutzt werden, sondern immer in Kombination mit weiterer technischer und fundamentaler Analyse.
Wie zuverlässig ist der Fear and Greed Index?
Der Index hat historisch extreme Wendepunkte am Aktienmarkt gut erfasst – etwa den Corona-Crash 2020 (Indexstand 1) oder die Finanzkrise 2008 (Indexstand 12). Allerdings zeigt er keine exakten Tiefpunkte an, und Märkte können länger in Extremzonen verharren als erwartet. Als ergänzendes Sentiment-Werkzeug ist er nützlich, als alleinige Entscheidungsgrundlage nicht ausreichend.
Über den Autor: Karsten Kagels
Inhaltlich geprüft von: Christian Möhrer, technischer Analyst
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und seit 1980 aktiver Trader. Als erfahrener diskretionärer Price-Action-Trader handelt er die Märkte Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.
In den späten 1980er Jahren übersetzte er Robert Prechters Elliott-Wave-Standardwerke ins Deutsche. Anschließend war er 17 Jahre lang der Repräsentant von Joe Ross in Deutschland – dem einflussreichsten amerikanischen Trading-Autor, bekannt für den Ross-Haken und den Traders Trick Entry – und hat alle 14 Fachbücher von Joe Ross ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht.
Den Fear and Greed Index bewertet Karsten mit über 40 Jahren Markterfahrung als nützliches Sentiment-Werkzeug — mit Fokus auf die Frage, wie Trader extreme Stimmungsphasen für antizyklische Einstiege nutzen können, ohne dabei blind einem einzelnen Indikator zu folgen.












