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CoT Daten und CoT Report verstehen und im Trading nutzen (2026)

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2026

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16 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

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Jeden Freitagabend um 21:30 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht eine US-Behörde, wie die größten Akteure an den Terminmärkten positioniert sind. Der Bericht heißt Commitments of Traders, kurz CoT, und er ist kostenlos. Trotzdem lesen ihn die wenigsten Trader, weil die Rohdaten aussehen wie ein Kontoauszug aus den Achtzigern: eine Wand aus Zahlen ohne Erklärung.

Genau da setzt dieser Artikel an. Ich zeige dir Zeile für Zeile, was in so einem Report steht, wie du aus den Rohzahlen die Nettopositionen der drei Händlergruppen rechnest und warum die Commercials als einzige Gruppe antizyklisch handeln. Dazu bekommst du den CoT Index mit vollständiger Rechnung, aktuelle Zahlen vom 18. August 2026 für Corn, Gold und Silber, und die Antwort auf zwei Fragen, an denen die meisten Erklärartikel vorbeigehen: Gibt es CoT Daten für Bitcoin, und gibt es welche für den DAX?

Vorweg die wichtigste Einschränkung: Der CoT Report ist kein Timing-Instrument. Er erscheint wöchentlich und zeigt Daten, die beim Erscheinen schon drei Tage alt sind. Wer damit Einstiege sucht, wird enttäuscht. Wer damit den Hintergrund eines Marktes einordnet, bekommt ein Werkzeug, das seit Jahrzehnten funktioniert. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

CoT Report: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Wöchentlicher Behördenbericht: Der Commitments of Traders” (CoT) Report der US-Aufsicht CFTC erscheint jeden Freitag um 15:30 Uhr New Yorker Zeit, also 21:30 Uhr in Deutschland, mit den Positionen vom Dienstag derselben Woche.
  • Drei Händlergruppen: Der Bericht teilt den Markt in Commercials (Erzeuger und Verarbeiter, die sich absichern), Non-Commercials (große Spekulanten) und Non-Reportables (alle unterhalb der Meldeschwelle). Long minus Short ergibt die Nettoposition jeder Gruppe.
  • Commercials handeln antizyklisch: Sie bauen in steigende Kurse Shortpositionen auf und in fallende Kurse ab. In fast allen Rohstoffmärkten stehen sie deshalb dauerhaft netto short, die jeweils aktuellen Zahlen findest du weiter unten in der wöchentlich aktualisierten Tabelle. Das ist die Gegenseite der Spekulanten.
  • Der CoT Index ordnet ein: Er setzt die aktuelle Positionierung ins Verhältnis zu Hoch und Tief der letzten 26 oder 52 Wochen und pendelt zwischen 0 und 100 Prozent. Werte unter 25 und über 75 Prozent gelten als Extremzonen.
  • Kein Timing-Werkzeug: Die Daten sind bei Veröffentlichung drei Tage alt und erscheinen nur einmal pro Woche. Für Daytrader sind sie damit wertlos, für Swing- und Positionstrader ein brauchbarer Hintergrundfilter.

Was ist der CoT Report?

Der Commitments of Traders Report ist ein wöchentlicher Bericht der US-Aufsichtsbehörde CFTC, der offenlegt, wie viele Long- und Shortkontrakte die verschiedenen Händlergruppen an den US-Terminmärkten halten.

Herausgeber ist die Commodity Futures Trading Commission, kurz CFTC. Das ist die US-Bundesbehörde, die die amerikanischen Rohstoff- und Terminmärkte beaufsichtigt. Sie sammelt die Positionsmeldungen der Börsen und Broker und fasst sie zu einer Momentaufnahme des Marktes zusammen.

Der Bericht listet für jeden Kontrakt die Long- und Shortpositionen der wichtigsten Marktteilnehmer. Daraus liest du ab, wie sich die bestimmenden Akteure eines Marktes verhalten. Beliebt ist der Report deshalb, weil er einen Blick auf die Positionierung derer erlaubt, die den physischen Markt tatsächlich betreiben. Er bildet die Positionen großer Marktteilnehmer an den Futures-Märkten ab, also an den Börsen für Terminkontrakte.

Die Akteure an diesen Märkten teilt der Report in drei Gruppen ein, und diese Einteilung ist der Schlüssel zu allem, was danach kommt:

  • Die Commercials: auch Hedger genannt, von englisch “to hedge”, absichern. Das sind Erzeuger, Produzenten, Weiterverarbeiter und Händler eines Rohstoffs. Sie nutzen den Terminmarkt nicht zum Spekulieren, sondern zur Absicherung gegen Preisschwankungen.
  • Die Non-Commercials: im Bericht auch Large Speculators, also große Spekulanten. Dazu zählen institutionelle Trader, Banken, Versicherungen und Fonds. Sie wollen unmittelbar an der Preisentwicklung verdienen und sind damit die Gegenseite der Commercials.
  • Die Non-Reportables: alle Marktteilnehmer, deren Positionen unter der Meldeschwelle liegen. Ihre Zahlen ermittelt die CFTC rechnerisch als Differenz, sie werden nicht einzeln gemeldet. Hier sitzen die meisten Privattrader.

Das Prinzip des Hedgings

Ein Future ist eine verbindliche Handelsvereinbarung: Ein Rohstoff wird zu einem späteren Zeitpunkt geliefert und bezahlt, der Preis steht aber heute schon fest. Genau daraus entsteht der zweite Zweck dieser Kontrakte, die Absicherung gegen schwankende Preise. Wie dieses Hedging funktioniert, zeige ich an einem Beispiel.

Die Commercials teilen sich in zwei Lager. Auf der einen Seite stehen die Produzenten: Landwirte und ihre Genossenschaften, Minengesellschaften, Öl- und Gasförderer, Energieversorger. Ihnen gegenüber stehen die Abnehmer und Weiterverarbeiter, etwa Lebensmittelkonzerne wie Nestlé oder Großverbraucher wie eine Fluggesellschaft. Beide Lager haben entgegengesetzte Interessen.

Die einen wollen teuer verkaufen, die anderen billig einkaufen. Drohen die Getreidepreise zu steigen, etwa wegen Ernteausfällen, sichert sich ein Lebensmittelkonzern am Terminmarkt ab und geht long. Steigt der Preis dann wirklich, wird der Rohstoff im Einkauf teurer. Gleichzeitig steigt aber der Kurs des Futures. Der Verkauf dieses Futures zum höheren Kurs gleicht den Mehraufwand im Einkauf zum größten Teil aus.

Umgekehrt gilt dasselbe für die Erzeuger. Wer einen Preisverfall fürchtet, sichert sich über Shortpositionen ab. Deshalb stehen die Commercials in vielen Rohstoffmärkten dauerhaft netto short: Sie verkaufen künftige Ernten und Fördermengen im Voraus. Eine netto short positionierte Commercial-Gruppe ist also für sich genommen noch kein bärisches Signal, sondern der Normalzustand.

Wer bestimmte Positionsgrößen überschreitet, wird gegenüber der CFTC meldepflichtig, auf Englisch “reportable”. Die Schwellen stehen in der US-Vorschrift 17 CFR 15.03 und unterscheiden sich je Markt: 250 Kontrakte bei Corn, 150 bei Wheat, 50 bei Coffee, 200 bei Gold, 350 bei Rohöl und 400 bei den wichtigsten Währungen. Für alle nicht eigens gelisteten Kontrakte gilt eine Grundschwelle von 25 Kontrakten.

Wer darunter bleibt, taucht nur in der Sammelgruppe der Non-Reportables auf. Wichtig für die Einordnung: Die meldepflichtigen Positionen decken laut CFTC 70 bis 90 Prozent des gesamten Open Interest ab. Der Report erfasst also den Großteil des Marktes, nicht nur eine Stichprobe.

Wann und wo werden die CoT Daten veröffentlicht?

Die CFTC veröffentlicht den CoT Report jeden Freitag um 15:30 Uhr New Yorker Zeit, das entspricht 21:30 Uhr in Deutschland, und zwar mit den Positionsdaten vom Dienstagabend derselben Woche.

Daraus ergibt sich der Zeitversatz von drei Handelstagen, der den Report für kurzfristige Entscheidungen unbrauchbar macht. Was du am Freitagabend liest, war am Dienstag zu Börsenschluss wahr. An US-Feiertagen verschiebt sich der Termin, die CFTC kündigt das jeweils vorher an.

Der Download ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich, unter cftc.gov. Dort liegen die Berichte als Webseite, als Textdatei und als Excel- oder CSV-Datei zum Auswerten in der Tabellenkalkulation. Die Legacy-Reihe reicht bis 1986 zurück, du kannst also lange Zeitreihen selbst aufbauen.

Screenshot der Website der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) mit der Download-Seite für den aktuellen Commitments of Traders (COT) Report. Die Seite zeigt verschiedene Berichtstypen, darunter disaggregierte Berichte für Agrarprodukte sowie Erdöl und dessen Produkte, mit Links zu Lang- und Kurzformaten. Die Navigation umfasst Menüpunkte zu Marktdaten, Regulierung und Brancheneinblicken.
Abb. 1: Screenshot der Download-Seite für den aktuellen COT Report

Auf der Downloadseite erschlägt dich zunächst eine lange Liste von Links. Der Grund: Es gibt vier Berichtsarten in mehreren Formaten. Welcher davon für dich der richtige ist, klären wir weiter unten im Abschnitt zu den Berichtstypen.

Die Lücke im Herbst 2025 und was sie für Zeitreihen bedeutet

Ein Punkt, den ältere Anleitungen nicht kennen: Vom 1. Oktober bis 12. November 2025 hat die CFTC wegen des US-Haushaltsstillstands keine CoT Reports verarbeitet und veröffentlicht. Sechs Wochen lang gab es keine neuen Positionsdaten.

Die Behörde hat die ausgefallenen Berichte danach nachgereicht. Ab dem 19. November 2025 erschienen sie in chronologischer Reihenfolge und mit erhöhter Frequenz, der Rückstand war zum 29. Dezember 2025 abgearbeitet. Für dich heißt das: Die historische Zeitreihe ist vollständig, es fehlt kein Datenpunkt. Wer damals live gehandelt hat, war allerdings sechs Wochen blind. Das ist eine Abhängigkeit, die man einkalkulieren sollte, wenn man eine Strategie auf diesen Daten aufbaut.

Wie sieht der CoT Report aus?

Screenshot der CFTC-Website mit einer Tabelle der 'Current Legacy Reports'. Die Tabelle zeigt verschiedene Formate für Berichte zum Chicago Board of Trade und zur Chicago Mercantile Exchange, darunter 'Long Format' und 'Short Format'. Ein roter Pfeil hebt das 'Short Format' für Futures Only beim Chicago Board of Trade hervor.
Abb.2: Auswahl eines Reports auf der CFTC Website

Für den Einstieg nehmen wir den Legacy Report der Chicago Board of Trade in der Variante Futures Only, Short Format. Das ist die schlankeste Fassung mit den wenigsten Spalten und deshalb die beste zum Lernen.

Ausschnitt eines Commitments of Traders (COT) Reports für den Chicago Board of Trade (CBOT). Der Bericht zeigt Futures-Positionen für Mais und Sojabohnen mit detaillierten Angaben zu den Kategorien 'Non-Commercial', 'Commercial' und 'Nonreportable Positions'. Enthalten sind Daten zu offenen Kontrakten, Änderungen im Open Interest, prozentualer Verteilung und Anzahl der Trader in den jeweiligen Kategorien.
Abb.3: Ausschnitt eines CBOT COT Reports

Der erste Eindruck ist erwartbar: eine Zahlenwüste ohne Beschriftung, in Schreibmaschinenschrift, ohne Farben, ohne Legende. Die gute Nachricht ist, dass sich hinter dem Layout nur acht Informationsblöcke verbergen. Hat man die einmal sortiert, liest sich jeder weitere Report in unter einer Minute.

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Wie liest du den CoT Report?

Wir bringen Ordnung in die Zahlenwüste, und zwar am Corn-Future der CBOT. Die folgende Abbildung zeigt den Report vom 24. Januar 2023, den ich für die Erklärung durchnummeriert habe. In anderen Berichtsformaten werden die Commercials oder die Non-Commercials in weitere Untergruppen aufgeteilt, das Grundprinzip bleibt aber identisch.

Tabelle mit Commitments of Traders (COT) Daten vom 24.01.2023 für den Corn-Kontrakt (ZC) der Chicago Board of Trade (CBOT). Die Tabelle zeigt die Aufteilung der offenen Positionen in verschiedene Händlerkategorien: 'Non-Commercial', 'Commercial', 'Total' und 'Nonreportable Positions'. Zusätzlich sind das gesamte Open Interest, Veränderungen zum vorherigen Bericht, prozentuale Verteilungen und die Anzahl der Händler in jeder Kategorie dargestellt. Farbige Markierungen und Nummerierungen heben die einzelnen Bereiche hervor.
Abb.4: COT Daten vom 24.01.2023, Corn-Kontrakt ZC der CBOT

Die absoluten Positionen

① Die Positionen der Non-Commercials. Die großen Spekulanten halten in diesem Markt 388.317 Long- und 110.948 Shortkontrakte. Dazu kommen 212.531 Spread-Positionen. Ein Spread ist eine Kombination aus Long und Short in zwei verschiedenen Liefermonaten, etwa long im März- und gleichzeitig short im Mai-Kontrakt. Dabei wird auf die Kursdifferenz zwischen beiden spekuliert, nicht auf die Richtung des Marktes.

② Die Positionen der Commercials. Hier stehen Long und Short der Hedger, im Beispiel 558.456 gegen 764.118 Kontrakte. Eine Spread-Spalte gibt es nicht: Wer absichert, spekuliert nicht auf Kursdifferenzen zwischen Liefermonaten, deshalb spielt Spread-Trading bei dieser Gruppe keine Rolle.

③ Die Summe der Reportables. Das ist die Zwischensumme aller meldepflichtigen Positionen. Die Long-Summe ergibt sich aus den Longs der Non-Commercials plus den Longs der Commercials plus den Spreads. Die Short-Summe rechnet sich analog.

④ Die Positionen der Non-Reportables. Alle Marktteilnehmer unterhalb der Meldeschwelle, im Beispiel 115.106 long gegen 186.813 short. Diese Zahlen meldet niemand aktiv, die CFTC errechnet sie als Differenz zwischen Open Interest und den gemeldeten Positionen.

Das Open Interest

⑤ Das Open Interest ist die Gesamtzahl aller Kontrakte, die zum Börsenschluss offen sind, im Beispiel 1.274.410. Das Open Interest wird einmal täglich kurz vor Börsenschluss von der jeweiligen Börse ermittelt und an die CFTC gemeldet. Es ist die Bezugsgröße für alle Prozentangaben im Report.

Jeder Futureskontrakt bedeutet immer eine Long- und eine Shortposition zugleich, ähnlich einem Kaufvertrag mit Käufer und Verkäufer. Das Open Interest entspricht deshalb der Summe aller Longpositionen plus der Spreads, oder gleichbedeutend der Summe aller Shortpositionen plus der Spreads. Beide Rechenwege führen zum selben Ergebnis, das ist eine gute Kontrolle für eigene Auswertungen.

Open Interest existiert nur an Futures- und Optionsmärkten. Aktien- und Devisenkassamärkte kennen diese Kennzahl nicht. Für dich als Trader ist sie vor allem ein Liquiditätsmaß: Sie zeigt, wie aktiv ein Markt gehandelt wird und wie leicht du dort wieder herauskommst.

⑥ bis ⑧ liefern die Statistik drumherum: die Veränderung gegenüber der Vorwoche, den prozentualen Anteil jeder Gruppe am Open Interest und die Anzahl der meldepflichtigen Händler je Kategorie. Die Veränderungszeile ⑥ ist in der Praxis oft aussagekräftiger als die absoluten Zahlen, weil sie zeigt, wer gerade aufbaut und wer abbaut.

Die Nettopositionen

Die absoluten Zahlen sagen für sich genommen wenig. Aussagekräftig wird es erst, wenn du die Nettoposition bildest, also die Shortpositionen von den Longpositionen abziehst.

Für das Beispiel oben ergibt das folgende Werte. Achte darauf, die Spread-Positionen der Non-Commercials nicht mitzurechnen: Sie sind long und short zugleich und heben sich in der Nettobetrachtung per Definition auf.

  • Non-Commercials: 388.317 minus 110.948 ergibt 277.369 Kontrakte netto long.
  • Commercials: 558.456 minus 764.118 ergibt 205.662 Kontrakte netto short.
  • Non-Reportables: 115.106 minus 186.813 ergibt 71.707 Kontrakte netto short.

Shortpositionen werden dabei mit negativem Vorzeichen geführt, Longpositionen positiv. Eine schnelle Plausibilitätskontrolle: Die drei Nettopositionen müssen sich zu null addieren. 277.369 minus 205.662 minus 71.707 ergibt exakt null. Geht die Rechnung nicht auf, hast du dich vertippt oder eine Spalte verwechselt.

CoT Report Aufbau: Nettopositionen von Commercials, Non-Commercials und Non-Reportables im Corn-Future
Abb. 5: Aufbau des CoT Legacy Reports und die Berechnung der Nettopositionen am Corn-Future vom 24.01.2023

Die Chart-Darstellung der CoT Daten

Mit den Rohdaten Woche für Woche von Hand zu arbeiten, hält kaum jemand durch. Für die grafische Auswertung gibt es fertige Module. Der AgenaTrader bietet ein CoT-Add-On im Monatsabo an, das die Daten direkt in die Handelsplattform holt. Kostenlose Alternativen im Browser stelle ich weiter unten im Tool-Abschnitt vor.

Die folgende Abbildung zeigt den Corn-Future März 2023 mit den absoluten Positionen der drei Händlergruppen und darunter ihren Nettopositionen. Erst in dieser Ansicht wird sichtbar, was die Tabelle verschweigt: wie sich die Positionierung über die Zeit verschiebt.

Grafik des Future ZCH23 mit drei Diagrammen: Oben ein Candlestick-Chart des Korn-Futures, darunter zwei Diagramme mit absoluten und Netto-Positionen verschiedener Marktteilnehmer. Die absoluten Positionen zeigen die Long- und Short-Positionen der Commercials (rot), Non-Commercials (grün) und Non-Reportables (blau). Das untere Diagramm stellt die Netto-Positionen dieser Gruppen dar. Die Charts sind mit 'LONG' und 'SHORT' markiert
Abb.6: Der Future ZCH23 mit den absoluten und Netto-Positionen der Commercials (rot), Non-Commercials (grün) und Non-Reportables (blau)

Aktuelle CoT Daten für die wichtigsten Rohstoffmärkte

Damit du das Gelernte sofort anwenden kannst, stehen hier die aktuellen Nettopositionen aus dem Legacy Report. Die Tabelle zieht ihre Zahlen jede Woche automatisch von der CFTC, sie sind Futures Only, ohne Optionen. Das Datum in der Kopfzeile ist der Dienstag, auf den sich der jeweils letzte Bericht bezieht.

Aktuelle CoT Daten der CFTC

Nettopositionen in Kontrakten, Legacy Report Futures Only, Stand 15.09.2026

MarktCommercialsNon-Commercials
Aktienindizes
S&P 500
Woche + 59.208
+ 9.191
netto long
− 100.461
netto short
Nasdaq 100
Woche − 7.840
− 48.858
netto short
+ 33.718
netto long
Zinsen
US-Staatsanleihen 10 Jahre
Woche − 13.669
+ 824.503
netto long
− 821.236
netto short
US-Staatsanleihen 2 Jahre
Woche − 73.625
+ 807.950
netto long
− 855.353
netto short
Energie
Rohöl (WTI)
Woche + 1.327
− 164.858
netto short
+ 135.905
netto long
Erdgas
Woche + 5.626
+ 206.752
netto long
− 221.587
netto short
Metalle
Gold
Woche + 8.553
− 261.721
netto short
+ 230.338
netto long
Silber
Woche + 2.208
− 42.700
netto short
+ 25.326
netto long
Platin
Woche + 39
− 19.809
netto short
+ 15.220
netto long
Kupfer
Woche + 20.257
− 84.387
netto short
+ 75.134
netto long
Agrar
Mais
Woche − 6.240
− 476.845
netto short
+ 542.384
netto long
Weizen
Woche + 7.749
− 4.799
netto short
+ 1.228
netto long
Sojabohnen
Woche + 12.975
− 238.575
netto short
+ 261.183
netto long
Zucker
Woche − 25.017
− 238.046
netto short
+ 182.515
netto long
Kaffee
Woche + 2.762
− 16.878
netto short
+ 15.470
netto long
Kakao
Woche + 191
+ 3.397
netto long
− 6.938
netto short
Baumwolle
Woche + 7.568
− 125.686
netto short
+ 116.773
netto long

„Woche” ist die Veränderung der Commercials-Nettoposition gegenüber dem Vorbericht. Bei Aktienindizes und Anleihen sind die Commercials keine Erzeuger, sondern Banken und Fonds, die Kurs- oder Zinsrisiko absichern. Quelle: CFTC, wöchentlich automatisch aktualisiert.

In den meisten Märkten siehst du dasselbe Muster: Commercials netto short, Non-Commercials netto long. Genau das ist der Normalfall und der Grund, warum eine Short-Position der Hedger allein noch kein Verkaufssignal ist. Interessant wird es erst, wenn die Positionierung im historischen Vergleich ungewöhnlich weit oben oder unten liegt. Dafür gibt es den CoT Index, den ich weiter unten Schritt für Schritt vorrechne.

Dreht eine Zeile ins Gegenteil, lohnt das Hinsehen: Ein Markt, in dem die Commercials netto long stehen, ist die Ausnahme und meist ein Zeichen für knappes Angebot. Achte außerdem auf die Größenverhältnisse. Mais und Rohöl tragen ein Vielfaches des Open Interest von Silber, dieselbe absolute Kontraktzahl bedeutet dort also etwas völlig anderes als in einem kleinen Markt. Silber reagiert auf Positionsverschiebungen entsprechend heftiger.

Nachrechnen kannst du das jederzeit selbst: Auf der CFTC-Seite die aktuelle Textdatei für die jeweilige Börse öffnen, den Kontrakt suchen, Long minus Short. Für Gold, Silber und Kupfer ist das die COMEX, für Mais, Weizen, Sojabohnen und die US-Staatsanleihen die CBOT, für Rohöl, Erdgas und Platin die NYMEX, für Zucker, Kaffee, Kakao und Baumwolle die ICE Futures U.S. und für S&P 500 und Nasdaq die CME. Die Nullsummen-Kontrolle aus dem letzten Abschnitt läuft bei jedem Kontrakt mit und ist auch der Prüfschritt, mit dem die Tabelle oben ihre Zahlen absichert.

Welche Arten von CoT Reports gibt es?

Dass wir uns bis hierher auf den Legacy Report konzentriert haben, hat einen Grund. Er ist der ursprünglichste aller Berichte, “legacy” heißt Erbe oder Vermächtnis, und vom Aufbau der einfachste. Wer seine Struktur verstanden hat, überträgt das Prinzip ohne Mühe auf die anderen Formate. Im Lauf der Jahre kamen Berichte mit feinerer Aufschlüsselung dazu.

Der CoT Report bildet vor allem die Positionierung an den Warenterminmärkten ab. Europäische Terminkontrakte fehlen darin vollständig, dazu weiter unten mehr in der Frage nach den CoT Daten für den DAX.

Die vier Berichte der CFTC im Überblick

Die CFTC gibt insgesamt vier Berichtsarten heraus. Sie unterscheiden sich darin, wie fein sie die Marktteilnehmer aufschlüsseln und welche Märkte sie abdecken. Für den Alltag brauchst du selten mehr als zwei davon, die anderen sind gut zu kennen, damit du weißt, welche Zahl du gerade vor dir hast.

① Legacy Report

Die Legacy-Berichte sind nach Börsen aufgeschlüsselt: Chicago Board of Trade (CBOT), Chicago Mercantile Exchange (CME), Cboe Futures Exchange, Minneapolis Grain Exchange, Commodity Exchange (COMEX), ICE Futures U.S., ICE Futures Europe, ICE Futures Energy, New York Mercantile Exchange (NYMEX) und Nodal Exchange. CBOT, CME, COMEX und NYMEX gehören dabei alle zur CME Group.

Inhaltlich gliedert der Legacy Report die meldepflichtigen Positionen in Commercials und Non-Commercials und führt die rechnerisch ermittelten Non-Reportables gesondert auf. Das ist die Dreiteilung, mit der wir bisher gearbeitet haben.

② Disaggregated Report

Der 2009 eingeführte Disaggregated Report ist nicht nach Börsen, sondern nach Sektoren sortiert: Landwirtschaft, Erdöl und Erdölprodukte, Erdgas, Elektrizität sowie Metalle und sonstige physische Kontrakte. Er teilt die meldepflichtigen Händler in vier statt zwei Kategorien.

  • Producer, Merchant, Processor, User: Produzenten, Händler, Verarbeiter und Verbraucher. Das ist der harte Kern der Commercials, also die Unternehmen mit echtem physischem Geschäft.
  • Swap Dealers: Zwischenhändler, meist Banken oder Investmentgesellschaften. Sie übernehmen das Preisrisiko der Kommerziellen und sichern sich dagegen ihrerseits am Terminmarkt ab.
  • Managed Money: Hedgefonds, Investmentbanken und Vermögensverwalter. Diese Gruppe entspricht weitgehend den Non-Commercials des Legacy Reports.
  • Other Reportables: alle übrigen meldepflichtigen Händler, die in keine der drei Kategorien passen.

Der praktische Gewinn liegt bei den Swap Dealern. Der Legacy Report wirft sie mit den Commercials in einen Topf, obwohl sie weder produzieren noch verarbeiten. Wer wissen will, was die echten Erzeuger und Abnehmer tun, ist mit dem Disaggregated Report näher an der Wahrheit. Das folgende Beispiel zeigt den Gold-Future der COMEX.

Ausschnitt aus dem disaggregierten Commitments of Traders (COT) Report für Gold vom 24.01.2023. Die Tabelle zeigt die offenen Positionen für verschiedene Marktteilnehmer: 'Producer/Merchant Processor/User', 'Swap Dealers', 'Managed Money' und 'Other Reportables'. Die Daten umfassen Long-, Short- und Spread-Positionen, Änderungen zum vorherigen Bericht, prozentuale Verteilung des Open Interest und die Anzahl der Trader in jeder Kategorie. Das gesamte Open Interest beträgt 499.927 Kontrakte
Abb. 7: CoT Report Gold, Disaggregated Report, 24.01.2023

③ Traders in Financial Futures (TFF)

Der im Juli 2010 angekündigte TFF-Report deckt die Finanzkontrakte ab: Währungen, US-Staatsanleihen, Aktienindizes, den VIX und inzwischen auch Bitcoin und Ether. Er überträgt die Idee des Disaggregated Reports auf den Finanzsektor und unterscheidet ebenfalls vier Gruppen.

  • Dealer und Intermediary: große Banken und Händler von Wertpapieren, Swaps und Derivaten. Sie konstruieren und verkaufen Finanzprodukte und nutzen Futures zur Preisstellung und zum Risikoausgleich. Diese Gruppe ist das Gegenstück zu den Commercials im Rohstoffbereich.
  • Asset Manager und Institutionals: Pensionsfonds, Stiftungen, Versicherungen, Investmentfonds und Portfoliomanager mit überwiegend institutioneller Kundschaft. Sie denken in langen Haltedauern.
  • Leveraged Funds: Hedgefonds und Geldmanager, darunter registrierte Commodity Trading Advisors und Commodity Pool Operators. Das ist die schnellste und trendfolgendste Gruppe im Bericht.
  • Other Reportables: die restlichen meldepflichtigen Marktteilnehmer.

Das Beispiel zeigt einen Auszug für den EuroFX-Future der CME. Anders als im Disaggregated Report werden die Non-Reportables hier weiterhin ausgewiesen, ähnlich wie im Legacy Report.

Ausschnitt aus dem Commitments of Traders (COT) Report für den EuroFX-Finanzfuture an der Chicago Mercantile Exchange (CME) vom 24.02.2023. Die Tabelle zeigt die Aufteilung der Positionen nach Händlergruppen: 'Dealer Intermediary', 'Asset Manager/Institutional', 'Leveraged Funds', 'Other Reportables' und 'Nonreportable Positions'. Dargestellt sind Long-, Short- und Spread-Positionen, Änderungen gegenüber dem 17.01.2023, prozentuale Verteilung des Open Interest (gesamt: 777.569 Kontrakte) und die Anzahl der Trader in jeder Kategorie.
*Abb. 8: COT Report ‘Traders in Financial Futures’, EuroFX, 24.02.2023 *

④ Supplemental Report (Commodity Index Traders)

Der Supplemental Report erschien erstmals 2007 und weist die Positionen der Commodity Index Traders für 13 ausgewählte Agrarkontrakte aus. Er ergänzt den Disaggregated Report um die Händler von Rohstoffindizes, im Kern also um Swap Dealer.

Für die meisten Trader ist er der unwichtigste der vier Berichte. Er deckt nur wenige Märkte ab, und die Index-Trader stellen dort strukturell die Long-Seite, die ihre Positionen kaum umschichtet. Aus dem Verhalten dieser Gruppe lassen sich deshalb kaum verwertbare Signale ableiten.

Die Formate: Futures Only, Combined, Short und Long

Legacy, Disaggregated und TFF erscheinen jeweils als Futures Only und als Futures and Options Combined. Die erste Variante zählt nur Terminkontrakte, die zweite rechnet Optionen mit ein. Für den Einstieg ist Futures Only die sauberere Wahl, weil die Zahlen direkt vergleichbar bleiben.

Zusätzlich gibt es Legacy und Disaggregated in einem Short Format und einem Long Format. Der folgende Screenshot zeigt den Corn-Report vom 24. Januar 2023 im Long Format, also mit zwei zusätzlichen Informationsblöcken.

Ausschnitt aus dem Commitments of Traders (COT) Report für den Corn-Future vom 24.01.2023 im Long Format. Die Tabelle zeigt offene Positionen nach Händlergruppen: 'Non-Commercial', 'Commercial' und 'Nonreportable Positions'. Dargestellt sind das gesamte Open Interest (1.274.410 Kontrakte), Veränderungen zum vorherigen Bericht, prozentuale Verteilung und Anzahl der Händler pro Kategorie. Zusätzlich ist ein Abschnitt zur Konzentration des Open Interest durch die größten Marktteilnehmer enthalten, aufgeteilt nach 'Gross Position' und 'Net Position' für 4 bzw. 8 oder weniger Händler.
Abb.9: COT Report Corn vom 24-01-2023, Futures Only, Long Format
  • Konzentration der größten Händler: die prozentualen Anteile der vier und der acht größten Marktteilnehmer am Open Interest. Ein hoher Wert heißt, dass wenige Adressen den Markt dominieren.
  • Trennung nach Erntejahren: Bei Agrarrohstoffen unterscheidet der Bericht zwischen “Old” für Kontrakte der alten Ernte und “Other” für den Rest. Das ist wichtig, weil sich alte und neue Ernte preislich unabhängig voneinander bewegen können.
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Welche Rolle spielen die Commercials?

Bis hier ging es um Aufbau und Struktur. Jetzt zur eigentlichen Frage: Was fängst du mit diesen Zahlen an? Die Antwort führt über eine einzige Gruppe, die Commercials, und über eine Kennzahl, den CoT Index.

Warum der Fokus auf die Commercials? Weil sie den Markt nicht beobachten, sondern sind. Sie erzeugen die Rohstoffe oder holen sie aus der Erde, verarbeiten sie weiter und verkaufen sie an den Endverbraucher. Sie unterhalten weltweite Informationsnetze über Ernten, Fördermengen, Lagerbestände und Nachfrage. Diesen Informationsvorsprung setzen sie in Positionen um.

Ihr Verhalten am Markt ist damit die interessanteste Spur im ganzen Bericht. Nur: Die Daten eines einzelnen Reports isoliert zu betrachten, bringt nichts. Du musst den zeitlichen Verlauf sehen und die aktuelle Positionierung in ein größeres Umfeld einordnen. Dazu kommt die Frage nach Geschwindigkeit und Stärke der Veränderung. Am besten geht das grafisch, also zurück zum Chart.

Eine Einschränkung gehört an dieser Stelle dazu: Auch Commercials liegen falsch. Sie sichern ab, sie prognostizieren nicht. Ihre Positionierung folgt betriebswirtschaftlichen Zwängen wie Lagerkapazität, Vorverkäufen und Kreditlinien, nicht einer Kursmeinung. Wer sie als unfehlbare Insider liest, überschätzt den Report.

Wie interpretierst du die CoT Daten?

Schau dir noch einmal den Corn-Future an, diesmal zusammen mit den Nettopositionen der Commercials. Der Pfeil markiert den 24. Februar 2022, den Tag des russischen Einmarschs in die Ukraine. In der Folge explodierten die Getreidepreise und liefen einige Wochen auf hohem Niveau seitwärts.

Chart des Corn-Futures März 2023 (ZCH23) mit den COT-Nettopositionen der Commercials. Der Preisverlauf des Futures ist als Candlestick-Chart dargestellt, während die Nettopositionen der Commercials als rote Linie unterhalb des Hauptcharts visualisiert sind. Markierte Bereiche mit blauen Pfeilen und Rechtecken heben wichtige Wendepunkte und Veränderungen in den Commercial-Positionen hervor. Ein schwarzer Pfeil mit der Beschriftung 'Ukraine' markiert einen besonderen Zeitpunkt im Chart.
Abb.10: Corn Futures März23 (ZCH23)mit den COT Nettopositionen der Commercials

Ab Mitte Mai fielen die Preise wieder. Ende Juli erreichten sie das Niveau vom Kriegsbeginn. Der Grund war ein Abkommen, das im Juli in Kraft trat und die Getreidetransporte aus den ukrainischen Schwarzmeerhäfen sicherstellte. Die Furcht vor einer extremen Angebotsverknappung war damit zunächst vom Tisch.

Wie verhielten sich die Commercials in dieser Zeit?

Sie waren die ganze Zeit netto short. Zu Kriegsbeginn verhielten sie sich abwartend, ihre Position änderte sich trotz der Preisexplosion nur geringfügig. Erst als die Preise zu sinken begannen, bauten sie Shortpositionen ab. Ende Juli, beim neuen Preistief, erreichte ihre Nettoposition einen vorläufigen Höchstwert. Danach stiegen die Preise erneut, und die Commercials bauten wieder Shorts auf.

Die Commercials handeln antizyklisch.

Der Grund liegt in ihrem Geschäft. Rohstoffe sind ihr Betriebszweck, kalkulierbare Preise sind überlebenswichtig. Der Terminmarkt dient ihnen zur Absicherung, nicht zum Verdienen. Anders als die Spekulanten, die an Preissprüngen verdienen wollen, positionieren sich die Hedger deshalb gegen den gerade laufenden Trend. Steigt der Preis, verkaufen sie mehr im Voraus. Fällt er, decken sie sich ein.

Daraus folgt die zentrale Beobachtung: Extreme Positionen deuten auf mögliche Trendwechsel hin. Gemeint sind eine ungewöhnlich hohe Short-Ausrichtung, ein ungewöhnlich niedriger Shortbestand oder, selten, der Übergang zu einer Netto-Longposition. Zwei weitere Beispiele machen das deutlicher als jede Erklärung.

Beispiel 1: Soybean Oil, Kontrakt März 2023, von Februar 2022 bis Februar 2023.

Chart des Soybean Oil Futures März 2023 (ZLH23) mit den COT-Nettopositionen verschiedener Marktteilnehmer. Der Candlestick-Chart zeigt den Preisverlauf des Futures, während die darunterliegenden Linien die Nettopositionen darstellen: Commercials (rot), Large Speculators (grün) und Non-Reportables (blau). Die COT-Daten stammen von der CFTC und sind als Gesamtpositionen visualisiert.
Abb.11: Soybean Oil Kontrakt März23 (ZLH23). COT Nettopositionen: Commercials (rot), Large Speculators (grün), Non-reportables (blau)

Beispiel 2: Gold, Continuous Contract von 2022 bis Februar 2023.

Chart des Gold-Futures (Continuous Contract) von 2022 bis Februar 2023 mit den COT-Nettopositionen. Der Candlestick-Chart zeigt den Preisverlauf des Gold-Futures an der COMEX, während die darunterliegenden Linien die Nettopositionen verschiedener Marktteilnehmer visualisieren: Commercials (rot), Large Speculators (grün) und Non-Reportables (blau). Die Daten basieren auf den wöchentlichen Commitments of Traders (COT) Berichten der CFTC.
Abb.12: Gold Futures, Continuous Contract 2022-2023 Februar mit COT Nettopositionen

Besonders im Gold-Chart wird sichtbar, wie die Commercials konstant Shortpositionen abbauen und sich der Null-Linie annähern. Im November 2022 erreichte der Kurs sein Tief und drehte. Die Nettoposition der Hedger stand zu diesem Zeitpunkt auf einem Wert, den sie zuletzt im April 2019 erreicht hatte.

Bleibt die Frage, wie du die aktuelle Positionierung bewertest. Zurück zum Corn-Beispiel vom 24. Januar 2023: Die Commercials waren dort 205.662 Kontrakte netto short. Für sich genommen ist diese Zahl wertlos. Waren sie ungewöhnlich stark short? Ganz normal short? Oder eher wenig short?

Im Chart über einen längeren Zeitraum erkennst du grob, dass sie “recht wenig short” waren. Aber geht das auch genauer? Es geht, und zwar mit dem CoT Index.

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Was ist der CoT Index?

Der CoT Index ist ein Oszillator, der die aktuelle Nettoposition einer Händlergruppe ins Verhältnis zu ihrem höchsten und niedrigsten Wert innerhalb eines festgelegten Zeitraums setzt und das Ergebnis auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent ausgibt.

Der Zeitraum ist frei wählbar. Etabliert haben sich 26 und 52 Wochen. Wegen der teilweise kurzen Laufzeit einzelner Futures wird oft der 26-Wochen-Ansatz bevorzugt. Berechnet wird der Index, indem du zuerst Höchst- und Tiefstwert der Positionierung im Zeitraum suchst und den aktuellen Wert dann als prozentualen Anteil dieser Spanne ausdrückst.

Formel zur Berechnung des COT-Index: (Aktuelle Position - Minimum der Periode) / (Maximum der Periode - Minimum der Periode) × 100 [%]. Die Formel beschreibt die relative Positionierung innerhalb eines definierten Zeitraums und dient zur Analyse der Marktsituation basierend auf den Commitments of Traders (COT) Daten.
Abb.13: Berechnung des COT Index aus der aktuellen Positionierung und den Extremwerten eines Zeitraums

Ein konkretes Beispiel macht es greifbar: der Soybean Oil Future März 2023 mit den Nettopositionen der Commercials. Die Periode beträgt 52 Wochen, gerechnet wird für den 31. Januar 2023.

Chart des Soybean Oil Futures März 2023 (ZLH23) mit der Berechnung des COT-Index über eine 52-Wochen-Periode. Der obere Teil zeigt den Candlestick-Chart des Futures, während der untere Teil die Nettopositionen der Marktteilnehmer in einem Bereich zwischen Minimum und Maximum visualisiert. Eine blaue Linie markiert den Zeitraum von 52 Wochen, und Pfeile heben spezifische Punkte im COT-Index hervor. Die Begriffe 'Minimum' und 'Maximum' sind zur Veranschaulichung der Berechnung des COT-Index gekennzeichnet.
Abb. 14: Berechnung des CoT Index für ZLH23 Soybean Oil März 23
  • Aktuelle Positionierung der Commercials: minus 44.514 Kontrakte, also netto short.
  • Höchster Wert der Periode am 26.07.2022: minus 22.957 Kontrakte, das ist die geringste Short-Ausrichtung.
  • Tiefster Wert der Periode am 19.04.2022: minus 128.954 Kontrakte, das ist die stärkste Short-Ausrichtung.

Eingesetzt in die Formel ergibt das: (minus 44.514 plus 128.954) geteilt durch (minus 22.957 plus 128.954), also 84.440 geteilt durch 105.997 gleich 79,66 Prozent. Der CoT Index lag am 31. Januar 2023 auf 52-Wochen-Basis also bei knapp 80 Prozent.

Welche Bedeutung hat der CoT Index?

Der Index gibt dir einen konkreten Vergleichswert statt eines Bauchgefühls. Ein Wert von 0 Prozent bedeutet, dass die Hedger gerade ihr Minimum halten, also die stärkste Short- oder die geringste Longposition des Zeitraums. 100 Prozent markiert das andere Extrem.

Zwei Zonen sind besonders interessant: 0 bis 25 Prozent und 75 bis 100 Prozent. Sie stehen für Märkte, in denen die Positionierung historisch ausgereizt ist. Tritt der Index in eine dieser Zonen ein, können Trendwechsel anstehen.

Die Zone unter 25 Prozent heißt Sell-Zone, die über 75 Prozent Buy-Zone. Die Logik dahinter ist die antizyklische Positionierung der Commercials: Wenn sie ihre Shorts historisch weit abgebaut haben, sehen die Unternehmen mit dem besten Marktüberblick offenbar wenig Grund zur Absicherung nach unten. Das spricht eher für steigende Kurse. Umgekehrt deutet eine historisch extreme Short-Ausrichtung auf ein bärisches Umfeld.

Der folgende Chart zeigt den Soybean-Oil-Kontrakt aus Beispiel 1 noch einmal, ergänzt um den CoT Index für 26 Wochen als rotes Histogramm und für 52 Wochen als blaue Linie. Gut zu sehen: Die beiden Perioden liefern nicht immer dasselbe Signal. Die kürzere reagiert schneller, die längere ist träger, aber verlässlicher.

Chart des Soybean Oil Futures ZLH23 mit dem COT-Index für 26 Wochen (rotes Histogramm) und 52 Wochen (blaue Linie). Der Candlestick-Chart zeigt den Preisverlauf des Futures, während der untere Indikatorbereich die Entwicklung des COT-Index visualisiert. Die Begriffe 'oversold' und 'overbought' markieren Extrembereiche, während die 25 %- und 75 %-Linien als Schwellenwerte dienen. Rote und grüne Dreiecke heben kritische Punkte im COT-Index hervor.
Abb.15: Soybean Oil ZLH23 mit COT Index 26Wochen (Histogramm rot) und COT Index 52Wochen (Linie blau)

Wie nutzt du die CoT Daten in deiner Tradingvorbereitung?

Du weißt jetzt, wo der Bericht liegt und wie du ihn auswertest. Bleibt die Frage, an welcher Stelle deiner Vorbereitung diese Information Platz findet. Schauen wir uns dazu drei Marktbereiche an.

CoT Daten für Forex-Trader: Euro, Franken und Kanadischer Dollar

Die Terminmärkte entstanden ursprünglich für Getreide und wuchsen erst später in andere Rohstoffe hinein. Heute gibt es Futures und Optionen auch auf Energie, Metalle und Finanzprodukte. Für Devisenhändler ist der Währungssektor der relevante Teil des Berichts.

An der CME werden Futures auf Euro, Kanadischen Dollar, Japanischen Yen, Britisches Pfund, Schweizer Franken und weitere Währungen gehandelt. Zugrunde liegt jeweils das Paar aus der Währung und dem US-Dollar. Ein wichtiger Punkt für die Interpretation: Die Notierung läuft immer gegen den Dollar, ein Netto-Long im Euro-Future heißt also zugleich short im Dollar.

Die drei folgenden Charts zeigen jeweils den backadjustierten Kurs über ein Jahr und darunter die Nettopositionen der Commercials. Backadjustiert heißt, dass die Kurssprünge beim Wechsel von einem Liefermonat zum nächsten herausgerechnet wurden, damit eine durchgehende Zeitreihe entsteht.

Chart des EURO FX Futures (backadjustiert) mit den Nettopositionen der Commercials aus dem Commitments of Traders (COT) Report. Der obere Bereich zeigt den Preisverlauf des EURO FX Futures als Candlestick-Chart, während die rote Linie im unteren Bereich die Netto-Positionierung der Commercials darstellt. Die Daten basieren auf den wöchentlichen COT-Berichten und zeigen die Entwicklung der Positionierungen über die Zeit.
Abb.16a: EURO FX Futures, Backadjustiert, COT Commercials Nettopositionen
Chart des Swiss Franc Futures (backadjustiert) mit den Nettopositionen der Commercials aus dem Commitments of Traders (COT) Report. Der Candlestick-Chart im oberen Bereich zeigt den Preisverlauf des Futures, während die rote Linie im unteren Bereich die Netto-Positionierung der Commercials darstellt. Die Bezeichnung 'COT Commercials Netto Long' in blauer Schrift weist darauf hin, dass die Commercials überwiegend Long-Positionen halten.
Abb.16b: Swiss Franc Futures, Backadjustiert, COT Commercials Nettopositionen
Chart des Canadian Dollar Futures (backadjustiert) mit den Nettopositionen der Commercials aus dem Commitments of Traders (COT) Report. Der obere Bereich zeigt den Candlestick-Chart des Futures mit dem Preisverlauf, während die rote Linie im unteren Bereich die Netto-Positionierung der Commercials darstellt. Die Daten basieren auf den wöchentlichen COT-Berichten und zeigen die Entwicklung der Positionen über die Zeit.
Abb.16c: Canadian Dollar Futures, Backadjustiert, COT Commercials Nettopositionen

Auch hier fällt das antizyklische Verhalten auf. Beim Kanadischen Dollar zeigt sich das zwischen August und November 2022 besonders klar: Im Kursverfall bauen die Commercials Shorts ab und Longs auf, bis sie ein Netto-Long-Niveau erreichen, das sie zuletzt Anfang Juni 2020 innehatten, also rund 30 Monate zuvor.

CoT Daten für Gold und Silber

Bei den Edelmetallen sieht das Bild ähnlich aus. Die beiden Charts zeigen den Gold-Future der COMEX über 18 Monate, ebenfalls backadjustiert, mit den Nettopositionen der Commercials, darunter dieselbe Konstellation für den Silber-Future.

Chart der COMEX Gold Futures (backadjustiert) mit den Nettopositionen der Commercials aus dem Commitments of Traders (COT) Report. Der obere Bereich zeigt den Candlestick-Chart des Gold-Futures mit seinem Preisverlauf, während die rote Linie im unteren Bereich die Netto-Positionierung der Commercials visualisiert. Die Beschriftung 'COT Commercials Netto Short' weist darauf hin, dass die Commercials überwiegend Short-Positionen halten
Abb.17a: COMEX GOLD Futures, Backadjustiert, COT Commercials Nettopositionen
Chart der COMEX Silber Futures (backadjustiert) mit den Nettopositionen der Commercials aus dem Commitments of Traders (COT) Report. Der Candlestick-Chart im oberen Bereich zeigt den Preisverlauf des Gold-Futures, während die rote Linie im unteren Bereich die Netto-Positionierung der Commercials darstellt. Die Beschriftung 'COT Commercials Netto Short' in blauer Schrift weist darauf hin, dass die Commercials überwiegend Short-Positionen halten.
Abb.17b: COMEX SILVER Futures, Backadjustiert, COT Commercials Nettopositionen

In den Kursverfall hinein kaufen die Commercials, bauen Shorts ab und überschreiten beim Silber sogar kurzfristig die Null-Linie in den Long-Bereich. Im Gold-Chart habe ich mit senkrechten Linien einige Zeitpunkte markiert, an denen sich die Nettopositionen deutlich verändern. Diese Punkte fallen häufig mit Trendänderungen im Kurs zusammen.

Auch für Platin liefern die CoT-Daten brauchbare Hinweise auf die Positionierung der Commercials. Wie sich der Kurs aktuell entwickelt, steht in unserer Prognose für den Platinpreis.

Und hier kommt die wichtigste Einschränkung: Diese Veränderungen zeigen Trendwechsel nicht punktgenau an. Mal laufen sie voraus, mal hinterher, und manchmal passiert das eine ohne das andere. Diesen Satz solltest du dir über den Arbeitsplatz hängen:

Der CoT Report ist kein Timing-Instrument.

Für den Aktien- und Optionsmarkt ergänzt die Put-Call-Ratio als Sentiment-Kennzahl die CoT-Daten um eine börsentägliche Perspektive. Wer beides kombiniert, bekommt ein wöchentliches Bild aus dem Terminmarkt und ein tägliches aus dem Optionsmarkt.

Gibt es CoT Daten für Bitcoin und Ether?

Ja. Die CFTC weist Bitcoin, Micro Bitcoin, Ether und Micro Ether im Traders-in-Financial-Futures-Report der CME aus, jeweils mit derselben wöchentlichen Aufschlüsselung wie bei Währungen und Anleihen.

Wichtig zur Einordnung: Erfasst werden ausschließlich die Terminkontrakte der CME, nicht der Spot-Handel und nicht die Positionen auf Krypto-Börsen wie Binance oder Coinbase. Der Report zeigt also einen Ausschnitt des institutionellen Krypto-Handels, nicht den Gesamtmarkt.

Gerade dieser Ausschnitt ist aber aufschlussreich. Ein Blick auf den Bitcoin-Kontrakt vom 18. August 2026, Open Interest 21.760 Kontrakte zu je 5 Bitcoin, verteilt auf 125 meldepflichtige Händler:

  • Leveraged Funds stehen massiv short: 4.488 Kontrakte long gegen 11.927 short, macht 7.439 Kontrakte netto short. Diese Gruppe hält damit 54,8 Prozent des gesamten Open Interest auf der Short-Seite.
  • Asset Manager stehen dagegen long: 4.531 gegen 1.799 Kontrakte, also 2.732 netto long. Die langfristig orientierten Institutionellen positionieren sich entgegengesetzt zu den Hedgefonds.
  • Dealer und Intermediary halten 5.989 long gegen 3.018 short, das entspricht 2.971 Kontrakten netto long. Sie stellen mit 27,5 Prozent den größten Anteil der Long-Seite.

Bitcoin-Future der CME, Stand 15.09.2026

Nettopositionen aus dem Traders-in-Financial-Futures-Report, Open Interest 20.773 Kontrakte

Leveraged Funds− 6.354
netto short
Asset Manager+ 2.760
netto long
Dealer+ 3.419
netto long

Im TFF-Report treten an die Stelle der Commercials die Dealer. Quelle: CFTC, wöchentlich automatisch aktualisiert.

Die extreme Short-Position der Leveraged Funds darf man nicht als bärische Wette missverstehen. Ein großer Teil davon gehört zum sogenannten Basis-Trade: Der Fonds kauft Bitcoin am Spotmarkt oder über einen ETF und verkauft gleichzeitig den Future. Verdient wird an der Preisdifferenz zwischen beiden Märkten, nicht an fallenden Kursen. Wer die Short-Zahl isoliert liest, zieht daraus den falschen Schluss.

Damit ist auch die Grenze benannt. Bei Rohstoffen kannst du dich an den Commercials orientieren, weil dort echte Erzeuger und Verbraucher sitzen. Im Bitcoin-Kontrakt gibt es keine Produzenten im wirtschaftlichen Sinn. Die Kategorien tragen dieselben Namen, bedeuten aber etwas anderes. Die antizyklische Logik der Hedger lässt sich nicht eins zu eins übertragen.

Gibt es CoT Daten für den DAX?

Nein. Der CoT Report erfasst ausschließlich Kontrakte, die an US-Börsen unter Aufsicht der CFTC gehandelt werden. Der DAX-Future läuft an der Eurex und fällt damit nicht unter diese Meldepflicht.

Diese Frage taucht regelmäßig auf, weil viele Einsteiger den CoT Report für eine allgemeine Positionierungsstatistik halten. Das ist er nicht. Er ist ein Nebenprodukt der amerikanischen Marktaufsicht. Was nicht in den USA reguliert gehandelt wird, taucht dort auch nicht auf. Für europäische Aktienindizes, Bunds oder die Eurex-Optionen gibt es kein Gegenstück in diesem Format.

Wenn du im Netz trotzdem auf “CoT Daten DAX” stößt, steckt in aller Regel eines von drei Dingen dahinter. Erstens der Euro-FX-Future der CME, der über die Währungsseite indirekt auf europäische Märkte wirkt. Zweitens die US-Indexfutures auf S&P 500, Nasdaq und Dow Jones, die im TFF-Report stehen und deren Positionierung sich erfahrungsgemäß auf den DAX überträgt. Drittens Eigenkonstruktionen einzelner Anbieter, die mit dem CFTC-Bericht nichts zu tun haben.

Für die deutsche Marktstimmung gibt es allerdings eine echte Alternative. Das EUWAX Sentiment misst minütlich, wie Privatanleger über Hebelprodukte im DAX positioniert sind. Es ist tagesaktuell statt wöchentlich und deckt genau die Gruppe ab, die im CoT Report als Non-Reportables verschwindet.

Der CoT Report als „Barometer“ der Rohstoffmärkte

Ein Barometer misst den Luftdruck. Fällt der Druck, verschlechtert sich meist das Wetter, steigt er, wird es eher freundlich. Nur: Aus dem Luftdruck allein lässt sich keine Wettervorhersage machen. Ein fallendes Barometer heißt nicht, dass in zehn Minuten ein Gewitter losbricht. Abrupte, deutliche Änderungen sind trotzdem ein Hinweis, den man nicht ignorieren sollte.

Genau so verhält es sich mit dem CoT Report. Er ist ein Indikator für die Marktmeinung und zeigt die Stimmung der Gruppen, die die Preise bewegen. Er ist kein Timing-Instrument und schon gar keine Handlungsanweisung. Wachsende Shortpositionen der Commercials in einem Aufwärtstrend deuten auf einen möglichen Umschwung hin, sind aber keine Aufforderung, sofort short zu gehen.

Was die Daten leisten: Sie geben dir Hinweise und fordern dich auf, genauer hinzusehen. Ihren Wert entfalten sie als Puzzleteil in der Handelsvorbereitung, wenn sie andere fundamentale und technische Faktoren bestätigen. Als alleinige Entscheidungsgrundlage taugen sie nicht.

Larry Williams, Jahrgang 1942, war der erste professionelle Händler, der die Bedeutung des CoT Reports für den Rohstoffhandel systematisch erschloss. Bei den World Cup Trading Championships im Futures-Trading gelang ihm 1987 mit einem darauf aufbauenden Ansatz ein bis heute unerreichtes Ergebnis: 11.376 Prozent Rendite in einem Jahr.

Diese Zahl gehört allerdings eingeordnet. Sie stammt aus einem Wettbewerb mit sehr kleinem Startkapital und entsprechend aggressivem Risiko, und sie ist ein Einzelergebnis aus dem Jahr 1987. Als Beleg dafür, dass CoT-Daten ein tragfähiges Fundament sein können, taugt sie. Als Erwartungshaltung für das eigene Konto nicht.

Was CoT Daten leisten und wo ihre Grenzen liegen

Bevor du CoT-Daten in deinen Prozess einbaust, lohnt eine nüchterne Gegenüberstellung. Der Report hat klare Stärken, aber auch Eigenschaften, die ihn für bestimmte Handelsstile schlicht unbrauchbar machen.

Vorteile der CoT Daten

  • Amtliche Quelle, kostenlos: Die Daten kommen direkt von der US-Aufsichtsbehörde, nicht von einem Anbieter mit eigenem Interesse. Download ohne Anmeldung, ohne Abo.
  • Hohe Marktabdeckung: Die meldepflichtigen Positionen decken laut CFTC 70 bis 90 Prozent des Open Interest ab. Das ist kein Stimmungsbild aus einer Umfrage, sondern echtes Geld.
  • Lange Historie: Die Legacy-Reihe reicht bis 1986 zurück. Damit lassen sich Extremwerte über Jahrzehnte einordnen und eigene Auswertungen zurückrechnen.
  • Antizyklischer Blickwinkel: Die Commercials sind die einzige Gruppe, die systematisch gegen den Trend agiert. Das ergänzt trendfolgende Ansätze, statt sie zu doppeln.
  • Breite Abdeckung: Von Getreide über Edelmetalle und Energie bis zu Währungen, Anleihen, Aktienindizes und inzwischen Bitcoin und Ether.

Nachteile der CoT Daten

  • Drei Tage Verzögerung: Der Freitagsbericht zeigt den Stand vom Dienstag. Für Daytrading und kurzfristiges Swingtrading ist er damit wertlos.
  • Kein Timing: Extreme Positionierungen können monatelang extrem bleiben, bevor der Markt dreht. Wer daraus Einstiege ableitet, steigt regelmäßig zu früh ein.
  • Nur US-Märkte: Eurex-Kontrakte wie der DAX-Future fehlen komplett, ebenso Aktien, Devisenkassamärkte und der Krypto-Spothandel.
  • Kategorien sind unscharf: Der Legacy Report zählt Swap Dealer zu den Commercials, obwohl sie nichts produzieren. Im Bitcoin-Kontrakt gibt es gar keine echten Hedger.
  • Abhängig von einer Behörde: Während des US-Haushaltsstillstands vom 1. Oktober bis 12. November 2025 erschien sechs Wochen lang kein einziger Report.

Wo findest du aufbereitete CoT Daten kostenlos?

Den Report jede Woche selbst auszuwerten, ist machbar, aber mühsam. Die CFTC bietet die Berichte auch als Excel- und CSV-Datei an, damit lässt sich in einer Tabellenkalkulation viel automatisieren. Für die meisten reicht es aber, auf fertige Auswertungen zurückzugreifen. Fünf Anlaufstellen, die ich regelmäßig nutze.

Barchart: CoT Daten direkt im Chart

Barchart bietet unter barchart.com/futures umfangreiche Futures-Daten. Nach der Auswahl eines Rohstoffs landest du auf einer Seite mit Marktinformationen und Kontraktspezifikationen, in der auch die aktuellen CoT Daten gelistet sind.

In der Chartansicht fügst du die Daten über die Schaltfläche +Study hinzu, Stichwort “Commitment of Traders”, dann auf Apply. Die Positionen erscheinen als eigenes Panel unter dem Kurs.

Screenshot eines Charts auf barchart.com für den Natural Gas Future (NGJ23) mit COT-Daten. Der obere Bereich zeigt den Candlestick-Chart mit dem Preisverlauf des Futures, während im unteren Bereich die Commitments of Traders (COT) Daten in drei farbigen Linien visualisiert sind: Commercials (rot), Large Speculators (grün) und Small Speculators (blau). Das Menü oben ermöglicht die Anpassung des Charts mit Tools wie '+Study', 'Settings' und 'Compare'.
Abb.18d: Der Chart mit den COT Daten bei barchart.com

Die Grenze: Einen fertigen Commercial Index findest du bei Barchart nicht. Wer mit dem CoT Index arbeiten will, muss ihn selbst rechnen oder auf einen der anderen Dienste ausweichen.

TradingView: Community-Skripte für CoT-Auswertungen

TradingView ist der umfangreichste der frei zugänglichen Dienste, und fast alle Charts in diesem Artikel sind damit erstellt. Für CoT-Daten öffnest du im Chart den Menüpunkt Indikatoren, suchst nach “Commitment of Traders” und stellst die Suche gegebenenfalls auf Community-Skripte um.

Screenshot der Indikatoren-Suche in TradingView zum Hinzufügen von COT-Daten. Oben ist der Menüpunkt 'Indikatoren' grün umrandet. In der Suchleiste wurde 'commi' eingegeben (markiert mit einer blauen Nummer ①). Links ist die Kategorie 'Community Skripte' blau umrandet (②). In der Ergebnisliste ist 'Commitment of Traders: Total' blau umrandet und mit einer Nummer ③ markiert. Zwei rote Pfeile zeigen von der Suchleiste auf die ausgewählte Option.
Abb.19d: Die COT Daten hinzufügen

In der Trefferliste heißt es probieren. Über das Dokumentsymbol rechts rufst du die Beschreibung eines Skripts ab, über das Sternchen links legst du es in deine Favoritenliste. Das spart bei der nächsten Suche viel Zeit, denn es gibt hunderte Skripte zu diesem Thema. Eine Übersicht findest du unter Indikatoren und Strategien zum Thema CoT auf TradingView.

Screenshot einer Liste mit nützlichen Indikatoren in TradingView. Die Liste enthält verschiedene Indikatoren mit gelben Sternmarkierungen, darunter 'Commercial Index-Buschi', 'Commitment of Traders: Legacy Metrics', 'Commitment of Traders: Total', 'CoT Data', 'Moving Average', 'Open Interest-Buschi', 'Volumen' und 'Williams Percent Range'. Neben den Indikatoren stehen die Namen der Ersteller, wie 'MagicEins' und 'TradingView', in blauer Schrift.
Abb.19f: Eine Auswahl nützlicher Indikatoren in TradingView

Die Grenze: Community-Skripte sind nicht geprüft. Rechenlogik und Periodeneinstellung unterscheiden sich von Skript zu Skript, zwei Indikatoren mit demselben Namen können unterschiedliche Werte anzeigen. Prüfe im Zweifel gegen die Rohdaten der CFTC.

Wellenreiter-Invest

Wellenreiter Invest ist ein deutschsprachiger Börsenbrief, der die CoT-Daten regelmäßig auswertet. Auf der Website steht eine tabellarische Übersicht bereit, die erweiterte Fassung mit Long- und Short-Positionierung der Commercials, Veränderung zur Vorwoche und Anteil am Open Interest gehört zum kostenpflichtigen Abo.

Grafische Darstellung der COT-Daten für Gold von Wellenreiter Invest, datiert auf den 31.01.2023. Die Grafik zeigt die Netto-Positionen verschiedener Marktteilnehmer: Commercials (blau), Large Speculators (rot) und Small Speculators (grün). Zusätzlich ist der Goldpreis in Grau dargestellt. Die Achsen zeigen die Anzahl der Kontrakte sowie den Preisverlauf. Die Commercials weisen eine stark negative Nettoposition auf, während die Large Speculators überwiegend Long-Positionen halten.
Abb.20b: COT Daten für Gold, graphisch, Wellenreiter Invest

Neben den CoT-Daten gibt es dort Grafiken zur Marktstruktur, etwa zum Sentiment und zu saisonalen Mustern. Für deutschsprachige Leser ist das eine der wenigen Quellen, die die Daten redaktionell einordnet statt sie nur auszugeben.

Suricate Trading

Suricate Trading ist ein Team von Eigenhändlern, das die CoT-Daten mit weiteren Bausteinen wie dem Volume Profile kombiniert und diesen Ansatz in Seminaren vermittelt. Auf der Website werden die Daten tabellarisch und grafisch aufbereitet.

COT-Daten von Suricate Trading für den Dow Jones und andere Indizes, Stand 03.01.2023. Die Tabelle zeigt das Open Interest sowie die Netto-Positionen von Commercials (rot), Large Traders (blau) und Small Traders (grün) mit deren Veränderung zur Vorwoche. Die grafische Darstellung unten visualisiert die Entwicklungen der Positionierungen, wobei Commercials (rot) überwiegend Long-Positionen halten, während Large Traders (blau) Netto-Short sind. Die Small Traders (grün) haben vergleichsweise geringe Positionen.
*Abb.21: Die COT Daten bei Suricate Trading 

Zur Einordnung: Der Anbieter verweist auf Kontoauszüge und Wettbewerbsteilnahmen. Solche Angaben sind Eigendarstellung und von außen nicht vollständig prüfbar. Sie sagen außerdem nichts darüber aus, welche Ergebnisse Seminarteilnehmer erzielen. Die frei zugängliche Datenübersicht ist unabhängig davon brauchbar.

InsiderWeek: das umfangreichste kostenlose CoT-Tool

InsiderWeek handelt Futures auf Grundlage einer CoT-Strategie. Nach eigenen Angaben lernte Gründer Max Schulz den Umgang mit den Daten bei Larry Williams. Er veröffentlicht tägliche Handelspläne, wöchentliche Marktberichte und legt seine Trades auf der Website und im Telegram-Kanal offen. Angaben zur Entwicklung des eigenen Kontos sind dabei Eigendarstellung des Anbieters.

Interessant ist vor allem das kostenlose CoT Tool. Es wertet derzeit rund 41 der liquidesten Rohstoffmärkte aus, tabellarisch und mit interaktiven Charts. Qualität und Funktionsumfang liegen auf dem Niveau kostenpflichtiger Dienste, und im Gegensatz zu Barchart ist der CoT Index direkt enthalten.

Screenshot der graphischen Darstellung des COT-Tools auf InsiderWeek, gezeigt am Beispiel Heating Oil. Der Chart enthält mehrere Indikatoren: Preise (grün), Commercials (rot), Large Speculators (blau), Small Traders (grün), Open Interest (schwarz) und den COT-Index (rot). Die x-Achse zeigt den Zeitraum von 2019 bis 2023, während die y-Achsen die Werte der verschiedenen Indikatoren anzeigen. Die interaktive Benutzeroberfläche ermöglicht die Anpassung des Zeitraums und den Zugriff auf weitere COT-Daten.
Abb.22b: Die graphische Aufbereitung der Daten im COT Tool auf InsiderWeek, hier am Beispiel Heating Oil , die Charts sind interaktiv aufbereitet.

Gerade bei kleinen, konzentrierten Märkten liefert die Positionierung wertvolle Hinweise. Palladium ist so ein Fall, denn drei Viertel der Weltproduktion stammen aus nur zwei Ländern. Details dazu in der Palladium Marktanalyse.

Auch im deutschsprachigen Raum gibt es weitere Werkzeuge. Martin Goersch bietet ein CoT-MasterClass-Plugin an, das die Positionsdaten aufbereitet und daraus Handels-Setups ableitet. Was das kostet und was sonst zu seinem Angebot gehört, steht in unserem Bericht zu Martin Goersch und seiner Software.

Fazit: für wen sich der CoT Report lohnt

Der CoT Report zeigt dir, wie die größten Akteure an den US-Terminmärkten positioniert sind, und er zeigt es dir kostenlos und aus amtlicher Quelle. Du weißt jetzt, wie der Bericht aufgebaut ist, wie du Nettopositionen bildest, wie der CoT Index rechnet und wo du fertige Auswertungen findest. Das ist ein vollständiges Werkzeug, kein Ausschnitt.

Seine Grenze ist klar umrissen: Der Bericht erscheint wöchentlich und ist beim Erscheinen drei Tage alt. Für Daytrader ist er damit ohne Nutzen. Extreme Positionierungen können außerdem monatelang extrem bleiben. Wer daraus Einstiege ableitet, steigt zu früh ein und zahlt dafür. Ich nutze die Daten deshalb ausschließlich als Hintergrundfilter: Sie sagen mir, in welche Richtung ich in einem Markt überhaupt schauen will, nicht wann ich handle.

Den größten Nutzen ziehen Swingtrader, die auf Basis von End-of-Day-Daten arbeiten. Bewährt hat sich dieser Ablauf: am Wochenende die Daten herunterladen und auswerten, daraus einen Handelsplan für die Folgewoche ableiten, und Einstieg, Positionsmanagement und Ausstieg dann auf Tagesbasis umsetzen. Das hält die tägliche Belastung gering und ist auch nebenberuflich machbar.

Wenn du tiefer einsteigen willst, sind drei Bücher die Standardausstattung. Es handelt sich durchweg um ältere Ausgaben, die teilweise seit Langem keine Neuauflage erfahren haben, gebraucht oder als E-Book sind sie aber meist zu bekommen.

  • Larry Williams: “Trade Stocks and Commodities with the Insiders: Secrets of the COT Report”, Wiley, 2005. Deutsch als “Aktien und Rohstoffe erfolgreich traden”, Börsenmedien AG, 2006.
  • Floyd Upperman: “Commitments of Traders: Strategies for Tracking the Market and Trading Profitably”, Wiley, 2006. Deutsch als “Commitments of Traders: Profitable Insider-Strategien”, FinanzBuch Verlag, 2006.
  • Stephen Briese: “The Commitments of Traders Bible”, Wiley, 2008. Das umfangreichste Werk zum Thema, eine deutsche Übersetzung existiert nicht.

Häufige Fragen zu CoT Daten und CoT Report

Was sind CoT Daten?

CoT Daten sind die wöchentlich veröffentlichten Positionsdaten aus dem Commitments of Traders Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC. Sie zeigen für jeden US-Terminkontrakt, wie viele Long- und Shortkontrakte die einzelnen Händlergruppen halten. Aus Long minus Short ergibt sich die Nettoposition, die eigentliche Kennzahl für die Analyse.

Wann werden die CoT Daten veröffentlicht?

Die CFTC veröffentlicht den Report jeden Freitag um 15:30 Uhr New Yorker Zeit, in Deutschland also um 21:30 Uhr. Die Zahlen stammen vom Dienstag derselben Woche zu Börsenschluss. Daraus ergibt sich ein Zeitversatz von drei Handelstagen. An US-Feiertagen verschiebt sich der Termin.

Was ist der Unterschied zwischen Commercials und Non-Commercials?

Commercials sind Erzeuger, Verarbeiter und Händler eines Rohstoffs. Sie nutzen den Terminmarkt zur Absicherung und handeln deshalb antizyklisch: In steigende Kurse hinein bauen sie Shorts auf. Non-Commercials sind große Spekulanten wie Fonds und Banken, die an der Preisbewegung verdienen wollen und meist trendfolgend agieren. Beide Gruppen stehen sich als Gegenparteien gegenüber.

Wie berechnet man den CoT Index?

Der CoT Index setzt die aktuelle Nettoposition ins Verhältnis zu Höchst- und Tiefstwert eines Zeitraums, üblich sind 26 oder 52 Wochen. Die Formel lautet: aktueller Wert minus Minimum, geteilt durch Maximum minus Minimum, mal 100. Das Ergebnis liegt zwischen 0 und 100 Prozent. Werte unter 25 gelten als Sell-Zone, Werte über 75 als Buy-Zone.

Gibt es CoT Daten für Bitcoin?

Ja. Bitcoin, Micro Bitcoin, Ether und Micro Ether stehen im Traders-in-Financial-Futures-Report der CME. Erfasst wird allerdings nur der Terminhandel an der CME, nicht der Spotmarkt und nicht die Krypto-Börsen. Ein großer Teil der Short-Positionen der Leveraged Funds gehört zum Basis-Trade und ist keine Wette auf fallende Kurse.

Gibt es CoT Daten für den DAX?

Nein. Der CoT Report erfasst ausschließlich Kontrakte an US-Börsen unter Aufsicht der CFTC. Der DAX-Future läuft an der Eurex und fällt nicht unter diese Meldepflicht. Als Ersatz für die deutsche Marktstimmung eignet sich das EUWAX Sentiment der Börse Stuttgart, das die Positionierung von Privatanlegern in Hebelprodukten minütlich misst.

Sind CoT Daten für Daytrading geeignet?

Nein. Der Report erscheint nur einmal pro Woche und ist beim Erscheinen bereits drei Tage alt. Für Intraday-Entscheidungen ist er damit unbrauchbar. Sinnvoll einsetzbar ist er im Swing- und Positionstrading auf Basis von End-of-Day-Daten, und dort als Hintergrundfilter, nicht als Einstiegssignal.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.

In den späten 1980er-Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und brachte dessen zehn Bücher ins Deutsche. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Die US-Terminmärkte begleiten Karsten seit den 1980er-Jahren, und der CoT Report gehört seitdem zu seiner wöchentlichen Marktvorbereitung. Aus dieser Praxis heraus beurteilt er, welche Aussagekraft eine Positionierung der Commercials tatsächlich hat und wo die Grenzen des Berichts liegen. Für dieses Update wurden alle Zahlen gegen die Originalberichte der CFTC vom 18. August 2026 geprüft.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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