Wenn du einen Kurschart öffnest, siehst du in den meisten Fällen Kerzen. Jede einzelne erzählt dir, wer in diesem Moment stärker war: die Käufer oder die Verkäufer. Kerzenformationen verdichten diese Information zu wiederkehrenden Mustern, die Trendumkehrungen und Trendfortsetzungen oft früher anzeigen als jeder Indikator. Japanische Reishändler nutzten diese Darstellungsform bereits im 18. Jahrhundert, lange bevor sie in den westlichen Handel kam.
Ich handle seit 1980 nach dem reinen Kursverlauf und habe in dieser Zeit jedes der hier gezeigten Muster unzählige Male am Bildschirm gesehen. In diesem Guide bekommst du die 35 wichtigsten Kerzenmuster in drei Gruppen: bullische Umkehrmuster, bärische Umkehrmuster sowie Fortsetzungs- und neutrale Muster. Zu jedem Muster gehört ein Chartbeispiel, dazu sage ich dir ehrlich, wo die Grenzen dieser Signale liegen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Kerzenformationen: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Kerzenformationen (auch Kerzenmuster oder Candlestick-Formationen) sind wiederkehrende Muster aus einer oder mehreren Kerzen. Sie zeigen Eröffnungs- und Schlusskurs sowie Hoch und Tief einer Periode und liefern Hinweise auf Trendumkehr oder Trendfortsetzung.
- Drei Gruppen decken die Praxis ab: bullische Umkehrmuster am Ende eines Abwärtstrends, bärische Umkehrmuster am Ende eines Aufwärtstrends und Fortsetzungsmuster innerhalb eines laufenden Trends.
- Die bekanntesten Muster sind Hammer, Doji, Engulfing, Harami und Shooting Star. Dieser Guide erklärt insgesamt 35 Kerzenmuster mit je einem Chartbeispiel.
- Der Kontext entscheidet: Ein Muster an einer markanten Unterstützungs- oder Widerstandszone hat deutlich mehr Aussagekraft als dasselbe Muster mitten im Niemandsland des Charts.
- Keine Garantie: Kein Kerzenmuster funktioniert immer. Kombiniere die Signale mit Marktstruktur, Volumen oder Indikatoren und sichere jede Position mit einem Stop-Loss ab.
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Video: Drei wichtige Kerzenformationen für dein Trading
Was sind Kerzenformationen?
Kerzenformationen sind wiederkehrende Muster aus einer oder mehreren Kerzen in einem Candlestick-Chart, die Aufschluss über das Kräfteverhältnis von Käufern und Verkäufern geben und auf eine Trendumkehr oder Trendfortsetzung hindeuten können.
Die technische Analyse bietet dir mehrere Werkzeuge, um Trends zu bestimmen und deren Umkehrpunkte früh zu erkennen. Kerzenmuster sind dabei der direkteste Weg: Sie lesen den Kursverlauf selbst, ohne Umweg über berechnete Indikatoren. Genau deshalb bilden sie das Fundament des Price-Action-Tradings.
Die Darstellungsform stammt aus dem japanischen Reishandel des 18. Jahrhunderts und geht auf den Händler Munehisa Homma zurück. In den Westen brachte sie Ende der 1980er-Jahre der Analyst Steve Nison, dessen Standardwerk die heute gebräuchlichen Musternamen geprägt hat. Einen Überblick über Herkunft und Aufbau der Candlestick-Charts findest du auch in der englischen Wikipedia. Als Ergänzung zu den klassischen Mustern lohnt ein Blick auf die geglättete Variante: Lesetipp: Heikin-Ashi Candlestick-Analyse als Ergänzung zu klassischen Kerzenformationen
Was ist ein Candlestick?
Ein Candlestick ist die grafische Darstellung der Kursbewegung einer Handelsperiode und zeigt vier Werte auf einen Blick: Eröffnungskurs, Schlusskurs, Höchstkurs und Tiefstkurs. Den vollständigen Aufbau eines Candlestick Charts mit Körper, Dochten und Farben erklären wir dir Schritt für Schritt.
Jede einzelne Kerze fasst also eine komplette Periode zusammen, egal ob eine Minute, eine Stunde oder ein Tag. Aus der Abfolge dieser Kerzen entstehen die Muster, um die es in diesem Guide geht. Damit du sie lesen kannst, musst du zuerst den Aufbau einer Kerze verstehen:

Kerzenkörper
Der Kerzenkörper ist der breite Teil einer Kerze und markiert den Bereich zwischen Eröffnungskurs und Schlusskurs einer Handelsperiode.
Eine einzelne Impulskerze kann eine Zone hinterlassen, in der praktisch kein Handel stattfand, das Fair Value Gap.
Die Lage der beiden Kurse hängt von der Richtung ab: In einer bullischen Kerze liegt der Schlusskurs über dem Eröffnungskurs, in einer bärischen darunter. Je länger der Körper, desto klarer hat sich eine Seite durchgesetzt.
Kerzendocht und Schatten
Der Docht (auch Schatten oder Lunte genannt) ist die dünne Linie ober- und unterhalb des Kerzenkörpers: Der obere Docht markiert das Hoch, der untere das Tief der Handelsperiode.
Beide Begriffe meinen dasselbe, die Bezeichnungen werden synonym verwendet. Fehlt ein Docht, fielen Hoch oder Tief mit Eröffnungs- oder Schlusskurs zusammen. Lange Dochte sind für dich als Trader besonders interessant: Sie zeigen, dass der Markt ein Kursniveau getestet und abgelehnt hat.
Farbe der Kerze
Die Farbe des Körpers zeigt dir die Richtung der Kursbewegung auf einen Blick. Ein grüner (früher weißer) Körper steht für steigende Kurse, ein roter (früher schwarzer) Körper für fallende. Bei einer grünen Kerze bildet die Oberkante des Körpers den Schlusskurs, bei einer roten die Unterkante.
Wie funktioniert das Kerzen-Diagramm?
Das Kerzen-Diagramm ist die informationsreichste Standard-Darstellung des Kursverlaufs. Ein Liniendiagramm zeigt dir nur den Schlusskurs. Die Kerze liefert dir zusätzlich Eröffnung, Hoch und Tief und damit die ganze Geschichte der Periode. Welche Chartarten es sonst noch gibt, zeigt dir unser Guide zu den Trading Charts.
Candlesticks reihen sich chronologisch aneinander. Schon ohne Indikatoren erkennst du daran den übergeordneten Trend sowie Unterstützungs- und Widerstandszonen. Bestimmte Abfolgen bilden zudem Muster, die als Kauf- oder Verkaufssignale dienen können.
Kerzenmuster entfalten ihren Wert vor allem in Kombination: mit dem Volumen, mit Zonen im Chart, mit Indikatoren wie dem RSI oder mit Fibonacci-Retracements. Das Muster liefert den Zeitpunkt, der Kontext liefert die Begründung für einen Trade.
Es gibt weit über hundert dokumentierte Muster. Für die Praxis reichen die Grundmuster aus, die du hier lernst. Wir starten mit den bullischen Formationen, die nach einem Abwärtstrend auftauchen und eine Aufwärtswende einleiten können.
Bullische Candlestick-Kerzenformationen
Bullische Umkehrformationen sind Kerzenmuster, die am Ende eines Abwärtstrends entstehen und eine Kurswende nach oben signalisieren.
Diese Muster zeigen dir, dass die Verkäufer die Kontrolle verlieren und die Käufer zurück in den Markt kommen. Am stärksten wirken sie an bedeutenden Unterstützungszonen, nicht mitten im freien Fall. Hier sind die 13 wichtigsten bullischen Kerzenmuster:
1. Hammer
Der Hammer ist eine einzelne Umkehrkerze am Ende eines Abwärtstrends. Ihr kleiner Körper sitzt am oberen Ende der Kerze, der untere Schatten ist mindestens doppelt so lang wie der Körper. Einen oberen Docht gibt es nicht oder nur angedeutet. Einen ausführlichen Leitfaden zu dieser Kerze findest du unter Hammer Candlestick.
Ein einzelner Hammer reicht als Warnsignal aus, die Farbe des Körpers ist zweitrangig. Besonders aussagekräftig sind Hammer an bedeutenden Unterstützungszonen: Dort werden Stop-Loss-Aufträge ausgelöst, und genau diese Liquidität nutzen große Marktteilnehmer für ihren Long-Einstieg. Der lange Schatten zeigt dir das Ergebnis: Der Markt hat die tiefen Kurse abgelehnt.
2. Kicker
Ein Kicker entsteht meist nach einem deutlichen Abwärtstrend. Die bullische Variante besteht aus einer langen bullischen Kerze, die nach einer Abwärtssequenz mit einer Kurslücke nach oben eröffnet und die Gegenrichtung förmlich wegtritt.
Viele Trader halten den Kicker für das stärkste Kerzenmuster überhaupt, weil der Richtungswechsel ohne Übergang kommt. Die Grafik zeigt, warum: Es gibt keine Zone des Zögerns. Wie fast jedes Muster existiert der Kicker in einer bullischen und einer bärischen Version.
3. Piercing
Das Piercing-Kerzenmuster ist ein Zwei-Kerzen-Umkehrmuster nach einem Abwärtstrend. Die erste Kerze ist bärisch und bestätigt zunächst den Trend.

Die zweite Kerze eröffnet mit einer Kurslücke nach unten, dreht dann aber und schließt über der Mitte des vorherigen Kerzenkörpers. Die Verkäufer konnten ihren Vorteil nicht halten. Ein Einstieg auf der Long-Seite bietet sich erst an, wenn die Folgekerze das Signal bestätigt. Der Stop-Loss gehört unter das Tief der zweiten Kerze.
4. Bullish Engulfing
Das Bullish Engulfing bildet sich nach einem Abwärtstrend aus zwei Kerzen: Auf eine bärische Kerze folgt eine lange bullische Kerze, deren Körper den Körper der Vorkerze vollständig umschließt.
Dieses Umschließen ist die Botschaft des Musters: Die Käufer haben die gesamte Vortagesbewegung neutralisiert und überboten. Aggressive Trader steigen mit der Bestätigungskerze ein, der Stop-Loss liegt unter dem Tief der Engulfing-Kerze.
5. Morning Star
Der Morning Star ist ein Drei-Kerzen-Umkehrmuster am Ende eines Abwärtstrends: eine lange bärische Kerze, dann eine kleine Kerze mit Mini-Körper (oft ein Doji), zum Abschluss eine lange bullische Kerze. Zieht sich dieselbe Bodenbildung über Wochen statt über drei Kerzen, entsteht daraus ein Doppelboden.
Die Dramaturgie: Erst bestätigt der Markt den Abwärtstrend, dann herrscht Unentschlossenheit, schließlich übernehmen die Käufer. Idealerweise ist der Körper der Mittelkerze durch Kurslücken von den Körpern der Nachbarkerzen getrennt. Je kräftiger die dritte Kerze, desto belastbarer das Signal.
6. Three White Soldiers
Die Three White Soldiers bestehen aus drei langen bullischen Kerzen in Folge, die nach einem Abwärtstrend erscheinen und den Beginn einer Aufwärtsbewegung anzeigen.
Jede der drei Kerzen eröffnet innerhalb des Körpers der Vorkerze und schließt nahe ihrem Hoch, ohne lange Dochte. Diese Serie zeigt beständigen Kaufdruck über mehrere Perioden, nicht nur ein einzelnes Aufbäumen.
7. White Marubozu
Der White Marubozu ist eine einzelne, komplett dochtlose bullische Kerze: Eröffnung am Tief, Schluss am Hoch. Nach einem Abwärtstrend gilt er als starkes Signal für eine Aufwärtswende.
Der fehlende Docht bedeutet: Die Käufer hatten vom ersten bis zum letzten Kurs die volle Kontrolle. Erscheint der Marubozu dagegen mitten in einem laufenden Aufwärtstrend, wirkt er als Fortsetzungssignal und nicht als Umkehr.
8. Three Inside Up
Das Three Inside Up ist ein Drei-Kerzen-Umkehrmuster nach einem Abwärtstrend. Es beginnt mit einer langen bärischen Kerze, gefolgt von einer kleinen bullischen Kerze, die innerhalb des Körpers der ersten liegt.
Die ersten beiden Kerzen bilden zusammen ein Bullish Harami. Die dritte Kerze liefert die Entscheidung: Eine lange bullische Kerze über dem Hoch der zweiten bestätigt die Wende.
9. Bullish Harami
Das Bullish Harami besteht aus einer großen bärischen Kerze und einer kleinen bullischen Kerze, deren Körper vollständig im Körper der Vorkerze liegt. „Harami” ist japanisch und bedeutet „schwanger”, das Bild beschreibt die Form der beiden Kerzen.
Die erste Kerze bestätigt den Abwärtstrend, die zweite zeigt: Der Verkaufsdruck ist versiegt. Das Harami ist ein eher schwaches Signal und braucht zwingend eine bullische Bestätigungskerze.
10. Tweezer Bottom
Das Tweezer Bottom besteht aus zwei Kerzen mit nahezu identischem Tief am Ende eines Abwärtstrends: erst eine bärische, dann eine bullische Kerze.
Das doppelt getestete Tief wirkt wie eine frisch bestätigte Unterstützung: Der Markt hat dasselbe Niveau zweimal abgelehnt. Dreht die zweite Kerze bullisch, deutet das auf die Trendwende hin. Auch hier gilt: Erst die Folgekerze macht das Signal rund.
11. Umgekehrter Hammer (Inverted Hammer)
Der umgekehrte Hammer bildet sich am Ende eines Abwärtstrends und trägt seinen langen Docht oben statt unten: kleiner Körper am unteren Ende, oberer Docht mindestens doppelt so lang wie der Körper.
Der lange obere Docht zeigt einen ersten Vorstoß der Käufer, der zwar noch abverkauft wurde, aber den Verkäufern bereits Gegenwehr signalisiert. Eine bullische Folgekerze wertet das Muster zum Wendesignal auf.
12. Three Outside Up
Das Three Outside Up kombiniert ein Engulfing mit einer Bestätigung: Auf eine kurze bärische Kerze folgt eine große bullische Kerze, die die erste vollständig umschließt, und danach eine weitere lange bullische Kerze.
Die ersten beiden Kerzen bilden das Bullish-Engulfing-Muster, die dritte liefert die eingebaute Bestätigung. Erst mit ihrem Schluss ist die Formation komplett und ein Long-Einstieg begründbar.
13. Bullish Counterattack
Das Bullish Counterattack ist ein Zwei-Kerzen-Umkehrmuster im Abwärtstrend. Auf eine lange bärische Kerze folgt eine bullische Kerze, die mit deutlicher Kurslücke nach unten eröffnet, dann aber bis auf die Höhe des Vortagesschlusses zurückkämpft.

Der Name beschreibt genau diesen Konterangriff: Die Verkäufer starten mit klarem Vorteil in die Periode und verlieren ihn komplett wieder. Beide Kerzen sollten lange Körper haben. Das Muster kündigt eine mögliche Wende an, die Bestätigung liefert erst die Folgekerze.
Bärische Candlestick-Kerzenformationen
Bärische Umkehrformationen sind Kerzenmuster, die am Ende eines Aufwärtstrends entstehen und eine Kurswende nach unten signalisieren.
Bilden sich diese Muster, solltest du mit bestehenden Long-Positionen vorsichtig werden: Die Käufer verlieren die Kontrolle, die Verkäufer übernehmen. Das sind die 12 wichtigsten bärischen Kerzenmuster:
14. Hanging Man
Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Der Hanging Man sieht exakt aus wie der Hammer, kleiner Körper oben, langer unterer Schatten. Der Unterschied liegt allein im Trendkontext: Der Hanging Man erscheint am Ende eines Aufwärtstrends und ist ein bärisches Signal.
Die Psychologie dahinter: Mitten im Aufwärtstrend drücken Verkäufer den Kurs plötzlich deutlich nach unten. Die Käufer holen zwar einen Großteil auf, doch der Angriff zeigt erstmals ernsthaften Verkaufsdruck. Eine bärische Folgekerze bestätigt die Wende; ein Stop-Loss über dem Hoch des Hanging Man begrenzt das Risiko einer Short-Position.
15. Dark Cloud Cover
Das Dark Cloud Cover ist das bärische Gegenstück zur Piercing Line: Nach einem Aufwärtstrend eröffnet die zweite Kerze mit Kurslücke nach oben, dreht dann und schließt unter der Mitte des bullischen Vortageskörpers.

Die Käufer starten euphorisch in die Periode und werden regelrecht überrollt. Je tiefer die zweite Kerze in den Vortageskörper eindringt, desto stärker das Signal. Der Stop-Loss für einen Short-Einstieg gehört über das Hoch der zweiten Kerze.
16. Bearish Engulfing
Das Bearish Engulfing bildet sich nach einem Aufwärtstrend: Eine lange bärische Kerze umschließt den Körper der bullischen Vorkerze vollständig.
Die Verkäufer haben die gesamte Vortagesleistung der Käufer ausradiert. Aussagekräftig wird das Muster vor allem an Widerstandszonen oder nach einer ausgedehnten Rally. Bestätigt die Folgekerze, liegt der Stop-Loss über dem Hoch der Engulfing-Kerze.
17. Der Abendstern (Evening Star)
Der Evening Star ist das bärische Spiegelbild des Morning Star: eine lange bullische Kerze, dann eine kleine Kerze mit Mini-Körper (oft ein Doji), zum Abschluss eine lange bärische Kerze.
Erst läuft der Aufwärtstrend, dann stockt er in der Unentschlossenheits-Kerze, schließlich entscheiden die Verkäufer die Lage für sich. Der Körper der Mittelkerze sollte durch Kurslücken von den Nachbarkörpern getrennt sein. Eine Short-Position kommt infrage, wenn die Folgekerze das bärische Signal bestätigt; der Stop-Loss sitzt über dem Hoch des Musters.
18. Drei schwarze Krähen (Three Black Crows)
Die Three Black Crows sind das Gegenstück zu den White Soldiers: drei lange bärische Kerzen in Folge nach einem Aufwärtstrend.
Jede Kerze eröffnet im Körper der Vorkerze und schließt nahe ihrem Tief, ohne lange Dochte. Drei Perioden anhaltender Verkaufsdruck: Das ist keine Momentaufnahme mehr, sondern ein Machtwechsel.
19. Schwarzer Marubozu
Der Black Marubozu ist eine einzelne, dochtlose bärische Kerze: Eröffnung am Hoch, Schluss am Tief. Nach einem Aufwärtstrend signalisiert er eine bärische Wende.
Die Verkäufer kontrollierten die Periode vom ersten bis zum letzten Kurs. Für Halter von Long-Positionen ist das ein deutliches Warnsignal, die Position zu überprüfen oder per Stop-Loss abzusichern. Mitten im Abwärtstrend wirkt der Black Marubozu als Fortsetzungssignal.
20. Drei innere Abwärtskerzen (Three Inside Down)
Das Three Inside Down startet mit einer langen bullischen Kerze, gefolgt von einer kleinen bärischen Kerze im Körper der ersten, abgeschlossen von einer langen bärischen Kerze.
Die ersten beiden Kerzen bilden ein Bearish Harami. Die dritte Kerze unter dem Tief der zweiten liefert die Bestätigung und komplettiert das Verkaufssignal.
21. Bearish Harami
Das Bearish Harami besteht aus einer großen bullischen Kerze und einer kleinen bärischen Kerze, deren Körper vollständig im Körper der Vorkerze liegt.
Nach dem kraftvollen Anstieg der ersten Kerze kommt die zweite nicht mehr vom Fleck: Der Kaufdruck ist erschöpft. Wie beim bullischen Pendant gilt das Harami als schwächeres Signal, das eine bärische Bestätigungskerze braucht.
22. Shooting Star
Der Shooting Star ist die bärische Entsprechung des Inverted Hammer: kleiner Körper unten, langer oberer Docht, mindestens doppelt so lang wie der Körper. Er erscheint am Ende eines Aufwärtstrends.
Die Käufer trieben den Kurs zunächst deutlich nach oben, wurden aber bis zum Periodenende komplett zurückgeschlagen. Die US-Variante dieses Musters mit exakten Messkriterien stellen wir im Beitrag zum Topping Tail vor, inklusive eines Silber-Fallbeispiels mit 36 % Absturz.
23. Tweezer Top
Das Tweezer Top besteht aus zwei Kerzen mit nahezu identischem Hoch am Ende eines Aufwärtstrends: erst eine bullische, dann eine bärische Kerze.
Das doppelt abgelehnte Hoch wirkt wie ein frisch bestätigter Widerstand: Die Käufer waren nicht bereit, noch höhere Kurse zu bezahlen. Dreht die zweite Kerze bärisch, steht die Trendwende im Raum. Die bärische Folgekerze liefert die Bestätigung.
24. Three Outside Down
Das Three Outside Down kombiniert ein Bearish Engulfing mit Bestätigung: Auf eine kurze bullische Kerze folgt eine große bärische Kerze, die die erste umschließt, und danach eine weitere lange bärische Kerze.
Die ersten beiden Kerzen bilden das Bearish-Engulfing-Muster, die dritte bestätigt die Wende nach unten. Mit ihrem Schluss ist die Formation komplett und ein Short-Einstieg begründbar.
25. Bearish Counterattack
Das Bearish Counterattack ist der Konterangriff der Verkäufer im Aufwärtstrend: Auf eine lange bullische Kerze folgt eine bärische Kerze, die mit deutlicher Kurslücke nach oben eröffnet und dann bis auf die Höhe des Vortagesschlusses zurückfällt.
Die Käufer starten mit klarem Vorteil und verlieren ihn innerhalb einer Periode komplett. Beide Kerzen sollten lange Körper haben. Wie beim bullischen Gegenstück gilt: Das Muster ist die Ankündigung, die Folgekerze die Entscheidung.
Fortsetzungs- und neutrale Kerzenmuster
Fortsetzungsmuster sind Kerzenformationen, die eine Pause im laufenden Trend anzeigen und dessen Wiederaufnahme signalisieren, statt eine Umkehr einzuleiten.
Auf der Ebene der Chartformationen übernimmt das Dreieck-Chartmuster dieselbe Rolle: Es zeigt eine Pause im Trend an, bevor der Kurs die Richtung wieder aufnimmt.
Das Konzept dahinter ist die Trendfolge: Der Kurs läuft bereits in eine Richtung, und du suchst einen Einstieg, um den Trend weiterzureiten. Das ist oft der dankbarere Ansatz als die Jagd nach dem exakten Hoch oder Tief, denn Trends halten häufig länger, als viele erwarten. In diese Gruppe gehören auch die neutralen Muster wie Doji und Spinning Top: Sie zeigen Unentschlossenheit an und gewinnen ihre Bedeutung erst durch die Folgekerzen.
26. Doji
Das Doji-Muster entsteht, wenn Eröffnungs- und Schlusskurs nahezu identisch sind. Die Kerze sieht aus wie ein Kreuz: winziger Körper, dafür Dochte in beide Richtungen.
Bullen und Bären haben um die Kontrolle gekämpft, ohne dass sich eine Seite durchsetzen konnte. Ein Doji allein ist neutral. Seine Bedeutung bekommt er durch den Kontext: Nach einem langen Trend kann er die erste Ermüdung anzeigen, wie beim Morning Star und Evening Star zu sehen.
27. Spinning Top
Das Spinning Top zeigt wie das Doji Unentschlossenheit im Markt an. Der Unterschied liegt im Körper: Der reale Körper des Spinning Top ist etwas größer als beim Doji, die Dochte auf beiden Seiten bleiben deutlich sichtbar.
Serien von Spinning Tops markieren oft Konsolidierungsphasen, in denen der Markt Kraft für die nächste Bewegung sammelt. Auch hier entscheidet die Ausbruchsrichtung der Folgekerzen über die Interpretation.
28. Fallende Drei-Methoden (Falling Three Methods)
Die Falling Three Methods sind ein bärisches Fortsetzungsmuster aus fünf Kerzen: eine lange bärische Kerze, drei kleine bullische Gegenkerzen und eine abschließende lange bärische Kerze.
Die drei Gegenkerzen bleiben innerhalb der Spanne der ersten Kerze: Die Bullen versuchen eine Erholung und scheitern. Die letzte Kerze unter dem Tief der ersten bestätigt, dass der Abwärtstrend intakt ist.
29. Aufsteigende Drei-Methoden (Rising Three Methods)
Die Rising Three Methods sind das bullische Spiegelbild: eine lange bullische Kerze, drei kleine bärische Gegenkerzen und eine abschließende lange bullische Kerze.
Die Bären bekommen den Kurs in den drei Gegenkerzen nicht nachhaltig nach unten. Schließt die fünfte Kerze über dem Hoch der ersten, ist die Pause beendet und der Aufwärtstrend bestätigt.
30. Tasuki-Lücke (Upside Tasuki)
Das Upside Tasuki Gap ist ein bullisches Fortsetzungsmuster aus drei Kerzen im Aufwärtstrend: zwei bullische Kerzen, getrennt durch eine Kurslücke nach oben, gefolgt von einer bärischen Kerze, die in die Lücke hineinläuft.
Entscheidend: Die dritte Kerze schließt die Lücke nicht vollständig. Das Gap hält als Unterstützung, der Rücksetzer ist nur eine Zwischenstation im laufenden Aufwärtstrend.
31. Mat Hold
Das Mat-Hold-Muster zeigt die Fortsetzung eines bestehenden Trends an. Die bullische Variante: eine große bullische Kerze, eine Kurslücke nach oben, drei kleinere fallende Kerzen und eine große bullische Schlusskerze.
Die drei Rücksetzer-Kerzen bleiben über dem Tief der ersten Kerze: Die Korrektur bleibt flach. Das Muster ähnelt den Rising Three Methods, gilt wegen der Kurslücke aber als die stärkere Variante. Es existiert auch spiegelbildlich als bärisches Muster.
32. On-Neck
Das On-Neck-Muster ist ein bärisches Fortsetzungsmuster im Abwärtstrend: Auf eine lange bärische Kerze folgt eine kleine bullische Kerze, die nahe am Schlusskurs der Vorkerze schließt.
Die nahezu identischen Schlusskurse bilden eine horizontale Nackenlinie, daher der Name. Die Botschaft: Die Erholung der Käufer ist zu schwach, um die Kerze zurück in den Vortageskörper zu drücken. Der Abwärtstrend setzt sich typischerweise fort.
33. Aufsteigendes Fenster (Rising Window)
Das Rising Window besteht aus zwei bullischen Kerzen mit einer Kurslücke dazwischen: Das Tief der zweiten Kerze liegt über dem Hoch der ersten. Wie solche Lücken entstehen und wie du sie handelst, erklärt unser Guide zum Gap Trading.
Die Lücke entsteht durch Kaufdruck mit Nachfrageüberhang und wirkt anschließend als Unterstützungszone. Solange das Fenster offen bleibt, gilt der Aufwärtstrend als intakt.
34. Fallendes Fenster (Falling Window)
Das Falling Window ist das bärische Gegenstück: zwei bärische Kerzen mit einer Kurslücke nach unten, das Hoch der zweiten Kerze bleibt unter dem Tief der ersten.
Hier dominiert der Verkaufsdruck so deutlich, dass keine Umsätze zwischen den beiden Kursbereichen zustande kommen. Die Lücke wirkt fortan als Widerstand und bestätigt den Abwärtstrend.
35. Hohe Welle (High Wave)
Das High-Wave-Muster ist ein ausgeprägtes Unentschlossenheitsmuster: kleiner Körper, dafür sehr lange Dochte nach oben und unten. Es tritt bevorzugt an Unterstützungs- und Widerstandszonen auf.
Innerhalb der Periode gab es eine große Kursspanne in beide Richtungen, doch der Schluss landet nahe der Eröffnung. Bullen und Bären haben sich neutralisiert. An wichtigen Zonen kündigt das High Wave oft eine volatile Entscheidung in den Folgekerzen an.
Wie zuverlässig sind Kerzenformationen?
Ehrliche Antwort: Kein Kerzenmuster ist ein Selbstläufer. Der Statistiker Thomas Bulkowski hat die Trefferquoten hunderter Candlestick-Muster über Jahrzehnte an US-Aktiendaten ausgewertet. Sein Ergebnis: Die meisten Muster funktionieren nur geringfügig besser als der Zufall, wenn man sie isoliert handelt. Einige wenige, darunter die Three-Methods-Varianten und das Engulfing, schneiden in seinen Auswertungen überdurchschnittlich ab.
Belastbar wird ein Kerzensignal erst, wenn ein zweites, unabhängiges Werkzeug dasselbe sagt. Welche Kombinationen dafür taugen, zeigt der Guide zu den Umkehrsignalen im Trend.
Aus meiner Praxis seit 1980 kann ich das bestätigen und zugleich einordnen: Die Statistik behandelt jedes Muster gleich, egal wo es im Chart auftaucht. Genau da liegt der Unterschied. Ein Hammer mitten im Nichts ist ein Zufallssignal. Derselbe Hammer an einer mehrfach bestätigten Unterstützungszone, an der gerade Stop-Loss-Orders ausgelöst wurden, ist ein Setup mit nachvollziehbarer Logik. Ich handle nie das Muster allein, sondern immer die Zone plus das Muster als Auslöser.
In der Praxis machen drei Regeln den Unterschied zwischen Zufallssignal und brauchbarem Setup:
- Kontext vor Muster: Handle Kerzenformationen nur an markanten Zonen wie Unterstützung, Widerstand oder Kurslücken, nicht mitten in der Bewegung.
- Bestätigung abwarten: Fast alle Umkehrmuster brauchen eine Folgekerze in Signalrichtung, bevor du einsteigst. Das kostet etwas Kursbewegung und erspart dir viele Fehlsignale.
- Übergeordneten Zeitrahmen prüfen: Ein Kaufsignal im Stundenchart gegen einen intakten Abwärtstrend im Tageschart ist ein Ritt gegen die Wand. Der größere Zeitrahmen hat Vorrang.
Kerzenformationen und Chartmuster: der Unterschied
Daneben steht eine dritte Beschreibungsebene. Die Markttechnik benennt Kerzen nicht nach ihrer Form, sondern nach ihrer Lage zur Vorkerze. Am bekanntesten ist dort der Umkehrstab und seine zwei Bedingungen, die viele der hier gezeigten Muster ebenfalls erfüllen.
Kerzenformationen bestehen aus einer bis fünf Kerzen und bilden sich innerhalb weniger Handelsperioden, während Chartmuster wie Doppeltop oder Schulter-Kopf-Schulter aus dem Kursverlauf vieler Perioden entstehen.
Beide Ansätze ergänzen sich in der Praxis. Das Chartmuster liefert das große Bild, etwa eine Topbildung über mehrere Wochen. Die Kerzenformation liefert dir darin das präzise Timing für den Einstieg, zum Beispiel ein Bearish Engulfing genau an der Nackenlinie. Die wichtigsten großen Formationen findest du in unserem Guide zu den 10 besten Chartmustern.
Zwei Kerzen reichen für ein vollständiges Setup: Beim Popgun Chartmuster folgt auf eine Inside Bar eine Outside Bar, und deren Schlusskurs gibt die Richtung vor.
Fazit: Kerzenformationen richtig einsetzen
Kerzenformationen sind für mich seit Jahrzehnten das direkteste Fenster in den Markt: Sie zeigen ohne Verzögerung, wer gerade die Oberhand hat. Muster wie Hammer, Engulfing oder Doji gehören zum Grundwerkzeug jedes Traders, egal ob im Daytrading oder auf Wochenbasis.
Genauso klar ist: Ein Kerzenmuster ist ein Hinweis, kein Versprechen. Handle die Muster an bedeutenden Zonen, warte die Bestätigungskerze ab und beachte den übergeordneten Zeitrahmen. Sichere jede Position mit einem Stop-Loss ab und kombiniere die Signale mit weiteren Werkzeugen der technischen Indikatoren, dem Volumen oder der Marktstruktur.
Mein Rat für den Einstieg: Lerne zuerst fünf Muster wirklich gründlich, statt 35 oberflächlich zu kennen. Hammer, Engulfing, Doji, Morning Star und Evening Star decken die meisten Situationen ab. Beobachte sie einige Wochen live am Chart, bevor du echtes Geld riskierst. Die übrigen Muster kommen dann fast von allein dazu.
FAQ zu Kerzenformationen im Trading
Was sind Kerzenformationen?
Kerzenformationen (auch Kerzenmuster oder Candlestick-Formationen) sind wiederkehrende Muster aus einer oder mehreren Kerzen im Chart. Jede Kerze zeigt Eröffnungs- und Schlusskurs sowie Hoch und Tief einer Handelsperiode. Aus der Anordnung der Kerzen leiten Trader Hinweise auf Trendumkehr oder Trendfortsetzung ab.
Wie viele Kerzenformationen gibt es?
Dokumentiert sind weit über hundert Muster, dieser Guide erklärt die 35 wichtigsten. Für die Praxis reichen wenige Grundmuster: Wer Hammer, Engulfing, Doji, Morning Star und Evening Star sicher erkennt, deckt die meisten Situationen im Chart ab.
Welche Kerzenformation ist die stärkste?
Als stärkstes Einzelmuster gilt vielen Tradern der Kicker, weil der Richtungswechsel abrupt und mit Kurslücke erfolgt. In den Statistiken von Thomas Bulkowski schneiden zudem Engulfing-Muster und die Three Methods überdurchschnittlich ab. Wichtiger als das Muster selbst ist aber der Ort im Chart, an dem es entsteht.
Wie erkenne ich eine Kerzenformation?
Prüfe drei Dinge: die Form der einzelnen Kerzen (Körpergröße, Dochtlänge), die Abfolge der Kerzen zueinander und den vorherigen Trend. Ein Hammer ist zum Beispiel nur dann ein Hammer, wenn davor ein Abwärtstrend lief. Ohne Trendkontext ist dieselbe Kerze bedeutungslos.
Sind Kerzenformationen immer zuverlässig?
Nein. Statistische Auswertungen zeigen, dass die meisten Muster isoliert gehandelt nur wenig besser als der Zufall abschneiden. Deutlich besser funktionieren sie an markanten Unterstützungs- und Widerstandszonen und mit einer Bestätigungskerze. Ein Stop-Loss bleibt bei jedem Trade Pflicht.
Können Kerzenformationen auf alle Märkte angewendet werden?
Ja. Kerzenmuster funktionieren überall dort, wo ein liquider Markt Kerzencharts erzeugt: bei Aktien, Forex, Indizes, Rohstoffen und Kryptowährungen. Beachte aber die Unterschiede: In illiquiden Werten mit vielen Kurslücken sind Muster deutlich unzuverlässiger als in liquiden Märkten.
Sind Kerzenmuster für Anfänger geeignet?
Ja, Kerzenmuster sind sogar ein guter Einstieg in die Chartanalyse, weil sie ohne Berechnungen auskommen. Lerne zuerst wenige Muster gründlich und beobachte sie im Chart, bevor du echtes Geld einsetzt. Ein Demokonto ist dafür der risikofreie Übungsplatz.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1980. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.
Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Kerzenformationen sind seit fast fünf Jahrzehnten Teil seines täglichen Handwerkszeugs: Als Price-Action-Trader liest er Märkte direkt am Kursverlauf, ohne Indikatoren. Die Einordnung der Muster in diesem Guide, vom Hammer an der Unterstützungszone bis zur Bestätigungskerze, beruht auf dieser praktischen Handelserfahrung.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.












































