Inverse Cramer: Was die Wette gegen Jim Cramer wirklich brachte

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2026

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Karsten Kagels

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Karsten Kagels

Investment Akademie: Live-Online-Seminar zum Vermögensaufbau am 20. September 2026
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Gegen Jim Cramer zu wetten, klingt nach dem leichtesten Geld an der Börse. Ein Fonds hat genau das elf Monate lang gemacht und dabei 15,8 Prozent verloren. Im selben Zeitraum stieg der S&P 500 um 26 Prozent. Die Idee dahinter heißt Inverse Cramer und ist seit Jahren ein Dauerwitz unter Tradern.

Hier wird der Witz mit echten Zahlen geprüft. Wer Jim Cramer ist, wie der Inverse Cramer ETF aufgebaut war und was zwei wissenschaftliche Studien über seine Sendung Mad Money herausgefunden haben, steht in den Abschnitten unten. Am Ende weißt du auch, warum ein Kontraindikator selten so einfach funktioniert, wie das Meme verspricht. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Inverse Cramer: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Inverse Cramer heißt, systematisch gegen die öffentlichen Aktienempfehlungen von Jim Cramer zu handeln. Empfiehlt der CNBC-Moderator eine Aktie, gehst du short. Warnt er davor, kaufst du.
  • Der einzige echte Fonds dafür verlor Geld. Der Inverse Cramer Tracker ETF (SJIM) kam vom 2. März 2023 bis zum 13. Februar 2024 auf minus 15,8 Prozent inklusive Ausschüttungen. Der S&P-500-ETF SPY legte im selben Zeitraum 26,1 Prozent zu.
  • Günstig war die Wette auch nicht: Laut Prospekt verlangte der Fonds 1,20 Prozent laufende Kosten pro Jahr.
  • Wer Cramer folgte, lag ebenfalls hinter dem Markt. Der Long Cramer ETF (LJIM) schaffte plus 5,3 Prozent gegen plus 13,6 Prozent beim Index und schloss nach gut sechs Monaten.
  • Studien messen einen Kurssprung über Nacht, der meist innerhalb weniger Monate wieder verschwindet. Einen dauerhaften Vorteil fanden sie weder mit noch gegen Cramer.
  • Inverse Cramer taugt als Lehrstück über Anlegerpsychologie, aber nicht als belastbare Handelsstrategie.

Was ist die Inverse-Cramer-Strategie?

Die Inverse-Cramer-Strategie ist ein Handelsansatz, bei dem Anleger systematisch gegen die öffentlichen Aktienempfehlungen des US-Fernsehmoderators Jim Cramer positionieren.

Der Gedanke stammt aus Foren und sozialen Medien, nicht aus der Wissenschaft. Nach mehreren spektakulären Fehleinschätzungen machte sich die Meinung breit, Cramer liege so oft falsch, dass man ihn einfach umdrehen müsse. Der Parodie-Account @CramerTracker auf X, der seine Aussagen kommentiert, kommt inzwischen auf rund 1,6 Millionen Follower.

Ein Kontraindikator ist eine Kennzahl oder Meinungsquelle, deren Signal Trader bewusst gegenläufig interpretieren.

Cramer wird damit zum menschlichen Stimmungsbarometer. Das Prinzip kennst du von klassischen Sentiment-Indikatoren wie dem Fear and Greed Index: Wenn alle euphorisch sind, ist oft schon viel gekauft. Der Unterschied liegt in der Datenbasis. Ein Stimmungsindex misst Tausende Marktteilnehmer, beim Inverse Cramer entscheidet die Meinung eines einzelnen Mannes.

Wer ist Jim Cramer?

James „Jim“ Cramer ist ein US-amerikanischer Fernsehmoderator, ehemaliger Hedgefonds-Manager und Mitgründer des Finanzportals TheStreet, der seit 2005 die CNBC-Sendung Mad Money moderiert.

Cramer ist kein Laie, und genau das macht das Meme so reizvoll. Geboren am 10. Februar 1955 in Pennsylvania, schloss er 1977 am Harvard College ab und erwarb 1984 einen Abschluss der Harvard Law School. Danach arbeitete er drei Jahre bei Goldman Sachs als Börsenmakler im Verkauf und Handel. Die Stationen fasst auch der Wikipedia-Eintrag zu Jim Cramer zusammen.

Von 1987 bis 2001 führte er einen eigenen Hedgefonds, zuletzt unter dem Namen Cramer Berkowitz. 1996 gründete er zusammen mit Martin Peretz das Finanzportal TheStreet.com. Nach einigen Jahren als Co-Moderator bei CNBC startete 2005 seine eigene Sendung Mad Money. Dazu leitet er heute den CNBC Investing Club.

Das Format lebt von Tempo und Lautstärke. In der „Lightning Round“ beantwortet Cramer Anruferfragen zu einzelnen Aktien in wenigen Sekunden und legt sich meist sofort auf Kaufen oder Verkaufen fest. Diese Masse an Einzelurteilen ist der Rohstoff, aus dem der Inverse Cramer überhaupt erst entstehen konnte: Wer Hunderte Tipps im Jahr gibt, liefert auch Hunderte Fehlgriffe zum Zitieren.

Warum Cramer als Kontraindikator gilt

Der Ruf hängt an wenigen Momenten, die sich ins Gedächtnis gebrannt haben. Rein statistisch sagen sie wenig. Für die Wahrnehmung der Anleger waren sie trotzdem entscheidend, und genau daraus entstehen Börsenlegenden. Wenn du das Meme verstehen willst, musst du diese drei Szenen kennen.

Bear Stearns im März 2008

Am 11. März 2008 beantwortete Cramer in Mad Money eine Zuschauerfrage zur Investmentbank Bear Stearns. Sinngemäß sagte er, Bear Stearns sei in Ordnung, der Zuschauer solle sein Geld nicht abziehen. Fünf Tage später, am 16. März, verkündete JPMorgan Chase die Übernahme für zunächst 2 Dollar je Aktie. Cramer verteidigte sich später damit, er habe die Sicherheit der Kundenkonten gemeint, nicht die Aktie, wie die HuffPost damals berichtete. Im kollektiven Gedächtnis blieb trotzdem der Satz.

Jon Stewart und die Finanzkrise

Ein Jahr später musste Cramer seine Rolle in der Finanzkrise öffentlich verteidigen. Am 12. März 2009 war er Gast in der Daily Show von Jon Stewart, der CNBC zuvor eine Woche lang für die Krisenberichterstattung kritisiert hatte. Rund 2,3 Millionen Zuschauer sahen die Folge (Hintergrund bei Wikipedia). Seitdem steht Cramer in den USA sinnbildlich für den Börsenguru im Fernsehen, dem man besser nicht blind folgt.

Bitcoin im August 2026

Das jüngste Beispiel zeigt, wie schnell das Meme wieder auflebt. Laut einem Bericht auf Yahoo Finanzen vom 21. August 2026 erklärte Cramer, er habe seine Bitcoin wegen möglicher Risiken durch Quantencomputer verkauft. Kurz darauf riet er einem Anrufer in Mad Money zum Kauf. Einen Beleg für den eigenen Verkauf hat Cramer nicht veröffentlicht. In den sozialen Medien sprachen Trader prompt wieder vom Inverse Cramer.

Für die Strategie ist das eine Warnung, kein Signal. Wer so wechselhafte Aussagen umdrehen will, muss erst entscheiden, welche davon überhaupt als Empfehlung zählt. Genau diese Frage musste auch der erste echte Fonds jeden Handelstag neu beantworten.

Der Inverse Cramer ETF (SJIM): Aufbau, Kosten und Ende

Der Inverse Cramer Tracker ETF mit dem Kürzel SJIM war ein börsengehandelter Fonds von Tuttle Capital Management, der die öffentlichen Empfehlungen von Jim Cramer systematisch gegenläufig handelte.

Der Fondsberater beobachtete Cramers Aussagen im Fernsehen und auf Twitter über den ganzen Handelstag. So steht es im Prospekt bei der SEC vom 21. Februar 2023. Empfahl Cramer eine Aktie, ging der Fonds short, also auf fallende Kurse. Riet er ab, kaufte der Fonds. Wie ein Leerverkauf funktioniert, liest du in unserem eigenen Beitrag. Das Portfolio sollte 20 bis 50 Positionen umfassen, eine einzelne Position hielt der Fonds normalerweise höchstens eine Handelswoche.

Mit Cramer selbst hatte der Fonds nichts zu tun. Der Prospekt stellt ausdrücklich klar, dass weder der Fonds noch der Berater mit Cramer oder den Medien verbunden sind, über die er seine Empfehlungen verbreitet. Parallel startete Tuttle den Long Cramer Tracker ETF (LJIM), der den Empfehlungen folgte.

Was der Fonds gekostet hat

PostenLaut ProspektHinweis
Verwaltung0,95 % pro Jahran den Berater
Gesamt1,20 % pro Jahrnach Rabatt
Haltedauermeist bis 5 Tagehoher Umschlag
Kosten und Anlageregeln des Inverse Cramer Tracker ETF laut SEC-Prospekt vom 21.02.2023.

Die laufenden Kosten lagen damit ein Vielfaches über einem gewöhnlichen S&P-500-ETF. Dazu kamen Kosten für häufiges Umschichten und Leihgebühren bei Short-Positionen, die im Prospekt nicht als fester Satz stehen. Genau diese Nebenkosten fressen bei einer Strategie mit kleinem Vorsprung den größten Teil auf.

Das Ende nach elf Monaten

Am 25. Januar 2024 beschloss der Fonds seine Auflösung. Letzter Handelstag an der Cboe war der 13. Februar 2024, die Liquidation folgte am 23. Februar 2024. Den Long Cramer ETF hatte Tuttle bereits im September 2023 geschlossen, nachdem er laut Bloomberg nur rund 1,3 Millionen Dollar Anlegergeld eingesammelt hatte.

Fondsmanager Matthew Tuttle begründete das Aus mit fehlendem Interesse. Sinngemäß sagte er gegenüber ETF.com, Privatanleger suchten eher schwankungsstarke Produkte, ein Long-Short-Portfolio habe nie genug Nachfrage gefunden. Die Aufgabe, vor blindem Folgen von TV-Tipps zu warnen, sah er als erfüllt an. Die Zahlen im nächsten Abschnitt zeigen, dass die Wette gegen Cramer trotzdem kein Geld verdient hat.

Datencheck: SJIM, LJIM und der S&P 500 im Vergleich

Wir haben die Tageskurse beider Fonds und des S&P-500-ETF SPY bei Yahoo Finance ausgewertet. Gemessen wurde vom ersten Handelstag mit Umsatz bis zum letzten. Die Werte enthalten Ausschüttungen, beim SJIM immerhin 1,34 Dollar im Dezember 2023 und 0,05 Dollar im Februar 2024.

Fonds und LaufzeitErgebnis FondsS&P 500 (SPY) im selben Zeitraum
SJIM gegen Cramer (02.03.2023 bis 13.02.2024)−15,8 %+26,1 %
LJIM mit Cramer (02.03.2023 bis 11.09.2023)+5,3 %+13,6 %
Eigene Auswertung der bereinigten Tageskurse (Yahoo Finance, abgerufen am 13.09.2026), jeweils vom ersten bis zum letzten Handelstag mit Umsatz.

Inverse Cramer ETF im Vergleich: SJIM verlor 15,8 Prozent, LJIM gewann 5,3 Prozent, der S&P 500 stieg um 26,1 Prozent
Alle drei Reihen starten am 2. März 2023 bei 100. Der Long Cramer ETF endet mit seiner Schließung im September 2023, der Inverse Cramer ETF am letzten Handelstag im Februar 2024.

Die Grafik oben zeigt, dass beide Seiten der Wette deutlich hinter dem Markt lagen. Wer gegen Cramer setzte, verlor Geld, während der Index zweistellig zulegte. Wer ihm folgte, verdiente zwar, aber nur rund die Hälfte dessen, was ein simpler Index-ETF brachte. Der reine Kursverlust des SJIM ohne Ausschüttungen lag sogar bei 21,0 Prozent.

Die Stichprobe ist klein, und das gehört zur ehrlichen Auswertung dazu. Elf Monate in einem steigenden Markt benachteiligen jede Strategie mit Short-Anteil. Ein Long-Short-Fonds kann in einer Hausse kaum mit dem Index mithalten, egal wessen Tipps er umdreht. Die Zahlen beweisen also nicht, dass Cramer immer recht hatte. Sie zeigen nur, dass sich gegen ihn in diesem Zeitraum kein Vorteil herausholen ließ.

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Was die Forschung zu Mad Money sagt

Zwei Studien haben Cramers Tipps über mehrere Jahre ausgewertet, lange bevor es den Inverse Cramer ETF gab. Beide kommen zu einem ähnlichen Bild, und das Bild ist differenzierter als das Meme.

Der Cramer-Effekt über Nacht

Der Cramer-Effekt beschreibt den kurzfristigen Kurssprung einer Aktie, nachdem Jim Cramer sie in seiner Abendsendung empfohlen hat.

Joseph Engelberg, Caroline Sasseville und Jared Williams untersuchten Kaufempfehlungen aus Mad Money, veröffentlicht 2012 in der Fachzeitschrift Management Science. In der frei abrufbaren Arbeitsfassung stecken 826 Empfehlungen vom 28. Juli 2005 bis 6. Februar 2009. Die empfohlenen Aktien stiegen über Nacht im Schnitt um 2,4 Prozent über das Normalmaß, bei kleinen und wenig gehandelten Werten deutlich stärker.

Der Sprung hielt nicht. Bei Aktien, die sich schwer leerverkaufen lassen und bei denen der Effekt am stärksten war, war der Vorsprung nach rund 100 Handelstagen vollständig aufgezehrt. Ein Depot, das die Empfehlungen ab Juli 2005 jeweils 200 Tage hielt, machte laut den Autoren bis Ende Juni 2009 aus einem Dollar genau 0,80 Dollar. Der Gesamtmarkt kam im selben Zeitraum auf 0,83 Dollar.

Kaufen, Verkaufen und die Faktoren dahinter

Paul Bolster, Emery Trahan und Anand Venkateswaran werteten 1.592 Kauf- und 700 Verkaufsempfehlungen aus, erschienen 2012 im Journal of Investing. Der Zeitraum reichte vom 28. Juli 2005 bis 31. Dezember 2008.

Ihr Ergebnis ist unspektakulär, und genau das ist die Nachricht. Kaufempfehlungen bewegten die Kurse kurz und drehten dann wieder, bei Verkaufsempfehlungen hielt der Effekt eher an. Nach Bereinigung um bekannte Renditefaktoren wie Unternehmensgröße und Bewertung war die Gesamtleistung der Empfehlungen durchschnittlich. Die Autoren fanden außerdem auffällig viele neue Analystenurteile kurz vor und nach einer Cramer-Empfehlung.

Für den Inverse Cramer heißt das: Wer Cramers Tipps einfach umdreht, wettet gegen einen Durchschnitt. Ein Durchschnitt minus Kosten ergibt auf Dauer keinen Vorteil. Die einzige messbare Auffälligkeit ist der Übernacht-Sprung mit anschließender Umkehr. Als Privatanleger kommst du daran kaum heran: Der Sprung entsteht vor Börseneröffnung, und gerade bei kleinen Werten ist Leerverkaufen teuer oder gar nicht möglich.

Inverse Cramer heute: die Strategie bei Quiver Quant

Nach dem Ende des ETF lebt die Idee als Datenstrategie weiter. Das US-Portal Quiver Quantitative führt eine öffentliche Inverse-Cramer-Strategie. Sie verkauft Cramers zehn meistgenannte Aktien der letzten 30 Tage leer, sichert das mit einer Long-Position im Gesamtmarkt ab und schichtet wöchentlich um.

KennzahlWertStand
Rendite seit Start 2021+1,08 %13.09.2026
Rendite letzte 12 Monate−13,56 %13.09.2026
Größter Rückgang−46,60 %13.09.2026
Kennzahlen der Inverse-Cramer-Strategie laut Quiver Quantitative, abgelesen am 13.09.2026. Historischer Rückblick, keine Prognose.

Fast sechs Jahre ergaben ein Plus von rund einem Prozent. Weil die Strategie grob gegen den Markt abgesichert ist, bedeutet ein Ergebnis nahe null: Cramers Lieblingsaktien liefen im Schnitt ungefähr wie der Markt. Zur Einordnung: Der SPY stieg vom 4. Januar 2021 bis zum 11. September 2026 mit Ausschüttungen um rund 123 Prozent. Die beiden Werte sind nicht direkt vergleichbar, zeigen aber die Opportunitätskosten. Wie schwer ein Rückgang von 46,6 Prozent wiegt, erklärt unser Beitrag zum Drawdown im Trading.

Quiver nennt für diese Strategie 3.444 Trades seit dem Start. Das Ergebnis ist ein historischer Rückblick im ausgewerteten Zeitraum und keine Prognose. Wenn du so etwas selbst nachbauen willst, testest du es besser vorher mit festen Regeln, etwa per Backtesting in TradingView.

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Vorteile und Nachteile der Wette gegen Cramer

Die Idee hat einen wahren Kern, scheitert in der Umsetzung aber an mehreren Stellen. Hier stehen Vorteile und Nachteile untereinander, damit du beide Seiten abwägen kannst.

Was für den Inverse Cramer spricht

  • Klare Regel: Die Strategie ist leicht verständlich und hängt an öffentlichen Aussagen, ohne dass du selbst analysieren musst.
  • Echter Kurzfrist-Effekt: Studien belegen einen Kurssprung über Nacht nach einer Empfehlung, der sich danach oft umkehrt.
  • Lehrwert: Das Meme erinnert zuverlässig daran, TV-Tipps nicht blind zu folgen.

Was gegen den Inverse Cramer spricht

  • Kein Vorteil in den Daten: Der SJIM verlor 15,8 Prozent, die Quiver-Strategie kam seit 2021 auf rund ein Prozent.
  • Unklare Signale: Cramer ändert Meinungen schnell, und oft ist offen, welche Aussage als Empfehlung zählt.
  • Short-Nachteil im Bullenmarkt: Wer Aktien leerverkauft, kämpft gegen den langfristigen Aufwärtstrend der Börse.
  • Hohe Nebenkosten: Laufende Fondskosten, Leihgebühren und häufiges Umschichten fressen jeden kleinen Vorsprung auf.
  • Verzerrte Erinnerung: Spektakuläre Fehlgriffe bleiben im Kopf, die vielen durchschnittlichen Tipps nicht.

Warum Kontraindikatoren selten so einfach funktionieren

Das eigentliche Problem am Inverse Cramer ist die Wahrnehmung, nicht Cramer. Menschen merken sich auffällige Fehler viel besser als unauffällige Treffer. Dazu kommt der Bestätigungsfehler: Wer an das Meme glaubt, sieht in jeder neuen Fehleinschätzung einen Beweis und übersieht die Fälle, in denen Cramer richtig lag.

Ein brauchbarer Kontraindikator braucht eine breite Datenbasis. Die Put-Call-Ratio misst das Verhältnis von Verkaufs- zu Kaufoptionen über den ganzen Markt. Das EUWAX Sentiment zeigt, wie deutsche Privatanleger mit Hebelprodukten tatsächlich positioniert sind. Solche Werte bündeln Tausende Entscheidungen, eine Fernsehsendung bündelt eine.

Selbst gute Stimmungsindikatoren liefern nur Kontext, kein Einstiegssignal. Extreme Stimmung kann lange extrem bleiben, bevor der Markt dreht. Wenn du auf Stimmung handelst, brauchst du trotzdem einen Plan für Einstieg, Stop-Loss und Positionsgröße. Ob dein Ansatz überhaupt einen statistischen Vorsprung hat, prüfst du mit dem Konzept der Trading Edge.

Auch die Grenzen dieser Auswertung gehören auf den Tisch. Der SJIM lief nur elf Monate in einem starken Markt, die Studien enden 2008 und 2009, und die Quiver-Daten stammen von einem Anbieter, dessen Methode sich nicht vollständig prüfen lässt. Keine dieser Quellen allein beweist etwas. Zusammen zeigen sie aber in dieselbe Richtung.

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Fazit: Inverse Cramer ist ein Meme, keine Strategie

Die Wette gegen Jim Cramer hat in jedem überprüfbaren Test enttäuscht. Der einzige echte Fonds verlor 15,8 Prozent, während der S&P 500 um 26 Prozent stieg. Die Quiver-Strategie kam in fast sechs Jahren auf gut ein Prozent. Die Forschung findet bei Cramers Tipps weder einen dauerhaften Vorteil noch einen dauerhaften Nachteil.

Der eigentliche Wert des Memes liegt woanders. Es erinnert daran, dass eine laute Meinung im Fernsehen kein Handelssystem ersetzt, und zwar in beide Richtungen. Wer Cramer blind folgt, macht denselben Fehler wie jemand, der ihn blind umdreht: Er gibt die Entscheidung an eine fremde Stimme ab. Sinnvoller ist ein eigener Plan mit klaren Regeln und ein Blick auf breite Stimmungsdaten statt auf einzelne Köpfe.

Häufige Fragen zu Inverse Cramer

Funktioniert Inverse Cramer?

In den verfügbaren Daten nicht. Der Inverse Cramer ETF verlor zwischen März 2023 und Februar 2024 rund 15,8 Prozent inklusive Ausschüttungen, während der S&P 500 zulegte. Die Studien zu Mad Money finden nach Kosten keinen dauerhaften Vorteil gegen Cramers Empfehlungen.

Gibt es den Inverse Cramer ETF noch?

Nein, der Fonds wurde im Februar 2024 aufgelöst. Letzter Handelstag war der 13. Februar 2024, die Liquidation folgte am 23. Februar 2024. Der Long Cramer ETF mit dem Kürzel LJIM war schon im September 2023 geschlossen worden.

Was hat der Inverse Cramer ETF gekostet?

Die laufenden Kosten lagen laut Prospekt bei 1,20 Prozent pro Jahr. Davon entfielen 0,95 Prozent auf die Verwaltungsgebühr. Hinzu kamen Handelskosten durch den häufigen Positionswechsel und Leihgebühren für die Short-Positionen.

Was hat Jim Cramer bei Goldman Sachs gemacht?

Cramer arbeitete von 1984 bis 1987 bei Goldman Sachs als Börsenmakler im Verkauf und Handel. Danach machte er sich mit einem eigenen Hedgefonds selbstständig, den er bis 2001 führte.

Kann ich Inverse Cramer als Privatanleger in Deutschland nachbauen?

Einen passenden Fonds für deutsche Anleger gibt es nicht. Wer die Idee nachbauen will, müsste Cramers Empfehlungen selbst verfolgen und die Aktien per CFD, Optionsschein oder Leerverkauf gegen die Empfehlung handeln. Das erfordert Short-Erfahrung und ein klares Risikomanagement, und die vorliegenden Daten sprechen gegen einen Vorteil.

Liegt Jim Cramer wirklich öfter falsch als andere?

Die Studien sprechen dagegen. Nach Bereinigung um bekannte Renditefaktoren war die Leistung seiner Empfehlungen durchschnittlich. Der Ruf stammt vor allem aus einzelnen, sehr bekannten Fehleinschätzungen wie der Aussage zu Bear Stearns vom 11. März 2008.

Über den Autor: Christian Möhrer

Christian Möhrer ist technischer Analyst und Options-Trader bei Kagels Trading. Er handelt seit 2014 aktiv Optionen und betreut auf kagels-trading.de die Beiträge zu Indikatoren, Chartanalyse und Optionshandel.

Neben seiner Handelstätigkeit erstellt er tägliche Marktprognosen. Er arbeitet als Signal-Provider und hat einen Videokurs zum Optionshandel veröffentlicht. Sein Zugang zum Markt ist nüchtern und zahlenorientiert: Was sich nicht am Chart oder in den Daten belegen lässt, kommt bei ihm nicht in die Analyse.

Stimmungsdaten wie die Put-Call-Ratio gehören zu seinem täglichen Handwerkszeug. Für diesen Artikel hat er die Tageskurse beider Cramer-ETFs selbst gegen den S&P 500 ausgewertet, statt kursierende Renditeangaben zu übernehmen. Kosten und Laufzeiten stammen aus dem SEC-Prospekt, die Studienergebnisse aus den Originalarbeiten.

Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.

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