Ein Trading-Plan ist ein schriftliches Regelwerk, das sämtliche Aspekte des eigenen Handelsansatzes strukturiert – von den persönlichen Zielen über die Chartanalyse und das Risikomanagement bis hin zur Trading-Psychologie.
Wer ohne Plan tradet, trifft in Stresssituationen emotionale Entscheidungen – und verliert langfristig Geld. Ich trade seit 1978 aktiv an den Finanzmärkten und habe in meinen ersten beiden Jahren genau diesen Fehler gemacht. Erst ein klar strukturierter Trading-Plan hat dafür gesorgt, dass ich dauerhaft profitabel wurde.
In diesem Artikel zeige ich Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihren eigenen Trading-Plan erstellen. Sie erfahren, welche vier Kernbereiche jeder Plan enthalten muss, wie Sie die 1-Prozent-Regel anwenden und warum ein Trading-Tagebuch den Unterschied zwischen Anfänger und Profi ausmacht. Dazu erhalten Sie ein konkretes Praxisbeispiel aus meinem eigenen Handel und eine Checkliste für Price-Action-Trader.
Der Trading-Plan erklärt in
30 Sekunden
- Trading-Plan = schriftliches Regelwerk für sämtliche Handelsentscheidungen – von der Analyse über den Einstieg bis zum Ausstieg
- 4 Kernbereiche: Chartanalyse, fundamentale Analyse, Money-Management und Trading-Psychologie
- Risiko pro Trade: maximal 1–2 % des Handelskapitals – diese Regel schützt vor dem Totalverlust des Kontos
- Chartanalyse: immer vom Groben ins Feine analysieren – zuerst den Tageschart (D1), dann den Handelszeitrahmen (z. B. H4)
- Handschriftlich festhalten und regelmäßig aktualisieren – wer seinen Plan aufschreibt, setzt sich intensiver mit jedem Punkt auseinander
- Trading-Tagebuch ergänzt den Trading-Plan zur systematischen Selbstkontrolle und Verbesserung
- Trading-Plan ≠ Trading-Strategie: Der Plan umfasst neben der Strategie auch Psychologie, Risikomanagement und persönliche Regeln
Was ist ein Trading-Plan?
Sie können sich den Trading-Plan wie die Checkliste eines Piloten vorstellen: Bevor er auf das Startfeld rollt, arbeitet er ein Buch mit allen wichtigen Kontrollpunkten durch. Genau das ist auch der Trading-Plan – eine Liste, die Sie schrittweise abarbeiten, bevor Sie eine Position im Markt eröffnen.
Ein guter Trading-Plan deckt vier Kernbereiche ab: die Chartanalyse, die fundamentale Analyse, das Money-Management und die Trading-Psychologie. Zusammen bilden diese vier Säulen das Fundament für jede Handelsentscheidung.
Ein Trading-Plan muss handschriftlich festgelegt werden. Verwenden Sie dazu einen Block oder ein Notizbuch und schreiben Sie Ihre eigenen Ansichten und Regeln persönlich auf. Das bedeutet nicht, dass dieser Plan für Ihr gesamtes Tradingleben Gültigkeit behält – er muss verbessert, detaillierter und zielgerichteter werden.
Lesetipp: Traden lernen – alles, was Sie wirklich wissen müssen
Trading-Plan vs. Trading-Strategie – der Unterschied
Der Unterschied zwischen Trading-Plan und Trading-Strategie besteht darin, dass der Plan deutlich umfassender ist als die reine Strategie.
Eine Trading-Strategie definiert konkrete Ein- und Ausstiegsregeln auf Basis technischer oder fundamentaler Analyse – zum Beispiel: „Kaufe, wenn der Kurs den 200-Tage-EMA nach oben durchbricht.”
Der Trading-Plan hingegen umfasst zusätzlich:
- Persönliche Ziele und Motivation
- Risiko- und Money-Management-Regeln
- Fundamentale Faktoren und Wirtschaftskalender
- Psychologische Regeln für den Umgang mit Verlusten und Emotionen
- Ein Trading-Tagebuch zur Dokumentation und Verbesserung
Wer nur eine Strategie hat, aber keinen Plan, trifft in Stresssituationen emotionale Entscheidungen. Der Trading-Plan ist der Rahmen, der Ihre Strategie in ein vollständiges Handelskonzept einbettet.
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Warum ist ein Trading-Plan so wichtig?
Ich halte den Trading-Plan für äußerst sinnvoll – vor allem aus zwei Gründen:
Erstens: Struktur. Zu Beginn meiner Trading-Laufbahn war ich dem sogenannten Verlust-Framing total erlegen und habe planlos getradet. Ich wusste eigentlich nicht, was ich tat, und habe mich in einzelnen Bereichen verrannt, ohne das große Ganze zu sehen. Mit dem Trading-Plan habe ich mein Trading in Module und Unterbereiche eingeteilt und einen Ablauf geschaffen, den ich immer wieder abarbeite.
Zweitens: Disziplin. Disziplin ergibt sich bereits aus der Arbeit am und mit dem Trading-Plan. Indem Sie alles aufschreiben, zusammenfassen und strukturieren, arbeiten Sie kontinuierlich und diszipliniert. Selbst wenn Sie den Plan nicht immer bei sich haben, kennen Sie ihn irgendwann auswendig und handeln automatisch nach diesem Muster.
Ohne einen Trading-Plan laufen Trader Gefahr, ihr Kapital durch unüberlegte, emotionsgetriebene Entscheidungen zu verlieren. Ein Plan ist der erste Schritt zur langfristigen Profitabilität.
13 Trading-Indikatoren, die du kennen musst

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Trading-Plan erstellen: Anleitung in 7 Schritten
[BILD: trading-plan-erstellen-7-schritte.svg] ALT: Flowchart: Trading-Plan erstellen in 7 Schritten – von Ziele definieren über Chartanalyse und Risikomanagement bis zum Trading-Tagebuch, mit Rückpfeil für regelmäßige Anpassung Bildunterschrift: Trading-Plan erstellen: Die 7 Schritte im Überblick (Quelle: kagels-trading.de)
Schritt 1 – Ziele und Motivation definieren
Bevor Sie eine einzige Chartanalyse durchführen, müssen Sie sich über Ihre persönlichen Ziele im Klaren sein. Fragen Sie sich:
- Warum möchte ich traden? Zusatzeinkommen, Vermögensaufbau oder Hauptberuf?
- Welche realistische Rendite strebe ich an? (Beispiel: „5 % Rendite in 6 Monaten”)
- Wie viel Zeit kann und will ich täglich für das Trading aufwenden?
Setzen Sie sich messbare, realistische Ziele. „Ich will reich werden” ist kein Ziel – „Ich möchte in den nächsten 12 Monaten meine Strategie profitabel auf einem Demokonto handeln” hingegen schon.
Schritt 2 – Märkte und Zeitrahmen festlegen
Nicht alle Märkte sind für jeden Trader geeignet. Legen Sie fest, welche Anlageklassen Sie handeln möchten:
- Forex (Währungspaare) – hohe Liquidität, große Hebelwirkung
- Aktienindizes (DAX, S&P 500) – für Daytrader und Swing-Trader
- Aktien – für Swing-Trader und Positionstrader
- Rohstoffe (Gold, Öl) – für fundamentale und saisonale Trader
- Zinsmärkte (Anleihen) – reagieren stark auf Zentralbankentscheidungen
- Kryptowährungen – hochvolatil, für risikobereite Trader
Definieren Sie außerdem Ihren Handelszeitrahmen: Sind Sie Scalper (Minuten), Daytrader (Stunden), Swing-Trader (Tage) oder Positionstrader (Wochen/Monate)? Der Zeitrahmen bestimmt maßgeblich Ihren Einsatz, Ihr Risiko und Ihre Analysemethodik.
Lesetipp: Was ist Daytrading? Erklärung und Schnelleinstieg
Schritt 3 – Chartanalyse strukturieren (vom Groben ins Feine)
Die Chartanalyse ist in den meisten Fällen der erste Schritt zu Ihrem Trade. In meinem Trading-Plan steht an erster Stelle: vom Groben ins Feine.
Das bedeutet konkret: Mein bevorzugter Handelszeitrahmen ist der 4-Stunden-Chart (H4). Bevor ich dort eine Analyse beginne, schalte ich einen Zeitrahmen höher – in den Tageschart (D1). Dort analysiere ich:
- Das Trendverhalten: Steigt der Kurs oder fällt er?
- Widerstandszonen: Bereiche, an denen der Kurs abprallt oder reagiert
Erst wenn ich den übergeordneten Trend erkannt und die wichtigen Zonen eingezeichnet habe, wechsle ich in den H4-Chart und mache dort dasselbe. Dieser Ansatz verhindert, dass ich eine kurzfristige Korrektur im H4 fälschlicherweise als Trendwende interpretiere.
Sichern Sie Ihre Einstiege technisch ab und stellen Sie sich folgende Fragen:
- Stimmen Trendrichtung im H4 und D1 überein?
- Liegt mein Einstieg mit oder gegen die Trendrichtung?
- Sind Widerstandszonen im D1 und H4 gleich oder ähnlich?
- Liegt mein Signal nahe einer Widerstandszone?
Ziel dieser Fragen ist es, Ihren Trade auf eine solide technische Grundlage zu stellen.
Lesetipp: Price Action Trading – der ultimative Guide und Chartanalyse erklärt – der Guide für Trader
Schritt 4 – Fundamentale Analyse und Wirtschaftskalender einplanen
Jedes am Markt gehandelte Produkt unterliegt Einflüssen von außen – wirtschaftlicher oder politischer Natur. Diese müssen in Ihren Trading-Plan integriert werden.
Nutzen Sie einen Wirtschaftskalender und filtern Sie nach den wichtigsten Nachrichten:
- Zinsentscheidungen der EZB oder Fed
- Arbeitsmarktdaten (z. B. US Non-Farm Payrolls)
- Politische Ereignisse (Wahlen, geopolitische Spannungen)
Schreiben Sie die relevanten Termine in Ihren Trading-Plan. Wenn beispielsweise am Donnerstag die Zinsentscheidung der EZB ansteht, passen Sie Ihre bestehenden Positionen vorher an oder warten die Bewegung ab.
Besonders wichtig: das Gap-Risiko. Wenn ein marktbewegendes Ereignis über das Wochenende stattfindet (z. B. eine Wahl), kann eine Kurslücke (Gap) entstehen. Ihr Stop-Loss wird dann nicht am vorgesehenen Kurs ausgeführt, sondern erst bei der Eröffnung – der tatsächliche Verlust fällt deutlich höher aus als geplant. Vor solchen Ereignissen ist es besser, Positionen mit einem kleinen Gewinn oder Verlust zu schließen, anstatt ein großes Risiko einzugehen.
Schritt 5 – Risiko- und Money-Management festlegen
Die 1-Prozent-Regel besagt, dass ein Trader pro Trade maximal 1 % seines Gesamtkapitals riskieren sollte. Bei einem Konto von 10.000 € bedeutet das: Ihr maximaler Verlust pro Trade beträgt 100 €.
Halten Sie in Ihrem Trading-Plan detailliert fest:
- Maximales Risiko pro Trade: 0,5–2 % des Handelskapitals
- Positionsgröße: abhängig vom Stop-Loss-Abstand und dem Risiko pro Trade
- Stop-Loss-Platzierung: technisch begründet, nicht emotional
- Chancen-Risiko-Verhältnis (CRV): Mindestens 1:2 – für 1 € Risiko sollten mindestens 2 € Gewinnpotenzial vorhanden sein
Der Einsatz muss vom Zeitrahmen abhängen: Je größer der Analyse-Zeitrahmen, desto kleiner sollte der Einsatz sein, weil die Kursausschläge größer werden.
Lesetipp: Risikomanagement im Trading – der komplette Guide und Money Management im Trading
Schritt 6 – Ein- und Ausstiegsregeln definieren
Ihr Trading-Plan muss klare Regeln enthalten, die festlegen:
- Einstiegssignal: Unter welchen Bedingungen eröffnen Sie eine Position? (z. B. Ausbruch über eine Widerstandszone bei steigendem Volumen)
- Stop-Loss: Wo wird die Position bei einem Verlust geschlossen? (technisch begründet, z. B. unterhalb des letzten Swing-Tiefs)
- Gewinnziel (Take Profit): Wo nehmen Sie Gewinne mit?
- Trailing Stop: Ziehen Sie den Stop nach, um Gewinne zu sichern?
Trading-Regeln vs. Trading-Richtlinien: Eine wichtige Unterscheidung aus der Praxis des Price Action Tradings:
- Trading-Regeln sind starr und dürfen nicht gebrochen werden. Sie gewährleisten Konsistenz. Beispiel: „Ich riskiere nie mehr als 2 % pro Trade.”
- Trading-Richtlinien sind flexibel und können bei triftigen Gründen angepasst werden. Sie ermöglichen den Umgang mit sich verändernden Marktbedingungen. Beispiel: „Ich bevorzuge bullische Signalkerzen für Long-Trades – aber in einem klaren Abwärtstrend kann ich auch bärische Kerzen als Short-Signal nutzen.”
Diese Unterscheidung ist besonders für diskretionäre Trader wichtig, die nach eigenem Ermessen handeln. Mit festgelegten Regeln und Richtlinien können Sie Ihre Regeln nicht mehr unter dem Deckmantel von „nach eigenem Ermessen” brechen.
Lesetipp: Trading Setups: der ultimative Guide
Schritt 7 – Trading-Tagebuch führen und Plan regelmäßig überprüfen
Ein Trading-Tagebuch ist ein Protokoll aller durchgeführten Trades zur systematischen Auswertung und Verbesserung des eigenen Handels.
Halten Sie für jeden Trade fest:
- Datum, Markt, Zeitrahmen
- Einstiegs- und Ausstiegskurs
- Grund für den Trade (welches Setup?)
- Ergebnis (Gewinn/Verlust)
- Screenshots des Charts
- Ihre emotionale Verfassung während des Trades
Das Trading-Tagebuch zeigt Ihnen Muster in Ihrem Verhalten: Vielleicht traden Sie nach Verlusten riskanter, oder Sie brechen Ihre Regeln in bestimmten Marktphasen. Diese Selbsterkenntnis ist der Schlüssel zur Verbesserung.
Überprüfen Sie Ihren Trading-Plan mindestens einmal pro Quartal und passen Sie ihn an, wenn sich Ihre Erfahrung, Ihre Ziele oder die Marktbedingungen verändert haben.
Lesetipp: Trading Journal: Software für das Trading-Tagebuch
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Trading-Plan Beispiel: So sieht mein Handelsplan aus
Um den Trading-Plan greifbar zu machen, hier ein vereinfachtes Beispiel aus meiner eigenen Praxis als Price-Action-Trader:
Ziel: Konsistente Trading-Gewinne bei kontrolliertem Risiko.
Märkte: EUR/USD, DAX, Gold, Aktien, Bitcoin – ausschließlich liquide Märkte mit engen Spreads.
Zeitrahmen: H4 als Handelszeitrahmen, D1 als übergeordneter Filter.
Chartanalyse: Vom Groben ins Feine. Zuerst D1 analysieren (Trend, Widerstandszonen), dann H4 für das konkrete Setup.
Fundamentale Analyse: Wirtschaftskalender jeden Sonntag für die kommende Woche prüfen. Vor EZB-/Fed-Sitzungen keine neuen Positionen eröffnen.
Risikomanagement:
- Maximal 1 % Risiko pro Trade
- Stop-Loss immer technisch begründet (unter/über dem letzten Swing-Punkt)
- Mindest-CRV: 1:2
- Keine Position über ein Wochenende mit anstehendem politischen Ereignis halten
Ein-/Ausstiegsregeln:
- Long nur bei Aufwärtstrend im D1 und bullischem Signal im H4
- Stop-Loss unter dem letzten Swing-Tief
- Take Profit an der nächsten signifikanten Widerstandszone
Psychologie-Regeln:
- Nach 2 Verlusten in Folge: Pause bis zum nächsten Handelstag
- Keine Positionsveränderungen während eines laufenden Trades
- Trading-Tagebuch nach jedem Handelstag aktualisieren
Dieses Beispiel soll Ihnen zeigen, wie ein Trading-Plan in der Praxis aussieht. Ihr eigener Plan wird anders aussehen – denn ein Trading-Plan ist ein individuelles Meisterstück, das nur für Sie funktioniert.
Checkliste für einen Price-Action-Trading-Plan
Das Entwickeln eines Price-Action-Trading-Plans ist eine Herausforderung. Nutzen Sie die folgende Checkliste, um alle wesentlichen Bereiche abzudecken:
Marktaussichten und Kontext:
- Wie bestimmen Sie die Märkte und Zeitrahmen?
- Gibt es Tageszeiten, in denen Sie nicht handeln sollten?
- Wie gehen Sie mit Wirtschaftsnachrichten um?
Markttendenz:
- Wie bestimmen Sie den Trend?
- Was ist Ihr Plan, wenn Sie sich der Markttendenz nicht sicher sind?
Marktstruktur:
- Wie kennzeichnen Sie Unterstützung und Widerstand?
- Wie ordnen Sie die Priorität verschiedener Zonen ein?
Einstieg:
- Wie identifizieren Sie ein Setup?
- Laufen Sie einem Markt nach, wenn er ohne Sie losläuft?
Trade-Management:
- Wie realisieren Sie Gewinne?
- Was ist die Begründung für Ihre Stop-Loss-Platzierung?
Risiko-Management:
- Wie bestimmen Sie Ihre Positionsgröße?
- Wie gehen Sie mit aufeinanderfolgenden Verlusten um?
Bewertung:
- Wie dokumentieren Sie Ihre Trades?
- Woran messen Sie Ihren Erfolg – an Gewinnen oder an Disziplin?
Bemühen Sie sich ernsthaft, diese Fragen zu beantworten. Wenn Sie dies tun, sind Sie besser vorbereitet als die meisten Trader.
Trading-Psychologie im Handelsplan
Verlust-Framing vermeiden
Das Verlust-Framing bezeichnet die psychologische Falle, nach einer Serie von Verlusten das Risiko zu erhöhen, um die Verluste schnell auszugleichen.
Stellen Sie sich vor: Sie eröffnen einen Trade und verlieren. Der zweite Trade bringt ebenfalls Verlust. Beim dritten Trade sind Sie bereit, noch mehr zu riskieren, weil Sie den Verlust „unbedingt wieder hereinholen” wollen. In mindestens 95 % der Fälle geht das nicht gut – dieses Verhalten räumt Ihr Konto relativ schnell leer.
Halten Sie deshalb in Ihrem Trading-Plan schriftlich fest, was Sie im Falle eines Verlusts tun werden:
- Nach wie vielen Verlusten in Folge machen Sie Pause?
- Erhöhen Sie unter keinen Umständen das Risiko nach einem Verlust
- Kein spontaner Einstieg in einen weiteren Trade aufgrund eines anderen Charts
Willenskraft und Disziplin stärken
Jeder Trade verbraucht Willenskraft. Je mehr Trades Sie eingehen, desto wahrscheinlicher verlieren Sie die Kontrolle. Daraus ergeben sich konkrete Empfehlungen:
- Weniger Trades eingehen: Konzentrieren Sie sich auf einen Trade unter vollständiger Kontrolle statt auf ein Dutzend ohne Plan
- Minimalistischer Tradingansatz: Ein Markt, ein Zeitrahmen, eine Methode – das spart Entscheidungsenergie
- Gute Gewohnheiten aufbauen: Platzieren Sie immer sofort Stop-Loss und Take-Profit, wenn Sie einen Trade eröffnen. Sobald das zur Gewohnheit wird, brauchen Sie keine Willenskraft mehr dafür
- Kapital auf dem Tradingkonto begrenzen: Überweisen Sie nicht Ihr gesamtes Risikokapital. Heben Sie regelmäßig Gewinne ab
Häufige Fehler beim Trading-Plan
- Keinen Plan haben: Der häufigste Fehler. Ohne Plan handeln Sie emotional.
- Plan nicht einhalten: Ein Plan, der in der Schublade liegt, nützt nichts. Arbeiten Sie ihn vor jedem Trade ab.
- Zu komplex: Ein guter Trading-Plan hat etwa 10 klare Regeln. Mehr verwirrt.
- Keine regelmäßige Überprüfung: Märkte ändern sich, Ihre Erfahrung wächst – passen Sie den Plan an.
- Verlust-Framing: Nach Verlusten das Risiko erhöhen ist der schnellste Weg zum Kontoverlust.
- Positionen spontan verändern: Wenn Sie während eines laufenden Trades den Stop verschieben oder das Gewinnziel ändern, handeln Sie gegen Ihren eigenen Plan.
Fazit: Warum ein Trading-Plan über Erfolg und Misserfolg entscheidet
Ein Trading-Plan ist das wichtigste Werkzeug, das ein Trader besitzen kann. Er strukturiert Ihr Handeln, schützt Sie vor emotionalen Fehlentscheidungen und gibt Ihnen einen wiederholbaren Ablauf, der Sie langfristig erfolgreicher macht.
Aus meiner eigenen Erfahrung – ich trade seit über 45 Jahren – kann ich sagen: Ohne eigenen Trading-Plan werden Sie di ersten Jahre nicht überleben. Erst die Struktur, die klaren Regeln und die schriftliche Fixierung Ihrer Analyse, Ihres Risikomanagements und Ihrer psychologischen Leitplanken werden dafür sorgen, dass Sie dauerhaft profitabel werden können.
Mein Rat: Nehmen Sie sich die Zeit und erstellen Sie Ihren eigenen Trading-Plan. Schreiben Sie alles klar und sauber auf. Arbeiten Sie daran. Ein Trading-Plan wird mit der Zeit immer besser und immer ausführlicher. Und denken Sie daran: Bei einem Trading-Plan geht es nicht um den Markt – es geht um Sie.
Lesetipp: Die 7 besten Trading-Strategien
Häufige Fragen zum Trading-Plan
Was ist ein Trading-Plan?
Ein Trading-Plan ist ein schriftliches Regelwerk, das die Handelsstrategie, Ziele, Risikomanagement-Regeln und psychologische Leitplanken eines Traders enthält. Er dient als Checkliste vor jedem Trade.
Was ist der Unterschied zwischen Trading-Plan und Trading-Strategie?
Eine Trading-Strategie definiert konkrete Ein- und Ausstiegsregeln. Der Trading-Plan ist umfassender und beinhaltet zusätzlich Risikomanagement, Psychologie, Ziele und persönliche Regeln.
Wie erstelle ich einen Trading-Plan Schritt für Schritt?
Beginnen Sie mit Ihren Zielen, legen Sie Märkte und Zeitrahmen fest, strukturieren Sie Ihre Chartanalyse, integrieren Sie den Wirtschaftskalender, definieren Sie Risiko- und Money-Management-Regeln, legen Sie Ein-/Ausstiegsregeln fest und führen Sie ein Trading-Tagebuch.
Was ist die 1-Prozent-Regel im Trading?
Die 1-Prozent-Regel besagt, dass Sie pro Trade maximal 1 % Ihres Gesamtkapitals riskieren sollten. Bei einem 10.000-€-Konto beträgt Ihr maximaler Verlust pro Trade somit 100 €.
Wie oft sollte ich meinen Trading-Plan überprüfen?
Mindestens einmal pro Quartal oder wenn sich Marktbedingungen wesentlich ändern. Das Trading-Tagebuch liefert die Daten für diese Überprüfung.
Warum ist ein Handelsplan wichtig?
Ein Handelsplan hilft, emotionale Entscheidungen zu vermeiden, das Risiko zu kontrollieren und das Trading systematisch zu verbessern. Ohne Plan handeln Trader impulsiv und verlieren häufiger Geld.
Sollte ein Trading-Plan handschriftlich sein?
Ja, das handschriftliche Aufschreiben zwingt Sie, sich intensiv mit jedem Punkt auseinanderzusetzen. Der Plan sollte physisch greifbar sein und Sie an jedem Handelstag begleiten.
Kann ein Trading-Plan garantieren, dass ich erfolgreich trade?
Nein. Ein Trading-Plan verbessert Ihre Erfolgschancen, indem er Struktur, Disziplin und Risikokontrolle bietet. Eine Garantie für Gewinne gibt es im Trading nicht.
Gibt es eine Trading-Plan-Vorlage zum Download?
Wir planen eine kostenlose PDF-Vorlage mit allen 7 Schritten und einer Checkliste. Sobald diese verfügbar ist, finden Sie den Download-Link an dieser Stelle.
Was gehört in ein Trading-Tagebuch?
Datum, Markt, Zeitrahmen, Einstiegs-/Ausstiegskurs, Grund für den Trade, Ergebnis (Gewinn/Verlust), Chart-Screenshot und Ihre emotionale Verfassung während des Trades.
Über den Autor: Karsten Kagels
Inhaltlich geprüft von: Christian Möhrer
Karsten Kagels ist der Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und seit 1978 aktiver Trader an den internationalen Finanzmärkten. Er handelt Forex, Aktienindizes, Aktien, Rohstoffe, Zinsmärkte und Kryptowährungen als diskretionärer Price-Action-Trader.
In den späten 1980er-Jahren übersetzte Karsten Kagels die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Anschließend war er 17 Jahre lang der Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und veröffentlichte alle 10 Fachbücher von Ross in deutscher Sprache.
Den Trading-Plan bewertet Karsten Kagels als das wichtigste Werkzeug für jeden Trader – eine Überzeugung, die auf über vier Jahrzehnten eigener Markterfahrung basiert. Mehr über Karsten erfahren Sie auf seiner Autorenseite.








